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Lega Nord

Lega Nord
Parteilogo
Partei­vor­stand Umberto Bossi
Presidente )
Roberto Calderoli
Segretario )
Roberto Maroni
Segretario )
Manuela Dal Lago
Coordinatore )
GrĂŒndung 4. Dezember 1989
Haupt­sitz Via Bellerio 41, Mailand
Koalition Popolo della LibertĂ  und MpA
Ideologie Föderalismus, Regionalismus, Rechtspopulismus, padanischer Nationalismus
EP-Fraktion EFD
Abgeordnete 59
Senatoren 26
Europaabgeordnete 9
Parteizeitung La Padania
Webseite www.leganord.org
Werbewagen fĂŒr die Lega-Nord zu den Regionalwahlen in der Toskana am 3. April 2005 auf der Piazza della Repubblica in Florenz
Karte Europas, Padanien ist markiert

Die Lega Nord (deutsch Liga Nord; vollstĂ€ndiger Name Lega Nord per l’indipendenza della Padania, dt. Liga Nord fĂŒr die UnabhĂ€ngigkeit Padaniens) ist eine rechtspopulistische Partei in Italien. Sie ist hauptsĂ€chlich im Norden, mittlerweile aber auch in anderen Gegenden Italiens aktiv und tritt fĂŒr die Föderalisierung des Landes und die Übertragung von Kompetenzen des Zentralstaates auf die Regionen („Devolution“) ein. Zeitweilig forderte die Partei sogar die Abspaltung des wohlhabenderen Norditalien von SĂŒditalien.

Aufgrund der zahlreichen UmwĂ€lzungen des politischen Systems und der vielen NeugrĂŒndungen innerhalb sĂ€mtlicher politischer Lager ist die Lega Nord Italiens Ă€lteste noch aktive Großpartei.[1]

Inhaltsverzeichnis

Ideologie

Der 2001 verstorbene Gianfranco Miglio, der die staatsrechtlichen und nationalökonomischen Theorien von Lorenz von Stein und Carl Schmitt propagierte, wird als „Chefideologe“ der Lega Nord bezeichnet. Er galt als intellektuelles AushĂ€ngeschild eines Netzwerkes der Neuen Rechten, der Synergies EuropĂ©ennes.

Das kulturelle SelbstverstĂ€ndnis der Lega Nord ist eine Mischung aus Stolz ĂŒber das kulturelle Erbe Norditaliens, insbesondere mit historischen BezĂŒgen zu dem Lombardenbund (die Partei trĂ€gt das Abbild von Alberto da Giussano, dem Sieger der Schlacht von Legnano, in ihrem Wappen), Ressentiments gegenĂŒber SĂŒditalienern, Förderung des Föderalismus und Regionalismus, was mit der Betonung einer eigenen norditalienischen, angeblich am antiken Keltentum inspirierten Kultur einhergeht. Die vermeintlich fleißigeren, tĂŒchtigeren und intelligenteren BĂŒrger Norditaliens wĂŒrden sich angeblich ethnisch von den zurĂŒckgebliebenen Regionen des SĂŒdens unterscheiden.

Besonders ausgeprĂ€gt ist die Ablehnung des italienischen Zentralstaates und seiner Symbole (Hymne, Flagge etc.). Parteimitglieder singen die Nationalhymne Fratelli d’Italia nicht mit, auf Kundgebungen wird sie sogar ausgepfiffen. Bei Veranstaltungen der Lega Nord wird hingegen der bekannte Freiheitschor Va pensiero, sull'ali dorate aus Verdis Nabucco gesungen. Zudem haben Bossis Äußerungen ĂŒber die italienische Tricolore fĂŒr große Empörung gesorgt.

Des Weiteren betrachtet sich die Lega als unabhĂ€ngige, freiheitliche und vor allem regionalistisch-norditalienische („padanische“, abgeleitet vom Po, lateinisch padanus, der die Region durchfließt) Kraft, die großen zentralistischen (Staats-)Gebilden bzw. Organisationen prinzipiell kritisch gegenĂŒbersteht, was weltumspannende eher „geheime“ Organisationen, die großen politischen Einfluss besitzen, mit einschließt. So gehört die Lega Nord zu den wenigen italienischen Parteien, die Freimaurern den Eintritt in die Partei verwehrt. Sie ist der Auffassung, dass nur kleine und tendenziell sozial bzw. ethnisch homogene Gebilde ĂŒberlebensfĂ€hig seien und als IdentitĂ€tsbezug bestehen können. Aufgrund ihres regionalistisch-autonomistischen SelbstverstĂ€ndnisses solidarisiert sich die Lega mit Autonomie- bzw. Sezessionsbestrebungen auf der ganzen Welt, wie z. B. jener Tibets vom chinesischen Zentralstaat, die vom Vlaams Belang propagierte und im flĂ€mischen Teil Belgiens bestehende Abspaltung Flanderns sowie die korsischen UnabhĂ€ngigkeitsbestrebungen von Frankreich.

Parteiprogramm

Das Parteiprogramm der Lega Nord ist eine Kombination aus politischem und fiskalischem Föderalismus und Regionalismus. So unterstĂŒtzt die Partei in den norditalienischen Regionen, in denen sie aktiv ist, den Schutz der jeweiligen (lombardischen, venetischen, piemontischen etc.) Kultur, Tradition und Sprachen (Dialekte). So kann die ideologische Basis der Lega Nord als eine Ansammlung verschiedener regionalistischer Bestrebungen, die unter dem Deckmantel des Föderalismus zusammengefasst wurden, beschrieben werden. Aus diesem Grund scheint es prinzipiell möglich, dass die Lega sich mit weiteren Autonomiebewegungen aus Mittel- und SĂŒditalien verbĂŒnden und auf diese Weise ihren politischen Wirkungsbereich erweitern könnte. TatsĂ€chlich fĂŒhrt die Lega GesprĂ€che mit Autonomiebewegungen aus ganz Italien, wie z. B. der Union ValdĂŽtaine, der im Trentino ansĂ€ssigen Partito Autonomista Trentino Tirolese, des sizilianischen Movimento per le Autonomie, sowie der sardischen Partito Sardo d’Azione. Die sĂŒditalienische Lega Sud Ausonia gilt als Schwesterpartei.

Ein erster Erfolg dieser GesprÀche war der zu den italienischen Parlamentswahlen 2006 erfolgte gemeinsame Wahlantritt mit dem sizilianischen Movimento per le Autonomie unter der gemeinsamen Liste Lega Nord-MPA.

Sezessionismus?

In den Anfangsjahren blieben die eigentlichen Ziele der Lega Nord durch das bis dahin wenig bis gar nicht ausgeprĂ€gte Parteiprogramm zunĂ€chst unklar: Schon damals befĂŒrworteten einige Exponenten der Partei radikalen Sezessionismus nach jugoslawischem Stil, andere sprachen sich in einem viel moderateren Ton fĂŒr mehr Autonomie fĂŒr die norditalienischen Regionen aus. Schließlich erklĂ€rte die Lega den Föderalismus als ihr wichtigstes politisches Anliegen, der schnell von den ĂŒbrigen italienischen Parteien als ein beliebtes Schlagwort fĂŒr eine Reform des italienischen Zentralstaates ĂŒbernommen wurde – mit Ausnahme der Neofaschisten und Kommunisten. Erstere betrachteten den Föderalismus als eine Zersplitterung der Heimat und ein Synonym fĂŒr Kleinstaaterei, letztere als ein Versuch die ĂŒberregionale SolidaritĂ€t zu untergraben, was besonders im Zusammenhang mit dem fĂŒr Italien charakteristischen wirtschaftlichen Nord-SĂŒd-GefĂ€lle betrachtet werden muss.

FIAV 100000.svg Flag Ratio: 1:2
Die von der Lega Nord vorgeschlagene Flagge Padaniens, die Alpensonne

Nach dem Wahlerfolg 1996 (10,4 % der Stimmen auf Nationalebene, Spitzenwert von 35,8 % im Wahlkreis Lombardei 2: das beste Resultat in ihrer Geschichte) radikalisierte sich die Lega nord in ihren Autonomiebestrebungen, vertrat nun offenen Sezessionismus und verkĂŒndete die Spaltung Italiens in drei Makroregionen die von dem bekannten und als „Chefideologen“ der Lega Nord angesehenen Politikwissenschaftler Gianfranco Miglio definiert wurden: Padanien fĂŒr die norditalienische, Etrurien fĂŒr die mittelitalienische und Ausonia als Bezeichnung fĂŒr die sĂŒditalienische Makroregion. Als ein symbolischer Akt zur Geburt der neuen Nation fĂŒllte Bossi eine Phiole mit Quellwasser des Po und ließ sie wenige Tage spĂ€ter im Rahmen einer kultisch-patriotischen FestivitĂ€t von einem kleinen MĂ€dchen bei Venedig ins Meer schĂŒtten.

Zudem wurde aus Freiwilligen eine militante aber unbewaffnete Truppe gegrĂŒndet: Die sogenannten GrĂŒnhemden (GrĂŒn ist die Farbe Padaniens). Kritiker bezeichneten daraufhin die neu gegrĂŒndete Gruppierung als ein Pendant zu den Schwarzhemden des faschistischen Italiens unter Benito Mussolini, jedoch bekannten sich die GrĂŒnhemden zur Gewaltfreiheit und auch geheimer Waffenbesitz konnte ihnen nie nachgewiesen werden.

Föderalismus

Die im Jahr 2000 erfolgte RĂŒckkehr der Lega Nord in die erneuerte Mitte-rechts-Allianz Casa delle LibertĂ  von Silvio Berlusconi zwang die Lega ihre Rhetorik hinsichtlich ihrer regionalistischen Forderungen zu mĂ€ĂŸigen, im August 2006 rĂŒckte Parteichef Bossi offiziell vom Sezessionismus ab, nachdem er noch im Mai nach einem verlorenen Referendum ĂŒber eine von der Regierung Berlusconi angestrebte VerfassungsĂ€nderung gedroht hatte, Norditalien werde sich der Schweiz anschließen.

Heute lanciert die Lega ihre staatspolitischen Forderungen mehr in Richtung einer Devolution nach britischen Muster statt einem weitreichenden Sezessionismus. Dies fĂŒhrte u. a. zur Abspaltung einiger Gruppierungen von der Mutterpartei.

Am 29. September 2007 – im Rahmen der Veranstaltung „Parlamento del Nord“ und im Beisein von Silvio Berlusconi – Ă€ußerte sich der Vorsitzende Umberto Bossi jedoch erneut zum gewaltbereiten Separatismus und meinte: „Die Freiheit kann nicht mehr im Parlament erobert werden, sondern durch den Kampf von Millionen zur Aufopferung bereiter MĂ€nner in einem Befreiungskrieg.“

Programm

Obwohl die Föderalisierung des italienischen Zentralstaates bzw. die Erlangung von Autonomie fĂŒr den Norden Italiens nach wie vor das unbestrittene Hauptziel der Lega ist und sie sogar bei Erlangung dieses Zieles die Einstellung ihrer politischen AktivitĂ€ten in Aussicht stellt, ist die Lega im Gegensatz zu ihrem Anfangsjahren keine Ein-Themen-Protestpartei mehr.

Staatspolitik

Der derzeit zentrale Programmpunkt der Partei ist die Verlagerung von Kompetenzen des italienischen Zentralstaates auf die italienischen Regionen („Devolution“).

Konkret und als einen ersten Schritt in Richtung Devolution fordert die Lega Nord die Übertragung exklusiver Kompetenzen des italienischen Zentralstaates in den Bereichen

  • Gesundheitswesen (KrankenfĂŒrsorge und sanitĂ€re Organisation)
  • Bildungswesen (Schulorganisation, Verwaltung der Schulen und Weiterbildungseinrichtungen. Definierung jener Teile der Schul- und Weiterbildungsprogramme mit einem spezifischen regionalen Interesse)
  • regionale Polizei

auf die italienischen Regionen.

Dabei soll die eigentliche KompetenzĂŒbertragung stufenweise in einem System der „zwei Geschwindigkeiten“ erfolgen: Regionen, die bestimmte administrative Voraussetzungen, wie Ressourcen und VerwaltungskapazitĂ€ten, erfĂŒllen, sollen die zusĂ€tzlichen Kompetenzen sofort wahrnehmen können. Regionen, die diese Voraussetzungen nicht erfĂŒllen, sollen jene Kompetenzen zu einem spĂ€teren Zeitpunkt ĂŒbertragen bekommen.

Wirtschaftspolitik

Die Lega Nord verbindet in ihrer Wirtschaftspolitik vor allem wirtschaftsliberale GrundsĂ€tze mit regionalistischen Elementen. So soll die Wirtschaftsförderungspraxis sich an der lokal vorhandenen Arbeitskraft orientieren und klein- sowie mittelstĂ€ndische Betriebe, insbesondere aber Familienunternehmen, gefördert werden. Dieser Programmpunkt kann als Schutzprogramm speziell fĂŒr die lokalen Wirtschaftsstrukturen der Lombardei und Venetien betrachtet werden, in denen eine große Dichte an kleinen Familienunternehmen vorherrscht. Des Weiteren fordert sie eine radikale EntbĂŒrokratisierung, auch sollen lokale Industrien „keine Einmischung staatlicher Behörden mehr zu erdulden haben“.

Finanz- und Steuerpolitik

In der Finanzpolitik kritisiert die Lega das zentralistische Steuersystem Italiens mitsamt seiner Umverteilungsmechanismen von den finanzstarken (nördlichen) Regionen zu den wirtschaftsschwachen (sĂŒdlichen) Regionen. Konkret fordert die Lega, dass Steuern zukĂŒnftig ausschließlich auf regionaler Ebene erhoben werden sollen, was mit der Forderung einer SchwĂ€chung des ĂŒberregionalen Finanzausgleiches einhergeht.

Die praktizierte (und bisher gescheiterte siehe: Mezzogiorno) Förderungspolitik zur Entwicklung strukturschwacher Regionen (insbesondere im SĂŒden), die aufgrund der Umverteilung hauptsĂ€chlich mit norditalienischen Steuergeldern finanziert wird, wird scharf angegriffen, wobei Rom als Synonym fĂŒr die italienische Zentralgewalt als Roma ladrona (italienisch fĂŒr „diebisches Rom“) verunglimpft und als Institution, die die Gelder des reichen Nordens verprasst, dargestellt wird. Vor dem Hintergrund der Mani-pulite-Ermittlungen gegen korrupte Politiker und WirtschaftsfĂŒhrer, die letztendlich zum Zusammenbruch des politischen System der ersten Italienischen Republik fĂŒhrten, sowie der Steuererhöhungen der Mitte-links-Regierung Amato (EinfĂŒhrung einer Steuer auf Immobilienbesitz), gipfelte diese kritische Haltung 1996 in einem Aufruf der Lega Nord, in der die Partei ihre AnhĂ€nger gar zum Steuerprotest aufrief. Die BĂŒrger wurden aufgefordert lediglich kleine GeldbetrĂ€ge, unabhĂ€ngig von ihrer eigentlichen Steuerbelastung, an den Fiskus zu ĂŒberweisen und keine festverzinslichen Staatsanleihen mehr zu zeichnen. Letztendlich endete der Aufruf zum Steuerprotest in einem Fehlschlag, da weder eine nennenswerte Zahl von BĂŒrgern ihm folgte, noch die Zeichnung von Staatsanleihen zurĂŒckging.

Steuerpolitisch tritt die Lega ferner fĂŒr Steuersenkungen, insbesondere zugunsten von Familien, sowie klein- und mittelstĂ€ndischen (Familien-)Unternehmen ein, wobei die PrioritĂ€t von Unternehmenssteuersenkungen in der politischen Rangfolge der Lega höher angesiedelt ist als eine Absenkung der Einkommenssteuer.

Dementsprechend erklĂ€rte der damalige Arbeits- und Sozialminister Roberto Maroni, in der vorhergehenden Debatte um das am 26. November 2004 vom italienischen Abgeordnetenhaus angenommene Steuersenkungspaket der Regierung Berlusconi, die PrioritĂ€t der Steuersenkungen lieber auf eine Abschaffung der Unternehmenssteuer Irap, anstatt auf eine Senkung der Einkommenssteuer zu setzen.

Auch fordert die Lega ein Ende von staatlichen Finanzhilfen fĂŒr angeschlagene und krisengeschĂŒttelte italienische Traditions- und Großunternehmen wie es bei Fiat oder Alitalia geschehen ist.

Innenpolitik

In Fragen der inneren Sicherheit tritt die Lega fĂŒr ein hartes Durchgreifen der SicherheitskrĂ€fte gegenĂŒber KriminalitĂ€t, illegaler Einwanderung (insbesondere jene aus muslimischen und afrikanischen LĂ€ndern) und Terrorismus ein. Zudem tritt sie fĂŒr ein Recht auf Selbstverteidigung bei Angriffen auf die eigene Person oder das eigene Eigentum ein. So waren es Politiker der Lega (allerdings auch der Alleanza Nazionale und von La Destra), die seit Mitte 2008 auf die gesetzliche Verankerung von so genannten „BĂŒrgerwehren“ drĂ€ngten: Unbewaffnete BĂŒrger, die – um die Polizei von dieser Aufgabe zu entlasten – durch die StĂ€dte patrouillieren, um Kleinkriminelle, StraßenhĂ€ndler und illegale Einwanderer aufzuspĂŒren.[2]

Anfang 2006 initiierte die Lega dafĂŒr ein „Gesetz zur Selbstverteidigung“, das mit der Mehrheit des Mitte-rechts-BĂŒndnisses vom italienischen Parlament angenommen wurde. Das Gesetz erlaubt den Einsatz legal registrierter Waffen oder „anderer geeigneter Mittel“, wenn ein Angriff auf die körperliche Unversehrtheit oder das persönliche Eigentum in den eigenen vier WĂ€nden (auch GeschĂ€ftsrĂ€umlichkeiten) geschieht, und geht in diesen FĂ€llen grundsĂ€tzlich von Notwehr aus.

Ferner weigerte sich der ehemalige italienischen Justizminister Roberto Castelli, eine von dem frĂŒheren italienischen StaatsprĂ€sidenten Carlo Azeglio Ciampi ausgestellte Begnadigung fĂŒr den wegen Mordes verurteilten Linksterroristen Adriano Sofri zu unterschrieben und verhinderte somit eine vorzeitige Haftentlassung Sofris.

Die Lega nimmt eine konservative Haltung in gesellschaftlich-ethischen Streitfragen, wie Abtreibung, Sterbehilfe, embryonale Stammzellenforschung, kĂŒnstliche Befruchtung, Rechte fĂŒr gleichgeschlechtliche Paare (obwohl eine mit der Partei sympathisierende Homosexuellenvereinigung mit dem Namen LOS Padania – Libero Orientamento Sessuale existierte), sowie Drogenkonsum ein.

Einwanderungs- und AuslÀnderpolitik

In der Einwanderungspolitik wendet sich die Lega Nord gegen weitere Zuwanderung nach Italien – insbesondere aus muslimischen und afrikanischen LĂ€ndern. Teile der Partei befĂŒrworten hingegen die Einwanderung aus europĂ€ischen LĂ€ndern mit „christlich-abendlĂ€ndischer Tradition“, um die sogenannte „christliche IdentitĂ€t“ Italiens und Europas zu schĂŒtzen.

Die Lega Nord setzt sich fĂŒr die Bewahrung der regionalen (lombardischen, venetischen, piemontesischen usw.) IdentitĂ€ten ein. Die Partei versucht auch bei den deutschsprachigen SĂŒdtirolern und anderen autochthonen Minderheiten WĂ€hler zu gewinnen (siehe dazu den zweisprachigen Internetauftritt der Lega Nord SĂŒdtirol[3]).

Eine multikulturelle Gesellschaft wird als „Bruch mit dem fĂŒr den Menschen lebensnotwendigen Gleichgewicht“ ebenso abgelehnt, wie der Bau von Moscheen in Italien. Letzteres wird mit z. T. umstrittenen Aktionen begleitet. So trieben AnhĂ€nger der Lega Nord eine Herde Schweine – im Islam als „unrein“ angesehene Tiere – auf ein noch unbebautes GrundstĂŒck im norditalienischen Lodi nahe Mailand, um den dort geplanten Bau einer Moschee zu verhindern.

Auch kĂ€mpft die Lega gegen die Einrichtung von islamischen Schulen in Italien, was besonders im Fall der ersten privaten und vom Ă€gyptischen Konsulat unterstĂŒtzten arabischen Schule in Mailand deutlich wurde: Die Schulleitung jener Schule hatte beschlossen mit dem Unterricht zu beginnen, obwohl noch keine offizielle Genehmigung der lombardischen Schulbehörden vorlag. Die Lega Nord verlangte dabei die sofortige Sperre der Schule und charakterisierte dabei allgemein islamische Schulen als „integrationshemmende Ghettos“.

Des Weiteren hat sich die Lega fĂŒr eine StĂ€rkung der italienischen KĂŒstenwache eingesetzt, um die italienischen KĂŒsten sowie die italienische Mittelmeerinsel Lampedusa vor FlĂŒchtlingen aus Nordafrika abzuschirmen. Durch die Zusammenarbeit mit den libyschen Behörden und durch die Abwehr von Migranten-Booten auf Hoher See hat die italienische Regierung die Zahl der Immigranten, die Italien erreichten, stark reduziert. Das mitunter harte Vorgehen wurde von der UNHCR[4] und von Seiten der Kirche aufs schĂ€rfste kritisiert.[5] 2011 forderten fĂŒhrende Politiker der Lega wie der stellvertretende Verkehrsminister Roberto Castelli oder der EU-Abgeordnete Francesco Speroni sogar den Einsatz militĂ€rischer Waffen gegen die – vornehmlich tunesischen – FlĂŒchtlinge aus Nordafrika.[6]

Dennoch ist die Provinz Treviso, traditionelle Hochburg der Partei, als positives Beispiel einer gelungenen AuslĂ€nderintegration angefĂŒhrt worden.[7] Die Provinz Treviso erzielte im Integrationsbericht 2006 der Caritas/Migrantes den besten Wert.[8]

FĂŒr Aufsehen sorgte auch die Wahl der Italo-Amerikanerin Sandy Cane zur BĂŒrgermeisterin der Ortschaft ViggiĂč in der Provinz Varese. Sie wurde als erste Schwarze zur BĂŒrgermeisterin einer italienischen Gemeinde gewĂ€hlt und ist militantes Mitglied der Lega Nord.[9]

Internationale Beobachter werfen der Partei hingegen „Rassismus“ und „Hetze“ gegen Einwanderer und den Islam vor.[10]

Europapolitik

Obwohl die Lega Nord noch in ihrem Wahlprogramm zu den italienischen Parlamentswahlen 1994 die EU und den Vertrag von Maastricht grundsĂ€tzlich positiv bewertet hat, profiliert sie sich inzwischen als eine scharfe Kritikerin der EuropĂ€ischen Union. So war sie die einzige Partei des Mitte-rechts-BĂŒndnisses Casa delle LibertĂ , die zusammen mit der Partei der Kommunistischen WiedergrĂŒndung im italienischen Parlament gegen den europĂ€ischen Verfassungsvertrag gestimmt hat.

Dabei sieht sich die Lega in ihrem SelbstverstĂ€ndnis nicht als europafeindlich. Der bekannte Wahlspruch der Lega PiĂč lontani da Roma, piĂč vicini all’Europa („Je weiter weg von Rom, desto nĂ€her an Europa“) soll ihre positive Haltung gegenĂŒber Europa und die ablehnende Haltung gegenĂŒber dem italienischen Zentralismus verdeutlichen. Dabei werden jedoch nur die Regionen Norditaliens als „europafĂ€hig“ bezeichnet, der SĂŒden wird vielmehr als Hindernis auf dem Weg zu Europa gesehen.

Die Kritik der Partei konzentriert sich hauptsĂ€chlich auf die Übertragung von Kompetenzen der Nationalstaaten auf die EuropĂ€ische Union bzw. ihrer Institutionen, was als Bedrohung der norditalienischen Autonomiebestrebungen angesehen wird. Sie kritisiert das heutige politische System der EU als „Errichtung eines europĂ€ischen Superstaats“ und setzt diesem die Idee eines „Europas der Regionen“ entgegen, wie es auch von der EuropĂ€ischen Freien Allianz (EFA) propagiert wird. WĂ€hrend die EFA aber vor allem linksregionalistische Parteien umfasst und im EuropĂ€ischen Parlament eine gemeinsame Fraktion mit den GrĂŒnen bildet, ist die Lega GrĂŒndungsmitglied der Fraktion Europa der Freiheit und der Demokratie. Diese umfasst vor allem rechtskonservative und europaskeptische Parteien, neben der Lega etwa die United Kingdom Independence Party.

Zudem lehnt die Lega Nord einen EU-Beitritt der TĂŒrkei ab.

Außenpolitik

Umberto Bossi

Außenpolitisch vertritt die Lega Nord eine pro-amerikanische Position.

Dabei hatte die Lega in ihren Anfangsjahren nie eine unbedingt amerikafreundliche Haltung, obwohl sie das föderalistische System der USA als vorbildlich ansieht. So verurteilte sie 1991 den ersten Golfkrieg und 1999 die NATO-Intervention im Kosovo-Krieg, was in einem persönlichen Treffen von Umberto Bossi und Slobodan MiloĆĄević wĂ€hrend des Kosovo-Krieges gipfelte.[11][12] Jedoch entwickelte sich die Lega Nord nach den TerroranschlĂ€gen des 11. Septembers und dem Auftauchen des islamistischen Terrorismus zu einem starken BefĂŒrworter des von den USA propagierten „Krieges gegen den Terror“.

In der TerrorismusbekĂ€mpfung erregte dabei die Weigerung des frĂŒheren italienischen Justizministers Roberto Castelli, die Auslieferung von 22 in die EntfĂŒhrung des in Mailand verschleppten TerrorverdĂ€chtigen Hassan Mustafa Osama Nasr involvierter CIA-Agenten von den USA zu beantragen, mediale Aufmerksamkeit.

Verteidigungspolitik

Verteidigungspolitisch fordert die Lega, dass Rekruten ihren (freiwilligen) Wehrdienst in ihrer Heimatregion ableisten können, sowie die Umwandlung der italienischen StreitkrĂ€fte in „Regionale Garden“, die im Verteidigungsfall ihre Landeskenntnis zur FĂŒhrung eines Guerillakrieges einsetzen sollen.

In dem Programmpapier des Lega-Kongresses von 1994 in Bologna wird die NATO-Mitgliedschaft Italiens bis zur Schaffung eines „europĂ€ischen VerteidigungsbĂŒndnis“ als notwendig erachtet. Zudem werden militĂ€rische Interventionen nur unter einem humanitĂ€ren Charakter gutgeheißen.

Agrarpolitik

Agrarpolitisch vertritt die Lega viele italienische Bauern, die mit der europĂ€ischen Subventions- und Förderungspolitik im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik unzufrieden sind. In dem Grundsatzprogramm der „Lega Autonomista Lombarda“ (seit 1986 Lega Lombarda) von 1983 wird die Landwirtschaft als „wertvolle Sammlung kultureller, humaner und landschaftlicher Werte“ bezeichnet

Zudem setzt sich die Lega fĂŒr den Schutz traditioneller Lebensmittel ein und lehnt den Anbau gentechnisch verĂ€nderter Pflanzen ab.

Umweltpolitik

Umweltpolitisch fĂ€hrt die Lega Nord einen ökologischeren Kurs als alle anderen Parteien des Casa delle LibertĂ , was bei Regierungsbeteiligungen der Lega in kommunalen und regionalen Regierungen deutlich wird, in denen sie sich oftmals fĂŒr die Errichtung von öffentlichen GrĂŒnanlagen, die Deklaration von Naturschutzgebieten, Recycling und MĂŒlltrennung, sowie fĂŒr die strikte Einhaltung von Bauvorschriften in lĂ€ndlichen Gebieten einsetzt. Dabei ist anzumerken, dass die ersten Europaparlamentarier der Lega wĂ€hrend der vierten Legislaturperiode des Europaparlament der sogenannten Regenbogengruppe angehörten, die vor allem von den europĂ€ischen GrĂŒnen gebildet wurde.

Geschichte

VorlĂ€ufer und GrĂŒndung

Ein elementarer VorlĂ€ufer der Lega Nord war die Anfang der 1980er Jahre gegrĂŒndete lombardischen Autonomiebewegung Lega Lombarda, die1987 erstmals mediale Aufmerksamkeit erlangte, als ihr damaliger Vorsitzender Umberto Bossi in den italienischen Senat gewĂ€hlt wurde. Aufgrund seiner Wahl in den Senat trĂ€gt Bossi seinen bis heute gĂŒltigen Beinamen Senatur, der das italienische Wort Senatore im lombardischen Dialekt darstellt.

1983 wurde fĂŒr die Liga Veneta, einer in Venetien ansĂ€ssigen Autonomiebewegung, Achille Tramarin in das italienische Abgeordnetenhaus und Graziano Girardi in den italienischen Senat gewĂ€hlt.

Im Jahre 1991 verband sich die Lega Lombarda mit anderen Autonomiebewegungen, u. a. Liga Veneta, Piemont Autonomista, Uniun Ligure, Lega Emiliano-Romagnola, Alleanza Toscana zur Partei Lega Nord, deren Vorsitzender Bossi seitdem ist. Die jeweiligen Parteien bestanden als „nationale Sektionen“ innerhalb der Lega Nord fort, was sich in den Listennamen der kommenden Regionalwahlen widerspiegelte, in denen die Partei als Lega Lombarda-Lega Nord, Liga Veneta-Lega Nord etc. antrat. Im selben Jahr wurde Bossi Abgeordneter des EuropĂ€ischen Parlaments.

Anfang der 1990er Jahre wurde die Lega Nord wÀhrend des Untergangs des politischen Systems der ersten Italienischen Republik infolge der Mani pulite-Ermittlungen in Norditalien zur Massenpartei.

Etablierung als feste politische Kraft

Bei den italienischen Parlamentswahlen 1992 trat die Lega Nord in Norditalien als unabhĂ€ngige Kraft an und gewann landesweit 8,7 % der Stimmen.

Nach den vorgezogenen Neuwahlen von 1994 kandidierte die Lega Nord als Reaktion auf eine Wahlrechtsreform, die ein Antreten in ParteibĂŒndnissen erzwang – 75 % der Parlamentssitze wurden durch das Mehrheitswahlrecht ermittelt –, zusammen mit der neugegrĂŒndeten liberal-konservativen Forza Italia des Unternehmers Silvio Berlusconi, sowie der postfaschistischen Alleanza Nazionale unter Gianfranco Fini im DreiparteienbĂŒndnis Polo delle LibertĂ .

Nach dem Wahlsieg des Polo delle LibertĂ  trat die Lega Nord im Rahmen der Koalition Polo del Buon Governo in die erste Regierung von Silvio Berlusconi ein, in der die Lega fĂŒnf Ressorts kontrollierte:

Das Innenministerium mit Roberto Maroni, das Wirtschafts- und Budgetministerium (nicht das Finanzministerium) mit Giancarlo Pagliarini, das Ministerium fĂŒr Industrie, Handel und Handwerk mit Vito Gnutti, das Ministerium fĂŒr die Koordination der Europapolitik mit Domenico Comino und das Ministerium fĂŒr institutionelle Reformen unter Francesco Speroni.

Ende des Jahres entzog Bossi jedoch Berlusconi – Bossi bezeichnete ihn als Berluscaz, eine Zusammensetzung mit cazzo („Schwanz“), bzw. als „Berluskaiser“ – das Vertrauen und es kam zum Sturz der Regierung. Ein wichtiger Grund fĂŒr diesen Schritt war die Tatsache, dass die Lega ihren StammwĂ€hlern nicht vermitteln konnte trotz ihres Eintretens fĂŒr die Sezession und ihre damit verbundene Kritik am italienischen Zentralstaat in Rom an der Regierung beteiligt zu sein.

In der Zeit zwischen dem Fall der Regierung Berlusconi und den Neuwahlen 1996 unterstĂŒtzte die Lega Nord die technische Regierung von Lamberto Dini, die maßgeblich von Mitte-links-Parteien unterstĂŒtzt wurde.

Nachdem die Lega sich vom Berlusconi – BĂŒndnis gelöst hatte, versuchte die italienische Linke die Partei lĂ€ngerfristig an sich zu binden. Beim Parteitag der Lega im Februar 1995 sagte der damalige ParteisekretĂ€r der PDS (spĂ€ter Linksdemokraten) Massimo D’Alema: „Die Lega Nord ist eine demokratische Volksbewegung, die grĂ¶ĂŸte Arbeiterpartei des Nordens, eine Rippe der Linken (costola della Sinistra).“

Bei den Wahlen 1996 stellte sich die Lega aber ins politische Zentrum, in der Hoffnung das ZĂŒnglein an der Waage zu werden. Die Linke bekam circa 42 % der Stimmen und die Rechte nahezu den gleichen Prozentsatz, die Lega Nord 10,1 %, das beste Wahlergebnis ihrer Geschichte. Jedoch fiel durch das stark vom Mehrheitswahlrecht geprĂ€gte Wahlsystem die Mehrheit der Parlamentssitze an die Linke.

Die unabhĂ€ngigen Jahre 1996–2001

In den Jahren nach dem Wahlsieg von Mitte-Links (1996–2000) verstĂ€rkte Bossi in der Opposition seine separatistischen Bestrebungen, die auf die GrĂŒndung eines unabhĂ€ngigen oberitalienischen Staates mit dem Namen Padanien und der Hauptstadt Mantua abzielten. Dazu zĂ€hlte die Einsetzung eines Parlaments von Padanien und die Ausarbeitung einer padanischen Ideologie, die sich am antiken Keltentum inspiriert. Veranstaltet wurden auch patriotische kultische FestivitĂ€ten um den Fluss Po, mit dessen Wasser Bossi jedes Jahr an der Quelle eine Phiole fĂŒllt und danach in Venedig ins Meer schĂŒttet, als Symbol der „Reinheit“ des Nordens. Weitere Schwerpunkte des Parteiprogramms waren auch die Ablehnung von Einwanderern und Kritik an der EuropĂ€ischen Union.

RĂŒckkehr nach Mitte-Rechts und zweite Regierungsbeteiligung

Im Jahre 2000 erfolgte die RĂŒckkehr der Lega Nord in Berlusconis neu gegrĂŒndetes Mitte-rechts-BĂŒndnis mit dem neuen Namen Casa delle LibertĂ . Nach dem Wahlsieg des Casa delle LibertĂ  in den italienischen Parlamentswahlen 2001, bei denen die Partei erdrutschartige Verluste verzeichnen musste und nur noch auf 3,9 % der Stimmen kam, trat Bossi als Minister fĂŒr institutionelle Reformen und Devolution ins Kabinett ein. Weitere Minister der Lega Nord in der zweiten Regierung Berlusconi waren Roberto Castelli, der das Justizministerium fĂŒhrte und Roberto Maroni, der das Arbeits- und Sozialministerium ĂŒbernahm.

Die Lega Nord war in der zweiten Regierung Berlusconi 2001–2006 ein wesentlicher StabilitĂ€tsfaktor und einer von Berlusconis loyalsten Koalitionspartnern. Innerhalb dieser Wahlperiode hielt die Lega 30 der 630 Sitze des italienischen Abgeordnetenhauses inne und stellte 17 von 325 Senatoren im italienischen Senat.

In den folgenden Jahren und auch aufgrund ihrer Regierungsbeteiligung konzentrierte sich die Lega Nord verstĂ€rkt auf die Verlagerung von Kompetenzen des italienischen Zentralstaates auf die Regionen (Devolution) und auf grĂ¶ĂŸere fiskalische Autonomie statt auf die UnabhĂ€ngigkeit eines norditalienischen Staates „Padanien“.

Das nunmehrige Hauptziel der Lega, den gesamten italienischen Staat als Ganzen zu föderalisieren macht dabei einen großen Unterschied zu anderen europĂ€ischen Autonomiebewegungen aus, die ausschließlich fĂŒr jene Regionen, in denen sie aktiv sind, Autonomierechte beanspruchen.

Am 11. MĂ€rz 2004 erlitt Bossi einen Herzinfarkt und einen Hirnschlag. Nach langer Genesung verließ er am 19. Juli 2004 angeblich allein aus GesundheitsgrĂŒnden die bereits krisengeschĂŒttelte Regierung von Silvio Berlusconi, um als Abgeordneter ins Europaparlament zu gehen. Sein Ministerium wurde von Roberto Calderoli ĂŒbernommen.

Parlamentswahl 2006 und Verfassungsreferendum

Im November 2005 wurde eine vom Casa delle LibertĂ  initiierte Verfassungsreform unter heftigen Protesten der linken Opposition vom italienischen Senat angenommen, nachdem sie bereits einen Monat zuvor das italienische Abgeordnetenhaus passiert hatte. Sie sah im Kern eine StĂ€rkung des MinisterprĂ€sidenten, der das Recht bekommen sollte Minister aus seinem Kabinett zu entlassen, gegenĂŒber dem StaatsprĂ€sidenten, stĂ€rkere politische und fiskalische Autonomie fĂŒr die italienischen Regionen sowie den Umbau des italienischen Senats in eine LĂ€nderkammer vor.

Besonders die StĂ€rkung der Regionen gegenĂŒber dem italienischen Zentralstaat, der nach der Reform Befugnisse in der Bildungspolitik, im Gesundheitswesen und in der Polizeiverwaltung an die Regionen abgeben sollte, war ein wichtiges Anliegen der Lega Nord.

Da die Verfassungsreform vom Casa delle LibertĂ  nicht in jeweils beiden Parlamentskammern mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit verabschiedet wurde, verblieb bei der linken Opposition die Möglichkeit die Reform via Referendum zu stoppen, wovon sie auch Gebrauch machte. Das Referendum wurde fĂŒr den 26. Juni 2006 angesetzt.

Im Februar 2006 erklĂ€rte die Lega Nord, in SondierungsgesprĂ€chen ein Abkommen mit der neugegrĂŒndeten sizilianischen Autonomiebewegung Movimento per le Autonomie des Europaparlamentariers und PrĂ€sidenten der Provinz Catania Raffaele Lombardo ĂŒber einen gemeinsamen Wahlantritt fĂŒr die italienische Parlamentswahl 2006 erreicht zu haben.

Bei der Parlamentswahl 2006 erreichte die Listenverbindung Lega Nord-MPA schließlich einen Anteil von 4,6 % der Stimmen, was einen Gewinn von 0,7 % im Gegensatz zur Parlamentswahl 2001 darstellte. Jedoch konnte die Lega Nord durch die Wahlniederlage des Casa delle LibertĂ  in beiden Parlamentskammern jeweils vier Abgeordnete bzw. Senatoren weniger entsenden, da das kurz vor der Parlamentswahl durch die Regierung Berlusconi neu eingefĂŒhrte Wahlrecht Mehrheitsboni (fĂŒr den italienischen Senat nur auf regionaler Ebene) fĂŒr den Wahlsieger vorsah und somit die Anzahl der Sitze der Parteien des unterlegenen ParteienbĂŒndnisses in keinem VerhĂ€ltnis mehr zum erreichten prozentualen Ergebnis stand.

Nach der Wahlniederlage konzentrierte sich die Lega auf das Referendum zur Verfassungsreform am 26. Juni und propagierte ein „Ja“ der Bevölkerung.

Dabei erregte die Aussage Umberto Bossis wĂ€hrend eines Interviews Aufsehen, in dem er sagte, dass wenn die Verfassungsreform im Referendum abgelehnt wĂŒrde, es Leute geben wĂŒrde, die mit „undemokratischen Methoden“ Autonomie fĂŒr Norditalien zu erreichten suchten. Obwohl Bossi nie sagte, dass seine eigene Partei „undemokratische Methoden“ verfolgen wĂŒrde, verursachte seine Äußerung eine weitreichende Kontroverse in Italien und zog scharfe Kritik des linken ParteienbĂŒndnisses L’Unione und selbst von Teilen des Casa delle LibertĂ  auf sich.

Nachdem die Verfassungsreform im Referendum mit 61,7 % zu 38,3 % abgelehnt worden war, hielt Bossi mehrere Monate nach der Niederlage der norditalienischen Autonomiebestrebungen eine Rede vor der UnabhĂ€ngigkeitsfraktion der Lega Nord, die von Mario Borghezio reprĂ€sentiert wird, in der er erklĂ€rte, dass die Lega ihre Ziele durch legale institutionelle Reformen erreichen werde. Zwei Tage spĂ€ter erklĂ€rte Roberto Castelli, ehemaliger Justizminister und jetziger Fraktionsvorsitzender der Lega Nord im italienischen Senat, die „Sezession fĂŒr tot“, womit er sich auf erfolgsversprechende Sezessionsbestrebungen „in der Gegenwart“ bezog. Ein unabhĂ€ngiger Staat Padanien bleibt nach wie vor ein langfristiges Ziel der Lega Nord.

Parlamentswahl 2008

2008 Wahlplakat der Lega Nord Toskana

Nachdem das ehemalige Mitte-rechts-BĂŒndnis Casa delle LibertĂ  Mitte November 2007 definitiv auseinanderbrach, entschied die Lega Nord, dem von Silvio Berlusconi neu gegrĂŒndeten Popolo della LibertĂ  nicht beizutreten. Stattdessen hielt sie an ihrer IdentitĂ€t und ihrer EigenstĂ€ndigkeit als Partei fest. Bei den Parlamentswahlen 2008 trat sie mit einer eigenen Liste an und ging mit dem Popolo della LibertĂ  eine Listenverbindung ein. Sie erhielt bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus einen Stimmenanteil von 8,3 % und bei der Wahl zum Senat 8,1 %, was einer ĂŒberaus deutlichen Steigerung gegenĂŒber dem Wahlergebnis bei der Parlamentswahl 2006 entspricht. Damit erreichte die Lega Nord beinahe ihre Spitzenwerte von 1992, 1994 und 1996. In Venetien erhielt sie den höchsten Stimmenanteil mit 26,05 % und lag nur knapp hinter Popolo della LibertĂ  und Partito Democratico, in der Lombardei kam sie auf 20,72 % (Daten beziehen sich auf den Senat).[13] Zudem konnte sie auch in den mittelitalienischen Regionen Toskana, Umbrien und Marken deutlich an Stimmen zulegen. Mit 60 Abgeordneten und 25 Senatoren bildet die Lega Nord in der 16. Legislaturperiode die drittgrĂ¶ĂŸte Parlamentsfraktion.

Im Kabinett Berlusconi IV war sie mit 4 Ministern (Innen-, Agrar-, Reform- und Gesetzesvereinfachungsministerium) und 5 StaatssekretĂ€ren vertreten. Umberto Bossi war Reformminister, sein „rechter Arm“ Roberto Maroni bekleidete das Amt des Innenministers, Luca Zaia das des Agrarministers, ehe er zum PrĂ€sidenten der Region Venetien gewĂ€hlt wurde, wĂ€hrend Roberto Calderoli das Amt des Ministers fĂŒr Gesetzesvereinfachung innehatte.

Regierungskrise 2011

Nach dem RĂŒcktritt Berlusconis am 12. November 2011 wurde eine Technikerregierung unter der FĂŒhrung des ehemaligen EU-Kommissars Mario Monti gebildet. Das Kabinett Monti wird von der Lega Nord nicht unterstĂŒtzt, womit die Lega zusammen mit der Italia dei Valori zur Zeit die einzige Oppositionspartei im italienischen Parlament ist. Innerhalb der Partei tobt zur Zeit ein starker Machtkampf zwischen den BefĂŒrwortern der UnabhĂ€ngigkeit um Umberto Bossi und dem moderaten FlĂŒgel um Roberto Maroni, der innerhalb Italiens institutionelle Reformen erreichen will.[14]

Europawahlen

1989 trat die Lega Nord, damals noch Lega Lombarda – Alleanza per il Nord, zum ersten Mal zu den Europawahlen an. Sie konnte zwar nur 1,8 % der Stimmen auf sich vereinen, das ermöglicht ihr trotzdem zwei Sitze in Straßburg zu erlangen. Umberto Bossi wurde so ins Europaparlament gewĂ€hlt, und behielt seinen Sitz dort bis hin zum April 2008, als er die Wahl zum Abgeordneten im italienischen Parlament annahm.

Allgemein ist festzustellen, dass die Lega Nord bei sĂ€mtlichen Europawahlen deutlich unter den Wahlergebnissen zum italienischen Parlament lag. Dieser Trend wurde jedoch 2009 eingestellt, als die Lega Nord deutlich zulegte (auf 10,2 %).

In der Legislaturperiode 1989–1994 gehörte die Lega der Regenbogenfraktion im Europaparlament an (nach der Abspaltung der GrĂŒnen war diese nur mehr das Sammelbecken fĂŒr regionalistische Parteien). Nach den Wahlen von 1994 trat die Lega Nord der ELDR bei. Dort verweilte sie bis 1997. Von 1999 bis 2001 war sie Teil der Technischen Fraktion der UnabhĂ€ngigen Abgeordneten. Danach blieben die Abgeordneten der Partei fraktionslos. In der derzeitigen Legislaturperiode (2004–2009) musste die Lega ihre Fraktionszugehörigkeit wechseln. 2004 trat sie der europakritischen Gruppierung UnabhĂ€ngigkeit und Demokratie bei, aus der sie jedoch nach der Kontroverse um die vom italienischen Minister und Lega-Politiker Roberto Calderoli ausgegebenen T-Shirts mit den aufgedruckten Mohammed-Karikaturen ausgeschlossen wurde. Seitdem ist die Lega Nord Mitglied der nationalkonservativen und europaskeptischen Union fĂŒr ein Europa der Nationen.

Bei den Europawahlen 2009 konnte die Partei mit 10,2 % der Stimmen ihr bestes Ergebnis bei europĂ€ischen Wahlen erreichen und 9 Abgeordnete nach Straßburg entsenden, welche diesmal der Fraktion Europa der Freiheit und der Demokratie angehören.

Wahlergebnisse


 auf nationaler Ebene seit 1989

Stimmen % Sitze
Europawahlen 1989 636.242 1,8 2
Parlamentswahlen 1992 Abgeordnetenkammer 3.395.384 8,7 55
Senat 2.732.461 8,2 25
Parlamentswahlen 1994 Abgeordnetenkammer 3.235.248 8,4 117
Senat zusammen mit Polo della libertà — 60
Europawahlen 1994 2.162.586 6,6 6
Parlamentswahlen 1996 Abgeordnetenkammer 3.776.354 10,1 59
Senat 3.394.733 10,4 27
Europawahlen 1999 1.391.595 4,5 4
Parlamentswahlen 2001 Abgeordnetenkammer 1.464.301 3,9 30
Senat zusammen mit Casa delle libertà — 17
Europawahlen 2004 1.615.834 5,0 4
Parlamentswahlen 2006 Abgeordnetenkammer 1.747.730 4,6 26
Senat 1.530.667 4,5 14
Parlamentswahlen 2008 Abgeordnetenkammer 3.026.844 8,3 60
Senat 2.644.248 8,1 26
Europawahlen 2009 3.126.915 10,2 9


 auf regionaler Ebene seit 1990

In folgender Tabelle sind die Ergebnisse der Regionalwahlen (Reg.) bzw. der italienischen (Ita.: Daten beziehen sich auf Abgeordnetenkammer) und europĂ€ischen (Eur.) Parlamentswahlen Region fĂŒr Region (Nord- und Mittelitalien, außer Aostatal und Latium) abgebildet.

1990 Reg. 1992 Ita. 1994 Ita. 1995 Reg. 1996 Ita. 1999 Eur. 2000 Reg. 2001 Ita. 2004 Eur. 2005 Reg. 2006 Ita. 2008 Ita. 2009 Eur. 2010 Reg.
Ligurien 6,1 14,3 11,4 6,6 10,2 3,7 4,3 3,9 4,1 4,7 3,7 6,8 9,9 10,2
Piemont 5,1 16,3 15,7 9,9 18,2 7,8 7,6 5,9 8,2 8,5 6,3 12,6 15,7 16,7
Lombardei 18,9 23,0 22,1 17,7 25,5 13,1 15,5 12,1 13,8 15,8 11,7 21,6 22,7 26,2
Venetien 7,2 17,3 21,6 16,7 29,3 10,7 12,0 10,2 14,1 14,7 11,1 27,1 28,4 35,2
Trentino-SĂŒdtirol — 8,9 7,6 9,6 (1993)<small/> 13,2 2,4 4,7 (1998)<small/> 3,7 3,5 3,2 (2003)<small/> 4,5 9,4 9,9 10,5 (2008)<small/>
Friaul-Julisch Venetien — 15,3 16,9 26,7 (1993)<small/> 23,2 10,1 17,3 (1998) 8,2 8,5 9,3 (2003)<small/> 7,2 13,0 17,5 12,9 (2008)<small/>
Emilia Romagna 2,9 9,6 6,4 3,4 7,2 3,0 2,6 3,3 3,4 4,8 3,9 7,8 11,1 13,6
Toskana 0,8 3,1 2,2 0,7 1,8 0,6 0,6 0,6 0,8 1,3 1,1 2,0 4,3 6,4
Marken 0,2 1,3 — 0,5 1,5 0,4 - 0,3 0,9 0,9 1,0 2,2 5,5 6,3
Umbrien 0,2 1,1 — — 1,1 0,3 0,3 - 0,6 — 0,8 1,7 3,6 4,3
Italien — 8,7 8,4 — 10,1 4,5 — 3,9 5,0 — 4,1 8,3 10,2 12,2


 auf lokaler Ebene

Auf lokaler Ebene ist die Lega Nord besonders stark vertreten, vor allem in den Regionen Friaul, Venetien, Lombardei und Piemont.

Gemeinden

Die grĂ¶ĂŸte Stadt, in der die Lega Nord den BĂŒrgermeister stellt, ist Verona: der 38-jĂ€hrige Flavio Tosi wurde am 27. und 28. Mai 2007 mit 60,69 % der Stimmen zum neuen Stadtoberhaupt gewĂ€hlt.[15] Unmittelbar nach dem Politskandal Mani Pulite konnte sie sogar ihren Kandidaten Marco Formentini als BĂŒrgermeister von Mailand durchsetzen (1993–1997).

Provinzhauptort Region Einwohner BĂŒrgermeister
Verona Venetien 265.407 Flavio Tosi
Monza Lombardei 121.445 Marco Mariani
Treviso Venetien 81.665 Gianpaolo Gobbo
Varese Lombardei 81.190 Attilio Fontana

Provinzen

Die Partei stellt auch den PrÀsidenten von zahlreichen Provinzen Norditaliens.[16]

Provinz Region Einwohner PrÀsident
Provinz Brescia Lombardei 1.228.784 Daniele Molgora
Provinz Bergamo Lombardei 1.074.291 Ettore Pietro Pirovano
Provinz Treviso Venetien 874.748 Leonardo Muraro
Provinz Varese Lombardei 863.099 Dario Galli
Provinz Vicenza Venetien 857.476 Attilio Schneck
Provinz Venedig Venetien 853.132 Francesca Zaccariotto
Provinz Como Lombardei 583.815 Leonardo Carioni
Provinz Cuneo Piemont 582.968 Gianna Gancia
Provinz Udine Friaul-Julisch Venetien 539.723 Pietro Fontanini
Provinz Lodi Lombardei 223.287 Pietro Foroni
Provinz Belluno Venetien 213.851 Gianpaolo Bottacin
Provinz Biella Piemont 187.380 Roberto Simonetti
Provinz Sondrio Lombardei 180.429 Massimo Sertori

Regionen

Mitte der 90er Jahre konnte die Lega Nord nur kurzzeitig den Gouverneur der Lombardei (Paolo Arrigoni, 1994–1995) und von Friaul-Julisch Venetien (Pietro Fontanini, 1993–1994, Alessandra Guerra 1994–1995, Sergio Cecotti 1995–1996) stellen. Ansonsten war sie maßgeblich an den Regionalregierungen Norditaliens beteiligt, konnte aber nie das höchste Amt einer Region besetzen.

Bei den Regionalwahlen vom 28. und 29. MĂ€rz 2010 gelang es der Lega Nord in gleich zwei Regionen, ihre Spitzenkandidaten durchzusetzen. In Venetien wurde der bisherige Landwirtschaftsminister Luca Zaia mit ĂŒber 60 % der Stimmen zum RegionalprĂ€sidenten gewĂ€hlt, im Piemont setzte sich Roberto Cota gegen die amtierende RegionalprĂ€sidentin Mercedes Bresso vom Partito Democratico nur knapp durch.

Region PrÀsident im Amt seit
Venetien Luca Zaia 2010
Piemont Roberto Cota 2010

Die padanischen Parlamentswahlen 1997

Im Jahre 1997 organisierte die Lega Nord die „ersten Wahlen fĂŒr ein padanisches Parlament“, an denen sich nach Parteiangaben 4,8 Millionen Norditaliener beteiligten. Die WĂ€hler konnten sich zwischen einer Vielzahl von padanischen Parteien entscheiden.[17]:

Organisation

VerbÀnde

Die Lega Nord ist hauptsĂ€chlich in Norditalien aktiv, mittlerweile ist sie auch verstĂ€rkt in Mittelitalien, außer im Latium, vertreten und hat auch erste VerbĂ€nde außerhalb der „Grenzen“ Padaniens gegrĂŒndet, namentlich in den Abruzzen und auf Sardinien.

Die LandesverbĂ€nde der Lega Nord tragen die Bezeichnung Segreterie Nazionali. Diese sind mit den jeweiligen Regionen (von der Lega „Nationen“ genannt) deckungsgleich, mit Ausnahme von Trentino und SĂŒdtirol sowie von Emilia und Romagna.[18]

Landesverband
Norditalien Aostatal
Emilia
Friaul-Julisch Venetien
Ligurien
Lombardei
Piemont
Romagna
SĂŒdtirol
Trentino
Venetien
Mittelitalien Marken
Toskana
Umbrien
SĂŒditalien Abruzzen
Sardinien

FlĂŒgel

Da die Lega Nord die politische Heimat aller nach Autonomie strebenden Norditaliener sein möchte, gibt es folglich eine Vielzahl an unterschiedlichen politischen Strömungen innerhalb der Partei. Obwohl offiziell keine organisierten Fraktionen innerhalb der Lega existieren, ist es möglich verschiedene Strömungen und FlĂŒgel in ihr auszumachen:

Da die Föderalisierung Italiens bzw. die UnabhĂ€ngigkeit Padaniens das langfristige Ziel der Lega Nord bleibt, das von allen ihrer Mitglieder unterstĂŒtzt wird, erklĂ€rt dies ihre trotz ihrer ideologischen Vielfalt ĂŒber die Jahre hinweg erhaltene Geschlossenheit.

Umstrittene Äußerungen

Fremdenfeindliche Äußerungen

Die Lega Nord bezieht sich in ihrer programmatischen Selbstdarstellung, Ă€hnlich wie andere Rechtsparteien Europas (wie Vlaams Belang, Freiheitliche Partei Österreichs) auch, auf den Ethnopluralismus. Charakteristisch fĂŒr diese Auffassung ist die Aussage Umberto Bossis im Juni 2000, dass nach seiner Meinung nichts „die Völker und ihre Verschiedenheiten auslöschen“ könne, „noch ihre Kulturen und charakteristischen Eigenschaften, die die Frucht sind ihrer Interaktion mit ihrem Territorium und den Nahrungsmitteln, das ihr Territorium produziert und die sie konsumieren“. Alain de Benoist, der Vordenker der „Nouvelle Droite“, hat fĂŒr die Parteizeitung La Padania verschiedene Leitartikel verfasst.

Die Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung kommentiert die Bezugnahme der Lega auf ethnopluralistische Konzepte folgendermaßen: „Der Begriff ‚Volksgruppenrechte‘ bezeichnet bei der Lega Nord vor allem die Rechte der Bewohner einer relativ reichen Region, unter Abgrenzung sowohl von Ă€rmeren Regionen als auch von ‚AuslĂ€ndern‘.“[19]

Es gibt zahlreiche offen rassistische Aussagen der Partei und fĂŒhrender Mitglieder; dabei ist es auch zu Straftaten gekommen.[20]

  • Im Januar 2001 fordert der damalige BĂŒrgermeister von Treviso, Giancarlo Gentilini, „Metallwaggons“ fĂŒr „gefasste illegale Einwanderer“, egal ob sie „muskulöse Neger“ oder „BlumenverkĂ€ufer mit seltsam olivenfarbigen Teint“ seien.[21] Außerdem forderte er wörtlich „diese Nichtsnutze von Immigranten als Hasen zu verkleiden und pim pim pim mit den Gewehren zu machen“.
  • Der Trentiner Erminio Boso forderte fĂŒr den Zugverkehr die EinfĂŒhrung von getrennten Wagen fĂŒr Italiener und Immigranten, weil diese „ohne RĂŒcksicht auf die anderen Passagiere in den Waggons kampieren und dort schlafen, und somit den anderen Reisenden den Platz wegnehmen“[22]
  • In einem Interview mit dem Corriere della Sera sagte Bossi: „Die Marine und die Guardia di Finanza (Zoll) sollten lieber auf die Immigrantenboote schießen, die illegal nach Italien kommen wollen.“[23]
  • Umberto Bossi vertrat in einem Radiointerview die Ansicht,[24] dass bei der Vergabe von Sozialwohnungen in Mailand die „Lombarden“ (Einheimischen) gegenĂŒber den „Bingo Bongos“ (den Einwanderern) unbedingt zu bevorzugen seien.
  • Im Februar 2006 ließ der Lega Nord-Politiker Roberto Calderoli T-Shirts mit den umstrittenen Mohammed-Karikaturen produzieren. Nachdem er in einem Liveinterview vom 17. Februar 2006 stolz eines der T-Shirts prĂ€sentiert hatte, kam es in Libyen zu gewaltsamen Protestdemonstrationen vor dem italienischen Konsulat, wobei bei Auseinandersetzungen mit der Polizei elf Menschen starben. Seine Kabinettskollegen, allen voran MinisterprĂ€sident Silvio Berlusconi, drĂ€ngten ihn zum RĂŒcktritt, den er am 18. Februar 2006 einreichte. Im Anschluss an den Skandal wurden die vier Europaparlamentarier der Lega Nord aus der europakritischen Fraktion UnabhĂ€ngigkeit und Demokratie ausgeschlossen.
  • Am 10. Juli 2006 beschimpfte Roberto Calderoli nach dem Fußball-WM-Finale die französische Elf als „Mannschaft ohne IdentitĂ€t“. Italien habe gegen ein Team gewonnen, „das um der Ergebnisse willen die eigene IdentitĂ€t verloren hat, indem es Neger, Moslems und Kommunisten aufgestellt hat“, erklĂ€rte der Politiker, der schon frĂŒher mit seinen Provokationen in die Schlagzeilen geraten war. Italien sei in Berlin hingegen mit einer Mannschaft angetreten, „die sich aus Lombarden, Kampaniern, Venetiern und Kalabresen zusammensetzt – ein Sieg fĂŒr unsere IdentitĂ€t“, sagte Calderoli.
  • Im Dezember 2007 erregte die Aussage des Lega-Nord-Politikers Giorgio Bettio, Stadtrat in Treviso, internationales Aufsehen. Er verlangte, dass man gegen AuslĂ€nderkriminalitĂ€t mit den Methoden der SS vorgehen sollte, und zwar „fĂŒr jeden Einheimischen, dem AuslĂ€nder Schaden zufĂŒgen, sollten zehn Einwanderer bestraft werden“. Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen Bettio wegen Volksverhetzung und Apologie des Nazismus.[25]

Der französische Publizist Jean-Yves Camus hingegen sieht in der Lega eine Variante eines „alpinen Populismus“, der als dritte Welle des Rechtsextremismus – mit Ausnahme seiner österreichischen AusprĂ€gung (FPÖ) – nicht mit dem historischen Faschismus und Nazismus verbunden sei. [26] Die Partei hat sich stets ganz klar vom Faschismus distanziert.[27] ParteigĂ€nger, die den Faschismus verherrlichen oder mit rechtsextremen Gesten (Römischer Gruß) aufgefallen sind, wurden bereits mehrfach ausgeschlossen. Der bereits genannte Giorgio Bettio ist nicht mehr Mitglied der Partei. Nachdem sich in San Giovanni Bianco in der Provinz Bergamo ein Gemeinderatsmitglied mit Römischem Gruß ablichten ließ, trat der BĂŒrgermeister der Lega Nord zurĂŒck und es mussten Neuwahlen ausgeschrieben werden.[28] Zudem haben Mitglieder der Lega Nord bereits mehrmals ihre Verbundenheit zur antifaschistischen Resistenza betont.[29] Der BĂŒrgermeister von Vittorio Veneto Ă€ußerte sich, „sein Vater sei ein Partisane gewesen und er sei stolz darauf“.[30]

Sonstige Äußerungen

  • Als bei einer Kundgebung in Venedig im Jahr 1997 eine junge Frau mit der italienischen Fahne winkte, reagierte Umberto Bossi mit folgenden Worten: „Il tricolore, signora, lo metta al cesso“ (sinngemĂ€ĂŸ: Das Trikolore, gnĂ€dige Frau, können Sie ins Klo werfen). Bossi sagte auch, er habe eine Klopapierladung mit den Farben der italienischen Flagge bestellt.[31]
  • Im Juni 2005 wurde auf einer Veranstaltung der Lega Nord dazu aufgefordert, Alfonso Pecoraro Scanio, den SekretĂ€r der italienischen GrĂŒnen und bekennenden Bisexuellen, zu vergewaltigen.
  • Minister Roberto Calderoli entfachte mit folgender Aussage ĂŒber die Stadt Neapel und ihre Einwohner einen Sturm der EntrĂŒstung: „Die Kloake muss gereinigt werden, und weil Neapel heute zu einer Kloake geworden ist, muss man alle MĂ€use eliminieren, mit jedem beliebigen Mittel, und nicht nur so tun als ob man etwas tĂ€te, weil die MĂ€use vielleicht auch noch wĂ€hlen gehen“.[32]
  • Giancarlo Gentilini erklĂ€rte, er werde eine „ethnische SĂ€uberung der Schwuchteln“ einleiten, um gegen Homosexuelle vorzugehen, die einander nachts auf einem Parkplatz der Stadt treffen.[33]
  • Umberto Bossi Ă€ußerte sich folgendermaßen bezĂŒglich der Möglichkeit, die Föderalismusreform werde in der jetzigen Legislaturperiode die parlamentarischen HĂŒrden nicht nehmen: „Wir haben keine Angst das Thema auf den PlĂ€tzen auszutragen. Wir haben 300.000 MĂ€rtyrer, die bereit sind von den Bergen hinabzusteigen. Unsere Gewehre rauchen immer.“ [34]
  • Im Juli 2008 beteuerte Bossi bei einem Parteitreffen in Padua: „Wir dĂŒrfen nicht lĂ€nger Roms Sklaven sein“, wie es in der Nationalhymne heiße, und zeigte dabei den Mittelfinger.[35] Ferner behauptete er: „Wir mĂŒssen gegen diese zentralistische Kanaille ankĂ€mpfen. FĂŒnfzehn Millionen MĂ€nner sind bereit, sich fĂŒr die Freiheit zu schlagen. Wir mĂŒssen gegen diesen faschistischen Staat kĂ€mpfen.“[36] Die Äußerung wurde auch von den eigenen Koalitionspartnern scharf kritisiert.
  • Anschließend wetterte er gegen sĂŒditalienische Lehrer: „Wir können nicht zulassen dass unsere Kinder von Menschen, die nicht aus dem Norden kommen, geschurigelt werden“. Danach beklagte er sich: „Einer von den Unseren ist bei der AbiturprĂŒfung durchgefallen, weil er eine Arbeit ĂŒber Carlo Cattaneo (einem italienischen Föderalisten aus dem 19. Jahrhundert) geschrieben hatte“. Möglicherweise eine Anspielung an seinen Sohn, der die AbiturprĂŒfung zum zweiten Mal nicht bestanden hatte.[37]

Gerichtsverfahren und Verurteilungen

45 Mitglieder der Partei, unter anderem Umberto Bossi, wurden 1996 wegen „GefĂ€hrdung der italienischen Einheit“ angezeigt. Das Verfahren wurde zeitweise unterbrochen, am 7. Februar 2006 wieder aufgenommen und letztendlich eingestellt. Das Parlament hat inzwischen ein Gesetz verabschiedet, wonach der Tatbestand der GefĂ€hrdung der Einheit nur dann erfĂŒllt ist, wenn mit gewalttĂ€tigen Mitteln vorgegangen wurden, was im gegebenen Fall nicht zutreffend war.

FĂŒr seine zahlreichen Äußerungen ĂŒber die italienische Fahne wurde Umberto Bossi gleich in zwei verschieden Verfahren rechtskrĂ€ftig verurteilt: Im Ersten wurde er auf BewĂ€hrung, im Zweiten wurde er vom Kassationshof zu einer Geldstrafe von 3.000 Euro verurteilt.

Der EU-Parlamentarier Mario Borghezio wurde 1993 zu einer Geldstrafe von 750.000 Lire (umgerechnet 387,34 Euro) wegen Nötigung verurteilt: Er hatte einen zwölfjĂ€hrigen illegal eingewanderten Marokkaner am Arm festgehalten, um ihn der Polizei zu ĂŒbergeben.[38] Im Juli 2005 wurde er rechtskrĂ€ftig zu einer Freiheitsstrafe von 2 Monaten und 20 Tagen verurteilt, weil er fĂŒnf Jahre zuvor die SchlafstĂ€tte einiger Einwanderer unter einer Turiner BrĂŒcke angezĂŒndet hatte. Die Strafe wurde schließlich in eine Geldbuße von 3.040 Euro umgewandelt.

Parteimedien

Die Partei verfĂŒgt ĂŒber eine Tageszeitung, die „La Padania“. Auf dem lokalen Fernsehsender Telecampione werden tĂ€glich einige parteinahe Sendungen mit dem Logo „TelePadania“ ausgestrahlt.

Literatur

  • Gerhard Feldbauer: Von Mussolini bis Fini: Die extreme Rechte in Italien. Elefanten-Press/Antifa-Edition, Berlin 1996, ISBN 3-88520-575-0
  • Biorcio, Roberto: La Padania Promessa. La Storia, le idee e la logica d’azione della Lega Nord. Milano 1997

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ↑ Rekord: 25 Jahre Lega Nord, in Corriere della Sera
  2. ↑ Die Beute der Populisten, Sueddeutsche.de
  3. ↑ Lega Nord SĂŒdtirol
  4. ↑ Italiens Asylpolitik in der Kritik: Abgefangen und abgeschoben (nicht mehr online verfĂŒgbar), tagesschau.de, 20. Juni 2010
  5. ↑ Corriere della Sera, 'Weitere Boote zurĂŒckgedrĂ€ngt. Kritik von Seiten der Bischofskonferenz'[1]
  6. ↑ http://www.dw-world.de/dw/article/0,,14988942,00.html?maca=en-TWITTER-EN-2004-xml-mrss
  7. ↑ Das Wunder von Treviso: In der Lega Hochburg die am besten integrierten Migranten, in La Repubblica
  8. ↑ Migranten, gut integriert in Venetien, aber auch in Marken und Emilia-Romagna, La Repubblica, 22. MĂ€rz 2006
  9. ↑ Interview mit Sandy Cane, BĂŒrgermeisterin, schwarz, von der Lega Nord La Repubblica, 10 Juni 2009
  10. ↑ Siehe beispielsweise: Claudia Cippitelli, Axel Schwanebeck, Die neuen VerfĂŒhrer? MĂŒnchen 2004, S.47; Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung: [2] oder Tageszeitung: [3]
  11. ↑ Extreme right in Europe, from Corriere della Sera.
  12. ↑ The deep Europe that hates America, by Paolo Rumiz, La Repubblica
  13. ↑ Italienischer Senat: Wahlergebnisse, Seite 19 und 55
  14. ↑ http://www.sueddeutsche.de/politik/italienische-lega-nord-will-abspaltung-traeumen-von-einem-neuen-staat-1.1267475 Italienische Lega Nord will Abspaltung: TrĂ€umen vom eigenen Staat SĂŒddeutsche Zeitung vom 26. Januar 2012
  15. ↑ Liste mit sĂ€mtlichen von der Lega Nord verwalteten Gemeinden
  16. ↑ Liste mit den von der Lega Nord verwalteten Provinzen (Stand 2008, veraltet)
  17. ↑ CRONISTORIA DELLA LEGA NORD. Lega Nord Padania, abgerufen am 24. Mai 2010 (PDF, italiano).
  18. ↑ LandesverbĂ€nde der Lega Nord
  19. ↑ Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung: Italiens rassistische Fanatiker - Rechtsextremismus. Bpb.de. Abgerufen am 24. Mai 2010.
  20. ↑ Vgl. z. B. Bundeszentrale fĂŒr politische Bildung; [4]
  21. ↑ Analytical study on discrimination and racist violence in Italy: 2000–2002, S.20
  22. ↑ La Repubblica, 17. Januar 2003
  23. ↑ Corriere della Sera, 16. Juni 2003
  24. ↑ La Repubblica, 4. Dezember 2003
  25. ↑ "Con gli immigrati come le SS" Bettio si scusa e lascia la politica | la tribuna di Treviso. Tribunatreviso.gelocal.it. Abgerufen am 24. Mai 2010.
  26. ↑ http://www.cestim.it/argomenti/09razzismo/09razzismo_destra.htm oder hier: http://italy.indymedia.org/news/2005/11/928570.php?theme=2
  27. ↑ Vgl. Huysseune, Michel (2003), Modernità e secession. Le scienze sociali e il discorso politico della Lega Nord. Rom: Carocci 2004, S. 197.
  28. ↑ Provinz Bergamo, Gemeindeausschuss fĂ€llt wegen Facebook: Gemeinderatsmitglied mit Römischem Gruß portrĂ€tiert, Corriere della Sera, 27. April 2010
  29. ↑ Die Resistenza in der DNS der Lega Nord varesenews, 21. April 2010
  30. ↑ Partisanen-Lega Nord, Krieg um den 25. April, Corriere del Veneto, 24. April 2010
  31. ↑ La Repubblica, 15. September 2008
  32. ↑ La Repubblica, 1. November 2006
  33. ↑ Die Presse, 9. August 2007
  34. ↑ La Repubblica, 29. April 2008
  35. ↑ Dolomiten, 21. Juli 2008
  36. ↑ La Stampa, 21. Juli 2008
  37. ↑ Corriere della Sera, 20. Juli 2008
  38. ↑ Corriere della Sera, 23. Juni 1993

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