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Lötschental

Das obere Lötschental, westlich von Ferden her gesehen. Im Vordergrund im Tal Ferden, gefolgt von Kippel und Wiler. Im Hintergrund Ried, Blatten und, schemenhaft zu erkennen, der Langgletscher. Unterhalb von Ferden sind Teile des Lonzastausees zu sehen, dahinter, rechts oberhalb von Kippel, der sogenannte Obriwald. Auf der linken Talflanke kann man einen Teil der Lauchernalp, dahinter die Weritzalp und Weissenried oberhalb von Blatten erahnen.

Das Lötschental im Oberwallis ist das grösste nördliche Seitental der Rhone in der Schweiz. Es wird vom Fluss Lonza durchflossen und liegt im Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn-Gebiet der Berner Alpen, das als UNESCO-Weltnaturerbe unter Schutz steht. Die Lonza wird vom Langgletscher gespeist, der das Lötschental ostwĂ€rts abschliesst. Das Tal ist von mehr als zwanzig Dreitausendern umgeben. In ihm leben rund 1500 Einwohner, Lötscher genannt. Die vier Gemeinden des Tals sind Blatten, Ferden, Kippel und Wiler, die zum Bezirk Westlich Raron gehören. Der nördlich gelegene Lötschenpass, nachweislich schon in der Bronzezeit begangen, liess dem Lötschental bis in die frĂŒhe Neuzeit eine Bedeutung als Handelsweg zukommen. Heute ist das Tal vor allem bekannt fĂŒr die Autoverladung zum Bahntransit durch den Lötschbergtunnel und als Wintersportgebiet.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Lage des Lötschentals anhand der FlÀchen der vier Talgemeinden.

Das rund 27 Kilometer lange und 150 Quadratkilometer umfassende Lötschental liegt an der SĂŒdabdachung der Berner Alpen, einer Untergruppe der Westalpen. Das Tal lĂ€sst sich in zwei Abschnitte unterteilen. Der untere Abschnitt verlĂ€uft vom Taleingang bei Gampel (634 m ĂŒ. M.) in Nord-SĂŒd-Richtung bis unterhalb von Ferden (1'375 m ĂŒ. M.). Er weist ein starkes GefĂ€lle auf, die abfliessende Lonza durchschneidet hier die StreichflĂ€che des Gebirgsverlaufs in einem schluchtĂ€hnlich verengten Kerbtal. Die östliche Talflanke dominiert der Hohgleifen (3'279 m ĂŒ. M.), die westliche Talflanke wird durch den Niwen (2'769 m ĂŒ. M.) geprĂ€gt.

Das eigentliche Haupttal ist der in Ost-West-Richtung verlaufende obere Abschnitt. Er macht rund zwei Drittel der LĂ€nge des Lötschentals aus. Beginnend bei Ferden, endet er mit der vergletscherten LötschenlĂŒcke auf 3178 Metern. Das obere Lötschental stellt ein TeilstĂŒck des Alpinen LĂ€ngstals dar, das von Grimsel ĂŒber den Konkordiaplatz des Aletschfirns, die LötschenlĂŒcke und den FĂ€rdanpass nach Leuk verlĂ€uft. Die im oberen Abschnitt flacher ansteigende Talsohle des Lötschentals ist auf einer Breite von rund 1000 Metern ausgebildet. Abgeschlossen wird das Tal vom Anengletscher, einem Seitenarm des bis zur LötschenlĂŒcke ansteigenden Langgletschers. Die nördlich und sĂŒdlich parallel des Haupttals verlaufenden GebirgszĂŒge gehören zum Aarmassiv.

Das Lötschental mit asymmetrisch verflachtem nördlichem Talhang vom Fusse des Langgletschers aus in Richtung Westen gesehen.

Die nördlich begrenzende Gebirgskette bildet der vom Lötschenpass bis zum Hockenhorn (3'293 m ĂŒ. M.) ansteigende Gasterngrat sowie der östlich daran anschliessende Petersgrat. Gleichzeitig stellt sie die Wasserscheide zwischen Rhone und Aare und somit einen Teil der EuropĂ€ischen Wasserscheide dar. Die SĂŒdflanke bildet die Bietschhornkette mit dem namensgebenden Bietschhorn (3'934 m ĂŒ. M.). Sie trennt das Lötschental vom Rhonetal und ist im Schnitt einige hundert Meter höher als die Nordbegrenzung des Tals.

Das Lötschental wurde im PleistozĂ€n und in seinem oberen Teil auch wĂ€hrend der Kleinen Eiszeit glazial ĂŒberprĂ€gt.[1] Die glaziale PrĂ€gung im PleistozĂ€n ist noch heute am Talrelief, einem Trog mit am Nordhang ausgeprĂ€gten Trogschultern, zu erkennen.

Die sĂŒdliche Talflanke steigt mit durchschnittlicher Steigung von 40 Grad auf und ist von zahlreichen Karmulden zerschnitten. Die BĂ€che laufen in kleinen Erosionsrinnen ab und werden von mehreren Hanggletschern gespeist, unter ihnen Nest- und Birchgletscher am Bietschhorn. Die abgetragenen Sedimente lagern sich seit dem HolozĂ€n, als der weichende Gletscher grosse Teile der Talsohle freigab, in ausgedehnten SchuttwĂ€llen ab. ZusĂ€tzlich von GeröllabgĂ€ngen angefĂŒllt, drĂ€ngen diese natĂŒrlichen Barrieren die Lonza wider den gegenĂŒberliegenden Hang und fĂŒhren dort zu einer verstĂ€rkten Erosion, besonders oberhalb von Blatten.

Vorfeld des Langgletschers mit Lonza samt Gletschertor, (teils von Geröll bedeckter) Gletscherfront und der LötschenlĂŒcke im Hintergrund.

Die sonnenabgewandte SĂŒdseite ist traditionell kaum besiedelt. Der hier vorherrschende Nadelwald wird von einigen kargen Schafweiden sowie schroffen Bacheinschnitten unterbrochen. Die oberhalb liegende Bergkette dominiert das Bietschhorn, an dessen Nordwesthang sich Nest- und Bietschgletscher befinden. Östlich erhebt sich das Breithorn (3'785 m ĂŒ. M.), bevor der Grat in Richtung LötschenlĂŒcke auslĂ€uft. Westlich des Bietschhorns liegen das Wilerhorn (3'307 m ĂŒ. M.) und der den Grat in westlicher Richtung abschliessende Hohgleifen.

Die nördliche Talflanke hat eine durchschnittliche Steigung von 35 Grad. ZunĂ€chst rasch aus der Talsohle aufsteigend, flacht sie zwischen 1800 und 2200 Meter ab und bildet eine nunmehr sanfter ansteigende und ĂŒber die gesamte Flanke in unterschiedlicher AusprĂ€gung verlaufende Empore. Diese Verflachung stellt den Rand der glazialen Rinne des im PleistozĂ€n vorgerĂŒckten Gletschers dar. Anschliessend steigt das Profil des Hangs erneut bis zum Gasterngrat sowie dem östlich befindlichen Petersgrat (3'205 m ĂŒ. M.) an. Dessen SĂŒdhang beherbergt vom Tal aus sichtbar den Üssertalgletscher sowie den Tellingletscher. Den Nordhang bedeckt der Kanderfirn und entwĂ€ssert in die Kander im Berner Oberland.

Die Nordflanke ist bis etwa 2000 Meter mit dichtem Nadelwald bewachsen, der von tiefen Taleinschnitten der abfliessenden BÀche unterbrochen wird. Oberhalb der Baumgrenze steigen sanft alpine Wiesen an, in denen alle grösseren Alpen des Tals liegen. Markantester Punkt der Gebirgskette ist das Hockenhorn nördlich von Wiler.

Breithorn (Lötschental)BietschhornWilerhornHohgleifen
Südflanke des Lötschentals, aufgenommen vom Lötschenpass aus. Die zum Aarmassiv gehörende Gebirgskette wird vom fast 4000 Meter hohen Bietschhorn dominiert, an dessen Nordhang der Nest- und der Birchgletscher zu sehen sind. Sie speisen den Näst- und den Birchbach, zwei der grösseren südlichen Zuflüsse der Lonza.

Geologie

Der untere Abschnitt des Lötschentals gehört geologisch zum Rhonetal[2] und weist an seinem Westhang die Strukturen der Helvetischen Decken auf. Das Haupttal besitzt einen asymmetrischen Querschnitt, bedingt durch tektonische Verschiebungen wÀhrend der alpinen Gebirgsbildung. Die Schieferung im Lötschental verlÀuft parallel zu den beiden Gebirgsketten.

Der Nordhang ist durch die tiefer liegenden hercynischen Schiefergesteine erniedrigt und weist aufgrund der geringeren Auffaltung eine weniger feinteilige Untergliederung auf. Die Gipfelbereiche des Gasterngrats, Hockenhorns und des ĂŒbergletscherten Petersgrats bestehen aus hercynischem Gastern-Granit, einem hellem, mittelkörnigem Biotitgranit und Granodiorit. Die flache AusprĂ€gung des BergrĂŒckens ermöglicht das Entstehen der massiven Vergletscherung, vor allem am Petersgrat.

Der steilere SĂŒdhang und die Talsohle bestehen aus Auffaltungen von Gneis und Kakirit, die Gipfelbereiche der Bietschhornkette aus hercynischem Bietschhorn-Granit, einem hellen, mittel- bis grobkörnigen Biotitgranit.[3]

Querschnitt Lötschental.svg

Gletscher und EndmorÀnenlandschaft

Gletschertor des Anengletschers und Austrittsstelle der Lonza.

Unterhalb des Anengletschers weist der obere Teil des Lötschentals die Merkmale einer EndmorÀnenlandschaft auf. Der rezente Gletscher schob wÀhrend der kleinen Eiszeit einen etwa 100 Höhenmeter messenden MorÀnenwall nahe der Fafleralp auf. Das dahinterliegende Tal wird von den nun offenliegenden SeitenmorÀnen der glazialen Rinne gesÀumt. Neben zahlreichen Findlingen liegen hier einige Schmelzwasserseen, darunter der Guggi- und der Grundsee.

Das gesamte Lötschental ist geprĂ€gt von seiner glazialen Formung wĂ€hrend des PleistozĂ€n, besonders stechen allerdings die Überbleibsel der Vergletscherungen wĂ€hrend der Kleinen Eiszeit hervor. Im Umfeld aller das Tal sĂ€umenden rezenten Gletscher sind die vorgeschobenen MorĂ€nenwĂ€lle zu erkennen.

Die Gletscher des Lötschentals bedecken 13,7 Prozent der FlĂ€che (Petersgrat ca. 1500 Hektar GletscherflĂ€che, weitere fĂŒnf Gletscher im oberen Tal, JĂ€ggigletscher, Langgletscher, Anengletscher, Lötschfirn und Distelgletscher mit einer FlĂ€che von rund 1600 Hektar. Die Gletscher des Schattenhangs weisen eine FlĂ€che von 800 Hektar auf) und sind der entscheidende Wasserspeicher des Tals. Sie entwĂ€ssern in die Lonza oder ihre ZuflĂŒsse, deren Fliessmenge somit massgeblich von den herrschenden Temperaturen abhĂ€ngt.

Klima

Klimatabelle mittlerer Temperatur und Niederschlags in Ried

Das Lötschental befindet sich am Schnittpunkt des feuchten, westlichen maritimen Klimas der Nordalpen und dem trockeneren mediterranen Klima der SĂŒdalpen.[4] Das Mikroklima des Tals ist bestimmt durch den Gegensatz zwischen Sonnen- und Schattenhang. Die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt in Ried bei 4,7 Â°C, die mittlere Jahresisotherme der Nullgrad-Grenze befindet sich auf etwa 2200 Meter.[1] Die durchschnittliche Jahresniederschlagsmenge liegt bei 1113 Millimeter (Ried). Die Einschneizeit betrĂ€gt im langjĂ€hrigen Durchschnitt 138 Tage, der mittlere Einschneitag ist der 25. November. Die geschlossene Schneedecke hĂ€lt im Mittel bis zum 9. April (Wiler). In der knapp 2000 Meter hohen Lauchernalp dauert die Einschneizeit 166 Tage an.

Aufgrund seiner abgeschlossenen, von zwei GebirgszĂŒgen eingegrenzten Lage ist das Lötschental selten stĂ€rkeren Winden ausgesetzt. Mit Ausnahme einiger sĂŒdwestlicher Windströmungen aus dem Rhonetal ĂŒberwiegen infolge der Topographie die Hangwinde, die je nach Tageszeit variieren.[2]

Fast die gesamte Talsohle des Lötschentals ist erheblich durch LawinenabgĂ€nge bedroht, immer wieder kommt es im Winter zu BeschĂ€digungen und Zerstörungen an HĂ€usern und Strassen. Vor allem die tiefen Erosionsrinnen des Schattenhangs bergen die Gefahr von LawinenabgĂ€ngen, unterstĂŒtzt durch abstĂŒrzende Eismassen der Hanggletscher.

Flora und Fauna

Der nordöstlich von Blatten, zwischen Telli- und Fafleralp gelegene Schwarzsee auf 1860 Metern, ein typischer Karsee

Flora

Die Alpenflora des Lötschentals lÀsst sich in Vegetationsstufen gemÀss der penninischen Höhenstufenfolge unterteilen. Diese ist bestimmt vom kontinental trockenen Klima der Westalpen. Das Lötschental wird geprÀgt von staudenbewachsenen Felsschuttfluren, alpinem Rasen, subalpinem Nadelgehölz und Zwergstrauchgesellschaften. Einen grossen Raum nehmen die HochgebirgswÀlder ein. Sie setzen sich grösstenteils aus LÀrchen und Fichten zusammen.

In der montanen Stufe bis etwa 1500 Meter, also der Talsohle bis etwa Wiler, ĂŒberwiegen GrĂŒn- und AckerflĂ€chen. Die WaldflĂ€chen machen rund 40 Prozent der FlĂ€che aus, es dominiert der Nadelwald. An den auslaufenden Lawinenbahnen und Bachrinnen bestehen in deren Schwemmgebieten Hochstaudenfluren, ausserdem wachsen hier die Pionierpflanze GrĂŒnerle sowie andere KleinstrĂ€ucher.[5]

Tellialp nahe Blatten, von Norden aus gesehen. Unterhalb des Bietschhorns sind die Hanggletscher zu erkennen, deren Schmelzwasser die tiefen Erosionsrinnen des Schatthangs schuf.

In der unteren subalpinen Stufe bis 1800 Meter liegen ausgedehnte NadelwĂ€lder, vorwiegend bewachsen mit Fichten und Föhren, die rund die HĂ€lfte der FlĂ€che einnehmen. WĂ€hrend der sĂŒdliche Schatthang durchgehend bewaldet ist, bestehen am nördlichen Sonnhang nur Bannwaldgebiete oberhalb der Ortschaften. Die FlĂ€chen des Tals und des Sonnhangs werden weitgehend landwirtschaftlich genutzt.

Im oberen Teil der subalpinen Stufe bis 2200 Meter geht der Wald zunehmend zurĂŒck, bis die natĂŒrliche Baumgrenze bei etwa 2200 Metern erreicht ist. Die reale Baumgrenze ist allerdings an der Nordflanke zu Gunsten der Alpweiden grösstenteils auf 2000 Meter gesenkt worden.[6] In diesem Gebiet wachsen ZwergstrĂ€ucher und alpiner Rasen, Hochstaudenflur beherrscht das Bild. In ihr liegen die meisten Alpen des Tals und deren WeideflĂ€chen. An der SĂŒdflanke bilden LĂ€rchen-ArvenwĂ€lder bei rund 2200 Meter die Grenze der Bewaldung.[1]

In der alpinen Stufe bis 2500 Meter nehmen die unbewachsenen FlÀchen zu, Felsschuttfluren und Felsen dominieren das Bild. Es herrscht eine SchneetÀlchenvegetation vor. Hier wachsen kleinere StrÀucher, Matten und alpiner Rasen, vorwiegend Borstgras. In höheren Lagen existieren Moose und Flechten. Zwischen 2500 und 3000 Metern ist die Vegetationsgrenze erreicht.[5]

Fauna

Die Alpenfauna des Lötschentals deckt sich weitgehend mit derjenigen des ĂŒbrigen Wallis. An SĂ€ugetieren sind insbesondere Alpensteinbock, GĂ€msen, Hirsche, Schneemaus und Murmeltiere anzutreffen.[7] Ausserdem leben dort Alpenschneehuhn, Alpensteinhuhn und Birkhuhn. In den weitgehend naturbelassenen alpinen FlĂ€chen finden sie einen ungestörten Lebensraum.

Der in Mitteleuropa seltene Steinadler ist im Lötschental heimisch. Auch sind die Anfangs des 20. Jahrhunderts im Wallis als ausgerottet geltenden Tierarten Luchs[8] und Wolf[9], [10] im Lötschental wieder anzutreffen. WĂ€hrend der Luchs dank Aussetzungen in anderen Kantonen ins Lötschental fand, wandern Wölfe von alleine seit 1995 aus Italien und Frankreich zurĂŒck in die Schweiz. Im Rahmen des «Wolf-Projekts Schweiz»[11] wurde vom Bundesamt fĂŒr Umwelt [12] die Wiedereinwanderung von Wölfen im Oberwallis begleitet. Gegen die Anwesenheit des Wolfes gibt es Vorbehalte der Kleinviehhalter. In der Nutztierhaltung des Lötschentals dominiert die Schaf- und Rinderhaltung. Vor allem die Schafhalter fĂŒrchten um die Sicherheit ihrer Tiere.[13]

Besiedlung und Infrastruktur

Übersichtsplan des Lötschentals

Im Lötschental befinden sich vier eigenstÀndige Gemeinden. Ihre Zentren liegen allesamt im Bereich der Talsohle des oberen Lötschentals, im schroffen unteren Drittel des Tals befinden sich lediglich kleinere SiedlungsplÀtze. Das untere Taldrittel gehört teilweise zu den Gemeindegebieten von Gampel und Hohtenn.

Ferden auf 1375 Metern ist die erste Gemeinde zu Beginn des sich öffnenden Tals. Ihm folgen der Hauptort Kippel und Wiler, die nur wenige hundert Meter trennen. Alle drei Gemeinden schliessen sich an das nördliche Ufer der Lonza an. Im oberen Teil des Tales befindet sich Blatten.

Bis zum Bau des 6,2 Kilometer langen Mittal-Tunnels als Ersatz fĂŒr die Zufahrtsstrasse durch das enge Lonzatal war das Lötschental vor allem im Winter immer wieder durch Geröll- und LawinenabgĂ€nge fĂŒr einige Tage von der Aussenwelt abgeschnitten.[14]

Ferden

→ Hauptartikel: Ferden
Ferden von Norden aus gesehen mit Lonzastausee und Blick in das untere Lötschental bis zum Rhonetal.

Ferden liegt am Fusse des Nordhangs des Hohgleifen, am nördlichen Ufer des Lonza-Stausees. Es wurde erstmals 1380 als Verdan urkundlich erwÀhnt. Die 342 Einwohner (Stand 2007) des Ortes verteilen sich auf den Hauptort, den Weiler Goppenstein sowie drei bewirtschaftete Alpen. Ferner gehört der heute unbewohnte Weiler Mittal zum Gemeindegebiet. Nach Blatten ist Ferden die flÀchenmÀssig zweitgrösste Gemeinde des Tals. Einst bestand Ferden aus einer Ansammlung von Höfen, die sich im Laufe der Jahrhunderte um den heutigen Ortskern sammelten. Daher erhielt der Ort seine noch bestehende Haufendorfstruktur. Im Jahr 1956 löste sich Ferden vom Lötschentaler Hauptort Kippel und ist seither eine eigenstÀndige Gemeinde.[15]

Zu Ferden gehören drei Alpen nördlich und westlich des Ortes. Oberhalb von Goppenstein liegt auf 2037 Metern die Faldumalp, einige Kilometer nördlich die Restialp (2'098 m ĂŒ. M.). Im weiten Taleinschnitt des FĂ€rdanbaches, der in seinem Namen eine alte Schreibweise des Ortes Ferden trĂ€gt und westlich davon in den Lonzastausee mĂŒndet, befindet sich die Kummenalp (2'086 m ĂŒ. M.). Alle drei Alpen sind im Sommer bewirtschaftet. Heute werden die traditionellen HĂŒtten vorwiegend von Einheimischen als FerienhĂ€user genutzt, Vieh und Almwirtschaft nur noch vereinzelt gewerbsmĂ€ssig betrieben. Obwohl die Alpen entlang des Lötschentaler Höhenweges liegen und fĂŒr Wandertouristen gut erschlossen sind, bestehen hier nur vereinzelt Übernachtungsmöglichkeiten.

SĂŒdwestlich des Ortes befindet sich der Stausee Ferden. Seine Staumauer staut die Lonza in einer LĂ€nge von rund zwei Kilometern auf. Sie stammt aus dem Jahr 1975 und ist als 67 Meter hohe Bogenstaumauer mit einer Breite der Krone von 126 Metern ausgefĂŒhrt; 34'000 Kubikmeter Beton wurden fĂŒr die Staumauer verbaut. Der See hat ein Volumen von 1'890'000 Kubikmetern, wobei der Wasserstand je nach Schmelzwassermenge stark variieren kann.[16]

Goppenstein

→ Hauptartikel: Goppenstein
Bewirtschaftete AlphĂŒtte auf der Kummenalp, im Hintergrund das sĂŒdöstlich gelegene Bietschhorn

SĂŒdlicher im engen Tal der Lonza liegt auf 1216 Meter Goppenstein. Es beherbergt den Bahnhof der Lötschberglinie, die von der BLS AG betrieben wird. Neben dem Bahnhof bestehen umfassende Anlagen zur Verladung von Autos und Lastkraftwagen zum Bahntransfer durch den Lötschbergtunnel, dessen SĂŒdportal sich unmittelbar im Ort befindet.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten wĂ€hrend der Bauarbeiten fĂŒr den Eisenbahntunnel weit ĂŒber dreitausend Arbeiter in dem kleinen Ort, der fĂŒr wenige Jahre zu einer der grössten Ansiedlungen des Wallis wurde. Heute leben nur wenige Menschen in dem stark verkehrsbelasteten Weiler.

Das heute nicht mehr bewohnte Mittal ist ein kleiner Weiler an der alten Talstrasse sĂŒdlich von Goppenstein. Im 19. Jahrhundert bestanden hier einige Minen, in denen Arbeiter aus dem Tal tĂ€tig waren. Seit der Mitte des Jahrhunderts bestand zum Abtransport der Minenerzeugnisse ein Karrenweg ins Rhonetal.

Kippel

→ Hauptartikel: Kippel
Kippel von Westen aus gesehen. Zu erkennen ist die 1742 dem hl. Martin geweihte Pfarrkirche.

Kippel (1'376 m ĂŒ. M.) ist der traditionelle Hauptort des Lötschentals. Die Geschichte der Pfarrei geht bis in das Jahr 1233 zurĂŒck. Bis ins spĂ€te 19. Jahrhundert war sie die einzige im Lötschental und somit das geistliche Zentrum der vier Dörfer. Heute leben in Kippel 383 Menschen (Stand 2007). Seit 1960 besteht in Kippel die einzige Schule des Tales, 1982 wurde im Ort das Lötschentaler Museum eingerichtet.[17] Im Jahr 1923 zerstörte eine Lawine grosse Teile von Kippel, die zum Teil beschĂ€digte Pfarrkirche aus dem Jahr 1742 wurde erst 1977 wieder in ihren Originalzustand versetzt. Neben traditionellen Walliser Blockbauten prĂ€gen einige Hotels der Jahrhundertwende den Ort.

Zu Kippel gehört die nördlich auf 2048 Metern liegende Hockenalp, die seit den 1950er Jahren mit einem Skilift zu erreichen war. Ende der 1970er Jahre wurde der Lift stillgelegt, nachdem die Luftseilbahn zur Lauchernalp im Nachbarort Wiler den Betrieb aufnahm.

Wiler

→ Hauptartikel: Wiler (Lötschen)
Wiler von der Faldumalp aus gesehen, am Ortseingang ist die Talstation der Luftseilbahn zur Lauchernalp zu erkennen.

Wiler (1'419 m ĂŒ. M.) ist mit 538 Einwohnern die bevölkerungsreichste Gemeinde des Tals. Der zu grossen Teilen noch aus traditionell Walliser Bausubstanz bestehende Ort wurde am 17. Juni des Jahres 1900 von einer schweren Brandkatastrophe heimgesucht, bei der grosse Teile des Dorfes vernichtet wurden. Seither wird dieser Tag als Roter Segensonntag bezeichnet.

Zu Wiler gehört die touristisch am besten erschlossene Alp des Tals, die Lauchernalp. Sie ist ĂŒber die einzige Luftseilbahn des Lötschentals erreichbar und ist der Ausgangspunkt vieler Wanderrouten.

Blatten

→ Hauptartikel: Blatten (Lötschen)
Das von der Lonza durchflossene Blatten von Norden aus fotografiert. Im Ortsmittelpunkt ist die 1985 errichtete neue Pfarrkirche zu sehen.

Blatten (1'540 m ĂŒ. M.) ist die oberste und flĂ€chenmĂ€ssig grösste Gemeinde des Lötschentals. 1898 löste sich Blatten als erster Talort von Kippel und ist seither eine eigenstĂ€ndige Gemeinde. In dem 1433 erstmals als uffen der Blattun erwĂ€hnten Ort leben heute 311 Menschen (Stand 2007).[18] Der unbewohnte Weiler KĂŒhmatt, in dem sich seit 1654 eine barocke Wallfahrtskapelle befindet, liegt östlich des Hauptorts. Weissenried (1'706 m ĂŒ. M.) am nördlichen Berghang, Eisten und Ried, in dem 1868 das erste Hotel des Tales errichtet wurde, gehören ebenfalls zu Blatten.

Östlich von Blatten liegen die Fafler-, die Gletscher- und die Guggialp. Die Talstrasse reicht seit 1972 bis zur Fafleralp, die einen wesentlichen touristischen Anziehungspunkt und Ausgangsort fĂŒr Wanderungen zum Anengletscher bildet. Nördlich von Blatten liegen die Weritz- und die Tellialp, unweit derer sich auf 1860 Metern Höhe der Schwarzsee befindet.

Alpen

Die zur Gemeinde Ferden gehörende Faldumalp liegt auf einer Höhe von 2037 Metern und wird im Sommer bewirtschaftet.

Im Lötschental bestehen zahlreiche, den Gemeinden zugeordnete Alpen. Zu Ferden gehören die Faldum-, die Resti- und die Kummenalp. Die Hockenalp hat in Kippel ihren Talort, die Lauchern ist Teil der Gemeinde Wiler. Die Weritz-, Telli-, Fafler-, Gletscher- und Guggialp liegen auf Blattener Gebiet.

Alle grösseren Alpen verfĂŒgen ĂŒber mindestens ein im Sommer bewirtschaftetes Gasthaus und eine eigene Bergkapelle, in denen in regelmĂ€ssigen AbstĂ€nden die Pfarrer der Talpfarreien Gottesdienste abhalten. Die meisten AlphĂŒtten werden heute als FerienhĂ€user fĂŒr Einheimische, aber auch Talfremde, genutzt.

Die Almbewirtschaftung in den Sommermonaten war fĂŒr die Talbevölkerung bis in die erste HĂ€lfte des 20. Jahrhundert ein wesentlicher Bestandteil des Lebensunterhalts und bestimmte massgeblich deren Arbeits- und Lebensgewohnheiten. Ab der Mitte des Jahrhunderts gewannen sie zunehmend als Touristenherbergen und SehenswĂŒrdigkeiten an Wert, Haupterwerbs-Alpwirtschaft wird kaum mehr betrieben.

Hockenalp oberhalb von Kippel, im Vordergrund die 1932 errichtete Kapelle.

In den 1950er Jahren richtete der Schweizer Pfadfinderbund ein Sommerlager auf der Faldumalp ein, zur selben Zeit wurde ein erster Schlepplift fĂŒr den Wintersport zur Hockenalp errichtet. In den 1970er Jahren begann der Ausbau der Lauchernalp zum Wintersportzentrum des Tals, hierzu wurde 1972 die Luftseilbahn Wiler-Lauchernalp in Betrieb genommen.

Einen touristischen Anziehungspunkt bildet die Fafleralp, die einzige seit 1972 mit dem Auto und dem Postauto auf öffentlichen Strassen erreichbare Alp des Tales. Ihre Lage am oberen Ende das Lötschentals zu FĂŒssen des Anengletschers lockt zahlreiche TagesgĂ€ste an. Auf der Alp besteht neben einem Hotel und mehreren GaststĂ€tten auch ein Campingplatz.

Die Lauchernalp und die Kummenalp liegen auf dem historischen Aufstiegsweg zum Lötschenpass und besitzen eine lange Tradition als Herbergen und Gastlager. Gleiches gilt fĂŒr die Restialp unterhalb des Restipasses, der nach Leukerbad fĂŒhrt.

Lötschenpass

→ Hauptartikel: Lötschberg
Die LötschenpasshĂŒtte nach dem Umbau im Sommer 2008. Im Hintergrund die schroffe Ostwand des Balmhorns

Der Lötschenpass ist ein AlpenĂŒbergang ĂŒber den Kamm der Berner Alpen, der das Lötschen- mit dem Kandertal verbindet. Die Passhöhe liegt auf 2'690 m ĂŒ. M., rund fĂŒnf Kilometer nördlich von Ferden. Der traditionelle Aufstiegsweg verlĂ€uft, im Sommer, von SĂŒden kommend, durch das untere Lötschental ĂŒber Goppenstein nach Wiler, der Lonza folgend. In Wiler beginnt der wesentliche Aufstieg zunĂ€chst zur Lauchernalp, dann zur LötschenpasshĂŒtte und zur Passhöhe. Abgestiegen wird ĂŒber Selden ins Kandertal, dann der Kander folgend ĂŒber Kandersteg ins Berner Oberland. Im Winter ist der Lötschenpass mit der Gondelbahn via Hockenhorngrad erreichbar. Ab Mitte Januar ist die LötschenpasshĂŒtte durchgehend bewartet.

Schon zu prÀhistorischer Zeit begingen Menschen den Pass, wie Funde aus der Bronze- und Eisenzeit belegen. Seit der Römerzeit bis ins Mittelalter galt der Lötschenpass neben dem Gemmipass als wichtigste Verbindung zwischen dem Berner Oberland und dem Wallis. Als Handelsweg hatte er vor allem als VerlÀngerung der aus Oberitalien kommenden Simplonroute in die Nordschweiz eine grosse Bedeutung. Die Reisenden und HÀndler verschafften den an der Aufstiegsroute gelegenen Orten bescheidenen Wohlstand.

Im Jahr 1519 wurde die erste HĂŒtte an der Passhöhe des Saumpfades errichtet. Im 17. Jahrhundert begannen Berner mit dem Bau einer Strasse ĂŒber den Pass. Religiöse Konflikte zwischen Bernern und Wallisern fĂŒhrten allerdings zu einem ZerwĂŒrfnis und bedeuteten das Ende der Baumassnahmen. Überreste der teilweise fertiggestellten Strasse sind an der Nordseite des Passes zu erkennen. In der Folgezeit verlor der nur zu Fuss begehbare AlpenĂŒbergang zunehmend an Bedeutung. Im 19. Jahrhundert richtete die Schweizer Armee einen Wachposten an der Passhöhe ein, der nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer neuen PasshĂŒtte umfunktioniert und schrittweise ausgebaut wurde.[19]

Geschichte

→ Hauptartikel: Geschichte des Wallis

Vorgeschichte und Römerzeit

Das Gebiet des heutigen Wallis gehörte zur Römerzeit mit seiner Provinzhauptstadt Forum claudii vallensium (Martigny) vornehmlich zur Provinz Alpes Graiae et poeninae. Das Lötschental, mit dem Fussweg ĂŒber den Lötschenpass stellte damals einen Handelsweg in die nördlich gelegene römische Provinz Germania superior dar.

Funde aus der Bronze- und der Eisenzeit am Lötschenpass und dessen Aufstiegsweg ĂŒber Kippel zeugen von einer frĂŒhen Bedeutung als Handelsweg. Ausgrabungen keltischer BrandgrĂ€ber bei Kippel lassen auf eine vorrömische Besiedelung schliessen,[20] im Oberwallis siedelten die keltischen Uberer. Im 1. Jahrhundert v. Chr. eroberten die Römer das Gebiet des heutigen Wallis mit dem Lötschental und machten es zur römischen Provinz Vallis Poeninae (spĂ€testens ab der Verwaltungsreform des Diokletian um 300 n. Chr. zusammengefasst mit Alpes Graiae als Alpes Graiae et Poeninae).

Völkerwanderung und Mittelalter

Ab dem 3. Jahrhundert n. Chr. ĂŒberfielen immer wieder alamannische und burgundische StĂ€mme Gallien, Raetia sowie das angrenzende Wallis. Im Jahr 277 schlugen die Römer die Alamannen bei Acaunus (dem heutigen Saint-Maurice). Im 4. Jahrhundert zogen die Römer mal gemeinsam mit den Burgunden gegen die verstĂ€rkt einfallenden Alamannen, mal gegen die Burgunden in den Kampf. Im Jahr 435 besiegte der römische HeerfĂŒhrer Flavius AĂ«tius in Belgica I die Burgunden. Im darauffolgenden Jahr wurde deren Reich von den mit den Römern verbĂŒndeten Hunnen und Herulern endgĂŒltig vernichtet. Die ĂŒberlebenden Burgunden siedelten als Foederaten in Savoyen und dem Wallis. Nach dem Tod von Flavius AĂ«tius 454 endete die römische Herrschaft ĂŒber das Wallis, das an die nun hier lebenden Burgunden fiel und bis 1032 in deren Besitz blieb. Burgund war seit der Eroberung durch die Franken 534 ein frĂ€nkisches Teilreich das nach der FrĂ€nkische Reichsteilung als Königreich Burgund fortbestand.

Wallis und Lötschental wÀhrend der Herrschaft der Herren von Turn

Die von den Franken bedrĂ€ngten Alamannen in SĂŒddeutschland besiedelten ab dem spĂ€ten 6. Jahrhundert die Nordschweiz und drangen ab dem 8. Jahrhundert ĂŒber den Gemmi- und den Lötschenpass ins Wallis ein.[21] Nach dem Niedergang der burgundischen Herrschaft kam es im 11. Jahrhundert zu einer raschen Alemannisierung des Oberwallis. Ihre Siedlungen sind ab dem frĂŒhen 11. Jahrhundert im Lötschental nachgewiesen (GiĂ€trich bei Wiler nach Ausgrabungen von 1990). Überlieferungen nach verdrĂ€ngten sie dabei ein im Lötschental heimisches Volk, die Schurten, von den fruchtbareren SiedlungsplĂ€tzen im Tal. Die Schurten mussten fortan in den kargen BergwĂ€ldern auf der Schattenseite des Tals leben (im Obri Wald nahe Wiler wurden bei ebenjenen Ausgrabungen Reste einer Siedlung entdeckt) und wurden von den Alemannen fĂŒr ihre RaubzĂŒge gefĂŒrchtet.

Als 1033 das Königreich Burgund unterging, wurde das Wallis reichsunmittelbar und unterstand somit direkt dem Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. In der Folgezeit entwickelte sich im Wallis der Kleinadel. Das Lötschental gelangte in den Besitz der Herren von Turn. Im Jahr 1233 stiftete Gyrold von Turn die Pfarrei in Kippel, die erste und bis ins 19. Jahrhundert einzige Pfarrkirche des Tals.

Die Herren von Turn waren in zahlreiche Fehden verstrickt und rangen an der Seite des Hauses Savoyen gegen die ZĂ€hringer, die im Namen des Kaisers das Rektorat von Burgund ausĂŒbten (1127 bis 1218), um die Vorherrschaft im Wallis. Von zahllosen Auseinandersetzungen und Kriegen geschwĂ€cht, schlossen sich im 14. Jahrhundert Walliser Gemeinden zum SchutzbĂŒndnis der Zehnden zusammen und beriefen sich auf ihre Reichsunmittelbarkeit. SpĂ€testens 1355 entstand der Bund der sieben Zenden, der aus den Orten Goms, Brig, Visp, Raron, Leuk (die fĂŒnf oberen Zehnden) sowie Siders und Sitten (untere Zehnden) bestand. Diese vertrieben die Herren von Turn und ihre savoyischen VerbĂŒndeten aus dem Oberwallis und eroberten in der Folgezeit auch das Unterwallis. Fortan verwalteten sie sich selbst und lösten sich im 16. Jahrhundert aus der Unterstellung unter den Bischof von Sitten. Nach der Vertreibung der Herren von Turn wurde auch das Lötschental politisch von den fĂŒnf oberen Walliser Zehnden abhĂ€ngig.

Übliche Bezeichnungen fĂŒr das Lötschental waren im Mittelalter Vallis Lyche (1233 urkundlich erwĂ€hnt), Lyech, Vallis Illiaca und Illiacensis superior.[22]

Das Lötschental in der Neuzeit

Das Lötschental im Besitz der sieben Zehnden (Gesteln-Lötschen).

Im 17. Jahrhundert begannen auf der Berner Seite des Lötschenpasses die Arbeiten zum Ausbau als Fuhrweg. Im Auftrag des Hauptmanns Abraham von Graffenried sollte die nach ihm Grafenriedsche Strasse genannte Verbindung den Handel stĂ€rken. Allerdings scheiterte das Vorhaben an religiösen Unstimmigkeiten und frĂŒheren Auseinandersetzungen mit den sieben Zehnden, die ihre Zustimmung fĂŒr den Weiterbau der Passstrasse auf ihrem Gebiet verweigerten. Die Berner Bevölkerung hatte im Januar 1528 per Volksentscheid den Übertritt zur Reformation beschlossen, das Wallis blieb katholisch. Dies fĂŒhrte ab 1536 zu kriegerischen Konflikten, nachdem Savoyen das Unterwallis an Bern verloren hatte und sich angesichts der Niederlage mit den sieben Zehnden verbĂŒndete. Als die Berner aus dem Wallis vertrieben waren, besetzten die sieben Zehnden das Unterwallis und stellten es unter ihre Verwaltung.

Im spĂ€ten 16. und zu Beginn des 17. Jahrhunderts wĂŒtete die Pest im Wallis. Insbesondere in den Jahren 1578 und 1627 war auch das Lötschental betroffen, dessen Taleingang bei Gampel von Pestwachen abgeriegelt wurde.

Im Jahr 1790 kauften sich die Lötscher fĂŒr 10'000 Kronen von den fĂŒnf oberen Zehnden frei, wurden reichsunmittelbar und gaben sich im Jahr 1795 eine eigene Verfassung. Nach der Niederlage der sieben Zehnden gegen NapolĂ©on in der Phynschlacht 1799 wurde das Wallis von französischen Truppen besetzt. Nach einigen Jahren als Republik gliederten die Franzosen das Wallis 1810 als DĂ©partement du Simplon in das napoleonische Reich ein. Nach dem Niedergang NapolĂ©ons erklĂ€rte das Wallis am 13. MĂ€rz 1814 seine UnabhĂ€ngigkeit und trat im August des Jahres 1815 nach Beratungen des Wiener Kongresses als 20. Kanton der Schweiz bei.

Grundsee unterhalb des Langgletscher östlich der Fafleralp, ein typischer Schmelzwassersee des Gletschervorfeldes.

Mit dem Beginn der Industrialisierung im Rhonetal im spĂ€ten 19. Jahrhundert kehrten zahlreiche junge Lötscher ihrem Heimattal den RĂŒcken, die Abwanderung konnte erst langsam durch den aufkommenden Tourismus und eine verbesserte Verkehrsanbindung in der ersten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts gebremst werden. Die Talstrasse wurde schrittweise bis 1955 erbaut und verbindet seitdem das Rhonetal mit allen Gemeinden des Lötschentals.

FĂŒr die kurze Zeit der Bauarbeiten am Lötschbergtunnel zwischen 1907 bis 1913 blĂŒhte das Tal wirtschaftlich auf, tausende Wanderarbeiter bevölkerten Arbeitsbaracken rund um Goppenstein. Seit den 1950er Jahren ist der Tunnel durch die neu eingerichtete Autoverladung ein wichtiger Transitweg zwischen der Nordschweiz und dem Wallis und dementsprechend stark frequentiert. Mit dem Bau des Lötschbergbasistunnels wird die Verbindung durch das Lötschental zukĂŒnftig umgangen.

1898 löste sich Blatten als erste Kirchgemeinde vom Priorat Kippel, das bis dahin als Hauptort des Tales auch dessen zentraler Verwaltungssitz war. 1956 wurden Ferden und Wiler eine selbststÀndige Kirchgemeinde. Seit den 1970er Jahren ist das Lötschental verstÀrkt auf den Tourismus ausgerichtet, insbesondere auf WintergÀste.

In den Jahren 1993, 1996 und 1999 kam es im Lötschental zu grösseren LawinenabgĂ€ngen. Die Lawinen im Winter 1999 beschĂ€digten oder zerstörten auf der Gletscheralp sowie im Weiler Ried bei Blatten einzelne ÖkonomiegebĂ€ude, AlphĂŒtten und WohnhĂ€user. Seither wurden weitere Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung sowie der Kommunikations- und Verkehrsverbindungen getroffen, unter anderem die LawinenschutzdĂ€mme zwischen Kippel und Wiler sowie der Bau bzw. die VerlĂ€ngerung von Strassengalerien.

Am 13. Dezember 2001 wurde das Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn-Gebiet, zu dem sĂŒdliche und östliche Teile des Tals gehören, mit Beschluss des Welterbe-Komitees der UNESCO in die World Heritage List (UNESCO-Welterbe) aufgenommen. Seither stehen der Anengletscher und das Gletschervorfeld bis zur Fafleralp unter strengem Naturschutz.

Wirtschaft und Versorgung

Bietschhorn und auslaufender Grat zum Langgletscher. Im Vordergrund die fĂŒr das Wallis typischen EringerkĂŒhe.

Die Bewohner des Lötschentals lebten bis ins frĂŒhe 20. Jahrhundert fast ausschliesslich von der Land- und Viehwirtschaft, die vor allem in den Sommermonaten durch die Almbewirtschaftung betrieben werden konnte. WĂ€hrend die Ackerbewirtschaftung bis auf einige Jahre der Lebensmittelknappheit wĂ€hrend des Zweiten Weltkriegs im Zuge des Plan Wahlen mehrheitlich verschwand, wird die Viehwirtschaft bis heute betrieben.

Die meisten Weide- und AckerflĂ€chen liegen im Tal und an den sonnenzugewandten HĂ€ngen der Nordflanke. Hier werden vorwiegend Schafe, aber auch Rinder zur Milchwirtschaft gehalten, hĂ€ufig die im Wallis typischen EringerkĂŒhe. Dagegen ist die steile SĂŒdflanke weitgehend bewaldet und bietet nur an wenigen Stellen WeideflĂ€chen, vorwiegend fĂŒr weniger anspruchsvolle Ziegen und Schafe.

Einen Nebenerwerb stellt die Holzwirtschaft dar, die gleichzeitig auch zur Versorgung der Bevölkerung mit Brennholz genutzt wurde. Noch heute lassen sich insbesondere am Nordhang baumfreie GefÀllsabschnitte erkennen, die einst zum Abtransport des Holzes benutzt wurden.

Bis Ende des 19. Jahrhunderts war das abgeschiedene Tal von der Aussenwelt isoliert, auch weil der einst vielbegangene Lötschenpass seine Bedeutung als transalpiner Handelsweg weitgehend eingebĂŒsst hatte. Das karge Dasein der Bergbauern wirkte sich auf alle Lebensbereiche der Menschen aus und prĂ€gt bis heute das Bild des Tales. Die Menschen fertigten ihre BedarfsgĂŒter weitgehend in Eigenarbeit und fanden ein knappes Auskommen durch die Bewirtschaftung der Bergweiden, jedoch waren Hunger und Elend keine Seltenheit. In dieser AtmosphĂ€re entwickelte sich eine strenge, fromme und autarke Talgemeinschaft.[23] Immer wieder kehrten vor allem junge Lötscher ihrem Tal den RĂŒcken, um im Rhonetal ihr Auskommen zu suchen. Im 20. Jahrhundert, vor dem Ausbau der Talstrasse, begann eine zunehmende Überalterung der Bevölkerung des Tales.

Der 1975 errichtete Lonza-Stausee bei Ferden. Die Staumauer ist 67 Meter hoch und 126 Meter breit.

Ab der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhundert fanden einige Lötscher Anstellung in Blei-, Silber- und Anthrazitminen, die im unteren Tal bei Goppenstein und Mittal von englischen Minengesellschaften errichtet wurden. Um die Rohstoffe abtransportieren zu können, bauten sie den bisherigen Fussweg von Gampel nach Goppenstein zu einem Fuhrweg aus, das obere Tal blieb jedoch weiterhin nur zu Fuss erreichbar.

Nach der Erstbesteigung des Hockenhorns durch den EnglĂ€nder Arthur Thomas Malkin im Jahr 1840 begannen zunĂ€chst vor allem britische Alpinisten sich fĂŒr das Tal zu interessieren. Nach dem Bau des ersten Hotels in Ried 1868 stellten sich die Lötscher zögerlich auf den langsam aufkommenden Tourismus ein.[23] Ende des 19. Jahrhunderts grĂŒndeten sich einige fortschrittliche Vereine, darunter eine Theater- und Musikgesellschaft in Ferden.

Der Bau des Lötschbergtunnels von 1906 bis 1913, dessen SĂŒdportal bei Goppenstein liegt, brachte das erste Mal eine grosse Zahl an ArbeitsplĂ€tzen und fremde Arbeiter in das Tal. Neben Goppenstein profitierten auch die anderen Orte des Tals von dem Projekt. Es wurden Hotels gegrĂŒndet, die Menschen richteten sich auf die BedĂŒrfnisse der Gastarbeiter ein und öffneten sich talfremden EinflĂŒssen. Seit der Fertigstellung des Tunnels verfĂŒgt das Lötschental mit dem Bahnhof in Goppenstein ĂŒber eine Bahnanbindung.

Zunehmend fanden Lötscher auch Anstellungen in Fabriken im Rhonetal, wo die Industrialisierung im spĂ€ten 19. Jahrhundert einsetzte. Im Jahr 1898 wurde in Gampel die Lonza AG gegrĂŒndet, die zunĂ€chst mit dem Wasser der Lonza Strom erzeugte und einigen Dutzend Talbewohnern Arbeit bot.

Nach zwölf Jahren Bauzeit konnte 1939 eine Strassenverbindung von Gampel nach Ferden in Betrieb genommen werden. Bis 1953 wurde die Strasse nach Wiler, bis 1954 nach Blatten erweitert. Somit war das Tal mit Autos und Postauto vom Rhonetal aus erreichbar, den Einheimischen bot sich die Chance, als Pendler ausserhalb des Tales zu arbeiten. Mit der besseren Verkehrsanbindung setzte in der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts eine verstĂ€rkte Ausrichtung auf den Tourismus ein, der bald zahlreiche ArbeitsplĂ€tze schuf. Den Talbewohnern bot sich so eine Perspektive in ihrer Heimat, so dass der BevölkerungsrĂŒckgang gestoppt werden konnte.

Die Talstrasse wurde ab den 1980er Jahren weiter ausgebaut und mit zahlreichen Galerien und Tunnel versehen, so dass sie ganzjĂ€hrig befahrbar ist. Der 1985 errichtete Mittal-Tunnel umgeht den engen und steilen Abschnitt des unteren Lötschentals zwischen Gampel und Goppenstein und fĂŒhrt zwischen Hohtenn und Goppenstein 4,2 Kilometer durch den Berghang des Hohgleifen. Insbesondere der Ausbau der Zufahrt bis Goppenstein war durch das hohe Verkehrsaufkommen zum dortigen Autoverladebahnhof nötig geworden.

Seit 1975 wird das Tal weitgehend mit dem Strom des Lonza-Stausees versorgt, der die Lonza auf einer LĂ€nge von rund zwei Kilometern aufstaut.

Tourismus

Die vor allem fĂŒr den Wintersport ausgebaute Lauchernalp im Sommer von Osten (Weritzalp) aus gesehen.

Der Tourismus des Lötschentals hat seine Wurzeln im 19. Jahrhundert, als britische Alpinisten das Tal fĂŒr sich entdeckten und erste Hotels gegrĂŒndet wurden (das erste 1868 in Ried). In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich Kippel zu einem beliebten Standort fĂŒr Touristenherbergen. Noch heute bestehen einige Hotels aus der Zeit der Jahrhundertwende. Allerdings blieb das insbesondere im Winter schlecht erreichbare Tal bis zum Ausbau der Talstrasse in der Mitte des 20. Jahrhunderts fĂŒr den Breitentourismus kaum erschlossen. Mit der Talstrasse begann auch der Fremdenverkehr aufzuleben; kamen anfangs vorwiegend SommergĂ€ste, so Ă€nderte sich dies mit dem Ausbau der Wintersportmöglichkeiten in den 1970er Jahren. Zu dieser Zeit wurde die Lauchernalp oberhalb von Wiler zu einem Wintersportzentrum ausgebaut. Erreichbar mit der 1972 eingeweihten Luftseilbahn, bot das Skigebiet zahlreiche Pisten und neu errichtete Liftanlagen. 2003 wurde das Wintersportgebiet Lauchernalp um die Gletscherbahn auf den Hockenhorngrat in 3111 Meter Höhe erweitert und ist damit das siebthöchste Skisportgebiet der Schweiz (nach Zermatt, Saas-Fee, Verbier, St.Moritz, Saas-Grund und Belalp).

Die zahlreichen Hotels und Ferienwohnungen in den Orten des Tals verzeichnen jÀhrlich 150'000 bis 200'000 LogiernÀchte, davon zwei Drittel in der Wintersaison. Daneben bestehen in Kippel und an der Fafleralp zwei CampingplÀtze.

Das Lötschental verfĂŒgt ĂŒber rund 200 Kilometer ausgebaute Wander- und Bergpfade. Der bekannteste ist der Lötschentaler Höhenweg, der alle an der Nordflanke gelegenen Alpen verbindet und seinen Ausgangspunkt an der Luftseilbahnstation der Lauchernalp hat. Von der Fafleralp aus sind Gletschertouren ĂŒber den Anengletscher möglich.

1994/95 wurde zuhinterst im Lötschental auf 2'355 m ĂŒ. M. die AnenhĂŒtte mit 50 UebernachtungsplĂ€tzen erbaut. Sie wurde jeweils vom MĂ€rz bis Oktober fĂŒr Berg- und Skitouren z.B. auf das Mittaghorn und ĂŒber die LötschenlĂŒcke benutzt. Am 3. MĂ€rz 2007 wurde die HĂŒtte durch eine heftige Staublawine restlos zerstört. Ab September 2007 wurde eine neue, lawinensichere HĂŒtte gebaut, welche im Sommer 2008 eröffnet wurde.[24]

Bevölkerung

Im Lötschental leben heute rund 1500 Bewohner, die vorwiegend von den alemannischen Walsern abstammen. Die Bevölkerungszahlen des Tals sind in den letzten Jahrhunderten nur unterdurchschnittlich angestiegen. Seit dem 18. Jahrhundert, als rund 800 Menschen im Tal lebten,[22] fand lediglich eine Verdopplung der Einwohnerzahl statt. Dies hat seine Ursache in der rĂ€umlichen Begrenztheit des Tales, Hungersnöten und einer starken Abwanderung gerade junger Lötscher. WĂ€hrend diese sich im Mittelalter und in der frĂŒhen Neuzeit meist als Wanderarbeiter und Söldner verdingten, zog es sie im 19. und frĂŒhen 20. Jahrhundert in die Arbeitsquartiere des Rhonetals.

Das Leben der Talschaft wurde bis ins 19. Jahrhundert von der althergebrachten Talordnung bestimmt. In Zeiten der Selbstverwaltung berieten die Abgesandten der Dorfschaften bei Versammlungen in Kippel ĂŒber die Politik im Tal. Unterstand das Tal auswĂ€rtigen Herren, so wurde es meist von Verwaltern regiert. Daneben hatte die Pfarrei in Kippel einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklungen im Tal.

Kultur und Brauchtum

In dem seit jeher abgeschiedenen Lötschental blieben zahlreiche archaisch anmutende BrÀuche und Traditionen der hier siedelnden Walser erhalten, die ansonsten nur noch in wenigen isolierten TÀlern der Alpen zu finden sind. Bei Trachten, Dialekt und BrÀuchen sind zahlreiche Unterschiede selbst zu naheliegenden Gemeinden des Rhonetals zu erkennen.

Bis in die Gegenwart wird von den Einwohnern Walliserdeutsch, ein höchstalemannischer Dialekt gesprochen. Viele althergebrachte, auf heidnische alemannische Rituale zurĂŒckgehende BrĂ€uche sind in das Leben der ĂŒberwiegend katholischen Bevölkerung integriert worden und werden bis heute gepflegt. Die jĂ€hrlichen kulturellen Höhepunkte sind neben den kirchlichen Festtagen der Alpauf- und Alpabzug. Bis ins beginnende 18. Jahrhundert beherrschten tiefe ReligiositĂ€t und Aberglaube die Bevölkerung. Wie auch in anderen Gebieten der Schweiz und insbesondere des Wallis kam es im Lötschental zu Hexenverfolgungen.[25]

Die Erinnerung an Geschehnisse und Mythen der Vergangenheit wurde im kollektiven GedĂ€chtnis der Talschaft durch einen umfangreichen, meist mĂŒndlich ĂŒberlieferten, Sagenschatz zum Teil bis in die heutige Zeit erhalten. Diese Sagen dienten frĂŒher vorwiegend zur Unterhaltung und zur Erziehung der Kinder in die soziale Gemeinschaft des Tals.

TschÀggÀtta

Traditionelle TschÀggÀtta-Larven als Hausschmuck in Wiler.
TschÀggÀtta

Die im Lötschental typischen TschĂ€ggĂ€tta-Verkleidungen mit den zugehörigen Larven werden zur Fastnachtszeit zwischen MariĂ€ Lichtmess am 2. Februar und Aschermittwoch traditionell nur von ledigen jungen MĂ€nnern getragen. Die TschĂ€ggĂ€tta-Verkleidung besteht aus Tierfellen (meist Schaf- oder Ziegenfelle), die den ganzen Körper verhĂŒllen, der ĂŒberlebensgrossen, vor dem Gesicht getragenen, handgeschnitzten und bemalten Larven (Maske), mit speziellen, handgemachten Woll-(Garn-)handschuhen (auch TriĂ€mhĂ€ndschn genannt) und einem langen Stock, der mit Glocken oder lĂ€rmenden GegenstĂ€nden bestĂŒckt ist.

In diesem Aufzug ĂŒberfallen die Jugendlichen der vier Orte die jeweils angrenzenden Dörfer. Sie lĂ€rmen, erschrecken die Bewohner und schwĂ€rzen die Gesichter von Kindern mit Russ (in Bezugnahme auf das christliche Aschekreuz am Aschermittwoch). In frĂŒheren Jahrhunderten soll es dabei auch zu Handgreiflichkeiten und Übergriffen gekommen sein, so dass immer wieder von Seiten der Herrschaft gegen das oft mehrere Tage dauernde Treiben vorgegangen wurde.[25] Heute wird der Tradition gesitteter in Form von UmzĂŒgen GenĂŒge getan, der grösste findet jeden Fastnachtssamstag in Wiler statt.

Der heidnisch-alemannische Brauch der TschĂ€ggĂ€tta (verwandt mit Riten der alemannischen Fastnacht) wurde im Mittelalter mit den katholischen BrĂ€uchen der Fasnacht und des Aschermittwochs vermischt und hat seither seinen festen Platz im Lötschentaler Brauchtum. Ebenso besteht die Vermutung, dass die wilden Gestalten an die ÜberfĂ€lle der Schurten auf die ersten alemannischen Siedler erinnern sollen.[20][26]

Herrgottsgrenadiere

Die Herrgottsgrenadiere sind traditionelle Festverkleidungen, die von jungen MĂ€nnern der eingesessenen Familien getragen werden. Bei kirchlichen und weltlichen Festen werden die Paradeuniformen der Grenadiere, die meist innerhalb der Familien weitervererbt werden, angezogen. Damit wird an die Lötscher erinnert, die aus dem Tal auszogen um als Söldner tĂ€tig zu werden. Kehrten sie nach ihrer Dienstzeit wieder in ihre Heimat zurĂŒck, trugen viele zu besonderen AnlĂ€ssen die Paradeuniform ihrer einstigen Einheit. Daraus ergab sich eine bunte Vielfalt an Uniformen, da die Söldner in unterschiedlichen Armeen dienten. Nach ihrem Tod vermachten sie ihre Uniform ihren Söhnen, die sie an ihrer Statt weiter trugen und damit die Tradition begrĂŒndeten.

Heute tragen die Herrgottsgrenadiere Ă€hnlich den Gardevereinen bei kirchlichen Prozessionen und weltlichen Festen einheitliche Uniformen. Ausser bei kirchlichen AnlĂ€ssen marschieren sie mit Fantasiefahnen und zu Blasmusik. Die heute einheitliche Uniform ist nach Mustern des 17. Jahrhunderts gestaltet.

ErwÀhnenswertes

Im Lötschental wurde 1914 der Legende nach das letzte Nasobema ferox L. gewildert, ein Fabeltier, das durch die als wissenschaftlicher Witz verfasste Abhandlung Bau und Leben der Rhinogradentia des Zoologieprofessors Gerolf Steiner alias Harald StĂŒmpke bekannt wurde und auf das Gedicht Das Nasobēm von Christian Morgenstern zurĂŒckgeht.

Einzelnachweise

  1. ↑ a b c Thomas Mosimann: „Untersuchungen zur Funktion subarktischer und alpiner Geoökosysteme: Finnmark (Norwegen) und Schweizer Alpen.“ Physiogeographica, Band 7, Basel 1985 (S. 488)
  2. ↑ a b Hans Leibundgut: „Wald- und Wirtschaftsstudien im Lötschental.“ Dissertation im Selbstverlag, ZĂŒrich 1938
  3. ↑ Andreas Wipf: „Die Gletscher der Berner, WaadtlĂ€nder und nördlichen Walliser Alpen: eine regionale Studie ĂŒber die Vergletscherung im Zeitraum ‚Vergangenheit‘ (Hochstand von 1850), ‚Gegenwart‘ (Ausdehnung im Jahr 1973) und ‚Zukunft‘ (Gletscherschwund-Szenarien, 21. Jahrhundert).“ 1999
  4. ↑ Weischet, Wolfgang/Endlicher, Wilfried: „Regionale Klimatologie. Teil 2: Die alte Welt.“ Stuttgart 2000
  5. ↑ a b Bianca Hörsch: Zusammenhang zwischen Vegetation und Relief in alpinen Einzugsgebieten des Wallis (Schweiz). Ein multiskaliger GIS- und Fernerkundungsansatz. Bonner Geographische Abhandlungen, Bonn 2003 (S. 256 ff)
  6. ↑ Fritz Bachmann-Voegelin: Blatten im Lötschental. Die traditionelle Kulturlandschaft einer Berggemeinde. Bern 1984
  7. ↑ Ausgerottet ist hingegen das Nasin.
  8. ↑ Heinrich Haller: Zur Ökologie des Luchses Lynx lynx im Verlauf seiner Wiederansiedlung in den Walliser Alpen, Verlag P. Parey, 1992. Seiten 18, 28 und 34
  9. ↑ Raubtier im Lötschental gesichtet: Wolf reisst ein halbes Dutzend Schafe Artikel auf 1815.ch (Walliser Bote) vom 25. Juli 2011
  10. ↑ Wolf reisst erneut Schafe im Lötschental Artikel auf 1815.ch (Walliser Bote) vom 29. August 2011
  11. ↑ Wolf-Projekt Schweiz in Schweizerisches Wildtierbiologischs Informationsblatt, Nummer 4, August 1999 (PDF)
  12. ↑ Informationsseite Wolf des Bundesamts fĂŒr Umwelt (BAFU)
  13. ↑ SchĂ€fer treffen Massnahmen Artikel auf 1815.ch (Walliser Bote) vom 28. Juli 2011
  14. ↑ „Der Ausbau der Lötschentalstrasse“, Geschichte der Vereinigung Oberwalliser Verkehr und Tourismus auf vov.ch/geschichte
  15. ↑ Ferden im Historischen Lexikon der Schweiz
  16. ↑ Lötschental. In: Structurae.
  17. ↑ Kippel im Historischen Lexikon der Schweiz
  18. ↑ Blatten (VS) im Historischen Lexikon der Schweiz
  19. ↑ Nachzulesen unter www.loetschenpass.ch/geschichte
  20. ↑ a b Hedwig Anneler: Lötschen. Landes- u. Volkskunde des Lötschentales
  21. ↑ Renata Windler: „Franken und Alamannen in einem romanischen Land. Besiedlung und Bevölkerung der Nordschweiz im 6. und 7. Jahrhundert“ (S. 261–268) In: Karl-Heinz Fuchs, Martin Kempa, Rainer Redies, Barbara Theune-Grosskopf, Andre Wais: Die Alamannen. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1997
  22. ↑ a b Lötschental im Historischen Lexikon der Schweiz
  23. ↑ a b Victor Tissot: La Suisse inconnue 1888
  24. ↑ Geschichte der AnenhĂŒtte auf der Webseite www.anenhhuette.ch
  25. ↑ a b Maurice Chappaz: Lötschental. Die wilde WĂŒrde einer verlorenen Talschaft.
  26. ↑ Migros-Genossenschafts-Bund (Herausgeber): Feste im Alpenraum. Migros-Presse, ZĂŒrich, 1997. ISBN 3-9521210-0-2, S. 72-75

Literatur

  • Hedwig Anneler: Lötschen. Landes- u. Volkskunde des Lötschentales. Akademische Buchhandlung Max Drechsler, 1917 (Nachdruck 1980).
  • Fritz Bachmann-Voegelin: Blatten im Lötschental. Die traditionelle Kulturlandschaft einer Berggemeinde. Bern 1984.
  • Maurice Chappaz: Lötschental. Die wilde WĂŒrde einer verlorenen Talschaft. In historischen Photographien von Albert Nyfeler. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 1979, (Nachdruck 1990).
  • Susanne Schmidt: Die reliefabhĂ€ngige Schneedeckenverteilung im Hochgebirge. Ein multiskaliger Methodenverbund am Beispiel des Lötschentals (Schweiz). Dissertation im Selbstverlag. Bonn 2006 (Kapitel 2 – Untersuchungsgebiet, S. 17 bis 29. Beschreibung von Topographie, Geologie und Klima des Lötschentals).

Weblinks

 Commons: Lötschental â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: TschĂ€ggĂ€ttĂ€ â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

46.410697.828798Koordinaten: 46° 24â€Č 38,5″ N, 7° 49â€Č 43,7″ O; CH1903: 630000 / 140000

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Dieser Artikel wurde am 13. November 2007 in dieser Version in die Liste der exzellenten Artikel aufgenommen.
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