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Der Löwenmensch vom Hohlenstein-Stadel im Lonetal ist eine altsteinzeitliche Skulptur aus Mammut-Elfenbein, die einen menschlichen Körper mit dem Kopf und den Gliedmaßen eines Höhlenlöwen darstellt.[1][2][3] Die 30 Zentimeter [4] große Skulptur stammt aus der jungpaläolithischen Kultur des Aurignacien und gehört mit einem Alter von etwa 32 000 BP (entspricht kalibriert etwa 35 000 v. Chr.) zu den ältesten Kleinkunstwerken der Menschheit.[5]
Inhaltsverzeichnis |
Die Bruchstücke des Löwenmenschen wurden bereits 1939 von Otto Völzing im Stadel, einer der drei Karsthöhlen des Hohlensteins bei Asselfingen (Schwäbische Alb) entdeckt. Die Grabungen leitete der Tübinger Anatom Robert Wetzel.[6] Die Bruchstücke des Löwenmenschen wurden am 25. August 1939 geborgen, kurz vor Ende der Grabung. Erst im Dezember 1969 entdeckte der Prähistoriker Joachim Hahn beim Zusammensetzen der über 200 Elfenbeinsplitter, dass es sich bei dem Objekt um ein Mischwesen aus Mensch und Großkatze (Höhlenlöwe) handelt.[7] Nicht geklärt werden konnte, ob die Figur eine männliche oder weibliche Person darstellt. So wurde die Statuette neutral als „Löwenmensch“ getauft.
Weitere kleine Bruchstücke der Figur wurden 1974–75 durch Spaziergänger in der Höhle gefunden, ebenso wie bei der Auflösung des Arbeitszimmers von Robert Wetzel an der Universität Tübingen. Daher wurde 1987–88 in der Restaurierungswerkstatt des Württembergischen Landesmuseums unter Anleitung der Paläontologin Elisabeth Schmid eine neue Zusammensetzung aller zusammenpassbaren Teile durchgeführt.[8] Eines der neu hinzugekommenen Teile konnte an den linken Fuß angepasst werden, das zweite erwies sich als Teil der bis dahin fehlenden Schnauze mit dem tief eingekerbten Maul. Erst damit traten bei der Figur eindeutige Züge des Gesichts einer Raubkatze hervor. Die Zusammensetzung in den Werkstätten des Württembergischen Landesmuseums erforderte einen Arbeitsaufwand von etwa sechs Monaten.[8] Bis heute nicht angepasst wurden einzelne Bruchstücke des rechten Arms der Figur, da große Teile der Schulter fehlen.
Bei Grabungen des Landesamts für Denkmalpflege im Sommer 2010 konnten weitere Bruchstücke vom Nacken und Rücken des Löwenmenschen entdeckt werden, die im April 2011 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurden. Die Anpassung wurde vorerst virtuell vorgenommen, d.h. die Figur wurde mittels Röntgen-Computertomographie digitalisiert, das digitale Modell dann in die Einzelteile zerlegt und anschließend virtuell wieder zusammengesetzt. [9][10]
Der Löwenmensch ist das älteste bekannte Kunstwerk, das möglicherweise ein Fabelwesen zeigt. Denkbar wäre auch die Darstellung eines Schamanen, der das Fell eines Löwen mit Kopf und Hinterläufen als Verkleidung benutzte. Der Großteil der Kleinkunstwerke aus dem Aurignacien zeigt Tierfiguren, wobei zwei weitere mögliche Tier-Mensch-Mischwesen bekannt sind: Im Jahr 2004 wurde ein „kleiner Bruder“ (ca. 2,5 cm hoch) des Löwenmenschen im Hohlen Fels bei Schelklingen im Achtal gefunden. Auch der so genannte „Adorant“ aus dem Geißenklösterle kann ein Mischwesen aus Mensch und Großkatze darstellen.
Neben dem Löwenmenschen wurden nur in drei weiteren Höhlen der Schwäbischen Alb (Geißenklösterle und Hohler Fels bei Schelklingen, Vogelherdhöhle im Lonetal) Statuetten aus Mammut-Elfenbein gefunden, die in denselben Abschnitt des Aurignaciens zu stellen sind und – bis auf wenige Ausreißer – immer mit unkalibrierten 14C-Daten zwischen 31 000 und 33 000 BP datiert werden. Datierungen zwischen 33 000 und 36 000 BP liegen in einem Zeitbereich, in dem 14C-Daten keine reale zeitliche Dimension darstellen. Daher kann von einem zeitlich und räumlich begrenzten Phänomen von nur ein- bis zweitausend Jahren ausgegangen werden, in dem eine spezifische Kunstform der Eiszeitjäger der Schwäbischen Alb ausgeprägt war. Alle anderen Tierfiguren wie auch die 2008 gefundene Venus vom Hohlen Fels sind jedoch wesentlich kleiner als der Löwenmensch und stets unter 10 Zentimeter groß.
Das Original des Löwenmenschen ist in der Dauerausstellung des Ulmer Museums ausgestellt. Im Mai 2007 wurde bei Lindenau – nur wenige 100 Meter vom Fundort Hohlenstein entfernt – ein neues Infozentrum „Die Höhle des Löwenmenschen“ eröffnet. Neben einem Film informieren ein Multimediaportal und mehrere Schautafeln über die Geschichte des Löwenmenschen.
Von Herbst 2009 bis Frühjahr 2010 wurde im Ulmer Museum die Sonderausstellung „Der Löwenmensch - Das Experiment“ gezeigt, in der ein unter authentischen Bedingungen nachgeschnitzter Löwenmensch im Vordergrund stand.[11] Hergestellt wurde die Kopie vom Archäotechniker Wulf Hein, der beim Schnitzen mit Feuersteinartefakten insgesamt 320 Arbeitsstunden benötigte. 2010 war die Ulmer Ausstellung mit zusätzlichen Exponaten der Universität Erlangen im Erlanger Stadtmuseum zu sehen.[12][13]