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Kurt Masur (* 18. Juli 1927 in Brieg) ist der „wohl populärste deutsche Dirigent der Gegenwart“.[1]
Inhaltsverzeichnis |
Kurt Masur ist der Sohn eines Elektroingenieurs. Sein Vater war Inhaber eines Elektrofachgeschäfts. So hat auch Kurt Masur eine Ausbildung zum Elektriker absolviert und diese auch abgeschlossen. Zeitweise hat er in der Firma seines Vaters gearbeitet. Er sagt von sich selbst, dass er viel Freude an praktischer Arbeit habe.[2]
Der Klavierunterricht seiner älteren Schwester weckte bei ihm das Interesse am Klavierspiel. Mit 10 Jahren bekam er Klavierunterricht von der zweiten Organistin der Brieger Kirche, und er begann Orgel zu spielen. Ab 1942 war er zwei Jahre Schüler an der Landesmusikschule Breslau in den Fächern Klavier und Violonchello. Mit 16 Jahren bekam er die ärztliche Diagnose, dass sein rechter Finger nicht mehr streckbar ist, was eine Karriere als Pianist ausschloss. So reifte der Entschluss, stattdessen zu dirigieren.
1944/45 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen. Nach seiner Rückkehr studierte er von 1946 bis 1948 an der Leipziger Mendelssohn-Akademie Klavier, Komposition und Orchesterleitung, brach das Studium jedoch ab. Später bezeichnete er sich deswegen kokett als „Amateur“.[3]
Masur war bis 1966 mit seiner ersten Ehefrau Brigitte Stütze verheiratet, sie hatten zusammen drei Kinder, zwei Söhne und eine Tochter. 1971 heiratete er die Mutter der gemeinsamen Tochter Carolin,[4] die Tänzerin Irmgard Elsa Kaul (* 1938). Sie starb 1972 bei einem von Masur verursachten Autounfall, der noch zwei weitere Todesopfer forderte. Zu einer Anklage kam es nicht.[5] In dritter Ehe ist er seit 1975 mit der japanischen Sopranistin Tomoko Sakurai verheiratet.[6] Aus dieser Ehe stammt der Sohn Ken-David (* 1977), der erfolgreicher Dirigent in San Antonio ist. Insgesamt hat Masur fünf Kinder.
Kurt Masur prägte als Gewandhauskapellmeister fast dreißig Jahre das Leipziger Musikleben. Nach seinem Studium war er von 1948 bis 1951 Solorepetitor und Kapellmeister am Landestheater in Halle (Saale). Nach der Tätigkeit als Erster Kapellmeister an den Städtischen Bühnen Erfurt (1951–1953) und den Städtischen Theatern Leipzig (1953–1955) wurde er 1955 Dirigent der Dresdner Philharmonie. Von 1958 bis 1960 war er Musikalischer Oberleiter am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin und von 1960 bis 1964 an der Komischen Oper Berlin. Er gastierte 1964 bis 1967 in verschiedenen europäischen Ländern und in Brasilien, bevor er von 1967 bis 1972 die Dresdner Philharmoniker als Chefdirigent leitete.
Von 1970 bis 1997 war Masur Gewandhauskapellmeister in Leipzig; er gab mit dem Gewandhausorchester über 900 Tournee-Konzerte. In dieser Funktion setzte er den Neubau des neuen (dritten) Gewandhauses für das Orchester durch (Eröffnung 1981), das seit der Zerstörung im Krieg 1943 ohne eigene Spielstätte war. Von 1991 bis 2002 wirkte er zudem als Chefdirigent des New York Philharmonic Orchestra. Von 2000 bis 2007 war er Musikdirektor des London Philharmonic Orchestra. Von 2002 bis 2008 oblag ihm auch die musikalische Leitung des Orchestre National de France in Paris. Seit 1997 ist Kurt Masur Ehrendirigent des Gewandhausorchesters. Zudem ist er seit 1992 Ehrengastdirigent beim Israel Philharmonic Orchestra.[7]
Am 9. Oktober 1989, dem Tag der Leipziger Montagsdemonstrationen, gehörte Masur zu den sechs prominenten Leipzigern (neben den Sekretären der SED-Bezirksleitung Kurt Meyer, Jochen Pommert und Roland Wötzel, dem Kabarettisten Bernd-Lutz Lange und dem Theologen und Stasi-Mitarbeiter Peter Zimmermann), die den Aufruf Keine Gewalt! verfassten. Dieser Aufruf wurde während der Demonstration mehrfach über die Lautsprecher des Leipziger Stadtfunks verbreitet und trug so maßgeblich zu deren friedlichen Ablauf bei. Am 27. Dezember 1989 wurde Masur erster Ehrenbürger der Stadt Leipzig nach der politischen Wende in der DDR.
1991 wurde unter Masurs Vorsitz die Internationale Mendelssohn-Stiftung e. V. für den Erhalt und die Wiederherstellung des Leipziger Mendelssohn-Hauses gegründet, in der er sich bis heute engagiert.
Schon früh wurden Masur Ehrungen zuteil: Die DDR zeichnete ihn mit dem Leipziger Kunstpreis und dem Nationalpreis aus. Im Jahr 1975 wurde er zum Professor an der Leipziger Hochschule für Musik „Felix Mendelssohn Bartholdy“ ernannt. Im Jahr 1984 wurde ihm der Ehrendoktortitel der Universität Leipzig verliehen. Am 26. Januar 1990 gehörte Masur zu den Gründern der Kulturstiftung Leipzig und wurde zu deren erstem Präsidenten (bis 1995) gewählt. 1994 wurde er Vorstandsmitglied der Deutschen Nationalstiftung. Masur ist Mitglied der Sächsischen Akademie der Künste und der Akademie der Künste Berlin.
Masur hatte eine kritische Haltung zum Jazz. In seiner Zeit als Chefdirigent an der Komischen Oper Berlin verbot er dem dortigen Soloposaunisten Hartmut Behrsing, der auch Mitglied der Jazz Optimisten Berlin, war, sich weiterhin im Jazz zu betätigen: Wer an einem Abend Jazz spiele, könne nicht am nächsten Abend Verdi spielen.[8]
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Johann Adam Hiller (1781–1785) | Johann Gottfried Schicht (1785–1810) | Johann Philipp Christian Schulz (1810–1827) | Christian August Pohlenz (1827–1835) | Felix Mendelssohn Bartholdy (1835–1843) | Ferdinand Hiller (1843–1844) | Felix Mendelssohn Bartholdy (1845–1847) | Julius Rietz (1848–1860) | Carl Reinecke (1860–1895) | Arthur Nikisch (1895–1922) | Wilhelm Furtwängler (1922–1928) | Bruno Walter (1929–1933) | Hermann Abendroth (1934–1945) | Herbert Albert (1946–1948) | Franz Konwitschny (1949–1962) | Václav Neumann (1964–1968) | Kurt Masur (1970–1996) | Herbert Blomstedt (1998–2005) | Riccardo Chailly (seit 2005)
Hermann Mannsfeldt (1870–1885) | Michael Zimmermann (1885–1886) | Ernst Mörike (1886–1890) | August Trenkler (1890–1903) | Willy Olsen (1903–1915) | Edwin Lindner (1915–1923) | Eduard Mörike (1924–1929) | Paul Scheinpflug (1929–1930) | Werner Ladwig (1932–1934) | Paul van Kempen (1934–1942) | Carl Schuricht (1943–1944) | Gerhart Wiesenhütter (1945–1946) | Heinz Bongartz (1947–1964) | Horst Förster (1964–1972) | Kurt Masur (1967–1972) | Günther Herbig (1972–1977) | Herbert Kegel (1977–1985) | Jörg-Peter Weigle (1986–1994) | Michel Plasson (1994–2001) | Marek Janowski (2001–2003) | Rafael Frühbeck de Burgos (2004-2011) | Michael Sanderling (seit 2011)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Masur, Kurt |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Dirigent |
| GEBURTSDATUM | 18. Juli 1927 |
| GEBURTSORT | Brieg, Schlesien |