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| Wappen | Deutschlandkarte | |
|---|---|---|
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| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Baden-WĂŒrttemberg | |
| Regierungsbezirk: | Freiburg | |
| Landkreis: | Lörrach | |
| Höhe: | 294 m ĂŒ. NN | |
| FlĂ€che: | 39,42 kmÂČ | |
| Einwohner: |
48.380 (31. Dez. 2010)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 1227 Einwohner je kmÂČ | |
| Postleitzahlen: | 79539â79541 | |
| Vorwahl: | 07621 | |
| Kfz-Kennzeichen: | LĂ | |
| GemeindeschlĂŒssel: | 08 3 36 050 | |
| Stadtgliederung: | Kernstadt sowie 3 Stadt- und 3 Ortsteile | |
| Adresse der Stadtverwaltung: |
LuisenstraĂe 16 79539 Lörrach | |
| WebprÀsenz: | ||
| OberbĂŒrgermeisterin: | Gudrun Heute-Bluhm (CDU) | |
| Lage der Kreisstadt Lörrach im gleichnamigen Landkreis | ||
Lörrach ist eine Kreisstadt im SĂŒdwesten Baden-WĂŒrttembergs. Sie ist die gröĂte Stadt des gleichnamigen Landkreises und seit dem 1. April 1956 GroĂe Kreisstadt. In der nĂ€heren Umgebung liegen der Schwarzwald, das Rheintal sowie die StĂ€dte Weil am Rhein und Basel.
Lörrach liegt weniger als fĂŒnf Kilometer vom DreilĂ€ndereck Deutschland â Frankreich â Schweiz entfernt, die GemarkungsflĂ€che grenzt unmittelbar an die Schweiz. Die Stadt ist Bestandteil des Trinationalen Eurodistricts Basel (frĂŒherer Name: Trinationale Agglomeration Basel) mit rund 830.000 Einwohnern. Der erweiterte trinationale Ballungsraum wird, da er sich um das Rheinknie gebildet hat, auch RegioTriRhena genannt. Dieser Lebens- und Wirtschaftsraum umfasst die Gegend im Ă€uĂersten SĂŒdwesten Baden-WĂŒrttembergs, die Nordwestschweiz sowie das Oberelsass. Er zĂ€hlt etwa 2,3 Millionen Einwohner und ĂŒber eine Million ErwerbstĂ€tige.
Lörrach liegt im Ă€uĂersten SĂŒdwesten Deutschlands an den AuslĂ€ufern des sĂŒdlichen Schwarzwaldes im Wiesental und an der Schweizer Grenze zu Riehen, welches dem Kanton Basel-Stadt angehört. LĂ€ngs der Wiese, einem rechten Nebenfluss des Rheins, verlĂ€uft die sogenannte âGrĂŒne Grenzeâ zur Schweiz, ein Wanderweg fĂŒr FuĂgĂ€nger und Radfahrer.
| Binzen | RĂŒmmingen | Steinen (Baden) |
| Weil am Rhein | |
Dinkelberg |
| Basel (CH) | Riehen (CH) | Inzlingen |
Lörrach wird manchmal als âHauptstadtâ des MarkgrĂ€flerlands bezeichnet und gehört dem trinationalen Eurodistrikt Basel und Regio TriRhena an. Die Landeshauptstadt Stuttgart liegt 260 Kilometer von Lörrach entfernt, die Schweizer GroĂstĂ€dte Bern 102 Kilometer und ZĂŒrich 90 Kilometer, eine gute Autostunde. Die nĂ€chste französische GroĂstadt (49 Kilometer) ist MĂŒlhausen, die nĂ€chste deutsche GroĂstadt ist Freiburg im Breisgau (74 Kilometer).
Die Stadt Lörrach wird von vielen bewaldeten Erhebungen (SchĂ€delberg, Homburg, Röttler Wald und TĂŒllinger Berg) entlang des Wiesentals umrahmt, wovon der TĂŒllinger Berg mit 460 Meter ĂŒ. NN eine der höchsten bildet. Von dort aus hat man die beste Aussicht auf die umliegenden StĂ€dte Weil am Rhein und Basel sowie auf das Rheinknie. Auf dem TĂŒllinger Berg ist ein 657 Hektar umfassendes Landschaftsschutzgebiet eingerichtet. Am SĂŒdwesthang des Berges wird die regional bedeutende Gutedelrebe angebaut und zu MarkgrĂ€fler Wein verkeltert.
Durch Lörrach, genauer gesagt, an der Burg Rötteln vorbei ĂŒber den TĂŒllinger, fĂŒhrt die Schlussetappe der Variante A des Westweges. Seit 2010 verlĂ€uft ein Teil des Hebel-Wanderweges ebenfalls durch das Stadtgebiet. Insgesamt befinden sich ein vom Schwarzwaldverein betreutes 89 Kilometer langes Wanderwegenetz auf Lörracher Gemarkung.[2]
Lörrach liegt in einem sogenannten Zollgrenzbezirk[3] mit Sitz eines Hauptzollamtes. Bisher fĂŒhrten sowohl der Schweizer wie der Deutsche Zoll Grenzkontrollen durch. Nach dem Schengener Abkommen, dem die Schweiz am 16. Oktober 2004 beigetreten ist, sind ab dem 12. Dezember 2008 die Personenkontrollen weggefallen. Die Warenkontrollen werden zunĂ€chst weiterhin bestehen bleiben, da die Schweiz nicht der europĂ€ischen Zollunion beigetreten ist. Die Grenzlage Lörrachs brachte den Stadtbewohnern sowohl Vor- als auch Nachteile. Mit dem Fall der Grenzen innerhalb der EU und den Bilateralen VertrĂ€gen der EU mit der Schweiz gelangte die Region erstmals aus einer politischen Randlage heraus in eine europĂ€ische Zentrallage. Mittels gut ausgebauter Nord-SĂŒd- und Ost-West-Verkehrsverbindungen ist Lörrach wirtschaftlich eingebunden und profitiert auch im Fremdenverkehrswesen als Regionalzentrum des sĂŒdlichen Schwarzwaldes. Nachteilig wirkt sich die gestiegene KriminalitĂ€t durch den Grenzverkehr aus, dazu zĂ€hlen insbesondere Straftaten im Bereich des Drogenschmuggels. Der Landkreis Lörrach lag 2004 bei der HĂ€ufigkeitszahl an kriminellen Delikten mit 10.099 FĂ€llen landesweit auf Platz sechs in Baden-WĂŒrttemberg.[4]
Lörrach liegt im sĂŒdlichsten Abschnitt des Oberrheingrabens, eine der Hauptlinien des Oberrheinischen Grabenbruchs verlĂ€uft durch das Stadtgebiet. Die durch tektonische Bewegungen entstandene Senke macht den Raum Lörrach damit zu einer der erdbebengefĂ€hrdetsten Regionen Deutschlands. Er wird mehrmals im Jahr von kleineren bis mittleren Erdbeben heimgesucht.
Die Stadt selbst breitet sich auf einem Talboden aus der QuartĂ€rzeit aus. Beidseitig des Tals ist Lörrach von AbhĂ€ngen umgeben, welche den sĂŒdlichen Teil des Wiesentals bilden. Der Fluss Wiese aus dem Schwarzwald bahnt sich seinen Weg bis zur MĂŒndung in den weiten SchotterflĂ€chen der Rheinebene in Basel. Die Muschelkalke am TĂŒllinger Berg bildeten sich im TertiĂ€r vor rund 30 Millionen Jahren. Zu dieser Zeit befand sich zwischen Schwarzwald und den Alpen der nordschweizerische Molasse-See. Die Sande, die sich dort ablagerten, bilden die heutige Unterlage des TĂŒllinger Berges. Die wechselnden Schichten am TĂŒllinger Berg entstanden durch fortwĂ€hrende Verlandung und BefĂŒllung des Sees. So bildeten sich wasserdurchlĂ€ssige Kalkschichten und wasserundurchlĂ€ssige Tone. Auf diesen Ton- und Mergelschichten sammeln sich NiederschlĂ€ge, die bis zur GrundflĂ€che der Kalkplatten wieder ins Erdreich sickern. Wasseraustritte am TĂŒllinger Berg fĂŒhren zu Rutschungen, den sogenannten Schlipfen. Ein besonders groĂer Erdrutsch ereignete sich 1758, welcher sogar den Lauf der Wiese verĂ€nderte.[5]
Geografische Daten der Stadtgemarkung Lörrachs:
Das bebaute Stadtgebiet Lörrachs misst in der gröĂten Nord-SĂŒd-Ausdehnung 6,0 Kilometer, in der Ost-West-Richtung sind es 4,6 Kilometer.
Der Stadtraum Lörrach ist reich an Grundwasserquellen.[6] An der Untergrenze der Hochterrassenschotter gegen stauende Blaue Letten (Melettaschichten) tritt Wasser auf der Talsohle zutage (z. B. Leuselhard, Buckweg). Oberhalb undurchlĂ€ssiger Tonsteinareale treten oft groĂe Mengen Hangwasser aus, welche frĂŒher in zahlreichen Schachtbrunnen genutzt wurden. Ărtlich auftretende Verwerfungsquellen[7] findet man beispielsweise östlich der Hartmatten. Der TĂŒllinger Berg wird kranzförmig auf etwa 400 Meter Höhe von einem Quellhorizont umgeben.
Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts wurde die Wasserversorgung Lörrachs durch laufende steinerne Brunnen bewerkstelligt. Im Jahr 1887 wurde am Hochgestade beim Schwimmbad ein Tiefbrunnen gebaut, der seitdem die Stadt ĂŒber ein öffentliches Verteilernetz aus dem Grundwasser versorgt. Seit 1967 befindet sich das Versorgungszentrum im Landschaftspark GrĂŒtt.[8]
Lörrach hat aufgrund seiner besonderen geografischen Lage ein ausgesprochen mildes, im Sommer sogar heiĂes Klima. Die Region des MarkgrĂ€flerlands gilt als die wĂ€rmste Deutschlands, da aus dem RhĂŽnetal ĂŒber die Burgundische Pforte mediterrane Luft einströmt. Nach Erhebungen des Deutschen Wetterdienstes fĂŒr die Jahre 1961 bis 1990 betrĂ€gt die durchschnittliche Sonnenscheindauer rund 1700 Stunden im Jahr. Dieser Wert liegt im bundesweiten Vergleich (Mittelwert fĂŒr Deutschland liegt bei 1541 Stunden) im oberen Drittel.[9] Die ĂŒberdurchschnittlich vielen Sonnentage haben der sĂŒdwestlichen Region den Spitznamen âDie Toskana Deutschlandsâ eingebracht. Im Winter liegt in Lörrach normalerweise keine oder nur eine sehr dĂŒnne Schneedecke. Am 5. MĂ€rz 2006 legte jedoch ein Rekordschneefall die Region rund um Lörrach und Basel lahm. In der Lörracher Innenstadt wurden gut 42 Zentimeter Neuschnee gemessen, so viel wie zuletzt 1962.[10]
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Klimadaten Lörrachs
Quelle: Niederschlag: klimadiagramme.de Mittelwerte der Periode 1961 bis 1990,
Durchschnittstemperatur: klimadiagramme.de, Eimeldingen, Min/Max-Temperatur: weather.msn.com | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Die Stadt gliedert sich in die Kernstadt sowie drei Stadtteile und drei Ortsteile:
| Jahr | Eingemeindetes Gebiet |
|---|---|
| 1908 | Stadtteil Stetten |
| 1935 | Stadtteil Tumringen |
| 1935 | Stadtteil TĂŒllingen[11] |
| 1974 | Ortsteil Haagen |
| 1975 | Ortsteil Brombach |
| 1975 | Ortsteil Hauingen |
Die drei Ortsteile verfĂŒgen ĂŒber eine eigene Ortsverwaltung mit einem Ortsvorsteher. Der Lörrach vorstehende Ortschaftsrat wird alle fĂŒnf Jahre direkt von den BĂŒrgern gewĂ€hlt. 1963 wurde die Satellitenstadt Salzert erschlossen, welche östlich von Stetten liegt.
Zu einigen Stadtteilen gehören teilweise weitere separat gelegene WohnplĂ€tze mit eigenen Namen, die meist nur sehr wenige Einwohner haben (etwa Im Löhr in Brombach, Rötteln und Röttelnweiler bei Haagen oder Rechberg oberhalb von Hauingen) und dennoch von groĂer historischer Bedeutung sein können, wie zum Beispiel Rötteln oder ObertĂŒllingen mit ihren KirchengebĂ€uden aus dem 8. Jahrhundert.
Die Nachbargemeinde Inzlingen ist zwar eigenstÀndig, die Stadt Lörrach bildet mit ihr jedoch eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft.
Die GemarkungsflĂ€che von Lörrach betrĂ€gt 39,43 kmÂČ, die sich in folgende Nutzungsarten[12] und Stadt- und Ortsteile[13] aufteilen:
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Lörrach bildet zusammen mit der Nachbarstadt Weil am Rhein eines der beiden Oberzentren der Region Hochrhein-Bodensee (das andere ist Konstanz). Ihm sind die Mittelzentren Bad SĂ€ckingen, Rheinfelden (Baden), Schopfheim und Waldshut-Tiengen zugeordnet. Das Oberzentrum Lörrach/ Weil[14] ĂŒbernimmt fĂŒr die StĂ€dte und Gemeinden Binzen, Efringen-Kirchen, Eimeldingen, Fischingen, Inzlingen, Kandern, Malsburg-Marzell, RĂŒmmingen, Schallbach, Steinen und Wittlingen auch die Funktion des Mittelbereichs. DarĂŒber hinaus gibt es grenzĂŒberschreitende Verflechtungen mit den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft in der Schweiz sowie mit dem sĂŒdlichen Elsass in Frankreich. Aufgrund des stark anhaltenden Zuzugs ist nach dem FlĂ€chennutzungsplan 2022 vorgesehen, dass rund 53 Hektar neues Bruttowohnland erschlossen wird.[15]
â Hauptartikel: Geschichte Lörrachs
Die Ă€ltesten Spuren menschlicher Besiedlung im Raum Lörrach reichen bis in die Ă€ltere Steinzeit zurĂŒck. Funde in den Höhlen des Isteiner Klotzes aus der mittleren Steinzeit (vor etwa 6000 Jahren) weisen auf BergbauaktivitĂ€ten und RentierjĂ€ger hin. Die Funde auf Lörracher Gemarkung beginnen mit der Jungsteinzeit, einer Periode, in der sich mit dem Ăbergang zur Sesshaftigkeit dorfĂ€hnliche Siedlungen gebildet haben.
Nach der Ansiedlung von Kelten im 1. Jahrhundert v. Chr. war das Land von der Expansion des Römischen Reiches betroffen, die unter Kaiser Augustus mit der Besetzung des linken Rheinufers begann. Um etwa 70 n. Chr. wurde unter den Flaviern die Romanisierung ĂŒber das rechtsrheinische Hoch- und Oberrheinland bis hin zum Limes fortgesetzt. AuffĂ€llig ist, dass im Gegensatz zum Raum Basel, zum sĂŒdlichen Oberrheingebiet sowie zum Hochrheintal auf der Gemarkung Lörrach nur geringe Zeugnisse der römischen Zeit zu finden sind. Das vordere Wiesental sowie der Dinkelberg gehörten noch nicht zum Interessensbereich der römischen Eroberer. Spuren der Römerzeit findet man lediglich im heutigen Stetten und in Brombach. In Lörrach, wo der Romanisierungsprozess erst spĂ€ter einsetzte, findet man in landschaftlich bevorzugter Lage ein römisches Landgut, eine sogenannte Villa Rustica. Die ausgegrabenen und restaurierten Grundmauern der Villa Rustica in Brombach sind bis dato das einzig entdeckte Zeugnis römischer Bauten.
Die umliegenden Ortschaften Lörrachs wie beispielsweise Tumringen, TĂŒllingen oder das im Jahr 763 erstmals erwĂ€hnte Stetten sind zum Teil durch Schenkungsurkunden dokumentiert. Lörrach selbst fand vergleichsweise spĂ€te urkundliche ErwĂ€hnung. Eine Urkunde des Klosters St. Gallen vom 7. September 751 dokumentiert Lörrach erstmals.[16][17] Erst im 12. und 13. Jahrhundert gewann das Dorf Lörrach an Bedeutung. Erstmals wurde Lörrach im Jahr 1102 in einem GrĂŒndungsbericht des Klosters St. Alban erwĂ€hnt.
Fortan war Lörrachs Geschichte stark mit den Herren von Rötteln verbunden. Diese beteiligten sich an den KreuzzĂŒgen unter Kaiser Barbarossa. Der Einfluss der Herren von Rötteln blieb nicht nur auf das Weltliche beschrĂ€nkt. Im Jahr 1238 wurde Liutold I. von Rötteln zum Bischof von Basel ernannt. Nach ihm ist die 1259 urkundlich erwĂ€hnte Burg Rötteln benannt, welche spĂ€ter zum Stammsitz der Adelsfamilie wurde. Im 14. Jahrhundert wandelte sich das HerrschaftsverhĂ€ltnis um und der Einfluss der Herren von Rötteln wich, so dass die Burg Rötteln in der Folgezeit viele unterschiedliche Besitzer hatte.
Am 26. Januar 1403 erteilt der deutsche König Ruprecht von der Pfalz dem Markgrafen Rudolf III. von Hachberg-Sausenberg dem Dorf Lörrach das Recht, einen Jahrmarkt und dazu einen Wochenmarkt am Mittwoch abzuhalten. Da Lörrach im Schnittpunkt wichtiger HandelsstraĂen lag, war dieses Marktrecht von groĂer Bedeutung, welches 1452 von Kaiser Friedrich III. bestĂ€tigt wurde.[18]
Die von Johannes Oekolampad 1529 in Basel eingefĂŒhrte Reformation nahm auch in Lörrach Einfluss. 1556 hielt ein evangelischer Pfarrer die erste Predigt in deutscher Sprache statt im sonst ĂŒblichen Latein.
Zur Zeit des DreiĂigjĂ€hrigen Krieges litt Lörrach zum einen an den Kriegsfolgen, zum anderen forderte die mehrere Jahre andauernde Pest viele Opfer. 1633 marschierten spanische Truppen durch das Land und wurden zur schweren Landplage. WĂ€hrend der Schlacht bei Rheinfelden 1638 hatte Bernhard von Sachsen-Weimar sein Hauptquartier in Brombach und hielt Rötteln besetzt. Erst der Friede von MĂŒnster 1648 brachte Lörrach Frieden.
Friedrich Magnus von Baden-Durlach verlieh am 18. November 1682 Lörrach das Stadtrecht. Dieses wurde allerdings infolge stÀndiger Kriegswirren nicht wirksam und geriet in Vergessenheit. So wurde am 3. Juni 1756 das Lörracher Stadtrecht durch Markgraf Karl Friedrich erneuert.
Durch die Grenzlage Lörrachs zu Frankreich und wechselnde BĂŒndnisse der Markgrafschaft wurde die Region um Lörrach in den nĂ€chsten 150 Jahren hĂ€ufiger Schauplatz von Schlachten. Die Kriegsfolgen belasteten die Stadt und deren Entwicklung nachhaltig. 1702 fand westlich von Lörrach die Schlacht am KĂ€ferholz im Verlauf des Spanischen Erbfolgekrieges statt. Im Polnischen Erbfolgekrieg 1733 bis 1738 stieĂen im Jahr 1735 erneut französische Truppen bei HĂŒningen ĂŒber den Rhein, verlangten von den Bewohnern des Wiesentals Proviant und erhoben eine Kriegssteuer fĂŒr alle Gemeinden. Auch der von 1740 bis 1748 dauernde Ăsterreichische Erbfolgekrieg verschonte Lörrach nicht. Zwar kam es zu keinen Zerstörungen, jedoch mussten die Gemeinden des MarkgrĂ€flerlandes Ăsterreicher und Franzosen mit Proviant versorgen. Erst der Zweite Aachener Frieden brachte fĂŒr einige Jahrzehnte Frieden ins Land.
1796 wurde Lörrach Schauplatz im ersten Koalitionskrieg. Die Lörracher Bevölkerung wurde durch Leistung von Kontributionen und Frondiensten belastet. WĂ€hrend des zweiten Koalitionskrieges von 1799 bis 1802 wurde das untere Wiesental erneut von französischen Truppen ĂŒberlaufen. DafĂŒr profitierte Lörrach 1803 von der Erhebung des Landes Baden zum KurfĂŒrstentum durch NapolĂ©on und 1806 zum GroĂherzogtum. WĂ€hrend der zweiten HĂ€lfte des 18. und der ersten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts verkehrte der bedeutendste alemannische Mundartdichter, Johann Peter Hebel, in Lörrach. Hebel war von 1783 bis 1791 Lehrer an der ehemaligen Lateinschule in Lörrach, dem sogenannten PĂ€dagogium.
Lörrachs Weg in die Industrialisierung war von vielen FirmengrĂŒndungen in der benachbarten Schweiz geprĂ€gt. Entlang des Wiesentals und in Lörrach selbst siedelten sich viele textilverarbeitende Betriebe an. Durch die sich entfaltende Wirtschaft wurde der Bau von ArbeiterwohnhĂ€usern notwendig. Das Stadtbild begann sich rasant zu verĂ€ndern. In der Zeit um 1800 entstanden viele klassizistische Bauwerke in Lörrach, darunter die Synagoge, die Stadtkirche im Zentrum und die Fridolinskirche in Stetten.
Unter dem Eindruck der Badischen Revolution von 1848/49 ging das Land Baden zum kommunalen Dreiklassen-Wahlrecht ĂŒber, das nach dem Steueraufkommen gestaffelt war. EnttĂ€uscht von den Frankfurter Demokraten, unternahmen Friedrich Hecker und Gustav Struve am 13. April 1848 von Konstanz aus einen bewaffneten Aufstand, der als Heckerzug in die Geschichte eingegangen ist. Ihr Ziel war Schliengen, wo sich die damalige Endstation der Bahnlinie Mannheim-Basel befand. Am 20. April 1848 forderte Hecker die Stadt Lörrach auf, die revolutionĂ€re Bewegung zu unterstĂŒtzen. Der Gemeinderat weigerte sich jedoch. Heckers Truppen wurden im Gefecht auf der Scheideck bei Kandern geschlagen. Den zweiten Umsturzversuch unternahm Struve von Basel aus. Er zog nach Lörrach und proklamierte am 21. September 1848 im Lörracher Rathaus die Deutsche Republik. Allerdings wurde auch dieser Umsturzversuch durch Regierungstruppen beendet. So wurde Lörrach fĂŒr vier Tage der Hauptort des Struve-Putsches, gewissermaĂen der âRegierungssitzâ.
1862 erhielt Lörrach mit der Eröffnung der Wiesentalbahn, einem Zweig der Badischen Hauptbahn, Anschluss an das Eisenbahnnetz. 1867 wurde die katholische Kirche St. Bonifaz errichtet. Zu dieser Zeit hatte Lörrach rund 6000 Einwohner.
Die fortschreitende Industrialisierung lieĂ die Bevölkerungszahl Lörrachs weiter steigen. Im Jahr 1900 erreichte sie die Marke von 10.000 Einwohnern. Das Dorf Stetten wurde am 1. April 1908 eingemeindet und erhöhte damit die Einwohnerzahl Lörrachs auf 15.000. Die GemarkungsflĂ€che war von 752 Hektar auf 1213 Hektar angewachsen. Lörrachs wirtschaftlicher Aufschwung wurde durch den Ersten Weltkrieg beendet. Im Jahr 1915 hatte Lörrach durch feindliche Luftangriffe Tote zu beklagen. Auf dem TĂŒllinger Berg wurde eine Hindenburg-Linie zur Verteidigung der Stadt ausgebaut. 1916 wurde in der Realschule ein zusĂ€tzliches Lazarett eingerichtet. WĂ€hrend des Ersten Weltkriegs hatten Lörrach und die umliegenden Teilorte insgesamt 813 Gefallene zu beklagen.[21] Nach Ende des Weltkrieges schĂ€digte die Rohstoffknappheit besonders die textilverarbeitenden Industrien und fĂŒhrte zu einer erhöhten Arbeitslosigkeit. Die soziale Lage verschĂ€rfte sich weiter und ab August 1922 begann im Zuge der Hyperinflation der rasche Verfall der WĂ€hrung. In dieser Zeit wurden in einem Teil der in Lörrach ansĂ€ssigen Betriebe die Löhne in Schweizer Franken ausbezahlt.[22]
Zur Zeit der Weimarer Republik kam es verstĂ€rkt zu sozialen Unruhen in Lörrach mit dem Höhepunkt am 14. September 1923. Als Bilanz dieser Tage gab es drei Tote, viele Verletzte sowie mehrere Geisel-Misshandlungen.[23][24] Die wirtschaftliche Schieflage fĂŒhrte auch dazu, dass die Behörden und die Verwaltung auĂer Stande waren, vordringliche Bauvorhaben durchzufĂŒhren. Die engen SpielrĂ€ume fĂŒhrten dazu, dass die Amtszeit des BĂŒrgermeisters Dr. Heinrich Graser (1927â1933) als MĂ€ngelverwaltung bewertet wird.[25]
Die Ortsgruppe der NSDAP in Lörrach bestand seit 1922. Diese tat sich allerdings wĂ€hrend der 20er Jahre der Weimarer Republik eher schwer, FuĂ zu fassen, obwohl es auch in Lörrach mit der deutschnational-völkischen Zeitschrift Der MarkgrĂ€fler des Mundartdichters Hermann Burte antiparlamentarische Propaganda gab. Nach der nationalsozialistischen âMachtergreifungâ wurde Reinhard Boos 1933 als BĂŒrgermeister von Lörrach eingesetzt. Boos, der in Lörrach mit groĂem Engagement die NSDAP aufbaute und stĂ€rkte, war in der Folge vor Ort zum Teil federfĂŒhrend an der Zerschlagung der Gewerkschaften sowie der oppositionellen Parteien beteiligt. Ab 1938 wirkte Boos wiederum leitend an den Aktionen gegen die Lörracher Juden mit. WĂ€hrend der Novemberpogrome 1938 verschafften sich mehrere MĂ€nner Zutritt zur Synagoge und zerstörten diese. Das zerstörte Gotteshaus wurde anschlieĂend abgerissen. Lörrach blieb, dank der geografischen Ferne zu den Kriegsfronten, wĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges vergleichsweise unbeschĂ€digt. Am 24. April 1945 beendeten französische Truppen in Lörrach die Kriegshandlungen.
Die Nachkriegsjahre waren, bedingt durch die Ankunft der FlĂŒchtlinge und Heimatvertriebenen, von einem ĂŒberproportionalen Wachstum der Stadtbevölkerung gekennzeichnet. Die verhĂ€ltnismĂ€Ăig geringen KriegsschĂ€den im Raum Lörrach lockten zudem viele Arbeitssuchende an. Von rund 20.000 Einwohnern nach dem Krieg wuchs die Zahl auf ĂŒber 30.000 bis ins Jahr 1960 an. Rund 7.500 davon waren Vertriebene und FlĂŒchtlinge aus den deutschen Ostgebieten und der Sowjetischen Besatzungszone bzw. spĂ€teren DDR. In der stark wachsenden Stadt entstanden in den 1960er Jahren die Siedlung Salzert und in Brombach der BĂŒhl. Ein 1964 erarbeiteter Generalverkehrsplan war die Grundlage fĂŒr weitere Stadtplanungen und den Aufbau eines neuen Verkehrskonzeptes durch eine Stadtumfahrung. In den 1970er Jahren wurde ein Teil der Innenstadt zur FuĂgĂ€ngerzone restrukturiert. Im Zuge der Gemeindegebietsreform in Baden-WĂŒrttemberg wurde am 1. Januar 1975 die Stadt Lörrach durch Vereinigung der Stadt Lörrach mit den Gemeinden Hauingen und Brombach neu gebildet. Bereits am 1. Januar 1974 wurde Haagen nach Lörrach eingemeindet. Im Jahr 1976 weihte OberbĂŒrgermeister Hugenschmidt das neue Rathaus ein. Das 17-stöckige, dunkelgrĂŒne Hochhaus prĂ€gt seither die Silhouette der Stadt.
Der Bau der WiesentalbrĂŒcke als TeilstĂŒck der A 98 und die Landesgartenschau im Jahr 1983 waren zwei wichtige Projekte, welche die Stadt wesentlich weiter entwickelt haben. Die 1981 gegrĂŒndete Berufsakademie Lörrach, 2009 in Duale Hochschule Lörrach umbenannt, hat gegenwĂ€rtig ĂŒber 1500 Studenten. Anfang der 1990er Jahre begannen umfangreiche BaumaĂnahmen in der Lörracher Innenstadt, welche durch Stilllegung von AutostraĂen die bisherige FuĂgĂ€ngerzone wesentlich erweitertet haben.
Am 19. September 2010 kamen bei einem Amoklauf in der Innenstadt neben der TĂ€terin drei Menschen ums Leben, 18 weitere wurden verletzt.
Die Bevölkerungsentwicklung von Lörrach ist mit der politischen und ökonomischen Entwicklung der Stadt eng verbunden. WĂ€hrend der Industrialisierung im 19. Jahrhundert wuchs die Einwohnerzahl stetig. Die beiden Weltkriege sowie die Wirtschaftskrisen bewirkten eine Stagnation. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Bevölkerungszahl durch den Zuzug von FlĂŒchtlingen und Heimatvertriebenen wieder rasch an. Diese Entwicklung wurde dadurch gefördert, dass die KriegsschĂ€den in Lörrach relativ gering waren und ArbeitsplĂ€tze in der benachbarten Schweiz lockten. Mit der Gemeindereform in den Jahren 1974 und 1975 vergröĂerte sich die Bevölkerung durch die Eingemeindung der Vororte Haagen bzw. Brombach und Hauingen weiter. Seit Mitte der 1970er Jahre nahm die Bevölkerung allerdings ab, weil sich die Hauptwachstumszonen in die umliegenden Gemeinden verlagert hatten. Dieser Trend wurde seit dem Mauerfall wieder umgekehrt. Durch die bessere wirtschaftliche Situation und die damit niedrigere Arbeitslosenquote folgte die Bevölkerungsentwicklung dem bundesweiten Trend und so konnte Lörrach viele NeubĂŒrger gewinnen. GegenwĂ€rtig wĂ€chst die Lörracher Einwohnerzahl[26] stetig weiter; eine Prognose sieht fĂŒr das Jahr 2017 den Stand von 50.000 Einwohnern erreicht.[27] Die AuslĂ€nderquote in Lörrach liegt bei 13,8 %.[28]
| Jahr | Einwohner | Jahr | Einwohner | |
|---|---|---|---|---|
| 1650 | 1995 | 1973 | 33.885 | |
| 1700 | 1535 | 1974 | 36.231 | |
| 1750 | 3140 | 1975 | 44.179 | |
| 1800 | 4180 | 1981 | 40.064 | |
| 1870 | 9.103 | 1990 | 42.500 | |
| 1890 | 11.475 | 1992 | 43.976 | |
| 1914 | 16.293 | 1996 | 44.756 | |
| 1938 | 20.041 | 2000 | 45.679 | |
| 1950 | 22.698 | 2001 | 46.272 | |
| 1960 | 30.546 | 2004 | 46.754 | |
| 1965 | 31.324 | 2007 | 47.707 |
Der demographische Wandel durch Ăberalterung lĂ€sst sich auch an der Stadtbevölkerung Lörrachs feststellen. Von 1995 bis 2006 wuchs der Anteil der ĂŒber 65-jĂ€hrigen von 16,7 auf 19,8 % und liegt damit etwas ĂŒber dem Landesdurchschnitt von 18,7 %. FĂŒr den 31. Dezember 2006 ergibt sich folgende Verteilung der Stadtbevölkerung nach Altersgruppen.[29]
| Altersgruppe | Insgesamt (%) | MĂ€nnlich (%) | Weiblich (%) |
|---|---|---|---|
| unter 15 | 14,8 | 15,6 | 14,0 |
| 15â25 | 11,0 | 11,5 | 10,6 |
| 25â45 | 28,8 | 29,8 | 27,9 |
| 45â65 | 25,6 | 26,3 | 25,0 |
| ĂŒber 65 | 19,8 | 16,9 | 22,5 |
Die Religionen verteilen sich in der Bevölkerung Lörrachs[30] wie folgt:
| Jahr | evangelisch | katholisch | andere oder keine |
|---|---|---|---|
| 1980 | 50,4 % | 38,2 % | 11,5 % |
| 2001 | 38,9 % | 31,8 % | 29,1 % (*) |
(*) 29,1 % = 2,9 % sonstige Konfessionen und 26,2 % ohne Konfession
Die Kirchen der Stadt gehörten anfangs zum Bistum Konstanz und war dem Archidiakonat Breisgau unterstellt. Somit bestand hier seit jeher eine kirchliche Grenze zum nur wenige Kilometer entfernten Bistum Basel. 1529 wurde die Lörracher Pfarrei von Basel aus besetzt, nachdem dort die Reformation eingefĂŒhrt worden war. In der Stadt selbst wurde auf Veranlassung des Landesherrn die Reformation erst 1556 eingefĂŒhrt. Danach war Lörrach ĂŒber Jahrhunderte eine ĂŒberwiegend protestantische Stadt. In Rötteln bestand seit Anfang des 15. Jahrhunderts ein Landkapitel, das Ende des 17. Jahrhunderts nach Lörrach verlegt wurde. Die evangelischen Pfarrer in Lörrach waren ab 1682 zugleich Spezialsuperintendenten der Diözese Rötteln. Hauptkirche Lörrachs ist die schon im 12. Jahrhundert erwĂ€hnte Stadtkirche. Neben dem lutherischen Bekenntnis gab es seit dem 17. Jahrhundert auch reformierte Gemeindeglieder, die aus der benachbarten Schweiz kamen. Aus der Superintendentur Lörrach entstand im 19. Jahrhundert der Kirchenbezirk Lörrach. Aus der Stadtkirchengemeinde (Johannespfarrei) entstanden im 20. Jahrhundert weitere Gemeinden und zwar die Pauluspfarrei (1906, danach nannte sich die Johannespfarrei zunĂ€chst SĂŒdpfarrei) fĂŒr die Nordstadt, die MatthĂ€uspfarrei (1949) fĂŒr die Oststadt (die auch Inzlingen mitversorgt), die Markuspfarrei (1956), die Salzertgemeinde (1969) und die Friedensgemeinde (1974) in der Homburgsiedlung. FĂŒr die Paulus- und Markuspfarrei wurde 1956 die Christuskirche erbaut. Die Johannespfarrei erhielt 1975 ein Gemeindezentrum an der SuttermattstraĂe.
Auch in den Stadtteilen Brombach, Hauingen, Rötteln (mit Tumringen) und TĂŒllingen gibt es evangelische Kirchengemeinden, da diese Orte wie Lörrach frĂŒh zu Baden gehörten und von dort die Reformation eingefĂŒhrt wurde. Haagen gehört kirchlich zu Rötteln. Auch diese Kirchengemeinden gehören zum Kirchenbezirk Lörrach der Evangelischen Landeskirche in Baden.
Der Stadtteil Stetten stand bis 1803 unter vorderösterreichischer Herrschaft. Daher gibt es hier eine katholische Tradition, obwohl im Ort zunĂ€chst auch die Reformation eingefĂŒhrt wurde. Durch einen Vertrag mit Ăsterreich wurde Stetten wieder katholisch. Die Gemeinde Stetten betreute zunĂ€chst auch die seit dem 18. Jahrhundert in Lörrach wieder ansĂ€ssigen Katholiken. Sie feiert ihre Gottesdienste in der 1822 neu erbauten Fridolinskirche. Der ursprĂŒngliche Kirchenbau Stettens stammt aus dem 13. Jahrhundert. Zwischen 1864 und 1867 wurde in Lörrach wieder eine eigene Pfarrkirche (St. Bonifatius) gebaut, an der 1867 eine Pfarrkuratie gegrĂŒndet wurde, die 1882 zur Pfarrei erhoben wurde. Eine zweite katholische Kirche (St. Peter) wurde 1964 erbaut. Im Neumattgebiet, einem etwas ausgelagerten Teil von Stetten, wurde 1966 die Filialkirche zur Heiligen Familie der Gemeinde Stetten erbaut. In Brombach entstand bereits 1900 die St.-Josefskirche, die seit 1911 Pfarrei ist. Zur Gemeinde gehören auch Haagen und Hauingen. Alle katholischen Gemeinden Lörrachs bilden seit dem 1. MĂ€rz 2000 zusammen mit der Nachbargemeinde St. Peter und Paul in Inzlingen eine Seelsorgeeinheit innerhalb des Dekanats Wiesental des Erzbistums Freiburg.[31]
GegenwĂ€rtig ist bei der Lörracher Stadtbevölkerung insgesamt ein leichtes Ăbergewicht der evangelischen Konfession festzustellen. Im Lörracher Zentrum und im Stadtteil Stetten besteht eine relative katholische Mehrheit.
Neben den beiden groĂen Kirchen gibt es auch Gemeinden, die zu Freikirchen gehören, darunter die Freie evangelische Gemeinde mit ihrer Jugend Peter, die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten), die Evangelische Chrischona-Gemeinde, die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde â Freie Christengemeinde Lörrach e. V., die Christliche Versammlung Lörrach, die Gemeinde der offenen TĂŒr und die Heilsarmee.
In Lörrach gibt es zwei neuapostolische Gemeinden.
Lörrach hat eine jĂŒdische Gemeinde, die bis auf das Jahr 1660 zurĂŒckgeht. Anfangs waren die Juden vorwiegend im Viehhandel beschĂ€ftigt. SpĂ€ter gehörten zahlreiche GeschĂ€fte und Unternehmen jĂŒdischen Familien. Auch viele Handwerker und Akademiker fanden sich unter den jĂŒdischen Einwohnern. Am politischen und kulturellen Leben Lörrachs nahmen sie regen Anteil, doch wĂ€hrend der Novemberpogrome 1938 verwĂŒsteten vor allem SA-Leute die Lörracher Synagoge aus dem Jahr 1808 völlig. Diese befand sich unweit des Marktplatzes. Heute erinnert an dieser Stelle eine Gedenktafel aus dem Jahr 1976 an das jĂŒdische Gebetshaus. WĂ€hrend der Zeit des Nationalsozialismus wurden mindestens 47 der 162 in Lörrach lebenden Juden ermordet.[32]
Im Jahr 1995 wurde in Lörrach die Israelitische Kultusgemeinde neu gegrĂŒndet. Das Einzugsgebiet der neuen Gemeinde mit ca. 400 Mitgliedern im Jahr 2007 reicht von Badenweiler bis Waldshut. Viele der GlĂ€ubigen sind aus Staaten der ehemaligen Sowjetunion zugewandert. Die Gemeinde wĂ€chst weiter. Am 28. Juni 2007 erfolgte die Grundsteinlegung einer neuen Lörracher Synagoge, die am 9. November 2008 â siebzig Jahre nach Zerstörung der alten Synagoge â offiziell eröffnet wurde.[33]
Siehe auch: Judenverfolgung zur Zeit des Nationalsozialismus
Lörrach hat mehrere islamische Gemeinden, die ihre Gebete in verschiedenen GebetsrĂ€umen verrichten; eine eigens zu diesem Zweck errichtete Moschee existiert bisher nicht. Die TĂŒrkisch-Islamische Union bildet mit 250 aktiven Mitgliedern die mit Abstand gröĂte Gemeinde.[34]
Der Lörracher Gemeinderat besteht aus 32 ehrenamtlichen StadtrĂ€tinnen und StadtrĂ€ten. Vorsitzende mit zusĂ€tzlichem Sitz und Stimmrecht ist die OberbĂŒrgermeisterin. Der fĂŒr eine Periode von fĂŒnf Jahren gewĂ€hlte Gemeinderat wird von der BĂŒrgerschaft gewĂ€hlt. Die nĂ€chsten Wahlen zum OberbĂŒrgermeister finden im FrĂŒhjahr 2011 statt.
Die Kommunalwahl[35] vom 7. Juni 2009 fĂŒhrte bei einer Wahlbeteiligung von 40,1 % (- 1,1) zu folgendem Ergebnis:[36]
| Partei / Liste | Stimmenanteil | + / - | Sitze | + / - |
|---|---|---|---|---|
| CDU | 29,0 % | â 4,3 | 10 | â 1 |
| SPD | 20,8 % | â 0,2 | 7 | ± 0 |
| Freie WĂ€hler | 19,3 % | + 3,5 | 6 | + 1 |
| GRĂNE | 20,0 % | + 4,3 | 6 | + 1 |
| FDP | 10,9 % | + 2,9 | 3 | + 1 |
| Gesamt | 100 % | 32 |
+ / -: Die Zahlen stellen die VerÀnderung zur Gemeinderatswahl 2004 dar.
Seit Juli 2006 besteht in Lörrach auch ein Jugendparlament. Es besteht aus 21 Jugendparlamentariern zwischen 14 und 21 Jahren und nimmt sich, als parteiunabhÀngiges Organ der Stadt, der Belange der Lörracher Jugend an.
â Hauptartikel: Liste der StadtoberhĂ€upter von Lörrach
Die Lörracher Chronik berichtet von einem Johann von Schallbach im Jahr 1366 als erstem Vogt. Die Amtsbezeichnung des BĂŒrgermeisters war den Ortsvorstehern von StĂ€dten vorbehalten. Als erster Lörracher BĂŒrgermeister wird Marx Christoph Leibfried im Jahr der ersten Stadtrechtsverleihung 1682 genannt. Dieser wurde vom Markgrafen eingesetzt. Bis einschlieĂlich 1756 benutzte man auch weiterhin die Bezeichnung Vogt bzw. Altvogt. Seit 1956 ist in Lörrach das Stadtoberhaupt der OberbĂŒrgermeister, welcher direkt von den BĂŒrgern gewĂ€hlt wird.
Die mit * gekennzeichneten Personen tragen oder trugen den Titel des OberbĂŒrgermeisters. Arend Braye begann seine Amtszeit 1948 als BĂŒrgermeister und wurde 1956 OberbĂŒrgermeister. Reinhard Boos war der einzige nicht demokratisch gewĂ€hlte OberbĂŒrgermeister; er wurde 1933 als bisheriger Ortsgruppen- und Kreisleiter der NSDAP vom badischen Gauleiter als Kommissar bzw. BĂŒrgermeister eingesetzt und 1945 von den französischen Truppen abgesetzt und verhaftet.
| Amtszeit | Name | Amtszeit | Name | |
|---|---|---|---|---|
| 1804â1807 | Johann Martin Strohmeier | 1861â1863 | Karl Wenner | |
| 1807â1810 | Johann Jakob Grether | 1863â1869 | Paul Feldkirchner | |
| 1810â1814 | Johann Kaspar Schöffel | 1869â1871 | Karl Robert Gebhardt | |
| 1814â1820 | Johann Georg Grether | 1872â1906 | Johann Josef Grether | |
| 1820â1826 | Jakob Rupp | 1906â1927 | Erwin Gugelmeier * | |
| 1826â1831 | Friedrich HĂŒglin | 1927â1933 | Heinrich Graser * | |
| 1831â1832 | Ernst Schultz | 1933â1945 | Reinhard Boos * | |
| 1832â1835 | Johann Georg Grether | 1945â1948 | Joseph Pfeffer | |
| 1835â1841 | Ernst Schultz | 1948â1960 | Arend Braye | |
| 1841â1844 | Friedrich HĂŒglin | 1960â1984 | Egon Hugenschmidt * | |
| 1844â1849 | Karl Wenner | 1984â1995 | Rainer Offergeld * | |
| 1849â1861 | Johann Ludwig Calame | 1995â (heute) | Gudrun Heute-Bluhm * |
Quelle: [37]
* OberbĂŒrgermeister
Das Wappen von Lörrach ist eine goldene nach links (heraldisch rechts) aufsteigende Lerche als gemeine Figur auf rotem Feld. Die Wappenfarben entsprechen jenen des badischen Wappens. Das Lörracher Wappen ist ein sogenanntes redendes Wappen, das vom Stadtnamen abgeleitet ist. Urkundlich belegt ist es mit der Stadtrechtsurkunde aus dem Jahre 1756 (§ 9), wobei vermutet wird, dass dieses Motiv schon seit 1682 als Wappen verwendet wurde. Der Ă€lteste Beleg fĂŒr das Wappen befindet sich auf einem Plan von 1643 im Staatsarchiv des Kantons Basel-Stadt.[38] Das Wappentier ist allerdings gestalterisch schon mehrfach verĂ€ndert worden. 1965 genehmigte das Generallandesarchiv Karlsruhe das Wappen, welches als stilisierte aufsteigende Lerche gedeutet wird.[39] Am 11. November 1975 wurde im Zuge der Gemeindereform das Wappen fĂŒr die durch Eingemeindungen neugebildete Stadt bestĂ€tigt.
Das Dienstsiegel ist kreisrund, trĂ€gt in der Mitte das Stadtwappen, welches von der Umschrift âStadt Lörrachâ gesĂ€umt wird. Vor der EinfĂŒhrung des Euro-Kennzeichens war das Wappen auch auf der Zulassungsplakette der Kennzeichen von Kraftfahrzeugen zu sehen, die im Landkreis Lörrach angemeldet wurden.
Neben dem Wappen darf nach einem Beschluss des Innenministeriums des Landes Baden-WĂŒrttemberg vom 11. November 1975 die Stadt eine Flagge mit den Farben âRot-Gelb-Rotâ fĂŒhren.[40]
Lörrach unterhÀlt folgende StÀdtepartnerschaften:
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seit 1966[41] |
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seit 1986[42] |
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seit 1990[43] |
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seit 1999 |
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seit 2002[44] |
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seit 2005 |
Die vier StÀdte Sens, Senigallia, Chester und Lörrach sind untereinander gleichfalls PartnerstÀdte. JÀhrlich finden zahlreiche Begegnungen und Austausche sowohl zwischen Schulen und Vereinen als auch von Praktikanten aus Industrie und Handel statt. Lörrach wurde wegen des Engagements zur Förderung und Verbreitung des europÀischen Gedankens 1979 durch den Europarat die Europafahne, 1983 der Französisch-Deutsche Preis und die Ehrenplakette 1988 des Europarates verliehen.[45] Die StÀdtefreundschaft mit Wischgorod in der Ukraine besteht gemeinsam mit der Stadt Sens seit 1999.
Im Jahr 2004 wurde Lörrach International, ein Verein zur Förderung der StĂ€dtepartnerschaften und Freundschaften e. V., gegrĂŒndet. Ziel des Vereins ist, die bestehenden StĂ€dtepartnerschaften durch starkes bĂŒrgerschaftliches Engagement zu begleiten und weitere Partnerschaften aufzubauen.[46]
Im Jahr 2005 wurde von diesem Verein die Kulturpartnerschaft zu Edirne in der TĂŒrkei begrĂŒndet, die inzwischen zur StĂ€dtefreundschaft erhoben wurde[47]. Mit dem EU-Erasmusprogramm werden die Dozenten- und Studentenaustausche internationaler StudiengĂ€nge der beiden Hochschulen (Trakya Ăniversitesi und DHBW Lörrach) gefördert [48]. Auch im Bereich Musik, bildende Kunst und berufliche Ausbildung findet ein reger Austausch mit der Gewerbeschule sowie Lörracher Schulen und Gymnasien statt.
Auf Kreisebene wurde 1990 eine Partnerschaft mit der Kreisstadt Glauchau begrĂŒndet, die im Rahmen der Kreisreform jetzt auf die neue Kreisstadt Zwickau ĂŒberging. DarĂŒber hinaus arbeitet der Lörracher Landkreis seit 1999 eng mit der polnischen Stadt Lubliniec in Oberschlesien zusammen und unterschrieb Mitte 2002 einen Partnerschaftsvertrag.[49]
Das JubilĂ€umsjahr 40 Jahre Partnerschaft mit Sens und 20 Jahre mit Senigallia stand unter dem Begriff Musica Jubila 2006. Jugendliche Musiker aus allen PartnerstĂ€dten trafen sich zu Workshops und bildeten mehrere lĂ€nder- und kulturĂŒbergreifende Ensembles. WĂ€hrend zahlreicher Begegnungen in gemeinsamen Jugendcamps, die seit vielen Jahren abwechselnd in den einzelnen PartnerstĂ€dten abgehalten werden, wird die Freundschaft der StĂ€dte-Partnerschaftsjugend gepflegt und ausgebaut.
Lörrach ist ein Industrie- und Dienstleistungsstandort. Etwa 30 % aller ArbeitsplĂ€tze stellen Unternehmen des produzierenden Gewerbes zur VerfĂŒgung, rund 22 % des Handels und des Gastgewerbes, auĂerdem ĂŒber 45 % der Dienstleistungsbranche. Die groĂe Kreisstadt bietet rund 18.300 ArbeitsplĂ€tze. Die Arbeitslosenquote im Landkreis Lörrach lag im Mai 2008 bei 3,9 %, in der Stadt bei 4,5â5,5 %.[50] AuĂerdem zeichnet sich Lörrach durch eine groĂe Zahl an GrenzgĂ€ngern aus. Aus der Stadt Lörrach pendeln ĂŒber 3.300 BerufstĂ€tige in die Schweiz, aus dem gesamten Landkreis sind es ĂŒber 14.000 (Stand April 2002).[51]
EinzelhĂ€ndler haben im Jahr 2004 insgesamt einen Umsatz von 342,7 Millionen Euro erwirtschaftet, rund ein FĂŒnftel dieses Umsatzes haben Schweizer Kunden beigetragen.
Die erste Postlinie wurde 1576 zwischen der unteren und oberen Markgrafschaft eröffnet. Seit der Zuerkennung der Stadtrechte bemĂŒhte sich Markgraf Friedrich VII. Magnus, die Linie weiter auszubauen. Zwischen Durlach und Lörrach verkehrte zweimal wöchentlich der Kurierdienst durch einen Mann zu FuĂ oder zu Pferd. 1756 erhielt Lörrach eine Posthalterei. Das Verkehrsnetz erweiterte sich bis zum Feldberg, nach Basel, Kandern und Beuggen. Die letzte Postkutsche fuhr bis 1840. Die regulĂ€re Reisegeschwindigkeit zum 200 Kilometer entfernten Karlsruhe dauerte 30 Stunden, mit dem sechsspĂ€nnigen Eilwagen nur zwölf Stunden. Nach 1900 hielt der Kraftfahrzeugverkehr Einzug in Lörrach. Waren es 1926 nur 400 Fahrzeuge, wuchsen die Zulassungen bis 1956 auf 4500 an.[52] Der internationale EuroAirport (Basel/Mulhouse/Freiburg) liegt 14 Kilometer westlich von Lörrach im Elsass. In den Jahren 1920/21 verfĂŒgte Lörrach in Tumringen ĂŒber einen eigenen Flugplatz (â Flugplatz Lörrach).
Mit der direkt durch Lörrach verlaufenden Bundesautobahn 98 sind ĂŒber das Autobahndreieck Weil am Rhein die Rheintalautobahn A 5, die französische A 35, sowie die A 2 und A 3 auf Schweizer Seite angebunden. Die 1970 geplante A 98 wurde am 12. April 1983 mit der Inbetriebnahme der 1211 Meter langen WiesentalbrĂŒcke eröffnet. Seit MĂ€rz 2006 ist ĂŒber die A 98 eine durchgĂ€ngige Fahrt von Lörrach bis Rheinfelden möglich. Zwischen den Anschlussstellen Lörrach-Mitte (5) und Lörrach-Ost (6) verkehrten nach einer manuellen VerkehrszĂ€hlung aus dem Jahr 2005 rund 15.300 Fahrzeuge mit einem Anteil des Schwerlastverkehrs von 11,2 % und gehört damit bundesweit zu den am schwĂ€chsten befahrenen Autobahnabschnitten.[53]
Die von Titisee-Neustadt ĂŒber den Feldberg-Pass fĂŒhrende BundesstraĂe 317 ist die Hauptverkehrsader der Stadt und folgt der Talachse. Die B 317 ist durch das Staatsgebiet der Schweiz unterbrochen. Derzeit wird die Zollfreie StraĂe gebaut, die diese Strecke vervollstĂ€ndigen soll.
Seit dem 7. September 2007 verlĂ€uft durch Lörrach die neu eröffnete KulturstraĂe StraĂe der Demokratie.[54]
Lörrach ist auf der Schiene ĂŒber die Wiesentalbahn mit Basel und Zell im Wiesental sowie ĂŒber die Gartenbahn mit Weil am Rhein verbunden. Nach der Ăbernahme dieser Strecken durch die Schweizer Bundesbahnen im Dezember 2003 wurden die Strecken umfassend modernisiert, u. a. wurden in Lörrach zwei neue Haltepunkte (SchillerstraĂe und DammstraĂe) erstellt. Gleichzeitig wurden die Strecken in die Regio S-Bahn Basel integriert; die Wiesentalbahn als S 6 (rote Linie) und die Gartenbahn als S 5 (rosarote Linie). Im Zuge der Regio S-Bahn wurde 2005 auch der Bahnhof Lörrach (seit Dezember 2009 offizieller Hauptbahnhof) teilrenoviert und behindertengerecht ausgebaut; eingesetzt werden seit 2005 die modernen ZĂŒge des Typs Stadler Flirt der SBB GmbH. Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2009 wurden einige Bahnhöfe umbenannt, unter anderem wurde der Bahnhof SchillerstraĂe zum Bahnhof Lörrach Museum/Burghof.[55]
Aktuell gibt es in Lörrach sieben Bahnhöfe, diese sind: Lörrach DammstraĂe, Lörrach-Stetten, Lörrach Museum/Burghof, Lörrach SchwarzwaldstraĂe, Lörrach-Haagen/Messe, Lörrach-Brombach/Hauingen und Lörrach Hauptbahnhof.
Daneben gibt es in Lörrach seit 1963 ein Autoreisezug-Terminal mit tÀglichen Verbindungen nach Hildesheim und Hamburg-Altona.
Von 1919 bis 1939 sowie von 1947 bis 1967 verkehrte die Linie 6 der Basler StraĂenbahn mit Umsteigen an der Grenze als StĂ€dtische StraĂenbahn Lörrach. Zurzeit wird diskutiert, diese Linie wieder bis nach Lörrach zu fĂŒhren.
DarĂŒber hinaus verfĂŒgt Lörrach ĂŒber einige lokale und regionale Busverbindungen. Sie gehören dem Regio Verkehrsverbund Lörrach an.
Lörrach, als Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises, beherbergt das Landratsamt und zwei StraĂenmeistereien. Lörrach hat mehrere Schulen sĂ€mtlicher Schultypen (siehe Bildungseinrichtungen), eine Volkshochschule, die Stadtbibliothek Lörrach mit ĂŒber 88.500 Medien, davon ĂŒber 69.000 BĂŒcher,[56] zwei Stadtteilbibliotheken, seit 1985 die Wissenschaftliche Regionalbibliothek[57] sowie eine Musikschule. Das zum Landgerichtsbezirk Freiburg im Breisgau gehörende Amtsgericht Lörrach ist fĂŒr StĂ€dte und Gemeinden im Landkreis zustĂ€ndig. Ferner gibt es in Lörrach ein Arbeitsgericht, welches die Gerichtsbarkeit in erster Instanz fĂŒr die Landkreise Lörrach und Waldshut ausĂŒbt. Dazu kommen noch weitere drei Kammern in Radolfzell am Bodensee. In der Stadtmitte, am Alten Markt, befindet sich eine AuĂenstelle des Staatlichen Schulamtes.
Die Deutsche Bundesbank unterhĂ€lt in Lörrach eine Betriebsstelle. Dieser Standort steht nicht mehr dem Publikumsverkehr offen und dient der Bargeldversorgung. Im Zuge von FilialschlieĂungen der Bundesbank hatte man in Lörrach von einer SchlieĂung abgesehen; das Fortbestehen ist allerdings von weiteren ökonomischen PrĂŒfungen abhĂ€ngig.[58]
Lörrach hat weiterhin ein Finanzamt, eine Agentur fĂŒr Arbeit, ein Hauptzollamt und eine Polizeidirektion mit den nachgeordneten Dienststellen der Verkehrs- und Kriminalpolizei sowie einer Dienststelle der Autobahnpolizei. Ferner ist die Stadt Sitz des Kirchenbezirks Lörrach der Evangelischen Landeskirche in Baden und des Dekanats Wiesental innerhalb der Region Hochrhein des Erzbistums Freiburg.
In Lörrach gibt es zwei KrankenhĂ€user: Das Kreiskrankenhaus Lörrach als Teil der Kliniken des Landkreises Lörrach GmbH in der TrĂ€gerschaft des Landkreises und das St. Elisabethen-Krankenhaus, als gemeinnĂŒtzige GmbH in der TrĂ€gerschaft des Ordens der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul sowie gemeinsamer GeschĂ€ftsfĂŒhrung mit dem Regionalverbund kirchlicher KrankenhĂ€user in Freiburg im Breisgau. Die drei KreiskrankenhĂ€user Lörrach, Rheinfelden und Schopfheim wurden am 1. Januar 1994 zu einer GmbH zusammengefasst. Das Lörracher Kreiskrankenhaus wurde am 1. Oktober 1845, damals als StĂ€dtisches Spital, eröffnet. Derzeit verfĂŒgt das Kreiskrankenhaus Lörrach ĂŒber 282 Betten, an allen drei Standorten insgesamt ĂŒber 517 Planbetten. Das St. Elisabethen-Krankenhaus, gegrĂŒndet 1913 als Privatklinik Dr. Böhler, verfĂŒgt ĂŒber 220 Betten. Die Fachdisziplinen sind zwischen beiden Lörracher KrankenhĂ€usern aufgeteilt (Kreiskrankenhaus Lörrach: Innere Medizin und Chirurgie; St. Elisabethen-Krankenhaus: Kinderklinik, GynĂ€kologie und Geburtshilfe, HNO und Urologie).
GröĂtes Unternehmen in Lörrach ist der Schokoladenhersteller Kraft Foods Deutschland GmbH, unter anderem durch die Marken Milka und Suchard bekannt. Bereits seit 1880 wird in Lörrach Schokolade hergestellt; es ist auch der gröĂte Schokolade-Produktionsstandort der Firma Kraft Foods in Europa. Die moderne Produktionsanlage stellt bis zu drei Millionen Schokoladetafeln tĂ€glich her.[59]
Ebenfalls ĂŒberregional bekannt ist das Pharmaunternehmen GABA (Goldene Apotheke Basel) mit den Marken aronal, elmex und meridol. Die frĂŒhere Firma Wybert, welche wiederum eine Filiale der 1638 gegrĂŒndeten Goldenen Apotheke Basel war, wurde 1921 in Tumringen gegrĂŒndet. Im Jahr 2000 erfolgte die Umfirmierung der Wybert und sie trat auch nach auĂen als GABA-Gruppe auf. Seit 2004 gehört sie zur Colgate-Palmolive-Gruppe.
Viele Lörracher Betriebe sind Schweizer GrĂŒndungen aufgrund des grenzĂŒberschreitenden Verdichtungsraums Basel. Dieser wurde durch den Beitritt Badens zum Deutschen Zollverein 1835 begĂŒnstigt. Im Zuge der Industrialisierung siedelten sich vor allem viele Textilunternehmen in Lörrach an. 1835 grĂŒndete der Basler Felix Sarasin-HeuĂler die Spinnerei Haagen, die zeitweise ĂŒber 500 Arbeiter beschĂ€ftigte. Das traditionsreiche Textilveredelungsunternehmen KBC und der AbfĂŒhrtee-Hersteller Midro Lörrach GmbH haben in Lörrach ihren Sitz. Im Jahr 1995 eröffnete die schweizerische Lebensmittelkette Migros ein Warenhaus in der Lörracher Innenstadt; hier befindet sich auch die Migros-Deutschlandzentrale. In Lörrach ist die 1850 gegrĂŒndete Privatbrauerei Lasser ansĂ€ssig. Einer der groĂen Arbeitgeber der Region ist Hieberâs Frische Center.
Ein Zweigwerk der A-Raymond-Gruppe ist ein bedeutender Zulieferer von Befestigungselementen in der Autoindustrie und seit 1898 in Lörrach ansÀssig. Das zentrale europÀische Distributionslager des internationalen Modeunternehmens Tally Weijl befindet sich seit 1999 im Lörracher Ortsteil Brombach auf dem GelÀnde des ehemaligen Logistikzentrums des Modeunternehmens Schöpflin. Der italienische Maschinenbauer Marchesini unterhÀlt ebenfalls eine Filiale, von der aus die schweizerische Pharma- und Kosmetikindustrie mit Verpackungsmaschinen versorgt wird.
Die 1887 von Julius Kaltenbach gegrĂŒndete Maschinenfabrik Kaltenbach stellt unter anderem DrehbĂ€nke, SĂ€gen und FrĂ€smaschinen her. Das Unternehmen gehört zur Kaltenbach-Gruppe mit dem Stammsitz in Lörrach. Die Gruppe produziert neben Lörrach in den Niederlanden und in Frankreich und hat acht Tochterunternehmen sowie rund 50 Vertretungen weltweit.[60]
Das Logistikunternehmen Streck Transport hat seinen Sitz in Lörrach.
In Lörrach unterhalten die Tageszeitungen Badische Zeitung und Die Oberbadische und die Wochenzeitung Der Sonntag jeweils eine Lokalredaktion. Die Oberbadische (bis September 2006 Oberbadisches Volksblatt) mit Verlagssitz in Lörrach ist die Ă€lteste Zeitung Lörrachs (seit 1885). Das Oberbadische Verlagshaus gibt auĂerdem die Weiler Zeitung und das MarkgrĂ€fler Tagblatt heraus. Das monatlich erscheinende Stadtmagazin Puls berichtet ĂŒber Veranstaltungen in und rund um Lörrach.
Der Radiosender SĂŒdwestrundfunk unterhĂ€lt seit dem FrĂŒhjahr 1982 in Lörrach ein RegionalbĂŒro, in dem Teile des Radioprogramms (Hochrhein Radio) SWR4 Baden-WĂŒrttemberg produziert werden.
In Lörrach ist die Duale Hochschule Baden-WĂŒrttemberg Lörrach beheimatet, die 1981 als Berufsakademie gegrĂŒndet wurde. Sie bietet neben den klassischen dreijĂ€hrigen StudiengĂ€ngen mit Bachelor-Abschluss auch teilweise lĂ€nger dauernde trinationale StudiengĂ€nge mit Partnerhochschulen in Frankreich (UniversitĂ€t des Oberelsass in Mulhouse bzw. Colmar) und der Schweiz (Fachhochschule Nordwestschweiz, FHNW) an. Den etwa 1400 Studenten werden in den beiden Studienrichtungen Wirtschaft und Technik derzeit elf verschiedene StudiengĂ€nge mit mehreren Vertiefungen angeboten.
Ferner gibt es in Lörrach ein Staatliches Seminar fĂŒr Didaktik und Lehrerbildung fĂŒr Grund- und Hauptschulen.
Lörrach verfĂŒgt ĂŒber zwölf öffentliche Grundschulen bzw. Grund- und Hauptschulen (Albert-Schweitzer-Schule, Astrid-Lindgren-Grundschule Hauingen[61], Eichendorffschule, Fridolinschule, Grundschule Salzert, Grundschule Tumringen, Hebelschule, Hellberg-Grund-und Hauptschule Brombach, Neumatt-Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule sowie SchloĂberg-Grund- und Hauptschule) eine Realschule (Theodor-Heuss-Realschule), zwei Gymnasien (Hans-Thoma- und Hebel-Gymnasium) und eine Förderschule (Pestalozzi-Schule).
Der Landkreis Lörrach ist SchultrĂ€ger der Gewerbeschule (unter anderem mit Technischem Gymnasium, Bereiche Technik und Informatik), der KaufmĂ€nnischen Schule (unter anderem mit Wirtschaftsgymnasium) und der Hauswirtschaftlich-Landwirtschaftlichen und SozialpĂ€dagogischen Schule (Mathilde-Planck-Schule; unter anderem mit ErnĂ€hrungswissenschaftlichem Gymnasium und Biotechnischem Gymnasium). Gemeinsam mit der St. Elisabethen-Krankenhaus-Lörrach-gGmbH ist der Landkreis Lörrach TrĂ€ger der Schule fĂŒr Gesundheits- und Krankenpflege und fĂŒr Gesundheits- und Kinderkrankenpflege. Die Schule fĂŒr kranke Kinder befindet sich im St. Elisabethen-Krankenhaus Lörrach.
Mehrere Privatschulen, darunter die Altenpflegeschule des Diakonissen-Mutterhauses St. Chrischona, die Freie Evangelische Schule (Grund-, Haupt-,Realschule, Gymnasium und technisches Gymnasium mit dem Profil Gestaltungs- und Medientechnik ), die Freie Waldorfschule Lörrach, die Private Sprachschule Foerderer und die Private Schule fĂŒr Erziehungshilfe am Evangelischen Kinderheim TĂŒllinger Höhe runden das schulische Angebot Lörrachs ab.
In SĂŒdbaden wird ein Alemannisch gesprochen, das als Ăbergang zwischen dem SchwĂ€bischen und dem Hoch- oder SĂŒdalemannischen gesehen werden kann. In diesem Grenzgebiet bezeichnet man den Dialekt als Niederalemannisch. Anzumerken ist, dass die alemannischen Dialekte regional sehr unterschiedlich klingen. In Lörrach (regionale alemannische Aussprache: [ËlĆÊÉx]) wird Hochalemannisch gesprochen, welches dem Schweizerdeutsch Ă€hnlich klingt und in SĂŒdwestdeutschland, dem Elsass, der deutschsprachigen Schweiz, im österreichischen Bundesland Vorarlberg sowie im FĂŒrstentum Liechtenstein verbreitet ist. Besonders auffĂ€llig an diesem Dialekt ist die Verschiebung des germanischen k im Anlaut zu ch: Kind und Kopf werden beispielsweise im Hochalemannisch Chind und Chopf ausgesprochen.
In der jĂŒngeren Vergangenheit verlieren sich vor allem durch Zuwanderung aus dem sĂ€chsisch sprechenden Raum im Landkreis zunehmend die hochalemannischen Besonderheiten. In diesem Dialektkontinuum kommt es zu einer Vermischung des Hochdeutschen und einer dem Niederalemannischen nahen Sprache. So entsteht eine Sprachgrenze zwischen der Schweiz und dem hochalemannischen Baden. Im Hotzenwald, dem MarkgrĂ€flerland (auĂer der Grenzregion) und der Region um Jestetten ist das Hochalemannische besser bewahrt und klingt wie die Schweizer Dialekte.[62]
âSiehe den alemannischen Beispielsatz fĂŒr Lörrach
Aufgrund der geschichtlichen Entwicklung ist Lörrach eine vergleichsweise junge Stadt. Das ist einer der GrĂŒnde, wieso Lörrach weder architektonisch auĂerordentlich bedeutsame oder prĂ€gnanten GebĂ€ude aufzuweisen hat noch eine homogene Altstadt im Vergleich zu anderen StĂ€dten aufweisen kann.[63] Dennoch finden sich zu fast allen groĂen Epochen der Baukunst diverse Zeugnisse. Besondere Bedeutung hat in Lörrach der barocke Baustil. UrsĂ€chlich dafĂŒr ist die Zerstörung der Burg Rötteln 1678 und der daraus resultierenden Verlagerung der Verwaltung nach Lörrach. Das Stadtrecht aus dem Jahr 1682 bedingte, dass die Stadt zum Verwaltungszentrum ausgebaut wurde.[64] 1695 war eine Sommerresidenz, ein âfĂŒrstliches Landhaus zu Lörrachâ, fĂŒr Friedrich Magnus geplant worden, die auch eine barocke Schlossanlage enthalten sollte.[65]
Lörrachs Stadtkern ist durch eine 1991 eröffnete FuĂgĂ€ngerzone geprĂ€gt. Das Zentrum bildet dabei der Alte Marktplatz, auf den man von vier Seiten aus gelangen kann. Am Kreuzungspunkt befindet sich eine wĂŒrfelförmige Skulptur (Granit Rosa Porriño von Ulrich RĂŒckriem). Die Innenstadt ist auĂerdem durch viele Wohn- und GeschĂ€ftshĂ€user geprĂ€gt, die Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut wurden. ErwĂ€hnenswert sind etliche noch erhaltene âModellhĂ€userâ (standardisierter Haustyp) aus der Zeit der zweiten Stadterhebung 1756, z. B. in der KirchenstraĂe (NĂ€he Marktplatz).
Zu FuĂ lassen sich vom Zentrum an 22 Stationen verschiedene Brunnen und Plastiken entlang des sogenannten Lörracher Skulpturenwegs erkunden.[66] Neben der Pyramide am Burghof ist noch die GroĂe SĂ€ulenfigur von Stephan Balkenhol auf dem Senser-Platz, nördlich des Alten Marktplatzes erwĂ€hnenswert.
Wenige Meter vom Alten Marktplatz entfernt befindet sich das Alte Rathaus, in welchem sich seit 1998 nach Sanierung und Umbau die Volkshochschule untergebracht ist. Das aus dem Jahre 1870 stammende GebĂ€ude enthĂ€lt die alten Rathausglocken vom VorgĂ€ngerbau aus dem Jahr 1756. Vom alten Rathaus rief Gustav Struve am 21. September 1848 die Deutsche Republik aus. Vier Tage lang war Lörrach Hauptort des Struve-Putsches und damit gewissermaĂen Regierungssitz.
Ăstlich des Alten Marktplatzes erstreckt sich der Neue Marktplatz, auf dem an drei Tagen der Woche ein groĂer Wochenmarkt stattfindet. Die abzweigende Synagogengasse erinnert daran, dass an diesem Platz die frĂŒhere Lörracher Synagoge stand, die im Dritten Reich zerstört wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Standort der Synagoge mit einem BĂŒro- und GeschĂ€ftshaus ĂŒberbaut. WĂ€hrend der Zeit des Nationalsozialismus wurde dieser Platz auch als Aufmarschplatz genutzt.
Heute wird der Platz von einem Brunnen dominiert und dient als Verbindung vom Alten Markt zum Burghof. Die Brunnenskulptur Lebensbaum vom KĂŒnstler Michael Fischer stellt ein ineinander verschlungenes Liebespaar in der Krone eines Baumes dar.
An Markttagen ist der Platz dicht mit MarktstĂ€nden besetzt. Es ist ein Bauernmarkt, auf dem vorwiegend Produkte aus der Region, wie GemĂŒse, Obst, Brot, Kuchen, Schnaps, Wein und Blumen meist von den Erzeugern selbst zum Verkauf angeboten werden. Erst seit Ende der 1990er Jahre sind weitere SpezialitĂ€tenstĂ€nde hinzugekommen, die am Rand des Marktplatzes Fleisch, KĂ€se, GeflĂŒgel, Pasta, Pilze und KonfitĂŒren anbieten. Meist handelt es sich dabei um regionale Produkte. Wegen des gĂŒnstigen Klimas kommen in Lörrach z. B. auch einheimische Pfirsiche, Artischocken oder Auberginen auf den Markt, die andernorts importiert werden mĂŒssen. Der Lörracher Wochenmarkt, der seit Anfang des 15. Jahrhunderts existiert, gilt als einer der gröĂten und schönsten der Region und zieht auch viele Kunden aus der Schweiz und dem ElsaĂ an. Er findet dreimal wöchentlich am Dienstag, Donnerstag und Samstag statt.
Im Jahr 2003 feierte die Stadt das 600 Jahre bestehende Marktrecht. Dem Markgrafen Rudolf III. von Hachberg-Sausenberg wurde von König Ruprecht von der Pfalz fĂŒr sein Dorf Lörrach das Marktrecht verliehen. Die Marktrechtsurkunde wurde am 26. Januar 1403 in Regensburg unterzeichnet. Mit diesem Recht fĂŒr einen Jahr- und Wochenmarkt wollte der Markgraf ein wirtschaftlich-politisches Gegengewicht zu Basel schaffen. 1452 bestĂ€tigte Kaiser Friedrich III. das Marktrecht erneut.[18]
Am 6. November 1998 hat nach zweijÀhriger Bauzeit der Burghof Lörrach die alte Stadthalle in ihrer Funktion abgelöst und als neues Kultur- und Veranstaltungszentrum eröffnet. Der Name Burghof erinnert daran, dass der Bau auf historischer StÀtte errichtet wurde. Hier stand die im Jahr 1638 zerstörte Lörracher Burg. Bei dieser handelte es sich um eine kleine Wasserschlossanlage, etwa vergleichbar dem Stettemer Schlössli oder dem Wasserschloss Inzlingen.
Der Entwurf der Basler Architekten Katharina Steib und Wilfrid Steib wirkt wie ein schmales und hohes Schiff und ist eine Konstruktion aus Beton, rötlichem Klinkerstein, Stahl und Glas. Der Burghof misst 87 Meter in der LĂ€nge, 30 Meter in der maximalen Breite und 19 Meter in der Höhe. Der groĂe und der kleine Saal, die Empore und die Seitengalerie bieten bis zu 885 bestuhlte PlĂ€tze. Die Anordnung der StĂŒhle kann je nach Veranstaltung verĂ€ndert werden; sie können auch ganz herausgenommen werden. Der Burghof wird multifunktional fĂŒr Konferenzen, Theater-, Konzert- und Kulturveranstaltungen jeder Art verwendet. Im Burghof befindet sich das Lörracher Informationszentrum.
Auf dem Platz vor dem Burghof direkt am Eingang steht die 11,40 Meter in der BasislÀnge und 7,5 Meter in senkrechter Höhe messende Metallskulptur Truncated Pyramid Room von Bruce Nauman in Form eines offenen, begehbaren Pyramidenstumpfs. Die mit schwarzem Bitumen angestrichene Figur aus Stahlbeton wird abends von innen mit gelbem Scheinwerferlicht beleuchtet. Diese Raum-Licht-Skulptur von Nauman existierte erst als Modell aus einer Werkgruppe, die im Jahr 1982 entstanden ist, und ist seine erste in Europa öffentlich ausgestellte Arbeit.
Die einstige Tabakfabrik wurde 1759 als PĂ€dagogium umgebaut. Im Barockbau an der Basler StraĂe wirkte Johann Peter Hebel als Lehrer. SpĂ€ter wurde die Schule in Hebelgymnasium umbenannt, bevor sie nach einer umfangreichen Renovierung 1978 zum Museum am Burghof umgewandelt wurde. Ăber 100 Jahre alte Sammlungen umfassen mittelalterliche Holzbildwerke und ein Zinnoptikum. Es gibt Ausstellungen zu verschiedenen Themen wie beispielsweise NaturrĂ€ume Rheinaue, HĂŒgel- und Berglandschaft, Erdgeschichte und Erdbebengefahr, Siedlungsgeschichte von der Steinzeit bis zu den Alemannen. Die Exponate umfassen ĂŒber 50.000 Objekte. Das Museum beherbergt auĂerdem eine wissenschaftliche PrĂ€senzbibliothek mit ĂŒber 10.000 BĂŒchern und Zeitschriften, darunter etwa 1.000 besonders wertvolle BĂŒcher ab dem 16. Jahrhundert. Neben regelmĂ€Ăig wechselnden Sonderausstellungen wurde die Dauerausstellung ExpoTriRhena aufgebaut, welche Geschichte und Gegenwart der Drei-LĂ€nder-Region Deutschland, Frankreich und Schweiz darstellt.
Auf dem HĂŒgel BĂŒhl im Stadtteil Brombach wurden 1981 die Grundmauern einer römischen Villa Rustica aus dem zweiten Jahrhundert ausgegraben und restauriert.
Die im Stadtteil Brombach gelegene Bildhauer-Rudolf-Scheurer-Stiftung ist in einem zwölf Meter hohen Skulpturenturm untergebracht; dieser wird als Ausstellungsraum des KĂŒnstlers genutzt. Gezeigt werden Skulpturen, Reliefs und Grafiken aus der 40-jĂ€hrigen TĂ€tigkeit des Bildhauers Rudolf Scheurer.
Seit dem 5. Mai 2009 stellt ein Kunstmuseum die rund 2500 Werke des Lörracher Malers Paul Ibenthaler in zwei jÀhrlichen stattfindenden Ausstellungen aus.
Einen weitlĂ€ufigen Ausblick auf Lörrach, die umliegenden Gemeinden und die Stadt Basel erhĂ€lt man von der Burg Rötteln, dem Wahrzeichen der Stadt und einer der gröĂten Burganlagen SĂŒdbadens. Die erste urkundliche Nennung der Burg stammt aus dem Jahr 1259; die Ă€ltesten Teile der Burg gehen vermutlich auf den Beginn des 11. Jahrhunderts zurĂŒck. Bis 1678 diente die zuletzt eher festungsartige Anlage als Verwaltungssitz fĂŒr die Obere Markgrafschaft (Oberland, Teil von Baden-Durlach). Nach der Zerstörung verlegte man die Ămter in die Talsiedlung Lörrach, Rötteln wurde nicht wieder aufgebaut und verfiel â unter zeitweiliger Nutzung als Steinbruch â zu einer romantischen Ruine. Johann Peter Hebel verewigte die Burg in diesem Zustand in seinen Gedichten. Im 20. Jahrhundert erfolgte dann die bauliche Sicherung bzw. die Teilrekonstruktion durch private Initiative. Die langgezogene Burganlage verfĂŒgt ĂŒber zwei besteigbare TĂŒrme. Von Mitte MĂ€rz bis Ende Oktober kann die Burg von innen besichtigt werden.
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Westseite der Burg Rötteln: Oberburg und Vorburg mit den Resten der Wehrmauer.
â Hauptartikel: Liste der Sakralbauten in Lörrach
Das im Lörracher Stadtteil Stetten gelegene Stettemer Schlössle ist der einzige Profanbau aus dem 17. Jahrhundert, der dem Stil der Renaissance zuzuordnen ist. Das damalige Herrenhaus mit dem markanten Treppenturm hat spÀtgotische Bauelemente.
Die erste ErwĂ€hnung des Brombacher Schlosses stammt aus dem Jahr 1294. Das kleine Schlösschen, dessen Besitzer Matthias Reich von Reichenstein war, galt mit seinen zwei Meter dicken Grundmauern als uneinnehmbar. Das Basler Erdbeben zerstörte das Bauwerk, welches wieder hergestellt wurde. Französische Truppen vernichteten 1676 bis 1678 das Brombacher Schloss völlig, doch 1880 wurde es vom Industriellen GroĂmann wieder aufgebaut. Rings um das Schloss schlieĂt sich ein kleiner Park an.
Zahlreiche Kirchen beider Konfessionen befinden sich in Lörrach. Das Kirchenschiff der evangelischen Stadtkirche sĂŒdlich vom Alten Marktplatz wurde 1815 bis 1817 nach den PlĂ€nen des Weinbrenner-SchĂŒlers Wilhelm Frommel im klassizistischen Stil erbaut. Dazu gehörte auch das emporhebende Podium. Der Kirchturm stammt aus dem Jahr 1514. Er fĂ€llt durch seine schmucklosen Portale und Mauerschlitze auf. Das Satteldach des Kirchturms wurde 1817 durch ein spitz zulaufendes Zeltdach mit goldener Kugel und Kreuz ersetzt. Die Kirche war 1556 der Ort, von dem aus durch eine Predigt des Basler Priesters U. Koch die Reformation in der Markgrafschaft Baden-Durlach eingefĂŒhrt wurde.[67] Um die Kirche lag einst der Friedhof.
Die evangelische Christuskirche wurde 1956 erbaut. 1975 entstand an der SuttermattstraĂe ein evangelisches Gemeindezentrum.
Die katholische Hauptkirche Lörrachs ist die zwischen 1864 und 1867 erbaute Kirche St. Bonifatius. Am 15. Juli 2007 wurde sie bei einem GroĂbrand erheblich beschĂ€digt und wird derzeit wieder aufgebaut. Zu den jĂŒngsten Kirchen in Lörrach gehört die Kuratiekirche St. Peter des Architekten Rudolf Dietsche in der Nordstadt am Rande des GrĂŒttparks. Die zur katholischen Gemeinde gehörende Kirche steht auf einem 6 Meter hohen PlateaugelĂ€nde. Der Turm auf der Nordseite ist mit einem zylinderförmigen Flachbau verbunden. Markant ist, dass sich durch eine Stahlbetonkonstruktion das Flachdach zum 42 Meter hohen Turm hin verjĂŒngt.[68] Dieser bemerkenswerte Bau wurde von 1962 bis 1964 am Rande des GrĂŒttparks erbaut und ist weithin sichtbar. Eine 220 mÂČ groĂe Glaswand, entworfen von dem KĂŒnstler Wilfrid Perraudin (1912â2006), zeigt einen Bilderzyklus mit Motiven des Neuen Testaments und zum Kirchenpatron Petrus. Im Jahr der Realisierung 1963 war dies die gröĂte Beton-Lichtwand der Welt.[69][70]
Die katholische Fridolinskirche in Stetten (1821 bis 1822) ist ein herausragendes Beispiel klassizistischer Kirchenbaukunst im deutschen SĂŒdwesten. Sie wurde nach PlĂ€nen von Christoph Arnold errichtet. Die Frontfassade wird von zwei eher schlichten KirchtĂŒrmen eingerahmt. Zur Gemeinde gehört auch die 1965/66 nach den PlĂ€nen des Architekten Wilhelm Frank erbaute Filialkirche Heilige Familie in der Gemarkung Neumatt im Westen Stettens.
Die Rötteler Kirche wurde 751 zum ersten Mal urkundlich erwĂ€hnt. Markgraf Rudolf III. lieĂ die Kirche umbauen. Sein Grabmal und das seiner Frau Anna werden in der Röttler Kirche aufbewahrt. Ihr Grab befindet sich in einer schönen, mit einem Gewölbe ĂŒberspannten Kapelle hinter dem Chor. Die heutige Kirche stammt aus dem Jahr 1401. Die Röttler Kirche wie auch die Burg Rötteln werden abends angestrahlt.
Die evangelische St-Germanus-Kirche in Brombach wurde um 1903/1904 im neugotischen Stil erbaut und hat fĂŒr mehr als 800 Personen Platz. Der Turm stammt aus dem 13./14. Jahrhundert. Teile des Chors werden auf das Jahr 1479 datiert. Die groĂe Glocke aus dem Jahr 1595 wurde von Sebaldt Hofmann aus Basel gegossen. Die St. Josefskirche in Brombach wurde 1899/1900 erbaut.
Die evangelische Kirche St. Nikolaus in Hauingen wurde 1102 erstmals erwÀhnt. Die heutige Kirche wurde 1768 erbaut, der Turm hat Àltere Teile aus dem Jahr 1469.
Das heute als Polizeidirektion genutzte GebĂ€ude in der WeinbrennerstraĂe wurde 1719 bis 1727 in mehreren Etappen als Salzmagazin mit Fruchtspeicher und Weinkeller errichtet. Der ausladende, reprĂ€sentative FlĂŒgelbau im Barockstil verfĂŒgt ĂŒber ein groĂflĂ€chiges Walmdach mit flach hervorspringenden Dachluken. Das groĂe Rundbogenportal erreicht man ĂŒber eine nach auĂen geschwungene, breite Treppe.
Das Lörracher Rathaus trĂ€gt den Spitznamen âLanger Egonâ, nach dem ehemaligen OberbĂŒrgermeister Egon Hugenschmidt, in dessen Amtszeit es erbaut wurde. In der NĂ€he des Lörracher Bahnhofs steht das auffĂ€llige 17-stöckige Hochhaus, in welchem sich die Verwaltung und der Sitz des OberbĂŒrgermeisters befinden. Das dunkelgrĂŒne GebĂ€ude wurde nach vierjĂ€hriger Bauzeit fĂŒr 23,7 Millionen Mark 1976 fertiggestellt und ist mit 85 Metern das höchste GebĂ€ude der Stadt.
Architektonisch eigenwillig ist das GebÀude der Lörracher Jugendherberge. Der Bau liegt am Steinenweg zwischen dem Stadtteil Stetten und der Siedlung Salzert unmittelbar am Waldrand. Von der exponierten Lage des GebÀudes aus hat man einen guten Blick auf Basel und die umliegenden Ortschaften. Die Einweihung der Jugendherberge erfolgte am 26. April 1982 durch den damaligen BundesprÀsidenten Professor Karl Carstens.
Auf dem GrundstĂŒck eines ehemaligen Leichtathletik-Sportfeldes wurde von 1990 bis 1994 in der Nordstadt Lörrachs von den Architekten Wilhelm + Partner die Wohnanlage âStadionâ errichtet. Die komplexe architektonische Struktur der Anlage besteht aus oval angeordneten Einheiten und acht freistehenden GebĂ€uden in ihrem Inneren. Die acht GebĂ€ude verteilen sich auf zwei Quadrate, die von einem 400-Meter-Laufring umschlossen werden. Der Wohnkomplex birgt insgesamt 220 Wohneinheiten in sich.[71][72]
Seit dem FrĂŒhjahr 2005 prĂ€gt ein 41 Meter hohes Wohnhaus am Chesterplatz in der Innenstadt das Stadtbild. Ebenfalls am Chesterplatz befindet sich das GeschĂ€ftshaus Galleria Mendini, ein Projekt des italienischen Architekten Alessandro Mendini. Die zum Platz zugewandte Fassade fĂ€llt durch seine auffĂ€llige Farbgebung auf.
Im SĂŒden von Lörrach, westlich des HĂŒnerbergs, liegt der Rosenfels-Park am FuĂe der Villa Rosenfels (1876 erbaut). In dieser Parkanlage, die ursprĂŒnglich zum Landgut der Familie Koechlin gehörte und die erst seit 1925 fĂŒr die Ăffentlichkeit zugĂ€nglich ist, befindet sich ein kleiner Tierpark sowie eine Konzertmuschel aus dem Jahr 1965. Neben dem Alten Marktplatz dient die Konzertmuschel als Austragungsort fĂŒr das Stimmen-Festival.
In der Stadtmitte befinden sich der Hebelpark mit einer ĂŒberlebensgroĂen Statue des alemannischen Heimatdichters Johann Peter Hebel und der Park Villa Aichele. Das GebĂ€ude der Villa Aichele stammt aus dem Jahr 1861 und ist mit seinem barockisierenden Sockel dem Neobarock zuzuordnen.[73] Es diente dem Schweizer Textilfabrikanten Nicolas Koechlin als Wohnhaus. Die Erben von Koechlin haben die Villa 1901 an Maria Aichele â der Mutter von Albert Aichele â verkauft, nach der die Villa benannt wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging der Besitz an die Stadt ĂŒber. Heutzutage finden in der Villa Aichele regelmĂ€Ăig kulturelle Veranstaltungen wie Lesungen, Vernissagen oder standesamtliche Trauungen statt.
AnlĂ€sslich der Landesgartenschau 1983 ist der Landschaftspark GrĂŒtt entstanden. Der Name GrĂŒtt leitet sich von dem Wort rĂŒtten ab, was soviel wie roden heiĂt. Diese gröĂte GrĂŒnanlage Lörrachs besitzt einen kleinen See (GrĂŒtt-See) und einen Bach, der sich durch den ganzen Park zieht. Entlang des Promenadenweges befindet sich ein Rosengarten.
Am Nordrand des Parks liegt das Regio-Freizeit- und Messezentrum mit einer BruttogesamtflÀche von 23.000 Quadratmetern. Hier befinden sich zwei feste Hallen mit insgesamt 7.200 Quadratmeter AusstellungsflÀche und elf weitere Hallen in Leichtbauweise. Auf einem FreigelÀnde werden zusÀtzlich Sonderschauen veranstaltet. Das MessegelÀnde hat 2005 einen neuen Messeparkplatz erhalten, um den Messestandort aufzuwerten.
Die Stadt Lörrach verfĂŒgt insgesamt ĂŒber 60 Sportvereine, darunter mehrere Turnvereine, Tennisclubs, Skiclubs, SchĂŒtzenvereine und FuĂballvereine. Der Turn- und Sportverein Lörrach-Stetten war sowohl fĂŒr Ottmar Hitzfeld wie fĂŒr Sebastian Deisler Ausgangspunkt ihrer Karriere und war ĂŒberdies besonders in den 1980er Jahren in der Verbandsliga SĂŒdbaden erfolgreich.
Zu einer Besonderheit gehört der Gewichheberverein KSV Lörrach 1902 der 1980/81 und 1989/90 in der 2. Bundesliga hob. Bekannte Sportler des Vereins sind Monique Ludwigs (geb. Riesterer) und Jörg Mazur der zuletzt fĂŒr den Erstligist SV Germania Obrigheim hob.
Unter den FuĂballclubs ist besonders der 1902 gegrĂŒndete FV Lörrach zu nennen. In diesem Bezirksligaverein spielten Ottmar Hitzfeld und Sebastian Deisler in den Anfangsjahren ihrer Karriere FuĂball. Zur Hundertjahrfeier des FV Lörrach spielte am 12. Juli 2002 im Lörracher GrĂŒttpark-Stadion der FC Bayern MĂŒnchen gegen den Lörracher FuĂballverein und gewann ĂŒberlegen mit 9:1. Dieses Spiel kam aufgrund der Kontakte von Hitzfeld zum Rekordmeister zustande und war ein Dankeschön an den FuĂballverein seiner Jugendtage, ebenso als er zuvor schon seinen damaligen Verein Borussia Dortmund zu einem Freundschaftsspiel einladen konnte.
Im Jahr 2000 fĂŒhrte die 87. Tour de France durch Lörrach, die von tausenden begeisterten Fans am StraĂenrand begleitet wurde. Die 17. Etappe von Lausanne nach Freiburg im Breisgau fĂŒhrte durch die Lörracher Innenstadt hinauf zur Lucke, einem kleinen Pass in Richtung Kandern.
Die jĂ€hrlich stattfindende Regio-Tour ist ein internationales Etappenrennen in der DreilĂ€nderregion und fĂŒhrt hĂ€ufig durch den Landkreis Lörrach.
Von Mitte bis Ende September findet der Deutschlandlauf statt. Dieser Ultramarathonlauf, der in Kap Arkona auf der Insel RĂŒgen gestartet wird, endet nach 17 Tagesetappen und rund 1200 Kilometern in der Lörracher Innenstadt. Sieger des Laufs im Jahr 2006 war der Finne Janne Kankaansyrja in einer Gesamtzeit von 110 Stunden und 6 Minuten. Insgesamt 21 MĂ€nner und vier Frauen beendeten diesen Lauf erfolgreich.
Die ersten UrsprĂŒnge der Lörracher Fasnacht lassen sich nicht mehr rekonstruieren. Der erste gesicherte Beleg dafĂŒr ist eine schriftliche ErwĂ€hnung aus dem Jahr 1620. Dieses Konzeptblatt diente als Vorlage fĂŒr eine Urkunde aus den Akten des Oberamts Rötteln. Sie beinhaltet Verhaltensvorschriften fĂŒr die Bevölkerung wĂ€hrend der Vorfastenzeit. TĂ€nze werden beispielsweise in einem gewissen Rahmen erlaubt, âMummereienâ (Verkleidungen) jedoch untersagt. Dieser Beleg enthĂ€lt allerdings keine detaillierten Schilderungen zum Festablauf selbst. Erst wieder im 19. Jahrhundert liegen Belege fĂŒr die Fasnacht vor, so dass keine kontinuierliche Tradition feststellbar ist. Die Reformation drĂ€ngt das fasnĂ€chtliche Treiben zurĂŒck und die geringe Bedeutung Lörrachs im 17. und 18. Jahrhundert verhinderte eine ausgeprĂ€gte Fasnachtstradition. Erst die Industrialisierung, der wirtschaftliche Aufschwung und die merklich steigende Anzahl der Bevölkerung bot neue Voraussetzungen fĂŒr die Schaffung einer Lörracher Fasnacht.
Der erste bildlich dokumentierte Maskenumzug fand in Lörrach am 11. Februar 1866 statt. Diese Anfangsjahre waren jedoch von weitgehender Unorganisiertheit geprĂ€gt. Von 1895 bis 1907 fanden keine Maskenumzug sondern lediglich MaskenbĂ€lle statt.[74] Der Grundstein der heutigen Lörracher Fasnacht wird mit der 1930er Jahre gelegt. Der neu geschaffene Stil orientiert sich zwar an der schwĂ€bisch-alemannischen Fastnacht, enthĂ€lt anfangs allerdings auch Elemente aus dem Rheinland. 1936 findet die erste eigenstĂ€ndige Lörracher Fasnacht statt. Die Narrengilde Lörrach sowie einige Cliquen und wurde ebenfalls in diesem Jahr gegrĂŒndet. In den Folgejahren gehen die Elemente des rheinischen Karnevals zurĂŒck und neben der schwĂ€bisch-alemannischen Tradition etablieren sich EinflĂŒsse der Basler Fasnacht in Form der Figur Waggis und der sogenannten Guggenmusik. Der Heimatmaler Adolf Glattacker, der selbst aktiver FasnĂ€chtler war, prĂ€gte durch seine EntwĂŒrfe fĂŒr Plakatten und Embleme der Narrengilden maĂgeblich mit.
Neben den UmzĂŒgen gehört das Fasnachtsfeuer zum festen Bestandteil des Fasnachtsbrauchtums. Diese finden traditionell am Samstag bzw. Sonntag nach Rosenmontag statt und gehört nachweislich zu den Ă€ltesten Bestandteilen fasnĂ€chtlichen Brauchtums. Dazu werden mehrere Meter hohe Haufen aus Holz aufgetĂŒrmt und in Brand gesetzt. Auf der Spitze des Holzhaufens wird manchmal symbolhaft fĂŒr die bösen Geister eine Puppe angebracht. Teilnehmer des Fasnachtsfeuers schleudern Wurfscheiben (Scheibenschlagen) in den brennenden Haufen. Jeder Lörracher Stadtteil veranstaltet sein eigenes Fasnachtsfeuer, so z. B. auf dem TĂŒllinger-Berg, auf dem HĂŒnerberg oder auf dem MainbĂŒhl in Stetten.
Die Lörracher Fasnacht orientiert sich terminlich an die sogenannte âHerrenfasnachtâ. Andere Stadtteile, wie beispielsweise Hauingen, orientieren sich an die âBauernfasnachtâ. Hier beginnt die Fasnachtszeit erst, wenn anderenorts die Fastenzeit begonnen hat. Die unterschiedlichen Zeitpunkte rĂŒhren von der Neuordnung durch die Synode von Benevent im Jahr 1091, in der die Fastenzeit um eine Woche nach vorne verschoben wurde.
Trotz der vergleichsweise kurzen Fasnachtstradition gilt Lörrach durch die AktivitĂ€ten der letzten 70 Jahre als eine Fasnachtshochburg in Baden-WĂŒrttemberg.[75] 2007 nahmen 150 FasnĂ€chtler aus Lörrach an der Steubenparade in New York City teil.[76]
| Zeit | Veranstaltung |
|---|---|
| Samstag bzw. Sonntag nach Fasnacht | diverse Fasnachtsveranstaltungen, unter anderem das sogenannte Fasnachtsfeuer in verschiedenen Stadtteilen Lörrachs |
| FrĂŒhjahr | Regio-Messe Lörrach, jĂ€hrlich stattfindende Verbrauchermesse |
| Juni | Weindorf auf dem Alten Marktplatz |
| Juli | Stimmen-Festival, jÀhrlich stattfindende Freiluftkonzerte |
| Ende Juli | Schlossbergfest in Haagen |
| Juli/ August | Burgfestspiele Rötteln auf der Burg Rötteln |
| Sommer | Lörracher Stadtlauf, jÀhrlich in der Innenstadt abgehaltene Laufsportveranstaltung |
| Erstes Wochenende im September | Stroosefescht in Alt-Stetten, ein seit 1974 stattfindendes und gleichzeitig gröĂtes StraĂenfest in Lörrach |
| Ende September | Schlossgrabenfest in Brombach |
| Donnerstag vor dem zweiten Adventssonntag | Weihnachtsmarkt Lörrach, auf dem Alten Marktplatz und der TumringerstraĂe |
Siehe: Liste der Söhne und Töchter von Lörrach
Der gebĂŒrtige Lörracher Markus PflĂŒger war als deutscher RevolutionĂ€r und Politiker der Wegbereiter fĂŒr den badischen RevolutionĂ€r Gustav Struve. PflĂŒger war Hauptmann des 1. FĂ€hnleins der Volkswehr und ebnete damit Struve wesentlich den anfĂ€nglichen Erfolg des republikanischen Aufstandes in Lörrach wĂ€hrend der MĂ€rzrevolution. SpĂ€ter war PflĂŒger (1858â1903) Mitglied im Lörracher Gemeinderat.
Der 1895 in Lörrach geborene Walther Bringolf war ein schweizerischer Politiker und von 1953 bis 1962 PrÀsident der Sozialdemokratischen Partei. 1961 war er Schweizer NationalratsprÀsident.
Der 1899 in Lörrach geborene Friedrich Vortisch war Jurist und Politiker der FDP/DVP. Er war 1946/47 Mitglied der Beratenden Landesversammlung Badens und wurde anschlieĂend in den Badischen Landtag gewĂ€hlt, dem er bis 1952 angehörte. Von 1952 bis 1960 war er Mitglied des Baden-WĂŒrttembergischen Landtages.
Der 1937 geborene Rainer Offergeld war von 1984 bis 1995 OberbĂŒrgermeister der Stadt Lörrach. Offergeld bekleidete davor in den 1970er Jahren mehrere politische Funktionen auf Bundesebene, unter anderem war er von 1978 bis 1982 Bundesminister fĂŒr wirtschaftliche Zusammenarbeit.
Die Politikerin Marion Caspers-Merk vertrat von 1990 bis 2009 als Mitglied des Deutschen Bundestages den Wahlkreises Lörrach-MĂŒllheim als Abgeordnete. Seit dem 12. Mai 2011 ist der gebĂŒrtige Lörracher SPD-Politiker Rainer Stickelberger Landesjustizminister im Kabinett Kretschmann.
1764 wurde Gustav von Hugo in Lörrach geboren. Der Jurist, der an der UniversitĂ€t Halle promovierte, wurde an der UniversitĂ€t Göttingen ordentlicher Professor. Neben seinen juristischen BeitrĂ€gen sind auch seine Briefwechsel mit den GebrĂŒdern Grimm ĂŒberliefert, zu denen er eine freundschaftliche Beziehung pflegte.
Nelly Naumann wurde 1922 in Lörrach geboren und war eine deutsche Japanologin. Ihr Abhandlungen fĂŒr die Japanforschung gelten als bedeutend, besonders ihre Analyse ĂŒber die japanischen Mythen im Zusammenhang mit dem Shintoismus.
Eine der bedeutendsten Persönlichkeiten, die mit Lörrach in Verbindung gebracht wird, ist der Heimatdichter, Theologe und PĂ€dagoge Johann Peter Hebel. Hebels Geburtsort wird zwar offiziell mit Basel angegeben, allerdings gibt es Indizien dafĂŒr, dass er auch in Lörrach geboren sein könnte.[77] UnabhĂ€ngig vom Geburtsort ist Hebel in Lörrach allgegenwĂ€rtig. Diverse StraĂen, PlĂ€tze und Schulen erinnern an ihn. Von 1783 bis 1791 war er Lehrer am sogenannten PĂ€dagogium in Lörrach.
Friedrich Kaiser wurde 1815 in Lörrach geboren und war ein deutscher Historien- und Schlachtenmaler sowie Lithograph. Von Kaiser stammt die bekannte Darstellung Einzug der FreischÀrler in Lörrach des Struve-Aufstands im Laufe der MÀrzrevolution.
1864 wurde Max Laeuger in Lörrach geboren. Der bildende KĂŒnstler war von 1904 bis 1934 Professor fĂŒr Figurenzeichnen und Dekoration an der Technischen Hochschule in Karlsruhe. SpĂ€ter lehrte er dort auch Architektur. Laeuger war GrĂŒndungsmitglied des Deutschen Werkbundes und erschuf im Bereich der Gartenkunst bedeutsame SehenswĂŒrdigkeiten.[78]
Im Jahr 1870 ist in der damals eigenstĂ€ndigen Gemeinde Stetten der Maler und Grafiker Hermann Daur geboren. Daur besuchte in Lörrach das Gymnasium und studierte in Karlsruhe an der Kunstgewerbeschule. 1906 zog er nach Ătlingen und lebte dort als freier Maler. Sein kĂŒnstlerischer Nachlass ist im Museum am Burghof zu besichtigen.
Der 1878 in Wehr geborene Kunstmaler und Zeichner Adolf Glattacker gilt als einer der wichtigsten Heimatmaler des MarkgrĂ€flerlandes. Glattacker schuf zahlreiche Illustrationen zu Hebels Werken und wohnte zuletzt im Lörracher Ortsteil TĂŒllingen. Zeitgenosse und Freund von Glattacker war der 1879 geborene Dichter und Maler Hermann Burte. Burtes Wirken ist umstritten, da er schnell zum Verfechter völkischer Ideologie geworden war und schlieĂlich ein eifriger UnterstĂŒtzer des Nationalsozialismus war.[79] Von 1924 bis 1932 trug Burte als Mitherausgeber und maĂgeblicher Mitarbeiter der in Lörrach vierzehntĂ€glich erscheinenden deutschnational-völkischen Zeitschrift Der MarkgrĂ€fler zur SchwĂ€chung der Weimarer Republik und ihrer Institutionen bei. Die 1939 an Burte verliehene EhrenbĂŒrgerschaft Lörrachs und die Verweigerung, sie ihm posthum abzuerkennen ist bis heute umstritten.
Harald Hauser (1912â1994) war ein Schriftsteller, der als Verfasser von Romanen, KinderbĂŒchern, TheaterstĂŒcken, FernsehdrehbĂŒchern und Radio-Features bekannt geworden ist. Die bekannte schweizerische Schriftstellerin Ruth Schweikert wurde 1965 in Lörrach geboren. Sie wuchs allerdings in Aarau auf.
Der gebĂŒrtige Lörracher Heinz Zuber (* 1941) ist seit 30 Jahren festes Mitglied des Wiener Burgtheaters. Zuber ist nicht nur in zahlreichen TheaterauffĂŒhrungen zu sehen sondern auch Fernsehsendungen wie zum Beispiel dem Tatort, wo er den Kommissar Schulz spielte.
Der Jazzbassist und Musikjournalist Martin Kunzler wurde 1947 in Lörrach geboren. Er ist fĂŒr sein im Rowohlt Verlag erschienes rororo Jazz-Lexikon bekannt, das gegenwĂ€rtig als deutschsprachiges Standardwerk dieser Musikrichtung gilt. Der Lörracher Physiker Hans Deyssenroth (* 1937) ist als Jazzpianist in der Schweizer Szene aktiv; er ist einer der Pioniere des Computerjazz.
In Lörrach geboren und aufgewachsen sind die beiden Kabarettisten Volkmar Staub (* 1952) und Florian Schroeder (* 1979).
Mit Lörrach eng verbunden und âseelisch bereits eingemeindetâ fĂŒhlte sich der erste BundesprĂ€sident Theodor Heuss. Im Stadtteil Tumringen lebte seit 1946 sein einziger Sohn Ernst Ludwig Heuss, Direktor der Wybert (heute: GABA-Gruppe), mit seiner Familie. Daher verbrachte Theodor Heuss oft seine Weihnachtsferien in Lörrach. In Erinnerung an den beliebten und volksnahen BundesprĂ€sidenten wurden in Lörrach die Realschule und eine zentrale StraĂe in Tumringen nach Theodor Heuss benannt.[80]
Der Arzt Theodor Binder wurde 1919 in Lörrach geboren. Binder, der Medizin, Philosophie und Ethnologie in Freiburg im Breisgau, StraĂburg und Basel studierte, wurde stark humanistisch geprĂ€gt und pflegte beispielsweise Freundschaft zu Albert Schweitzer sowie den Philosophen Ludwig Klages und Martin Heidegger. WĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges schloss er sich dem WiderstandskĂ€mpfer Carl Friedrich Goerdeler an. 1948 wanderte Binder nach Peru aus, wo er â Ă€hnlich wie Albert Schweitzer in Afrika â als Arzt im Amazonasgebiet arbeitet. 1975 erhielt er zusammen mit Mutter Teresa fĂŒr seine Arbeit den Albert-Schweitzer-Preis verliehen. Ende der 1980er Jahre kehrte er nach Deutschland zurĂŒck und eröffnete 1988 in Lörrach eine Praxis fĂŒr biologische Medizin. Binder grĂŒndete die Organisation fĂŒr Indianerhilfe und Tropenwaldschutz.
Der 1949 in Lörrach geborene Ottmar Hitzfeld ist derzeitiger Trainer der Schweizer Fussballnationalmannschaft und ehemaliger FuĂballspieler. In seiner Spieler- und Trainerlaufbahn wurde er insgesamt vier Mal Schweizer und sieben Mal Deutscher FuĂballmeister und holte diverse andere Titel. Hitzfeld wurde 1997 und 2001 als âWelt-Trainer des Jahresâ gewĂŒrdigt.[81] Die 1971 in Rheinfelden geborene und in Lörrach aufgewachsene Monique Ludwigs (gebĂŒrtig: Monique Riesterer) ist eine ehemalige deutsche Gewichtheberin. Sie wurde elf Mal deutsche Meisterin im Gewichtheben und errang bei Europameisterschaften mehrere Bronze-, Silbermedaillen und eine Goldmedaille. Der ehemalige FuĂballer Sebastian Deisler wurde 1980 in Lörrach geboren; hier begann seine Karriere als FuĂballer, wo er fĂŒr zwei Vereine spielte. Deisler gehörte fĂŒnf Jahre dem Verein FC Bayern MĂŒnchen an und war an 36 Spielen der Deutschen Nationalmannschaft beteiligt. Die FuĂballerin Melanie Behringer wurde 1985 in Lörrach geboren. Die Mittelfeldspielerin spielte von 2003 bis 2008 fĂŒr den SC Freiburg, wechselte dann zum FC Bayern MĂŒnchen und ist seit 2005 Mitglied der Frauen Nationalmannschaft, mit der sie 2007 Weltmeisterin wurde. Die in Brombach geborene Gabi Roth (geborene Lippe, * 1967) ist eine ehemalige deutsche Leichtathletin und Olympiateilnehmerin, die bei der Europameisterschaft 1990 die Silbermedaille mit der 4-mal-100-Meter-Staffel gewann und 1990 Deutsche Meisterin im 100-Meter-HĂŒrdenlauf war. Der Junioren-Weltmeister im Handball Matthias Baur wurde 1988 in Lörrach geboren.
Der schweizerische Fernsehmoderator und Meteorologe Jörg Kachelmann wurde 1958 in Lörrach geboren. Er wuchs allerdings in Schaffhausen auf.
â Hauptartikel: Liste der EhrenbĂŒrger von Lörrach
Die Stadt Lörrach hat bisher 13 BĂŒrgern das EhrenbĂŒrgerrecht ausgesprochen, das erste Mal im Jahr 1818.[82] Die bekanntesten Persönlichkeiten sind der ehemalige OberbĂŒrgermeister Egon Hugenschmidt, der Architekt und KĂŒnstler Max Laeuger und der Dichter und Maler Hermann Burte. Da Burte ĂŒberzeugter Nationalsozialist und Verfechter der Ideologie des Hitler-Regimes war, gab es immer wieder Bestrebungen, ihm diese Auszeichnung postum abzuerkennen. Dies ist bis heute nicht geschehen. Wegen Burtes bestehender EhrenbĂŒrgerschaft lehnte Theodor Heuss die ihm angetragene EhrenbĂŒrgerschaft Lörrachs ab.[83]
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Dieser Artikel wurde am 30. Januar 2008 in dieser Version in die Liste der exzellenten Artikel aufgenommen. |