|
|
Lexikon auf Ihrer Homepage |
|
Lexikon als Lesezeichen hinzufügen |
MĂ€ander ist die Bezeichnung fĂŒr eine Abfolge[1] von Flussschlingen, die sich in Abschnitten mit geringem SohlgefĂ€lle und gleichzeitig transportiertem Geschiebe (Sand, Kies, Steine) bilden. Eine einzelne Flussschlinge im Flusslauf wird nicht als MĂ€ander bezeichnet.
Inhaltsverzeichnis |
Das Wort MĂ€ander stammt vom griechischen Namen ÎÎ±ÎŻÎ±ÎœÎŽÏÎżÏ (Maiandros) fĂŒr die FlĂŒsse Menderes (GroĂer MĂ€ander und Kleiner MĂ€ander) in der westlichen TĂŒrkei. Das Wort stammt nicht aus Ăbersetzungen fĂŒr âSchlingeâ, âSchleifeâ. Bereits in der Antike waren die genannten WasserlĂ€ufe bekannt fĂŒr ihre zahlreichen Flussschlingen.
Ursache der MĂ€andrierung ist eine durch die Bodenreibung des Wassers verursachte Querzirkulation, die entlang des Flussbodens von der kurvenĂ€uĂeren Seite zur kurveninneren Seite fĂŒhrt und an der FlussoberflĂ€che zurĂŒck zur kurvenĂ€uĂeren Seite fĂŒhrt. Hierdurch wird Material des Flussbodens von auĂen nach innen getragen und die Kurven immer weiter. Diese Querzirkulation entsteht so:
Wenn sich zwei benachbarte Schlingen berĂŒhren, nimmt das Wasser die entstandene AbkĂŒrzung und es bleibt ein Altwasser zurĂŒck, das mit der Zeit verlandet. Das vom Altwasser umgebene erhöhte Gebiet nennt man Umlaufberg.
Allerdings können sich an diesen Durchbruchstellen des Flusses je nach GröĂe des Höhenunterschieds zwischen Anfang und Ende des ehemaligen Flussbogens aufgrund des GefĂ€lles gröĂere oder kleinere Stromschnellen bilden. Diese fĂŒhren zu einer rĂŒckschreitenden Erosion. Der Fluss grĂ€bt sich mit der Zeit rĂŒckwĂ€rts, also auch oberhalb des Altwassers, tiefer ein. Das Altwasser wird dann weitgehend zu einem Trockental, so etwa der Umlaufberg Etzhardt bei MayschoĂ mit Trockental bei Altenburg im Ahrtal.
Bei FlĂŒssen, in denen politische Grenzen verlaufen, wird in der Regel ihr Talweg in GrenzvertrĂ€gen als Grenzlinie verwendet, so dass auch die Zugehörigkeit von Inseln eindeutig geregelt werden kann. Ist ein (ehemaliger) GewĂ€sserverlauf erst einmal geodĂ€tisch definiert, können Ănderungen im Flussverlauf zur Bildung von FlĂ€chen fĂŒhren, die zwar nach wie vor Teil einer Gebietseinheit sind, von dieser jedoch durch den neuen Flussverlauf abgetrennt und somit oft nicht (bzw. nur ĂŒber Fremdgebiet) zugĂ€nglich sind. Mitunter kommt es in diesen FĂ€llen zu Gebietstauschen (so geschehen mit der Insel GrĂŒn und Elisabethenwörth zwischen Rheinland-Pfalz und Baden-WĂŒrttemberg); ferner bieten sich solche Bereiche auch als Naturreservat oder RetentionsflĂ€che an.
folgen dem Verlauf des Tals und formen es wie oben beschrieben weiter. Die hier entstehenden Umlaufberge sind somit meist relativ hoch.
Bei nachtrĂ€glicher GelĂ€ndehebung kann sich ein Fluss unter Beibehaltung der im Flachland erworbenen Schlingenform tief ins Gebirge einschneiden. Solche ZwangsmĂ€ander mĂŒssen jedoch nicht unbedingt durch eine âhistorisch vorgegebeneâ MĂ€andrierung eingeleitet worden sein. Sie können aufgrund geologisch vorgegebener Formationen entstehen, wie beispielsweise der Mittelrhein oder die Moselbögen.
flieĂen in einem weitrĂ€umigen Tal, meist in FlussendlĂ€ufen, ohne es selbst zu formen. Die Schlingen des Flusses winden sich im Tal selbst hin und her.
Stark mĂ€andrierende FlĂŒsse, wie der Mississippi oder der Rhein sind vielfach durch Flussbegradigung schiffbar gemacht worden. Der Rhein wurde allein durch die von Johann Gottfried Tulla zwischen 1817 bis 1819 eingeleitete Begradigung von Karlsruhe bis Mannheim von 135 Kilometer auf 86 Kilometer verkĂŒrzt. Eine solche Flussbegradigung hat eine Absenkung des Grundwasserspiegels und durch die erhöhte FlieĂgeschwindigkeit eine stĂ€rkere Erosion des Flussbettes zur Folge, damit besteht eine höhere Hochwassergefahr fĂŒr nachfolgende Flussabschnitte. Die landwirtschaftliche Nutzbarkeit der anliegenden FlĂ€chen und die Wasserversorgung anliegender WaldflĂ€chen wird verĂ€ndert.
Die physikalischen Gewalten des Mississippi, die im Laufe der Zeit zu ĂŒberlagernden MĂ€anderverlĂ€ufen gefĂŒhrt haben, sind Teil der amerikanischen Folk-Mythologie. In den 1940er Jahren wurde eine groĂe Studie vom Geologen Harold Fisk durchgefĂŒhrt. Fisk untersuchte mit einem Team von Geologen und Geographen die FlusslĂ€ufe des Mississippi - seine Haupt- und Nebenströme, die toten Seitenarme und die trocken gefallenen Flussbette sowie das Schwemmland. Fisks Studie [2] ist online verfĂŒgbar.
Inzwischen werden FlĂŒsse zum Teil wieder in die alten MĂ€ander zurĂŒckgelegt. Bevorzugt sind jene, die nicht der Schifffahrt dienen und gerade wegen des schnellen Abflusses der Wasser begradigt wurden. Solche Flussabschnitte sind die Nidda im Bereich von Bad Vilbel bis Frankfurt hinein, der Main zwischen Bamberg und Lichtenfels im Bereich Unterbrunn. Im Zuge von RenaturierungsmaĂnahmen werden auch kleinere BĂ€che wieder mĂ€andriert.