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Ludwig Wittgenstein

Ludwig Wittgenstein, 1910

Ludwig Josef Johann Wittgenstein (* 26. April 1889 in Wien; † 29. April 1951 in Cambridge) war ein österreichisch-britischer Philosoph.

Er lieferte bedeutende BeitrÀge zur Philosophie der Logik, der Sprache und des Bewusstseins. Seine beiden Hauptwerke Logisch-philosophische Abhandlung (Tractatus Logico-Philosophicus 1921) und Philosophische Untersuchungen (1953, postum) wurden zu wichtigen Bezugspunkten zweier philosophischer Schulen, des Logischen Positivismus und der Analytischen Sprachphilosophie.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk

Ludwig Wittgenstein als Kleinkind, 1890
Ludwig Wittgenstein als Kind, vorne rechts mit den Schwestern Hermine, Helene, Margarete und Bruder Paul
Wittgensteins Grabstein in Cambridge

Wittgenstein entstammt der assimilierten österreichisch-jĂŒdischen Industriellenfamilie Wittgenstein, deren Wurzeln in der Kleinstadt Laasphe im Wittgensteiner Land liegen. Er war das jĂŒngste von acht Kindern des Großindustriellen Karl Wittgenstein und seiner aus Prag stammenden Ehefrau Leopoldine, geb. Kalmus. Karl Wittgenstein gehörte zu den erfolgreichsten Stahl-Industriellen der spĂ€ten Donaumonarchie, und das Ehepaar Wittgenstein wurde zu einer der reichsten Familien der Wiener Gesellschaft der Jahrhundertwende. Der Vater war ein Förderer zeitgenössischer KĂŒnstler, die Mutter eine begabte Pianistin. Im Palais Wittgenstein verkehrten musikalische GrĂ¶ĂŸen wie Clara Schumann, Gustav Mahler, Johannes Brahms und Richard Strauss.

Wittgenstein wurde katholisch erzogen. Er selbst wie auch seine Geschwister zeichneten sich durch außerordentliche musische und intellektuelle FĂ€higkeiten aus. Ludwig Wittgenstein spielte Klarinette. Sein Bruder Paul verlor im Ersten Weltkrieg einen Arm und machte dennoch als Pianist Karriere. Diesen Talenten stand eine problematische psychische Konstitution gegenĂŒber: Drei seiner sieben Geschwister begingen Selbstmord (Hans, Rudolf, Kurt). Auch Wittgenstein zeigte, insbesondere nach den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs, depressive ZĂŒge. Im Kontakt zu anderen soll er teils autoritĂ€r und rechthaberisch, teils auch als ĂŒbersensibel und unsicher gewirkt haben.

Ein entfernter Großcousin von Wittgenstein war der Wirtschaftswissenschafter Friedrich August von Hayek.

Wittgensteins intellektuelle Erziehung begann mit hĂ€uslichem Privatunterricht in Wien, ab 1903 erhielt er Unterricht in der Realschule in Linz, die auch Adolf Hitler zur selben Zeit, allerdings in einer anderen Klasse, besuchte. Am 28. Oktober 1906 immatrikulierte Wittgenstein sich an der Technischen Hochschule Charlottenburg. UrsprĂŒnglich hatte er bei Ludwig Boltzmann in Wien studieren wollen. FĂŒr Berlin entschied sich Wittgenstein, weil sein Realschulzeugnis ihm die Einschreibung an der UniversitĂ€t erst nach einem weiteren Studium erlaubte. Dort beschĂ€ftigte sich Wittgenstein, so seine Schwester Hermine in ihren Familienerinnerungen, „viel mit flugtechnischen Fragen und Versuchen. [Und weiter] Zu dieser Zeit oder etwas spĂ€ter ergriff ihn plötzlich die Philosophie, d.h. das Nachdenken ĂŒber philosophische Probleme, so stark und so völlig gegen seinen Willen, dass er schwer unter der doppelten und widerstreitenden inneren Berufung litt und sich wie zerspalten vorkam.“

Nach dem Abschlussdiplom als Ingenieur 1908 ging Wittgenstein nach Manchester, wo er an der UniversitĂ€tsabteilung fĂŒr Ingenieurwissenschaften versuchte, einen Flugzeugmotor zu bauen. Diesen Plan gab er jedoch bald auf. Danach arbeitete er an „VerbesserungsvorschlĂ€gen fĂŒr Flugzeugpropeller“, einem Projekt, fĂŒr das er am 17. August 1911 ein Patent erhielt. Schließlich dominierte die Philosophie: Nicht zuletzt auf Anregung Gottlob Freges, den er 1911 in Jena besuchte, nahm Wittgenstein ein Studium in Cambridge am Trinity College auf, wo er sich intensiv mit den Schriften Bertrand Russells beschĂ€ftigte, insbesondere mit den Principia Mathematica. Sein Ziel war es, wie bei Gottlob Frege die mathematischen Axiome aus logischen Prinzipien abzuleiten. Russell zeigte sich nach den ersten Begegnungen nicht beeindruckt von Wittgenstein: „Nach der Vorlesung kam ein hitziger Deutscher, um mit mir zu streiten [
] Eigentlich ist es reine Zeitverschwendung, mit ihm zu reden.“ (16. November 1911.) Doch nach nicht einmal zwei Wochen sollte sich Russells Meinung Ă€ndern: „Ich fange an, ihn zu mögen; er kennt sich aus in der Literatur, ist sehr musikalisch, angenehm im Umgang (ein Österreicher), und ich glaube, wirklich intelligent.[1]“ Schon bald hielt Russell Wittgenstein fĂŒr höchst talentiert, und Russell war schließlich der Meinung, Wittgenstein sei besser geeignet als er, sein logisch-philosophisches Werk fortzufĂŒhren.

Unter anderem mit Russells UnterstĂŒtzung wurde Wittgenstein im November 1911 in die elitĂ€re Geheimgesellschaft Cambridge Apostles gewĂ€hlt. In David Pinsent fand er dort seinen ersten Geliebten.[2] Sie erwarben gemeinsam ein Holzhaus in Skjolden in Norwegen, wo Wittgenstein 1913 fĂŒr einige Monate an einem System der Logik arbeitete. Dass Wittgenstein homosexuell war, hatte zuerst sein Biograph William Warren Bartley 1973 auf Grund von Aussagen anonymer Freunde Wittgensteins und zweier in Geheimschrift verfasster TagebĂŒcher öffentlich gemacht.[3]

Ab 1912 begann Wittgenstein mit Arbeiten an seinem ersten philosophischen Werk, der Logisch-philosophischen Abhandlung, die er bis 1917 in einem Tagebuch als Notizen festhielt. Auch wĂ€hrend seiner Zeit als österreichischer Freiwilliger im Ersten Weltkrieg beschĂ€ftigte er sich weiter damit, bis er das Werk schließlich im Sommer 1918 vollendete. Es erschien jedoch erst 1921 in einer fehlerhaften Version in der Zeitschrift Annalen der Naturphilosophie. 1922 wurde schließlich eine zweisprachige Ausgabe unter dem heute bekannten Titel der englischen Übersetzung veröffentlicht: Tractatus Logico-Philosophicus. Abgesehen von zwei kleineren philosophischen AufsĂ€tzen und einem Wörterbuch fĂŒr Volksschulen blieb die Logisch-philosophische Abhandlung das einzige zu Lebzeiten veröffentlichte Werk Wittgensteins.

FrĂŒhwerk

Mit der Logisch-philosophischen Abhandlung (Tractatus) vollzog Wittgenstein den linguistic turn (sprachkritische Wende) in der Philosophie. In der Variante Wittgensteins bedeutet dies unter anderem: Philosophische Probleme kann nur verstehen oder auflösen, wer begreift, durch welche Fehlanwendung von Sprache sie ĂŒberhaupt erst erzeugt werden. Ziel philosophischer Analysen ist die Unterscheidung von sinnvollen und unsinnigen SĂ€tzen durch eine KlĂ€rung der Funktionsweise von Sprache: „Alle Philosophie ist 'Sprachkritik'.[4]“ Die Hauptgedanken des Tractatus erwuchsen aus der Auseinandersetzung â€“ und in gegenseitiger Befruchtung â€“ mit Bertrand Russell und werden meist der Philosophie des Logischen Atomismus zugerechnet.

Der Kern von Wittgensteins frĂŒher Philosophie ist die Abbildtheorie der Sprache.[5] Danach zerfĂ€llt die Wirklichkeit in „Dinge“ (Sachen, die sich zueinander verhalten). Jedes „Ding“ hat einen „Namen“ in der Sprache. Bedeutung erhalten diese Namen erst durch ihr Zusammenstehen im Satz.[6] SĂ€tze zerfallen â€“ wie die Wirklichkeit in Dinge â€“ in deren Namen. Wenn die Anordnung von Namen im Zeichen eines Satzes die gleiche Struktur aufweist, wie die Anordnung der von den Namen vertretenen GegenstĂ€nden in der Wirklichkeit, also denselben „Sachverhalt“ darstellt, wird ein Satz dadurch wahr. „aRb“ sagt zum Beispiel deswegen etwas anderes als „bRa“, weil der Name „b“ einmal links von R, das andere Mal rechts davon steht, wodurch das Zeichen des in die Namen „a“ und „b“ zerfallenden Satzes jeweils eine andere Struktur hat. Man sieht dem Satzzeichen „aRb“ an, wie der von ihm dargestellte Sachverhalt sich von dem durch „bRa“ dargestellten unterscheidet.[7] Bilden die Dinge in Wirklichkeit einen anderen Sachverhalt als ihre Namen im Satzzeichen, wird ein Satz dadurch falsch.

„Sinnlos“ sind dagegen SĂ€tze, die unabhĂ€ngig von Sachverhalten in der Wirklichkeit wahr oder falsch sind, also zum Beispiel Tautologien und Kontradiktionen. Wogegen SĂ€tze „unsinnig“ genannt werden, deren Zeichen ĂŒberhaupt keine Dingverbindungen in der Wirklichkeit darstellt wie: „Der Satz, den ich hiermit ausspreche, ist falsch“. Dieser Satz bezieht sich nicht auf eine mögliche Dingverbindung oder Wirklichkeit, sondern auf sich selbst, was laut Wittgenstein „Unsinn“ ergibt. Das gilt ebenso fĂŒr SĂ€tze, die vorgeben, etwas zu sagen, was ĂŒber die reine Anordnung von Dingen in der Welt hinausgeht, indem sie sich zum Beispiel etwas ausbitten oder das von ihnen Vorgestellte „gut“ oder „schlecht“ nennen; denn solcher Wert, den die im Satzzeichen vorgestellte Wirklichkeit haben soll, erhellt nie nur aus ihrer Struktur und kann folglich auch nichts sein, das in einer Konstellation von Namen erscheint. Ein Wert lĂ€sst sich daher nach Wittgenstein (Tractatus 7) nicht aussprechen, höchstens „erschweigen“ (könnte daher vielleicht in durch bestimmte Haltungen informierten Reaktionen oder Taten, nie aber in ihn beschreibenden SĂ€tzen erscheinen).

Sich selbst beschreibt die Logisch-philosophische Abhandlung gen Schluss:[8] „Meine SĂ€tze erlĂ€utern dadurch, dass sie der, welcher mich versteht, am Ende als unsinnig erkennt, wenn er durch sie â€“ auf ihnen â€“ ĂŒber sie hinausgestiegen ist.“ Einen Sinn spricht Wittgensteins Philosophie sich damit selber ab, da von ihr kein „Ding“-Zusammenhang, nichts „Wirkliches“, umrissen wird; vielmehr beinhaltet die gesamte Struktur der Logisch-philosophischen Abhandlung den „logischen Raum“ schlechthin â€“ als „unsinnige“ Form oder Möglichkeit jedweder Wirklichkeit oder ĂŒberhaupt denkbaren Sinnes. Wittgenstein legt nahe, dass das, was Sinn ermöglicht, nicht selbst sinnvoll sein kann. SpĂ€ter veranschaulicht Wittgenstein dies mit dem Bild des Urmeters, das selbst keine LĂ€nge habe verglichen mit GegenstĂ€nden, die zu LĂ€nge gelangten, indem sie so lang „wie“ das Urmeter seien.

Wittgenstein entwickelte in der Nachfolge von Gottlob Frege und vermutlich unabhĂ€ngig von Charles S. Peirce im Tractatus logico-philosophicus die sogenannten Wahrheitstabellen, die heute in den meisten LehrbĂŒchern der Logik erwĂ€hnt werden. „Es handelt sich, ganz eigentlich um die Darstellung eines Systems“.[9] Laut Wittgenstein liegt die Logik aller Einzelerkenntnis zugrunde â€“ und markiert zugleich deren Grenze: „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“.[10] In diesem Sinne gibt Wittgenstein im Vorwort der Logisch-philosophischen Abhandlung an: „Man könnte den ganzen Sinn des Buches etwa in die Worte fassen: Was sich ĂŒberhaupt sagen lĂ€ĂŸt, lĂ€ĂŸt sich klar sagen; und wovon man nicht reden kann, darĂŒber muß man schweigen.“

Übergangszeit

Haus Wittgenstein

Mit der Veröffentlichung der Logisch-philosophischen Abhandlung glaubte Wittgenstein, seinen Beitrag fĂŒr die Philosophie geleistet zu haben und wandte sich anderen TĂ€tigkeiten zu. Noch wĂ€hrend der Kriegsgefangenschaft in Italien entschied er sich, vermutlich unter dem Eindruck der LektĂŒre von Leo Tolstoi, fĂŒr den Beruf des Lehrers. Sein gewaltiges Erbe teilte er unter seinen Geschwistern auf, einen Teil spendete er im Laufe der Zeit jungen KĂŒnstlern, unter anderem Adolf Loos, Georg Trakl und Rainer Maria Rilke.

ZunĂ€chst besuchte Wittgenstein 1919/1920 die Lehrerbildungsanstalt in Wien. Danach wurde er fĂŒr einige Jahre Volksschullehrer „in einem der kleinsten Dörfer, es heißt Trattenbach und liegt vier Stunden sĂŒdlich von Wien im Gebirge[11]“, war jedoch in pĂ€dagogischer Hinsicht ĂŒberfordert. Nach zwei Jahren wechselte er in das Dorf Puchberg am Schneeberg, wo wie schon zuvor in Trattenbach immer wieder Spannungen zwischen Wittgenstein und den Eltern seiner SchĂŒler auftraten. Binnen zweier Jahre wechselte Wittgenstein erneut die Stelle und wurde Lehrer in Otterthal, wo er auch ein â€“ fĂŒr diese Zeit fortschrittliches â€“ Wörterbuch fĂŒr Volksschulen schrieb und herausgab. Nachdem er im April 1926 einem elfjĂ€hrigen SchĂŒler auf den Kopf geschlagen hatte und dieser bewusstlos wurde, reichte Wittgenstein beim Bezirksschulinspektor ein Entlassungsgesuch ein, bevor offizielle Schritte eingeleitet werden konnten.[12] Wittgenstein arbeitete daraufhin einige Monate als GĂ€rtnergehilfe in einem Kloster in HĂŒtteldorf bei Wien, wo er in einem Werkzeugschuppen des Gartens wohnte, und erwog auch â€“ nicht zum ersten Mal â€“, als Mönch dem Klosterorden beizutreten, wovon ihm jedoch ein Abt des Klosters abriet.[12][13]

Klimt: PortrÀt von Margarethe Stonborough-Wittgenstein, 1905

Von 1926 bis 1928 erstellte er zusammen mit dem Architekten Paul Engelmann, einem SchĂŒler von Adolf Loos, fĂŒr seine Schwester Margarethe Stonborough-Wittgenstein ein reprĂ€sentatives Stadt-Palais in Wien (Haus Wittgenstein). Das im Stil der Moderne erbaute Palais wurde bald zu einem Mittelpunkt kulturellen Lebens in Wien und zu einem Treffpunkt des Wiener Kreises, einer Gruppe von Philosophen und Wissenschaftstheoretikern, mit denen er in Kontakt stand.

Wittgenstein war hauptsĂ€chlich fĂŒr die innenarchitektonische Gestaltung des Hauses zustĂ€ndig. Daneben war er bildhauerisch tĂ€tig und schuf eine BĂŒste im Stile des Wiener KĂŒnstlers Drobil. Auch bei diesen praktischen TĂ€tigkeiten zeigte sich die selbstbezogene Arbeitsweise Wittgensteins. Sein Ziel war nicht allgemeiner gesellschaftlicher Nutzen, sondern er strebte intellektuelle und psychische Reinheit und Klarheit an. SpĂ€ter schrieb Wittgenstein rĂŒckblickend: „Die Arbeit an der Philosophie ist â€“ wie vielfach die Arbeit in der Architektur â€“ eigentlich mehr die/eine Arbeit an Einem selbst. An der eigenen Auffassung. Daran, wie man die Dinge sieht (Und was man von ihnen verlangt).“

Ende der 1920er Jahre begann Wittgenstein sich wieder intensiv mit philosophischen Fragen zu beschĂ€ftigen. Dabei stand er in Kontakt zu einigen Mitgliedern des Wiener Kreises, deren Diskussionen er maßgebend beeinflusste (wenngleich in einer Weise, die Wittgenstein nicht guthieß, da er der Meinung war, dass er nicht richtig verstanden worden sei). Durch einen Vortrag des intuitionistischen Mathematikers L. E. J. Brouwer wurde er â€“ so zumindest nach einem Bericht von Herbert Feigl â€“ schließlich nachhaltig aufgerĂŒttelt und wandte sich wieder der Philosophie zu. WĂ€hrend dieser „Übergangsphase“ vertrat Wittgenstein kurzfristig eine Auffassung, die sich als eine Form des Verifikationismus beschreiben lĂ€sst: Die Kenntnis der Bedeutung von SĂ€tzen geht einher mit der Kenntnis der einschlĂ€gigen Verifikations- oder Beweisverfahren.

SpÀtwerk

1929 kehrte Wittgenstein als Philosoph nach Cambridge zurĂŒck, wo er zunĂ€chst bei Bertrand Russell und George Edward Moore in einer mĂŒndlichen PrĂŒfung ĂŒber seinen Tractatus promovierte. Da er sein Erbe wĂ€hrend des Ersten Weltkriegs an seine Geschwister verteilt hatte, war seine finanzielle Lage zunĂ€chst schlecht, sodass er auf Stipendien angewiesen war. Anfang der 1930er Jahre erhielt er einen Lehrauftrag. Ab 1936 unternahm Wittgenstein mit seinem Geliebten Francis Skinner[2] mehrere Reisen nach Norwegen, Wien und Russland.

1939 wurde Wittgenstein in der Nachfolge von Moore zum Philosophieprofessor in Cambridge berufen; er behielt die Professur bis 1947. Kurz nach seiner Berufung erwarb er die britische StaatsbĂŒrgerschaft. Dies war insbesondere dem Umstand geschuldet, dass nach dem Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland am 12. MĂ€rz 1938 Wittgenstein nun deutscher StaatsbĂŒrger war und im Sinne der NĂŒrnberger Gesetze als Jude galt.

WĂ€hrend der 1930er Jahre gab Wittgenstein zahlreiche Kurse und hielt Vorlesungen. Immer wieder versuchte er, seine neuartigen Gedanken, die er unter anderem in Auseinandersetzung mit seinem Erstlingswerk entwickelte, in einem Buch zusammenzufassen und erstellte zahlreiche Manuskripte und Typoskripte. Wichtige Schritte waren The Blue Book (Typoskript eines Diktats seiner Vorlesung ĂŒber die Philosophie der Mathematik), The Big Typescript (das rasch verworfene Konzept eines Buches) und The Brown Book (Typoskript einer Ausarbeitung zum Thema Sprachspiele mit einer Vielzahl von Beispielen). Weitere Manuskripte waren die Philosophischen Bemerkungen und die Philosophische Grammatik. Trotz seiner intensiven BemĂŒhungen gelang es Wittgenstein nicht, sein Buchprojekt zu beenden. Etwa ab 1936 begann Wittgenstein mit den Philosophischen Untersuchungen, die sich bis etwa 1948 hinzogen. Dieses zweite große Werk hat er selbst weitgehend fertiggestellt, es erschien jedoch erst posthum 1953. Hierdurch gelangte er schnell zu Weltruhm. Denn dieses Werk beeinflusste die Philosophiegeschichte noch stĂ€rker als die Logisch-philosophische Abhandlung (Tractatus). Es gilt als eines der Hauptwerke der sprachanalytischen Philosophie. In den 1940er Jahren entstand auch das Manuskript Philosophische Bemerkungen ĂŒber die Grundlagen der Mathematik.

WÀhrend des Zweiten Weltkriegs wurde Wittgenstein nochmals praktisch tÀtig. Er arbeitete freiwillig als Pfleger in einem Londoner Krankenhaus, 1943 schloss er sich als Laborassistent einer medizinischen Forschungsgruppe an, die den sogenannten Wundschock untersuchte, und entwarf Experimente und LaborgerÀte. Er entwickelte Apparaturen zur kontinuierlichen Messung von Puls, Blutdruck, Atemfrequenz und Atemvolumen, dabei bediente er sich auch der Erfahrungen, die er wÀhrend der Entwicklung seines Flugmotors gemacht hatte.

1944 nahm er seine Vorlesungen in Cambridge wieder auf. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte Wittgenstein seine Philosophischen Untersuchungen fort und arbeitete unter anderem an der Philosophie der Wahrnehmung und zu den Themen Gewissheit und Zweifel. Aber auch zu vielen kulturellen und wissenschaftstheoretischen Themen hat Wittgenstein BeitrĂ€ge geliefert. 1939 schrieb er: „Die Menschen heute glauben, die Wissenschaftler seien da, sie zu belehren, die Dichter und Musiker etc., sie zu erfreuen. Dass diese sie etwas zu lehren haben, kommt ihnen nicht in den Sinn.“

Im Oktober 1947 beendete Wittgenstein seine TĂ€tigkeit an der UniversitĂ€t, um sich ganz seiner Philosophie zu widmen. Er lebte von da an zurĂŒckgezogen und verbrachte einige Zeit in Irland. Der Schwerpunkt seiner Arbeiten lag auf der „Philosophie der Psychologie“, die Gegenstand des II. Teils der „Philosophischen Untersuchungen“ wurde. Es ist umstritten, ob die Aufnahme dieser Gedanken in die Philosophischen Untersuchungen dem Willen Wittgensteins entspricht. 1949 konnte er sein zweites Hauptwerk dann abschließen.

Wittgenstein starb 1951 an Krebs. Da Wittgenstein es ablehnte, in ein englisches Krankenhaus zu gehen, verlebte er die letzten Wochen im Hause seines Arztes, der ihn bei sich aufgenommen hatte. Als dessen Frau Wittgenstein am Tag vor seinem Tod mitteilte, seine englischen Freunde wĂŒrden ihn am nĂ€chsten Tag besuchen, soll er gesagt haben: „Sagen Sie ihnen, dass ich ein wundervolles Leben gehabt habe.“ Wittgensteins Grab befindet sich auf dem Ascension Parish Burial Ground-Friedhof in Cambridge.[14]

Werkinterpretationen

Wittgensteins Philosophie wurde zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich wahrgenommen und interpretiert. Ein Grund dafĂŒr ist neben anderen, dass er nur ein Werk zu Lebzeiten veröffentlicht hat und dass die Herausgeber der Philosophischen Untersuchungen, was den zweiten Teil betrifft, einige zweifelhafte Entscheidungen getroffen hatten.[15] Auch der schwer zu deutende, aphoristische Stil fĂŒhrt dazu, dass Wittgenstein von teilweise sehr unterschiedlichen philosophischen Schulen vereinnahmt werden konnte. So wurde er von den Mitgliedern des Wiener Kreises so gelesen, als stĂŒnde er den Gedanken des Logischen Positivismus nahe. In den 1960er Jahren gab es die Tendenz, in Wittgenstein einen Vertreter oder zumindest Vordenker der Philosophie der normalen Sprache zu sehen. Auch die inhaltliche Auseinandersetzung und technische Interpretation unterliegt noch stetigem Wandel. In der Tractatus-Interpretation stand lange die Frage nach der Natur der Wittgensteinschen GegenstĂ€nde im Vordergrund, in der Interpretation seiner spĂ€ten Philosophie ging es lange um den Begriff der Bedeutung, dann um das Konzept der Sprachspiele und Lebensform, dann um das Problem der Privatsprache und in den 1980er Jahren, sah es, was die Rezeptionsgeschichte betrifft, ausgehend von Saul Kripkes Wittgenstein ĂŒber Regeln und Privatsprache so aus, als seien Wittgensteins Gedanken zum Problem des Regelfolgens der SchlĂŒssel zum VerstĂ€ndnis des Gesamtwerkes.

Seit etwa Mitte der 1990er Jahre wird die Diskussion ĂŒber Wittgensteins Philosophie beherrscht von Vertretern einer sogenannten resoluten Lesart, die sich gegen eine Standardinterpretation richten. Diese Betrachtung kam mit den Arbeiten Cora Diamonds[16] zum Tractatus auf. Besonders in den USA folgten viele Philosophen Diamond und entwarfen ein teilweise radikal von der Standardinterpretation abweichendes Bild Wittgensteins. Die beiden Hauptmerkmale dieser Richtung, die manchmal als Neuer Wittgenstein[17] bezeichnet wird, sind die strikte Interpretation des Unsinn-Begriffs, derzufolge der gesamte Tractatus (außer dem sogenannten Rahmen, Vorwort und Schlussbemerkungen) im wörtlichen Sinne unsinnig ist, im Gegensatz zu der gewöhnlichen Lesart, nach der die unsinnigen metaphysischen SĂ€tze des Tractatus dennoch tiefe Wahrheiten vermitteln. Wegen dieser strikten Interpretation bezeichnen die Verfechter sich als „resolute“ Leser.[18] Diese Richtung wurde auch „therapeutisch“ genannt, da die SĂ€tze Wittgensteins einen therapeutischen Zweck gehabt hĂ€tten. Die zweite Klammer, die die resoluten Leser verbindet, ist die Überzeugung der grundsĂ€tzlichen KontinuitĂ€t von Wittgensteins Gedanken. Dem gegenĂŒber behauptet die Vertreter der „Standardinterpretation“, mehr oder weniger einheitlich, einen Bruch in der philosophischen Entwicklung Wittgensteins.

Die Auseinandersetzung der beiden Lager geht teilweise ĂŒber den in der Philosophie ĂŒblichen Schlagabtausch hinaus. Der von den resoluten Lesern als Galionsfigur der Standardinterpretation angesehene Peter Hacker nennt es nicht ĂŒberraschend, dass die neue Interpretation wegen der heute verbreiteten postmodernen Vorliebe fĂŒr das Paradoxe AnhĂ€nger findet.[19] WĂ€hrend James Ferguson Conant, ein Hauptvertreter der resoluten Lesart, ironisch von einem „Schisma“ spricht und entsprechend die AnhĂ€nger der neuen Lehre „UnglĂ€ubige“ nennt[20], geht Rupert Read so weit, von „Tractatus-Kriegen“ zu sprechen.[21]

Deutung der SpÀtphilosophie

Therapie vs. Metaphysik

VielfĂ€ltiger noch als die Ansichten zu Wittgensteins FrĂŒhwerk sind die zu seinem SpĂ€twerk, die sich stark widersprechen. Dies liegt auch daran, dass Wittgenstein sein Werk kaum erlĂ€utert hat und bis zu seinem Tod um Formulierungen rang:

„Nach manchen missglĂŒckten Versuchen, meine Ergebnisse zu einem solchen Ganzen zusammenzuschweißen, sah ich ein, dass mir dies nie gelingen wĂŒrde. Dass das Beste, was ich schreiben konnte, immer nur philosophische Bemerkungen bleiben wĂŒrden; dass meine Gedanken bald erlahmten, wenn ich versuchte, sie, gegen ihre natĂŒrliche Richtung, in ‚einer’ Richtung weiterzuzwingen[22].“

Wittgensteins meist kurze Dialoge in seinem SpĂ€twerk gelten als stilistisch brillant. Als problematisch fĂŒr das VerstĂ€ndnis wird angesehen, dass sein Zugang traditionslos ist; besonders der spĂ€te Wittgenstein hat in der Philosophiegeschichte keine VorlĂ€ufer und stiftet eine neue, beispiellose Art zu denken. Viele glauben daher, diese Art zu denken mĂŒsse erlernt werden wie eine fremde Sprache.

Nur wenige Philosophen haben so beißend ĂŒber das Philosophieren geurteilt wie Wittgenstein in seinem spĂ€ten Denken. Er hielt die „großen philosophischen Probleme“ letztlich fĂŒr „Geistesstörungen“, die unter anderem entstĂŒnden, „indem man philosophiere“. Sie wĂŒrden dadurch zu fixen Ideen, die einen nicht mehr loslassen â€“ in der Regel, weil wir uns in einen unzutrĂ€glichen Sprachgebrauch verrannt haben. „Es ist eine Hauptquelle unseres UnverstĂ€ndnisses, daß wir den Gebrauch unserer Wörter nicht ĂŒbersehen“ heißt es in den Philosophischen Untersuchungen, der Hauptquelle seiner spĂ€ten Philosophie.

Die Ähnlichkeit der SĂ€tze „Ich habe einen Stuhl“, „Ich habe einen Eindruck“, „Ich habe Zahnschmerzen“ verfĂŒhrt zur Auffassung, man „habe“ EindrĂŒcke oder Empfindungen in gleicher Weise wie „StĂŒhle“ (raumeinnehmende GegenstĂ€nde, deren Besitz man durch Verkauf oder EinĂ€scherung verlieren kann) â€“ wodurch sich das Bild aufdrĂ€ngt, Wörter wie „Eindruck“, „Empfindung“ oder auch „Gedanke“, „Zahl“ mĂŒssten wie „Stuhl“ fĂŒr irgendwie Raumeinnehmendes â€“ wenn nicht Sichtbares, dann Unsichtbares â€“ stehen: etwa fĂŒr „Ideen“ oder das, was man durch „Nachschauen“ in seinem „Innersten erblicken“ könne. Wittgenstein zielt darauf ab, solche unwillkĂŒrlichen Bilder (die hier etwa einen „inneren Raum“ mit „unsichtbaren GegenstĂ€nden“ suggerieren) zu ĂŒberwinden, indem er zum Beispiel ihre Entstehung ins Bewusstsein hebt. Sein Philosophieren hat, wie er sagt, mit der „Entdeckung“ (und dadurch EntschĂ€rfung) „schlichten Unsinns“ zu tun, infolge dessen sich der Verstand „Beulen" â€“ „beim Anrennen an die Grenzen der Sprache" â€“ geholt habe.

Bis zu diesem Punkt sind sich die Interpreten einig, neigen dann aber dazu, die Schlussfolgerungen, die Wittgenstein zieht, unterschiedlich zu deuten. Seine „Philosophie“, sagt er, lasse „alles, wie es ist" â€“ stelle „alles bloß hin“ und folgere nicht. „Da alles offen“ liege, sei folglich „nichts zu erklĂ€ren.“

„Wollte man Thesen in der Philosophie aufstellen, es könnte nie ĂŒber sie zur Diskussion kommen, weil Alle mit ihnen einverstanden wĂ€ren.“ DarĂŒber, wie dies Diktum zu verstehen sei, bilden die Interpreten zwei Schulen. Die eine betont, Wittgenstein liege keineswegs daran, uns bislang verborgene ZusammenhĂ€nge der Welt zu „erklĂ€ren“; er wolle ausschließlich Übel oder Schwindel auslösende Fixierungen oder Paradoxa des Denkens lösen. Im Folgenden wird diese Lesart die entzaubernde oder therapeutische Auffassung [23] genannt. Eine andere Schule findet dagegen, Wittgenstein habe zwar nichts WelterklĂ€rendes, aber durchaus Bestimmtes im Hinblick etwa auf die Grenzen von Sinn beobachtet. Entscheidend sei dazu seine neue Art der AufklĂ€rung und BegrĂŒndung: die „Grammatik“beschreibung. Wobei Wittgenstein unter „Grammatik“ etwas ĂŒber Normen der Wortverwendung Hinausgehendes verstehe, das man mit „Gepflogenheiten“, „Lebensform“ (oder „Programm“) ĂŒbersetzen könne. Er nenne es „Grammatik“, insofern es sich dabei um etwas Geregeltes, etwas Lernbares handle, auf das Anwender „abgerichtet“ werden könnten. Hinter diese Grammatik lasse sich nach Wittgenstein nicht zurĂŒckgehen; sie sei absolut. Diese Auffassung, die beim spĂ€ten Wittgenstein hauptsĂ€chlich Grammatik-Beschreibungen (Sinneingrenzungen) interpretiert, heißt im Folgenden metaphysisch,[24] da es ihr um die „letzten Dinge“ geht: das, was grundlos hinzunehmen ist.

Laut dem lösungsorientiert-therapeutischen Zugang wird man Wittgensteins SpĂ€twerk nicht gerecht, wenn man versucht, die unmittelbare Beschreibung von etwas Absolutem daraus abzulesen. Wittgenstein hat, so heißt es hier, dergleichen nirgends beschrieben, sondern â€“ im Gegenteil â€“ Verfahren entworfen (nie vorgeschrieben, immer nur vorgeschlagen) zur Lösung von geisteslĂ€hmenden Absolutheitsanmutungen, deren Wurzel er in der unhinterfragten Annahme bestimmter Bilder sah. Unter „Bild“ habe er die Verfestigung einer bestimmten Auffassung zu etwas SelbstverstĂ€ndlichem, Unhinterfragbarem, eben „Absolutem“ verstanden, Vorstellungen wie beispielsweise, Zahlen stĂŒnden fĂŒr GegenstĂ€nde – oder man mĂŒsse die Zeit wie Raum vermessen können. Die Anwesenheit von Emphase oder Modaloperatoren zeige nach Wittgenstein immer auf ein Bild: etwas Verabsolutiertes.

Wittgensteins Lösungsverfahren entwickelt nun zum Beispiel Vergleichsobjekte, um den Bann eines „Bildes“ zu brechen. Ein philosophisches Problem infolge eines solcherart den Verstand lĂ€hmenden Bildes sei etwa das Messen von Zeit. Das seiner Ansicht nach problematische Bild ist hier das des Meterstabes, der das, was er vermisst, bereits einnimmt: Raum. Wie ist es so aber möglich, Zeit zu messen? Mit welchem „Meterstab“, der Zeit â€“ Vergangenheit wie Zukunft â€“ bereits einnĂ€hme? Zeit lĂ€sst sich also nicht messen! Was ist dann aber eine Stunde? Wittgenstein löst das GefĂŒhl der Unsicherheit, indem er ein anderes „Vergleichsobjekt“ vorstellt: man solle Zeitmessen mit Raummessen nicht durch Meterstab, sondern Abschreiten vergleichen. Wittgenstein sage nicht, betont das Lager der AnhĂ€nger der sogenannten therapeutischen Lesart, Zeitmessen sei ein Abschreiten von Raum; er stelle lediglich als Beispiel einen anderen Vergleichsgegenstand vor: man könne Zeitmessen auch analog zum Raummessen mittels Abschreiten â€“ statt Meterstabverwendung â€“ sehen. So löse sich der Krampf. „Die eigentliche Entdeckung ist die, die mich fĂ€hig macht, das Philosophieren abzubrechen, wann ich will 
 Es wird nun an Beispielen eine Methode gezeigt, und die Reihe dieser Beispiele kann man abbrechen. â€“ Es werden Probleme gelöst (Schwierigkeiten beseitigt), nicht ein Problem“.[25]

FĂŒr die AnhĂ€nger der „metaphysischen“ Lesart ist dieser Zugang Wittgensteins eine Weiterung von FĂ€higkeiten, die erst einmal erworben sein wollen â€“ vor allem die Methode der hinnehmenden Veranschaulichung von Sprachspielen, ihrer „Grammatik“ (z. B. die der „Meterstabverwendung“). DafĂŒr habe Wittgenstein bevorzugt einerseits den Verwendungszusammenhang einiger Zentral-Begriffe dargestellt und so etwa die Bedeutung von „Bedeutung“ oder „Regel“ fĂŒr seine Herangehensweise erhellt, wĂ€hrend er andererseits z. B. mit „Sprachspiel“ oder „FamilienĂ€hnlichkeit“ auch spezifische Begriffe seiner Methode unter Verwendung teilweise fĂŒr deren Veranschaulichung erfundener Sprachspiele geschöpft und hinreichend bestimmt. Das Wesen ĂŒberhaupt aller Begriffe erklĂ€re sich laut Wittgenstein durchgĂ€ngig aus der Darstellung ihres Verwendungszusammenhangs oder Sprachspiels, wozu auch Betrachtungen nach der philologischen oder historisch-kritischen Methode gehörten, respektive Deutungen, Vergleiche von Entwicklungsstadien und Kritik.

Die „Metaphysiker“ sind dementsprechend der Meinung, „Sprachspiel“ sei ein zentraler Begriff der SpĂ€tphilosophie Wittgensteins; Lebenswirklichkeit zerfalle nach Wittgenstein unhintergehbar in beschreibbare „Regelkreise“. In der Philosophie gehe es darum, deren „Grammatik" â€“ paradigmatisch oder im Zusammenspiel heterogener Beispiele â€“ darzustellen. Dies geschehe dann mit manchmal verblĂŒffenden Ergebnissen. So ergĂ€be sich etwa aus dem verdeutlichten Verwendungszusammenhang von „Traum“, dass damit nichts Privates, sondern nur ein bestimmter zwischenmenschlicher Verlauf gemeint sein könne. Und es erweise sich, dass Äußerungen der ersten Person Singular keinen Wahrheitswert hĂ€tten.

Den Metaphysikern geht es ferner um die Verdeutlichung des nach ihrem Wittgenstein-VerstĂ€ndnis begriffsschöpfenden Weltbilds einer jeden Lebensform. „Man könnte sich vorstellen“, zitieren sie Wittgensteins Über die Gewißheit, „dass gewisse SĂ€tze von der Form der ErfahrungssĂ€tze erstarrt wĂ€ren und als Leitung fĂŒr die nicht erstarrten, flĂŒssigen ErfahrungssĂ€tze funktionieren; und dass sich dies VerhĂ€ltnis mit der Zeit Ă€nderte, in dem flĂŒssige SĂ€tze erstarren und feste flĂŒssig werden.“ Die metaphysische Haltung blickt auf die gerade erstarrten SĂ€tze, um anhand ihrer akuten Sinn von akutem Unsinn abzugrenzen: Offensichtliches festzustellen wie etwa, dass „Steine nicht denken können" â€“ aber auch weniger Offensichtliches, etwa wieweit man sinnvoll von „kĂŒnstlicher Intelligenz“ reden kann. Wittgensteins SpĂ€twerk fasziniert und beschĂ€ftigt nicht nur Sprachphilosophen, sondern auch Psychiater und Psychologen. Die Ideen Wittgensteins fordern nach Ansicht mancher geradezu dazu auf, in psychotherapeutischen Verfahren angewendet zu werden.

Aus streng „therapeutischer“ Sicht verkĂŒrzen die „Metaphysiker“ die SpĂ€tphilosophie Wittgensteins. So gesehen gehe es ihm nicht darum, Richtiges von Falschem, erlaubten von nicht-erlaubtem Sprachgebrauch, Sinn von Unsinn abzugrenzen, indem er nachweisend darstellte, was „richtig“, „erlaubt“ oder „sinnvoll“ ist. Wenn Wittgenstein ĂŒber die Bedeutung von Wörtern spricht, hat dies gemĂ€ĂŸ der therapeutischen Auffassung nicht den Zweck, eine korrekte Bestimmung von Begriffen zu schaffen, sondern den, einen intellektuellen Krampf zu lösen, wie er in folgender Aussage zum Ausdruck kommt: „Was ist denn nun das Wesen von 'gut'? Es muss doch eine bestimmende Eigenschaft geben, sonst ist doch alles relativ!“

Die Diskussion des Begriffes „Sprachspiel“ steht in engem Zusammenhang mit der des Begriffs „Bedeutung“: In den Philosophischen Untersuchungen heißt es in § 43: „Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache.“ Im vorhergehenden Satz bemerkt Wittgenstein jedoch einschrĂ€nkend: „Man kann fĂŒr eine große Klasse von FĂ€llen der BenĂŒtzung des Wortes Bedeutung â€“ wenn auch nicht fĂŒr alle FĂ€lle seiner BenĂŒtzung â€“ dieses Wort so erklĂ€ren: Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache“. Die unterschiedliche Lesart der oben genannten Textpassage zeigt die unterschiedlichen ZugĂ€nge von „Therapeuten“ und „Metaphysikern“.

Die „metaphysische“ Sicht: Wittgenstein nimmt eine Bestimmung von „Bedeutung“ (des Wesens des mit dieser Buchstabenkette gekennzeichneten Begriffes) vor. Dementsprechend ist die Aufgabe nun, eine konsistente Position aus Wittgensteins Werken zu extrahieren. Auch wenn Definitionen bei Wittgenstein fast nie „klassisch“ durch die Angabe bestimmender Merkmale erfolgen, sondern von ihm – oft reihenweise â€“ Veranschaulichendes dargestellt wird, in dessen Ähnlichkeit oder Zusammenklang der bestimmte Begriff dann „erscheint“ (FamilienĂ€hnlichkeit, ein letztlich offenes Verfahren, das keine scharfen Grenzen vorsieht), wird letztlich auch damit immer etwas â€“ und, das sei sogar Wittgensteins Pointe: auch immer hinreichend â€“ bestimmt. § 43 der Philosophischen Untersuchungen wĂ€re also durchaus als Definition aufzufassen; das einschrĂ€nkende „nicht fĂŒr alle FĂ€lle“ sei eher als Index auf weitere Bestimmungen von „Bedeutung“ durch den Autor zu lesen, etwa in Teil II der Philosophischen Untersuchungen, wo Wittgenstein in den AnsĂ€tzen einer Philosophie der Psychologie die „sekundĂ€re Bedeutung“ beschreibt als eine haltungsbestimmte Form des Erlebens der primĂ€ren, welche schlicht im Gebrauch des Wortes besteht. Da es keine ĂŒber „primĂ€re“ und „sekundĂ€re“ hinausgehende Verwendung des Begriffs „Bedeutung“ im SpĂ€twerke Wittgensteins gibt, neigen die AnhĂ€nger der metaphysischen Interpretation zur Auffassung, dass Wittgenstein keine weitere Interpretation vorsieht und „Bedeutung“ insofern erschöpfend bestimmt wurde.

Im Gegensatz dazu vertreten AnhĂ€nger des „therapeutischen“ Ansatzes die Meinung, Wittgenstein sei es in § 43 nicht darum gegangen, Kern und Wesen von „Bedeutung“ zu bestimmen. Die EinschrĂ€nkung „nicht fĂŒr alle FĂ€lle“ sei kein Verweis auf andere Textstellen im SpĂ€twerk des Autors, sondern hebe vielmehr hervor, dass die folgende Bestimmung nichts ImmerwĂ€hrendes skizziere - sondern vielmehr einen möglichen Gegenstand, welcher das Potenzial besitze, ein DenkkrĂ€mpfe verursachendes Bild hervorzurufen, indem es mit ihm verglichen werde, Lösungsaspekte aufzuzeigen. So könnte es z. B. befreiend wirken, die Bedeutung von „Vorstellung“ oder „Zahnschmerzen“ nicht wie die von „Stuhl“ oder „Auto“ in etwas Raumeinnehmendem zu sehen, sondern stattdessen zu versuchen, Parallelen zwischen dem mit „Vorstellung“ oder „Zahnschmerzen“ Gemeinten und geregelten Verlaufsformen („Spielen“: deren ZĂŒgen 
) zu sehen. GemĂ€ĂŸ der lösungsorientiert-therapeutischen Haltung lautet die entscheidende Frage nicht, wie sich verschiedene Bestimmungen des Bedeutungsbegriffs ergĂ€nzen oder addieren, sondern ob die von „Therapeuten“ entworfenen GegenstĂ€nde â€“ indem man das, was einen verwirrt, mit ihnen vergleicht â€“ in der Lage sind, Lösungen aufzuzeigen.

VerhĂ€ltnis von FrĂŒh- zu SpĂ€twerk

Der Widerstreit der SpĂ€tphilosophie-Deutungen ĂŒbertrĂ€gt sich auch auf die EinschĂ€tzung der KontinuitĂ€t in Wittgensteins Denken ĂŒberhaupt. Die „Therapeuten“ neigen zur Annahme der KontinuitĂ€t zwischen der unbedingten Position der Logisch-philosophischen Abhandlung (Tractatus, TLP) und den Entkrampfungsverfahren der Philosophischen Untersuchungen (PU). FĂŒr die „Metaphysiker“ herrscht zwischen FrĂŒh- und SpĂ€tphilosophie ein Bruch.

FliegenglÀser

In Wittgensteins SpĂ€twerk zerfallen die Welt und sie abbildende Sprache nicht mehr in unauflösbare Dinge und deren logisch mögliche VerknĂŒpfung in Sachverhalte oder SĂ€tze. Nicht mehr die zeitlosen Kombinationsvorgaben der Logik bestimmen den Sprachbau. Vielmehr vergleicht Wittgenstein die Sprache nun mit einer „alten Stadt“: „Ein Gewinkel von GĂ€sschen und PlĂ€tzen, alten und neuen HĂ€usern mit Zubauten aus verschiedenen Zeiten: und dies umgeben von einer Menge Vororte mit geraden und regelmĂ€ĂŸigen Straßen und mit einförmigen HĂ€usern.“[26] Dennoch blieb fĂŒr ihn die Sprache, ihre „Grammatik“, der Raum des Denkens und der Wirklichkeit. „Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache.“[27] Gebrauch aber ist die Funktion eines Ensembles von Gepflogenheiten oder einer „Lebensform“, die in „Sprachspiele“ zerfĂ€llt. „Das Wort ‚Sprachspiel‘ soll hier hervorheben, dass das Sprechen der Sprache ein Teil ist einer TĂ€tigkeit, oder einer Lebensform.“[28] Mediziner haben andere Sprachspiele als Handwerker oder Kaufleute, Agnostiker andere als GlĂ€ubige. Aufgabe der Philosophie bleibt demnach die Auseinandersetzung dieses oder jenes Sprachgebrauchs. „Die Philosophie ist ein Kampf gegen die Verhexung unseres Verstandes durch die Mittel unserer Sprache.“[29] Gegenstand der Philosophie ist die Alltagssprache. „Wir fĂŒhren die Wörter von ihrer metaphysischen auf ihre alltĂ€gliche Verwendung zurĂŒck.“[30] Der Zweck der Philosophie ist eine Therapie. „Der Philosoph behandelt eine Frage, wie eine Krankheit.“[31] Der in einer Sprachverwirrung gefangene Mensch soll wieder befreit werden. „Was ist dein Ziel in der Philosophie? Der Fliege den Ausweg aus dem Fliegenglas zeigen.“[32] Die spĂ€te Philosophie Wittgensteins ersetzt den Begriff „Logik“ durch „Grammatik“. Der Unterschied besteht darin, dass im Gegensatz zur Logik die „Grammatik“ als Ensemble von Gepflogenheiten einer Lebensform „VerĂ€nderungen unterworfen ist“. Die Gemeinsamkeit besteht darin, dass weder Logik noch „Grammatik“ erklĂ€rbar sind, sondern beide sich in dem, was die ausmachen, lediglich zeigen.

Schließlich identifizieren die „Metaphysiker“ in Wittgensteins FrĂŒh- wie SpĂ€twerk eine anti-cartesianische Ablehnung des Dualismus von privater „Innenwelt“ und öffentlicher „Aussenwelt“ sowie des subjektzentrierten Denkens ĂŒberhaupt, nicht zuletzt durch das Auslassen jeglicher Erkenntnistheorie oder Transzendentalphilosophie.

Literarische Rezeption

Thomas Bernhard greift in seinem, nach den beiden Schauspielerinnen und ihrem Kollegen der UrauffĂŒhrung benannten, TheaterstĂŒck „Ritter, Dene, Voss“ (UrauffĂŒhrung: 18. August 1986 in Salzburg) die Familiensituation Ludwig Wittgensteins auf und verbindet sie mit dessen Neffen Paul, der mehrmals in der psychiatrischen Klinik Am Steinhof bei Wien behandelt wurde und dem er seine Erinnerungen „Wittgensteins Neffe“ (1982) widmete. Auch seine eigene Kritik an der österreichischen Gesellschaft des 20. Jahrhunderts legt der Autor dem Protagonisten in den Mund. Das Drama spielt im Speisezimmer der herrschaftlichen Villa der Großindustriellenfamilie Worringer. Ludwig, der nach einem Aufenthalt in Skandinavien und nach philosophischen Studien an einer englischen UniversitĂ€t wegen seiner psychischen LabilitĂ€t im Krankenhaus „Steinhof“ lebte, kehrt fĂŒr kurze Zeit ins von seinen beiden Schwestern bewohnte Haus zurĂŒck. Unterbrochen von grotesken WutausbrĂŒchen rechnet er, im Bernhardschen Stil, mit seinen Eltern, dem GroßbĂŒrgertum und, in einem Rundumschlag, mit dem Medizin-, Kunst- und Wissenschaftsbetrieb ab.

In LibuĆĄe MonikovĂĄs autobiografisch unterlegtem Roman „Treibeis“ [33] ist Wittgensteins TĂ€tigkeit als Volksschullehrer (1920-1926) rezipiert. Jan Prantl, einer der beiden Protagonisten (Prantl und Karla, beide tschechische Exilanten), nimmt in der zweiten Station der Handlung an einem internationalen pĂ€dagogischen Kongress am Semmering teil. Zwei Wissenschaftler aus Cambridge nutzen den Aufenthalt, um Wittgenstein-Souvenirs wie Zeugnisse, Schreibhefte und BĂŒcher seiner ehemaligen SchĂŒler in Trattenbach und anderen Dörfern (Puchberg) aufzukaufen (Kp. 3) und dem Seminar ihre Augenzeugenbefragungen ĂŒber die LehrertĂ€tigkeit des Philosophen vorzutragen (z.B. Affekthandlungen wie ZĂŒchtigungen, andererseits Idealismus: finanzielle UnterstĂŒtzung und Förderung mathematisch begabter SchĂŒler, Erarbeitung einer Grundwortschatzsammlung fĂŒr die Rechtschreibung), die, parodistisch erzĂ€hlt, von den Teilnehmern unter unterschiedlichen Aspekten diskutiert werden (Kp. 5): biografisch (Familie, Autismus, Ausgrenzung und Verspottung durch MitschĂŒler in Linz, Kriegsverletzung), historisch-soziologisch (armselige Gebirgsdörfer Niederösterreichs: Trattenbach, Puchberg und Otterthal), reformpĂ€dagogisch (zwar Mitwirkung der SchĂŒler bei Herstellung der WörterbĂŒcher, aber keine inhaltliche Beteiligung, einerseits lebensfremde mathematische Textaufgaben, andererseits sorgfĂ€ltig vorbereitete AusflĂŒge). Der Kongressleiter fasst als Ergebnis zusammen: „Er mag ein engagierter, vielleicht sogar guter Lehrer gewesen sein. Ein PĂ€dagoge war er nicht!“ [34]

Siehe auch

Werke

Die ersten beiden Ebenen des Werkes Tractatus Logico-Philosophicus
  • Werkausgabe in 8 BĂ€nden, Frankfurt am Main, 1984 (Preiswerte Taschenbuchausgabe, auch einzeln erhĂ€ltlich).
  • Vorlesungen ĂŒber die Philosophie der Psychologie 1946/47, Frankfurt am Main, 1991 (VollstĂ€ndige Wiedergabe seiner letzten Vorlesungen, aufgezeichnet von drei von Wittgensteins Hörern; sie vermitteln ein sehr lebendiges Bild von dem ungewöhnlichen Lehrstil; aus dem Englischen).
  • Logisch-philosophische Abhandlung (Tractatus Logico-Philosophicus), 1921
  • Philosophische Untersuchungen, 1953.
  • Über Gewißheit, Suhrkamp, 1970.
  • The Big Typescript
  • Philosophische Untersuchungen. Kritisch-genetische Edition. Suhrkamp, Frankfurt 2001.
  • Wiener Ausgabe. 15 BĂ€nde, 6 RegisterbĂ€nde, 1 EinfĂŒhrungsband, hrsg. von Michael Nedo, Springer, Wien 2000
  • Wittgenstein's Nachlass. The Bergen Electronic Edition. 6 CD-ROMs, 1998. Faksimile-Ausgabe des Nachlasses. Zwei transkribierte Textfassungen. Ca. 20.000 Seiten.

Literatur

Biographien

  • Wilhelm Baum: Ludwig Wittgenstein. In: Köpfe des 20. Jahrhunderts. 103, Colloquium-Verlag, Berlin 1985, ISBN 3-7678-0645-2.
  • Brian McGuinness: Wittgensteins frĂŒhe Jahre. Suhrkamp, Frankfurt/M. 1992, ISBN 3-518-28614-5 (sehr ausfĂŒhrlich).
  • Ray Monk: Wittgenstein. Das Handwerk des Genies. Klett-Cotta, Stuttgart 2004, ISBN 3-608-94280-7 (mit vielen Zitaten aus Briefen und TagebĂŒchern).
  • Kurt Wuchterl, Adolf HĂŒbner: Wittgenstein. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt, Reinbek 1998, ISBN 3-499-50275-5 (kurz, viele Fotos).
  • David J. Edmonds, John A. Eidinow: Wie Ludwig Wittgenstein Karl Popper mit dem Feuerhaken drohte. Eine Ermittlung. DVA, MĂŒnchen 2002, ISBN 3-421-05356-1 (korr. Auflage: Fischer TB ISBN 3-596-15402-2) ĂŒber ein Zusammentreffen in Cambridge 1946, eine Darstellung ihrer Philosophie und Biographien.
  • Paul Vijdeveld: Ludwig Wittgenstein, Architekt. Wiese Verlag, Basel 2000, ISBN 3-909164-03-X.
  • Joachim Schulte: Leben. Werk. Wirkung. (Taschenbuch) Suhrkamp, Frankfurt/M. 2005, ISBN 978-3-518-18209-3.
  • Wilhelm Pellert: Wittgenstein. TheaterstĂŒck. UrauffĂŒhrung: Wien, Freie BĂŒhne Wieden 2011

EinfĂŒhrungen

  • Chris Bezzel: Wittgenstein zur EinfĂŒhrung. Junius, Hamburg 2000, ISBN 3-88506-330-1.
  • Kai Buchholz: Ludwig Wittgenstein.; Frankfurt u.a.: Campus, 2006; ISBN 3-593-37858-2
  • Hans-Johann Glock: Wittgenstein-Lexikon. Darmstadt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2000
  • A. C. Grayling: Wittgenstein. Freiburg im Breisgau. o.A.
  • Anthony Kenny: Wittgenstein (Taschenbuch); Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1987; ISBN 3-518-27669-7
  • Ernst M. Lange: Ludwig Wittgenstein: „Logisch-philosophische Abhandlung“; Paderborn: Schöningh, 1996 (EinfĂŒhrung in Hauptthesen)
  • Ernst M. Lange Ludwig Wittgenstein. Philosophische Untersuchungen, eine kommentierte EinfĂŒhrung; Paderborn: Schöningh, 1998; ISBN 3-8252-2055-9 (behandelt auch Teil II)
  • Howard O. Mounce: Wittgenstein’s Tractatus. An Introduction; Oxford: Blackwell, 1990; ISBN 0-631-12556-6 (EinfĂŒhrung fĂŒr College-Studenten)
  • George Pitcher: Die Philosophie Wittgensteins. Eine kritische EinfĂŒhrung in den Tractatus und die SpĂ€tschriften; Freiburg, MĂŒnchen: Alber, 1967; ISBN 3-495-47159-6
  • Richard Raatzsch: Ludwig Wittgenstein zur EinfĂŒhrung; Hamburg: Junius; 2008; ISBN 978-3-88506-643-9
  • Joachim Schulte: Wittgenstein. Eine EinfĂŒhrung; Stuttgart: Reclam, 2001; ISBN 3-15-008564-0
  • Wilhelm Vossenkuhl: Ludwig Wittgenstein; MĂŒnchen: C.H. Beck, 1995; ISBN 3-406-38931-7 (Reihe „Denker“)

Kommentare, Monographien, SammelbÀnde

  • Erich Ammereller, Eugen Fischer (Hrsg.): Wittgenstein at work. Method in the philosophical investigation. Routledge, London 2004, ISBN 0-415-31605-7 (Sammelband zur Methode Wittgensteins).
  • Ulrich Arnswald (Hrsg.): In Search of Meaning. Ludwig Wittgenstein on Ethics, Mysticism and Religion. UniversitĂ€tsverlag, Karlsruhe 2009, (EUKLID-Studien; Bd 1), ISBN 978-3-86644-218-4.
  • Ulrich Arnswald (Hrsg.): Sektion „The Authentic in Wittgenstein’s Philosophy / Das Authentische in Wittgensteins Philosophie“. In: Wittgenstein Jahrbuch 2003/2006, Jahrbuch der Deutschen Ludwig Wittgenstein Gesellschaft. Lang, Frankfurt am Main 2007, 113-198, ISBN 978-3-631-56104-1.
  • Ulrich Arnswald, Jens Kertscher, Matthias Kroß (Hrsg.): Wittgenstein und die Metapher. Parerga, Berlin 2004, ISBN 3-937262-14-8.
  • Ulrich Arnswald, Anja Weiberg (Hrsg.): Der Denker als SeiltĂ€nzer. Ludwig Wittgenstein ĂŒber Religion, Mystik und Ethik. Parerga, DĂŒsseldorf 2001, ISBN 3-930450-67-4.
  • Gordon P. Baker, Peter M. Hacker: Analytical Commentary on the „Philosophical Investigations“. Blackwell, Oxford 1985. (Mehrere BĂ€nde, der wohl grĂŒndlichste und umfassendste Kommentar zu den Philosophischen Untersuchungen, allerdings ohne die Behandlung von Teil II. Die Autoren sind die Wittgenstein-„PĂ€pste“ und zerfielen ĂŒber ihrem Hauptwerk in die weiter oben „therapeutisch“ / „metaphysisch“ gekennzeichneten Lager.)
  • Gordon P. Baker: Wittgenstein’s method. Neglected aspects, essays on Wittgenstein. Blackwell, Oxford 2004, ISBN 1-4051-1757-5 (Sammlung zunĂ€chst meist in Französisch erschienener Essays zur weiter oben „therapeutisch“ gekennzeichneten Position, die GeisteskrĂ€mpfe nicht durch Analyse, sondern Umdeutung sie verursachender Bilder zu lösen anstrebt.)
  • Gerd Brand: Die grundlegenden Texte von Ludwig Wittgenstein. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1975. ISBN 3-518-07438-5
  • Wittgenstein und die Zeichen. Semiotische Berichte mit: Linguistik InterdisziplinĂ€r. Jg. 16/1992, Heft 1/2. (Wien, Österr. Ges. f. Semiotik): Bezzel, Chris. Wahrnehmungsspiel und Sprachspiel. Eine Skizze zu Wittgenstein; Conte, Amedeo G. Wittgensteins deontischer Ort; Leinfellner-Rupertsberger, Elisabeth. Die pragmatische BegrĂŒndung von Linguistik und KĂŒnstlerischer Intelligenz durch Wittgensteins spĂ€te Philosophie: die Geschichte eines Fehlschlags; Neumer, Katalin. Das Wunder der Natur. Die Ideen des spĂ€ten Wittgenstein ĂŒber Ästhetik und Kunst. Rossi-Landi, Ferruccio. Wittgenstein aus alter und neuer Sicht. Koschitz, Norbert. Das Ei ins Kuckucksnest. Editionskundliche Anmerkungen zu Wittgensteins Nachwelt; Conte, A.G. Wittgensteins nicht-posthume Schriften. Bericht.
  • Stanley Cavell: Der Anspruch der Vernunft. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2006 (Insbesondere sind seine Interpretation von Wittgensteins „Kriterien“ empfehlenswert, des Weiteren hat er weitere wichtige AufsĂ€tze zu Wittgenstein geschrieben, die in Essaysammlungen auf deutsch vorliegen.)
  • Jan Drehmel, Kristina Jaspers (Hg.): Wittgenstein-VortrĂ€ge. AnnĂ€herungen aus Kunst und Wissenschaft. Junius, Hamburg 2011; ISBN 978-3-88506-491-6.
  • Jan Drehmel, Kristina Jaspers (Hg.): Ludwig Wittgenstein. Verortungen eines Genies. Junius, Hamburg 2011, ISBN 978-3-88506-475-6.
  • Françoise Fonteneau: L’éthique du silence. Wittgenstein et Lacan. Seuil, Paris 1999.
  • Mirko Gemmel: Die Kritische Wiener Moderne. Ethik und Ästhetik. Karl Kraus, Adolf Loos, Ludwig Wittgenstein. Parerga, Berlin 2005, ISBN 3-937262-20-2 (zur Bedeutung der Ethik im Tractatus).
  • Peter M. Hacker: Wittgenstein im Kontext der analytischen Philosophie. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1997, ISBN 3-518-58242-9.(Fundierter Überblick der „metaphysischen“ Position, die in Wittgenstein einen Erben der angelsĂ€chsisch-analytischen Philosophietradition sieht.)
  • Peter M. Hacker: Einsicht und TĂ€uschung. Suhrkamp, Frankfurt a.M. 1978. (Eine der besten Gesamtdarstellungen der Philosophie von Wittgensteins.)
  • Fernando Gil: La RĂ©ception de Wittgenstein CollĂšge international de philosophie, Paris 1988; ISBN 2-905670-27-4.
  • Merrill B. Hintikka, Jaakko Hintikka: Untersuchungen zu Wittgenstein. Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, 1224. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-518-28824-5.
  • Mathias Iven: Ludwig sagt 
 Die Aufzeichnungen der Hermine Wittgenstein. Parerga, Berlin 2006.
  • Wulf Kellerwessel: Wittgensteins Sprachphilosophie in den Philosophischen Untersuchungen. Eine kommentierende ErsteinfĂŒhrung. Ontos, Heusenstamm 2009 (Publications of the Austrian Ludwig Wittgenstein-Society, New Series, Vol. 9), ISBN 978-3-86838-032-3.
  • Wolfgang Kienzler: Wittgensteins Wende zu seiner SpĂ€tphilosophie 1930 bis 1932. Eine historische und systematische Darstellung. Suhrkamp, Frankfurt a.M. 2001, ISBN 978-3-518-58250-3.
  • Wolfgang Kienzler: Ludwig Wittgensteins „Philosophische Untersuchungen“; Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2007; ISBN 978-3-534-19823-8
  • Saul Aaron Kripke: Wittgenstein ĂŒber Regeln und Privatsprache. Eine elementare Darstellung. Suhrkamp, Frankfurt a.M. 2006, ISBN 3-518-29383-4 (engl. Original erschien 1982. Umstrittene, aber Ă€ußerst einflussreiche Interpretation Wittgensteins, wegen ihrer umstrittenen Treue zur Original-Argumentation ironisch „Kripkenstein“ genannt)
  • E. M. Lange: Wittgensteins Revolution. Das Problem der Philosophie und seine Auflösung. 2009, abgerufen am 30. November 2010 (pdf, 483 KB, Verfasser der UTB-Kommentare zu Tractatus und Philosophische Untersuchungen arbeitet in Online-Veröffentlichung aus, wie Wittgensteins Umsturz der disziplinĂ€ren VerhĂ€ltnisse innerhalb der Philosophie von der Erkenntnistheorie zur Semantik mit der Auflösung des Scheinproblems einer zwischen Realismus und Idealismus bestehenden Alternative zusammenhĂ€ngt).
  • Duncan Richter: Wittgenstein at His Word. Continuum, London 2004, ISBN 0-8264-7473-X. (weitere alternative Interpretation von Wittgensteins SpĂ€tphilosophie)
  • Nicolas Reitbauer: Wittgenstein – Verstehen – Mikrologische Untersuchungen zum Beginn des Big Typescripts. 2006.
  • Alois Rust: Wittgensteins Philosophie der Psychologie. Klostermann, Frankfurt am Main 1996, ISBN 978-3-465-02848-2.
  • Eike von Savigny: Wittgensteins „Philosophische Untersuchungen“. Ein Kommentar fĂŒr Leser. Klostermann, Frankfurt a. M. 1988f., ISBN 978-3-465-03547-3.
  • Michel Ter Hark: Beyond The Inner And The Outer. Wittgensteins's Philosophy of Psychology. Kluwer, Dordrecht 1990, ISBN 0-7923-0850-6.
  • J.-M.Terricabras: Ludwig Wittgenstein. Kommentar und Interpretation. Alber, Freiburg 1978, ISBN 3-495-47393-9.
  • Holm Tetens: Wittgensteins „Tractatus“. Ein Kommentar. Reclam, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-15-018624-4.

Belletristik

  • Philip Kerr: Das Wittgenstein-Programm. Rowohlt TB, Reinbek 1996, ISBN 3-499-43229-3. (Kriminalroman)
  • Bruce Duffy: The World As I Found It. London 1987.

Filme

Weblinks

 Commons: Ludwig Wittgenstein â€“ Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Bertrand Russell am 29. November 1911 an Ottoline Morrell
  2. ↑ a b Axel Schock, Karen-Susan Fessel: OUT! – 800 berĂŒhmte Lesben, Schwule und Bisexuelle. Querverlag, Berlin 2004, ISBN 3-89656-111-1
  3. ↑ W. W. Bartley, Wittgenstein. Lippincott, Philadelphia: 1973, S. 160 u.ö.
  4. ↑ Tractatus 4.0031
  5. ↑ Saul Aaron Kripke: Wittgenstein ĂŒber Regeln und Privatsprache. Eine elementare Darstellung. Suhrkamp, Frankfurt a.M. 2006, ISBN 3-518-29383-4.
  6. ↑ Tractatus 3.3
  7. ↑ Tractatus 3.1432
  8. ↑ Tractatus 6.54
  9. ↑ Aus einem Brief Wittgensteins an Ludwig von Ficker, den Herausgeber der Zeitschrift Der Brenner
  10. ↑ Tractatus 5.6
  11. ↑ Brief an Russell
  12. ↑ a b Ray Monk: Wittgenstein. Das Handwerk des Genies, Klett-Cotta, Stuttgart 2004, S.252f.
  13. ↑ A.C.Grayling: Wittgenstein. Freiburg im Breisgau, S. 18f.
  14. ↑ http://churchatcastle.org/node/12
  15. ↑ Zur Problematik der Herausgabe der Werke Wittgensteins siehe: Joachim Schulte: Wittgenstein. Stuttgart, 1989, S. 45f.
  16. ↑ Cora Diamond: The Realistic Spirit. Cambridge, Massachusetts: MIT Press, 1991.
  17. ↑ Rupert Read, Alice Crary (Hrsg.) The New Wittgenstein. Routledge, 2000
  18. ↑ J. Conant & C. Diamond: On reading the Tractatus resolutely: reply to Meredith Williams and Peter Sullivan. In: M. Kölbel, B. Weiss (Hrsg.) The Lasting Significance of Wittgenstein’s Philosophy, Routledge, 2004.
  19. ↑ Peter Hacker Was he trying to whistle it? In: Wittgenstein: Connections and Controversies, Oxford, 2001
  20. ↑ James Conant Mild-Mono-Wittgenteinianism in: Alice Crary (Hrsg.): Wittgenstein and the Moral Life – Essays in Honor of Cora Diamond. MIT Press, Cambridge, Massachusetts 2007 Routledge, 2000
  21. ↑ Rupert Read, Matthew Lavery(Hrsg.): The Tractatus Wars. Routledge, 2011.
  22. ↑ PU, Vorwort
  23. ↑ Haupt-Vertreter Gordon P. Baker in Wittgenstein’s method. Neglected aspects, essays on Wittgenstein, Blackwell, Oxford 2004
  24. ↑ Haupt-Vertreter Peter M. Hacker in Wittgenstein im Kontext der analytischen Philosophie. Suhrkamp, Frankfurt a. M. 1997
  25. ↑ Philosophische Untersuchungen § 133
  26. ↑ PU, § 18
  27. ↑ PU, § 43
  28. ↑ PU, § 23
  29. ↑ PU, § 109
  30. ↑ PU, § 84
  31. ↑ PU, § 255
  32. ↑ PU, § 309
  33. ↑ MonikovĂĄ, LibuĆĄe: Treibeis. Hanser MĂŒnchen/Wien 1992.
  34. ↑ s. Moniková, 1992, S. 123.
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Dieser Artikel wurde am 13. Dezember 2005 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.
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