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Manfred Roeder

Dieser Artikel hat den Rechtsextremisten Manfred Roeder zum Thema; zum gleichnamigen nationalsozialistischen Militärrichter siehe Manfred Roeder (Generalrichter).
Manfred Roeder

Manfred Roeder (* 6. Februar 1929 in Berlin) ist ehemaliger Rechtsanwalt, Holocaustleugner und Terrorist.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Roeder wurde als Sohn eines Berliner Diplom-Ingenieurs und SA-Obersturmführers geboren.[1]

Erzogen wurde er in der Nationalpolitischen Erziehungsanstalt in Plön und in einer Heimschule, die der SS unterstand.[2] Als einer der jüngsten regulären Soldaten beteiligte er sich noch 1945 an den Kämpfen um die Verteidigung der damaligen Reichshauptstadt Berlin. Roeder trat nach dem Krieg der CDU bei. In den 1950er Jahren studierte er Rechtswissenschaft, brach sein Studium jedoch vor dem ersten Staatsexamen ab und arbeitete fortan als freier Journalist. Erst 1965 beendete er sein Jurastudium in Westberlin und erhielt seine Zulassung als Rechtsanwalt 1967.[3]

Der mittlerweile in Bensheim lebende Roeder wurde erstmals 1970 strafrechtlich auffällig, als er auf Plakate von Erotikmessen mit Farbbeuteln warf.[4] In Bensheim beschmierte er im Juli 1971 zusammen mit drei weiteren Personen („Kampfgruppe Roeder“) am Bahnhof Kino-Reklame und Zeitschriften mit Ölfarbe, um gegen Sex-Fotos zu protestieren.[5] Zur damaligen Zeit war er Anwalt von Rudolf Heß. Er fiel auch durch Flugblattaktionen auf, in denen er sich gegen Beziehungen von Gastarbeitern zu deutschen Frauen aussprach.[5]

Nach seinem Austritt aus der CDU knüpfte er Kontakte zur rechtsextremistischen Szene, auch im Ausland (u.a. durch Reisen nach Namibia und Mato Grosso), z. B. zum Ku-Klux-Klan.[6]

Roeder ist wegen zahlreicher Delikte vorbestraft, darunter auch Widerstand gegen die Staatsgewalt und Körperverletzung. 1973 verfasste er das Vorwort zu der Holocaustleugner-Broschüre Die Auschwitzlüge von Thies Christophersen.[1][7]

Die erste Demonstration zur Freilassung von Rudolf Heß organisierte er 1974 zum 80. Geburtstag von Heß.[1] 1980 initiierten die von ihm gegründeten Deutschen Aktionsgruppen Anschläge auf Asylbewerberheime. Roeder wurde wegen dieser Aktivitäten von der Bundesanwaltschaft als Terrorist eingestuft.

1993 gründete er das „Deutsch-Russische Gemeinschaftswerk – Förderverein Nord-Ostpreußen“, das die Ansiedlung von Volksdeutschen aus Russland bei Kaliningrad zum Ziel hatte.[1] Im gleichen Jahr wurde er von Wladimir Schirinowski zum Parteitag der rechtsextremistischen Liberal-Demokratischen Partei Russlands nach Moskau eingeladen.[8]

1997 wurde durch das Nachrichtenmagazin Der Spiegel bekannt, dass Roeder im Jahr 1995 auf Einladung als Referent in Hamburg in der Führungsakademie der Bundeswehr aufgetreten war. Dieser Skandal sowie die Tatsache, dass durch das Fernsehmagazin Panorama bekannt wurde, dass Roeder für sein vermeintlich wohltätiges „Deutsch-Russisches Gemeinschaftswerk“ Material aus Bundeswehrbeständen geschenkt bekommen hatte,[9] veranlasste Generalleutnant Hartmut Olboeter, zu besagter Zeit Kommandeur der Führungsakademie und mittlerweile Leiter der Personalabteilung im Bundesministerium der Verteidigung, beim Bundesminister der Verteidigung bis zur Klärung der Frage der Dienstaufsicht die vorläufige Entbindung von seinen Aufgaben zu beantragen. Verteidigungsminister Volker Rühe entsprach diesem Antrag am 8. Dezember 1997.[10] Mit dieser Maßnahme sollte der gute Ruf der Akademie wieder hergestellt werden.

1997 ließ sich Roeder als Direktkandidat der NPD für Stralsund, Mecklenburg-Vorpommern zur anstehenden Bundestagswahl aufstellen[11] und bot sich als „Kanzleralternative 1998” an, blieb aber erfolglos.

Roeder ist verheiratet und hat sechs Kinder. Im hessischen Schwarzenborn besitzt er ein Anwesen, welches er „Reichshof“ nennt und das seit Jahren ein Treffpunkt, auch für Schulungen, der neonazistischen Szene ist.[12][8]

Verurteilungen

Wegen Rädelsführerschaft in einer terroristischen Vereinigung wurde Roeder 1982 zu 13 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, und 1990, nach Verbüßung von zwei Dritteln der Strafe wegen guter Führung und günstiger Sozialprognose wieder entlassen.[13] 1996 verübte Roeder in Erfurt zusammen mit anderen Rechtsextremisten einen Farbanschlag auf die Wehrmachtsausstellung, weshalb er wegen Sachbeschädigung zu einer Geldstrafe von 4.500 DM verurteilt wurde.[14]

Nach Verurteilungen zu Freiheitsstrafen durch die Landgerichte Schwerin und Rostock wegen Volksverhetzung und anderer Straftaten wurde er im August 2004 vom Landgericht Frankfurt am Main wegen Verunglimpfung des Staates zu zehn Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. Am 12. Mai 2005 trat er eine mehrmonatige Strafe in der JVA Gießen an.[15] Im Februar 2005 folgte eine weitere Verurteilung durch das Amtsgericht Treysa, die das Landgericht später wegen langer Verfahrensdauer und dem Gesundheitszustand Roeders zur Bewährung aussetzte. Im November 2009 wurde Roeder vom Landgericht Marburg wegen Volksverhetzung und Holocaustleugnung zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt. Im Juli 2010 wurde er vor dem Amtsgericht Treysa nach einem entsprechenden Rundbrief wegen Volksverhetzung angeklagt.[16][17]

Literatur

  •  Franziska Hundseder: „Neue Rechte“ - Durch Eliten zum Erfolg?. In: IDA-NRW (Hrsg.): „Neue Rechte“ Was steckt dahinter?, Materialien zum Rechtsextremismus • Band 1. 2. Auflage Auflage. Düsseldorf 2000, ISSN 1436-9052 ([18]).</span>
  •  Rand C. Lewis: The Neo-Nazis and German Unification. Praeger/Greenwood, 1996, ISBN 0275956385.</span>

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b c d Auf Kampfstation. In: Focus 51, 1997.
  2. Deutsche Bürger-Initiative, Heft 1, November 1972, S. 3.
  3. Anti-Roeder-Arbeitskreis, NSDAP-Propagandisten unter der Lupe – Dokumentation, Hamburg 1978, S. 20.
  4. Dietrich Strothmann: Der Schlag gegen das Roeder-Rudel. Polizei faßte braune Bombenleger: der „deutsche Chomeini“ hinter Gittern, in: Die Zeit Ausgabe 38, vom 12. September 1980.
  5. a b Kampfgruppe Roeder schlug zu – Sittenpolizei auf eigene Faust In: Bergsträßer Anzeiger vom 5. Juli 1971.
  6. Weltweit Teutonic Unity DER SPIEGEL 14/1981 30.03.1981
  7. Bundeswehr will im Fall Roeder hart durchgreifen In: Die Welt vom 8. Dezember 1997
  8. a b S. Rehder u. a.: Die Braunen locken. In: Focus 51, 1993.
  9. Deutscher Bundestag: Drucksache 13/11005 vom 18. Juni 1998
  10. R. Moniac: Rühe zieht Konsequenzen im Fall Roeder In: Die Welt vom 9. Dezember 1997
  11. A. Baumann: Ein notorisch Rechtsextremer will nach Bonn. In: Die Welt vom 18. September 1998
  12. Neonazis feiern Wintersonnwend auf Roeders "Reichshof" in: redok.de vom 27. Dezember 2003
  13. Rand C. Lewis, The Neo-Nazis and German Unification, S. 25 (Online in der Google Buchsuche)
  14. Die Wehrmachtsausstellung zwischen Krawallen und Kritik In: Der Spiegel vom 27. November 2001
  15. Rechtsextremist Roeder tritt Haftstrafe an. RP Online, 12. Mai 2005, abgerufen am 30. November 2011.
  16. Bewährung wegen schlechter Gesundheit. redok.de, 13. November 2009, abgerufen am 30. November 2011.
  17. Anklage wegen Volksverhetzung: Prozess gegen Roeder wird im Herbst fortgesetzt. HNA Online, 13. Juli 2010, abgerufen am 30. November 2011.
  18. "Neue Rechte" Was steckt dahinter?
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