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Mané Rutual

Mané Rutual − Das gesamte Bauwerk war ursprünglich von einem Tumulus (Cairn) aus kleinen Bruchsteinen bedeckt, die im Lauf der Zeit von Menschenhand abgetragen wurden. Die seitliche Erdanschüttung entstammt den Restaurierungen zu Beginn des 20. Jh.

Das Ganggrab (Dolmen) von Mané Rutual (auch Mané Rutuel oder Mané Rethual) gehört zu den bedeutenden Megalithbauten im Bereich des Golfs von Morbihan in der Bretagne.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Das Bauwerk liegt etwa 300 m in südöstlicher Richtung von der archäologischen Stätte der Table des Marchand und des Grand Menhir-Brisé am Ortsrand von Locmariaquer entfernt und ist für Besucher frei zugänglich.

Baugeschichte

Unter der Leitung von Z. Le Rouzic wurden in den Jahren 1923 und 1936 Restaurierungsarbeiten durchgeführt, bei denen die schrägliegende und in zwei bzw. drei Stücke zerbrochene Deckenplatte der Hauptkammer wieder in die Waagerechte gebracht und durch Einfügen mehrerer Betonpfeiler stabilisiert wurde. Aus denselben Gründen wurden die Lücken zwischen den weitgehend freistehenden Orthostaten mit Bruchsteinen gefüllt und der gesamte Bau seitlich mit Sand und Erde angeschüttet.

Architektur

Ausrichtung und Maße

Wie bei vielen Dolmen und Ganggräbern im Bereich des Golfs von Morbihan ist der Eingang des Mané Rutual nach Südosten orientiert; die Kammer liegt im Nordwesten der Anlage. Mit einer Gesamtlänge von über 20 Metern (Gang ca. 9,50 m, Vorkammer ca. 6,50 m, Hauptkammer ca. 5 m) ist es − vor Gavrinis − das längste Ganggrab in der Bretagne.

Steine

Die meisten der verwendeten Steine bestehen aus örtlichem Granit. Drei Steine (darunter auch der große Deckstein) sind aus so genanntem Orthogneis, der leichter zu bearbeiten, d. h. zu glätten und zu ritzen war, der aber aus den Steinbrüchen von Auray (etwa 10 km nördlich) herbeigeschafft werden musste und hauptsächlich bereits bei den älteren − später jedoch meist zerstörten − Großmenhiren Verwendung fand.

Aufbau

Mané Rutual − schematische Schnitte

Das Ganggrab liegt heute weitgehend frei. Ehemals war es − wie die inzwischen rekonstruierten Bauten in der Umgebung (Gavrinis, Table des Marchand) − von einem Tumulus (Cairn) aus kleinen Steinen, später dann auch von Dünensand und Erde bedeckt. Es besteht aus etwa 35 Orthostaten und sieben − teilweise zerbrochenen − Deckensteinen, deren Kopfhöhe vom Eingang (Höhe ca. 1,25 m) über die Vorkammer (Höhe ca. 1,50 m) bis hin zur eigentlichen Kammer (Höhe etwa 1,80 m) leicht ansteigt. Der Gang verbreitert sich etwa ab der Mitte des Bauwerks und bildet eine trapezförmige Vorkammer aus, in deren Eingangszone zwei seitliche Trennsteine stehen. Teile der Vorkammer und die gesamte eigentliche Hauptkammer sind mit einer der größten Steinplatten (Länge ca. 11,40 m, Breite ca. 4,15 m, Dicke ca. 0,60 m) der Megalithzeit bedeckt. Bei dieser Steinplatte handelt es sich um ein Teilstück eines älteren − wahrscheinlich absichtlich − zerbrochenen und hier wiederverwendeten Menhirs. Da einige der Orthostaten der Hauptkammer im sandigen Untergrund eingesunken oder teilweise umgestürzt sind, wird die Deckenplatte der Hauptkammer heutzutage im Wesentlichen von Betonpfeilern gestützt.

Ornamentik

Die Steine des Mané Rutual sind kaum ornamentiert; lediglich auf zwei Orthostaten im Gangbereich sind Axtmotive erkennbar. Der Deckstein der Hauptkammer ist mit einem sogenannten 'Schild'-Idol und mit einem keilförmigen Axtmotiv geschmückt; letzteres ist nur teilweise erhalten.

Datierung und Bedeutung

Da im Mané Rutual − wie in den meisten Dolmen der Megalithzeit − weder Skelettreste noch Grabbeigaben gefunden wurden, ist eine Datierung des Bauwerks schwierig. Durch die Wiederverwendung eines Bruchstücks eines älteren Menhirs als Deckstein steht der Dolmen Mané Rutual jedoch in einer Linie und somit eventuell auch in einem engen zeitlichen Zusammenhang mit den anderen Ganggräbern von Locmariaquer (Table des Marchand, Er Grah, Mané Lud) und Gavrinis, die in die Zeit zwischen 4200 und 4000 v. Chr. datiert werden. Das Ganggrab von Mané Rutual ist jedoch insgesamt niedriger und die Steinbearbeitung der Orthostaten ist weit weniger aufwendig.

Durch die Dreiteilung des Baues (Gang, trapezförmige Vorkammer und Hauptkammer) unterscheidet sich Mané Rutual von anderen Dolmen.

Die Zerstörung von Großmenhiren und die anschließende Wiederverwendung der Bruchstücke lassen auf einen − möglicherweise tiefgreifenden − kulturell-religiösen Wandel schließen.

Umgebung

Nur etwa 50 m vom Mané Rutual entfernt finden sich die vier Teilstücke des etwa 500 bis 1000 Jahre älteren sogenannten Bronzo-Menhirs ('Men-Bronso').

Siehe auch

Literatur

  • Kolloquium: Autour de la Table. Explorations archéologiques et discours savants sur des architectures néolithiques à Locmariaquer, Morbihan. Laboratoire de recherches archéologiques (LARA), Universität Nantes 2009, S. 711-713 ISBN 2-86939-228-1 (Weblink: http://lara-polen.univ-nantes.fr/IMG/pdf/23BonniolCassen2.pdf)
  • Charles-Tanguy Le Roux: Gavrinis et les îles du Morbihan. Les Mégalithes du Golfe. Ministère de la culture - Direction du patrimoine - Sous-direction de l'archéologie, Paris 1985, ISBN 2-11-080856-X, (Guides archéologiques de la France 6).

Weblinks

 Commons: Mané Rutual – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

47.5690444444-2.94744166667Koordinaten: 47° 34′ 9″ N, 2° 56′ 51″ W

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