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| 70 Jahre und höher | Unter 70 Jahren |
Die Lebenserwartung ist die statistisch zu erwartende Zeitspanne, die einem Lebewesen ab einem gegebenen Zeitpunkt bis zu seinem Tod verbleibt. Diese Spanne wird in der Regel mit Hilfe einer Sterbetafel berechnet, die auf empirischen SterbehĂ€ufigkeiten der Vergangenheit und auf Modellannahmen fĂŒr die zukĂŒnftige Sterblichkeitsentwicklung basiert. GrundsĂ€tzlich kann jeder beliebige Zeitpunkt gewĂ€hlt werden, ab dem die restliche Lebenszeit ermittelt werden soll â in der Regel wird vom biologischen Beginn seiner Entwicklung aus gerechnet.
Die meist ermittelte Lebenserwartung ist die ab dem Zeitpunkt des Eintritts in das Leben, bei Menschen also die durchschnittliche Lebenserwartung ab der Geburt. Die Lebenserwartung bei der Geburt ist bestimmt durch die Anzahl der Jahre, die Neugeborene eines bestimmten Jahrgangs durchschnittlich leben wĂŒrden, wenn die bei ihrer Geburt herrschenden LebensumstĂ€nde und Sterblichkeitsraten wĂ€hrend ihres gesamten Lebens konstant blieben. Interessant sind dabei auch Angaben ĂŒber die statistische Streuung dieser Lebenserwartung.
Der Begriff wurde in diesem Sinne auch fĂŒr Dinge und Sachen, im Besonderen auf Produkte ĂŒbertragen.
Die menschliche Lebenserwartung wird von verschiedensten Einflussfaktoren bestimmt, insbesondere dem Alter bei Berechnung.
Sofern Populationen nicht durch Kriege, Seuchen, Hungersnöte, UnfĂ€lle dezimiert werden, spielen die genetischen Anlagen der biologischen Lebenserwartung (Zellalterung), QualitĂ€t der medizinischen Versorgung, Stress, ErnĂ€hrung und Bewegung wichtige Rollen.[1] Unter guten Rahmenbedingungen können Menschen 100 Jahre und Ă€lter werden. Die bisher Ă€ltesten Menschen erreichten ein Lebensalter von knapp ĂŒber 120 Jahren (maximale Lebenserwartung). FĂŒr die westlichen Wirtschaftsnationen werden fĂŒr die aktuelle Jugend Ă€hnlich hohe Lebenserwartungen (impliziert werden medizinische Fortschritte) prognostiziert. Die höchste Lebenserwartung haben die Menschen in Andorra mit 83,5 Jahren. Die geringste Lebenserwartung hat das afrikanische Land Swasiland mit 34,1 Jahren.[2]
Lebenserwartung ist auch eine wichtige sozioökonomische MessgröĂe: Je höher sie fĂŒr eine bestimmte Gruppe ist, desto höher ist in der Regel deren Lebensstandard, beispielsweise medizinische Versorgung, Hygiene, TrinkwasserqualitĂ€t und ErnĂ€hrungslage. Unterschieden wird die Lebenserwartung hĂ€ufig nach Geschlecht, Staatsangehörigkeit, Berufszugehörigkeit, aber auch nach speziell ausgewiesener Risikogruppe. WĂ€hrend die Statistiken, die sich auf Staaten oder Regionen beziehen, vorwiegend volkswirtschaftliche Indikatoren ausweisen, wird die Unterscheidung nach bestimmten Bevölkerungsgruppen, insbesondere in der Versicherungswirtschaft, auch zur Berechnung von Risiken und der Bemessung von PrĂ€mien oder Renten herangezogen.
Die Berechnung der Lebenserwartung erfolgt anhand von Sterbetafeln, welche die exakte Zahl der Ăberlebenden und Gestorbenen pro 100.000 Einwohner frĂŒherer JahrgĂ€nge nach dem durchschnittlichen Lebens- bzw. Sterbealter in Jahren ausweisen.[3]
Im Jahr 2010 betrĂ€gt die durchschnittliche Lebenserwartung neugeborener Jungen 77 Jahre und 4 Monate (2007: 77 Jahre und 2 Monate). Die entsprechende Zahl fĂŒr neugeborene MĂ€dchen lautet 82 Jahre und 6 Monate (2007: 82 Jahre und 5 Monate)[4]. Die so berechnete durchschnittliche Lebenserwartung ist allerdings eine höchst fiktive Zahl, weil bei ihrer Berechnung Kriege, Seuchen und andere Faktoren, die den Lebensdurchschnitt dieser kommenden Generation beeinflussen können, noch nicht bekannt sind. Jetzige VerhĂ€ltnisse werden extrapoliert. Dagegen ist die weitere oder durchschnittliche weitere Lebenserwartung schon relativ genau. Sie gibt an, wie viele weitere Lebensjahre Menschen eines bestimmten Alters nach den in der aktuellen Berichtsperiode geltenden SterblichkeitsverhĂ€ltnissen durchschnittlich noch weiterleben.[5]
Neugeborene Jungen in den alten BundeslÀndern haben eine Lebenserwartung von 76,9 Jahren, die in den neuen BundeslÀndern neugeborenen (ohne Berlin) eine von 75,5 Jahren. Der Ost-West-Unterschied betrÀgt also 1,4 Jahre. Bei den neugeborenen MÀdchen betrÀgt der Abstand zugunsten der im Westen geborenen MÀdchen 0,3 Jahre.[6]
Die Lebenserwartung hat sich in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich verlĂ€ngert.[7] Faktoren wie Friedenszeit, gestiegenes Einkommen, höherer Lebensstandard, bessere ErnĂ€hrungslage etc. spielen dabei eine wesentlich gröĂere Rolle als Medizinfortschritt oder Ănderung des Zigarettenkonsums in der Gesamtbevölkerung.
Genetische Faktoren, unzureichende ErnĂ€hrung, mangelnde Hygiene, unsauberes Trinkwasser, Stress und mangelnde Ă€rztliche Versorgung begrenzen die Lebenserwartung in der Hauptsache. Das galt fĂŒr die vorindustrielle Zeit und gilt heute noch fĂŒr viele EntwicklungslĂ€nder.[8]
Dort, wo diese VerhĂ€ltnisse auf einem akzeptablen Niveau sind, gelten nachstehende fĂŒnf SchlĂŒsselfaktoren als bedeutsam:[9]
BezĂŒglich krankheitsbedingter Sterblichkeit wurden als SchlĂŒsselfaktoren erkannt: ĂŒbertragbare und geburtsbedingte Erkrankungen, die sich in der Kindheit auswirken.[10] Die Ergebnisse der Studie sind global zutreffend, da alle ĂŒbrigen wichtigen MortalitĂ€tsrisikofaktoren (MangelernĂ€hrung, ungenĂŒgende Wasserversorgung, bauliche, persönliche und hĂ€usliche Hygienebedingungen, ungeschĂŒtzter Geschlechtsverkehr, Tabaknutzung, Alkohol, Arbeitssicherheit, Bluthochdruck, Bewegungsarmut, Drogenverwendung und Luftverschmutzung) in jeder der 107 Weltregionen getrennt statistisch berĂŒcksichtigt wurden.
Ăber 20 % der 56 Millionen 2001 Verstorbenen weltweit betrafen Kinder unter 5 Jahren.[11]
So liegt die Wahrscheinlichkeit einer 70-jĂ€hrigen Person, 90 Jahre alt zu werden, zwischen 5 % und 54 %, je nachdem wie gĂŒnstig oder ungĂŒnstig vorstehende Faktoren gegeben sind.[12] Alkoholkonsum und Cholesterinspiegel wurden vor dieser Untersuchung als ebenfalls bestimmende Faktoren betrachtet, ihr Einfluss wurde nun im Vergleich als wesentlich geringfĂŒgiger erkannt.
Der Zusammenhang zwischen der Lebenserwartung und dem Geschlecht einer Person ist fĂŒr Deutschland eindeutig belegt. Eine Untersuchung der Deutschen Aktuarvereinigung e. V. (DAV) aus dem Jahre 2008 belegt fĂŒr die letzten 130 Jahre, dass die Sterblichkeit von Frauen im Altersbereich von 20 bis 70 nur etwa halb so groĂ ist wie von MĂ€nnern.[13] Frauen erreichen in den meisten IndustrielĂ€ndern eine um sechs bis acht Jahre höhere Lebenserwartung (Westdeutschland 6 Jahre, Ostdeutschland 7 Jahre).
Als Ursache fĂŒr die unterschiedliche Lebenserwartung wird von Wissenschaftlern das geringere Gesundheitsbewusstsein von MĂ€nnern genannt, das sich unter anderem dadurch Ă€uĂert, dass MĂ€nner mehr rauchen und mehr Alkohol trinken, sowie bei Krankheitssymptomen seltener einen Arzt aufsuchen. Eine 2011 veröffentlichte Studie, die Daten aus 30 europĂ€ischen LĂ€ndern untersuchte, kam zu dem Schluss, dass zwischen 40 und 60 Prozent des Geschlechterunterschieds in der Lebenserwartung auf das Rauchen von Tabak zurĂŒckzufĂŒhren seien. 10 bis 30 Prozent können dem Genuss von Alkohol zugeschrieben werden.[14] Aber auch die höhere Risikobereitschaft und die potenziell höhere MorbiditĂ€tsrate in typischen MĂ€nnerberufen, die hĂ€ufig mit gefahrgeneigter Arbeit und körperlich schĂ€digenden oder stressbehafteten TĂ€tigkeiten verbunden sind, werden als Ursachen angefĂŒhrt. Vgl. auch Schwerarbeit und Frauenanteil in der Privatwirtschaft.
Die Klosterstudie ergab im Vergleich der Lebenserwartung zwischen Ordensmitgliedern und Allgemeinbevölkerung, dass bei Ordensmitgliedern signifikant geringere Unterschiede bei der geschlechtsspezifischen Lebenserwartung vorliegen. Im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ist die Lebenserwartung von Mönchen mit rund 4,5 Jahren signifikant höher als die der mĂ€nnlichen Allgemeinbevölkerung, wĂ€hrend solche Unterschiede zwischen den weiblichen Vergleichsgruppen nicht zu verzeichnen ist. Die Ursachen liegen neben dem höheren Tabakkonsum in der ungleichen Verteilung von Stressoren zwischen Frauen und MĂ€nnern, der ungleichen Selektion durch beide Weltkriege und deren langfristigen SpĂ€tfolgen, der geringeren Teilnahme von Frauen am Erwerbsleben und HausfrauentĂ€tigkeit in Kombination mit Mutterschaft. Damit können biologische Ursachen bei der Ăbersterblichkeit von MĂ€nnern zu einem wesentlichen Teil ausgeschlossen werden.[15][16][17][18]
Somit scheinen nur bestimmte Gruppen der mĂ€nnlichen Bevölkerung fĂŒr die geringere Lebenserwartung von MĂ€nnern verantwortlich zu sein. Paola Di Giulio vom Max-Planck-Institut fĂŒr demografische Forschung identifizierte die Gruppen der âActive Bon-Vivantsâ (hĂ€ufig ĂŒbergewichtige Vielarbeiter und Raucher; ĂŒberwiegend MĂ€nner) und der âNihilistsâ (korpulente Nichtsportler und Gesundheitsvorsorge-Vermeider â in dieser Gruppe zu gleichen Teilen MĂ€nner und Frauen). Auf der anderen Seite finden sich in der Gruppe der âInterventionistsâ (Nicht-Raucher, Nicht-Trinker mit gesunder ErnĂ€hrung und ohne Stress-Job) hauptsĂ€chlich Frauen.[19]
FĂŒr die risikogeneigtere Lebensweise und das geringere Gesundheitsbewusstsein von MĂ€nnern sind jedoch nicht allein kulturelle Faktoren, sondern auch hormonelle und damit biologische Faktoren verantwortlich: Insbesondere bei jungen MĂ€nnern bewirkt das Sexualhormon Testosteron eine höhere Risikobereitschaft, die zu einer höheren Sterblichkeit, insbesondere durch UnfĂ€lle fĂŒhrt. Testosteron fördert auch die Entstehung von Arteriosklerose und Thrombosen. DemgegenĂŒber wirkt das weibliche Geschlechtshormon Ăstrogen gesundheitsfördernd: Es sorgt z. B. fĂŒr eine höhere Zahl von Antikörpern gegen Infektionen. Ăstrogene bewirken auch eine höhere Produktion des âgutenâ HDL im Blutfett, verbessern entsprechend die Cholesterinwerte und schĂŒtzen damit vor Herzinfarkten und SchlaganfĂ€llen.[20]
Dem mĂ€nnlichen Geschlechtshormon Testosteron wird eine lebensverkĂŒrzende Wirkung zugeschrieben: Eunuchen leben im Schnitt lĂ€nger als nicht kastrierte MĂ€nner, allerdings neigen sie zu Ăbergewicht, was das Leben wieder verkĂŒrzt. Generell haben anabole (stoffwechselanregende) Hormone wie Wachstumshormone, die mĂ€nnlichen Geschlechtshormone und Insulin (siehe Lebenserwartung und ErnĂ€hrung) eine lebensverkĂŒrzende Wirkung, vielleicht indem sie zu stĂ€rkerem oxidativem Stress fĂŒhren.[21]
Weiterhin relevant sind u.a. genetische Faktoren: Frauen haben in ihrem Erbgut zwei X-Chromosomen, MĂ€nner ein Y- und ein X-Chromosom. Das Y-Chromosom enthĂ€lt allerdings lediglich die geschlechtsbestimmenden Informationen. Da wichtige Erbfaktoren der Immunabwehr auf dem X-Chromosom liegen, nutzen Frauen im Gegensatz zu MĂ€nnern das immunologische Potential der X-Chromosomen beider Eltern. WĂ€hrend Erbkrankheiten, die sich nur auf einem einzigen X-Chromosom befinden, sich bei MĂ€nnern immer auswirken, kann bei Frauen die Information in diesem Fall vom gesunden X-Chromosom abgelesen werden. Im Alter hĂ€ufen sich Ablesefehler im Erbmaterial. Altersbedingte VerĂ€nderungen des aktiven X-Chromosoms können bei Frauen durch Reaktivierung des jeweils inaktiven zweiten X-Chromosoms kompensiert werden (sog. X-chromosomale Reaktivierung), bei MĂ€nnern nicht.[22] Tierstudien unterstĂŒtzen die Bedeutung dieses Zusammenhangs. So verfĂŒgen bei SĂ€ugetieren immer die mĂ€nnlichen Tiere ĂŒber die X-Y-Kombination und haben die kĂŒrzere Lebenserwartung. Bei Vögeln ist es umgekehrt. Hier weisen die weiblichen Vögel mit der W-Z-Kombination eine kĂŒrzere Lebenserwartung auf als die mĂ€nnlichen Vögel mit zwei Z-Chromosomen.[23]
Eine Untersuchung anhand von 141 LĂ€ndern im Zeitraum von 1981 bis 2002 hat gezeigt, dass das Geschlecht die Sterberate bei Naturkatastrophen beeinflusst. Demnach senken Naturkatastrophen und ihre Nachwirkungen die Lebenserwartung von MĂ€dchen und Frauen disproportional im Vergleich zur Lebenserwartung von Jungen und MĂ€nnern. Biologische und physiologische Differenzen zwischen den Geschlechtern, soziale Normen, Rollenverhalten, Diskriminierung im Zugang zu Ressourcen und der Zusammenbruch der Ordnung, der MĂ€dchen und Frauen stĂ€rker hĂ€uslicher und sexueller Gewalt ausliefert und vor allem der im Durchschnitt niedrigere sozio-ökonomische Status von Frauen werden als ErklĂ€rungsmöglichkeiten angefĂŒhrt.[24]
In Kriegen werden signifikant mehr MĂ€nner als Frauen getötet, was sich langfristig auf die Zahlen zur statistischen Lebenserwartung auswirkt. âDie bei der VolkszĂ€hlung 1951 errechnete Geschlechterproportion von 866 MĂ€nnern auf 1.000 Frauen hat sich bis 2001 wieder auf 939 MĂ€nner auf 1.000 Frauen erhöht. Ein Grund fĂŒr den FrauenĂŒberschuss â die gefallenen MĂ€nner beider Weltkriege - hat mit dem Aussterben der Kriegswitwen kontinuierlich an Bedeutung verloren.â[25]
Bei vielen SĂ€ugetierarten, zum Beispiel bei LabormĂ€usen, leben die Weibchen im Durchschnitt lĂ€nger als die MĂ€nnchen. DafĂŒr gibt es verschieden ErklĂ€rungsansĂ€tze: MĂ€nnchen haben eine gröĂere KörpergröĂe, und jeweils in einer SĂ€ugetierart leben die kleineren Exemplare im Schnitt lĂ€nger als die groĂen: kleine Hunderassen können 16 Jahre erreichen, wĂ€hrend groĂe Hunde meist schon nach neun Jahren sterben.[26] Kleine Menschen haben ebenfalls eine höhere Lebenserwartung als groĂe.[27] Wenn die geringere KörpergröĂe allerdings nicht genetisch bedingt ist, sondern aus schlechter ErnĂ€hrung resultiert, kehrt sich die Regel um: Dann haben gröĂere Menschen die höhere Lebenserwartung.
Eine Studie aus dem Jahr 2005 fand heraus, dass das Ausmaà der patriarchalen Orientierung einer Gesellschaft mit der Lebenserwartung von MÀnnern zusammenhÀngt. Demnach leben MÀnner in egalitÀren Gesellschaften im Durchschnitt lÀnger als MÀnner in patriarchalen Gesellschaften. Die Forscher argumentieren, dass das Patriarchat MÀnnern zwar bestimmte Vorteile gewÀhrt, gleichzeitig aber Geschlechtsstereotype fördert, die MÀnnern schaden.[28]
FĂŒr viele LĂ€nder ist ein deutlicher Zusammenhang zwischen der LĂ€nge des Lebens eines Menschen und seinem sozialen Status â gemessen ĂŒber den Bildungsabschluss, den Berufsstatus oder das Einkommen â dokumentiert[29]. Diese Befunde waren der Ausgangspunkt, um auf europĂ€ischer Ebene eine eigene Strategie zum Abbau gesundheitlicher Ungleichheiten zu fordern.[30]
Auch fĂŒr Deutschland weisen Analysen auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) deutliche Einkommensunterschiede in der Lebenserwartung aus[31]. So werden MĂ€nner durchschnittlich nur 70 und Frauen aus der Armutsrisikogruppe 77 Jahre alt, wĂ€hrend MĂ€nner und Frauen mit sehr hohen Einkommen fast 10 Jahre lĂ€nger leben (81 bzw. 85 Jahre). Die Ergebnisse verweisen zudem darauf, dass auch der Anteil der in Gesundheit verbrachten Lebensjahre deutlich variiert.
GemÀà Daten aus der privaten Rentenversicherung aus den Jahren 1995-2002 liegt die auf ein Jahr bezogene Sterbewahrscheinlichkeit fĂŒr Bezieher hoher Renten um bis zu 20 % niedriger als fĂŒr Bezieher geringer Renten. Aus Daten der gesetzlichen Rentenversicherung und des statistischen Bundesamtes geht hervor, dass die Wahrscheinlichkeit fĂŒr einen 65-jĂ€hrigen Mann, innerhalb eines Jahres zu sterben, fĂŒr Versicherte der Arbeiterrentenversicherung fast doppelt so hoch ist wie fĂŒr Versicherte der Angestelltenversicherung und fĂŒr Beamte. [32]
Aktuelle Modelle zur ErklĂ€rung des Zusammenhangs gehen nicht von einem direkten Einfluss des sozialen Status auf die Gesundheit und Lebenserwartung aus[29]. Stattdessen wirkt der soziale Status indirekt, weil er ein wichtiger Bestimmungsfaktor fĂŒr Unterschiede in gesundheitlich relevanten Faktoren â wie materielle und psychosoziale Ressourcen und Belastungen sowie das Gesundheitsverhalten â ist. Die Chancen und Risiken fĂŒr ein gesundes und langes Leben werden bereits in der Kindheit und Jugend gelegt und verfestigen sich im Lebensverlauf durch Wechselwirkungen zwischen dem sozialen Status und dem Gesundheitszustand.
Soziale Unterschiede in der Lebenserwartung sind auch volkswirtschaftlich relevant. Karl Lauterbach zufolge fĂŒhren die unterschiedlichen Rentenbezugsdauern von einkommensschwachen und einkommensstarken Rentnern zu einer Umverteilung von unten nach oben im System der gesetzlichen Rentenversicherung[33].
Die durchschnittliche menschliche Lebenserwartung hat sich in vorhistorischer Zeit nicht, in historischer Zeit zunĂ€chst kaum geĂ€ndert, stieg tendenziell und von RĂŒckschlĂ€gen durch Epidemien und Kriege begleitet sehr langsam, ab dem 19. Jahrhundert immer schneller an.[34] Durch die verschieden ausgeprĂ€gten groĂ- und kleinrĂ€umigen Entwicklungen ist sie daher heute weltweit sehr unterschiedlich ausgeprĂ€gt: WĂ€hrend in den Staaten Schwarzafrikas, die von der AIDS-Pandemie am stĂ€rksten betroffen sind, die Lebenserwartung oft unter 40 Jahre gefallen ist, betrĂ€gt sie in Island und Japan derzeit etwa 80 Jahre. In Mitteleuropa ist sie seit 1840 etwa um 40 Jahre gewachsen. Das Max-Planck-Institut fĂŒr demografische Forschung in Rostock spricht von drei Monaten, die das Leben Jahr fĂŒr Jahr lĂ€nger geworden ist.
In Deutschland ist die Sterblichkeit seit 1871 im Mittel um ca. 0,8 % jĂ€hrlich zurĂŒckgegangen. In den Jahren von 1994 bis 2004 hat sich dieser Trend zur Erhöhung der Lebenserwartung verstĂ€rkt; in diesem Zeitraum sank die Sterblichkeit sogar um 2 % jĂ€hrlich.[32]
Nach einer Berechnung der Linksfraktion im deutschen Bundestag auf Basis von Zahlen der Deutschen Rentenversicherung soll die Lebenserwartung fĂŒr Geringverdiener in Deutschland von 2001 bis 2010 von 77,5 auf 75,5 Jahre gesunken sein. [35] [36] Aus den Zahlen, auf die sich die Linksfraktion beruft, lĂ€sst sich die Sterblichkeit jedoch nicht berechnen. Dazu wĂ€re nicht nur die absolute Anzahl an TodesfĂ€llen in einer Altersstufe notwendig, sondern auch die Wahrscheinlichkeit, mit der Angehörige einer Altersstufe das nĂ€chste Lebensjahr erreichen. Nach den Berechnungen der Linksfraktion wĂ€re auch von 2001 bis 2006 die Lebenserwartung fĂŒr Geringverdiener gesunken, fĂŒr diesen Zeitraum liegt jedoch eine wissenschaftliche Untersuchung des Max-Planck-Institut fĂŒr demografische Forschung, Rostock vor, in der die Lebenserwartung nach den wissenschaftlich ĂŒblichen Methoden berechnet wird und die das Gegenteil belegt. [37] [38] Demnach ist von 2001 bis 2006 fĂŒr alle Einkommensstufen die Lebenserwartung gestiegen. FĂŒr den Zeitraum nach 2006 liegen nach jetzigem Stand (1. Januar 2012) noch keine gesicherten, wissenschaftlichen Erkenntnisse vor, es deutet jedoch nichts auf eine Abnahme der Lebenserwartung in irgendeiner Einkommensstufe hin. [39]
Die Lebenserwartung kann auch fĂŒr Tiere und Pflanzen ermittelt werden. Sie ist von sehr vielen Faktoren abhĂ€ngig, von der Spezies, von den Lebensbedingungen, von Krankheiten und Fressfeinden, aber auch beispielsweise von der Temperatur, vom Sauerstoffumsatz und vom Grundumsatz.
Einige Arten von BauchhÀrlingen leben nur etwa drei Tage und gehören damit zu den kurzlebigsten Vielzellern. Einzeller (zu denen die meisten Bakterien gehören) vermehren sich durch Zellteilung, was je nach Betrachtungsweise als extrem kurze Lebensdauer (im Bereich von Minuten oder Stunden) oder als nahezu unbegrenzte Lebensdauer angesehen werden kann.
Manche Insekten (beispielsweise Eintagsfliegen) können zwar insgesamt mehrere Jahre leben, aber als adulte Tiere verbringen sie oft nur Stunden und sind in diesem Stadium nicht einmal zur Nahrungsaufnahme befÀhigt, woraus sich ihr Name ableitet.
Die Langlebigkeit von Elefanten, Schildkröten, Papageien und KieferngewĂ€chsen ist allgemein bekannt. Es wurden MammutbĂ€ume gefĂ€llt, fĂŒr die dendrologisch ein Alter von gut 2000 Jahren bestimmt wurde; von der Langlebigen Kiefer sind ĂŒber 4000 Jahre alte Exemplare bekannt.
Als langlebigster Organismus wird Scolymastra joubini betrachtet, ein Riesenschwamm, fĂŒr den eine Lebenserwartung von ca. 10.000 Jahren errechnet wurde.
Bakterien können in Form von Sporen auch mehrere Jahrtausende ĂŒberdauern. So wurden aus SalzlagerstĂ€tten Meeresbakterien in vermehrungsfĂ€higer Form gewonnen. Diese Art der Ăberdauerung als Sporen hat aber mit Lebenserwartung nichts zu tun, da Sporen wesentliche Eigenschaften von Leben fehlen (Stoffwechsel).
Tiere in Gefangenschaft, artgerecht gehalten und vor Fressfeinden, extremen WetterverhĂ€ltnissen und Nahrungsknappheit geschĂŒtzt, erreichen oft ein sehr viel höheres Alter als in freier Wildbahn, Schlachttiere ein wesentlich geringeres.
Die Menge der konsumierten Nahrung hat Einfluss auf die Lebensdauer. Bei einer Vielzahl von Tierarten konnte nachgewiesen werden, dass ein reduzierter Speiseplan, eine sogenannte Kalorienrestriktion, die Lebensspanne deutlich verlĂ€ngern kann. In einer aktuellen Studie konnten 115 Substanzen die Lebenserwartung von FadenwĂŒrmern zwischen 30 % und 60 % verlĂ€ngern. Eine der wirksamen Substanzen, die in der Struktur einem Antidepressivum Ă€hnelt, wurde nĂ€her untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass sie die Reaktion auf den körpereigenen Botenstoff Serotonin beeinflusst, der beim Menschen fĂŒr das HungergefĂŒhl zustĂ€ndig ist.[40] Nach der Nahrungsaufnahme wird das anabole Hormon Insulin ausgeschĂŒttet, es wirkt stoffwechselanregend und fördert die Teilung mancher Zellen (etwa die Adipozyten). Bei karger Nahrung wird weniger Insulin ausgeschĂŒttet, die Zellen leben lĂ€nger.
| Lebewesen | individuell nachgewiesenes Alter | Lebenserwartung |
|---|---|---|
| BauchhÀrlinge | 3 Tage | |
| Stubenfliege | 16â24 Tage | |
| Goldhamster | 2â3 Jahre | |
| Elefanten | 86 Jahre | ca. 60 Jahre |
| Gelbbrustara | 104 Jahre[41] | unbestimmt |
| Galåpagos-Riesenschildkröte | 176 Jahre | unbestimmt |
| Grönlandwal | 211 Jahre[42] | unbestimmt |
| Grannenkiefer | 2500 Jahre | |
| Riesenmammutbaum | 2560 Jahre | umweltabhÀngig (Mensch) |
| Langlebige Kiefer | 4950 Jahre | |
| Scolymastra joubini | 10.000 Jahre |
Die unterschiedliche Verwendung des Begriffes Lebenserwartung fĂŒhrt hĂ€ufig zu unklaren Formulierungen und MissverstĂ€ndnissen. Diese liegen insbesondere darin begrĂŒndet, dass die Lebenserwartung meist nur ein SchĂ€tzwert ist, der sich mit der Zeit verĂ€ndert.
Eine wichtige Ursache ist, dass bei der Betrachtung der Lebenserwartung hĂ€ufig ĂŒbersehen wird, dass diese mit zunehmendem Alter der noch lebenden Individuen desselben Geburtsjahrgangs fĂŒr diese steigt. Beispiel: Ein Jahrgang hat bei der Geburt eine Lebenserwartung von 75 Jahren. Nach 60 Jahren ist jedoch ein Teil bereits verstorben, der in der ursprĂŒnglichen Erwartung enthalten war. Die noch lebende Gruppe der 60-jĂ€hrigen hat nun noch eine Lebenserwartung von ĂŒber 25 Jahren, womit sie im Durchschnitt ein Lebensalter von 85 Jahren erreichen wird. Allerdings verĂ€ndert sich die durchschnittliche Lebenserwartung damit ĂŒberhaupt nicht. Ein 80-jĂ€hriger hat mit derselben Berechnung eine restliche Lebenserwartung, die insgesamt ĂŒber 90 Jahren liegen kann. Bei demografischen Vorhersagen, beispielsweise zur Berechnung der Renten, ist das von entscheidender Bedeutung.
Ein Ă€hnlicher Trugschluss kann bei der Lebenserwartung bestimmter Berufsgruppen auftreten. So ist die Lebenserwartung von Bischöfen deutlich höher als von Automechanikern. Das liegt in erster Linie nicht an der gesĂŒnderen Lebensweise, sondern daran, dass Bischöfe nicht mit 25 sterben können, da sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht Bischof sind.
Auf gleiche Weise kann die Kindersterblichkeit die Lebenserwartung ab Geburt unverhĂ€ltnismĂ€Ăig verzerren. So wird fĂŒr den GroĂteil des Mittelalters eine Gesamtlebenserwartung der Bevölkerung von 30 Jahren und weniger angenommen. Dabei ist zu beachten, dass die Lebenserwartung aufgrund von Seuchen, Kriegen und Katastrophen keineswegs konstant verlief. Die Lebenserwartung der Frauen lag bei 24 bis 25 Jahren, die der MĂ€nner bei 28 bis 32 Jahren. Betrachtet man jedoch die Lebenserwartung derer, die das erste Lebensjahr ĂŒberlebt haben, steigt diese sprunghaft an. Wenn die Kindheit ĂŒberlebt wurden, konnte man durchschnittlich ĂŒber 40 Jahre alt werden. Mindestens 40 % der Kinder starben vor Erreichen der PubertĂ€t.[43] 10 % bis 20 % der Kinder starben im ersten Lebensjahr. In den IndustrielĂ€ndern liegt die Sterblichkeit im ersten Lebensjahr heute unter 1 %.[44]
Die â heute â im Vergleich zu Frauen niedrigere durchschnittliche Lebenserwartung der MĂ€nner wird auf gleiche Art durch die risikobehaftetere Lebensweise der jungen MĂ€nner wĂ€hrend der Adoleszenz beeinflusst. So sterben viel mehr junge MĂ€nner als Frauen im Alter zwischen 16 und 25 Jahren durch VerkehrsunfĂ€lle und andere Risikofaktoren dieser Altersgruppe, was sich auf die statistische Gesamtlebenserwartung auswirkt. MĂ€nner bis 65 Jahre sterben 3,6 Mal so hĂ€ufig an Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Frauen. Gerade in den mittleren Jahren, also bis etwa 65 Jahre, sterben nahezu doppelt so viele MĂ€nner wie Frauen.
Ein Sonderfall ist die beobachtete Lebensspanne bei den Sterbetafeln. Hier wird nur zurĂŒckschauend festgestellt, wann von einem Geburtsjahrgang jeweils wie viele Personen verstorben sind. Im Extremfall wĂŒsste man z. B. erst 120 Jahre nach 1980 (also im Beispiel 2100) die exakte Sterblichkeit fĂŒr 100 % dieses einen Jahrgangs.
HĂ€ufig werden zudem Lebenserwartung, Durchschnittsalter und Höchstalter begrifflich nicht getrennt. Beispielsweise gilt der Kaukasus als Heimat besonders vieler sehr alter Menschen, die 100 Jahre und Ă€lter werden. Die durchschnittliche Lebenserwartung in diesen LĂ€ndern liegt jedoch signifikant unter dem Niveau westlicher IndustrielĂ€nder. Auch auf die Tier- und Pflanzenwelt bezogen werden hĂ€ufig Rekordalter mit Durchschnittsalter verwechselt: Elefanten können beispielsweise ein Alter von 70 Jahren und mehr erreichen, sterben aber in freier Wildbahn oft bedeutend frĂŒher. Hier wird das Rekordalter hĂ€ufig irrtĂŒmlich mit der Lebenserwartung gleichgesetzt (dazu obige Tabelle).
| Land/Gebiet |
Jungen |
MĂ€dchen |
|---|---|---|
| |
78 Jahre und 9,3 Monate | 83 Jahre und 6,8 Monate |
| |
77 Jahre und 4,6 Monate | 82 Jahre und 10,1 Monate |
| |
77 Jahre und 5,2 Monate | 82 Jahre und 5,3 Monate |
| |
76 Jahre und 6,9 Monate | 82 Jahre und 5,4 Monate |
| |
76 Jahre und 4,4 Monate | 81 Jahre und 10,2 Monate |
| |
77 Jahre und 7,5 Monate | 82 Jahre und 6 Monate |
| |
77 Jahre und 10,4 Monate | 82 Jahre und 8,6 Monate |
| |
75 Jahre und 5,9 Monate | 81 Jahre und 10,6 Monate |
| |
76 Jahre und 10,8 Monate | 82 Jahre und 5,6 Monate |
| |
76 Jahre und 10,3 Monate | 81 Jahre und 10,7 Monate |
| |
77 Jahre und 5,6 Monate | 82 Jahre und 5,1 Monate |
| |
76 Jahre und 10,6 Monate | 82 Jahre und 10,2 Monate |
| |
77 Jahre und 5,1 Monate | 82 Jahre und 4,4 Monate |
| |
75 Jahre und 10,9 Monate | 81 Jahre und 5,9 Monate |
| |
75 Jahre und 5,8 Monate | 81 Jahre und 8,1 Monate |
| |
75 Jahre und 5,2 Monate | 82 Jahre und 4,1 Monate |
| alte BundeslÀnder | 77 Jahre und 8,1 Monate | 82 Jahre und 8 Monate |
| neue BundeslÀnder | 76 Jahre und 5,9 Monate | 82 Jahre und 6,6 Monate |
| |
77 Jahre und 6,3 Monate | 82 Jahre und 7,7 Monate |
Die Lebenserwartung in Ăsterreich betrĂ€gt fĂŒr das Jahr 2010 fĂŒr MĂ€nner 77,7 und fĂŒr Frauen 83,16 Jahre bei der Geburt. Die höchste Lebenserwartung haben Neugeborene in Vorarlberg (78,85 / 84,15 Jahre). Eine Ursache fĂŒr den etwas gröĂeren Geschlechterunterschied ist abgesehen von den statistischen UnschĂ€rfen in der höheren alkoholabhĂ€ngigen Sterblichkeit [46] österreichischer MĂ€nner im Vergleich zu Deutschland zu sehen.
| Bundesland |
Jungen |
MĂ€dchen |
|---|---|---|
| |
77,55 Jahre | 83,16 Jahre |
| |
77,67 Jahre | 83,56 Jahre |
| |
77,56 Jahre | 83,03 Jahre |
| |
77,99 Jahre | 83,44 Jahre |
| |
78,62 Jahre | 83,87 Jahre |
| |
77,78 Jahre | 83,53 Jahre |
| |
79,05 Jahre | 84,03 Jahre |
| |
78,85 Jahre | 84,15 Jahre |
| |
76,6 Jahre | 81,94 Jahre |
| |
77,7 Jahre | 83,16 Jahre |
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