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Der Mailänder Dom, Duomo di Santa Maria Nascente (im lombardischen Dialekt Dom de Milan), ist eines der berühmtesten Bauwerke Italiens und Europas. Er zählt zu den größten Kirchen der Welt. Der fünfschiffige Dom ist 157 Meter lang und 109 Meter breit. Die hohen, farbenprächtigen Glasfenster des Chors gehören zu den größten der Welt und stellen eine Sehenswürdigkeit für sich dar. Das durch den hellen Marmor und die knapp 4000 Statuen einmalige Bauwerk wurde 1572 durch Karl Borromäus auf den Namen Santa Maria Nascente geweiht.
Inhaltsverzeichnis |
Zuvor befanden sich an der Stelle nach einem heidnischen Tempel die frühchristliche Kathedrale Santa Maria Maggiore und die etwas größere römische Basilika, die später der Heiligen Tecla geweiht wurde. Beide gingen auf das vierte Jahrhundert zurück und wurden mehrfach zerstört und verändert wiederaufgebaut.
Der Bau des Doms wurde 1386 auf Initiative von Bischof Antonio Saluzzo durch den Herzog Gian Galeazzo Visconti, dem ersten Herzog von Mailand, begonnen und erst in den neunziger Jahren des 19. Jahrhundert fertiggestellt. 1388 werden die Fundamente gelegt und mit dem Bau der Außenmauern einer dreischiffigen Kirche „von rückwärts“ begonnen, das heißt, von der Apsis aus - die Fassade soll erst am Ende errichtet werden. Im Jahr 1391 wird der Grundriss auf eine fünfschiffige Kirche verändert, im Jahr darauf wird der Bau in zunehmenden Höhen zu errichten, als erstes Zeichen der aufkommenden Gotik, die den ganzen Bau beherrschen wird. Giovannino de´ Grassi skizziert 1393 Entwürfe für die Fenster der Apsis, die von Filipino degli Organi im 15. Jahrhundert als Vorlage verwendet werden. Der Bau des Vierungsturmes bereitet große Probleme (Statik, Aussehen). Gian Galeazzo Maria Sforza holt sich von Giovanni Nexenberger, Leonardo da Vinci, Bramante und Giovanni Antonio Amadeo Unterstützung. Letzterer entwirft auch den Turm, der 1490 von Dolcebuono errichtet wird.
Die Fassade ist ein Kapitel für sich: In der 1. Hälfte des 16. Jahrhundert wurde von Vincenzo Seregni ein Entwurf für eine Fassade mit zwei flankierenden Türmen vorgelegt. Der Entwurf wurde aber von Erzbischof Carlo Borromeo zurückgelegt, der Pellegrino Tibaldi (genannt Il Pellegrino) zum Dombaumeister macht, der dem Dom seinen unverwechselbaren Stil aufprägt. 1577 wird das Presbyterium eingeweiht, nachdem es völlig neu entworfen worden war. Pellegrinos Entwurf der Fassade wird im 17. Jahrhundert teilweise von Richini realisiert. Es machten aber auch viele andere (Mailänder) Architekten (Bassi, Richini, Tibaldi, Castelli, Buzzi) einen Entwurf zur Fassade, wovon der Entwurf von Buzzi mit fünf durch Fialen bewehrte Felder weiter verfolgt wird. Im Auftrag Napoleons wird die Fassade von Giuseppe Zanola weitergebaut und 1813 von Amati vollendet. 1858 wird der Glockenturm abgerissen und Beginn der neunziger Jahre des 19. Jahrhunderts werden die Fialen fertiggestellt. Die Bronzetüren stammen von italienischen Künstlern aus dem 19. und 20. Jahrhundert.
Immer wieder wurde auch die Frage eines dem monumentalen Charakter des Doms angemessenen Campanile erörtert. Zuletzt hieß es 1938, das aus 1927 datierende Projekt eines gewissen Vico Viganò werde demnächst verwirklicht, und zwar als "Turm des Gedenkens der Siege und des Ruhms" (“Torre delle Memorie delle Vittorie e delle Glorie”). Der so benannte Glockenturm sollte der höchste Kirchturm der Welt werden und samt Geläut bis 1942 fertiggestellt sein[1]. Mangels Gloria und Vittoria blieb auch dieses von Benito Mussolini favorisierte Projekt unausgeführt.
Der Stil des Kirchenbaus ist gotisch und stellt damit innerhalb der italienischen Architektur eine Ausnahme dar. Allerdings ist die Fassade, die erst unter Napoleon abgeschlossen wurde, eher als Mischung aus barocken und neugotischen Stilelementen anzusehen. Der große, repräsentative Domplatz wurde erst 1865-1873 geschaffen.
Die Seitenwände des Domes stammen aus dem 15. bis 18. Jahrhundert und werden durch rhythmische fialengekrönte Strebepfeiler und hohe Fenster unterbrochen. Bei den Querschiffen (Transepten) sind die Strebepfeiler doppelt ausgeführt, hier führen im Inneren Treppen empor. Die Spitze wird durch feines Zierwerk verziert. Die Wände sind mit über 2000 Skulpturen und 135 Fialen verziert, sie geben einen Überblick über die Bildhauerkunst in diesem Zeitraum der einheimischen Künstler und Handwerker, aber auch auf die Steinmetzkunst ausländischer Fachkräfte.
Eine Besonderheit ist das für Touristen begehbare Dach (kostenpflichtig). Es ist wahlweise über eine Treppe oder einen Fahrstuhl erreichbar. Von dort aus bietet sich ein überwältigender Blick auf die Details der Steinmetzkunst des Domes in seinen Einzelheiten und ein großartiger Panoramablick über die gesamte Stadt sowie an klaren Tagen bis zu den Alpen.
Der achteckige Vierungsturm von Amadeo wurde im 15. und 16. Jahrhundert errichtet. Auf der zentralen Turmspitze prangt eine weithin sichtbare vergoldete Madonnenstatue, im Volksmund La Madonnina genannt (in der inoffiziellen Mailänder Stadthymne O mia bela Madunina besungen). Diese wurde von Giuseppe Perego geschaffen und Mitte der sechziger Jahren des 18. Jahrhunderts aufgesetzt.
Die innere Form des Domes ist die eines lateinischen Kreuzes mit fünf Schiffen - das Hauptschiff ist dabei doppelt so breit wie die Seitenschiffe - und umfasst ein dreischiffiges Transept sowie einen durch zwei Sakristeien eingefassten Chor. 52 Bundsäulen unterteilen den Raum, der meist durch Kapitelle mit Nischen gekrönt werden, die mit Heiligenfiguren ausgeschmückt sind, die wiederum von mit Prophetengestalten verzierten Giebeln abgeschlossen werden. Die Fenster sind aus bunten Glastafeln hergestellt. Der Boden des Domes wurde ab 1885 begonnen und erst Mitte des 20. Jahrhunderts fertiggestellt. Er besteht aus Marmor und Stein und ist mit Intarsien verziert.
Das Mittelportal wird durch Statuen der Hll. Ambrosius und Carlo, sowie einem Gedenkstein (an die beiden Domweihen) flankiert. Eine enge Treppe führt zu den archäologischen Ausgrabungen (Reste alter Kirchen) und zum ehemaligen Baptisterium, in dem auch der Hl. Augustinus im Jahr 387 von Bischof Ambrosius getauft wurde.
Hier befinden sich Altäre aus dem 16. bis 19. Jahrhundert mit bedeutenden Kunstschätzen (Marmorplatten aus dem 12. Jahrhundert mit Apostelfiguren und jenes Holzkreuz, das 1576 vom Hl. Karl während der Pest bei der Prozession getragen wurde). Weiters wurde die Taufkapelle mit einer römischen Wanne, die ursprünglich im Mittelschiff stand, im 17. Jahrhundert hierher verlegt. Das linke Transept beherbergt den Trivulzio Kandelaber (Anfang 13. Jahrhundert)
Neben Altären aus dem 14. und 15. Jahrhundert sind viele Sarkophage von Heiligen und Stiftern aufbewahrt. Die Fenster wurden von flämischen, lombardischen und rheinischen Künstlern im 15. Jahrhundert hergestellt. Das rechte Transept mit dem Grabmal Gian Giacomo Medici (genannt Il Meneghino) ist wie das linke mit schönen Statuen ausgestattet und verziert, unter anderem mit der Statue des gehäuteten Hl. Bartholomäus.
Pellegrini errichtete in der 2. Hölfte des 16. Jahrhunderts das Presbyterium, das durch einen hölzernen Chor eingefasst, überhöht in der Mitte das Heiligtum aufweist. Der Hauptaltar aus dem 13. Jahrhundert wurde 1418 eingeweiht und durch einen Pavillon überragt (16. Jahrhundert), in dem sich der Tabernakel befindet, den vier Bronzeengel tragen. Über dem Pavillon thront eine den Triumph Christi darstellende Statue.
Unter der Gewölbespitze wird in einem eigenen Tabernakel der Heilige Kreuznagel aufbewahrt, der nur einmal pro Jahr unter strengen Sicherheitsauflagen feierlich zur Anbetung herunter geholt wird und dabei unter militärischer Bewachung steht.
Von Pellegrino stammt aus dem Jahr 1606 die kreisförmige Krypta, die direkt unter dem Heiligtum liegt. Von hier aus gelangt man zur Scurolo di San Carlo, einer achteckigen Kapelle, die in einer Kristallurne die sterblichen Reste des Hl. Karl enthält.
Die beiden Sakristeien liegen beiderseits des Chorraumes und stammen aus dem 14. Jahrhundert.
Der Domschatz beherbergt Schätze immensen Wertes, unter anderem auch eine Silberkapsel, die der Hl. Ambrosius vom Papst im 4. Jahrhundert erhielt.
Im Dom von Mailand befindet eine Meridianlinie aus Messing, welche in den Boden eingelassen ist. Durch ein kleines Loch im Gewölbe fällt das Licht der Sonne auf diese Linie und bildet so zur Mittagszeit, also beim Höchststand der Sonne, einen kleinen Lichtkreis auf die Meridianlinie ab. Da sich der Sonnenhöchststand im Laufe des Jahres verändert, wandert der Kreis auf der Linie und bewegt sich auf die Zentrallinie zu. So liegt er um 13:31 Uhr genau auf der Meridianlinie.[2]
In der Freiluft-Modellanlage Swissminiatur in Melide befindet sich ein begehbares Modell des Doms im Massstab 1:25.
„Welches Wunder er ist! So großartig, so ernst, so riesengroß! Und noch so fein, so luftig, so anmutig! Eine Welt des festen Gewichts, und doch scheint das ... eine Wahnvorstellung einer Eisskulptur, die mit einem Atemzug verschwinden könnte!... Die zentrale seiner fünf großen Türen wird von einem Basrelief von Vögeln und Früchten und Biestern und Kerbtieren begrenzt, die aus dem Marmor so genial geschnitzt worden sind, dass sie lebenden Wesen ähnlich sind – und die Figuren so zahlreich sind und das Design so kompliziert, dass man es eine Woche studieren könnte, ohne sein Interesse zu erschöpfen … überall, wo eine Nische oder eine Stütze an dem enormen Gebäude vom Gipfel bis zum Boden gefunden werden kann, gibt es eine Marmorstatue, und jede Statue ist eine Studie für sich… Weit oben, auf dem hohen Dach, springt Reihe auf Reihe der geschnitzten und ausgesägten Türmchen hoch in der Luft, und durch ihr reiches Flechtwerk sieht man den Himmel darüber… Oben auf dem Dach, das sich … von seinen breiten Marmorfliesen erhebt, waren lange Reihen von Türmchen, die aus der Nähe sehr hoch aussahen, sich aber in der Ferne verkleinerten... Wir konnten jetzt sehen, dass die Statuen auf der Spitze von jedem die Größe eines großen Mannes hatte, obwohl sie von der Straße alle aussahen wie Puppen... Sie sagen, dass die Kathedrale Mailands nur an zweiter Stelle nach dem Petersdom in Rom steht. Ich kann nicht verstehen, wie die Kathedrale zu irgendetwas vom Menschen Gemachtem an zweiter Stelle stehen kann.“
– Mark Twain im Sommer 1867 [3]
Die Orgelgeschichte des Mailänder Domes reicht in das Jahr 1397 zurück, wo das erste Instrument aufgestellt wurde, das bereits 1395 in Auftrag gegeben worden war. In den Jahren 1533 bis 1577 wurde dann die Nordorgel erbaut, mit 12 Registern auf einem Manual mit 50 Tasten. 1583 wurde dann der Bau der Südorgel in Auftrag gegeben, die 1590 fertig gestellt wurde, und das ältere Instrument aus dem Jahr 1397 ersetzte. Bemerkenswert sind die Malereien auf dem Gehäuse der Südorgel. Sie zeigen geschichtliche Szenen, unter anderem des alten und neuen Testaments, des Auszugs aus Ägypten.
Diese beiden Instrumente wurden im Laufe der Zeit dauernd überarbeitet und erweitert, umgebaut und schließlich in den Jahren 1985 bis 1986 durch die Orgelbaufirma Tamburini komplett neu organisiert. Die gesamte Orgelanlage besteht aus mehreren Teilorgeln, die allerdings von einem gemeinsamen Spieltisch aus bedient werden kann. Die gesamte Orgelanlage hat heute 186 klingende Register (ca. 16.000 Pfeifen) auf 5 Manualwerken und entsprechend zugeordneten eigenständigen Pedalwerken und ist damit eine der größten Orgeln der Welt. Die Trakturen sind elektrisch. Das Instrument hat folgende Disposition[4]
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45.46419722229.19084166667Koordinaten: 45° 27′ 51″ N, 9° 11′ 27″ O