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Le Canard enchaîné ist die bedeutendste satirische Wochenzeitung Frankreichs. Sie erscheint mittwochs in einer Auflage von circa 700.000 Exemplaren und umfasst acht Seiten auf Zeitungspapier; zweifarbig bedruckt. 1915 gegründet, betreibt der 'Canard' seriösen investigativen Journalismus in einem in Europa einmaligen Stil.[1]
Inhaltsverzeichnis |
Die Zeitung wurde am 10. September 1915 von Maurice Maréchal, Jeanne Maréchal und Henri-Paul Deyvaux-Gassier gegründet.
Georges Clemenceau benannte seine Zeitung L'Homme libre (der freie Mensch) nach Problemen mit der staatlichen Zensur in L'Homme enchaîné (der angekettete Mensch) um. In Anlehnung daran wurde der Name Le Canard enchaîné, „Die angekettete Ente“ gewählt. „Canard“ (Ente) ist in der französischen Sprache ein umgangssprachlicher Ausdruck für „Zeitung“ und hat nichts mit dem deutschen Begriff „Zeitungsente“ zu tun.
Am Anfang seiner Geschichte – aber auch während des Algerienkrieges – bediente sich das Blatt gegen die Zensur subtiler Parodien, wie etwa dem Dementi, von dem der Leser weiß, dass es das genaue Gegenteil aussagt. Das war angesichts der pazifistischen Linie des Blattes notwendig, konnte jedoch nicht immer verhindern, dass Artikelpassagen zensiert wurden und weiß blieben.
Bekannte Künstler wie Anatole France, Jean Galtier-Boissière, Paul Vaillant-Couturier, Raymond Radiguet[2], Tristan Bernard, Jean Cocteau, Pierre Mac Orlan, Lucien Descaves oder Roland Dorgelès zählen zu den Autoren.
Während der deutschen Besetzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg erschien der Canard nicht. Pierre Brossolette sagte: „Der Krieg ist für die Franzosen vorbei, wenn sie Le Canard enchaîné wieder lesen können.“[3] Sein erneutes Erscheinen am 6.September 1944 kurz nach dem Ende der Schlacht um Paris erlebte der 1942 verstorbene Gründer, Maurice Maréchal, nicht mehr. Seine Witwe, Jeanne Maréchal, übernahm die Leitung der Zeitung.
Während des Algerienkriegs trat die Zeitung für die Unabhängigkeit ein. Mehrere Ausgaben des Jahres 1958 wurden daraufhin von der Zensur verboten.
Der Canard bezieht seine Informationen zum großen Teil von anonymen Informanten, die in Ministerien, Verwaltungen, bei der Armee oder in Chefetagen der Unternehmen arbeiten.[4]
Im Rahmen der Rechtschreibreform ist auch die Orthographie „enchainé“ möglich und von der Académie Française empfohlen. Die Zeitung änderte ihren Namen jedoch nicht.
In der Zeitung arbeiten 60 Redakteure, darunter 16 für den politischen Bereich und 11 Zeichner (Stand März 2011).[5] Mehr als die Hälfte der Redakteure liefert noch im Jahr 2011 handgeschriebene Manuskripte bei Sekretärinnen ab. Andere schreiben mit der Schreibmaschine und nur wenige arbeiten mit dem PC.[6]
« La liberté de la presse ne s'use que quand on ne s'en sert pas
»
„Die Pressefreiheit verschleißt nur, wenn man sie nicht nutzt.“
– Das Motto des Canard.
Antimilitaristisch, eher links und antiklerikal deckt das Blatt zahlreiche politische, juristische und Wirtschafts-Skandale auf. Es verfügt über ein weitverzweigtes Netz von Informanten, die oft direkt am Geschehen beteiligt sind und - beispielsweise aus moralischer Entrüstung - den Canard mit Material versorgen. Auch Journalisten, die eine Geschichte in der eigenen Redaktion nicht unterbringen können, finden hier ein offenes Ohr.
Der Canard erscheint zweifarbig (rot und schwarz) in Form einer achtseitigen, großformatigen Zeitung. Die dadurch relativ geringen Druckkosten ermöglichen bei einem Preis am Kiosk von 1,20 € (in Frankreich, 2,30 € in Deutschland) auf Werbung seit der Gründung vollständig zu verzichten. Dennoch ist die Zeitung finanziell erfolgreich: 1982 wurde auf Fotosatz und 1996 auf Ganzseitenumbruch umgestellt.
Die Auflagenzahl der Zeitung entwickelt sich entgegen dem Trend auf dem französischen Markt positiv. 2005 stieg die Auflage um sechs Prozent auf 420.000. Damit konnte Le Canard enchaîné einen Nettogewinn von 5,9 Millionen Euro erwirtschaften.[7]
Um die redaktionelle Unabhängigkeit darüber hinaus sicherzustellen, gibt es einige Regeln für die Journalisten: Sie dürfen kein Börsen-Portefeuille besitzen, nicht als freie Mitarbeiter bei anderen Veröffentlichungen arbeiten und weder Geschenke noch Orden annehmen. So wurde z. B. der Journalist Pierre Scize 1933 entlassen, weil er einen Orden der Ehrenlegion angenommen hatte. Die Bilanz des Unternehmens, das im Besitz der Gründerfamilie und der Redaktion ist, wird jedes Jahr in der letzten August-Ausgabe veröffentlicht. Seit einem gescheiterten Übernahmeversuch durch das größte französische Medienkonsortium Hachette 1953 verfügen der Verlag und seine Mitarbeiter über 1000 Aktien, die laut Redaktionsstatut unveräußerlich sind, um die redaktionelle Unabhängigkeit wahren zu können.[8] Die Unabhängigkeit wird auch dadurch gefördert, dass die Zeitung Rücklagen und Immobilienvermögen von 110 Mio. Euro (Stand 2009) hat.[9]
Der Canard hat eine ganze Reihe von Skandalen aufgedeckt, hier nur eine kleine Auswahl: