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Lithium-Ionen-Akkumulator

Ein Lithium-Ionen-Akkumulator (auch Lithium-Ionen-Akku, Li-Ion-Akku, Li-Ionen-SekundĂ€rbatterie, Lithium-Akkumulator oder kurz Li-Ion; [ˈliːtiʊm][1], oft fĂ€lschlich [ˈliːtsiʊm] ausgesprochen, also mit s-Laut) ist der Oberbegriff fĂŒr einen Akkumulator auf der Basis von Lithium.

Da die ersten verfĂŒgbaren Lithium-Ionen-Akkumulatoren mit Lithium-Cobaltdioxid (LiCoO2) als Elektrodenmaterial arbeiteten, hatte sich der Begriff als allgemeine Bezeichnung eingebĂŒrgert. Da es nach der Entwicklung zahlreicher weiterer Elektrodenmaterialien auf Lithiumbasis immer wieder zu MissverstĂ€ndnissen fĂŒhrt, sollte auch im allgemeinen Sprachgebrauch der Begriff nur noch fĂŒr die gesamte Gruppe der Lixx-Akkumulatoren verwendet werden und bei speziellen Angaben die korrekte Bezeichnung angegeben werden.

Lithium-Ionen-Akkumulator in Flachbauweise
Zylindrische Zelle (18650) vor dem Zusammenbau

Inhaltsverzeichnis

Geschichtliches

Bereits in den 1970er Jahren wurden an der TU MĂŒnchen das grundlegende Funktionsprinzip der reversiblen Alkalimetall-Ionen-Interkalation in Kohlenstoff-Anoden [2][3] und oxidische Kathoden [4][5]. sowie dessen Anwendung in Lithium-Batterien [6][7] erforscht und veröffentlicht, auch wenn hier das Funktionsprinzip der Verwendung von Halbleitern, insbesondere Siliziummaterialien, als Elektroden nicht erkannt wurde.

Der Lithium-Cobaltdioxid-Akkumulator, auch LiCoO2-Akku, auch Lithiumcobaltdioxid-Akkumulator, war die erste verfĂŒgbare Elektrodenchemie eines Lithium-Ionen-Akkumulator. Die Brauchbarkeit als Elektrodenmaterial wurde 1980 von einer Forschergruppe um John B. Goodenough an der University of Oxford entdeckt.[8] Die positive Elektrode besteht aus der namensgebenden Substanz Lithium-Cobalt(III)-oxid.

Im November 1989 wurde in Deutschland ein Patent[9] fĂŒr einen Lithium-Ionen-Akkumulator angemeldet sowie im folgenden ein Versuchsmuster angefertigt und erfolgreich getestet. Die deutsche Industrie zeigte damals allerdings kein Interesse an der Weiterentwicklung. Der erste kommerziell erhĂ€ltliche Li-Ionen-Akku wurde als Lithium-Cobaltdioxid-Akkumulator von Sony im Jahr 1991 auf den Markt gebracht und in der Hi8-Videokamera CCD TR 1 eingesetzt. Die Batterie besitzt mit zwei seriell verschalteten Zellen eine Zellspannung von 7,2V und eine KapazitĂ€t von etwa 1200mAh. Durch Parallelschaltung oder ZellvergrĂ¶ĂŸerung wurden KapazitĂ€ten bis 6900mAh realisiert und bis heute (2012) in einer Vielzahl von Sony-GerĂ€ten eingesetzt[10]. Auf Grund der schnellen Verbreitung dieser Zellchemie im Konsumerbereich wurde in der Folge diese Akkumulatorenart oft mit dem Oberbegriff Lithium-Ionen-Akku assoziiert, was vermieden werden sollte.

Anwendungsbereiche

Li-Ionen-Akkus versorgen tragbare GerĂ€te mit hohem Energiebedarf, fĂŒr die herkömmliche Nickel-Cadmium- beziehungsweise Nickel-Metallhydrid-Akkus zu schwer oder zu groß wĂ€ren, beispielsweise Mobiltelefone, Digitalkameras, Camcorder, Notebooks, Handheld-Konsolen oder Taschenlampen. Sie dienen bei der ElektromobilitĂ€t als Energiespeicher fĂŒr Pedelecs, Elektro- und Hybridfahrzeuge. Auch im RC-Modellbausektor haben sie sich etabliert. Durch ihr geringes Gewicht bilden sie, in Verbindung mit bĂŒrstenlosen Gleichstrommotoren und den entsprechenden Reglern, eine im Flugmodellbau verwendete Antriebseinheit. Auch werden Lithium-Ionen-Akkus bei Elektrowerkzeugen wie zum Beispiel Akkuschraubern und bei GartengerĂ€ten verwendet.

Allgemeines

Die Li-Ionen-Akkus zeichnen sich durch hohe Energiedichte aus. Sie sind thermisch stabil und unterliegen keinem Memory-Effekt.[11] Je nach Aufbau bzw. den eingesetzten Elektrodenmaterialien werden Li-Ionen-Akkus weiter untergliedert: der Lithium-Polymer-Akkumulator, Lithium-Cobaltdioxid-Akkumulator (LiCoO2), Lithium-Titanat-Akkumulator, der Lithium-Luft-Akkumulator, der Lithium-Mangan-Akkumulator, der Lithium-Eisenphosphat-Akkumulator (LiFePO4) und der Zinn-Schwefel-Lithium-Ionen-Akkumulator.[12]

Prinzip

Schematischer Aufbau einer Lithium-Ionen-Zelle (positive Elektrode: LiCoO2; negative Elektrode: Li-Graphit).

Im Lithium-Ionen-Akku wird die elektrische Energie in Lithium-Atomen (an der negativen Elektrode) und (zumeist) Übergangsmetall-Ionen (an der positiven Elektrode) in einem chemischen Prozess mit StoffĂ€nderung gespeichert. Das unterscheidet den Li-Ion-Akku vom Lithium-Ionen-Kondensator, bei dem die Speicherung der elektrischen Energie ohne StoffĂ€nderung erfolgt. Im Li-Ion-Akku kann Lithium in ionisierter Form durch den Elektrolyten zwischen den beiden Elektroden hin- und herwandern. Daher kommt auch der Name des Lithium-Ionen-Akkus. Im Gegensatz zu den Lithium-Ionen sind die Übergangsmetall-Ionen ortsfest.

Dieser Lithium-Ionen-Fluss ist zum Ausgleich des externen Stromflusses beim Laden und Entladen nötig, damit die Elektroden selbst (weitgehend) elektrisch neutral bleiben. Beim Entladen geben Lithium-Atome an der negativen Elektrode jeweils ein Elektron ab, welches ĂŒber den externen Stromkreis zur positiven Elektrode fließt. Gleichzeitig wandern gleich viele Lithium-Ionen durch den Elektrolyten von der negativen zur positiven Elektrode. An der positiven Elektrode nehmen aber nicht die Lithium-Ionen das Elektron wieder auf, sondern die dort vorhandenen und im geladenen Zustand stark ionisierten und daher recht „elektronenhungrigen“ Übergangsmetallionen. Je nach Akkutyp können das Kobalt-, Nickel-, Mangan-, Eisen-Ionen usw. sein. Das Lithium liegt im entladenen Zustand an der positiven Elektrode somit weiterhin in Ionen-Form vor.

Da an der negativen Elektrode das Lithium nicht ionisiert ist, wĂ€re es optimal, die negative Elektrode aus Lithium-Metall zu konstruieren. Das ist in der Praxis jedoch problematisch: Aufgrund der Deckschichtbildung wird Lithium nicht als kompaktes Metall, sondern dendritisch abgeschieden. Dieser fein verteilte Lithium-Schwamm ist hoch reaktiv. Zudem können Dendriten den Separator perforieren, zur positiven Elektrode durchwachsen und somit die Zelle kurzschließen.

Daher werden die (relativ kleinen) Lithium-Atome in einem anderen Stoff eingelagert, meist Graphit, wo sie sich zwischen den Graphitebenen (nC) einlagern. Man spricht von einer Interkalationsverbindung (LixnC). Wesentlich fĂŒr das Funktionieren der Interkalation ist die Ausbildung einer schĂŒtzenden Deckschicht auf der negativen Elektrode, die fĂŒr die kleinen Li+-Ionen durchlĂ€ssig, fĂŒr LösungsmittelmolekĂŒle jedoch undurchlĂ€ssig ist. Ist die Deckschicht ungenĂŒgend ausgebildet, kommt es zur Interkalation von Li+-Ionen mitsamt den LösungsmittelmolekĂŒlen, wodurch die Graphitelektrode irreversibel zerstört wird.

Aufbau

Das aktive Material der negativen Elektrode eines gÀngigen Li-Ionen-Akkus (2010) besteht aus Graphit. Die positive Elektrode enthÀlt meist Lithium-Metalloxide, wie LiCoO2 (Lithiumcobaltdioxid), LiNiO2 oder LiMn2O4.

Das Innere eines Lithium-Ionen-Akkumulators ist völlig wasserfrei (Gehalt an H2O < 20 ppm), an etwaigen BeschĂ€digungen eindringendes Wasser reagiert unter starker WĂ€rmeentwicklung mit Brand- und Verpuffungsgefahr. Der Elektrolyt besteht aus in aprotischen Lösungsmitteln wie Ethylencarbonat, Propylencarbonat, Dimethylcarbonat, Diethylcarbonat oder 1,2-Dimethoxyethan gelösten Lithiumsalzen wie LiPF6.

An Materialien werden unter anderen folgende verwendet:

Negative Elektrode
  • Graphit (Interkalation von Lithium)
  • nanokristallines, amorphes Silizium (Interkalation von Lithium)
  • Li4Ti5O12 (Lithium-Titanat-Akku)
  • SnO2 Zinndioxid
Elektrolyt
Positive Elektrode

Reaktionsgleichungen

Negative Elektrode (Entladen):

<math>\mathrm{Li}_x\mathrm{C}_n \rightarrow\ n\,\mathrm{C} + x\,\mathrm{Li}^+ + x\,\mathrm{e}^- </math>

Positive Elektrode (Laden):

<math>\mathrm{Li}_{1-x}\mathrm{Mn_2O_4} + x\,\mathrm{Li}^+ + x\,\mathrm{e}^- \rightarrow\ \mathrm{LiMn_2O_4}</math>

Redox-Gleichung:

<math>\mathrm{Li}_{1-x}\mathrm{Mn_2O_4 + Li}_x\mathrm{C}_n \rightarrow\ \mathrm{LiMn_2O_4} + n\,\mathrm{C}</math>

Metallisches Lithium kommt in keiner Reaktion vor, jedoch sind es, mit Ausnahme des Lithium-Titanat-Akkus, Lithium-Atome, nicht -Ionen, die an der negativen Elektrode in das Elektrodenmaterial interkaliert werden.

Herstellung

Lithium-Ionen-Akkumulatoren sind besonders wegen des "Nationalen Entwicklungsplans ElektromobilitĂ€t" der Bundesrepublik in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gelangt. Es werden von den Hochschulen und der Industrie große Anstrengungen unternommen, um möglichst rasch die vielfĂ€ltigen Probleme zukĂŒnftiger „Autobatterien“ zu lösen. Im Rahmen der Messe „productronica 2011“ in MĂŒnchen wurde dazu eine Sonderschau „Batteriefertigung“ gezeigt, die in enger Zusammenarbeit mit dem Fachverband Productronic im VDMA, der RWTH Aachen, dem Fraunhofer-Institut fĂŒr Produktionstechnologie und fĂŒhrenden Unternehmen gestaltet wurde. Ein Film dieser Sonderschau, der die Fertigung von Lithium-Ionen-Akkumulatoren von der Beschichtung des Elektrodenmaterials bis hin zum fertigen Modul zeigt, wurde von der Fachzeitschrift „Elektronikpraxis“ ins Internet gestellt.[13]

Eigenschaften

Vergleich von Leistungs- und Energiedichte einiger Energiespeicher (Ragone-Diagramm)

Wegen der Vielzahl an möglichen Materialien fĂŒr Anode, Kathode und Separator ist es schwierig, allgemeingĂŒltige Aussagen fĂŒr Lithiumionakkus zu treffen. Hinzu kommt die fortwĂ€hrende Verbesserung durch die Batteriehersteller, die in den letzten Jahren insbesondere auf den bekannten Problemfeldern wie Haltbarkeit und Sicherheit erhebliche Verbesserungen erzielen konnten, wĂ€hrend die Energiedichte nur in vergleichsweise geringem Umfang erhöht wurde.[14]

Kein Memory-Effekt[11]
Selbstentladung
siehe Hinweise zum Umgang mit Li-Ionen-Akkus, Unterpunkt Lagerung /Selbstentladung.
Lebensdauer
Die Lebensdauer eines Lithium-Ionen Akkus kann als Zyklenlebensdauer und als kalendarische Lebensdauer betrachtet werden. Zur kalendarischen Lebensdauer, die beschreibt wie viele Jahre ein Akku hĂ€lt, sind nur wenig Informationen verfĂŒgbar, da die Technologie noch nicht lange genug im großflĂ€chigen Einsatz ist, bzw. weil die Zyklenhaltbarkeit dominiert. Die kalendarische Lebensdauer spielt somit vor allem bei lĂ€ngerer Lagerung eine Rolle.
Die Zyklenlebensdauer ist abhĂ€ngig von Art und QualitĂ€t des Akkus, sowie von drei externen Faktoren: Temperatur, (Ent-)Ladehub und Laderate (C-Rate). Bei hohen Temperaturen verringert sich die Zyklenhaltbarkeit drastisch, weshalb der Akku am besten bei Raumtemperatur verwendet werden sollte. Niedrige Temperaturen wĂ€hrend des Betriebs, nicht jedoch wĂ€hrend der Lagerung, sind ebenfalls schĂ€dlich. Durch flaches Laden und Entladen wird die Haltbarkeit stark verbessert, da bei vollstĂ€ndig entladenem und vollstĂ€ndig geladenem Akku hohe Belastungen fĂŒr die Elektroden entstehen. Der KapazitĂ€tsverlust eines Akkus ist des Weiteren proportional zur Laderate, die wiederum von der StromstĂ€rke abhĂ€ngt.[15]
Die Mehrheit der in EndverbrauchergerĂ€ten verbauten Lithium-Ionen-Akkus der ersten Generationen hatte nur eine kurze Lebensdauer. Teilweise konnte der Nutzer schon nach einem Jahr erheblichen KapazitĂ€tsverlust feststellen; nach zwei bis drei Jahren war so mancher Lithium-Ionen-Akku bereits unbrauchbar geworden. Dabei stellte sich heraus, dass der schleichende KapazitĂ€tsverlust weniger von der Zahl der Lade- und Entladezyklen, sondern vor allem von den Lagerbedingungen abhing: Je höher die Temperatur und je voller der Akku, desto eher kam es zum Ausfall. Als Grund hierfĂŒr werden in der Regel parasitĂ€re unumkehrbare chemische Reaktionen genannt.[16]
Zunehmend werden jedoch auch im Endverbraucherbereich bessere Li-Ion-Akkus mit lĂ€ngerer Haltbarkeit verkauft. Apple gibt fĂŒr die in die MacBooks eingebauten Akkus beispielsweise an, dass nach fĂŒnf Jahren und 1000 Zyklen immer noch 80 % der AnfangskapazitĂ€t zur VerfĂŒgung stehen.[17] Bei Beachtung der von den schlechten Akkus der ersten Generationen (meist LiCoO2-Akkus) gelernten Anwendungsregeln (Betrieb und Lagerung bei möglichst tiefer Temperatur; Lagerung nur im teilgeladenen Zustand; generell weder ganz geladen noch ganz entladen) dĂŒrfte die mit den genannten moderneren Akkus tatsĂ€chlich erzielbare Zyklenzahl noch deutlich höher ausfallen.
Es gibt bereits Zellen fĂŒr Spezialanwendungen, die auch nach mehreren Jahren im Einsatz und mehreren 10.000 Lade- und Entladezyklen nur einen sehr geringen Teil ihrer KapazitĂ€t und Leistung verlieren.[18]
Coulomb-Effizienz
typischerweise annĂ€hernd 100 %,[18] das heißt, fast der gesamte in den Akku geladene Strom kann diesem auch wieder entnommen werden. Nur wĂ€hrend der ersten Zyklen ist die Coulomb-Effizienz geringer, da ein Teil der Li-Ionen mit der Elektrolytlösung an der Anode und Kathode irreversibel unter Ausbildung von Deckschichten reagiert.
Energie-Effizienz
Es kommt zu Spannungsverlust, da sich der Innenwiderstand sowohl beim Laden als auch beim Entladen jeweils dem Stromfluss entgegenstellt. Typische Gesamtwirkungsgrade betragen somit um die 90 %.[18] Werden im VerhĂ€ltnis zur maximalen Strombelastbarkeit des Akkus besonders kleine Lade- und Entladeströme verwendet, können auch ĂŒber 98 % erreicht werden.
Material Spannung
LiCoO2 3,6 V
LiMnO2 3,7–3,8 V
LiFePO4 3,3 V
Li2FePO4F 3,6 V
Spannung
Ein konventioneller Lithium-Ionen-Akku liefert eine Nennspannung von 3,6 Volt, die damit rund dreimal so hoch wie die eines Nickel-Metallhydrid-Akkumulators (NiMH-Akku) ist. Die Ladeschlusspannung liegt bei bis zu 4,2 Volt. Die Entladeschlussspannung betrĂ€gt 2,5 Volt; eine Tiefentladung fĂŒhrt zu irreversibler SchĂ€digung und KapazitĂ€tsverlust. Die Zellenspannung hĂ€ngt jedoch vom verwendeten Kathodenmaterial ab und ist daher von Akkutyp zu Akkutyp leicht unterschiedlich.[19]
Material Gravimetrische
KapazitÀt
LiCoO2 110–190 mAh/g
LiMnO2 110–120 mAh/g
Li2FePO4F 95–140 mAh/g
Leistungsdichte
Die Leistungsdichte liegt typischerweise bei 300–1500 W/kg.[20]


Energiedichte
Die Energiedichte ist mehr als doppelt so hoch wie beispielsweise die des Nickel-Cadmium-Akkumulators und liegt bei 95–190 Wh/kg, beziehungsweise 250–500 Wh/l, je nach verwendeten Materialien. Anwendungen, die eine besonders lange Lebensdauer benötigen, beispielsweise der Einsatz in Elektroautos, laden und entladen den Lithium-Ionen-Akku oft nur teilweise (z. B. von 30 bis 80 % statt von 0 bis 100 %), was die Zahl der möglichen Lade- und Entladezyklen ĂŒberproportional erhöht, aber die nutzbare Energiedichte entsprechend absenkt.[19]

Hinweise zum Umgang mit Li-Ionen-Akkus

Lithium-Ionen-Akku von VARTA

Wegen der Vielzahl an möglichen Materialien fĂŒr Anode, Kathode und Separator ist es schwierig, allgemeingĂŒltige Aussagen fĂŒr Lithiumionakkus zu treffen. Die verschiedenen Arten werden von den Herstellern fĂŒr die verschiedensten Einsatzmöglichkeiten optimiert und unterscheiden sich im Umgang teilweise sehr stark.

Ladung
Die Ladeschlussspannung betrĂ€gt typischerweise 4,0 V - 4,2 V. Da Li-Ion-Akkus keinen Memory-Effekt kennen und auch nicht formiert werden mĂŒssen, werden sie immer auf die gleiche Art geladen: Zuerst wird mit konstantem Strom geladen, der idealerweise zwischen 0,6 und 1 C liegen sollte. Die AbkĂŒrzung C steht hier fĂŒr den auf die KapazitĂ€t bezogenen relativen Ladestrom (d.h. A/Ah)[21] und ist nicht mit der Einheit Coulomb (d.h. As) zu verwechseln; ein Ladestrom von 0,75 C bedeutet, dass ein Akku mit einer KapazitĂ€t von 1 Ah mit 0,75 A geladen wird. Erreicht der Akku eine Zellenspannung von 4,2 V, wird diese Spannung gehalten, bis der Ladestrom fast auf Null zurĂŒckgefallen ist. Die Ladung wird mit Erreichen von 3 Prozent des Anfangsstroms beendet oder wenn der Ladestrom nicht mehr weiter absinkt.[19] Die Ladeschlussspannung von produktabhĂ€ngig 4,1 V bis 4,2 V muss mit weniger als 50 mV Toleranz eingehalten werden. Zwar gibt es fĂŒr kleinere ZellgrĂ¶ĂŸen Schnellladeelektroniken, die mit bis zu 2 C laden, jedoch wird die VerkĂŒrzung der Ladezeit durch KapazitĂ€ts- und Lebensdauerverlust des Akkus erkauft. Liegt die Zellenspannung unterhalb der Tiefentladeschwelle, lĂ€dt die Ladeelektronik bis zum Erreichen der Mindestspannung zunĂ€chst nur mit geringer StromstĂ€rke.[11]
Entladung
Die Spannung des Li-Ion-Akkus sinkt wĂ€hrend der Entladung kaum ab. Erst kurz vor der vollstĂ€ndigen Entladung geht die Zellenspannung stark zurĂŒck.[22] Entladeschlussspannung ist 2,5 V; diese darf nicht unterschritten werden, sonst wird die Zelle durch irreversible chemische VorgĂ€nge zerstört.
Es ist empfehlenswert, Li-Ionen-Akkus „flach“ zu (ent-)laden, da sich deren Lebensdauer so verlĂ€ngert. Ein Li-Ionen-Akku darf niemals von 100% Ladezustand auf 0% entladen werden, stattdessen sollten je nach Typ z.B. 70% Entladetiefe angewendet werden. Dies bedeutete, dass der Akku noch 30% RestkapazitĂ€t enthĂ€lt, wenn er wieder geladen wird. Einige Hersteller geben mittlerweile die Zyklenlebensdauer in AbhĂ€ngigkeit von der Entladetiefe (engl. Depth of discharge, DOD) an.[23]
In frĂŒheren Veröffentlichungen wird noch auf einen optimalen Entladestrom von 0,2 C (das heisst einem Entladestrom in Höhe von einem FĂŒnftel des Nominalwerts der NennkapazitĂ€t in Ah) hingewiesen. Bei einem Akku mit einer KapazitĂ€t von 5 Ah wĂ€ren dies 1 A.[24]
Lagerung /Selbstentladung
Der Akku altert schneller, je höher seine Zellenspannung ist, daher ist es zu vermeiden, einen Li-Ion-Akku stĂ€ndig 100 Prozent geladen zu halten. Der Ladezustand soll 55–75 % betragen, kĂŒhle Lagerung ist vorteilhaft. Ältere Quellen weisen eine Selbstentladung bei 5° Celsius von etwa 1-2% pro Monat, bei 20° Celsius etwa 30% pro Monat [25] aus. Aktuelle Angaben geben eine Selbstentladung von 3%/Monat [23] an. Hersteller empfehlen eine Lagerung bei 15 Â°C bei einem Ladestand von 60 % â€“ ein Kompromiss zwischen beschleunigter Alterung und Selbstentladung. Ein Akku sollte etwa alle sechs Monate auf 55–75 % nachgeladen werden. Lithium-Ionen-Akkumulatoren dĂŒrfen sich auch bei Lagerung nicht unter 2,5 V pro Zelle entladen. Eventuell flĂŒssige oder gelförmige Elektrolyte in der Zelle dĂŒrfen nicht gefrieren, was einer Mindesttemperatur um −25 Â°C entspricht.
(Integrierte) Elektronik
Li-Ion-Akkus reagieren sehr empfindlich auf falsche Behandlung, weshalb dieser Akkutyp zuerst nicht eingesetzt wurde, obwohl er bereits seit den 1980er-Jahren bekannt war.[26] Integrierte Schaltkreise sind sehr preisgĂŒnstig geworden; daher können Li-Ion-Akkus heute in Verbindung mit einer Elektronik (BMS = Battery Management and Monitoring System) betrieben werden, was die Sicherheit im Umgang mit diesem Akkutyp erheblich erhöht hat. Bei Akku-Packs kleiner und mittlerer BaugrĂ¶ĂŸe ist diese Elektronik meist integriert; sie dient zum Schutz gegen Tiefentladung, Überladung und thermische Überlastung. Eine selbstrĂŒckstellende Sicherung verhindert Überstrom beziehungsweise Kurzschluss. Die verwendete Prozessorsteuerung ist auf die Eigenschaften des jeweiligen Akkutyps abgestimmt. Akku-Packs, in denen zur Spannungserhöhung mehrere Zellen in Reihe geschaltet werden, verfĂŒgen oft auch ĂŒber eine Elektronik, die durch sog. „Cell-Balancing“-Ladung und Entladung fĂŒr jede einzelne Zelle individuell regelt.[27][28]
Überladung
Bei einem Überladungsversuch wird bei einem Akku mit integrierter Überwachungselektronik die Zelle von den Ă€ußeren Kontakten getrennt, bis die zu hohe Spannung nicht mehr anliegt. Danach kann er meist ohne Probleme wieder verwendet werden. Nicht alle auf dem Markt erhĂ€ltlichen Akkus enthalten eine solche Überwachungselektronik! Bei Überladung verschiedener Li-Ion-Akkus kann sich metallisches Lithium an der Anode ablagern. Das Kathodenmaterial wird dann zum oxidierenden Element und verliert seine StabilitĂ€t. Dadurch heizt sich der Akku auf und kann sogar in Brand geraten.[19] Andere Lithium-Ionen-Akkus, wie der LiFePO4-Akku sind thermisch stabil, werden aber bei Überladung ebenfalls irreversibel geschĂ€digt.
Tiefentladung
Bei einer Tiefentladung von Zellen schaltet eine eventuell vorhandene interne Sicherung oder ein BMS den Akku, meist nur temporĂ€r, ab. Es liegt dann an den externen Kontakten des Akkupacks ĂŒberhaupt keine Spannung mehr an, das heißt er kann nicht noch weiter entladen werden. Manche LadegerĂ€te weigern sich, einen derartig defekt anmutenden Akku wieder zu laden, da in diesem Fall an den externen Kontakten keine Spannung messbar ist. Der Akku wird jedoch von seiner Schutzelektronik wieder an die Kontakte geschaltet, sobald eine Ă€ußere Spannung anliegt. In solchen FĂ€llen kann es helfen, ein anderes LadegerĂ€t zu verwenden. Wenn eine Zelle auf unter 1,5 V entladen wurde, sollte sie nicht mehr verwendet werden, denn mit hoher Wahrscheinlichkeit haben sich BrĂŒcken ausgebildet, die zu einem Kurzschluss fĂŒhren. Die Zelle wird instabil und erhitzt sich stark. Es kann Brandgefahr bestehen.
LadegerÀte
Herkömmliche Li-Ionen-Akkus dĂŒrfen nur mit einer speziellen Ladeschaltung geladen werden. Die Elektronik steuert den ladungsabhĂ€ngigen Ladestrom und ĂŒberwacht insbesondere die exakt einzuhaltende Ladeschlussspannung. Auch bei vorhandener interner Schutzschaltung sollte nur mit passenden GerĂ€ten geladen werden. Schnell-LadegerĂ€te sollten immer unter Aufsicht und möglichst nicht in der NĂ€he brennbarer Materialien benutzt werden.
Betriebs- und Umgebungstemperatur
Da bei KĂ€lte die chemischen Prozesse (auch die Zersetzung des Akkus bei der Alterung) langsamer ablaufen und die ViskositĂ€t der in Li-Zellen verwendeten Elektrolyte stark zunimmt, erhöht sich auch beim Lithium-Ionen-Akku bei KĂ€lte der Innenwiderstand, womit die abgebbare Leistung sinkt. Zudem können evtl. die verwendeten Elektrolyte bei Temperaturen um −25 Â°C einfrieren. Manche Hersteller geben den Arbeitsbereich mit 0–40 Â°C an. Optimal sind 18–25 Â°C. Unter 10 Â°C kann bei manchen Arten durch den erhöhten Innenwiderstand die Leistung so stark nachlassen, dass sie nicht lange fĂŒr den Betrieb eines Camcorders oder einer Digitalkamera ausreicht. Es gibt aber Li-Ionen-Akkus mit speziellen Elektrolyten, die bis −54 Â°C eingesetzt werden können.

Gefahren beim Umgang mit Li-Ionen-Akkus

Bei verschiedenen Li-Ionen-Akkus mit flĂŒssigen oder polymeren Elektrolyten kann es ohne spezielle Schutzmassnahmen zum thermischen Durchgehen kommen. Mit der steigenden Verwendung vor allem preiswerter Akkus mehren sich Meldungen von Überhitzungen. Dies fĂŒhrt zu kostspieligen RĂŒckrufaktionen der Hersteller.[29]. Im Automobilbau kommt es durch besonders hohe Sicherheitsanforderungen auf Grund der hohen installierten Energiemengen teilweise zu Verzögerungen beim Einsatz. So verschob Opel die Auslieferung des Ampera als 3 Wochen nach einem Crashtest eines baugleichen Chevrolet Volt die versuchsweise nicht ausgebaute, voll geladene Batterie ĂŒberhitzte und zum Fahrzeugbrand fĂŒhrte.[30] Daraufhin wurde das Sicherheitskonzept der Traktionsbatterie ĂŒberarbeitet[31].

Folgende Risiken sind bekannt:

Mechanische Belastung
Mechanische BeschĂ€digungen können zu inneren KurzschlĂŒssen fĂŒhren. Die hohen fließenden Ströme fĂŒhren zur Erhitzung des Akkus. GehĂ€use aus Kunststoff können schmelzen und entflammen. Unter UmstĂ€nden ist ein mechanischer Defekt nicht unmittelbar zu erkennen. Auch lĂ€ngere Zeit nach dem mechanischen Defekt kann es noch zum inneren Kurzschluss kommen.
Chemische Reaktionen
Lithium ist ein hochreaktives Metall[32]. Zwar liegt es in Lithiumbatterien nur als chemische Verbindung vor, allerdings sind die Komponenten eines Li-Ionen-Akkus oft leicht brennbar. Ausgleichsreaktionen beim Überladen, zum Beispiel die Zersetzung von Wasser zu Knallgas wie bei anderen Akkus, sind nicht möglich. Li-Ionen-Akkus sind hermetisch gekapselt. Dennoch sollten sie nicht in Wasser getaucht werden, insbesondere in voll geladenem Zustand. Brennende Akkus dĂŒrfen daher nicht mit Wasser, sondern sollten zum Beispiel mit Sand gelöscht werden. In den meisten FĂ€llen besteht im Falle eines Brandes lediglich die Möglichkeit, auftretende FolgebrĂ€nde zu löschen und den Akku kontrolliert abbrennen zu lassen. Die Elektrolytlösung ist meist brennbar. Ausgelaufene Elektrolytlösung eines Li-Ionen-Akkus kann fern vom Akku mit Wasser abgewaschen werden.
Thermische Belastung, Brandgefahr
Bei thermischer Belastung kann es bei verschiedenen Lithium-Ionen-Akkus (→LiPo) zum Schmelzen des Separators und damit zu einem inneren Kurzschluss mit schlagartiger Energiefreisetzung (Erhitzung, Entflammung) kommen. Neuartige Akkuentwicklungen (LiFePO4) oder keramische, temperaturbestĂ€ndigere Separatoren gewĂ€hren eine erhöhte Sicherheit, haben sich allerdings noch nicht umfassend durchgesetzt. Interne Schutzschaltungen oder Batterie-Management-System (BMS) mit Temperatursensoren, eine SpannungsĂŒberwachung und Sicherheitsabschaltungen sollen bei Überladung oder Überlastung eine Erhitzung bzw. EntzĂŒndung verhindern.
Li-Ionen-Akkus dĂŒrfen, wie andere Akkumulatoren auch, nicht kurzgeschlossen werden. Durch Kurzschluss (auch mit Metallschmuck oder Werkzeugen) können durch die hohen Ausgleichströme Feuer oder Verbrennungen verursacht werden.

Ressourcenverbrauch

Je nach Art des Lithium-Akkus werden fĂŒr eine Kilowattstunde SpeicherkapazitĂ€t etwa 80 Gramm (Lithium-Eisen-Phosphat-Akkumulator) bis 130 Gramm (Lithium-Mangan- und Lithium-Cobalt-Akkumulator) reines Lithium benötigt.

Der Massenanteil von Lithium in der Erdkruste ist etwa dreimal höher als z.B. der von Blei. Lithium ist allerdings gleichmĂ€ĂŸiger verteilt, es sind nur wenige LagerstĂ€tten mit hohen Lithiumanteilen bekannt. Wegen der Nachfragesteigerung und der damit verbundenen Preissteigerung geht man seit einigen Jahren dazu ĂŒber, auch Salzseen mit einem geringen Lithiumgehalt (hĂ€ufig weniger als 0,15 Prozent) fĂŒr die Lithiumgewinnung zu nutzen. Prominentestes Beispiel ist hierfĂŒr die Salar de Uyuni in Bolivien. Lithium, beziehungsweise das hĂ€ufigste Vorprodukt Lithiumcarbonat, wurde frĂŒher meist als Nebenprodukt bei der Gewinnung von Borax und Pottasche gewonnen. Heute wird es meist als Hauptprodukt und nur noch bei der Tantalförderung als Nebenprodukt gewonnen. Der Marktpreis[33] fĂŒr Lithiumcarbonat liegt derzeit bei etwa 4,50 US-Dollar pro Kilogramm (Stand: 2008).

Die Kosten fĂŒr die Lithiummineralien spielen fĂŒr die Kosten der Lithium-Akkus nur eine sehr untergeordnete Rolle. FĂŒr die Produktion von Lithium-Akkus wird metallisches Lithium benötigt, dessen Preis je nach Marktlage sehr stark schwankt (ca. 60 USD/kg im Jahr 1998 und ca. 550 USD/kg im Jahr 2008). Metallisches Lithium wird in einem relativ energieaufwendigen Prozess aus Lithiumcarbonat oder anderen Lithiumverbindungen gewonnen, vergleichbar mit der Gewinnung von reinem Silizium aus Sand. Die hohen Kosten des Lithiums beruhen also vor allem auf dem aufwĂ€ndigen Produktionsprozess selbst.

In einer Studie[34] aus dem Jahr 1975 werden die Kosten fĂŒr die Extrahierung von Lithium aus Seewasser auf 22 bis 32 US-Dollar pro Kilogramm geschĂ€tzt. Selbst wenn man diese Kosten fĂŒr heute um den Faktor 10 multiplizieren mĂŒsste, wird der Preis fĂŒr metallisches Lithium dadurch sehr viel weniger beeinflusst als durch die wechselnde Nachfrage. Die Menge des in den Ozeanen gelösten Lithiums ĂŒbersteigt den Bedarf, der durch die vollstĂ€ndige Elektrifizierung des weltweiten Verkehrs entstĂŒnde, um viele GrĂ¶ĂŸenordnungen. Selbst fĂŒr die Pufferung von Wind- und Solarstrom aller Stromnetze weltweit wĂ€ren die LithiumvorrĂ€te weit mehr als ausreichend.

Aktuelle Entwicklungen

Im April 2006 schrieb eine Gruppe von Wissenschaftlern des Massachusetts Institute of Technology, einen Prozess entwickelt zu haben, der fĂŒr die Herstellung von Nanometer-großen DrĂ€hten Viren verwendet. Damit können ultradĂŒnne Lithium-Ionen-Akkus mit der dreifachen der bisher möglichen Energiedichte hergestellt werden.[35]

Im Juni 2006 stellten Forscher aus Frankreich Akku-Elektroden in Nanometer-GrĂ¶ĂŸe her, die ein Mehrfaches der Energiedichte im Vergleich zu gewöhnlichen Elektroden besaßen.[36]

Im September 2006 berichteten Forscher der UniversitÀt Waterloo in Kanada in der Zeitschrift Nature von einem neuen Kathodenmaterial, bei dem die Hydroxid-Gruppe der Eisenphosphat-Kathode durch Fluorid ersetzt wurde. Dies hat einen doppelten Vorteil: Erstens ergibt sich wÀhrend eines Ladungszyklus eine geringere VolumenÀnderung in der Kathode, was eine lÀngere Lebensdauer erwarten lÀsst. Zweitens erlaubt es den Ersatz des Lithiums durch Natrium beziehungsweise eine Natrium-Lithium-Mischung, weswegen er auch als Alkali-Ionen-Akku bezeichnet wird.[37]

Im Dezember 2007 berichteten Forscher der Stanford University von einem neuen Anodenmaterial fĂŒr Lithium-Ionen-Akkus mit dem zehnfachen der bisher erreichten Energiedichte. Sie verwendeten dazu Silizium-NanodrĂ€hte auf rostfreiem Stahl.[38] Es wird die Tatsache genutzt, dass Silizium als TrĂ€germaterial grĂ¶ĂŸere Mengen Lithium einlagern kann als Graphit; die geringe GrĂ¶ĂŸe der DrĂ€hte löst das Problem des Aufbrechens der Anode. Allerdings ist die Anode nur ein Teil des Akkus; bei unverĂ€nderter Kathode, Separator und Elektrolyt ist entsprechend nur eine deutlich geringere Gesamtsteigerung der Energiedichte zu erwarten. Der Leiter des Forschungsteams, Yi Cui, erwartet, dass diese Technologie in etwa fĂŒnf Jahren kommerziell erhĂ€ltlich sein wird.[39] Einen Ă€hnlichen Ansatz mit nanoporösem Silicium[40] verfolgt das Team von Jaephil Cho von der Hanyang University in Ansan, SĂŒdkorea.

Am 12. MĂ€rz 2009 wurde eine Weiterentwicklung der Lithium-Ionen-Akkus durch die beiden MIT-Forscher Byoungwoo Kang und Gerbrand Ceder veröffentlicht, die sowohl die Lade- als auch die Entladegeschwindigkeit drastisch (10 Sekunden statt 6 Minuten fĂŒr einen kleinen Test-Akku) erhöht.[41] Die Entwickler erwarten, dass diese Akkus in relativ kurzer Zeit kommerziell verfĂŒgbar sein werden, da keine neuen Materialien fĂŒr die neue Technologie gebraucht werden.

Etwa im Juni 2011 berichteten Forscher der japanischen Firma Sumitomo Electric Industries, dass fĂŒr den Fall, dass der Ableiter der Kathode, welcher ĂŒblicherweise aus Aluminiumfolie besteht, durch den Werkstoff Aluminium-Celmet ersetzt werden wĂŒrde, dies eine Erhöhung der Akkumulator-Energiedichte um einen Faktor von 1,5 bis 3 ermöglicht.[42]

Lithiumtitanat-Akkumulator

Der Lithiumtitanat-Akkumulator ist eine Weiterentwicklung des Lithium-Ionen-Akkumulators, bei der die herkömmliche Graphitanode durch eine nanostrukturierte Lithiumtitanat-Anode ersetzt wird. Die wesentlich stĂ€rkere chemische Bindung des Lithiums im Titanat verhindert die Bildung einer OberflĂ€chenschicht auf der Elektrode, die eine der HauptgrĂŒnde fĂŒr die schnelle Alterung vieler herkömmlicher Li-Ion-Akkus ist. Dadurch wird die Zahl der möglichen Zyklen drastisch erhöht. Dadurch, dass das Titanat nicht mehr mit Oxiden aus der Kathode reagieren kann, wird auch das thermische Durchgehen des Akkus verhindert, selbst bei mechanischen SchĂ€den. Außerdem kann der Akku aufgrund der Lithiumtitanat-Anode im Gegensatz zu herkömmlichen Lithium-Ionen-Akkus auch bei tiefen Temperaturen in einem Temperaturbereich von -40 °C bis +55 °C betrieben werden.

Die Lithiumtitanat-Anode besitzt darĂŒber hinaus eine effektiv wirksame OberflĂ€che von 100 m2 pro Gramm im Vergleich zu 3 m2 pro Gramm einer Graphitelektrode.[43] Dadurch werden sehr kurze Ladezeiten und eine sehr hohe Leistungsdichte von etwa 4 kW/kg erreicht. Die Energiedichte liegt mit 70–90 Wh/kg hingegen vergleichsweise niedrig.

Lithium-Polymer-Akkumulator

→ Hauptartikel: Lithium-Polymer-Akkumulator

Wie beim Lithium-Ionen-Akku besteht die negative Elektrode aus Graphit, die Positive aus Lithium-Metalloxid. Jedoch enthalten Lithium-Polymer-Akkus keinen flĂŒssigen Elektrolyten, sondern einen auf Polymerbasis, der als feste bis gelartige Folie vorliegt. Die Bauform der Lithium-Polymer-Akkus unterliegt praktisch keinen BeschrĂ€nkungen.

Lithium-Eisenphosphat-Akkumulator

Der Lithium-Eisenphosphat-Akkumulator (LiFePO4-Akkumulator) ist eine Version des Lithium-Ionen-Akkumulators, bei dem die herkömmliche Lithium-Cobaltoxid-Kathode durch eine Lithium-Eisenphosphat-Kathode ersetzt wurde. Dieser Akku zeichnet sich durch hohe Lade- und Entladeströme, eine sehr gute TemperaturstabilitĂ€t und eine lange Lebensdauer aus. Die Nominalspannung betrĂ€gt 3,2 V beziehungsweise 3,3 V, die Energiedichte betrĂ€gt 100–120 Wh/kg, die Leistungsdichte etwa 1,8 kW/kg.

Weiterentwicklungen zur Verbesserung der technischen Eigenschaften sind Dotierungen mit Ytrium- (LiFeYPO4) und Schwefelatomen.

Lithium-Luft-Akkumulator

Der Lithium-Luft-Akkumulator[44][45] ist eine neue Entwicklung durch das IBM Almaden Research Center, in der die Kathode durch Luft ersetzt wird. Als Anode dient metallisches Lithium, das vollstĂ€ndig an der Reaktion teilhaben kann. Da der fĂŒr die Reaktion benötigte Sauerstoff aus der Umgebungsluft entnommen werden kann, wird die KapazitĂ€t einer Lithium-Luft-Zelle alleine durch die GrĂ¶ĂŸe der Lithium-Anode bestimmt. Die theoretisch erreichbare Energiedichte liegt, wenn man die Masse des Sauerstoffs nicht berĂŒcksichtigt, bei rund 11.000 Wh/kg bei einer Nominalspannung von 2,96 V. IBM geht von einer kommerziell erreichbaren Energiedichte von etwa 1000 Wh/kg aus, nahezu dem zehnfachen der Energiedichte der heute kĂ€uflichen Lithium-Ionen-Akkumulatoren. Am Massachusetts Institute of Technology wurden mit einer Lithium-Luft-Akkumlator mit einer Kohlenstoff Elektrode bereits Energiedichten von bis zu 2500 Wh/kg erreicht.[46] In einer fĂŒr den maritimen Einsatz gedachten Variante des Lithium-Luft-Akkumulators wird der Sauerstoff aus Meerwasser bereitgestellt.

Bei diesem Akku besteht die Zelle aus vier Lagen, die jeweils eine positive und eine negative Elektrode sowie einen festen Elektrolyten beinhalten. Jede Lage hat 3,6 Volt und ist extra beschichtet, zusammen ergibt sich eine Zellspannung von 14,4 Volt. Die Zellen sind in einem flachen GehĂ€use platziert, welches nur eine GrĂ¶ĂŸe von 10 x 10 Zentimeter hat. Die Elektroden und Elektrolyte bestehen aus Lithium-Cobalt-Dioxid sowie Graphit und Sulfiden. Ein Vorteil der Lithium-Feststoff-Technologie gegenĂŒber herkömmlichen Lithium-Ionen-Speichern ist ihre Eigenschaft, schnell Energie aufnehmen und hohe Leistungen verarbeiten zu können. Daraus resultiert im Vergleich zu bisherigen Lösungen letztlich eine höhere Ausgangsleistung.

Im Vergleich zu den Lithium-Ionen-Akkus sind die Lithium-Feststoff-Akkus gekennzeichnet durch ihre HitzebestĂ€ndigkeit, so können die Feststoff-Akkus selbst bei Temperaturen um 100 Grad Celsius arbeiten, wĂ€hrend Lithium-Ionen-Speicher anfangen zu brennen oder die flĂŒssigen Bestandteile zu kochen beginnen. Ein weiterer Vorteil des Lithium-Feststoff-Akkus ist, dass er keine aufwĂ€ndige KĂŒhlung erfordert. Daher benötigt man weniger Platz bei gleicher Leistung oder verfĂŒgt ĂŒber mehr Leistung bei gleichem Platzbedarf.

Markt

Der weltweite Markt fĂŒr Lithium-Ionen-Akkumulatoren, auch in der Fachpresse oft „Batterien“ genannt, wird sich im Rahmen der ElektromobilitĂ€t rasant entwickeln. Nach einer Marktstudie einer fĂŒhrenden Unternehmensberatung wird das Umsatzvolumen bis 2015 auf knapp 9 Mrd. US-$ steigen, bis 2020 könnten es im gĂŒnstigsten Fall sogar ĂŒber 50 Mrd. US-$ sein.[47] Rund 80 % dieses Marktes werden sich voraussichtlich 5 große Hersteller teilen: AESC,[48] Lucky Goldstar,[49] Panasonic/Sanyo,[50] A123 systems,[51] und Samsung, Bosch.[52]

Einzelnachweise

  1. ↑ Der Duden in 12 BĂ€nden. Duden 06: Max Mangold, Das Aussprachewörterbuch, 6. Auflage, 2005, ISBN 3-411-04066-1, S. 514
  2. ↑ J. O. Besenhard and H. P. Fritz: Cathodic Reduction of Graphite in Organic Solutions of Alkali and NR 4+ Salts, J. Electroanal. Chem., 53, 329 (1974).
  3. ↑ J. O. Besenhard: The Electrochemical Preparation and Properties of Ionic Alkali Metal and NR 4+ Graphite Intercalation Compounds in Organic Electrolytes, Carbon, 14, 111 (1976).
  4. ↑ R. Schallhorn, R. Kuhlmann, and J. O. Besenhard: Topotactic Redox Reactions and Ion Exchange of Layered MoO3 Bronzes,, Mat. Res. Bull., 11, 83 (1976).
  5. ↑ J. O. Besenhard and R. Schallhorn: The Discharge Reaction Mechanism of the MoO3 Electrode in Organic Electrolytes” J. Power Sources, 1, 267 (1976/77)
  6. ↑ J. O. Besenhard and G. Eichinger: High Energy Density Lithium Cells. Part I. Electrolytes and Anodes, J. Electroanal. Chem., 68, 1 (1976); and G. Eichinger.
  7. ↑ J.O. Besenhard, High Energy Density Lithium Cells. Part II. Cathodes and Complete Cells, J. Electroanal. Chem., 72, 1 (1976).
  8. ↑ K. Mizushima, P.C. Jones, P.J. Wiseman, J.B. Goodenough: LixCoO2 (0<x<l): A NEW CATHODE MATERIAL FOR BATTERIES OF HIGH ENERGY DENSITY. In: Materials Research Bulletin. 15, 1980, S. 783–789.
  9. ↑ Patent DD290979: Galvanisches Element. Angemeldet am 10. November 1989, Erfinder: Peter Busch.
  10. ↑ WebShop: Akku fĂŒr Sony CCD Tr1, eingefĂŒgt 04.MĂ€rz 2012
  11. ↑ a b c Lithium-Ionen-Akku. In: ITWissen.
  12. ↑ Markus Pflegerl: Zinn-Schwefel-Li-Ionen-Akku: StĂ€rker, langlebiger und sicherer. In: wattgehtab.com. 15. MĂ€rz 2010.
  13. ↑ productronica-Sonderschau „Batteriefertigung“ als Publikumsmagnet. elektronikpraxis.vogel.de (30. November 2011). Abgerufen am 17. Dezember 2011.
  14. ↑ Isidor Buchmann: Ist Lithium-Ion die ideale Batterie?. batteryuniversity.com. Abgerufen am 17. Dezember 2011.
  15. ↑ Richard L. Hartmann II: An aging model for lithium-ion cells, S. 75-79 (PDF-Datei; 3,4 MB).
  16. ↑ Isidor Buchmann: "Will Lithium-Ion batteries power the new millennium?" September 2008.
  17. ↑ Neue Macbook-Pro-Modelle mit 13 und 15 Zoll. In: golem.de. 8. Juni 2009.
  18. ↑ a b c Life-Cycle Testing of Mars Surveyor Program Lander Lithium-Ion Battery Achieved Over 10,000 Low-Earth-Orbit Cycles. In: NASA.gov. 16. Oktober 2006.
  19. ↑ a b c d Charging lithium-ion batteries. In: BatteryUniversity.com. MĂ€rz 2006.
  20. ↑ E-One Moli Energy: AnkĂŒndigung einer neuen Zelle (Archivversion vom 11. MĂ€rz 2007)
  21. ↑ TecChannel.de: Akkus: Kurzlebig ab Werk – Seite 4 von 15
  22. ↑ Lithium-Ionen-Akku. In: qsl.net.
  23. ↑ a b Winston Battery: WB-LYP100AHA Datenblatt LiFePO4-Zelle 3,2 V 100 Ah, eingefĂŒgt 11.02.2012
  24. ↑ Bernhard Haluschak: Akkus: Kurzlebig ab Werk. In: Tecchannel. 23. September 2005.
  25. ↑ M.Frehner, 2007: Alles ĂŒber Akkus Abschnitt: Selbstentladung, eingefĂŒgt 15.Februar 2012
  26. ↑ Isidor Buchmann: Wann wurde die Batterie erfunden? In: Batterien-Montage-Zentrum GmbH.
  27. ↑ Battery Management Systems (BMS). In: Electropaedia.
  28. ↑ Multi-Cell Li-ion Battery Pack OCP/Analog Front End bei intersil
  29. ↑ Gigaset ruft Telefon-Akkus wegen Überhitzung zurĂŒck
  30. ↑ Opel verkauft vorerst keinen Ampera
  31. ↑ Spiegel online 6.Januar 2012: Opel-Mutterkonzern kriegt Flammengefahr in den Griff, eingefĂŒgt 13.02.2012
  32. ↑ YouTube: Lithium and Water
  33. ↑ Marktpreis fĂŒr Lithiumcarbonat (PDF-Datei)
  34. ↑ Meyer Steinberg, Vi-Duong Dang: Preliminary Design and Analysis of a Process for the Extraction of Lithium from Seawater. 1975 (Lithiumextraktion aus Seewasser).
  35. ↑  Ki Tae Nam u. a.: Virus-Enabled Synthesis and Assembly of Nanowires for Lithium Ion Battery Electrodes. In: Science. 312, Nr. 5775, 2006, S. 885–888, doi:10.1126/science.1122716.</span>
  36. ↑ Kevin Bullis: Higher-Capacity Lithium-Ion Batteries. In: Technology Review. 22. Juni 2006.
  37. ↑  B. L. Ellis u. a.: A multifunctional 3.5 V iron-based phosphate cathode for rechargeable batteries. In: Nature Materials. 6, Nr. 10, 2007, S. 749–753, doi:10.1038/nmat2007.</span>
  38. ↑ New Nanowire Battery Holds 10 Times The Charge Of Existing Ones. In: ScienceDaily. 20. Dezember 2007 (Meldung auf Sciencedaily.com).
  39. ↑ Interview with Dr. Cui, Inventor of Silicon Nanowire Lithium-ion Battery Breakthrough. In: GM-Volt. 21. Dezember 2007 (Interview auf der Website gm-volt.com).
  40. ↑ Peter Fairley: Realizing Lithium-Battery Potential. In: Technology Review. 3. Dezember 2008.
  41. ↑ Rainer Kayser: Der Super-Akku. In: pro-physik.de. 12. MĂ€rz 2009.
  42. ↑ Gernot Goppelt: „Aluminium-Celmet“ soll die KapazitĂ€t von Lithium-Ionen-Batterien verdreifachen Heise-Internetportal, Rubrik „Auto“, Sektion „News“, 30. Juni 2011
  43. ↑ Duncan Graham-Rowe: Charge a battery in just six minutes. In: New Scientist. 7. MĂ€rz 2005.
  44. ↑ Lithium/Air Semi-fuel Cells: High Energy Density Batteries Based On Lithium Metal Electrodes. In: Almaden Institute 2009. Scalable Energy Storage: Beyond Lithium Ion. 26.–27. August 2009.
  45. ↑ Swiss Engeneering STZ, Januar,Februar 2010: Die Autobatterie der Zukunft, eingefĂŒgt 04.MĂ€rz 2012
  46. ↑  Robert R. Mitchell, Betar M. Gallant, Carl V. Thompson, Yang Shao-Horn: All-carbon-nanofiber electrodes for high-energy rechargeable Li–O2 batteries. In: Energy & Environmental Science. 4, 2011, S. 2952–2958, doi:10.1039/C1EE01496J (http://pubs.rsc.org/en/content/articlelanding/2011/ee/c1ee01496j, abgerufen am 23. November 2011).</span>
  47. ↑ FĂŒnf Top-Player beherrschen den Markt fĂŒr Lithium-Ionen-Akkus fĂŒr Elektrofahrzeuge. elektronikpraxis.vogel.de (17. Oktober 2011). Abgerufen am 17. Dezember 2011.
  48. ↑ Automotive Energy Supply Corporation: Company overview. eco-aesc-lb.com. Abgerufen am 17. Dezember 2011.
  49. ↑ http://www.lgchem.com
  50. ↑ News Releases. panasonic.net (29. November 2011). Abgerufen am 17. Dezember 2011.
  51. ↑ http://www.a123systems.com
  52. ↑ http://www.sblimotive.com

Literatur

  •  Lucien F. Trueb, Paul RĂŒetschi: Batterien und Akkumulatoren. Mobile Energiequellen fĂŒr heute und morgen. Springer, Berlin 1998, ISBN 3-540-62997-1.</span>
  •  David Linden: Handbook of Batteries. 3. Auflage. Mcgraw-Hill, New York 2008, ISBN 978-0-0713-5978-8.</span>
  • J. O. Besenhard: Handbook of Battery Materials. Wiley-VCH, Weinheim 1999, ISBN 3-527-29469-4.
  • Masaki Yoshido (Hrsg.): Lithium-Ion Batteries. Science and Technologies. Springer, New York 2009, ISBN 978-0-387-34444-7.

Weblinks

 Commons: Lithium-Ionen-Akkumulator â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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