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Lösegeld

Dieser Artikel behandelt das Lösegeld. Für den Film mit dem gleichen Titel aus dem Jahr 2009, siehe Lösegeld (Film).

Unter Lösegeld versteht man einen Geldbetrag, der als Gegenleistung zur Freilassung von Geiseln gefordert wird. Der Begriff kann u.a. auch im Zusammenhang mit der Rückgabe eines unrechtmäßig entzogenen Gutes oder der Freigabe von durch Ransomware verschlüsselten Daten gebraucht werden.

Inhaltsverzeichnis

Lösegelder in der Historie

Schon in der Antike war es üblich, Lösegeld für Gefangene zu erpressen. So geriet der römische Feldherr Julius Caesar in die Hände von Seeräubern. Nachdem er durch Zahlung einer Summe von 20 Talenten freigekommen war, führte er eine Flotte gegen die Piraten und nahm diese selbst gefangen.

Das geschichtlich wohl höchste Lösegeld forderte der spanische Eroberer Francisco Pizarro im Jahre 1533 für die Freilassung des Inka-Häuptlings Atahualpa, den er in der Schlacht von Cajamarca gefangen genommen hatte: rund 25 Tonnen Gold und Silber.

Bekannt ist auch die Gefangenschaft des englischen Königs Richard Löwenherz, der 1194 nach Entrichtung eines immensen Lösegeldes von 6000 Eimern Silber freigelassen wurde.

Bis zum Fall der Mauer im Jahr 1989 kaufte Westdeutschland 35.000 politische Gefangene in der DDR frei. 3,5 Milliarden DM sollen dabei geflossen sein. Zum Beispiel zahlte die Bundesregierung 1978 für die Freilassung eines Ehepaares mit Kind 100.000 DM, die wegen versuchter „Republikflucht“ zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden waren.[1]

Lösegelder in der Gegenwart

Heute werden Lösegelder hauptsächlich im Zusammenhang von Entführungen verlangt, sie haben mittels Ransomware allerdings inzwischen auch elektronische Medien wie das Internet erreicht. In manchen Ländern gehört die Einforderung von Lösegeldern zur organisierten Kriminalität.

Das Land mit den gegenwärtig häufigsten Auftreten von Entführungsfällen zwecks Erpressung von Lösegeld ist das südamerikanische Kolumbien.

Die wohl spektakulärsten Lösegeld-Forderungen in Deutschland betrafen:

Lösegeld in der Bibel

Auch in der Bibel ist von einem Lösegeld die Rede (Markus 10,45; 1. Timotheus 2,5f). Damit ist die Lebenshingabe Jesu Christi in den Tod zur Erlösung der Menschen gemeint. An wen dieses Lösegeld bezahlt wird, bleibt im biblischen Kontext offen. In der Auslegungsgeschichte wurden u. a. genannt: Gott, dem durch den Tod Jesu das vollkommene Sühnopfer dargebracht wird, der Teufel und der Tod, aus deren Gewalt die Menschen freigekauft werden. Ebenso bleibt offen, wovon die Menschen erlöst werden. Im Zusammenhang der neutestamentlichen Theologie ist vor allem an die Erlösung von Sünde und Tod zu denken.

Lösegeld im deutschen Steuerrecht

Lösegeldzahlungen können als außergewöhnliche Belastung nach § 33 EStG steuerlich geltend gemacht werden. Sie müssen dabei die Zumutbarkeitsgrenze überschreiten: Diese richtet sich nach der Höhe des Gesamtbetrags der Einkünfte, Kinderzahl und Familienstatus.

Lösegeld- bzw. Entführungsversicherung

Seit 1998 bieten einige deutsche Versicherungen spezielle Lösegeldversicherungen an. Sie erstatten im Fall einer Geiselnahme das Lösegeld, zahlen aber auch Vermittler, Dolmetscher sowie Psychiater und Ärzte zur Nachbetreuung. Einige Versicherungen beteiligen sich zudem an den Kosten für Sicherheitstrainings ihrer Kunden.[2]

Zitate

  • Denn auch der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele. (Mk 10,45; zit. nach der Elberfelder Bibel (Ausgabe 1871))
  • Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus, der sich selbst als Lösegeld für alle gegeben hat. (1. Timotheusbrief 2,5-6; zit. nach der Schlachter-Bibel (Ausgabe 2000))

Einzelnachweise

  1. Die Nacht der zerplatzten Träume
  2. Frederik Obermaier: Versicherungen - Das Geschäft mit der Angst. Süddeutsche Zeitung, 21. Februar 2008, abgerufen am 3. Oktober 2010.

Siehe auch

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