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| Republic of Liberia (englisch) Republik Liberia | |||||
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| Wahlspruch: “The love of liberty brought us here“ Deutsch: „Die Freiheitsliebe führte uns hierher.“ | |||||
| Amtssprache | offiziell keine; de facto Englisch | ||||
| Hauptstadt | Monrovia | ||||
| Staatsform | Republik | ||||
| Staatsoberhaupt und Regierungschef | Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf | ||||
| Fläche | 97.079 km² | ||||
| Einwohnerzahl | 3.476.608 (Zensus 2008) | ||||
| Bevölkerungsdichte | 35,81 Einwohner pro km² | ||||
| Bruttoinlandsprodukt nominal (2007)[1] | 730 Mio. US$ (165.) | ||||
| Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner | 195 US$ (177.) | ||||
| Human Development Index | 0,442 (169.)[2] | ||||
| Währung | Liberianischer Dollar (LRD), akzeptiert wird auch der US-Dollar | ||||
| Unabhängigkeit | am 26. Juli 1847 | ||||
| Nationalhymne | All Hail, Liberia Hail | ||||
| Zeitzone | UTC | ||||
| Kfz-Kennzeichen | LB | ||||
| Internet-TLD | .lr | ||||
| Telefonvorwahl | +231 | ||||
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Die Republik Liberia (dt.: [liˈbeːri̯a], engl.: [laɪˈbɪəɹɪə]; veraltet Liberien) ist ein Staat in Westafrika und grenzt an Sierra Leone, Guinea, Elfenbeinküste, sowie an den Atlantik.
Inhaltsverzeichnis |
Liberia liegt im Südwesten Westafrikas an der Atlantikküste. Die Nachbarländer Liberias sind Sierra Leone, Guinea und Elfenbeinküste.
Die Portugiesen waren 1461 die ersten europäischen Entdecker, die Kenntnis von diesem Land erhielten, das zunächst mit dem Namen Pfefferküste in die Landkarten eingetragen wurde. Die Mesorado Bay, Cape Palmas und das Kap Mesurado wurden neben einigen Flussmündungen und auffälligen Bergen als Orientierungspunkte der etwa 579 km langen Küstenlinie beschrieben.
Das Staatsgebiet umfasst 97.079 km².[Anmerkung 1] Es verteilt sich auf 82.030 km² Landfläche sowie 15.049 km² Hoheitsgewässer.[3]
Die Staatsgrenze hat eine Gesamtlänge von 1.585 km, davon entfallen auf Guinea 563 km, Elfenbeinküste 716 km und Sierra Leone 306 km. Die Ausdehnung des Landes beträgt 520 km in Nordwest–Südost–Richtung und 270 km in Südwest–Nordost–Richtung.[4]
Liberia liegt in einer geologischen Zone aus erdgeschichtlich sehr alten Vulkangesteinen des Paläozoikums (vor allem Granit und Gneis), deren Oberfläche von starker Verwitterung und Sedimentation geprägt ist.[5]
Das Staatsgebiet Liberias besteht größtenteils aus Bergland und erreicht eine Höhe zwischen 300 bis 500 m Meter über Meeresspiegel. An die 10 bis 50 km breite, sumpfige Küstenebene schließt sich eine bis zu 400 m hohe Plateaulandschaft an. Das von Regenwald überzogene Gebiet wurde durch Erosion in zahllose Kuppen und Täler aufgelöst. Im Norden befinden sich Gebirge. Das Land gehört zur tropischen Regenwaldzone, die etwa 60 Prozent des heutigen Staatsgebietes einnimmt. Die land- und forstwirtschaftliche Nutzung bewirkte zahlreiche kleinteilige Rodungsflächen, bedeutend für die Volkswirtschaft sind neun Gummibaumplantagen.[6][7][8]
Die höchste Erhebung ist der Mount Wuteve (1.440 m) im Norden des Landes, er gehört zum Gebirgszug der Wologizi Mountains im Nordwesten. Die Nimba Mountains im Norden befinden sich im gleichnamigen County und verfügen über Eisenerzvorkommen, deren Abbau aber durch den Bürgerkrieg zum Erliegen kam. Im mittleren Nordwesten liegen die Mano-Hills, im Zentrum erstreckt sich das Bong Range bis an die Vorstädte der Hauptstadt Monrovia, das Putu Range im Osten reicht bis auf 80 km an die Küstenstadt Greenville heran.[7][9]
Auf die Küste Liberias strömt unablässig der Guineastrom, eine warme Meeresströmung des Atlantischen Ozeans ein. Sie ist verantwortlich für die Sedimentablagerungen entlang der Küstenlinie in Form von Nehrungen und ein Klimafaktor.
Das Gewässernetz besteht aus zahllosen Bächen und etwa zehn größeren Flüssen, die zumeist in südwestlicher Richtung zur Küste fließen. Die bedeutendsten Flüsse sind (von Nord nach Süd): Mano River, Lofa River, Saint Paul River, Saint John River, Timbo River, Cestos River, Sehnkwehn River und der Cavalla River.[10] Der größte See ist der Lake Piso (etwa 100 km²) bei Robertsport. Entlang der Küste befinden sich zahlreiche kleine Lagunen und Mangrovensümpfe. Der Mount-Coffee-Staudamm am Unterlauf des St. Paul River und das Firestone-Wasserkraftwerk am Farmington River sind die bisher einzigen Staudämme des Landes.[7]
Überwiegend herrscht ein feuchtes, tropisch-heißes Klima mit einer Jahresmitteltemperatur von 32 bis 34 °C. Über elf Monate des Jahres sind die Bedingungen humid, so dass das Land zu den Immerfeuchten Tropen zählt.[11]
Das in Äquatornähe befindliche Liberia hat folgende Besonderheiten der klimatischen Verhältnisse:
An der Küste werden 24 °C bis 27 °C , im Landesinneren 22 °C bis 28 °C gemessen. Die Durchschnittstemperaturen liegen bei 26 °C im Januar und 24 °C im Juli.
Die Regenzeit ist durch ergiebige Niederschläge in allen Landesteilen gekennzeichnet, in dieser Zeit bricht der Straßenverkehr im Hinterland oft für Wochen zusammen: In der Hauptstadt Monrovia betragen die jährlichen Niederschläge 5.130 mm, in Robertsport (Nordwestküste) 5.210 mm und im trockeneren Südosten bei Harper lediglich 2.500 mm.[7][9]
Im Jahresdurchschnitt nehmen die Niederschläge zum Landesinneren hin stark ab, in den Mittelgebirgen im Norden dagegen steigen sie wieder an.[12] Insbesondere im Landesinneren kommt es in der Trockenzeit von Oktober bis März zum staubig-heißen Harmattan-Wind, einem Passatwind aus Nordost, aus der südlichen Sahara, der die Temperaturen nach oben treibt.[Anmerkung 2]
Die Böden (WRB) Liberias sind in der FAO Soil Map of Africa abgebildet.[13] Obwohl das Klima optimal für Pflanzen ist, ist die Nutzung wegen des Bodens starken Einschränkungen unterworfen. Die immerfeuchten, warmen Bedingungen führen nämlich zu einer intensiven Verwitterung des Ausgangsmaterials, so dass die für diese Klimazone typischen, geringwertigen Bodentypen vorherrschen:
In weiten Teilen des Landes sind Ferralsole absolut dominant. Dieser Bodentyp ist extrem verwittert und ausgewaschen, so dass er nahezu keine Nährstoffe mehr enthält und diese nach einer Düngung auch nicht speichern kann. Die Nährstoffe sind in Vegetation und Streu enthalten. Nach einer Rodung wird der Boden innerhalb weniger Regenschauer vollständig ausgelaugt. Ferralsole können nur über Shifting Cultivation oder mit Dauerkulturen wie Plantagen dauerhaft genutzt werden.
Vom Küstenstreifen bis auf etwa 150 m über NN dominieren leuchtend orange-gelbe (xanthic) Ferralsole. Im gebirgigen Landesinneren liegen humose (humic) und verhärtete (plinthic) Ferralsole vor und an der Grenze zu Guinea typische (haplic) Ferralsole.
Im Endstadium der Verwitterung werden die Silikate ausgewaschen (Desilifizierung), so dass nur die widerspenstigsten Eisen- und Aluminiumoxide zurückbleiben (Ferrallitisierung). Diese können sich mit Tonpartikeln verkitten, und verhärten dann nach einmaligem Trockenfallen irreversibel (Plinthitbildung). Danach ist das Bodenmaterial allenfalls noch als Baumaterial einsetzbar. Die Neigung zur Verhärtung ist fast landesweit zu beobachten. Besonders stark betroffene Böden (Plinthosole) sind vereinzelt mit Ferralsolen vergesellschaftet.
An der Grenze zur Elfenbeinküste und landesweit vergesellschaftet kommt auch den Acrisolen Bedeutung zu. Dies sind nährstoffarme, saure Böden mit einer Tonverlagerung. Sie neigen zur Verschlämmung und Verkrustung, weshalb gerodete Flächen schwer zu bearbeiten und sehr erosionsanfällig sind. Auf ihnen müssen säuretolerante Kulturen wie Ölpalmen angebaut werden, die den Boden möglichst immer bedecken.
Neben diesen großflächig dominanten Böden kommen noch weitere mit nennenswerter Verbreitung vor:
Liberia ist ein sehr artenreiches Gebiet in Afrika. Seit dem 19. Jahrhundert haben Forschungsexpeditionen in den dichten Regenwäldern Liberias immer wieder seltene und einzigartige Tierarten entdecken können. Nach Auskunft von Naturschutzbehörden sind im Land bereits 2200 Pflanzenarten, 193 Säugetierarten und 576 Vogelarten bekannt.[6][15]
Typisch für die Vegetation Liberias ist der immergrüne Regenwald. Im äußersten Norden des Landes gibt es auch einige Zonen, die als Feuchtsavanne gelten, die Küsten sind teilweise von Mangrovensümpfen bedeckt. Insbesondere Teak- und Mahagoni-Hölzer stellen besonders wertvolle Baumarten dar. Nur an Stellen, an denen weniger als 2.000 mm Niederschlag pro Jahr fällt, sind die Wälder teilweise laubabwerfend.[16][Anmerkung 3]
Leoparden, Waldelefanten und Flusspferde sind die bekanntesten Großsäugetiere Liberias,die bis in die jüngste Vergangenheit auch als Jagdwild angesehen wurden. Im Sapo-Nationalpark im Osten des Landes lebt eine der weltweit letzten Populationen des Zwergflusspferdes.[17] Zu den seltenen Arten, die im Land vorkommen gehören darüber hinaus:
In den Regenwäldern des Landes findet sich eine Vielfalt verschiedenster Tiere. Besonders zahlreich sind die Reptilienarten, darunter zum Beispiel Krokodile, ebenso eine Vielzahl mehr oder weniger giftiger Schlangenarten sowie Skorpione und Eidechsen. Artenreich sind auch die Insekten vertreten, bunte Schmetterlinge teilen sich den Luftraum mit Fledermäusen und Vögeln (auch Papageienarten). An Säugetieren werden beispielsweise Schimpansen, Antilopen und Zwerg-Flusspferde erwähnt. Aber auch Waldbüffel und Elefanten sowie die inzwischen selten gewordenen Leoparden sind hier beheimatet.
Die Küstengewässer sowie die zahlreichen Flüsse beherbergen eine Vielzahl von Fischarten und Schalentieren. Auch Schildkröten und Seevögel nutzen diesen Lebensraum. Eine Besonderheit stellen die von wechselnden Wasserständen und Brackwasserzonen geprägten Mangrovensümpfe dar.
Die internationale Naturschutzorganisation Fauna & Flora International war die erste Organisation, die es bereits 1997 wagte, nach Liberia zu gehen, um den Natur- und Umweltschutz im Lande zu organisieren. Der Sapo-Nationalpark und das Naturschutzgebiet der Nimbaberge waren die ersten Erfolge des Projektteams. Der Gedanke des Naturschutzes wurde auch in der Überarbeitung der Gesetze und Bestimmungen zum Holzeinschlag im Regenwald eingearbeitet.[22] Parks, Naturschutzgebiete und Jagdgebiete (Safaris) zählten schon früh zu den touristischen Trümpfen Liberias. Folgende Schutzgebiete bestehen gegenwärtig:
Erst in den 1970er Jahren wurde eine systematische landesweite Untersuchung der Ur- und Frühgeschichte Liberias begonnen. Diese kaum zehn Jahre andauernde Forschungskampagne lieferte wichtige Aussagen und Belege für die Besiedlungsgeschichte des Landes.[Anmerkung 4]
Die früheste Besiedlung des heutigen Staatsgebietes von Liberia setzte in der späten Jungsteinzeit von Norden kommend ein. Die zuwandernden Gruppen nutzten die savannenartige Landschaft in der Nimba-Region zunächst als Jagdrevier. Ein Vordringen bis zur Küste des Atlantiks erfolgte entlang der Flussläufe, diese boten den Menschen Nahrung und Orientierung. Es fanden sich bevorzugt auf Schotterflächen am Ufer der größeren Flüsse charakteristische Steinabschläge und Werkzeugreste dieser ersten Siedler, die das Leben von Wildbeutern führten.
Als Periplus bekannte Reisebeschreibungen antiker Autoren berichten von den Expeditionen des Sataspes und Hannos. Sie gelten inzwischen als glaubhafte Belege der ersten planmäßigen Erkundungsfahrten entlang der afrikanischen Küsten bis in den Golf von Guinea und ergänzten die zuvor bereits von ägyptischen Pharaonen in Auftrag gegebenen Forschungsreisen in das Innere des Kontinentes.[24]
Die in Westafrika entstandenen Reiche am Niger waren seit dem 13. Jahrhundert in heftige Kämpfe untereinander verwickelt, die häufige Flüchtlingsströme auslösten, hierbei dienten auch die nach Süden angrenzenden tropischen Regenwaldgebiete als Rückzugsraum. Mit Zunahme dieser Kämpfe blieben offenbar Gruppen dieser Flüchtlinge im Regenwald zurück und sonderten sich so von ihren bisherigen Volksgruppen und deren Feinden ab, sie bewahrten dabei Reste ihrer Sprache, Riten und Bräuche.[25]
Liberia war zunächst ein Projekt zur Ansiedlung ehemaliger Sklaven aus den Vereinigten Staaten und einer der ersten unabhängigen Staaten auf dem afrikanischen Kontinent. Konflikte zwischen den Nachkommen ehemaliger Sklaven und länger ansässigen Ethnien prägen das Land bis heute. Nach mehr als zehn Jahren Bürgerkrieg fanden im November 2005 Wahlen statt.
Im letzten Drittel des 15. Jahrhunderts erreichten Portugiesen die Küste des heutigen Liberia, erkundeten das Land jedoch nicht weiter. Der Landstrich wurde als Guinea-Küste – später auch als Pfefferküste bezeichnet. Im Jahr 1822 kaufte die American Colonization Society, eine Gesellschaft von weißen US-Amerikanern, den Küstenstreifen, um dort freigelassene ehemalige Sklaven anzusiedeln und gleichzeitig selbst Kolonialherren zu werden. Zu Beginn des amerikanischen Bürgerkrieges lebten dort rund 12.000 Afroamerikaner. Die daraus entstandene Herrschaft einer schwarzen Elite wurde erst im April 1980 durch einen Putsch durch Samuel K. Doe gebrochen. Die Hafenstadt Monrovia entwickelte sich seit dem 19. Jahrhundert zu einem wichtigen Knotenpunkt im Seeverkehr. Nach der Berliner Kongokonferenz im Winter 1884-1885 mussten Teile des Landes an Frankreich abgetreten werden. Der Einfluss der USA verhinderte eine vollständige Annexion. Die afrikanische Bevölkerung erhielt 1904 Bürgerrechte und 1907 das Wahlrecht. 1926 wurde den US-Firmen Firestone und Goodrich Corporation ein Teil des Staatsgebietes für Gummiplantagen für 99 Jahre überlassen. Firestone begründete daraufhin in Liberia die größte Kautschukplantage der Welt. 1950 stellte Kautschuk einen Anteil von fast 90 Prozent am Gesamtexportvolumen Liberias, es bestand somit eine totale wirtschaftliche Abhängigkeit des Landes von den USA. Die Anhebung des Preises für Reis löste 1979 landesweite Demonstrationen und Unruhen aus. Am 12. April 1980 übernahm Samuel K. Doe nach einem Militärputsch die Macht. Damit begann eine 20-jährige Phase der politischen Instabilität. Doe wurde 1989 abgesetzt, gefoltert und getötet. Es folgte der 14 Jahre währende Bürgerkrieg. Nachdem der Waffenstillstand der Bürgerkriegsparteien 2003 besiegelt war, verließ Präsident Taylor das Land. Seit dem 16. Januar 2006 ist Ellen Johnson-Sirleaf gewählte Präsidentin Liberias.
| Statistische Daten (2005)[26] | |
|---|---|
| Lebenserwartung Jahre |
58 |
| Sterberate je 1000 Einwohner |
20 |
| Geburtenrate je 1000 Einwohner |
50 |
| Fruchtbarkeitsrate pro Frau |
6,8 |
| Kindersterblichkeit auf 1000 Lebendgeborene |
235 |
| Säuglingssterblichkeit auf 1000 Lebendgeborene |
157 |
| Bevölkerungswachstum | 2,9 % |
| Bevölkerungsdichte Einwohner pro km² |
34 |
| Städtische Bevölkerung | 58 % |
| Bevölkerung unter 15 Jahren |
47 % |
| Bevölkerung über 65 Jahren |
2 % |
Nach den amtlichen Endergebnissen der Volkszählung von 2008 leben 3.476.608 Menschen in Liberia.
Prognose: Bei einer konstant sehr hohen oder sogar steigenden Geburtenrate zeigt die Pyramide eine sich nach unten exponentiell verbreitende Basis. Dies geht einher mit einer meist geringen Lebenserwartung und einer früh einsetzenden, hohen Sterberate über alle Lebensalter hinweg. Waren es im Jahr 2007 noch 3,8 Millionen Einwohner, wird für das Jahr 2050 eine Zahl von 12,5 Millionen Einwohnern prognostiziert – eine Verdreifachung innerhalb von 45 Jahren.[2][27][28]
Der Prozess der Migration und Urbanisierung hält in der Metropolregion Monrovia an, das Siedlungsgebiet reicht bis zu 30 Kilometer in das Hinterland und führt zu einem Anstieg sozialer Spannungen. Ein Großteil der ländlichen Bevölkerung lebt in der nördlichen Grenzregion zu Guinea. Bei der letzten Volkszählung wurden etwa 10.000 bewohnte Siedlungen in Liberia ermittelt.[29][Anmerkung 5]
Die sechs größten Städte waren 2008:
Artikel 27 der liberianischen Verfassung legt fest, dass nur Neger oder Personen, die von Negern abstammen („persons who are Negroes or of Negro descent“) die Staatsbürgerschaft erlangen.[30] Es existiert eine von Afroamerikanern abstammende Bevölkerungsschicht, die Kreolen oder „Amerikoliberianer“ genannt werden, sie machen 2–5 Prozent der Bevölkerung Liberias aus und sind größtenteils Christen. Als Minderheit leben noch etwa 8000 Libanesen in Liberia.[31]
Die 16 indigenen ethnischen Einheiten Liberias unterteilen sich in zwei unterschiedliche Kultur- und Sprachgruppen. Die einen gehören zu den Mandevölkern: Die Kpelle, die in der Landesmitte traditionell als Hackbauern leben, stellen 20,3 % der Bevölkerung. Im Norden leben Gio oder Dan mit 8 % und die Mano mit 7,9 %. Weitere bedeutende Mandevölker sind die Loma mit 5,1 % und die Vai mit 3 % Bevölkerungsanteil.[3]
Die zweite Gruppe bilden die Völker, die Kwa-Sprachen sprechen: Davon sind die größte Volksgruppe die Bassa um Buchanan, welche 13,4 % des Landesbevölkerung ausmachen und vielfach im Bergbau sowie als Hausbedienstete tätig sind. An der Küste östlich von Greenville spielen die Kru mit einem Einwohneranteil von 6 % eine wichtige Rolle in seemännischen und technischen Berufen; mehr als 400 Jahre lang waren sie als Matrosen auf der Westafrikaroute geschätzt.[32] Weitere Kwa-Völker sind die Grebo mit 10 % und die Krahn mit 5 %.[33] Weiterhin gibt es noch die Volksgruppen der Gola mit 4,4 %, der Kissi, Malinke (Mandingo) und Bela.[34]
In der Praxis des Zusammenlebens der verschiedenen Teile der liberianischen Gesellschaft entwickelte sich seit den 1860er Jahren in Liberia ein Patronage-System, indem die Familien der ameriko-liberianischen Oberschicht in ihren Haushalten und ím familiären Umfeld Kinder und Jugendliche aus Familien der indigenen Bevölkerung aufnahmen, um sie durch Schul- und Berufsausbildung an sich zu binden. Im Ergebnis dieser zunehmenden Verflechtung mit der Oberschicht entstand eine tief verwurzelte Abhängigkeit und Ergebenheit gegenüber den Ameriko-Liberianern.[35][Anmerkung 6]
In Folge der Bürgerkriege in den Nachbarländern Sierra Leone und Elfenbeinküste befanden sich im Jahr 2008 noch etwa 12.600 Flüchtlinge aus Sierra Leone in Liberia, gleichzeitig lebt eine etwa gleichgroße Anzahl von liberianischen Bürgerkriegsflüchtlingen in westafrikanischen Staaten oder hat um politisches Asyl in europäischen Staaten ersucht.[36]
Keine der westafrikanischen Sprachen hat bisher im nationalen Rahmen Liberias eine dominierende Position einnehmen können. Der Staat Liberia benutzt als de facto Amtssprache das Englische, bei dem es sich um das modifizierte Liberianische Englisch handelt, die mit zahlreichen Lehnworten aus einheimischen Sprachen durchsetzt ist. Mittlerweile bezeichnen 2,5 Prozent der Bevölkerung - Nachfahren der aus den USA zurückgesiedelten befreiten Sklaven - Englisch als Muttersprache.
Im täglichen Leben überwiegt der Gebrauch der Sprachen einzelner Volksgruppen. Mande wird im Westen und Norden des Landes gesprochen und Kru im Osten und Süden. Weitere Sprachen in Liberia sind Gola und Kpelle.
Einige dieser Völker sind durch hohe Leistungen bei der Entwicklung eigener Schriften bekannt geworden. Die Vai-Schrift stellt eine Besonderheit unter den Schriften dar: Sie wurde entwickelt, um die westafrikanischen Familien- und Ortsnamen und weitere Personendaten in den Kirchenbüchern zu notieren. Die Schrift wurde von gebildeten Volksgruppenmitgliedern beherrscht, die derartige Daten an die Behörden melden mussten. Alle bekannt gewordenen Beispiele der Vai-Schrift werden im Museum Monrovias gesammelt. Im 20. Jahrhundert wurden auch unter den Kpelle, Bassa und Loma weitere Schriften entdeckt, die ebenfalls phonetische Schreibschriften auf der Grundlage vorhandener Piktogramme darstellen. Inzwischen hat allerdings die lateinische Schrift die einheimischen Schriftsysteme weitgehend verdrängt.[33]
Etwa 85,6 Prozent der Bevölkerung (vorwiegend in der Küstenregion) sind Christen, 12,2 Prozent (mit zunehmender Tendenz) sind Muslime und nur noch 0,6 Prozent bekennen sich zu den traditionellen Natureligionen. 1,4 % haben keine Religion.[3]
Der National Muslim Council of Liberia in Monrovia wird von Shaykh Kafumba Konneh angeführt, er vertritt die etwa 670.000 Gläubigen Muslime.[37]
Die Römisch-katholische Kirche hat in Liberia 166.000 Gläubige, es bestehen drei Bistümer: das Erzbistum Monrovia mit 132.600 Gläubigen, das Bistum Cape Palmas mit 19.100 Gläubigen und das Bistum Gbarnga mit 14.300 Gläubigen, die Einteilung erfolgte in den 1950er Jahren.[38] Der Erzbischof von Monrovia, Lewis Zeigler ist auch Vorsitzender der Bischofskonferenz von Liberia.[37]
Die Vereinigte Methodistische Kirche in Liberia wurde 1833 in Monrovia gegründet. Der Bischof der 68.300 Gläubigen Methodisten ist Reverend Dr. Samuel J. Quire Jr.[37]
An der Spitze der 35.600 Gläubigen der Lutherischen Kirche von Liberia steht Bischof Sumoward E. Harris.[37]
Liberia ist Teil der Anglican Communion, Province of West Africa als Protestantische Eposkipalkirche von Liberia. Diese Kirche wurde bereits 1836 in Liberia gegründet und trat, 1982 der Kirchenprovinz Westafrika bei. Metropolit der Kirchenprovinz ist der amtierende Bischof von Accra in Ghana. Der Bischof von Liberia, mit Amtssitz in Monrovia, war bis 2011 Reverend Edward Neufville, sein Bistum hat gegenwärtig etwa 20.000 Gläubige.[37]
Zu den Freikirchen in Liberia gehört die Pfingstgemeinde – Assemblies of God mit 14.500 Gläubigen, sie hat 287 Kirchgemeinden und wurde bereits 1908 gegründet. An der Spitze steht der General Superintendent Jimmie K. Dugbe.[37]
Die Providence Baptist Church in Liberia wird von Reverend A. Momolue Diggs geleitet und hat etwa 2500 Gläubige. Die Kirche hat 300 Pfarreien (Congregationen) und betreibt acht Schulen. The Liberian Baptist Missionary and Educational Convention Inc. wurde bereits 1880 in Monrovia (Hauptsitz) gegründet, er steht gegenwärtig unter der Präsidentschaft von Reverend J.K. Levee und Reverend Charles W. Blake als Generalsekretär.[37]
Der Einfluss der USA ist auch in der Religionsausübung fühlbar, hierbei wächst besonders der Einfluss der Methodistischen Kirche, der Baptisten, Presbyterianer und der Episkopalen. Ihre ersten Missionsgesellschaften nahmen bereits kurz nach der Gründung der Republik Liberia ihre Arbeit auf.[39]
Die Zeugen Jehovas zählen in Liberia mehr als 6000 Gläubige.[40]
Die seit 1847 bestehende Republik Liberia ist der zweitälteste unabhängige Staat Afrikas (nach Äthiopien). Die erste Verfassung Liberias wurde bereits am 5. Januar 1839 mit den Hauptvertretern der American Colonization Society inhaltlich beraten und beschlossen. Die Textform bezeichnete das neue Staatswesen als präsidiale Republik des Commonwealth of Liberia.[41]
1984 wurde eine neue Verfassung durch Volksabstimmung angenommen, die sich wie die vorhergehende, eng an das US-amerikanische Modell anlehnt. Die Legislative liegt beim Parlament. Das Parlament besteht (nach amerikanischem Vorbild) aus zwei Kammern:
Der für sechs Jahre gewählte Präsident ist nach der Verfassung von Liberia zugleich Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der liberianischen Streitkräfte.[30]
Aus den Präsidentschaftswahlen vom November 2005 ging Ellen Johnson-Sirleaf (Unity Party) mit etwa 59,4 Prozent der Stimmen als Siegerin hervor. Damit setzte sie sich in zwei Wahlgängen gegen 22 Kandidaten durch, unter denen George Weah (Congress for Democratic Change) derjenige war, der mit ihr gemeinsam die Stichwahl erreichte, dort aber unterlag. Sie ist die erste Frau, die durch eine Wahl das Amt eines Staatsoberhauptes in Afrika erlangte.[42] Bei der Wahl im Jahr 2011 kam Sirleaf im ersten Wahlgang am 11. Oktober auf 43,9 Prozent der Stimmen, ihr Herausforderer Winston Tubman vom Kongress für Demokratischen Wandel (CDC) auf 32,7 Prozent. Bei der Stichwahl im November erreichte Sirleaf rund 90 Prozent. Ihr Gegenkandidat war nicht angetreten. Die Wahl wurde überschattet von gewaltsamen Ausschreitungen. Daher war die Wahlbeteiligung gering, sie lag nach Angaben von Experten bei 37 Prozent.[43]
In der gegenwärtigen Legislaturperiode bestehen etwa 20 Parteien, die das politische Leben des Landes bestimmen. Die True Whig Party of Liberia führte von 1878 bis 1980 eine faktische Alleinherrschaft der Americo-Liberianer.
Die letzten Parlamentswahlen fanden am 11. Oktober 2006 statt, dabei konnten sich die folgenden 11 Parteien und einige Einzelkandidaten (Unabhängige) behaupten.[42]
| Name (Englisch) | Kürzel | Repräsentantenhaus (Abgeordnete) |
Senat (Senatoren) |
|
|---|---|---|---|---|
| Congress for Democratic Change | CDC | 16 | 3 | |
| Unity Party | UP | 10 | 5 | |
| Coalition for the Transformation of Liberia | COTOL | 8 | 6 | |
| Liberty Party | LP | 8 | 3 | |
| Alliance for Peace and Democracy | ADP | 5 | 3 | |
| National Patriotic Party | NPP | 4 | 3 | |
| New Deal Movement | NDM | 3 | 0 | |
| All Liberia Coalition Party | ALCOP | 2 | 1 | |
| National Democratic Party of Liberia | NDPL | 1 | 2 | |
| National Reformation Party | NRP | 1 | 1 | |
| United Democratic Alliance (Liberia) | UDA | 1 | 0 | |
| Parteilose | 5 | 3 | ||
| Total | 64 | 30 |
Das vorliegende Wahlergebnis von 2006 zeigt die starke Zersplitterung der Parteienlandschaft. Keine politische Gruppierung verfügt über mehr als 15 Sitze im Repräsentantenhaus und über mehr als sieben Senatoren.[8]
Die wichtigste Gewerkschaft des Landes ist die Liberian Federation of Labour Unions.
Nach dem Staatsstreich von 1980 wurde im Februar 1982 das zuvor aufgelöste People's Supreme Court als Oberstes Gericht Liberias wieder „installiert“. Zuständig für die Bestätigung von Wahlergebnissen ist seit Januar 1992 ein aus fünf Mitgliedern bestehender unabhängiger Supreme Court (Oberster Gerichtshof), Henry Reed Cooper steht gegenwärtig als Chief Justice of the Supreme Court of Linberia an der Spitze des Justiz-Systems.[44]
Liberias Justizwesen befindet sich ebenfalls im Aufbau, es gibt jedoch nur eine sehr geringe Anzahl von Gerichtsgebäuden, Richtern und Staatsanwälten. Die Kenntnis und Respektierung der Gesetze ist kaum ausgeprägt, in weiten Teilen des Landes erfolgen Prozesse nach althergebrachten archaischen Gesetzen oder den religiösen Vorschriften der Sharia.[45]
Die Haftbedingungen in den liberianischen Gefängnissen sind hart und manchmal lebensbedrohend. Im Gegensatz zu europäischen Rechtssystemen regeln in weiten Teilen Liberias noch konservative Moralvorstellungen, indigenen Gesetzen und Traditionen das Zusammenleben in den ländlichen Regionen. Zu ihnen gehört auch die Praxis der Vergewaltigung in der Ehe, sowie häusliche Gewalt gegen Kinder und die international geächtete Genitalverstümmelung bei Frauen.[36]
Der erfolgreiche Wiederaufbau des Staatsapparates ist eine wesentliche Voraussetzung für die Zukunft des Landes. Seit 1990 ist die ECOWAS-Friedenstruppe ECOMOG im Land, die vorwiegend von Nigeria und Ghana gestellt wird. Auf Druck der ECOWAS wurde der Friedensprozess Mitte der 1990er Jahre fortgesetzt.
Korruption ist immer noch ein Hauptproblem in allen Ebenen des Staatsaufbaus. Liberia war 2007 auf Platz 150 von 175 Ländern auf der Korruptionswahrnehmungsindex.[36]. Bis 2010 konnte sich Liberia jedoch bis auf Platz 87 verbessern und liegt damit gleichauf mit Indien und Marokko.[46]
Mit einem Mandat der UNO befinden sich seit dem Ende des Bürgerkrieges etwa 15.000 Angehörige der UNMIL-Friedenstruppen und 1100 UNPOL-Offiziere im Land und helfen die Aufrechterhaltung der inneren Sicherheit zu gewährleisten. Die liberianische Nationalpolizei (LNP) wird unter Beteiligung der UNPOL umstrukturiert, rekrutiert, geschult und mit modernisierter Technik ausgerüstet. Seit 2004 wurden 3500 LNP Offiziere eingesetzt. Die Polizeipräsenz kann aber noch nicht verhindern, dass es zu Fällen von Gewalt und Selbstjustiz kommt.[36]
Liberia ist Mitglied folgender internationaler Organisationen und Staatenbünde:
Liberia zählte seit den 1980er Jahren zu den instabilsten und gefährlichsten Staaten der Welt. Nach dem Bürgerkrieg versucht Liberias Regierung ihre traditionellen Bindungen und Beziehungen zu den USA zu festigen. Im Vorfeld eines Staatsbesuch des US-Präsidenten George W. Bush am 21. Februar 2008 äußerte dieser, dass die Vereinigten Staaten keine neuen U.S. Militärbasen in Afrika planten, obwohl die liberianische Präsidentin Sirleaf sich als bisher einziger Führer eines Afrikanischen Landes dafür eingesetzt hatte, das Hauptquartier des U.S. Africa Military Command in Liberia einzurichten.[47] Die Ansiedlung des AFRICOM erfolgte in Europa (Stuttgart), da die Afrikanische Union und ihre Mitglieder den Zielen des AFRICOM misstrauten, und die Vereinigten Staaten daher kein afrikanisches Gastgeberland für die Behörde fanden.[48]
Auch der vorherige Präsident Bill Clinton und seine Frau und gegenwärtige Außenministerin Hillary Clinton besuchen Liberia regelmäßig um Unterstützung für Hilfsprojekte zu organisieren.
Im Rahmen ihrer Afrikareise besuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel im Oktober 2007 die Hauptstadt Monrovia, bei dieser Gelegenheit wurde den mitreisenden Wirtschaftsvertretern eine Verbesserung der deutsch-liberianischen Wirtschaftsbeziehungen zugesichert.[49]
Gleichzeitig wachsen die Bemühungen der Volksrepublik China, in Liberia Einfluss zu gewinnen. Chinesische Entwicklungshelfer und Techniker bemühen sich um den Aufbau der zerstörten Infrastruktur – im Gegenzug erwartet China bevorzugte Verträge bei der Rohstoffversorgung mit Kautschuk, Eisenerz und beim Import chinesischer Produkte durch Liberia.[50] Als ein bleibendes Zeichen der „Guten Beziehungen“ übergab der chinesische Botschafter in Liberia im Juni 2010 den neu erbauten Fendall-Campus der University of Liberia.[51]
Liberia hat auf Grund seiner pro-westlichen Haltung in den afrikanischen Staaten viel Ablehnung erfahren, daher haben nur wenige afrikanische Staaten mit Liberia diplomatische Beziehungen aufgenommen. Im Verlauf des Bürgerkrieges verließen fast alle Diplomaten aus Sicherheitsgründen das Land und kommen nur zögerlich zurück. Die Botschaften der Bundesrepublik Deutschland, der Schweiz und Österreichs wurden nach Accra evakuiert.[52]
Unter der aktuellen Regierung der Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf werden verstärkt asiatische Staaten zur Wirtschaftskooperation angesprochen und diplomatische Beziehungen vereinbart, jüngstes Beispiel (Juni 2010) ist das Emirat Kuwait.[53]
Der Staat Liberia gliedert sich in fünfzehn Regionen (Countys). Die liberianische Regierung ernennt die 15 Verwaltungschefs (County Superintendent und District Commissioner) dieser nachgeordneten Einheiten. Die Städte verfügen über gewählte Bürgermeister und Stadträte. Großen Einfluss auf das politische Geschehen im Lande üben traditionelle Führer auf den unterschiedlichen Ebenen (Town Chief, Clan Chief und Paramount Chief) aus, dieser Zwiespalt setzt sich auch im Rechtswesen fort, wo öffentliche und traditionelle Gerichtsbarkeit nebeneinander bestehen.[8]
| Nr | Region | Hauptstadt | Bevölkerung (2008)[27] |
Fläche (km²)[27] |
Gründung | |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Bomi | Tubmanburg | 82.036 | 1.942 | 1984 | |
| 2 | Bong | Gbarnga | 328.919 | 8.772 | 1964 | |
| 3 | Gbarpolu | Bopulu | 83.758 | 9.689 | 2001 | |
| 4 | Grand Bassa | Buchanan | 224.839 | 7.936 | 1839 | |
| 5 | Grand Cape Mount | Robertsport | 129.055 | 5.162 | 1844 | |
| 6 | Grand Gedeh | Zwedru | 126.146 | 10.484 | 1964 | |
| 7 | Grand Kru | Barclayville | 57.106 | 3.895 | 1984 | |
| 8 | Lofa | Voinjama | 270.114 | 9.982 | 1964 | |
| 9 | Margibi | Kakata | 199.689 | 2.616 | 1985 | |
| 10 | Maryland | Harper | 136.404 | 2.297 | 1857 | |
| 11 | Montserrado | Bensonville | 1.144.806 | 1.909 | 1839 | |
| 12 | Nimba | Sanniquellie | 468.088 | 11.551 | 1964 | |
| 13 | River Cess | Cestos City | 65.862 | 5.594 | 1985 | |
| 14 | River Gee | Fish Town | 67.318 | 5.113 | 2000 | |
| 15 | Sinoe | Greenville | 104.932 | 10.137 | 1843 |
Das staatliche liberianische Bildungssystem ist kostenlos und besteht aus Grund- und Hauptschule (primary and secondary education), der reguläre Schulbesuch ist gesetzlich auf 9 Schuljahre festgesetzt. Nach Angaben der Regierung wurden seit 1999 jeweils 10 Prozent des jährlichen Staatsbudget in Bildung investiert. Die Einschulung erfolgt im Alter von 7 Jahren, der Besuch der Grundschule währt in der Regel sechs Schuljahre. Im Alter von 13 Jahren beginnt die Hauptschulausbildung, diese kann auch in zwei aufeinanderfolgenden dreijährigen Ausbildungsphasen zum Abitur führen. Nach Angaben von Hilfsorganisationen können seit 2002 lediglich 40 Prozent der Schulpflichtigen wieder am Unterricht teilnehmen, da die schulische Infrastruktur in vielen ländlichen Gebieten nur rudimentär vorhanden ist. Schulunterricht nach europäischem Maßstab wird demnach nur in den größeren Städten und im Umkreis von christlichen Missionsstationen angeboten. Die Mehrzahl der aus muslimisch geprägten Elternhäusern stammenden Kinder besuchen nur die Koranschule..[54]
Die lebensnotwendigen und traditionellen Kenntnisse der liberianischen Landbevölkerung werden in althergebrachter Weise vermittelt. Sowohl Jungen wie Mädchen werden ab einem bestimmten Alter, vor dem Erreichen der Pubertät von ihren Familien getrennt, sie werden in abgeschotteten Gruppen auf ihr Leben als Erwachsene vorbereitet. Man nennt diese Gruppen „Poroschule“, Mädchen werden in die „Sande“ aufgenommen. Sie erlernen dort von wenigen Ausbildern die traditionellen Bräuche, auch geheime Riten und bekommen die zum Überleben notwendigen Fertigkeiten angeeignet. Die Jugendlichen erwerben den erforderlichen Respekt für die Autoritäten und Hierarchien in ihrer Gruppe und der Gesellschaft. Nach der drei- bis vierjährigen „Ausbildung“ werden diese Jugendlichen festlich in den Kreis der Erwachsenen aufgenommen und erhalten in der Gemeinschaft neue Rechte und Pflichten zugeteilt. Erst als Erwachsene finden sie die Möglichkeit, sich für einen Schulbesuch zum Erlernen von Lesen und Scheiben zu entscheiden. Mädchen erhalten tendenziell weniger Schulbildung.[55]
Verschiedene Projekte der Regierung verfolgen das Ziel, die Bildungsangebote zu verbessern, auch werden Alphabetisierungskampagnen durchgeführt, um die in der Bürgerkriegszeit entstandenen Defizite zu kompensieren.[56][Anmerkung 7] Mary Antoinette Brown-Sherman war die erste Rektorin einer afrikanischen Universität. In ihrer Amtszeit (1978–1984) wurde eine Internatsschule in Fendall (Universität Primary School) gegründet.
Für gemeinsame Bildungsprojekte und gegenseitige Anerkennung der Hochschulabschlüsse trat Liberia dem West African Examinations Council (WAEC) bei. Hierbei handelt es sich um eine Vereinigung englischsprachiger Länder.[61][62][Anmerkung 8]
Die Vai-Schrift ist eine eigenständige Schrift, mit der das auch in Liberia ansässige Volk der Vai seine Sprache aufzeichnete. Diese Silbenschrift besteht aus 226 Zeichen (Vokale oder Silben) und wurde 1849 vom Missionar S. W. Koelle erstmals beschrieben. Einheimische Quellen berichteten, dass die Vai-Schrift zwischen 1829 und 1839 erfunden wurde.[6]
Daneben haben auch die Bassa, die Kpelle und die Mende jeweils eigene Schriftsysteme und Alphabete für ihre Muttersprachen. Diese sind die Bassa Vah-Schrift, die Kpelle-Schrift und die Mende-Schrift.
| Statistische Daten[3] | |
|---|---|
| BIP pro Kopf, PPP | 500 US$ (2010) |
| Auslandsverschuldung | 3200 Mio. US$ (2005) |
| Zahlungsbilanz | – 224 Mio. US$ (2007) |
| Inflationsrate | 11,2 % (2007) |
| Arbeitslosigkeit | 85 % (2003) |
Die Wirtschaft von Liberia ist durch große Gegensätze gekennzeichnet. Das Land zählte nach dem Zweiten Weltkrieg zu den fortschrittlichsten Ländern Afrikas und hatte unter der Herrschaft von William Tubman nach Japan das höchste Wirtschaftswachstum der Welt. Durch die liberianischen Bürgerkriege wurden allerdings viele Errungenschaften zerstört. Während des Bürgerkriegs sank das Pro-Kopf-Einkommen auf unter 125 Euro.
Liberia ist heute daher eines der ärmsten Länder der Erde. International wurden 420.000.000 Euro als Entwicklungshilfe bereitgestellt und Liberia ist in viele multinationale Gemeinschaften eingebunden. Aus einer Studie der Washingtoner Organisation Fund for Peace und des US-Politmagazins „Foreign Policy“ hat Liberia in den Jahren seit dem Ende des Bürgerkrieges die deutlichste Verbesserung im sogenannten Index gescheiterter Staaten vollbracht, dieser bewertet die politische, soziale und wirtschaftliche Lage des jeweiligen Staates.
Präsidentin Johnson-Sirleaf hat erste Schritte zur Bekämpfung der Korruption, Anreize für private Investitionen und eine Werbeinitiative zur Unterstützung von internationalen Gebern übernommen. Die Inflationsrate stieg weiter an und lag 2008 bei 11,2 Prozent.[36]
2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in Prozent des BIP) folgender Bereiche:
| Erlöse [64] (in Mio USD) |
2000 | 2001 | 2002 |
| Landwirtschaft | 400 | 391 | 432 |
| Bergbau | 1 | 0,2 | 0,1 |
| Industrie | 38,1 | 43,1 | 30,3 |
| Energieerzeugung | 3 | 3 | 2,8 |
| Bauwirtschaft | 8 | 8,7 | 8,3 |
| Binnenhandel | 21,1 | 21,2 | 28,2 |
| Transport und Telekommunikation |
24,4 | 24,3 | 28,2 |
| Finanzdienstleistungen | 15,1 | 14,6 | 13,9 |
| Verwaltungdienste | 16,9 | 14,1 | 12,3 |
Nach einer viele Jahrzehnte währenden Abhängigkeit von den USA hat sich Liberia auf neue Handelspartner eingestellt. Wichtigste Abnehmer für Liberias Exporte waren 2008 Belgien mit 48 Prozent und Italien mit 10 Prozent der Gesamterlöse des Landes, inzwischen wird eine deutliche Verschiebung zu Gunsten der Volksrepublik China erwartet. Als wichtigste Lieferstaaten für Liberias Importe treten Südkorea mit 27 Prozent, Japan mit 25 Prozent und Singapur mit 7 Prozent in Erscheinung. Diese Staaten beliefern Liberia mit Schiffsneubauten und -reparaturdienstleistungen. Auch Deutschland besitzt mit 14 Prozent noch einen beachtlichen Marktanteil.[65]
Exportgüter sind Naturkautschuk und Gummi, Tropenholz, Eisenerz, Diamanten, Kakao, Kaffee, Ananas. Nach dem Eisenerz ist Kautschuk das zweitwichtigste Exportgut des Landes. Die Präsidentin Johnson-Sirleaf erwartet von dem Abkommen mit Arcelor Mittal eine Signalwirkung für weitere ausländische Investitionen in die liberianische Wirtschaft. Aber auch die Abhängigkeit von ausländischen Kapitalgebern trägt zu den Problemen des Landes bei.[49]
| Anbaufrucht [66] (Betrag in 1000 Tonnen) |
2000 | 2001 | 2002 |
| Reis | 183,4 | 145 | 110 |
| Süßkartoffel | 18 | 18 | 18 |
| Maniok | 440,5 | 480 | 480 |
| Yams | 22 | 26 | 26 |
| Zuckerrohr | 250 | 255 | 255 |
| Bananen | 110 | 110 | 110 |
| Orangen | 7 | 7 | 7 |
| Kautschuk | 105 | 107 | 108 |
| Palmöl | 174 | 174 | 174 |
Etwas mehr als 70 Prozent der Liberianer leben von der Landwirtschaft, die zur Selbstversorgung betrieben wird. Meist arbeitet man im Brandrodungsbau, der nicht nur zur Auslaugung der Böden und zur Vernichtung wertvoller Waldbestände beiträgt, gleichzeitig aber auch nicht geeignet ist, eine Marktproduktion zu errichten, d.h. eine Produktion, die über die Selbstversorgung hinausgeht. Die Hauptnahrungsmittel sind Maniok, Reis, Mais und Süßkartoffeln. Liberia ist ein wichtiges Anbaugebiet für Maniok, in Liberia unter dem Namen Cassava bekannt. Der Anbau wird im Familienbetrieb (Kleinbauern) betrieben und konzentriert sich auf die zentralen Provinzen Bong, Nimba und Grand Bassa.[67]
Weitere, traditionell für den Export in die USA bestimmte Anbauprodukte sind Zuckerrohr, Baumwolle, Kaffee, Kakao und Ölpalmprodukte.[26] Die Vorkommen an über 100 wertvollen Arten von Tropenhölzern aus den zehn staatlichen Forstbezirken (Gbi, Gio, Gola, Grebo, Krahn-Bassa, Kpelle, Nimba, Sapo, South-Belle, North-Belle, und Vai) sind stark zurückgegangen. Ein Teil der Forstgebiete soll nun dauerhaft unter Naturschutz gestellt werden, küstennahe Gebiete sollen an ausländische Holzkonzerne mit strengen Auflagen konzessioniert werden.[6][68]
Auf den Fischereisektor entfallen rund fünfzehn Prozent des BIP des Landes.[Anmerkung 9]
Seit Jahrhunderten betrieben Bewohner Liberias eine einfache Küstenfischerei mit Netzen. Die Hochseefischerei wird seit den 1970er Jahren auch mit relativ modernen Fischkuttern betrieben, 1988 besaß Liberia 55 Fischtrawler. Die Fischerei und die damit verbundenen Zulieferindustrien und Gewerbe bieten Beschäftigung für 20.000 Menschen.[69][Anmerkung 10]
Im Jahr 1999 gab es fünf kommerzielle Unternehmen in Liberia, die mit den angegliederten Fischfabriken und Kühlhäusern rund 6000 Menschen im Fang und Verarbeitungsbereich beschäftigen. Die wirtschaftlich bedeutendste Speisefischart, mit 80 Prozent im Fangaufkommen, ist Ethmalosa (Ethmalosa fimbriata). Gefangen werden auch Garnelen, Westafrikanischer Kreuzwels (Arius seemani) und Blue Threadfin (Eleutheronema tetradactylum). In den Flüssen des Landes werden Buntbarsche (Tilapia nilotica) und der Afrikanische Waller (Clarias luzerra) bevorzugt.
Für die Ernährung werden auch Muscheln, Kopffüßer und Krebstiere gefangen.[70][71]
Der Dienstleistungssektor gehört zu den am stärksten wachsenden Wirtschaftsbereichen. In der Hauptstadt markieren zahlreiche Neubauten von Banken die belebende Konjunktur. Das private Transportwesen entwickelt sich besonders in der Metropolregion Monrovias. Zahlreiche Taxis und Pick-Up-Unternehmen entstanden hier. Große Erwartungen setzt man in den Ausbau des Freihafens.
Vor dem Bürgerkrieg stützte sich die Wirtschaft zu einem großen Teil auf die Förderung von Eisenerz. Mit Investitionen im Wert von 1 Milliarde US-Dollar des Stahlkonzerns Arcelor Mittal soll die Eisenerzindustrie nun wieder revitalisiert werden. Es werden direkt 3500 und indirekt 15.000 bis 20.000 neue Arbeitsplätze geschaffen, sobald die Produktion hochgefahren werden kann.[49] Eine weitere Dominante ist der Kautschuk. 1926 wurde den US-Firmen Firestone und Goodrich ein Teil des Staatsgebietes für Gummiplantagen für 99 Jahre überlassen. Firestone gründete in Liberia die größte Kautschukplantage der Welt. 1950 stellte Kautschuk einen Anteil von fast 90 Prozent am Gesamtexportvolumen Liberias. Noch immer besitzt Naturkautschuk einen hohen Wert und behauptet sich gegen chemische Derivate. Die liberianische Regierung hat deshalb ein Wiederaufbauprogramm für die Kautschuk-Plantagen beschlossen, sie spricht von einer Agro-Industrie.[72] Die industrielle Herstellung von Beton-Formteilen besitzt eine große Bedeutung für den Wiederaufbau der Infrastruktur. In mehreren Küstenstädten befinden sich Fabrikationsstätten. Als Folge des Bürgerkrieges musste 1982 der Betrieb der Liberia-Petroleum-Raffinerie eingestellt werden. In den 1970er Statussymbol für den wirtschaftlichen Aufschwung Liberias ist die Anlage bereits in wesentlichen Teilen demontiert worden.
Der wichtigste Bodenschatz ist Eisenerz. In der Nimba-Region werden noch etwa eine Milliarde Tonnen Erze prognostiziert, das Erz liefert gegenwärtig 60 Prozent der Exporterlöse. Mangan, Baryt, Kyanit, Columbit und Gold sind in abbauwürdigen Mengen vorhanden.[73] Diamanten werden an der Grenze zu Sierra Leone gefunden.[65]
Die in Liberia befindlichen Eisenerzvorkommen bildeten eine wesentliche Grundlage der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes.[74] Es gibt fünf Konzessionsgebiete, die mit liberianischer Beteiligung ausgebeutet werden:
Das bedeutendste Gebiet lag in der Nimba-Range – konzessioniert an die Liberian-American-Swedish Mining Company (LAMCO), die bedeutenden Lagerstätten setzen sich auch jenseits der Grenze (Guinea) fort und dieses Land plant eine eigene Bahnlinie aufzubauen, um das Erz abzubauen. Gegenwärtig arbeiten zudem chinesische Techniker an der Instandsetzung der Bahnlinie vom Erzhafen Buchanan nach Santiquelle im Nimba Range.[49][68]
Bereits in den 1950er Jahren begann die DELIMCO – ein deutsch-liberianisches Stahlkonsortium (auf deutscher Seite: ThyssenKrupp und Hoesch AG) mit dem Aufbau der Bergwerksanlagen in der Bong Range und Putu Range Region. Es wurden 500 Millionen US-Dollar investiert und die komplette Infrastruktur, zu der auch die Bong-Mining-Bahn gehört, aufgebaut. Die Abbaukonzessionen für die Lagerstätten im Wologizi Range wurden an die Liberia Iron and Steel Company (LISCO) vergeben, die im Westen des Landes gelegenen Lagerstätten gingen an die National Ironore Company (NIOC) und die Liberian Mining-Company (LMC).[68]
In einigen Gebieten im Westen des Landes werden Diamanten gefunden. Die Edelsteine wurden in den Bürgerkriegsjahren auch als Blutdiamanten bezeichnet, da die Aufständischen mit erbeuteten Diamanten ihre Waffen finanzieren konnten. Zur Eindämmung des Konfliktes hatte die UNO deshalb ein Diamanten-Handelsembargo für Liberia verhängt, es wurde inzwischen aufgehoben.[49]
Das BIP pro Kopf liegt, laut einer IWF-Schätzung für 2005, bei ca. 166 US-Dollar.
Die Währung wird durch die Central Bank of Liberia verwaltet, sie ersetzt seit Oktober 1999 die ineffizient arbeitende National Bank of Liberia. Die Bank fährt eine Politik der Geldwertstabilität und verweigert sich Einflüssen aus der Regierung, die Haushaltsdefizite durch finanzpolitische Tricks abbauen möchte.
Liberia ist am 16. Februar 2010 der Eco-Zone beigetreten. Nach dem Vorbild des Euro soll in Teilen Westafrikas eine gemeinsame Währung entstehen, um die Realwirtschaft und den Warenaustausch zu erleichtern. Geplant ist die Einführung der Währung im Januar 2015. Mitglieder der „Eco-Zone“ sind neben Sierra Leone und Guinea auch die Länder Ghana, Nigeria, Gambia. Das Projekt ist wesentliche Grundlage der seit Jahrzehnten angestrebten Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion.[75]
Gesetzliches Zahlungsmittel ist der liberianischer Dollar. (Kürzel: LRD)
Banknoten sind im Wert von 100, 50, 20, 10 und 5 LRD im Umlauf, Münzen sind im Wert von 1 LRD sowie 50, 25, 10, 5 und 1 Cent im Umlauf.
Der Umrechnungskurs beträgt gewöhnlich 1 US–Dollar ~ 55 LRD.[6][76][Anmerkung 11]
In Liberia gilt das angloamerikanische Maßsystem, hierzu abweichend wurde mit norwegischer Unterstützung das Stromnetz auf die europäische Norm umgestellt.[77]
| Statistische Daten zum Verkehr[65] | |
|---|---|
| Verkehrssystem | Rechtsverkehr |
| Anzahl privater PKW je 1000 Einwohner |
3 |
| Asphaltierte Straßen |
657 km |
| Autobahnen |
0 km |
| Ausgebaute Kanäle und Wasserstraßen |
0 km |
| Schienennetz in Betrieb |
480 km |
Das liberianische Straßennetz ist auf Grund der topographischen und klimatischen Bedingungen starken Belastungen ausgesetzt. Im Umkreis der Verwaltungszentren und Städte bestehen asphaltierte Straßen, die Mehrzahl der Ortsverbindungsstraßen sind Naturstraßen und Pisten. In der Regenzeit bricht der Straßenverkehr wegen Unbefahrbarkeit der Straßen zusammen.[78] Die ersten Automobile, Fahrzeuge der Briten, gelangten bereits um 1910 in das Land. Als Konsequenz musste umgehend eine Straßenverkehrsordnung erlassen und erste Verkehrspolizisten in der Hauptstadt postiert werden. Zu dieser Zeit bestand in Monrovia kurzzeitig eine schienengebundene Pferdebahnlinie, die sich aber nicht zu rentieren schien.[79]
Der Dakar-Lagos-Highway ist die wichtigste Fernstraße und Landverbindung zu den westafrikanischen Nachbarstaaten, die Straße ist jedoch in Liberia nur rudimentär ausgebaut, ein etwa 100 Kilometer langer Abschnitt (Ganta-Tappita-Tobli-Grenze zur Elfenbeinküste) fehlt.
Von Monrovias zentralem Busdepot bei Wood Camp bestehen tägliche Busverbindungen in alle District-Hauptstädte. Für Touristen wird ein moderner Reisebus für Stadtrundfahrten angeboten, zahlreiche Taxibetriebe bedienen die Innenstadt Monrovias.[6]
Die Mehrzahl der Bergbaugebiete befinden sich im nördlichen Grenzgebiet, der Abtransport der Erze wurde über eine von der Hafenstadt Harper ausgehenden Bahnstrecke realisiert. Das Schienennetz wurde im Bürgerkrieg streckenweise unterbrochen und der Bahnbetrieb musste wegen fehlender Rentabilität eingestellt werden. Inzwischen arbeiten chinesische Bautrupps an einer Erneuerung der Anlagen, da das Land an der weiteren Erschließung der Bodenschätze interessiert ist. Die gegenwärtig wieder in Betrieb genommenen Streckenabschnitte ermöglichen schon wieder den Transport von Tropenholz, sie bieten auch in beschränktem Umfang Transportmöglichkeiten für Jeeps und Kleinkraftwagen an. Im Sommer 2010 wurden zudem Pläne einer brasilianischen Minengesellschaft bekannt, eine völlig neue Bahnlinie und einen Erzhafen anzulegen, um ein guineisches Bergbaugebiet ausbauen zu können.[6][80]
Direkte Flüge von und nach Europa werden zur Zeit (2010) nur von Brussels Airlines angeboten.[81] Mit dem Sommerflugplan 2011 wird auch die französische Air France-KLM Monrovia wieder anfliegen.[82] Es bestehen weiterhin Verbindungen zu benachbarten westafrikanischen Hauptstädten, die von afrikanischen Fluggesellschaften angeboten werden.[8] Im Gegensatz zur Handelsflotte gehören die liberianischen Fluggesellschaften zu den unsichersten der Welt. Liberia ist eines von nur sechs Ländern weltweit, aus denen kein einziges Luftfahrtunternehmen den Luftraum der EU benutzen darf oder gar innerhalb der EU landen darf.[83]
Es existieren gegenwärtig zwei größere Flughäfen in Liberia, der Roberts International Airport und der kleinere Spriggs Payne Airport. Beide haben eine Asphaltpiste. Weiterhin gibt es 51 unbefestigte Flugplätze, von denen keiner eine Länge von mehr als 2.500 m hat.[Anmerkung 12]
Die wichtigsten Städte Liberias befinden sich an der Küste und besitzen Häfen oder Ankerplätze. Die Küstenschifffahrt bietet oft eine Alternative zum schlecht ausgebauten Straßennetz. Die Befahrbarkeit der Flüsse ist dagegen wegen zahlloser Stromschnellen und Untiefen nur auf küstennahe Abschnitte beschränkt.
| Staat | Schiffe (Anzahl) |
Tonnage (in Mio BRT) |
Rang[84] |
| Panama | 5704 | 140.120 | 1 |
| Liberia | 1560 | 58.134 | 2 |
| Griechenland | 1110 | 30.774 | 3 |
| China | 2326 | 21.139 | 9 |
| Deutschland | 473 | 11.276 | 15 |
Viele Schifffahrtsgesellschaften fahren unter liberischer Flagge, was vor allem an den niedrigen Kosten (keine Steuern über die Gebühren für die Registrierung hinaus) und der Verschwiegenheit der Behörden liegt. Dadurch hat Liberia, an Bruttoregistertonnen gemessen, die zweitgrößte Flotte der Welt.
Die liberianische Flotte ist inzwischen zudem eine der sichersten, in den maßgeblichen Ranglisten der Hafenstaatenkontrollen (U.S. Coast Guard, Paris MOU, Tokyo MOU) nimmt die Flotte Liberias seit längerem einen Spitzenplatz ein. Der Sitz des Registers ist New York. Liberia verfügt über fünf Häfen, der Freeport Monrovia ist der größte Handelshafen des Landes und wurde im Zweiten Weltkrieg mit amerikanischer Unterstützung errichtet.
Die staatliche liberianische Telekommunikationsbehörde hat ein Festnetz aufgebaut, das aber als sehr störanfällig gilt. Inzwischen ist fast das ganze Land durch Mobilfunknetze abgedeckt. In allen größeren Städten wurden Internetcafés eröffnet, die Übertragungsgeschwindigkeit ist jedoch gering. Häufig sieht man in den Straßen immer noch kleine Holzhäuser, in denen ein öffentlicher Telefonanschluss verlegt ist und ein Betreiber beinahe Tag und Nacht gegen Entgelt anbietet, Verbindungen herzustellen oder Anrufe entgegenzunehmen.[6][Anmerkung 13]
Mit dem Aufbau des Energieversorgungsnetzes in Liberia wurde in den 1940er Jahren begonnen, es blieb zunächst auf die Küstenregion beschränkt, wo die Industrie- und Hafenanlagen, Verwaltungs- und Handelseinrichtungen, Krankenhäuser und Hotels als verlässliche Abnehmer vorhanden waren. Die landwirtschaftlichen Regionen im Hinterland sind bis heute nur punktuell an das Stromnetz angeschlossen. Die bisher größte Investition in das Energienetz stellte der Bau des Mount-Coffee-Staudamm dar. Dieses Wasserkraftwerk wurde 1966 in Betrieb genommen aber noch 1990 im Bürgerkrieg zerstört.[Anmerkung 14] Bereits Mitte der 1970er Jahre wurde das Kraftwerk auf vier Generatoren erweitert und die veralteten Übertragungsleitungen ersetzt.[85]
Im Jahr 2005 wurden 320.000.000 kWh elektrische Energie erzeugt, was weniger als der Hälfte der Energieproduktion von vor 20 Jahren entspricht.[86] Die Infrastruktur wurde während des Bürgerkrieges beschädigt und der Neubau verzögert. Die liberianische Regierung sucht momentan Möglichkeiten, die Infrastruktur mit Hilfe der internationalen Gemeinschaft wieder aufzubauen.[87]
Zu den größten Problemen Liberias gehört die fehlende Infrastruktur zur Abfallbeseitigung. Selbst in der Metropolregion Monrovias sind in Gänze nur acht Mülltransporter vorhanden. Eine kontrollierte Deponierung der Siedlungsabfälle erfolgt nirgends.[Anmerkung 15] Ein zweiter Aspekt dieses Problems sind die enormen Niederschläge: das Regenwasser wird in den Müllhaufen kontaminiert und verteilt sich und Teile des Abfalls in der Innenstadt. Durch die fehlenden sanitären Voraussetzungen ist der Ausbruch von Infektionskrankheiten und Seuchen abzusehen.[88]
| Statistische Daten | |
|---|---|
| Gesundheitsausgaben je Einwohner (2004) |
22 US $ [2] |
| Medizinische Versorgung Einwohner je Arzt |
9350 [89] |
| Geburtenrate je 1000 Einwohner |
50 [89] |
| Kindersterblichkeit je 1000 Einwohner |
235 [89] |
| Säuglingssterblichkeit auf 1000 Lebendgeburten |
157 [89] |
| Müttersterblichkeit auf 1000 Lebendgeburten |
0.994[89] |
| HIV-Infizierte aller erwachsenen Einwohner |
6,9 %[90] |
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) weist auf ihren Informationsseiten zu Liberia auf gesundheitliche Risiken hin. Liberia gilt als ein Hochrisikogebiet für verschiedene Krankheiten.[89]
Schwerpunkte der gegenwärtigen Gesundheitspolitik der WHO in Liberia sind die Verbesserung der medizinischen Infrastruktur. 250 Anlagen (einschließlich Krankenhäuser, Gesundheitszentren und Kliniken) wurden entweder saniert oder neu aufgebaut.[89][Anmerkung 16] Unterernährung ist immer noch verbreitet, diese trifft hauptsächlich Frauen und Kinder.[89]
Der Gedanke an die Geister der Ahnen, der Verstorben, an Idole und Amulette spielt bei den Völkern der westafrikanischen Küste eine große Rolle. Gesang, Masken und Maskentänze werden bei allen Zeremonien genutzt. Sie dienen den Medizinmännern bei ihren Beschwörungszeremonien, um den Kranken in starkem Maße psychologisch zu beeinflussen. Die afrikanischen Religionen bilden den Hintergrund für die Einordnung der Heilkunde und Heilmethoden als magische Praktiken und realer Erfahrungsschatz. Alle wichtigen Lebensetappen: Geburt, Geschlechtsreife, Hochzeit, Krankheit, Tod – aber auch praktische Tätigkeiten wie Jagen und Fischen, Herstellung von Waffen und Werkzeugen – waren mit Magie verbunden.[6][91][92] Zum Leben der Volksgruppen gehört noch immer die Zugehörigkeit und die Ausübung bestimmter Rituale in Geheimbünden, wie dem Poro.
Das Wissen und die Geschichte der indigenen Völker wurde über Jahrhunderte in Form der Oralliteratur bewahrt und weitergegeben. Auch in den liberianischen Völkern lebten als Storyteller verehrte Männer, die auswendig gelernte Texte und Neuigkeiten aus den zuvor besuchten Orten verbreiteten. Diese hoch angesehenen Männer reproduzierten ihre Texte, verfeinert durch Gestik, Musik, Tanz und pantomimische Ausdrucksformen, als Mythen, Märchen, Fabeln und Lieder bei Dorffesten, Hochzeiten, Entbindungen, Heilungszeremonien, Totenfeiern oder während der Durchreise und erhielten dafür Unterkunft, Speise und Trank.[93]
Zu den Buchempfehlungen der New York Times und der Washington Post des Jahres 2008 gehört die autobiographische Erzählung der in Monrovia geborenen Journalistin Helene Cooper: The House at Sugar Beach.</span> Die Autorin gehört zur ethnischen Gruppe der Congo. Eine Bewältigung der jüngsten Geschichte mit den traumatischen Erfahrungen des Bürgerkrieges enthalten zahlreiche Werke junger Schriftsteller und Lyriker.[96]
In den 1930er Jahren bereiste der britische Schriftsteller Graham Greene Westafrika und schilderte seine Erlebnisse in der 1936 erschienenen Reportage Journey without Maps. Zu den bemerkenswertesten Erlebnissen dieser Reise gehörte sein Zusammentreffen mit dem damaligen Chef der liberianischen Grenzschützer, Colonel Elwood Davis, dieser hatte im Auftrag der Regierung mit roher Gewalt die Aufstände verschiedener Volksgruppen niedergeschlagen, er herrschte dann noch einige Jahre in der Region Grand Bassa als Archetypus eines gesetzlosen Warlords.
Tänze sind in weiten Teilen Afrikas integraler Bestandteil des täglichen Lebens und für die Menschen wichtige künstlerische Ausdrucksform, aber auch selbstverständliche Verbindung zu den Ahnen und deren Seelen. An den Tänzen ist die ganze (Dorf-)Gemeinschaft beteiligt; es gibt zwar Tänzer und Nicht-Tänzer, diese erfüllen jedoch auch eine wichtige Funktion. Die traditionellen Tänze werden auch zunehmend bei staatlichen Feiertagen oder als folkloristisches Element aufgeführt, die Gefahr einer Verfremdung und Verflachung nimmt damit zu.[6][91] Rhythmus ist eine dominante Teil der Musik, eine Vielzahl von Trommeln, Rasseln, Percussion-Instrumente finden Verwendung. Traditionelle Instrumente sind auch Xylophone, Lauten und anderen Saiteninstrumenten, kleine Glocken und Hörner.[97]
Auf Wunsch des Präsidenten Tubman wurde 1963 die Cape-Palmas Military Band gegründet. Sie war für die musikalische Ausgestaltung von Militärparaden und Staatsbesuchen zuständig, wurde bei staatlichen Feiertagen und Festveranstaltungen eingesetzt. Die Militärkapelle verfügte über ein hohes musikalisches Können.
Die aktuelle liberianische Musikszene orientiert sich seit den 1980er Jahren verstärkt an westlichen Vorbildern und hat sowohl Einflüsse von Reggae und Hip-Hop als auch westafrikanische Ethnomusik als Vorbilder. Eine Besonderheit stellt der Stimmimitator und in Chinesisch singende Entertainer Emmanuel Uwechue dar.[98]
Das Cavallabecken im westlichen Liberia ist seit Jahrhunderten die Heimat kunstbegabter Holzschnitzer, die sich auf die Anfertigung von rituellen Masken, Talismanen und Figuren sowie kleinformatigen Möbelstücken spezialisiert haben. Zahlreiche europäische Museen besitzen umfangreiche Kunstsammlungen mit Artefakten der Region. Die Masken besitzen sowohl kultisch-rituelle Bedeutung wurden aber auch als Statussymbol in Gebrauch. Nach einer bereits in den 1930er Jahren begonnenen Studie des deutsch-schweizerischen Völkerkundlers Eberhard Fischer vom Museum Rietberg in Zürich kommen in diesem Gebiet Westafrikas etwa 140 Typen von Masken vor, deren Symbolik und Verbreitung er untersuchen konnte.[6][91][92]
Die traditionelle Bauweise der indigenen Bevölkerungsgruppe hat sich über Jahrhunderte an die Lebensbedingungen im tropischen Regenwald und der Savanne angepasst und besteht aus einfachen, mit Blätterdach gedeckten Holzhütten oder aus Lehmhäusern mit Strohdach in den Savannen. Von Volksgruppe zu Volksgruppe unterschiedlich sind Schmuckformen – beispielsweise schnitzwerkverzierte Balken, auch das Mobiliar wird oft kunstvoll verziert.[6]
Das in der Regenwaldregion dominierende „Firstdachhaus“ besitzt eine Länge von 4 bis 5 Metern und einen Innenraum von etwa 20 Quadratmetern. Das zum Hausbau benötigte Material wird aus der unmittelbaren Umgebung des Siedlungsplatzes bezogen und besteht aus vegetabilen Baustoffen, beispielsweise geflochtenen Matten, Palmblättern, Reisig und Stroh sowie bearbeiteten Hölzern für die tragenden Ständerkonstruktionen.[99] Die Standzeit der Häuser ist wegen der verwendeten Baumaterialien begrenzt und setzt häufige Instandhaltungsarbeiten voraus.
Die Hausarchitektur der Savannenregion hat das zylindrische Rundhaus, das überwiegend aus Lehm erbaut wird, übernommen. Die Errichtung dieser Gebäude ist aufwändiger und setzt meist die Mithilfe des Familienklans oder der Dorfbevölkerung voraus. Diese Häuser besitzen einen Durchmesser von drei bis fünf Metern und einen nutzbaren Rauminhalt von etwa 20 Quadratmetern.[100]
Sonderformen der Architektur stellen die von den Muslimen errichteten Moscheen und verschiedendlich errichtete Palastbauten dar.[101]
Die nach Afrika eingewanderten ehemaligen Sklaven wollten diese traditionellen Hausformen nicht übernehmen und kopierten die in den Südstaaten der USA populäre Architektur. Eine geringe Zahl von Regierungs- und Verwaltungsgebäude blieben aus dieser Zeit erhalten.[102][103]
Bereits um 1900 begann als Ergebnis der fortschreitenden Missionierung ein reger Aufbau von Kirchengebäuden statt. Hierbei wurde die bewährte Ziegelsteinbauweise bevorzugt und man orientierte sich an der traditionellen Bauweise (neoromanische und neogotische Architektur). In den entstehenden Städten und größeren Siedlungen wurden nur wenige Steingebäude errichtet, da Holz in großer Vielfalt und preiswert verfügbar war.
Ein deutlicher Wandel im Baustil der europäisch geprägten Architektur – sogenannte „Kolonialstilbauten“ – fand nach dem Ersten Weltkrieg statt. Billige Industriebaumaterialien – vor allem das Wellblech verdrängten die bisherigen Naturbaustoffe und wurden zum Statussymbol des modernen Bauens – heute sind sie entwertet und Synonym für die Slum-Architektur der Townships.[101]
Zu den bemerkenswertesten Gebäuden in der Altstadt Monrovias zählt der Masonic Temple – das Haus der liberianischen Freimaurerloge, heute eine von Obdachlosen bewohnte Ruine.
Anfang der 1950er Jahren erhielt eine Gruppe junger farbiger Architekten, darunter Henry Clifford Boles aus den Südstaaten der USA einen Lehrauftrag an der neu gegründeten Universität of Liberia im Fach Architektur und Städtebau.[Anmerkung 17] Ihre Aufgabe bestand neben der Lehrausbildung einheimischer Architekten auch in der Planung von mehreren Mustergebäuden, die als amerikanische Entwicklungshilfe angesehen wurden: Die Monrovia Elementary School (1954) und das gleichfalls in Monrovia errichtete Bürogebäude Mines and Geology Office of Liberia (1955) ebenfalls entsprachen dem amerikanischen Baustandard.[104][Anmerkung 18]
Die traditionelle Küche Liberias basiert auf der westafrikanischen Küche und bietet ein reichhaltiges, abwechslungsreiches Nahrungsangebot, zu dem neben Gemüsen und Früchten, auch Reis, Mais und Hirse als Grundlage dienen. Fisch und Fleisch (von Ziegen, Rinder, Geflügel, auch Wild) werden vor der Verwendung durch Räuchern haltbar gemacht, in der Regel wird aber schlachtfrisches Fleisch verwendet. Als Getränk ist Wasser gebräuchlich, bei Festen wird Ingwerbier gereicht. Durch den Einfluss der Anglo-Liberianer wurden auch neue Speisen und Rezepte übernommen, zu ihnen zählt auch die Kartoffel.[Anmerkung 19]
Landestypische Speisen sind: Cassava (Maniok) in unterschiedlichsten Zubereitungsvarianten, Kochbananen, Reis, Mais, Eintopfgerichte mit Kohl, Fufu und Palava Sauce.[105]
Die „traditionelle liberianische Kleidung“ gibt es nicht: Kleidung variiert nicht nur mit dem Geschlecht und Alter des Trägers, sondern wird auch von seiner sozialen und wirtschaftlichen Situation bestimmt. Spezielle Kleidung für die Teilnahme an Zeremonien und Ritualen hat sich schon in vorgeschichtlicher Zeit herausgebildet. Die heute bevorzugte Kleidung ist durch Einflüsse der westlichen und muslimischen Moralvorstellungen entstanden, afrikanische Vorstellungen werden bei der Textilherstellungen in Muster und Farbigkeit beachtet. Während der Kolonialisierung Afrikas wurden erstmals Kleidungsstile übernommen – zunächst waren es Uniformen der Soldaten und Matrosen. In den Städten und auf den küstennahen Plantagen wurde der Einfluss der europäischen und amerikanischen Mode fühlbar, man importierte entsprechende Kleidung als Statussymbole (dunkle oder helle Anzüge, Amtsroben, auch Schuhwerk). Die heutige Kleidung ist auch stark durch Milieu-Zugehörigkeit geprägt. Bei den Jugendlichen bevorzugen bestimmte ländliche Gruppen eine militärisch anmutende Kleidung, die städtische Jugend ist an europäischen Jeans- und T-Shirts als Statussymbolen interessiert.[106]
| Zeitungen und Journale[107] | |
|---|---|
| Analyst | Webseite |
| Heritage | Webseite |
| Inquirer | Webseite |
| Liberian Journal | Webseite |
| Liberian Observer | Webseite |
| In Profile daily | Webseite |
Die ersten internationalen Nachrichtenverbindungen waren zwei Seekabel, die deutsche und französische Kabelgesellschaften vor der Küste Westafrikas um das Jahr 1910 verlegten. Von der Station Monrovia aus wurden von der deutschen Betreibergesellschaft in den Folgejahren zwei weitere Kabel nach Togo, Kamerun und Namibia beziehungsweise über Brasilien und Uruguay nach Argentinien verlegt. Auch Frankreich nutzte eigene, von Monrovia ausgehende Seekabel, um die zentralafrikanischen Kolonien zu erreichen. Schon im Ersten Weltkrieg trafen die ersten Funkgeräte ein, einen modernen Funktelegraf erhielt die liberianische Regierung in den 1940er Jahren als Geschenk der USA. Im Jahr 1959 erhielten zwei liberianische Funkamateure die Lizenz für den Aufbau eines Mittel- und Kurzwellensenders in Paynesville mit einer maximalen Sendeleistung von 10 Kilowatt. Die Amateurfunk-Kennung des Senders war ELRS und wurde zum Synonym für den Liberianischen Rundfunk. Nach dem Testbetrieb wurde die Station 1960 verstaatlicht und diente als erstes elektronisches Massenmedium. Mit Unterstützung des Präsidenten Tubmann wurde 1964 auch das erste Fernsehstudio Liberias eröffnet. Der staatliche Fernsehsender ELTV war zunächst nur in der Umgebung der Hauptstadt zu empfangen. Die Modernisierung der Sendetechnik erfolgte in den Folgejahren, cofinanziert durch japanische und amerikanische Staatsverträge. Seit den 1960er Jahren bestanden auch mehrere, von den Bergwerksgesellschaften betriebene Funkstationen, die als Zusatzprogramm Nachrichten und Unterhaltungsmusik, auch in den wichtigsten Landessprachen, sendeten. Erwähnt sei auch die Sendetechnik der Flughäfen und der Hafenbehörde von Monrovia und den anderen Hafenstädten des Landes, diese diente jedoch ausschließlich der Kommunikation mit der liberianischen Handelsflotte und den ankommenden Schiffen (Seefunk). Als Reaktion auf die Unabhängigkeitsbewegungen in den zerfallenden Kolonialreichen Afrikas installierte die USA bei Monrovia eine militärische Sendestation, die entsprechende Propagandasendungen von Voice of America in zahlreichen afrikanischen und europäischen Sprachen übertrug.
Radio ELWA in Monrovia ist der älteste christliche Rundfunksender Afrikas. Neben Englisch sendet die Radiostation in den Sprachen Grebo, Kru, Gola, Bassa, Kpelle, Kissi, Dan, Krahn und Loma. Der Sender wurde am 18. Januar 1954 in Betrieb genommen. Seit den 1980er Jahren besaßen auch andere Missionsstationen und die Katholische Kirche in Monrovia eigene Sendestudios (Radio Veritas) und Frequenzen, um christlich-religiöse Inhalte in Radiosendungen zu verbreiten. Auch diese Sender wurden ein Opfer des Krieges. Inzwischen überträgt ein neuer Sender der Katholischen Kirche auch Bildungs- und Informationsprogramme, da der Radioempfang in dem Land das zur Zeit sicherste Medium darstellt.[38] Im Bürgerkrieg wurden alle liberianischen Sendestationen im Land von den Rebellen erobert und zerstört. Für eine Übergangszeit wird der Rundfunkempfang liberianischer Programme über Radio France Internationale und den BBC-Worldservice ermöglicht. Gegenwärtig arbeitet eine Gruppe von Nachrichtentechnikern und Redakteuren an einem Neustart des staatlichen Rundfunk und Fernsehprogramms.[108]
Durch ausländische Lizenzpartner besteht bereits ein erstes Privatfernsehen DC-TV, die Mehrzahl der Programme wird über Satellitenfernsehen empfangen.
Der liberianische Journalistenverband Press Union of Liberia (PUL) bemüht sich um eine sachliche, unparteiische Darstellung der Nachrichten und Ereignisse.
Liberia war mit der Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking insgesamt zum 11. Mal bei Olympischen Spielen vertreten. Die erste Teilnahme war 1956. Liberias Sportler – beispielsweise Kia Davis, Bobby Young und Abraham Morlu – sind besonders in der Leichtathletik erfolgreich.[109] Populärste Sportart ist Soccer/Fußball, aber auch Basketball und zahlreiche andere Sportarten werden betrieben. In Monrovia befinden sich zwei neu erbaute Stadien, ansonsten ist keine nennenswerte sportliche Infrastruktur im Land vorhanden, die internationale Wettkampfbedingungen erfüllt. Die meisten international erfolgreichen liberianischen Sportler trainieren und leben im Ausland.[6]
Als Nationaldenkmäler Liberias gelten:
Alle Bauwerke befinden sich in Monrovias Altstadt.
Liberia versteht sich als christliches Land, staatliche Feiertage entsprechen dem Vorbild der USA. Es werden neben den Nationalen Feiertagen auch die religiösen Feste des Islam und des Christentums gefeiert. Neben diesen Feiertagen werden religiöse, traditionelle und kulturelle Feste zu bestimmten Zeiten im Jahr gefeiert.[57]
| Datum | Name | Deutscher Name | Anmerkungen |
|---|---|---|---|
| feste Feiertage | |||
| 1. Januar | New Year’s day | Neujahrstag | |
| 7. Januar | Pionear’s day | Tag der Pioniere | (7. Januar 1820) Ankunft der ersten Übersiedler der American Colonization Society |
| 11. Februar | Armed Force Day | Tag der Streitkräfte | |
| 2. Donnerstag im März | Decoration Day | Tag des Totengedenkens/Grabschmückens | Dem Totensonntag entsprechender Gedenktag |
| 15. März | Präsident J. J. Roberts' Birthday | Gedenktag für den Präsidenten J. J. Roberts | (15. März 1809) Geburtstag |
| 12. April | National Redemption Day | Nationaler Mahn und Gedenktag | (12. April 1980) Militärputsch |
| 14. Mai | Unification Day | Tag der Vereinigung | |
| 25. Mai | Africa day | Afrika-Tag | Festtag für die Afrikanischen Völker |
| 26. Juli | Independence Day | Unabhängigkeitstag | Nationalfeiertag |
| 24. August | Flag day | Tag der Liberianischen Fahne | |
| 1. Donnerstag im November | Thanksgiving | Thanksgiving | dem amerikanischen Vorbild entsprechend |
| 29. November | Präsident Tubman's Birthday | Gedenktag für den Präsidenten William Tubman | (29. November 1895) Geburtstag |
| 25. Dezember | Christmas Day | Weihnachtsfeiertag | christlicher Feiertag |
| bewegliche Feiertage[6] | |||
| 22. Oktober 2006 | Koriteh | Ende des Ramadan ('Īd al-fitr) | muslimischer Feiertag |
| 1. Januar 2007 | Eid al-Adha | Opferfest | muslimischer Feiertag |
| 31. März 2007 | Prophet’s Birthday | Geburtstag des Propheten Muhammad (Mawlid an-Nabi) | muslimischer Feiertag |
| 6. April 2007 | Good Friday | Karfreitag | christlicher Feiertag |
| 9. April 2007 | Easter Monday | Ostermontag | christlicher Feiertag |
| 13. Oktober 2007 | Koriteh | Ende des Ramadan ('Īd al-fitr) | muslimischer Feiertag |
| 20. Dezember 2007 | Eid al-Adha/Eid-e Ghorban | Islamisches Opferfest/Berg Arafat Tag | muslimischer Feiertag |
Als inoffizieller Feiertag wird seit 1823 der 1. Dezember in Monrovia als „Mathilda Newport Day“ begangen.[110][Anmerkung 20]
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Ägypten1 | Algerien | Angola | Äquatorialguinea | Äthiopien | Benin | Botswana | Burkina Faso | Burundi | Dschibuti | Elfenbeinküste | Eritrea | Gabun | Gambia | Ghana | Guinea | Guinea-Bissau | Kamerun | Kap Verde | Kenia | Komoren | Kongo (Dem. Rep.) | Kongo (Rep.) | Lesotho | Liberia | Libyen | Madagaskar | Malawi | Mali | Marokko | Mauretanien | Mauritius | Mosambik | Namibia | Niger | Nigeria | Ruanda | Sambia | São Tomé und Príncipe | Senegal | Seychellen | Sierra Leone | Simbabwe | Somalia | Südafrika | Sudan | Südsudan | Swasiland | Tansania | Togo | Tschad | Tunesien | Uganda | Zentralafrikanische Republik
Andere Gebiete:
Îles Éparses |
Ilhas Selvagens |
Kanarische Inseln |
Mayotte |
Plazas de soberanía (mit Ceuta und Melilla) |
Réunion
Umstrittene Gebiete:
Somaliland |
Westsahara
1 Liegt zum Teil auch in Asien.
Ägypten | Algerien | Angola | Äquatorialguinea | Äthiopien | Benin | Botswana | Burkina Faso | Burundi | Dschibuti | Elfenbeinküste | Eritrea | Gabun | Gambia | Ghana | Guinea-Bissau | Kamerun | Kap Verde | Kenia | Komoren | Kongo, Demokratische Republik | Kongo, Republik | Lesotho | Liberia | Libyen | Malawi | Mali | Mauritius | Mosambik | Namibia | Nigeria | Ruanda | Sambia | São Tomé und Príncipe | Senegal | Seychellen | Sierra Leone | Simbabwe | Somalia | Südafrika | Sudan | Südsudan | Swasiland | Tansania | Togo | Tschad | Tunesien | Uganda | Zentralafrikanische Republik
Andere Gebiete: Demokratische Arabische Republik Sahara
Suspendierte Mitglieder: Guinea, Madagaskar, Mauretanien, Niger
Ehemaliges Mitglied: Marokko
6.53333333333-9.75Koordinaten: 7° N, 10° W
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