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Lee Kuan Yew (chinesisch æć è LÇ GuÄngyĂ o, Lee Kwan-Yew oder Harry Lee; * 16. September 1923 in Singapur) ist ein Politiker in der Republik Singapur. Er war der erste Premierminister des Stadtstaates Singapur und ĂŒbte von 1959 bis 1990 dieses Amt aus. Sein Nachfolger wurde Goh Chok Tong, dessen Kabinett er von 1990 bis 2004 als Senior Minister angehörte. Im Kabinett seines Sohnes Lee Hsien Loong, des dritten Premierministers der Republik Singapur, war er von 2004 bis 2011 Minister Mentor, ein Posten, der speziell fĂŒr ihn geschaffen wurde. Nachdem seine Regierungspartei PAP das schlechteste Ergebnis seit 1963 erzielte, zog sich Lee nach 52 Jahren aus der Regierung zurĂŒck.[1]
Inhaltsverzeichnis |
Lee besuchte die Telok Kurau Grundschule, die Raffles Institution und das Raffles College. Sein Studium musste er 1942 bis 1945 wegen der japanischen Besetzung Singapurs unterbrechen. In dieser Zeit betrieb er Schwarzhandel mit Klebstoff aus Tapioka, der Stifkas genannt wurde.[2] Mit seinen Kenntnissen der englischen, chinesischen und japanischen Sprache, die er 1942 gelernt hatte, transkribierte er von 1943 bis 1944 alliierte FunksprĂŒche fĂŒr die Japaner.[3][4]
Nach dem Krieg ging er fĂŒr kurze Zeit auf die London School of Economics, bevor er auf das Fitzwilliam College in Cambridge wechselte. 1949 kehrte er nach Singapur zurĂŒck und wurde als Anwalt tĂ€tig.
Lee heiratete seine Frau Kwa Geok Choo (â 2010) am 30. September 1950.[5] Sie haben drei Kinder â zwei Söhne und eine Tochter. Sein Ă€ltester Sohn ist Lee Hsien Loong.
Lees erste Erfahrungen mit der singapurischen Politik war seine Rolle als Wahlhelfer fĂŒr seinen Parteichef John Laycock unter dem Banner der probritischen Partei Progressive Party bei den Stadtratswahlen 1951. Jedoch erkannte Lee, dass die Partei nicht in der Lage war, Massen zu mobilisieren, vor allem bei der chinesisch-sprechenden arbeitenden Klasse. Dies wurde vor allem von Bedeutung, als die Rendel Constitution das Wahlrecht allen in Singapur geborenen Einwohnern gewĂ€hrte. Das hatte zur Folge, dass der Anteil der chinesischen WĂ€hler anstieg. Sein Durchbruch kam, als er als Rechtsberater fĂŒr die Arbeiter- und Studentengewerkschaft tĂ€tig wurde.
In den Parlamentswahlen in Singapur am 30. Mai 1959 gewann die PAP (People's Action Party) 43 von 51 Sitzen[6]. Singapur errang die Selbstverwaltung in allen Staatsangelegenheiten auĂer in Fragen der Verteidigungs- und AuĂenpolitik. Lee wurde am 5. Juni 1959 Premierminister[7].
Lee musste nach der Erlangung der TeilunabhÀngigkeit von den Briten mit vielen Problemen in den Bereichen Bildung, Wohnsituation und Arbeitslosigkeit kÀmpfen.
Ein SchlĂŒsselerlebnis war eine Misstrauensabstimmung im Parlament, bei der 13 Abgeordnete der PAP die Partei wechselten und am 21. Juli 1961 der Abstimmung fern blieben. Zusammen mit sechs linksgerichteten Abgeordneten bildeten sie eine neue Partei, die sich Barisan Sosialis (sozialistische Front) nannte. Durch diese parteipolitischen Wanderungen schrumpfte die Mehrheit der PAP auf einen Sitz, die Sitzverteilung betrug 26 zu 25 fĂŒr die Regierungspartei. Dieses Ereignis ist in Singapur unter dem Namen The Big Split 1961 (der tiefe Riss 1961) bekannt.
Im Jahre 1961 hatte die PAP zwei Nachwahlniederlagen erfahren. Lees Regierung war fast zerbrochen, bis die Volksabstimmung ĂŒber die Frage des Zusammenschlusses mit Malaysia kam und diese als Vertrauensfrage fĂŒr die Regierung angesehen wurde.
Nachdem der malaysische Premierminister Abdul Rahman im Jahre 1961 die Bildung einer Föderation, die die malaiische Föderation, Singapur, Sabah und Sarawak enthielt, vorschlug, begann Lee, sich fĂŒr den Zusammenschluss mit Malaysia stark zu machen, um die britische Kolonialherrschaft zu beenden. Das Ergebnis eines Referendums, das am 1. September 1962 stattfand, ergab, dass 70% der WĂ€hler den Vorschlag unterstĂŒtzten.
Am 16. September 1963 wurde Singapur Teil der Föderation. Jedoch war dieser Zusammenschluss nur von kurzer Dauer. Die malaysische Bundesregierung unter FĂŒhrung der UMNO fĂŒrchtete die chinesische Mehrheit in Singapur und die politische Konkurrenz der PAP in Malaysia. Lee wandte sich strikt gegen die Bumiputra-Politik, die die ethnischen Malaien bevorzugte.
Im Jahre 1964 kam es zu Rassenunruhen in Singapur, unter anderem an Mohammeds Geburtstag am 21. Juli. Dabei kamen 23 Menschen ums Leben und Hunderte wurden verletzt. Es ist bis heute nicht vollstĂ€ndig aufgeklĂ€rt, wie es zu den Unruhen kam. Als Auslöser wird unter anderem angegeben, dass ein Chinese eine Flasche in eine muslimische Kundgebung geworfen habe. Auf der anderen Seite wird argumentiert, dass die Unruhen von Malaien gestartet wurden. Weitere Unruhen brachen im September 1964 aus, in denen Autos und GeschĂ€fte angezĂŒndet wurden. Diese veranlassten Tunku Abdul Rahman und Lee Kuan Yew, öffentlich zur Ruhe aufzufordern.
Wegen der anhaltenden Ruhestörungen entschied sich der malaysische Premierminister Abdul Rahman, Singapur aus Malaysia auszuschlieĂen. Lee war unerbittlich und versuchte erfolglos, einen Kompromiss zu erreichen. Letztendlich ĂŒberzeugte Goh Keng Swee Lee davon, dass die Abspaltung als endgĂŒltig angesehen werden musste. Darauf unterzeichnete Lee am 7. September 1965 ein Abkommen, das die Beziehungen mit Malaysia nach der Abspaltung regelte, um in politischen Feldern wie Handel und gemeinsame Verteidigung eine Kooperation zu erreichen.
Der verfehlte Zusammenschluss war fĂŒr Lee ein schwerer Schlag. Er glaubte, dass die Föderation fĂŒr Singapur, das keine nennenswerten Ressourcen besitzt, lebenswichtig war. In einem Fernsehauftritt hatte er einen Emotionsausbruch. In dem Auftritt gab er eine folgende ErklĂ€rung ab:
"FĂŒr mich ist es ein schmerzlicher Moment. In meinem ganzen Leben, in meinem ganzen Erwachsenenleben, glaubte ich an den Zusammenschluss und die Einheit von zwei Territorien. Jetzt erklĂ€re ich, Lee Kuan Yew, Premierminister von Singapur und erklĂ€re im Namen des Volkes und der Regierung von Singapur, dass von diesem Tage an, dem neunten Tag des Augusts im Jahre NeunzehnhundertfĂŒnfundsechzig, Singapur auf ewig ein souverĂ€ner, demokratischer und unabhĂ€ngiger Staat sein wird, gegrĂŒndet auf die Prinzipien von Freiheit und Gerechtigkeit und immer wĂ€hrendem Streben nach Wohlergehen und GlĂŒck des Volkes in einer höchst einfachen Gesellschaft."
Am 9. August 1965 verabschiedete das malaysische Parlament die nötige Resolution, um die Abspaltung Singapurs von der malaiischen Föderation offiziell zu machen. Singapur besaĂ kaum Ressourcen, das Wasser kommt hauptsĂ€chlich aus Malaysia und die Wehrkraft war sehr begrenzt, was eine groĂe Herausforderung fĂŒr die singapurische Regierung unter Lee darstellte.[8]
Am 28. November 1990 trat Lee Kuan Yew zurĂŒck und sein Nachfolger wurde Goh Chok Tong. Zu der Zeit war er mit 31 Jahren Amtszeit der dienstĂ€lteste Premierminister der Welt[9]. Dies war der erste Machtwechsel seit der Erlangung der UnabhĂ€ngigkeit Singapurs im Jahre 1965. Lee verblieb aber im Kabinett als Senior Minister und hatte dieses Amt bis 2004 inne und Goh Chok Tong wurde nachfolgender Senior Minister.
Seit August 2004 ist er Minister Mentor, ein eigens fĂŒr ihn geschaffenes Amt.[10]
Selbst im hohen Alter lehnte er den Gang in den Ruhestand ab. Auf die Frage hin, wenn ihm einer sagen wĂŒrde, er werde nicht mehr gebraucht, antwortete er:
Zur Debatte um die Bedeutung der Demokratie im Prozess der gesellschaftlichen Entwicklung trug Lee Kuan Yew ein besonders prÀgnantes Statement bei. 1962 vertrat er selbstbewusst die Meinung, als absoluter Herrscher weit bessere Entscheidungen treffen zu können als demokratische Institutionen:
Weil in der Folge tatsĂ€chlich die Republik Singapur in den drei Jahrzehnten unter seiner FĂŒhrung die höchsten Wachstumsraten der Welt aufwies, wird von Verfechtern asiatischer Werte gerne auf Lee verwiesen.
Vor dem Hintergrund der singapurischen Parlamentswahl 2011 meinte er: "Diese Generation hat keine Ahnung von der Vergangenheit und meint, jeder kann das Steuer ĂŒbernehmen."[13]
Devan Nair, der dritte StaatsprĂ€sident von Singapur vom 23. Oktober 1981 bis zum 28. MĂ€rz 1985, Ă€uĂerte sich in einem Interview in Globe and Mail, dass Lees Methoden, seine politischen Gegner bis zu ihren finanziellen Ruin zu verklagen oder sie in die Bedeutungslosigkeit zu verdrĂ€ngen, ein AuĂerkraftsetzung der politischen Rechte darstelle. Nair sagte auch, dass Lee âimmer mehr zu einem selbst-gerechten Alleswisserâ werde umgeben von ministeriellen StrohmĂ€nnern. Aufgrund derartiger ĂuĂerungen verklagte Lee ihn und Nair reichte Gegenklage ein. Lee beantragte dann, dass seine Gegenklage abgeschmettert werde, was er damit begrĂŒndete, dass Nairs Gegenforderung keinerlei Grundlage habe. Jedoch lehnte ein Kammergericht Lees Antrag ab, Nairs Gegenklage abzuweisen. AuĂerdem hielt das Gericht Lee entgegen, dass er den Prozess missbraucht habe. Nair habe auf rechtlicher Grundlage gehandelt[14].
Am 24. September 2008 befand das oberste Gericht in Singapur, dass das Magazin Far Eastern Economic Review Lee Kuan Yew und seinen Sohn, den Premierminister Lee Hsien Loong diffamiert habe. Dabei bezog sich das Gericht auf folgenden Artikel des FEER mit dem Titel Singapore's 'Martyr': Chee Soon Juan, (Singapurs MĂ€rtyrer: Chee Soon Juan):
Das Gericht verurteilte das Magazin zu Schadensersatz an die KlÀger, worauf es Insolvenz anmelden musste.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Lee Kuan Yew |
| ALTERNATIVNAMEN | æć è; Lee Kwan-Yew; Harry Lee; LÇ GuÄngyĂ o (Pinyin) |
| KURZBESCHREIBUNG | singapurischer Politiker |
| GEBURTSDATUM | 16. September 1923 |
| GEBURTSORT | Singapur |