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| Leopold Stocker Verlag GmbH | |
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| Rechtsform | GmbH |
| GrĂŒndung | 1917 |
| Sitz | Graz |
| Branche | Verlag |
| Website | www.stocker-verlag.com |
Der Leopold Stocker Verlag ist ein österreichischer Verlag mit Sitz in Graz. Er verlegt landwirtschaftliche und jagdliche FachbĂŒcher, Koch- und HandarbeitsbĂŒcher, Regionalia, WanderfĂŒhrer, SachbĂŒcher mit wissenschaftlichem Anspruch sowie im Tochterunternehmen[1] Ares-Verlag rechtskonservative Literatur mit Schnittpunkten zum Rechtsextremismus.
Inhaltsverzeichnis |
Der Diplom-Landwirt Leopold Stocker grĂŒndete das Verlagshaus 1917 in der Grazer Salzamtsgasse 7 als âHeimatverlag Leopold Stockerâ, nachdem ihm am 13. April desselben Jahres der Stadtrat die Eröffnung einer Verlagsbuchhandlung genehmigt hatte. Die Anregung zu dieser VerlagsgrĂŒndung ging 1916 vom steirischen Heimatdichter Peter Rosegger aus, mit dem Stocker befreundet war.
Unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg begann die Verlagsproduktion mit landwirtschaftlicher Fachliteratur und politisierenden Schriften, die sich mit den Kriegsfolgen angesichts des Untergangs der k.u.k Monarchie Ăsterreich-Ungarn beschĂ€ftigten. 1918 veröffentlichte Stocker neben Titeln wie Die Rindviehzucht Steiermarks und ihre Förderung nach dem Kriege[2] auch Bodenreform heraus![3] und 65000 Millionen Kriegsschulden.[4] 1919 folgten Grundregeln der Saatgutgewinnung,[5] EintrĂ€glicher FeldgemĂŒsebau[6] sowie Boden, Pflanze, DĂŒngung,[7] von Beginn an aber auch politische Tendenzliteratur wie etwa die Ziele deutscher Agrarpolitik[8] oder Was nun? ZeitgemĂ€Ăe Betrachtungen ĂŒber die nĂ€chste Zukunft des deutschen Volkes.[9]
Ab 1920 betonte Stocker zunehmend das deutschvölkische Verlagsprofil. 1921 gab er den Vornamen-Ratgeber Gebt den Kindern deutsche Namen![10] des Germanisten Ferdinand Khull-Kholwald (1854â1942) heraus und 1924 Otto Jaukers Deutsche Geschichte.[11] Vor allem wurde er jedoch zum Hausverleger des fanatischen Antisemiten Dr. Karl Huffnagl, der sich des Pseudonyms Karl Paumgartten bediente. Paumgartten publizierte bei Leopold Stocker 1920 das Pamphlet Judentum und Sozialdemokratie,[12] 1921 Juda. Kritische Betrachtungen ĂŒber Wesen und Wirken des Judentums,[13] 1924 die Hetzschrift Juden-Fibel[14] und im selben Jahr die republikfeindliche Polemik Repablick.[15] In einer Verlagsanzeige vom 30. November 1921 bewarb Leopold Stocker Paumgarttens rassistisches Werk Juda mit den Worten: âBestellen Sie reichlich! (âŠ) Sie verdienen dabei und helfen mit, das deutsche Volk von seinem Krebsschaden befreienâ.[16] 1929 gab Stocker die antipazifistische Streitschrift Im Westen nichts Neues und sein wahrer Sinn[17] des deutschnationalen Arztes Gottfried Nickl heraus und 1938 den Gedichtband Deutschland, wir glaubten an dich[18] desselben Autors. Leopold Stocker kĂŒndigte die Neuerscheinung am 23. Juni 1938 im Börsenblatt an:
âAus diesen illegalen Gedichten spricht der Ostmark glĂ€ubige Sehnsucht und entschlossener Wille zur Einheit im GroĂdeutschen Reiche, revolutionĂ€rer Trutz um deutsche Freiheit, Kampf gegen Volksverrat, unerschĂŒtterliche Treue zum deutschen Volke trotz Verbot und Not, Liebe zum FĂŒhrer, dem Einiger und Befreier der deutschen Nation. Jeder deutsche BuchhĂ€ndler möge es sich zur Aufgabe machen, dieses einzigartige Buch weitest zu verbreiten, das ein treudeutsches Bekenntnis ist und GrĂŒĂe der befreiten Ostmark an alle deutsche Volksgenossen vermittelt.â[19]
Etwa 1930 benannte der FirmengrĂŒnder sein Unternehmen in Leopold Stocker Verlag um. In den 1930er Jahren verlegte Leopold Stocker die Romantrilogie Ein Volk steht auf![20] des oberösterreichischen Heimatdichters Karl Itzinger. Der erste Teil (Das Blutgericht am Haushamerfeld), den Stocker bereits 1925 unter anderem Titel herausgebracht hatte (Der Bauerntod), war 16 Monate lang unter der austrofaschistischen Regierung Kurt Schuschniggs verboten. Sieben Tage nachdem Adolf Hitler am 15. MĂ€rz 1938 auf dem Wiener Heldenplatz âvor der Geschichte nunmehr den Eintritt meiner Heimat in das Deutsche Reichâ[21] meldete, schrieb Stocker im Börsenblatt:
âDiese BĂŒcher waren in der Zeit des Kampfes und des Leidensweges in den letzten 5 Jahren in System-Ăsterreich vielen Zehntausenden Partei- und Volksgenossen in Deutsch-Ăsterreich eine StĂ€rkung zum Ausharren im Kampfe gegen die Regierung und im sieghaften Glauben, weil der Dichter Karl Itzinger in diesem Volkskriege leuchtende Vorbilder und Zeugen des opfer- und leidvollen Freiheitskampfes in Oberösterreich, der Heimat des FĂŒhrers Adolf Hitler, zeigte, wo die klerikale Macht unter dem Habsburger Ferdinand II. mit Feuer und Schwert und Heimatvertreibung das um die Freiheit des Geistes und Leibes ringende Volk verfolgte - damals genau so wie in der Jetztzeit.â[22]
Neben deutschtĂŒmelnden Romanen wie Ein Rufer in deutscher Not[23] (1937) und Unterm Fronjoch[24] (1939) von Richard Neudorfer[25] (1900â1977), einem Hauptschullehrer aus Wels, oder Du sollst mein Zeuge sein[26] (1938) des KronstĂ€dter Pfarrers Egon Hajek (1888â1963) erschien im Leopold Stocker Verlag auch politische Propagandaliteratur wie Anton Steiningers (1898-1968) Ostmark-Trilogie[27] (1938/1939) oder Otto Hermann Reich von Rohrwigs Der Freiheitskampf der Ostmark-Deutschen[28] (1942).
Nach dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Deutschen Reiches setzte die Verlagsproduktion nach einer kurzen Unterbrechung 1946 wieder ein. ZunĂ€chst wurden unverdĂ€chtige belletristische Werke unter neuen Titeln wiederaufgelegt, wie z. B. Mirabella[29] von Rudolf Schnehen (1868â1932), einem Oberförster aus dem steirischen StĂ€dtchen Eisenerz, das bereits 1925 als Unter dem Salzburger Krummstab erschienen war, oder der Roman Der stille Freund[30] von Fritz StĂŒber-Gunther (1872â1922), einem Wiener Finanzbeamten, dessen satirische Kurzgeschichten ĂŒber die k.u.k.-Metropole sich Anfang des 20. Jahrhunderts einiger Beliebtheit erfreuten. Sein Roman war bereits 1919 in einem Stuttgarter Verlag herausgekommen. Aber auch politische Schriften gehörten rasch wieder zum Programm, wie etwa Die LebensfĂ€higkeit Ăsterreichs[31] von Anton Tautscher (1906â1976) und Ernst KĂŒbler.
Nationalsozialistische Bekenntnisromane wie Neudorfers Unterm Fronjoch wurden unter harmlos klingenden Titeln (Das neue Wesen,[32] 1950) in Neuauflagen produziert. Ab 1919 hatte Leopold Stocker die Zeitschrift Deutsche Landheimat (Untertitel: Zeitschrift fĂŒr Landwirtschaft, Volkswohl und Heimat) herausgegeben, die ab 1921 unter dem Titel Landheimat (Wochenschrift fĂŒr neuzeitliche Landwirtschaft und Landvolk) und von 1927 bis 1944 als Der fortschrittliche Landwirt erschien (Untertitel: Fachzeitschrift fĂŒr die bĂ€uerliche Familie). Es folgte eine fĂŒnfjĂ€hrige Unterbrechung, ab Oktober 1949 wurde das Blatt wieder halbmonatlich hergestellt.
Nach dem Tod Leopold Stockers im Dezember 1950 fĂŒhrte seine Tochter Ilse Dvorak-Stocker (* 19. Januar 1922) â zunĂ€chst gemeinsam mit ihrer Mutter Marianne Stocker â das Verlagshaus.
Seit 1959 erscheint im Leopold Stocker Verlag die Bienenwelt: das Fachblatt fĂŒr den zeitgemĂ€Ăen Imker, seit 1971 das traditionsreiche Vereinsblatt AlpenlĂ€ndische Bienenzeitung, seit 1985 das Mitteilungsblatt der Arbeitsgemeinschaft österreichischer FleckviehzĂŒchter Fleckviehzucht in Ăsterreich (seit 2005 Fleckvieh Austria) und seit 1991 die Fachzeitschrift fĂŒr Schaf- und Ziegenbauern Schafe aktuell (seit 2001 Schafe und Ziegen aktuell).
Seit 1995 ist ihr Sohn Wolfgang Dvorak-Stocker (* 1966) GeschĂ€ftsfĂŒhrer und Inhaber des Verlags. Nachdem er an der UniversitĂ€t Wien ein Studium der Geschichte und Germanistik mit dem Magister abgeschlossen hatte, absolvierte er in einem Stuttgarter Verlagshaus eine buchhĂ€ndlerische Ausbildung. 2001 ĂŒbernahm Dvorak-Stocker den ebenfalls in Graz ansĂ€ssigen Verlag fĂŒr Sammler, der Regional- und KochbĂŒcher herstellte, um âdie Stellung am heimischen Markt aus(zu)bauenâ,[33] und Ende 2004 grĂŒndete er fĂŒr sein politisch-historisches Programm den Ares-Verlag. Anfang 2005 nahm er eine UmgrĂŒndung des Verlagshauses vor, weil es âim Laufe der letzten beiden Jahrzehnte eine dynamische Entwicklung erfahrenâ[34] habe. Der Leopold Stocker Verlag firmiert seitdem als Leopold Stocker Verlag GmbH und der Zeitschriftenbereich wurde als Landwirt Agrarmedien GmbH gesellschaftsrechtlich selbstĂ€ndig. Die Landwirt Agrarmedien GmbH ist auĂerdem Inhaberin der Grazer Werbeagentur Indesign, die Alexandra Neuhold im Jahr 2000 ins Leben gerufen hatte.[35] Zum Spin-off des Ares-Verlags erklĂ€rte Dvorak-Stocker:
âWas den inhaltlichen Anspruch betrifft, haben wir uns die Latte hochgelegt. Die Themen sind aber in jedem Fall spannend und oft kontrovers. Ein Programm fĂŒr gepflegte Langeweile wollen wir nicht machen und auch nicht eines, in dem die immer gleichen Meinungen des medialen Mahlstroms wortreich wiedergekaut werden. Die BĂŒcher des ARES Verlages sollen nicht nur wesentliche Informationen, Analysen und harte Fakten liefern, sondern auch Stellung nehmen und damit den Leser herausfordern.â[36]
Ab Ende 1999 verlegte der Leopold Stocker Verlag (bzw. seit 2005 Ares) die Quartalszeitschrift Neue Ordnung, die 1958 von Ernst Strachwitz (* 22. Dezember 1919 in Wöbling bei Graz; â 13. Juli 1998 in Wien) und Franz Frank (* 24. Februar 1919 in Graz; â 5. September 1999) gegrĂŒndet wurde.
Der nach dem griechischen Kriegsgott benannte Ares-Verlag lĂ€sst nach eigener Darstellung âim weitesten Sinne âkonservativeâ Positionen zu Wort kommenâ[37] und vertritt âdas anspruchsvolle Sachbuch und politisch-historische Titel auf wissenschaftlichem Niveauâ.[38] Als eines seiner ersten BĂŒcher verlegte er das Hauptwerk eines Vertreters der Neuen Rechten, Caspar von Schrenck-Notzings, dessen Kampf vor allem der âUmerziehung des deutschen Volkesâ gilt. Ein weiterer Titel, der unmittelbar nach der VerlagsgrĂŒndung herausgebracht wurde, ist Multikulturalismus und die Politik der Schuld des amerikanischen Politikwissenschaftlers Paul Edward Gottfried.
Am 23. MĂ€rz 2004 beantragten die GrĂŒnen im Landtag der Steiermark,[39] dem Leopold Stocker Verlag das 1992 vom damaligen Landeshauptmann Josef Krainer verliehene Recht, das Landeswappen zu fĂŒhren, abzuerkennen, da nach ihrer Auffassung "der Verlag in gehĂ€ufter Zahl antisemitischen, rassistischen und rechtsextremen Autoren sowie Geschichtsrevisionisten eine Plattform bietetâ.[40] Dieser EntschlieĂungsantrag wurde am 15. MĂ€rz 2005 von allen anderen Landtagsfraktionen abgelehnt,[41] da eine Aberkennung ohne vorherige Ănderung des Landeswappen-Gesetzes nicht möglich sei.[42] Am 20. Mai 2005 erstatteten die steirischen GrĂŒnen Anzeige gegen Wolfgang Dvorak-Stocker wegen des Verdachts des VerstoĂes gegen das Verbotsgesetz.[43] Die Anzeige bezog sich auf den Artikel Thesen und Glossare zum Dritten Reich des Autors Hans-Dietrich Sander (in: Neue Ordnung, Nr. 1/2005, S. 24 ff.).
Ăber die im Leopold-Stocker-Verlag erscheinende Quartalszeitschrift Neue Ordnung schrieb der Journalist Karl Pfeifer im jĂŒdischen Internet-Magazin haGalil onLine am 29. April 2005: âDie vierteljĂ€hrlich erscheinende Grazer Zeitschrift âNeue Ordnungâ (NO), die sich als BrĂŒckenbauer vom Rechtskonservatismus zum Rechtsextremismus betĂ€tigte, verstĂ€rkt in letzter Zeit durch die Mitarbeit von rechtsextremen Autoren ihre rechtsextreme und antisemitische Tendenz.â[44]
Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DĂW) beschrieb die politische Ausrichtung der Zeitschrift:
âSo finden sich in der Neuen Ordnung unkritische bzw. positive Aussagen ĂŒber ideologische Grundlagen des Faschismus (völkischer Nationalismus, Elitedenken, Aufbau eines organischen Staates â vergleichbar mit der Ideologie der âVolksgemeinschaftâ) sowie dessen Frontstellung zur Demokratie, zum Individualismus und zum Liberalismus ebenso wie nationalistische bis 'revisionistische' Geschichtsbetrachtungen zu den Themen Auschwitz und Zwangsarbeiter. Einzelne BeitrĂ€ge beinhalten die Propagierung antisemitischer und rassistischer Ressentiments sowie die VerĂ€chtlichmachung von Minderheiten.â[45]
Am 10. MĂ€rz 2006 wies das Landesgericht fĂŒr Zivilrechtssachen Graz die Klagen des Leopold Stocker Verlags gegen die linke Grazer Initiative MayDay 2000 ab. Bei den Bezeichnungen ârassistischâ, âantisemitischâ und ârechtsextremâ in Zusammenhang mit bestimmten Verlagspublikationen handele es sich um zulĂ€ssige Werturteile, die sich auf ein âbestimmtes Tatsachensubstrat stĂŒtzenâ können. Der Verlag legte gegen das Urteil umgehend Berufung ein.[46] Die Aktivisten von Mayday erregten öffentliche Aufmerksamkeit, als sie eine Unterschriftenaktion gegen den Verlag starteten. Sie protestierten u.a. dagegen, dass der Verlag das steirische Landeswappen, das fĂŒr âbesondere im Interesse des Landes gelegene Leistungenâ verliehen wird, tragen durfte.
2007 mietete Wolfgang Dvorak-Stocker die EuroCity-Verbindung 656 der ĂBB zwischen Graz und Wien als WerbeflĂ€che. Versuche der ĂBB, den Ein-Jahres-Vertrag nachtrĂ€glich aufzulösen, wurden von Dvorak-Stocker abgelehnt, der Vertrag wurde nach Dezember 2007 nicht verlĂ€ngert.[47]