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Die Loja Dschirga, Loya Jirga(h) oder Loya Gerga Pashtu (لويه جرگه), ist die große Versammlung, die bis heute in Afghanistan, Usbekistan, Turkmenistan und in der Mongolei zur Klärung der großen nationalen und ethnischen/tribalischen Fragen abgehalten wird.
Der aus „Loja“ (auf pashtu |لويه, zu deutsch groß) und „Dschirga“ (persisch جرگه, zu deutsch Zelt, Kreis, Rat, Versammlung, Treffen, Disput) zusammengesetzte Begriff stammt ursprünglich aus einer altaischen Sprache.
Inhaltsverzeichnis |
Solche Versammlungen haben ihren Ursprung in den altaischen Kulturen, so auch aus dem mongolischen Reich. So erhoben z. B. die mongolischen Stammesfürsten Temüdschin (Dschingis Khan) im Jahre 1206 in einer „Ger“ (gesprochen wie „J“ auf französisch) zu ihrem Oberhaupt bzw. Großkhan.
Unter den Timuriden und den Moghulen, obwohl sie türkische als auch mongolische Wurzeln hatten, war die Loja Dschirga in Vergessenheit geraten. Einerseits weil sie „persifiziert“ waren, andererseits weil sie Wesire und Diplomaten hatten, die sich mit Problemen befassten, die das Gesellschaftsleben betrafen, ganz zur Zufriedenheit des Herrschers.
In der paschtunischen Gesellschaft werden die Loja Dschirgas heute noch sehr stark praktiziert und gepflegt und vor und mit Stammesfürsten abgehalten, in denen gesellschaftlich interne oder externe Konflikte mit anderen Stämmen zu beseitigen versucht wird. Der Grund für die Existenz der Loja Dschirga bei den Paschtunen liegt eindeutig daran, dass einige Stämme nicht-iranischer Herkunft sind. So war der Zadranstamm (von den Nicht-Paschtunen heute noch als Jadran bezeichnet) ursprünglich ein mongolischer Stamm, der mit der Zeit der Islamisierung durch die Paschtunen in den nördlichen Regionen der Sulaimangebirgsketten paschtunisiert wurde. Weitere nicht-iranische Paschtunenstämme mit türkischem oder mongolischem Hintergrund sind die Ghalzais, Nachfahren der Khaljis oder die Zazais (von Nicht-Paschtunen als Jajis bezeichnet).
Als Paschtunenfürsten die Macht übernahmen, versuchten sie, durch diese Versammlungsart ihre Macht zu legitimieren. Während Anfangs nur Paschtunen von Gerga bzw. Jirga Gerbrauch machten, wurden später auch andere ethnische Gruppen einbezogen, jedoch ohne die Nicht-Paschtunen wirklich zu berücksichtigen. Die Teilnehmer sind Stammes- oder Regionalführer, Politiker, Militärs oder religiöse Führer, Mitglieder der Königsfamilie und der Regierung. König Amanullah Khan institutionalisierte die Loya Jirga. Er war auch der einzige König, der drei Mal von ihr Gebrauch machte. Seit Amanullah Khan bis zur Herrschaftszeit von Zaher Khan (1933–1973) und Mohammed Daoud Khan (1973–1978) verstand man unter Loya-Jirga eine gemeinsame Sitzung aus regionalen paschtunischen Stammesführern.
Die Treffen finden in unregelmäßigen Abständen statt. Einige Historiker vermuten, dass diese Tradition schon 1000 Jahre alt ist.
Es gibt keine Zeitbeschränkung in einer Loja Dschirga, und sie tagt solange, bis Entscheidungen getroffen werden. Entscheidungen werden nur als Konsens getroffen. Viele verschiedene Probleme werden beraten, wie Außenpolitik, Kriegserklärung, Legitimierung von Führern oder die Einführung neuer Ideen und Regeln.
Folgende Loja Dschirgas fanden in der Geschichte Chorasans (bis 1857/58) statt. Die ersten Versammlungen dieser Art sollen ab 1414 unter dem Titel Jirga e Safa (Reinigungsversammlung) abgehalten worden sein.
Folgende Loja Dschirgas fanden in der Geschichte Kabulistans statt:
Folgende Loja Dschirgas fanden in der Geschichte Afghanistans (seit 1911) statt: König Amanullah Khan (1919–1929) machte Loya Jirga zu einer politischen Institution, da er die große Versammlung gleich drei Mal einberief:
Am 29. April 2006 bot der belutschische Minister Mir Taj Muhammad Jamali dem pakistanischen Präsidenten Pervez Musharraf ein Treffen (Loya Jirga) an, mit der Absicht, die Provinz Belutschistan wieder friedlicher zu machen. Eine weitere Große Jirga wurde im September 2006 in Kalat abgehalten, bei der es um die Rechte der Belutschen ging.
Am 9. August bis 11. August 2007 fand die dreitägige Jirga e Amen (Friedensversammlung) in Kabul statt. Die Hälfte der Mitglieder dieser Versammlung kam aus Pakistan.