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Lansana Conté

Lansana Conté bei einem Treffen mit Vladimir Putin, Juli 2001

Lansana ContĂ© [lɑ̃saˈna kɔ̃ˈte] (* 1934 in Moussayah Loumbaya, Guinea; † 22. Dezember 2008) war von 1984 bis zu seinem Tod PrĂ€sident von Guinea. Unter seiner Herrschaft fanden erstmals seit der UnabhĂ€ngigkeit Guineas PrĂ€sidentschaftswahlen mit mehreren Kandidaten statt.

Inhaltsverzeichnis

FrĂŒhe Jahre

ContĂ© gehörte zum Volk der Susu und wurde in Moussayah Loumbaya bei DubrĂ©ka in der NĂ€he von Conakry, der Hauptstadt des damals zu Frankreich gehörenden Landes, geboren. Nach seiner Schulzeit in Guinea besuchte er MilitĂ€rschulen in Bingerville in der ElfenbeinkĂŒste und Saint-Louis in Senegal.

Soldat

1955 trat er in die französische Armee ein. 1957 war er wĂ€hrend des Algerienkrieges in Algerien stationiert. Nach der UnabhĂ€ngigkeit Guineas am 2. Oktober 1958 wurde er als Unteroffizier in dessen Armee ĂŒbernommen. 1962 besuchte er die Offiziersschule Camp Alpha in Conakry und wurde am 1. Juli 1963 zum Unterleutnant befördert, zwei Jahre spĂ€ter zum Leutnant. Am 22. November 1970 war er an der Abwehr eines Umsturzversuches beteiligt, bei dem Exilguineer vom zu Portugal gehörenden Guinea-Bissau aus den seit der UnabhĂ€ngigkeit autoritĂ€r regierenden PrĂ€sidenten Ahmed SĂ©kou TourĂ© stĂŒrzen wollten. DafĂŒr wurde er am 27. Februar 1971 zum Hauptmann befördert. 1973 wurde er Kommandeur der Region BokĂ© an der Grenze zu Guinea-Bissau mit dem Auftrag, die bis 1974 gegen Portugal kĂ€mpfende UnabhĂ€ngigkeitsbewegung Partido Africano da IndependĂȘncia da GuinĂ© e Cabo Verde (PAIGC) zu unterstĂŒtzen. Seit dem 10. Mai 1975 gehörte er dem Generalstab an. Zur Regelung eines Grenzstreits mit dem inzwischen unabhĂ€ngigen Guinea-Bissau leitete er 1977 die Verhandlungsdelegation Guineas. Seit 1980 gehörte er dem Parlament an, in dem lediglich TourĂ©s Einheitspartei Parti DĂ©mocratique de GuinĂ©e (PDG) vertreten war. Im selben Jahr leitete er die offizielle Delegation seines Landes bei der Pilgerfahrt nach Mekka.

PrÀsident

MilitÀrregierung

Eine Woche nach dem Tod von PrĂ€sident TourĂ© stĂŒrzte Lansana ContĂ© am 3. April 1984 durch einen Putsch den InterimsprĂ€sidenten Louis Lansana BĂ©avogui. Die Verfassung wurde suspendiert und ein MilitĂ€rrat ComitĂ© militaire du rĂ©tablissement national (CMRN) mit 25 Mitgliedern etabliert. Am 5. April ĂŒbernahm er das Amt des PrĂ€sidenten. ContĂ© löste Guinea aus seiner engen Bindung zur Sowjetunion und distanzierte sich von den Menschenrechtsverletzungen der Ära TourĂ©. Einige politische Gefangene wurden entlassen und die rund 200.000 im Exil lebenden Guineer zur RĂŒckkehr ermuntert. Auf wirtschaftlichem Gebiet setzte er in Zusammenarbeit mit dem Internationalen WĂ€hrungsfonds auf einen eher marktwirtschaftlichen Kurs.

Am 18. Dezember 1984 trennte er sich von seinem Premierminister Oberst Diarra Traoré und schaffte das Amt bis Juli 1996 ab. WÀhrend einer Reise Contés zu einem Treffen der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) in Lomé unternahm Traoré am 5. Juli 1985 einen erfolglosen Putschversuch. Gemeinsam mit einigen Gefolgsleuten wurde Traoré einige Tage spÀter hingerichtet. Die meisten Putschisten gehörten zum Volk der Malinke. Seit dem 3. April 1990 war Conté General und als PrÀsident auch Oberbefehlshaber der Armee.

Mehrparteiensystem

Im Zuge der allgemeinen Demokratisierung in den afrikanischen Staaten seit den frĂŒhen 1990er Jahren wurde auch in Guinea ein Mehrparteiensystem eingefĂŒhrt, ohne allerdings die Möglichkeit eines Regierungswechsels zu riskieren. In einem Referendum wurde am 23. Dezember 1990 eine neue Verfassung gebilligt und der MilitĂ€rrat CMRN am 16. Januar 1991 abgeschafft. 1992 wurden politische Parteien erlaubt.

Am 19. Dezember 1993 fanden erstmals seit der UnabhĂ€ngigkeit PrĂ€sidentschaftswahlen mit mehreren Kandidaten statt, die ContĂ© als Kandidat der Partei Parti de l'UnitĂ© et du ProgrĂšs (PUP) mit 51,7 % im ersten Wahlgang gewann. Die Wahlen waren von zahlreichen ManipulationsvorwĂŒrfen ĂŒberschattet. Bei den Parlamentswahlen am 11. Juni 1995 erhielt seine PUP 71 der 114 Sitze. Am 2. Februar 1996 fĂŒhrte eine Meuterei zu einem erneuten Putschversuch, den seine Regierung ĂŒberstand. Die nĂ€chsten PrĂ€sidentschaftswahlen am 14. Dezember 1998 gewann er mit 56,1 % der Stimmen. Es gab wieder VorwĂŒrfe seitens der Opposition und von internationalen Beobachtern, allerdings weniger als fĂŒnf Jahre zuvor. Ein Verfassungsreferendum am 11. November 2001 erweiterte die Amtsperiode des PrĂ€sidenten von fĂŒnf auf sieben Jahre und hob die BeschrĂ€nkung der Amtszeit auf. Die VerfassungsĂ€nderung wurde mit 98,36 % gebilligt, wobei die Opposition wieder den Vorwurf des Wahlbetrugs erhob. Bei den von der stĂ€rksten Oppositionspartei boykottierten Parlamentswahlen am 30. Juni 2002 konnte seine PUP 85 der 114 Sitze gewinnen. Die PrĂ€sidentschaftswahlen im folgenden Jahr wurden von fast allen Oppositionsparteien boykottiert und er wurde am 21. Dezember 2003 gegen einen weiteren Kandidaten mit 95,25 % fĂŒr weitere sieben Jahre wiedergewĂ€hlt. Die Kommunalwahlen im Dezember 2005 konnte die PUP bei geringer Wahlbeteiligung wieder fĂŒr sich entscheiden. ContĂ© litt an Diabetes und sein Gesundheitszustand hatte sich in den letzten Jahren immer weiter verschlechtert, so dass schon frĂŒh bezweifelt wurde, ob er diese Amtszeit ĂŒberleben wĂŒrde.

WĂ€hrend eines fehlgeschlagenen Anschlags wurden am 19. Januar 2005 SchĂŒsse auf seine Eskorte abgefeuert, als er auf dem Weg in die Hauptstadt Conakry war. ContĂ©, der unverletzt blieb, wandte sich daraufhin ĂŒber Radio und Fernsehen an die Bevölkerung und erklĂ€rte, dass er ĂŒberlebt hat, weil Gott sein Ableben noch nicht vorgesehen hĂ€tte. Er verurteilte diejenigen, die seiner Meinung nach versucht hĂ€tten, Guineas Entwicklung aufzuhalten.

Ab dem 10. Januar 2007 fand ein von den Gewerkschaften auf unbegrenzte Zeit ausgerufener und von 14 Oppositionsparteien unterstĂŒtzter Generalstreik statt, mit dem ContĂ© zum RĂŒcktritt gezwungen werden sollte. ContĂ©s Gegner warfen dem gesundheitlich stark angeschlagenen 72-jĂ€hrigen Politiker Korruption und Machtmissbrauch vor. Bei heftigen Unruhen in Conakry und anderen StĂ€dten wurden in den ersten 16 Tagen des Generalstreiks bei ZusammenstĂ¶ĂŸen mit der zunehmend gewaltsamer reagierenden Polizei mindestens 59 Menschen getötet und Hunderte verletzt. Allein am 22. Januar wurden 49 Menschen in den Vororten Conakrys von SicherheitskrĂ€ften erschossen. Am 28. Januar hatten die Gewerkschaften ihren Generalstreik vorĂŒbergehend beendet, nachdem sie sich in einem Abkommen mit der Regierung auf die Einsetzung eines gemeinsam ernannten MinisterprĂ€sidenten verstĂ€ndigt hatten, auf den ContĂ© einen Teil seiner Macht ĂŒbertrĂ€gt. Nachdem ContĂ© einen seiner Vertrauten ernannte, eskalierten die Proteste. Etwa sechzig Menschen kamen am Wochenende des 10./11. Februar ums Leben. Am 12. Februar verhĂ€ngte ContĂ© den Ausnahmezustand. Mitte Februar schließlich stimmte der PrĂ€sident zu, einen Premierminister zu ernennen, der selbst die Minister seiner Regierung ernennt und mit dem auch die Gewerkschaften einverstanden sind.

Dem von Lansana KouyatĂ© gefĂŒhrten neuen Kabinett gehört kein Minister der bisherigen Regierung ContĂ©s an. Die Opposition reagierte auf die Ernennung der Regierung vorsichtig optimistisch.

Am 22. Dezember 2008 starb ContĂ© an LeukĂ€mie. Nur wenige Stunden nach der VerkĂŒndung des Todes ĂŒbernahm das MilitĂ€r die Macht in Guinea. Lansana ContĂ© ist der Schwiegervater von Sekou Conneh, einem prominenten liberianischen Politiker und Warlord.

Literatur

  •  Wolf-RĂŒdiger Baumann, Gustav Fochler-Hauke: Biographien zur Zeitgeschichte seit 1945. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1985, ISBN 3596245532.</span>

Weblinks

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