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Marcus Licinius Crassus

Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Marcus Licinius Crassus (BegriffsklĂ€rung) aufgefĂŒhrt.
PortrÀtkopf, wahrscheinlich Marcus Licinius Crassus, aus dem Liciniergrab. Kopenhagen, Ny Carlsberg Glyptotek[1]
Marcus Licinius Crassus; PortrĂ€tbĂŒste im Louvre

Marcus Licinius Crassus (* 115 oder 114 v. Chr.; † 9. Juni (?)[2] 53 v. Chr. in Synnaka) war ein Politiker der spĂ€ten römischen Republik. Er war fĂŒr seinen Reichtum bekannt. Auf sein Vermögen gestĂŒtzt, versuchte er, zeitweilig im Bund mit Caesar und Pompeius, sich eine fĂŒhrende Stellung zu verschaffen. Nach Ansicht der modernen Forschung entsprachen Crassus’ politische und militĂ€rische FĂ€higkeiten jedoch nicht seinen finanziellen Möglichkeiten und seiner SelbsteinschĂ€tzung.[3]

Inhaltsverzeichnis

Leben

Crassus stammte aus einer Familie, die seit dem Zweiten Punischen Krieg fĂŒhrende politische Ämter in Rom bekleidete und somit zur NobilitĂ€t gehörte. Sein Vater Publius Licinius Crassus war Konsul 97 v. Chr. und Censor 89 v. Chr., wurde aber einige Jahre danach umgebracht, als Gaius Marius und Lucius Cornelius Cinna wĂ€hrend der Auseinandersetzung mit Sulla in Rom die Macht ergriffen. Der junge Crassus konnte sich retten und kĂ€mpfte mit einer von ihm in Spanien rekrutierten Truppe im BĂŒrgerkrieg an der Seite des aus dem Osten zurĂŒckkehrenden Sulla. Als Offizier im Dienste Sullas erwarb sich Crassus einige militĂ€rische Verdienste, so auch in der letzten großen Schlacht des BĂŒrgerkriegs, der „Schlacht am Collinischen Tor“. Bei den anschließenden politischen SĂ€uberungen (Proskriptionen) bereicherte sich Crassus so sehr, dass er selbst das Missfallen Sullas erregte. Sein Vermögen mehrte er zielstrebig, u. a. durch Vermietung von zu FachkrĂ€ften weitergebildeten Sklaven und als Grund- und Hausbesitzer (eine bekannte Anekdote berichtet, dass seine Handlanger HĂ€user in Brand steckten, die dann von Crassus’ Privatfeuerwehr gerettet wurden, nachdem sie fĂŒr wenig Geld in seinen Besitz ĂŒbergegangen waren). VerfĂŒgte er, als er 85 v. Chr. nach Spanien flĂŒchtete, ĂŒber ein Vermögen von 300 Talenten, so konnte er am Ende seiner Karriere auf 7.100 Talente zurĂŒckgreifen.

Nachdem er 73 v. Chr. PrĂ€tor gewesen war, ließ sich Crassus den Oberbefehl gegen das Sklavenheer des Spartacus ĂŒbertragen, konnte aber erst nach schweren KĂ€mpfen 71 v. Chr. den Sieg erringen. Die gefangenen Sklaven ließ er entlang der Via Appia ans Kreuz schlagen. Zusammen mit dem aus Spanien zurĂŒckgekehrten Gnaeus Pompeius Magnus wurde Crassus Konsul fĂŒr das Jahr 70 v. Chr. Trotz der zwischen ihnen herrschenden RivalitĂ€t (auch Pompeius beanspruchte den Sieg ĂŒber die Sklaven fĂŒr sich) erließen die beiden Konsuln gemeinsam mehrere Gesetze, durch die die sullanische Verfassung, deren wesentliche Idee die StĂ€rkung des Senats durch ZurĂŒckdrĂ€ngung potentiell rivalisierender Gewalten war, in einigen Punkten aufgehoben wurde.

Politisch blieb Crassus aber, obwohl 65 v. Chr. Censor, nicht sehr einflussreich, bis er 60 v. Chr. mit Pompeius und dem fĂŒr das folgende Jahr zum Konsul gewĂ€hlten Gaius Iulius Caesar eine informelle Verbindung einging, das spĂ€ter so genannte Erste Triumvirat. Crassus brachte vor allem seinen Reichtum ein und zahlte Caesars riesige Schulden.

In den folgenden Jahren kam es wieder zu Spannungen zwischen Crassus und Pompeius, die der in Gallien Krieg fĂŒhrende Caesar auszugleichen versuchte. Crassus und Pompeius wurden, wie auf Konferenzen der Triumvirn in Ravenna und Lucca vereinbart, im Jahr 55 v. Chr. noch einmal zu Konsuln gewĂ€hlt. Crassus wollte in einem Krieg gegen die Parther den Kriegsruhm und vor allem die Heeresclientel erringen, die ihm im Gegensatz zu seinen Partnern abging. Damit beendete er eine Phase der relativen Ruhe zwischen Rom und dem Partherreich.

Mit einem Heer von ĂŒber 40.000 Mann zog Crassus von der Provinz Syria ĂŒber den Euphrat, erlitt aber im Mai oder Juni 53 v. Chr. in der Schlacht bei Carrhae eine vernichtende Niederlage und wurde in Synnaka in Mygdonien[4] bei Kapitulationsverhandlungen mit dem parthischen Feldherrn Surenas getötet.[5] Der Verlust der römischen Feldzeichen stellte eine schwere Schmach fĂŒr Rom dar und sollte spĂ€ter mehrmals zu Konflikten mit den Parthern fĂŒhren; aber auch die Verluste waren enorm: Nur etwa 10.000 Mann erreichten Syrien wieder. Crassus’ abgeschlagenes Haupt erhielt der Partherkönig Orodes II. ĂŒberreicht. Am Partherhof wurde der Sieg bejubelt: Nach Plutarchs Darstellung soll der abgeschlagene Kopf des Crassus im Rahmen einer Feier von einem griechischen Schauspieler, Jason von Tralles, wĂ€hrend der AuffĂŒhrung von Euripides’ Die Bakchen prĂ€sentiert worden sein:

<poem>

„Wir bringen vom Berge Nach Hause getragen Die herrliche Beute, Das blutende Wild.“

– Plutarch: Crassus, 33[6]

</poem>

Crassus’ Ă€lterer Sohn Marcus war ein QuĂ€stor Caesars. Auch sein jĂŒngerer Sohn Publius war Feldherr unter dem Oberbefehl Caesars, bevor er seinen Vater auf dem Feldzug gegen die Parther begleitete. Publius verlor ebenfalls in der Schlacht bei Carrhae sein Leben.

Name

Einige Forscher[7] geben den vollen Namen mit Marcus Licinius Crassus Dives an und stĂŒtzen sich dabei auf Marcus Tullius Cicero[8], Plinius den Älteren[9] und Apuleius[10]. Der Althistoriker B. A. Marshall argumentiert dagegen, dass lateinisch dives ‚reich‘ auch einfach als beschreibendes Adjektiv verstanden werden kann, oder es liege eine Verwechslung mit Publius Licinius Crassus Dives Mucianus, dem Konsul des Jahres 131 v. Chr., vor, dessen Zweig der gens Licinia - anders als der des Triumvirn - das Cognomen Dives nachweisbar trug.[11]

Quellen

Literatur

  • B. A. Marshall: Crassus, A Political Biography. Hakkert, Amsterdam 1976, ISBN 90-256-0692-X (zugleich Dissertation UniversitĂ€t Sydney 1975).
  • Allen Mason Ward: Marcus Crassus and the late Roman Republic. University of Missouri Press, Columbia/Miss. 1977, ISBN 0-8262-0216-0.

Anmerkungen

  1. ↑ Zur Identifizierung dieses PortrĂ€ts und der Replik im Louvre vgl. kurz Volker Michael Strocka: Caesar, Pompeius, Sulla. PolitikerportrĂ€ts in der spĂ€ten Republik. In: Freiburger UniversitĂ€tsblĂ€tter. 163, 2004, S. 54–55 (PDF, 7,4 MB).
  2. ↑ Vgl. Ovid, Fasti 6, 465.
  3. ↑ Vgl. z. B. Matthias Gelzer: Licinius Nr. 68. In: Paulys RealencyclopĂ€die der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XIII,1, Stuttgart 1926, Sp. 331.: „geistig und moralisch den AnsprĂŒchen, die sein Ehrgeiz stellte, weder als Politiker noch als MilitĂ€r jemals gewachsen“; Alfred Heuss, Römische Geschichte, 5. Aufl., Westermann, Braunschweig 1983, S. 187: „Er war aber eine durchschnittliche Persönlichkeit und bildete sich ein, allein kraft seines Vermögens zu Außerordentlichem berufen zu sein.“; Jochen Bleicken, Geschichte der Römischen Republik, 2. Aufl., Oldenbourg, MĂŒnchen 1982, S. 78: „Crassus war doch wohl mehr GeschĂ€ftsmann als Soldat“; Christian Meier, Caesar, Taschenbuchausgabe, dtv, MĂŒnchen 1986, S. 199: „Bedenklich war jedoch, daß Crassus der erste Mann in Rom werden wollte, denn was immer er dazu aufbringen mochte, den mittelmĂ€ĂŸigen Zuschnitt seiner Natur balancierte das nicht aus.“
  4. ↑ Strabon 16, 1, 23 p. 231.
  5. ↑ Plutarch, Crassus 30–31.
  6. ↑ Zitiert nach Theodor Mommsen, Römische Geschichte, Buch 5, Kapitel 9 [1].
  7. ↑ Matthias Gelzer: Licinius 69). In: Paulys RealencyclopĂ€die der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XIII,1, Stuttgart 1926, Sp. 295. Thomas Robert Shannon Broughton: The magistrates of the Roman republic. Band 2: 99 B.C.–31 B.C.. American Philological Association, New York 1952, S. 110.
  8. ↑ Cicero, De officiis 2, 57.
  9. ↑ Plinius, Naturalis historia 33, 134.
  10. ↑ Apuleius, Apologie 20.
  11. ↑ B. A. Marshall: Crassus and the cognomen Dives. In: Historia 22, 1973, S. 459–467.
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