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Marie-Louise Henry (* 15. Juni 1911 in Brüssel; †29. Juni 2006 in Hamburg) war eine deutsch-französische evangelische Theologin.
Inhaltsverzeichnis |
Marie-Louise war die erste von zwei Töchtern des französischen Ingenieurs Adolphe Henry und der Deutschen Marie Auguste Henry geb. Platz (1882–1961). Auf Grund des Ersten Weltkrieges zog sie mit ihrer Schwester Marguerite Constance (* 22. Mai 1914) und ihrer Mutter bereits 1914 nach Linz im Rheinland. Ihr Vater diente in der deutschen Armee und starb 1915 im Lazarett.
Bedingt durch die bessere Versorgungslage erlebte sie ihre Schulzeit in Wismar, wo sie eine starke Prägung und Förderung in theologischen Fragen erhielt. 1932 nahm sie an der Universität Rostock ein Studium der Theologie auf, dass sie 1936 abschloss. In der Nazizeit engagierte sie sich schon kurz nach deren Gründung für die Bekennende Kirche. Durch die Bombenangriffe auf Rostock 1944/45 wurde ihre Wohnung zerstört, woraufhin sie zu ihrer Schwester nach Polchow auswich. Nachdem sie die Wirren des Zweiten Weltkriegs überstanden hatte, promovierte sie am 9. April 1948 mit dem Thema „Interpretationsprobleme zur Jesaja-Apokalypse“ zum Doktor der Theologie. 1952 schloss sie ihre Habilitation mit dem Thema: „Studien zum Kulturkampf der Deutschen Evangelischen Kirche mit besonderer Berücksichtigung der mecklenburgischen Verhältnisse“ erfolgreich ab. Vom Frühjahrsemester 1953 bis 1959 war Henry hauptamtliche Dozentin an der Theologischen Fakultät der Rostocker Universität bei Gottfried Quell. Im selben Jahr wurde sie Professorin für Altes Testament an der theologischen Fakultät der Universität Leipzig. In jener Funktion engagierte sie sich 1960 bei der Verhinderung der Sprengung der Marienkirche in Wismar, wobei sich ein unfruchtbarer Schriftwechsel mit der Obrigkeit der DDR entspann. Nach dem Tod ihrer Mutter verließ sie mit ihrer Schwester am 21. November 1961 die DDR und kam zunächst in Ahrensburg (in der Nähe von Hamburg) bei Verwandten unter. 1963 habilitierte sie sich erneut an der Universität Hamburg und wurde dort 1973 ordentliche Professorin für Altes Testament. In dieser Zeit baute sie zahlreiche Verbindungen zu jüdischen Einrichtungen auf. 1976 wurde sie emeritiert, setzte aber ihre Lehrtätigkeit 1986 im Fachbereich Evangelische Theologie der Universität Hamburg, wegen zu geringer Dozentenzahl fort. Nach der politischen Wende in der DDR hielt sie 1992 eine eindringliche Eröffnungsrede an der Universität Rostock.
Kurz nach ihrem 95. Geburtstag starb sie friedlich in ihrer Wohnung in Hamburg-Volksdorf.
Marie-Louise Henry war die erste Frau in Deutschland, die – 1956 – auf einen Lehrstuhl für Altes Testament berufen wurde. Von 1963 an bis zum Ruhestand lehrte sie an der Universität Hamburg. Die Theologie-Professorin zeichnete sich nicht nur durch ein unerschrockenes Auftreten gegenüber der Obrigkeit während ihrer Zeit in der DDR aus, sondern blieb auch später nicht im Elfenbeinturm der Wissenschaft sitzen. Von den Studentenunruhen 1968 bis hin zur feministischen Theologie setzte sie sich mit den Themen, die die Menschen bewegten und bewegen, intensiv auseinander.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Henry, Marie-Louise |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsch-französische Theologin |
| GEBURTSDATUM | 15. Juni 1911 |
| GEBURTSORT | Brüssel |
| STERBEDATUM | 29. Juni 2006 |
| STERBEORT | Hamburg |