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Ein Lehnwort ist ein Wort, das aus einer anderen Sprache (Gebersprache, Quellsprache) in eine andere Sprache (Nehmersprache, Zielsprache) "entlehnt" bzw. übernommen wird.
Die Gebersprache muss nicht unbedingt die Ursprungssprache sein, sie kann auch eine vermittelnde Sprache (Vermittlersprache) sein. Ein Wort kann mehrmals, zu verschiedenen Zeiten und auch aus verschiedenen vermittelnden Gebersprachen in eine Sprache übernommen werden und in ihr dann auch in verschiedenen Bedeutungen, Lautungen und Schreibungen auftreten. Die Bestimmung der Herkunft von Wörtern ist Sache der Etymologie, mit den Motiven, Gründen und Auslösern von Entlehnungen – und Bezeichnungswandel allgemein – beschäftigen sich die Onomasiologie und die Sprachwandelforschung.
Inhaltsverzeichnis |
Der Gegenbegriff zu Lehnwort ist Erbwort. Von einem Erbwort spricht man dann, wenn das Wort aus einer älteren oder der ältesten rekonstruierbaren Entwicklungsstufe der untersuchten Sprache stammt. Die Anwendung des Begriffs hängt allerdings vom Untersuchungszeitraum ab und setzt eine zureichende Kenntnis der Wortgeschichte voraus. So kann zum Beispiel ein Wort wie Pfalz (Wohngebäude eines mittelalterlichen Fürsten), das sich aus dem Neuhochdeutschen über das Mittelhochdeutsche bis ins Althochdeutsche (phalanza) zurückverfolgen lässt, gegenüber mittelhochdeutschen und neuhochdeutschen Entlehnungen aus anderen Sprachen als Erbwort erscheinen, obwohl es in althochdeutscher Zeit aus vulgärlateinisch palancia (< palatium) übernommen wurde und insofern im Deutschen nicht weniger ein Lehnwort ist als die vom gleichen lateinischen Wortstamm abstammenden, jüngeren Lehnwörter Palast (aus mittelhochdeutsch pallas, altfranzösisch palais) oder Palais
Von einem Lehnwort im engeren Sinn spricht man dann, wenn das übernommene Wort in seiner Flexion, Lautung und Schreibung an den Sprachgebrauch der Nehmersprache angepasst ist. Zu den Lehnwörtern im weiteren Sinn zählen auch die Fremdwörter, bei denen eine solche Anpassung nicht oder in geringerem Maße erfolgt und die fremde Herkunft des Wortes vergleichsweise deutlicher kenntlich bleibt. Der Übergang zwischen Lehnwörtern im engeren Sinn und Fremdwörtern ist fließend, eine eindeutige Abgrenzung oft nicht möglich. Ein klares Beispiel: Monete(n) wäre als Fremdwort, Münze als Lehnwort im engeren Sinn zu charakterisieren, die beide auf das gleiche Wort, das lateinische „monēta“, zurückgehen.[1]
Bei einem Lehnwort im engeren Sinn und einem Fremdwort wird der fremde Wortkörper mit seiner Bedeutung oder einem Teil dieser Bedeutung übernommen. Man spricht hierbei von lexikalischer Entlehnung. Hiervon abzugrenzen, wenn auch den Lehnwörtern in einem weiteren Sinn oft zugerechnet, ist die nur semantische Entlehnung oder Lehnprägung (französisch und englisch calque), bei der mit den sprachlichen Mitteln der Nehmersprache, aber ohne Übernahme des Lautkörpers, eine Bedeutung aus der Gebersprache übernommen wird, und zwar in Form einer Lehnbedeutung oder Lehnbildung.
Bei einer Lehnbedeutung wird die Bedeutung eines fremden Wortes übernommen und auf ein einheimisches Wort übertragen. Das gotische daupjan mit der Grundbedeutung untertauchen bekam unter dem Einfluss des griechischen baptizein die Bedeutung jemanden durch Untertauchen zum Christen machen (taufen), und das deutsche Wort schneiden erhielt von der englischen Redewendung to cut a person die Zusatzbedeutung jemanden absichtlich nicht kennen; siehe Begriffsübernahme.
Als Lehnbildung bezeichnet man die Bildung eines neuen Wortes im Rückgriff auf vorhandene Wörter oder Wortstämme der Nehmersprache. Der Unterschied zur Lehnbedeutung besteht darin, dass bei der Lehnbildung ein neues Wort oder eine neue Wortzusammensetzung entsteht. Man unterscheidet folgende Arten der Lehnbildung:
Einen Sonderfall bildet die Scheinentlehnung, bei der ein Wort oder Fremdwort aus Bestandteilen der Gebersprache neu gebildet wird, das in dieser Gebersprache selbst so nicht existiert oder eine andere Bedeutung hat, z. B. Friseur (französisch coiffeur), Handy (englisch mobile phone, amerikanisches Englisch cell phone), Smoking (englisch dinner jacket, amerikanisches Englisch: tuxedo). Sofern dabei auf in der Nehmersprache bereits vorhandene Fremdwörter zurückgegriffen wird, kann man Scheinentlehnungen auch als Lehnprägungen (Lehnschöpfungen) einstufen.
Der Begriff für deutsche Wörter, die in einer anderen Sprache als Lehnwort oder Fremdwort integriert wurden, ist Germanismus. Eine umfangreiche Liste von Germanismen findet sich in der Liste deutscher Wörter in anderen Sprachen. Viele Germanismen sind dargestellt in
Der Deutsche Sprachrat sammelte 2006 in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für deutsche Sprache und dem Goethe-Institut in einer internationalen Ausschreibung »Ausgewanderte Wörter« die interessantesten Beiträge weltweit. Eine Auswahl ist veröffentlicht in:
2007 / 2008 sammelte der Sprachrat in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut vier Monate lang „Wörter mit Migrationshintergrund“, um das schönste „eingewanderte Wort“ im Deutschen zu finden. Eine Auswahl der Einsendungen ist veröffentlicht worden in:
Viele Wörter sind über den Umweg anderer Sprachen in die deutsche Sprache gelangt. Ein Beispiel ist die „Pistazie”, ursprünglich aus dem Persischen (neupersisch: پسته Peste), die über Latein und das Italienische ins Deutsche gelangt ist.
In vielen Untersuchungen werden sowohl Lehn- als auch Fremdwörter behandelt. Siehe daher Literatur unter Fremdwort und unter den oben angeführten Stichwörtern Gallizismus, Latinismus etc.
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