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Eine Luftseilbahn, auch Seilschwebebahn, ist eine Seilbahn, deren Fahrbetriebsmittel (Kabinen, Gondeln, Sessel, Materialkörbe, Kübel, Loren, Hunte) ohne feste Führungen von einem oder mehreren Seilen – in der Regel Drahtseilen – getragen in der Luft hängend bewegt werden. Sie kann zur Beförderung von Personen, Tieren oder Gütern dienen.
Zu den Luftseilbahnen werden zum Beispiel im Österreichischen Seilbahngesetz[1] folgende Typen gezählt:
Folgende Typenbezeichnungen sind ebenfalls in Gebrauch
Das Österreichische Seilbahngesetz definiert die im allgemeinen Sprachgebrauch als 'Umlaufbahn' bezeichneteten Anlagen 'Umlaufseilbahn' und die als Pendelbahn bezeichneten Anlagen 'Pendelseilbahn'.[2]
Die Fahrbetriebsmittel, das sind Wagen, Gondeln sind über ein Gehänge entweder mit dem Laufwerk verbunden, das auf den fest montierten Tragseilen fährt oder sie (und auch Sessel) sind mit einer Klemme oder fix (etwa Sessel oder auch Behälter) mit dem umlaufenden Förderseil verbunden.
Die Mehrzahl der Luftseilbahnen befahren gerade Strecken von Punkt zu Punkt nur mit je einer Start- und Zielstation, eventuell wenn erforderlich mit Zwischenstationen zum Aus- und Einsteigen. Richtungsänderungen sind bei Stützen (nur kleinere Winkelabweichungen), in Zwischenstationen (auch größere) oder kurvig (mit Gleisführung auf Schienen) technisch möglich. Werden mehrere Seilbahnen zu einer Linie verbunden, nennt man diese getrennten Streckenabschnitte Sektionen.
Bei allen Seilbahnen (außer „einspurigen“ Bahnen mit nur einem Tragseil und einer Kabine) stehen die potentiellen Energien der bergauf fahrenden Fahrbetriebsmittel (Wagen, Gondeln, Kabinen, Sessel, Bügel, Körbe, Behälter) mit denen der bergab fahrenden im Gleichgewicht. Somit muss für die Fahrt nur Energie für das Bewegen bzw. Heben der Passagiere oder Lasten und für die Trägheit (beim Anfahren) und für Reibungsverluste aufgewendet werden bzw. müssen (wenn mehr Masse nach unten als nach oben befördert wird) nur die außerhalb des Gleichgewichts übrigen Lasten abgebremst werden. Die Asynchron-Motoren der modernen Seilbahnen arbeiten beim Bremsen im Generatorbetrieb und speisen den dabei gewonnenen Strom wieder ins Stromnetz ein.
Vor dem Einsatz von Elektromotoren wurden auch Wasserballastbahnen gebaut, um mithilfe des an der Bergstation getankten Wasserballastes Personen mit der Gegengondel bergauf zu heben. Die potentiellen Energien der Transportgüter werden häufig bei Materialseilbahnen die Erze oder Gestein talwärts transportieren genutzt, bei denen Nutzbremsen elektrischen Strom erzeugen.
Die Drahtseile werden häufig über Seilbahnstützen geführt, bewegte Seile dabei mithilfe von Rollenbatterien (mehrere Hohlkehlrollen hintereinander) gestützt. Seilbahnstützen werden heutzutage aus Stahlrohr, Stahlformteilen oder Stahlbeton gefertigt, größere turmartige Bauwerke als Stahlfachwerkturm. Früher waren auch Holzstützen üblich, heute werden überwiegend Rohrkonstruktionen eingesetzt. Der Bau von Seilbahnstützen wird notwendig, um den geeigneten Abstand zwischen den durchhängenden Seilen samt Gondeln und dem Untergrund sicherzustellen.
Häufig müssen Seilbahnen, besonders die Stützen, unter schwierigen Bedingungen, zum Beispiel auf Fels oder permanent gefrorenem Boden, errichtet werden. Oft ist der Ort, an dem eine Seilbahn errichtet werden soll, nicht mit üblicherweise verwendeten Baufahrzeugen zu erreichen. In diesen Fällen wird häufig ein Hubschrauber zum Transport des Materials eingesetzt.
Bei Pendelbahnen sind die Zugseile fest an den Laufwerken der Kabinen verankert, bei Umlaufbahnen werden die Fahrzeuge an das Zugseil an- und abgekuppelt. Seile, die zugleich Zug- und Tragfunktion erfüllen, werden Förderseile genannt. Oft werden für die untere Zugseilschleife bei Pendelbahnen (Unterseil) etwas dünnere Seile verwendet als für die durch das Gewicht der Kabinen stärker belastete Oberseilschleife.
Die Tragseile sind in einer Station, meistens in der Bergstation, fest verankert, Förderseile werden zu einer endlosen Schleife gespleißt und über Seilscheiben im Kreis geführt. Tragseile und Förderseile werden in einer Station gespannt, entweder mit sehr großen, viele Tonnen wiegenden Gewichten oder mittels Spannvorrichtungen (elektrisch oder hydraulisch). Eine gleichbleibende Spannung der Seile ist erforderlich, um u.a. zu großen Durchhang der Seile zu vermeiden, Ausdehnung der Seile bei Temperaturerhöhungen zu kompensieren und Biegebeanspruchungen beim Überfahren durch Seilbahnfahrzeuge zu vermindern. Größere und somit schwerere Kabinen verkehren meist auf zwei Tragseilen pro Richtung. Materialseilbahnen (zum Beispiel für hochalpine Baustellen etwa beim Bau einer Talsperre für ein Wasserkraftwerk) weisen bis zu sechs Tragseile auf, damit können auch Baumaschinen, schwere Bauteile und größere Betonkübel transportiert werden.
An den Tragseilen sind in größeren Abständen sogenannte Seilreiter fix angeklemmt ( V-förmige bei Zweiseilbahnen, L-förmige bei Einseilbahnen). Diese dienen gleichzeitig als Unterstützung und Führung des Zugseiles und sichern bei Mehrseilbahnen den richtigen Abstand der Tragseile.
Die Position der Tragseile auf den Stützen muss in gewissen Zeitabständen verändert werden, weil an diesen Stellen die Seile aufgrund des Drucks zwischen Laufwerkrollen und Auflage flachgedrückt werden und sie dadurch ihre Rundheit verlieren oder sonstige Seilschäden auftreten können. Die Tragseile sind in einer der Stationen mit einer Seilreserve auf einer Seiltrommel aufgewickelt und verankert. Zum Versetzen wird ein Stück der Seilreserve dort abgewickelt und die ganze Seiltour um dieses Stück auf der gesamten Strecke versetzt, bevor es wieder gespannt wird. Zugleich mit diesen Arbeiten werden auch die Seilreiter wieder an ihre Ausgangspositionen versetzt; deren Klemmen können das Seil ebenso punktuell schädigen. Die Notwendigkeit des Klemmenversatzes betrifft auch die Klemmen an Seilen von fix gekuppelten Bahnen, weil die geklemmten Stellen bei der Seilumlenkung stärker beansprucht werden und dort die Gefahr von Seilbeschädigungen besteht. An- und abkuppelnde Klemmen können ein Zug- oder Förderseil auch beschädigen, aber nur in sehr geringem Maße. Drahtseile bei Seilbahnanlagen werden daher vorsorglich nur für einen begrenzten Zeitraum verwendet. Sollte die Seilreserve durch mehrfaches Versetzen aufgebraucht sein, muss ein neues Tragseil eingezogen werden.
Die Lebensdauer eines Seiles hängt dabei zusätzlich von weiteren Parametern (Seiloberfläche („Seilverschluß“), Seilfettung, Laufzeit, Blitzschäden, u.a.m.) ab[3]. Bei Konstruktionen wie etwa Funitel-Bahnen müssen die Förderseile öfter umgelenkt werden als bei anderen Seilbahntypen, diese häufigeren „Biegewechsel“ verursachen wegen der inneren Reibung der Litzen eine schnellere Abnutzung der Seile (und mehr Energieaufwand für die Seilbewegung) und erfordern ein Austauschen der Seile in kürzeren Zeitabständen als bei anderen Seilbahntypen.
Verlieren auf Rollen laufende Fahrbetriebsmittel oder Stützrollen den Seilkontakt, so wird dieser Vorgang als Seilentgleisung[4] bezeichnet.
Die Pendelseilbahn ist die „klassische“ Luftseilbahn und verkehrt nach Art eines Unstetigförderers. Bei dieser Bauart verkehren zwei Kabinen mittels der Laufwerke je auf einer eigenen, aus einem oder mehreren Tragseilen bestehenden Fahrbahn und werden von einem Zugseil hin- und hergezogen. Pendelbahnen beschleunigen und bremsen außerhalb der Stationen, dadurch können die Stationen kürzer gebaut werden und höhere Geschwindigkeiten gefahren werden.
Die Laufwerke der Kabinen sind durch ein Zugseil miteinander verbunden, das in einer der Stationen über eine normalerweise von einem Elektromotor angetriebene Seilscheibe geführt wird. Gegen die andere Station hin bildet das Gegenseil, das über eine mit einem Spanngewicht belastete Umlenkscheibe läuft, zusammen mit dem Zugseil und den Laufwerken eine endlose Schlaufe. Die zwei Kabinen pendeln so auf ihren getrennten Fahrbahnen wechselseitig zwischen den Stationen hin und her.
Bei manchen Pendelseilbahnen, hauptsächlich bei Seilbahnen in der Ebene (deren zwei Gondeln nicht im Gleichgewicht stehen), werden für jede Richtung getrennte Zugseilschleifen und Antriebe eingesetzt (das Zugseil läuft über die Seilreiter leer zurück). Das hat die Vorteile, bei zu wenig Fahrgästen nur mit einer Kabine fahren zu können, bei einem Antriebsschaden die Fahrgäste mithilfe der zweiten Gondel mit dem anderen Antrieb bergen zu können und Revisionsarbeiten bei laufendem Betrieb durchführen zu können. Beispiel: Die Roosevelt Island Aerial Tramway, die in New York City Manhattan mit Roosevelt Island verbindet.
Für Beförderungsaufgaben für nur wenige Personen oder bei Materialseilbahnen als Zubringerbahn werden auch einspurige Pendelseilbahnen mit nur einer Fahrbahn und einer Kabine errichtet. Sie können mit einer geschlossenen Zugseilschleife ausgeführt sein oder als sog. Windenbahn, bei der das Fahrzeug von einer in der Bergstation untergebrachte Seilwinde herabgelassen und hinaufgezogen wird. Einige wenige Pendelbahnen wurden gebaut, bei denen das rücklaufende Zugseil zugleich als Tragseil verwendet wird.
Die Umlaufseilbahn hat zwischen den Stationen ein endlos gespleißtes, ständig umlaufendes Seil, an das eine Reihe von Gondeln, Sesseln oder Materialkübeln geklemmt sind, die dadurch auf einer Seite von einer Station zur anderen und auf der Gegenseite wieder zur ersten Station zurückfahren.
Bei der Einseilumlaufbahn dient das Seil gleichzeitig als Trag- und als Zugseil – und wird Förderseil genannt.
Es gibt Einseilumlaufbahnen, bei denen die Fahrzeuge fest (fix geklemmt) am Förderseil befestigt sind. Infolgedessen müssen diese Kabinenbahnen oder Sessellifte sehr langsam fahren, um gefahrloses Ein- und Aussteigen zu ermöglichen oder die Gondeln von Gruppenbahnen werden in den Stationen gestoppt. Außerdem sind die Kabinen dieser Bahnen meistens auf eine Kapazität von zwei Personen beschränkt. Man bezeichnet diese Kabinenbahnen, je nachdem, ob die Kabinen offen oder geschlossen sind, als Korblifte (in denen die Passagiere stehen) oder Gondellifte.
Bei den kuppelbaren Bahnen werden die Fahrzeuge in der Station vom Zugseil abgekuppelt und auf eine Hängeschiene gefahren, an der sie langsam im Halbkreis zur Gegenrichtung rollen, wo sie beschleunigt und wieder eingekuppelt werden. Da das Beschleunigen und Abbremsen innerhalb der Stationen erfolgt, sind die Stationen wegen der dazu nötigen Wegstrecken länger als bei Pendelbahnen. Kuppelbare Umlaufseilbahnen verkehren als Stetigförderer.[5].
Die Fahrzeuge können dabei auch angehalten oder auf anderen Schienen geparkt werden. Bei wechselnder Förderkapazität kann eine kuppelbare Umlaufseilbahn mehr oder weniger Fahrzeuge aufnehmen. Je nach den jeweiligen gesetzlichen Vorschriften muss im Normalbetrieb die Zahl der bergauf fahrenden Gondeln gleich sein wie die Zahl der bergab fahrenden Gondeln.
Sesselbahnen sind immer, Gondelbahnen in der Mehrzahl Einseilumlaufbahnen. Gondelbahnen und Sesselbahnen sind heutzutage immer (Ausnahme: Gruppenumlaufseilbahnen), kuppelbar ausgeführt, bei Sesselliften sind die Sessel fix angeklemmt.
Bei der Zweiseilumlaufbahn rollen die Gondeln oder Materialkübel mit Laufwerken auf einem festen Tragseil und werden mit einer Kupplung an ein umlaufendes Zugseil geklemmt, von dem sie im Kreis herum gezogen werden. Moderne Zweiseilumlaufbahnen für den Personentransport werden als 2S-Bahn bezeichnet.
Die Dreiseilumlaufbahn hat zwei Tragseile, wodurch deutlich größere Gondeln für bis zu 30 Personen und mehr eingesetzt werden können, die von einem Zugseil gezogen werden. Sie wird auch als 3S-Bahn bezeichnet.
Die Funitel ist eine moderne Variante der Einseilumlaufbahn, bei der das Förderseil endlos zu einer Doppelschleife gespannt wird, wodurch zwei parallel mit gleicher Geschwindigkeit laufende Förderseile je Richtung resultieren, auf die die Fahrzeuge angekuppelt werden. In der Anfangszeit verwendete man dazu zwei separate Förderseilschleifen, wobei es zu Problemen kam, beide synchron mit der gleichen Geschwindigkeit zu betreiben. Die Kabine ist dabei an kurzen Gehängen zwischen den beiden in Kabinenbreite verlaufenden Seile angekuppelt. Dies verleiht ihr hohe Tragekapazität und gute Windstabilität, ist jedoch von der Stützenentfernung eher mit der Einseilumlaufbahn ohne Tragseil zu vergleichen. Diese Bahnen dienen vorwiegend als Hauptzubringer zu Skigebieten und um Skifahrer sicher von windigen Gletscherskigebieten ins Tal bringen zu können.
Ein Funifor-System kann grob betrachtet als Kombination aus Funitel- und Pendelbahn angesehen werden, wobei der größte Unterschied zur Pendelbahn darin besteht, dass Funiforsysteme immer einspurig ausgeführt werden – Diejenigen Funiforbahnen die wie eine Pendelbahn zweispurig ausgeführt sind bestehen eigentlich aus 2 separaten Bahnen.
Es wurden auch Seilbahnen entwickelt, bei denen sich der Antriebsmotor im Fahrzeug befindet. Beispiele hierfür sind der Aerobus und die Lasso Mule. Eine weitere selbstfahrende Seilbahn war die in den 1990er Jahren abgebaute Josefsbergseilbahn bei Meran.
In Gebieten ohne Stromversorgung in unterentwickelten Ländern werden Seilbahnen zum Material- und Personentransport auch nur unter Ausnutzung der Lageenergie[6][7][8] oder durch Ziehen und Schieben der Lasten – etwa bei der Ernte von schweren Bananenbüscheln[9] und in Stollen von Bergwerken – oder als Seilrutschen betrieben. Gelegentlich werden auch bei der Holzbringung temporär aufgebaute Seilbahnen eingesetzt. Bei der Fuldaseilbahn Beiseförth wird mittels eines Kurbelantriebs ein Seilbahnkorb per Muskelkraft als Fährenersatz (ähnlich einer Schwebefähre) über einen Fluss bewegt.
Bremsbahnen sind Luftseilbahnen, die mit Wasserballast oder Holzballast fahren und mit Hilfe des Ballasts das bergauf fahrende Fahrzeug ziehen. Sie wurden meist als Materialseilbahnen errichtet, nur wenige blieben bis heute erhalten, darunter in der Schweiz die Materialseilbahn Obermatt–Unter Zingel.
Alte japanische Darstellungen und ein 1411 erschienenes Werk von Johannes Hartlieb zeigen verschiedene Arten, an Seilen hängende Körbe oder Personen über eine Schlucht zu ziehen.[10][11]
Aus Südamerika wurde von einer seit etwa 1563 existierenden Seilbahn über eine Schlucht auf dem Weg von Mérida nach Bogotá berichtet, die aus einem mit einer Rolle an einem Tragseil hängenden Korb und einem Zugseil bestand, an dem sich die Korbinsassen selbst auf die andere Seite ziehen konnten. Sie soll noch Ende des 19. Jahrhunderts betrieben worden sein.[10]
Der Universalgelehrte Faustus Verantius stellte 1615 in seinem Werk Machinae novae eine Anlage dar, bei der ein mit zwei Rollen an einem festen Tragseil hängender und an einem Zugseil befestigter Kasten über einen Fluss bewegt wird, indem die in dem Kasten sitzenden Personen selbst an dem umlaufenden Zugseil ziehen.[11]
1644 baute Adam Wybe (Wiebe) in Danzig die erste nachweisbare Materialseilbahn zum Transport von Baumaterial vom Bischofsberg über den Fluss Radaune hinweg zur Baustelle der Bastion Berg, bei der rund hundert Eimer an einer langen, umlaufenden Schiffsleine befestigt waren, die von sieben Stangenkonstruktionen gestützt und von Pferden in einem Göpelwerk angetrieben wurde.[12] Diese Seilbahn erregte zwar große Aufmerksamkeit weit über Danzig hinaus und wurde von Jacob Leupold in seiner Theatrum machinarum hydrotechnicarum erwähnt, geriet aber dennoch in Vergessenheit.[10]
Das Drahtseil wurde zwar 1834 durch den Bergrat Julius Albert in Clausthal erfunden, fand jahrelang aber nur im Bergbau Anwendung. Die ab der Mitte des 19. Jahrhunderts gebauten Drahtriesen, mit denen man Holzstämme an einem Draht aus unzugänglichen Berghängen ungebremst ins Tal gleiten ließ, können kaum als Seilbahn angesehen werden.[11] Eine 1861 von Freiherr von Dücker erstellte Seilbahn war nicht erfolgreich.[10] 1868 baute G.W. Cypher im Minengebiet von Colorado eine durch Schwerkraft bewegte Pendelbahn. Der Engländer Hodgson nahm 1868 die erste Einseil-Umlaufbahn als Materialseilbahn in Betrieb, die er als englisches System weiter entwickelte und mehrfach einsetzte. Etwa zur gleichen Zeit wurde in Schaffhausen eine einfache, 100 m lange Seilbahn für zwei Personen mit vier Tragseilen und einem handkurbelgetriebenen Zugseil zu dem kaum zugänglichen Turbinenhaus am linken Rheinufer gebaut, aber bald durch einen eisernen Fußsteg ersetzt.[13][10] 1872 baute Adolf Bleichert seine erste, von einem gesonderten Zugseil bewegte Bahn in Teutschenthal. Die stetige, methodische Weiterentwicklung dieses deutschen Systems brachte den Drahtseilbahnen der Adolf Bleichert & Co. weltweite Erfolge. Sie waren für den Transport von Rohstoffen wie z.B. Erzen und Kohle oder Baumstämmen bestimmt, aber bald wurden auch Personen befördert. So hatte die 1905 in Betrieb genommene Materialseilbahn Chilecito-La Mejicana bereits eine viersitzige geschlossene Personengondel mit Fenstern und einer von Hand zu öffnenden Tür.
1894 wurde nur zur „Industrie- und Handwerksausstellung Mailand“ eine 160 m lange Personenseilbahn zwischen zwei 25 m hohen (mit elektrischen Aufzügen befahrbaren) Türmen gezeigt[14], sie wurde von den Ingenieuren Giulio Ceretti und Vincenzo Tanfani errichtet[15]. Die gleichnamige Fabrik Ceretti Tanfani baute 1937 die mit rund 75 km damals längste Materialseilbahn, die Massawa-Asmara-Seilbahn und baut noch heute Seilbahnen in Italien.[16]
Nachdem Leonardo Torres Quevedo (1852-1936) schon 1885 eine Luftseilbahn mit Göpelantrieb zur Erschließung seines Hauses gebaut hatte, eröffnete er 1907 in San Sebastián (Monte Ulia) die erste Seilbahn allein für den Personentransport, eine Breitspur-Winden-Luftseilbahn mit einer 14-plätzigen Kabine, 6 Tragseilen und einer pneumatischen Fangbremse, die jedoch nur eine kurze Lebensdauer hatte und im August 1912 eingestellt wurde.[17][18][19] 1916 wurde sein ähnlich konstruierter Whirlpool Aero Car eröffnet, der die Whirlpool Rapids im Niagara River überquert und nach wie vor existiert.
1908 wurde in Zwölfmalgreien bei Bozen die erste öffentliche Personen-Luftseilbahn Mitteleuropas eröffnet, die Kohlerer Bahn. Die heutige Bahn auf den Kohlern ist allerdings ein Neubau, von der Originalbahn existiert ein Nachbau der Kabine, die in der Nähe der Bergstation ausgestellt ist. Im gleichen Jahr ging auch der Wetterhorn-Aufzug bei Grindelwald, Schweiz, in Betrieb. Diese Anlage wurde nach dem Ersten Weltkrieg wieder abgebrochen.
Nach dem Ersten Weltkrieg verlagerte sich der Schwerpunkt auf Luftseilbahnen zur Personenbeförderung, insbesondere seit Adolf Bleichert & Co. 1924 ein Lizenzvertrag mit dem südtiroler Ingenieur und Unternehmer Luis Zuegg abgeschlossen und zum System „Bleichert-Zuegg“ für Seilschwebebahnen entwickelt hatte, das weltweite Beachtung fand. Die ältesten Personen-Luftseilbahnen in Deutschland sind die Fichtelberg-Schwebebahn von Oberwiesenthal auf den Fichtelberg, die am 28. Dezember 1924 ihren Betrieb aufnahm, gefolgt 1926 von der Kreuzeckbahn in Garmisch-Partenkirchen. In den folgenden Jahren wurden mit den Personenseilbahnen markante Aussichtspunkte in den Alpen erschlossen. Die erste Personenseilbahn der Welt nach dem Umlaufprinzip war die Schauinslandbahn, die am 17. Juli 1930 in Betrieb genommen wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Verbreitung des Skisports wurde eine möglichst hohe Beförderungsleistung immer bedeutender, was zur Ausbreitung großer Gondelbahnen und Sesselbahnen mit inzwischen bis zu 8 Sitzen führte. Im Zuge des globalen Tourismus gewannen reine Besichtigungsbahnen wie z.B. die Skyrail Rainforest Cableway in Australien oder die Ngong Ping 360 in Hongkong immer größere Bedeutung. Auch im Öffentlichen Personennahverkehr hielten Luftseilbahnen Einzug.
In den 1990er Jahren kam es zu einer starken Konzentration unter den Seilbahnbauern. Heute wird der Weltmarkt von den Unternehmen Doppelmayr/Garaventa, Leitner AG und Poma beherrscht, wobei letztere von einer Person kontrolliert werden.
Luftseilbahnen finden dort Verwendung, wo Orte mit Lage in schwieriger Topographie (Gebirge, Schluchten, Geländeeinschnitte, unwegsames Gelände oder auch an Gewässern) auf kürzestem Weg – auch mit größeren Höhenunterschieden – verkehrsmäßig erschlossen werden sollen oder wenn ein größeres Aufkommen an Personen oder Lasten zwischen zwei festen Punkten – in flachem Gelände oder auch über Steigungen bergauf oder bergab – befördert werden soll. Seilbahnen zur Personenbeförderung werden als Sportbahn, Zubringerbahn, Nahverkehrsmittel oder Besichtigungsbahn, zur Güterbeförderung etwa als Materialbahn oder Versorgungsbahn verwendet.[20]
Viele Seilbahnen dienen primär dazu, Touristen, Sportausübende (Wintersportler, Gleitschirmflieger, etc.), Wanderer oder Erholungsuchende in ein Sportgebiet, Erholungsgebiet oder zu einer touristischen Attraktion (Bergspitze, Bergrestaurant, Höhle, Aussichtspunkt, Museum u.a.m.) zu transportieren. Die Art der einzusetzenden Luftseilbahn wird dabei unter anderem von der erforderlichen Beförderungsleistung, den Besonderheiten der Trasse und den örtlichen Windverhältnissen bestimmt.
Beispiele für Seilbahnen zu vorwiegend touristischen Anziehungspunkten sind die Seilbahn auf den Tafelberg, auf den Zuckerhut in Rio de Janeiro, die Masadabahn in Israel, die Palm Springs Aerial Tramway, die Sandia Peak Tramway, die Mount Roberts Tramway, die Elka Seilbahn oder die TelefériQo in Quito oder die Seilbahn zur Bastille von Grenoble. Große Gondelbahnen überspannen weite Strecken wie z.B. die Skyrail Rainforest Cableway, der Genting Skyway oder die Ngong Ping 360.
Luftseilbahnen werden auch errichtet, um Besuchern eines Vergnügungsparks, eines Zoos, einer Gartenbauausstellung oder Weltausstellung einen Überblick über das Gelände zu verschaffen oder dem Besucher das oft weitläufige Veranstaltungsareal bequemer zu erschließen; in manchen Fällen auch, um geteilte Ausstellungsgelände miteinander zu verbinden. Beispiele: Die Hafenseilbahn Barcelona, die Rheinseilbahnen in Köln oder Koblenz oder die Seilbahn im Zoo von San Diego. Für den Einsatz als transportables Fahrgeschäft auf Volksfesten hingegen sind Luftseilbahnen ungeeignet.
Eine Materialseilbahn ist eine Seilbahn, die Güter (Versorgungsgüter, Gepäck, Schüttgut, abgebaute Bodenschätze, forst- und landwirtschaftliche Erzeugnisse) befördert oder den Materialfluss in großen Betrieben bewerkstelligt. Sofern es die Betriebsbewilligung erlaubt, können auch Personen transportiert werden.
(Lawinen-) Sprengseilbahnen, Kameraseilbahnen und sonstige auf Seilzügen basierende Geräte transportieren keine Fahrzeuge und werden ebenso wie Aufzugsanlagen, Hebezüge und Schiffshebewerke nicht zu den (Material-)Seilbahnen gezählt.
Seilbahnen, die Personen transportieren, sind — sofern es sich nicht um militärische oder private Anlagen handelt — Teil des Öffentlichen Verkehrs. Strittig ist ob Seilbahnen, wenn sie nicht der Grundversorgung dienen, generell dem Öffentlichen Personen-Nahverkehr zuzurechnen sind.
Seilbahnen werden vermehrt zur Grundversorgung im Öffentlichen Personen-Nahverkehr (als innerörtliches Massenverkehrsmittel) eingesetzt oder im Linienverkehr mit der Peripherie. Beispielsweise um Orte in Höhenlagen ans Tal anzubinden. Beispiele die Seilbahn Riddes–Isérables in der Schweiz, die Seilbahn Jenesien von Bozen nach Jenesien, die Rittner Seilbahn von Bozen nach Oberbozen, die Seilbahn Albino–Selvino in Italien, das Vinpearl Cable Car in Nha Trang, Vietnam, die den Küstenort mit einer 3,1 Kilometer entfernten Insel im Meer verbindet.
Es werden auch Trassierungen mit nur geringen Höhenunterschieden zur Überquerung von Gewässern, Schluchten oder sonstiger Hindernisse (wie etwa bei der Seilbahn über eine Schlucht in Constantine, Algerien)[21] oder zur Vermeidung langer Fahrten mit anderen Verkehrsmitteln ausgeführt.
Beispiele für innerstädtische Seilbahnen: die Seilbahnen von Algier, die Portland Aerial Tram, die Linien J und K der Metrocable im Rahmen der Metro de MedellÃn oder die Metrocable von Caracas, der (1994 wieder abgebaute) Mississippi Aerial River Transit in New Orleans oder die beiden Pendelbahnen in Chongqing, China über den Jangtsekiang und den Jialing.
Seilbahngondeln kollidieren selten mit anderen Hindernissen, eine Gefahr stellt - neben dem Einflug von Luftfahrzeugen in die Seile - Pendeln der Fahrbetriebsmittel bzw. des Seils dar. Dies kann durch abrupte Notbremsungen, Schwingungsweiterleitung entlang des Seils (andere Fahrzeuge pendeln dann in Resonanz) und Wind (vor allem Seitenwind) hervorgerufen werden.
Pendelbewegungen quer zur Fahrtrichtung führen zu einem Verdrehen des Seils, wodurch ein Seil während der Fahrt aus den Stützenrollen herausgedreht werden kann (Seilentgleisung). Zur Vermeidung solcher Unfälle werden Meßeinrichtungen (Seillagenüberwachung) installiert, die das Herausdrehen und aussermittigen Seillauf signalisieren und die Fahrgeschwindigkeit verlangsamen bzw. die Anlage stoppen[4]; ebenso schaltet bei einer Seilentgleisung ein Bruchstabschalter den Antrieb ab.
Seilfangschuhe an den Stützen sollen verhindern, dass das Seil bei einer Seilentgleisung mitsamt den Fahrbetriebsmitteln auf den Boden fällt. Bei Starkwind werden Seilbahnen außer Betrieb gesetzt, Einseilbahnen können bis zu einer Seitenwind-Geschwindigkeit von ca. 60 km/h gefahren werden, Mehrseilbahnen bis zu einer Seitenwind-Geschwindigkeit von ca. 100 km/h. Pendelbahnen und Standseilbahnen sind mit automatischen Fangbremsen ausgestattet, die das Fahrzeug bei einem Riss des Zugseiles am Tragseil oder den Schienen festklemmen, um eine ungebremste Talfahrt zu verhindern.
Problematisch können Blitzeinschläge sein, die die Seile oder elektronische Bauteile (beispielsweise Sensoren, Windmesser) beschädigen können (siehe dazu Blitzschutz bei Seilbahnen). Vor Gewittern werden die meisten Seilbahnanlagen außer Betrieb gesetzt und zur Verhinderung von Schäden die Seile zusätzlich geerdet. Die Drahtseile werden meist täglich visuell überprüft. Dazu fährt ein Mitarbeiter der Seilbahngesellschaft auf einem „Balkon“ am Dach der Kabine stehend mit und überprüft das Tragseil bzw. die Tragseile auf Schäden, beim Einlauf des Zugseils bei einer Station das Zugseil. Zudem werden mit Verfahren der zerstörungsfreien Werkstoffprüfung wie die magnetinduktive Methode die Seile regelmäßig überprüft.
Ausgearbeitete Bergungskonzepte (Abseilen der Fahrgäste[22] oder Bergung mit Bergegondeln) oder neuerdings zusätzlich Räumungskonzepte (Fahrt aller Gondeln in die nächste Station auch bei Ausfall des Hauptantriebs) sind die Voraussetzungen zur Erlangung einer Seilbahn-Betriebsbewilligung.[23]
Luftseilbahnen sind auch auf manchen größeren Spielplätzen anzutreffen, auch Tarzanbahn genannt. Sie unterliegen rechtlich nicht den Seilbahngesetzen. Es wird ohne Motorkraft nur unter Ausnutzung der Schwerkraft gefahren. An einem zwischen zwei Widerlagern gespannten Stahlseil mit einem Durchmesser von meistens zehn Millimetern hängt an einem Gehänge mit Laufrollen eine Stand- oder Sitzmöglichkeit, letztere meist in Form eines Sitztellers wie beim Tellerlift. Von einer leicht erhöhten Position fährt man nach unten und wird dort durch eine Auflaufbremse gestoppt. Die Bewegungsenergie wird von einer Feder oder einem Autoreifen aufgenommen. Seilbahnen auf Spielplätzen müssen seit 1998 der europäischen Norm DIN EN 1176 Teil 1 und insbesondere Teil 4 sowie DIN EN 1177 entsprechen. Davor galt die deutsche Norm DIN 7926.
In der Erlebnispädagogik werden Seilbahnen als Seilrutsche („Flying Fox“) oder Seilbrücke von den Teilnehmern selbst gebaut und zum Überqueren von Gewässern oder Schluchten benutzt.
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