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Lepenski Vir

Lepenski Vir ist eine mittel- und jungsteinzeitliche archĂ€ologische FundstĂ€tte auf dem Gebiet der serbischen Gemeinde Majdanpek am Eisernen Tor an der Donau. Erste Siedlungsspuren beginnen etwa 7000 v. Chr., ihren Höhepunkt erreichte die SiedlungstĂ€tigkeit etwa 5300 v. Chr. bis 4800 v. Chr.

Inhaltsverzeichnis

Name

Der Name bezeichnet die große Stromschnelle in der Mitte des Eisernen Tores und auch die hufeisenförmige Flussterrasse am Prallhang des rechten Flussufers.

Lage

Eingang zur Ausstellung
Ausdehnung der Lepenski-Vir-Kultur um 6000 v. Chr.

Lepenski Vir liegt auf einer schmalen Fluss-Terrasse am rechten Ufer der Donau im Eisernen Tor (Đerdap) im Osten Serbiens . Die Terrasse besteht aus palĂ€ozoischem Porphyr, die mit Sandlöss bedeckt ist. Hinter der Terrasse, die auf der Höhe von 59 bis 66 m ĂŒ. A. liegt, steigen die steilen KorĆĄo-Berge aus dem engen Flusstal und erreichen eine Höhe von 250 bis 700 m. Die BerghĂ€nge sind mit einem Wald bedeckt, in dem Eiche, Walnuss, Hainbuche und ZĂŒrgelbaum die dominierenden Arten bilden.

Am anderen Ufer liegt der Porphyr-Felsen Treskavac (679 m hoch) mit seinem charakteristischen trapezoiden Gipfel. Das enge Tal hat ein sehr mildes, feuchtes Klima ohne klimatische Extreme und bildete wĂ€hrend der Eiszeit eine Refugialzone fĂŒr zahlreiche Baumarten.

Grabungsgeschichte

Erste Ausgrabungen fanden im Jahr 1965 statt, allerdings wurde die Bedeutung erst 1967 erkannt, als man die ersten, damals als mittelsteinzeitlich identifizierten Skulpturen entdeckte. Die Ausgrabungen wurden 1971 mit der Verlagerung auf ein etwa 30 Meter höheres Niveau beendet, um die Überflutung durch den zu dieser gebauten Donau-Staudamms Eisernes Tor I zu verhindern. Den Hauptbeitrag bei der Erforschung der FundstĂ€tte lieferte der Professor der UniversitĂ€t Belgrad Dragoslav Srejović.

Schichtung

Die Siedlung besteht aus mehreren Bauphasen und Horizonten. Srejović identifizierte fĂŒnf Phasen in der Besiedelung von Lepenski Vir. Er rechnete die Phasen Ia-e und II zum Mesolithikum, die folgenden zum frĂŒhen und mittleren Neolithikum.

Phasen Lepenski Vir
Phase kulturelle Zuordnung Datierung nach Srejovic 14C, korrigiert fĂŒr Hardwassereffekt kalibriert mit CalPal
Proto-Lepenski Vir FrĂŒhmesolithisch   >8500 BP >7562±15 cal BC
Lepenski Vir I SpĂ€tmesolithisch 7400 BP 8500–7400 BP 7565–6290 cal BC
Lepenski Vir II Endmesolithisch 6560 BP 7400–7100 BP 6290–6000 cal BC
Lepenski Vir IIIa FrĂŒhneolithisch   7000–6700 BP 5897–5630 cal BC
Lepenski Vir IIIb FrĂŒhneolithisch    
  SalcuĆŁa   5300 BP 4150 ± 66 cal BC
  Römisch    

Proto-Lepenski Vir

Die Reste der ersten Siedlungsschicht liegen auf der Dryas-zeitlichen Niederterrasse direkt am Fluss, in unmittelbarer NĂ€he zu der eponymen Stromschnelle. Die Siedlung liegt parallel zur Donau. Sie hat eine annĂ€hernd elliptische Form, etwa 90 m lang und maximal 12 m breit. Die Siedlung wurde nicht vollstĂ€ndig ausgegraben, da man die HĂ€user der Phase I an Ort und Stelle beließ. Es wurden acht Herdstellen ausgegraben. Sie bestehen aus vertikalen Kalksteinplatten und sind 0,8-1 m lang, 0,2 - 0,25 m breit und 30 cm tief. An ihrer Westseite fand sich eine Konzentration von Siedlungsabfall, die bis etwa 3 m westlich der Herdstelle reicht. Eindeutige Hausspuren wurden nicht gefunden. Vermutlich waren die Strukturen nicht eingetieft. Srejovic (1972, 47) fĂŒhrt Schilfrohr oder Haut als mögliche Baumaterialien an und vermutet einen elliptische Umriss der zeltartigen Struktur.

Bestattungen

Aus Proto-LV ist nur eine vollstĂ€ndige Bestattung bekannt. Der Tote lag in einer 1,10 m langen Grube. Der Kopf lag auf der Brust, die Beine waren gespreizt und stark angehockt, die Arme gestreckt, mit den HĂ€nden in der HĂŒftgegend. Beigaben fehlen. SchĂ€delreste lagen sowohl in den Fundkonzentrationen um die Herdstellen als auch in den sonst sterilen Ablagerungen dazwischen. Im SĂŒdosten der Siedlung lag ein einzelner maturer mĂ€nnlicher Kiefer zusammen mit SteingerĂ€ten und Fischknochen.

Lepenski Vir I

Die Kulturschicht ist durchschnittlich 1,5 m dick. Die Siedlung bedeckt etwa 2.000 m2, es wurden 85 HĂ€user ausgegraben, nicht alle vollstĂ€ndig. Srejovic unterscheidet fĂŒnf Bauphasen (Ia-e), doch erfolgte der Neubau der HĂ€user nicht synchron, was zu einer sehr komplexen Stratigraphie fĂŒhrte. Srejovics Phaseneinteilung ist im Detail nicht immer nachzuvollziehen. Bis zu fĂŒnf HĂ€user ĂŒberlagern sich. Zwischen den Fußböden liegen 25-50 cm Sediment.

Schicht Zahl der HĂ€user Ausmaß in m2
Ia 22 1.500
Ib 26 1.700
Ic 26, 10 neu  ?
Id 20, 17 neu  ?
Ie 24 nicht vollst. ergraben
II 6  ?

HĂ€user

Die Fußböden bestehen aus schwach gebranntem Kalk und Kies und sind trapezförmig. Die lĂ€ngere Schmalseite ist grundsĂ€tzlich gerundet. Entlang des Fußbodens verlief ein etwa 15 cm breites und 10 cm tiefes FundamentgrĂ€bchen, in dem vermutlich hölzerne Balken saßen. Steinbruch diente dazu, diese an Ort und Stelle zu halten. Pfostenlöcher wurden an den LĂ€ngsseiten und, etwas nach Innen gerĂŒckt, an der Mitte der gerundeten Seite gefunden. Auch sie enthielten oft Pfostenverkeilungen aus Bruchstein. Die gerundete Seite zeigt fast immer zum Fluss (Ausnahmen bilden die HĂ€user 36 und 58 in Phase Ia, 26 in Ib, 10 und 49 in Ic). In Phase Ie nimmt die Rundung der Vorderseite deutlich ab, die Grundrisse der HĂ€user Ă€hneln nun fast echten Trapezen. Die Herdstellen waren in den Fußboden eingelassen. Sie sind rechteckig und bestanden, wie in Phase Proto-LV aus aufrecht gestellten Steinplatten, die nun allerdings insgesamt grĂ¶ĂŸer waren. Die Herdstellen waren 0,6 - 1 m lang, 0,4 m breit und 35-40 cm tief. Oft sind die Herdstellen durch ein Steinpflaster mit der gerundeten Schmalseite verbunden. Hinter der Herdstelle sitzt oft ein gerundeter Felsblock, der bearbeitet sein kann. Dieser bildet nach Srejovic das Zentrum der Behausung. Da der Baugrund anstieg, je weiter er vom Fluss entfernt war, sind die hinteren Bereiche der HĂ€user oft in den Untergrund eingetieft, bis zu einem Meter im Fall von Haus Nr. 34.

Srejovic nimmt schrĂ€ge HolzwĂ€nde und ein Satteldach an. Boric rekonstruiert aufrechte WĂ€nde und ein geneigtes Flachdach. Die Rundung der Vorderseite bildete vermutlich eine Art Vorplatz. Die HĂ€user sind unterschiedlich groß, zwischen 5,5 - 36 mÂČ. In Phase Ic gibt es zwei MiniaturhĂ€user Nr. 10, 31 mit nur 1,4 und 1,9 mÂČ GrundflĂ€che. Sie enthielten keine Funde, aber die Herdstellen waren benutzt worden. Das grĂ¶ĂŸte Haus (Nr. 57 mit 36 mÂČ) stammt aus Phase Ie. Es liegt innerhalb der Siedlung am höchsten. In Phasen Ib und Ic finden sich in den HĂ€usern „Tische“ und Skulpturen aus Sandstein. Die Tische bestehen aus Sandsteinplatten, die kaum höher sind als der Untergrund. Srejovic sieht sie als ein Merkmal hĂ€uslicher HeiligtĂŒmer an, sie können aber auch hĂ€uslichen Funktionen gedient haben. Ab Phase Id wurden die Herdstellen mit Dreiecken aus roten Sandsteinplatten verziert, die um ihren Rand angeordnet waren (Haus 19). Manchmal lagen sie auch nur an einer (43, 48) oder beiden LĂ€ngsseiten (4, 12 24, 32, 47) der Herdstelle. Srejovic will diese Strukturen mit menschlichen Unterkiefern verbinden (1972, 121). Die HĂ€user der Phase Ie sind weniger sorgfĂ€ltig konstruiert als die vorhergehenden, ihr Fußböden sind deutlich dĂŒnner. Srejovic gibt dieser Phase eine nur kurze Lebensdauer.

Siedlungsorganisation

Srejovic nimmt einen zentralen „Marktplatz“ an, hinter dem das grĂ¶ĂŸte Haus (Nr. 54a in Phase Ia) lag. In der Phase Id sieht Srejovic eine Aufteilung der Siedlung in zwei Teile, die in Phase Ie wieder aufgehoben wird. Der Siedlungsschwerpunkt verlagerte sich hangaufwĂ€rts. In Phase Ie fehlt dieser zentrale Platz.

Materielle Kultur

In der lithischen Industrie sind Mikrolithen typisch, geometrische Mikrolithen (Trapeze und Dreiecke) sind aber ausgesprochen selten. Neben Feuerstein wurde auch Quarzit verarbeitet. Unter den Utils commun finden sich vor allem Kratzer, auch Endretuschen, grob lateral retuschierte Klingen und schaberartige GerÀte kommen vor.

Felsgestein wurde zu Keulenköpfen verarbeitet, die oft mit geometrischen Mustern verziert sind. Sogenannte „Netzgewichte“ haben eine Kerbe in der Mitte. Sie bestehen aus Sandstein. Poliersteine wurden aus Sandstein gefertigt, grĂ¶ĂŸere Exemplare aus vulkanischem Gestein. Aus kristallinem Kalkstein wurde Schmuck wie Perlen und AnhĂ€nger oder GĂŒrtelschnallen hergestellt. Keramik kommt in den HĂ€usern 1, 4, 15, 16, 24, 26, 28, 32, 35, 37 46, 47, 54 vor.

Bestattungen

Ab Phase Ib finden sich Bestattungen in den HĂ€usern, direkt vor oder hinter den Herdstellen als N-S ausgerichtete Strecker. Es finden sich 1-5 Bestattungen pro Haus, Einzelbestattungen sind jedoch selten. ZusĂ€tzlich wurden Einzelknochen, wie Kiefer, SchĂ€delteile und Oberschenkelknochen bestattet (HĂ€user 3, 35, 54, 65). Kinderknochen fehlen völlig, meist gehören die Knochen zu Ă€lteren Erwachsenen beiderlei Geschlechts. Die ersten Kinderknochen wurden in Phase Ic gefunden. Sie liegen unter den Fußböden der HĂ€user 26 und 40 und mĂŒssen somit vor dem Bau der HĂ€user bestattet worden sein. An den Herden werden weiterhin nur Erwachsene bestattet. Mit Phase Ic nimmt die Zahl der GrĂ€ber insgesamt ab. Grabbeigaben sind selten und bestehen meist aus Hirschgeweih. Manchmal wurde auch der gesamte SchĂ€del beigegeben (HĂ€user 64, 65). Zwei mĂ€nnliche Bestattungen hatten Perlenketten um den Hals. Die Bestattung in Haus 21 (Phase Id) war von einem WildrinderschĂ€del, einem HirschschĂ€del und einem Geweih begleitet. In Haus 65 fand sich auch eine Hundebestattung.

Alter mÀnnlich weiblich
adult 5 11
adult/matur 9 8
matur 11 5
matur/senil 7 4

Skulpturen

Haus 40 (Phase Ic) wies zwei Skulpturen auf, von denen eine in der SW-Ecke lag, wÀhrend die zweite in der Herdstelle stand. In der Herdstelle befand sich ein menschlicher Unterkiefer. In einigen FÀllen besteht eine Verbindung zwischen Bestattungen und Skulpturen (Haus 63, Phase Ic, Haus 21, Phase Id).

Lepenski Vir II

Die Kulturschicht ist durchschnittlich 0,5 m dick. Die Schicht ist kulturell homogen und entstand vermutlich in relativ kurzer Zeit. Die Siedlung bedeckte 2.400 mÂČ und erstreckte sich im NW ĂŒber das frĂŒhere Siedlungsgebiet hinaus. Es wurden 44 Hausgrundrisse ergraben, von denen nur sechs komplett sind. Die Siedlungsreste wurden durch die Bauten der Phase III stark zerstört. Srejovic nimmt einen kompletten Neubau der Siedlung an, nachdem die Bauten der Schicht Ie systematisch abgerissen worden waren. Der Plan der HĂ€user und der Siedlung entspricht dem in Phase I. Durch die Bauarbeiten der Phase I war der Untergrund erhöht worden und es gab mehr ebene FlĂ€che. Die HĂ€user werden nun nicht mehr teilweise eingetieft. Dagegen wurde der nun instabile Untergrund vor dem Bau eines neuen Hauses oft durch große Felsblöcke befestigt. Trockenmauern mit einer erhaltenen Höhe von etwa 1 m sollten Erdrutsche verhindern.

HĂ€user

Alle HĂ€user dieser Phase tragen römische Nummern. Sie sind zum Fluss ausgerichtet. Die HausplĂ€ne sind weniger regelmĂ€ĂŸig als in Phase I. Die Steinplatten in den FundamentgrĂ€bchen sind immer vertikal ausgerichtet, was auf vertikale WĂ€nde hindeutet. Die Hausböden bestanden nun aus großen Steinplatten. Die Herdstellen sind insgesamt kĂŒrzer und breiter als frĂŒher. In Haus XLIV finden sich die „Steintische“, die in den Phasen Ic und Id gebrĂ€uchlich gewesen waren. Es enthielt fĂŒnf Steinskulpturen.

Materielle Kultur

Auch in Phase II kommen noch Mikrolithen vor. Aus Knochen wurden Bohrer, Kratzer und Löffel gefertigt.

Bestattungen

Neben Bestattungen von SchÀdeln und Einzelknochen finden sich auch kopflose Skelette (drei in Haus XXXV).

Lepenski Vir III

Die Kulturschicht ist durchschnittlich 1,2 m dick. Zwischen den Ablagerungen von II und III findet sich keine deutlich ausgeprĂ€gte sterile Schicht, woraus Srejovic schließt, dass es keinen grĂ¶ĂŸeren Siedlungshiatus gab. Die Schicht wurde durch Srejovic in die Unterphasen a und b eingeteilt. Hier findet sich die flĂ€chenmĂ€ĂŸig grĂ¶ĂŸte Ausdehnung der Siedlung (5.500 mÂČ). Diese Siedlungsschicht ist mit Kieseln und Lehm bedeckt, die von den HĂ€ngen der Korso-Berge stammen und vermutlich durch einen katastrophalen Bergrutsch abgelagert wurden. Sie gehört zu den Phasen Proto-Starcevo und Starcevo I des frĂŒhen Neolithikums.

HĂ€user

Die HĂ€user unterscheiden sich radikal von der vorhergehenden Phase. Sie sind elliptisch und oft leicht in den Untergrund eingetieft. Die HĂ€user waren durchschnittlich 5 Ă— 3 bis 3 Ă— 2 m groß, das grĂ¶ĂŸte Haus (D) maß 10 Ă— 4,5 m. Sie waren N-S orientiert. In der Phase IIIB scheinen die HĂ€user vorwiegend oberirdisch gewesen zu sein, sie sind aber sehr schlecht erhalten.

Materielle Kultur

Die Keramik gehört zur frĂŒhen Starcevo-Kultur, barbotinierte Ware ist hĂ€ufig. Schwarz-auf-rot bemalte Ware ist dagegen sehr selten. Aus Knochen wurden nun auch Armreife und Gewandnadeln gefertigt.

Ab der Phase IIIB findet sich Obsidian aus dem BĂŒkk-Gebirge, Perlen aus Malachit und Azurit und Schmuck aus Spondylusschalen, die auf Fernhandelsverbindungen hinweisen.

Bestattungen

Die Bestattungen aus dieser Zeit sind alle Hocker. Sie liegen peripher zu der Siedlung. Die GrĂ€ber sind oft von Steinsplittern umgeben oder mit großen Platten abgedeckt (zum Beispiel Grab 7). Es gab keine bevorzugte Orientierung, Teilbestattungen sind selten (Grab 1, 19).

Römisch

In tiberischer Zeit fĂŒhrte eine Straße ĂŒber die Terrasse von Lepenski Vir, außerdem wurde ein kleiner Wachturm erbaut, der bis ins 6. Jh. genutzt wurde.

Skulpturen

Kopfskulptur aus Lepenski Vir

Alle Skulpturen bestehen aus gelben, grobkörnigem Sandstein, der vermutlich vom Oberlauf des Boljetinka, aus etwa 10 km Entfernung stammt. Die meisten Kiesel sind 16-30 cm groß, der grĂ¶ĂŸte 60 cm. Phase II zeichnet sich durch insgesamt grĂ¶ĂŸere Steine aus. Skulpturen sind ab Phase Ib bekannt (10 StĂŒck). Sie stehen gewöhnlich hinter dem Herd. Nicht immer sind sie in situ erhalten, Löcher mit 8-20 cm Durchmesser zeigen den Standort fehlender Skulpturen an. In einigen HĂ€usern (zum Beispiel 3, 29, 62) fanden sich unbearbeitete Steinblöcke in analoger Position. Srejovic unterscheidet Skulpturen und AltĂ€re, gibt allerdings zu, dass diese Unterscheidung rein formaler Natur ist. „AltĂ€re“ sind meist flach und weisen eine Vertiefung auf. Skulpturen dagegen sind aus lĂ€nglichen rundlichen Steinblöcken gefertigt. Die GrĂ¶ĂŸe der bearbeiteten Steinblöcke scheint sich nach der GrĂ¶ĂŸe der HĂ€user zu richten. Srejovic unterscheidet drei Typen von Steinblöcken:

  • naturalistische Darstellungen (15 StĂŒck)
  • abstrakte „arabeske“ Muster (24 StĂŒck)
  • anikonische und semi-anikonische Blöcke (13 StĂŒck)

Alle drei Typen kommen gleichzeitig vor. HĂ€user 3 und 28 enthalten alle drei Typen.

„Naturalistische“ Darstellungen

  • menschliche Figuren (Haus 3, 28, XLIV) mit stilisiertem Körper
  • menschliche Köpfe/Fischköpfe (Haus 24, Phase Id, XLIV, XLIV, Phase II,
  • Vulvadarstellungen (Haus 51, Phase Ic)
  • Tierköpfe

Abstrakte Darstellungen

15 Figuren stammen aus Schicht II. Die Muster treten hier stÀrker aus dem Stein hervor. Von den 30 AltÀren sind drei als Skulpturen ausgebildet, 10 tragen Ornamente und 17 sind unverziert.

Datierung

Wie die neue Auswertung der Funde durch Borić ergab, sind entgegen der Grabungsergebnisse von D. Srejović auch in den unteren Schichten von Lepenski Vir (Lepenski Vir I) Scherben der Starčevo-Kultur enthalten. Auch Steinbeile und der typische honigfarbene „balkanische“ Flint kommen dort vor. Die Siedlung ist also wohl Ausdruck einer ökonomischen Spezialisierung der örtlichen Starčevo-Bevölkerung, die anderswo vor allem von Ackerbau und Viehzucht lebte. Die 14C-Daten liegen zwischen 6200 und 5400 v. Chr. (kalibriert).

Vergleiche von Menschenknochen mit direkt assoziierten Knochen von WiederkĂ€uern (Knochenspitzen aus GrĂ€bern in der benachbarten Siedlung von Schela Cladovei) ergaben einen betrĂ€chtlichen Altersunterschied. Daraus schloss man, dass ein betrĂ€chtlicher Teil der menschlichen Nahrung aus Fisch bestand, der in dieser Gegend auf Grund des Reservoir-Effekts 425 Â±55 Jahre „zu alt“ ist. Neuere AMS-Datierungen von Tierknochen fallen in den Zeitraum zwischen 6200 und 5400 v. Chr. (cal.)

Wirtschaftsweise

Tierknochen nach Siedlungsphasen
Organische RĂŒckstĂ€nde Lepenski Vir

In den Phasen PLV, I und II finden sich nur die Knochen von Wildtieren und vom Hund. Ab III sind Haustiere hĂ€ufig. Am zahlreichsten sind Rinder, gefolgt von Schaf/Ziege und Schwein. Hundeknochen sind auffallend hĂ€ufig, Sandor Bökönyi interpretiert sie als Jagdhunde, vermutlich wurden sie aber auch gegessen. Unter den Wildtierknochen dieser Periode finden sich auch Bewohner offener Landschaften, wie der Hase und der Wildesel, die wohl von außerhalb in die Schlucht gebracht wurden. Auch der Auerochse ist eher fĂŒr GaleriewĂ€lder als fĂŒr den dichten Bergwald typisch. Gemsen lebten im Neolithikum vermutlich in geringeren Höhenlagen als heute und wurden vermutlich auf den HĂ€ngen der Korso-Berge gejagt. 17 HĂ€user enthalten HirschschĂ€del. Hier handelt es sich vermutlich nicht um Nahrungsreste, sondern um JagdtrophĂ€en oder kultische Niederlegungen.

Wichtigster Nahrungsbestandteil war Fisch. Unterhalb der FundstĂ€tte lagen auf einer Strecke von fast 500 m Stromschnellen, die den Fischfang erleichterten. Es wurden Karpfen, Welse und Störe gefangen

Isotopenanalysen zeigen, dass der Anteil von Fisch in der Nahrung im Verlaufe des Neolithikums deutlich abnahm. In den Bestattungen von Lepenski Vir sind drei Gruppen nachzuweisen, die sich nach der Isotopenanalyse von ÎŽ13C und ÎŽ15N hauptsĂ€chlich von SĂŒĂŸwassertieren, gemischt und hauptsĂ€chlich von Landtieren ernĂ€hrten. In den Schichten von LV III und spĂ€ter herrschen die Landtiere vor, im Mesolithikum die Fische, wĂ€hrend die ErnĂ€hrung in der Übergangsphase individuell sehr unterschiedlich war (Bonsall et al. 2004). Stör wurde durchgĂ€ngig gefangen, wie entsprechende GrĂ€tenfunde belegen.

Epoche Datierung [BP] ErnÀhrung
FrĂŒhmesolithikum Ă€lter als 8500 <60 % Fisch
SpĂ€tmesolithikum 8500 <60 % Fisch
Endmesolithikum 7400–7100 BP uneinheitlich
FrĂŒhneolithikum 7100–6700 50-80 % Landtiere
SpĂ€tneolithikum 5300 50-80 % Landtiere
Mittelalter - vor allem Landtiere, verm. Hirse (C4)

Weitere Fundstellen

Weitere wichtige frĂŒh-neolithische Fundstellen im Gebiet des Eisernen Tores sind Pădina, Schela Cladovei und Vlasac.

Literatur

  • DuĆĄan Borić: The Lepenski Vir conundrum: reinterpretation of the Mesolithic and Neolithic sequences in the Danube Gorges. Antiquity 76, 2002, 1026–1039.
  • Clive Bonsall et al.: Stable isotopes, radiocarbon and the Mesolithic-Neolithic transition in the Iron Gates. Documenta Praehistorica 27, 200, 119-32.
  • G. Cook et al.: Problems of dating human bones from the Iron Gates. Antiquity 76, 2000, 77-85.
  • Jutta Meurers-Balke, Hansgerd Hellenkemper (Red.): Lepenski Vir: Menschenbilder einer frĂŒhen europĂ€ischen Kultur. Mainz 1981. ISBN 3-8053-0494-3
  • D. Srejović: Die Lepenski Vir-Kultur und der Beginn der Jungsteinzeit an der mittleren Donau, in H. Schwabedissen (Hrsg.): Die AnfĂ€nge des Neolithikums vom Orient bis Nordeuropa, Teil 2: Östliches Mitteleuropa. Fundamenta, Monographien zur Urgeschichte, Reihe A, Band 3 (Köln 1971), 1-19.
  • D. Srejović: Europe’s first monumental sculpture: new discoveries at Lepenski Vir. Thames & Hudson, London: 1972.
  • D. Srejović: Lepenski Vir: Menschenbilder einer frĂŒhen europĂ€ischen Kultur. Zabern, Mainz 1972.
  • D. Srejović, et al.: Lepenski Vir, Guide Narodni muzej, Beograd 1983.
  • JĂŒrgen E. Walkowitz: Das Megalithsyndrom. Band 36 in BeitrĂ€ge zur Ur- und FrĂŒhgeschichte Mitteleuropas. 2003, ISBN 3-930036-70-3.

Weblinks

 Commons: Lepenski Vir â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

44.561111111122.0241666667Koordinaten: 44° 33â€Č 40″ N, 22° 1â€Č 27″ O

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