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Ma Ying-jeou

Ma Ying-jeou in UC Berkeley

Ma Ying-jeou (chinesisch éŠŹè‹±ä蝠Mǎ YÄ«ngjiǔ, W.-G. Ma Ying-chiu; * 13. Juli 1950 in Hongkong) ist ein taiwanischer Politiker der Kuomintang (KMT) und seit dem 20. Mai 2008 PrĂ€sident der Republik China auf Taiwan.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Ma Ying-jeou wurde in der damals noch britischen Kronkolonie Hongkong geboren. Seine Familie, AnhĂ€nger der Kuomintang, setzten sich ein Jahr nach seiner Geburt nach Taiwan ab. Als BĂŒrgerkriegsflĂŒchtling gilt er unter den Taiwanern als Festlandchinese. 1972 schloss er sein Studium der Rechtswissenschaften an der National Taiwan University ab und ging mit einem Stipendium der KMT in die USA, wo er an der New York University den Mastertitel und an der Harvard University den Doktortitel im Bereich Völkerrecht erwarb. 1981 kehrte er nach Taiwan zurĂŒck.

Ma Ying-jeou ist verheiratet und hat zwei Töchter, Ma Wei-chung und Ma Yuan-chung.[1] Er ist seit mehr als 20 Jahren begeisterter Jogger. Er spricht neben Hochchinesisch fließend Englisch. Taiwanisch, Hakka und Französisch lernte er dazu.

Politischer Werdegang

1984 wurde er SekretĂ€r (Englischdolmetscher) des PrĂ€sidenten Chiang Ching-kuo und kurz danach als VizegeneralsekretĂ€r der KMT tĂ€tig (1984–1988), dann ĂŒbernahm er verschiedene Ministerposten (u. a. Justiz und Festlandangelegenheiten) in der KMT-Regierung. Als Justizminister fĂŒhrte er viele Reformen durch, u. a. eine Anti-Korruptionskampagne auch in den eigenen Reihen. Seine Reformen wurden bald darauf von der KMT kritisiert, weshalb er abgesetzt wurde. Seine PopularitĂ€t als „Saubermann“ wuchs.

Vom politischen Gegner wird behauptet, dass Ma bei der Erstellung von schwarzen Listen fĂŒr UnabhĂ€ngigkeitsanhĂ€nger mitgewirkt und sich fĂŒr die WeiterfĂŒhrung des Kriegsrechts (bis 1987) eingesetzt habe.[2]

1998 setzte er sich bei der Wahl zum BĂŒrgermeister von Taipeh durch, wurde 2002 wiedergewĂ€hlt und verblieb bis 2006 im Amt. Danach trat er nicht wieder zur Wahl an. Sein Nachfolger im BĂŒrgermeisteramt, Hau Lung-Bin (chinesisch éƒéŸæ–Œ Hǎo LĂłngbÄ«n) ist ebenfalls von der KMT. Am 16. Juli 2005 wurde er als Nachfolger von Lien Chan zum Vorsitzenden der KMT gewĂ€hlt, musste jedoch am 13. Februar 2007 seine eigene AnkĂŒndigung wahr machen, von diesem Amt zurĂŒckzutreten, falls er jemals wegen Korruptionsverdachts angeklagt werden wĂŒrde. Kurz darauf erklĂ€rte er seine Bereitschaft, zur PrĂ€sidentschaftswahl 2008 der Republik China anzutreten.

Wegen UnregelmĂ€ĂŸigkeiten in der Verwendung eines persönlichen Fonds des BĂŒrgermeisters wurde Ma 2007 formell angeklagt, jedoch vom Gericht erster Instanz freigesprochen. Am 28. Dezember 2007 erfolgte schließlich auch der Freispruch des Berufungsgerichts. Rechtlich wurde seitens der Gerichte die Verwendung des Geldes tatsĂ€chlich in einer Grauzone angesehen, die keine strafrechtlichen Konsequenzen fĂŒr die Angeklagten mit sich brachten. Dies brachte schließlich die Exkulpation Mas.[3]

Auch letztinstanzlich entschied der Oberste Gerichtshof am 24. April 2008, dass Ma von diesem Tatvorwurf freigesprochen werde.[4]

Die PrÀsidentschaftswahl gewann Ma Ying-jeou am 22. MÀrz 2008 mit 58 Prozent der abgegebenen Stimmen, wÀhrend sein Konkurrent Hsieh Chang-ting knapp 42 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen konnte.

Ma erklĂ€rte, er wolle die Wirtschaft Taiwans stĂ€rker beleben. Auch wolle er die Beziehungen zur Volksrepublik China entspannen. Ihm schwebt ein Friedensvertrag vor, um den seit 1946 wĂ€hrenden Konflikt mit den chinesischen Kommunisten zu beenden. Auch spricht er sich fĂŒr stĂ€rkere Wirtschaftsbeziehungen im Rahmen der WTO-Verpflichtungen aus, die sowohl die Volksrepublik China als auch die Republik China (Taiwan) eingegangen sind.[5] AnlĂ€sslich seiner Vereidigung zum StaatsprĂ€sidenten am 20. Mai 2008 betonte Ma, dass er sowohl eine Vereinigung mit der Volksrepublik China als auch eine UnabhĂ€ngigkeit Taiwans ablehne.[6]

Im Januar 2012 gewann Ma die PrÀsidentenwahl mit absoluter Stimmenmehrheit vor Tsai Ing-wen von der Demokratischen Fortschrittspartei (DPP). Das Ergebnis wird als BestÀtigung seiner AnnÀherungspolitik zur Volksrepublik China gewertet.[7]

Privatleben

  • Ma ist, neben seiner Leidenschaft fĂŒr das Joggen, ein begeisterter Golfspieler. Mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern Ma Wei-chung und Ma Yuan-chung verbringt er fast jede freie Minute auf dem Golfplatz.[8] Am Geburtstag der Töchter singt die Familie immer den Titelsong der chinesischen Version von Darkwing Duck, welches die Lieblings-TV-Sendung der jĂŒngsten Tochter war. Der Song heißt auf Chinesisch â€žç­‰æˆ‘æžç ŽćŁž!“ und bedeutet wörtlich „Warte, bis ich etwas zerstöre!“[9]

Literatur

  • Weyrauch, Thomas: Chinas unbeachtete Republik. 100 Jahre im Schatten der Weltgeschichte. Band 2 (1950–2011). Longtai 2011, ISBN 978-3-938946-15-2

Weblinks

 Commons: Ma Ying-jeou â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Familie. Biographische Website.
  2. ↑ Chin Heng-wei: “The Ma Ying-jeou myth perishes”, 27. August 2009, Taipei Times.
  3. ↑ PrĂ€sidentenkandidat der Opposition Ma Yingjiu von Korruptionsvorwurf freigesprochen, Radio Taiwan International, 28. Dezember 2007.
  4. ↑ www.chinapost.com.tw/taiwan/national/national%20news/2008/04/25/153499/Court-clears.htm, Chinapost vom 25. April 2008.
  5. ↑ Ma will besseres VerhĂ€ltnis zu China. Der Spiegel, 23. MĂ€rz 2008.
  6. ↑ Ma Ying-jeou lehnt Vereinigung mit China ab. Tages-Anzeiger, 20. Mai 2008.
  7. ↑ PrĂ€sident Ma Ying-jeou gewinnt Wahl bei derstandard.at, 14. Januar 2012 (abgerufen am 15. Januar 2012).
  8. ↑ Golfleidenschaft des Staatsoberhauptes – biographische Website ĂŒber Ma Ying-jeou (chinesisch)
  9. ↑ „Let's get dangerous!“.
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