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Ludwig Borchardt (* 5. Oktober 1863 in Berlin; † 12. August 1938 in Paris) war ein deutscher Ägyptologe und Architekt.
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Ludwig Borchardt wurde 1863 als eines von sechs Kindern einer jüdisch-berlinischen Familie als Sohn des Kaufmanns Hermann Borchardt geboren. Sein Bruder war der Schriftsteller Georg Hermann Borchardt, der das Pseudonym Georg Hermann gewählt hatte. Ludwig Borchardt studierte Architektur und hörte gleichzeitig Ägyptologie bei Adolf Erman in Berlin. 1895 ging er im Auftrag der Preußischen Akademie der Wissenschaften nach Ägypten, wo er als Mitglied eines internationalen Teams die Rettungsgrabungen auf der vom ersten Staudammbau bei Assuan bedrohten Tempelinsel von Philae unterstützte. Von 1896 bis 1899 war er Beamter des französisch geleiteten ägyptischen Antikendienstes, wo er als Mitarbeiter des Ägyptischen Museums die Arbeiten am Generalkatalog der dort aufbewahrten Altertümer leitete. 1899 wurde er zum Ägyptologischen Attaché am deutschen Generalkonsulat in Kairo ernannt. 1907 gründete er das Kaiserlich-Deutsche Institut für ägyptische Altertumskunde in Kairo, dessen Direktor er bis zum Ersten Weltkrieg und dann wiederum von 1923 bis 1929 war. 1909 trat er der Gesellschaft der Freunde bei, der viele der Unternehmer und Bankiers angehörten, die archäologische Forschung finanzierten. 1931 gründete er in Kairo sein privates „Institut für Ägyptische Bauforschung und Altertumskunde“, aus dem 1950 das Schweizerische Institut für Ägyptische Bauforschung und Altertumskunde in Kairo hervorging. Er starb 1938 auf einer Reise in Paris und ist in Kairo begraben.
Sein Arbeitsschwerpunkt war die altägyptische Bauforschung. Er begann Ausgrabungen in Amarna, wo er das Atelier des Bildhauers Thutmosis entdeckte. Am 6. Dezember 1912 entdeckte er dort die Büste der Königin Nofretete, die sich heute im Ägyptischen Museum von Berlin befindet. Der Kunsthistoriker Henri Stierlin publizierte 2009 ein Buch, in dem er die Ansicht vertritt, dass Borchardt die Büste gefälscht habe[1], was von Dietrich Wildung, dem damaligen Direktor des Ägyptischen Museums Berlin, als unrichtig zurückgewiesen wurde.
Borchardt leitete zudem die Ausgrabungen des Sonnenheiligtums des Niuserre in Abu Gurob und nach 1907 die der Gräber des Sahure[2], Niuserre und Neferirkare in Abusir. Er spielte eine bedeutende Rolle bei der Erstellung des Generalkatalogs des Kairoer Museums („Catalogue général des antiquités égyptiennes du Musée du Caire“), die auf Initiative des französischen Antikendienstes Ende des 19. Jahrhunderts begonnen und unter Borchardts Leitung maßgeblich gestaltet und vorangetrieben wurde.
Ludwig Borchardt (1907–1929) | Hermann Junker (1929–1944) | Hanns Stock (1957–1966) | Werner Kaiser (1967–1988) | Rainer Stadelmann (1989–1998) | Günter Dreyer (1998–2008) | Stephan Seidlmayer (seit 2009)
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Borchardt, Ludwig |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Ägyptologe |
| GEBURTSDATUM | 5. Oktober 1863 |
| GEBURTSORT | Berlin |
| STERBEDATUM | 12. August 1938 |
| STERBEORT | Paris |