Markdorf
Markdorf ist eine Kleinstadt im Bodenseekreis in Baden-Württemberg.
GeographieGeographische LageMarkdorf liegt am Fuße des 754 m ü. NN hohen Gehrenbergs, zwischen Friedrichshafen und Salem. Von den Touristikern wird die Stadt als „Perle des Linzgaus“ oder „Balkon zum Bodensee“ blumig umschrieben. Die Gehrenbergregion, deren Zentrum sie ist, wird beworben mit: „Bei uns ist der See – mit Abstand – am schönsten“ – ein Slogan, der auf den etwa sechs Kilometer südlich liegenden Bodensee anspielt.[2] Im 409,2 Hektar großen Stadtgebiet sind zwei Natur- und Landschaftsschutzgebiete (Hepbacher-Leimbacher Ried und Markdorfer Eisweiher), ein Schonwald (Gehrenberg) und ein Einzelgebilde-Naturdenkmal ausgewiesen (Stand: 30. Mai 2009). NachbargemeindenNachbargemeinden sind (im Uhrzeigersinn, im Norden beginnend) Deggenhausertal, Oberteuringen, Friedrichshafen, Immenstaad, Hagnau, Stetten, Meersburg und Bermatingen. In weiterer Umgebung finden sich die Nachbarstädte Friedrichshafen im Südosten, Meersburg im Südwesten und Ravensburg im Nordosten. StadtgliederungMarkdorf besteht neben der Kernstadt Markdorf (mitsamt den Dörfern und Weilern Bergheim, Fitzenweiler, Gehrenberg, Möggenweiler und Wangen) aus den Teilorten Ittendorf (mit den Weilern Bürgberg, Reute und Wirrensegel) und Riedheim (mitsamt den Dörfern und Weilern Gangenweiler, Hepbach, Leimbach und Stadel).
Klima
GeschichteDie erste urkundliche Erwähnung der Stadt datiert aus dem Jahr 817, als Kaiser Ludwig der Fromme eine Schenkung an das Kloster St. Gallen vornahm. Die Verleihung der Stadtrechte hat um das Jahr 1250 herum stattgefunden; die Stadt feierte deshalb im Jahr 2000 ihr 750-jähriges Stadtjubiläum. Der Ausbau der Stadt wurde vom 12. bis zum 14. Jahrhundert von den Herren von Markdorf vorangetrieben, bevor sie unter der Herrschaft der Konstanzer Bischöfe und vor allem dank des Weinanbaus ihre Blütezeit erlebte. Besonders der Dreißigjährige Krieg und die Napoleonischen Kriege forderten ihren Tribut. Nur wenige Jahrzehnte später, in der Nacht vom 10. zum 11. Juli 1842, folgte der große Brand von Markdorf, durch den 349 Bewohner vor allem des östlichen Teils der Stadt obdachlos wurden. Neben der Oberstadt brannte auch das Dach des Kirchturms der katholischen Pfarrkirche St. Nikolaus ab, sodass die neun Glocken in die Tiefe stürzten. Zum Gedächtnis des Großen Brandes wurde in der Nachkriegszeit bis 1964 noch der Brauch geübt, am 11. Juli die Rathausglocke zu läuten. Im März 1845 wurde der Kirchturm in Form eines Oktogons wieder aufgebaut. 1901 schließlich wurde das badische Markdorf durch die Bodenseegürtelbahn an das reichsdeutsche Bahnnetz angeschlossen. Auf dieser eingleisigen Bahn prallte am 22. Dezember 1939 ein Personenzug frontal und ungebremst entlang des Nordufers des Bodensees in Lipbach zwischen Markdorf und Kluftern mit einem Güterzug zusammen. 106 Menschen starben in den Trümmern. Am 29. April 1945 wurde die Stadt an bis hierhin vorrückende französische Truppen übergeben. In den 1960er und 1970er Jahren kam es zu einem starken Wachstum der Stadt, insbesondere durch die zahlreichen Pendler, die in Friedrichshafener Unternehmen arbeiten. 1964 wurde bei einem Brand das 400 Jahre alte Rathaus durch Feuer und Wasser zerstört. Der Turm der St.-Nikolaus-Kirche wurde 1966 wieder in seiner alten Bauweise mit vier Giebeln errichtet, wobei er seitdem mit 68 m gegenüber dem Kirchturm vor dem Großen Brand um ca. 8 m höher ist. 1967 wurde an alter Stelle das neue Rathaus eingeweiht. 1974 wurde die Städtepartnerschaft zwischen der elsässischen Stadt Ensisheim und der Stadt Markdorf begründet. Eingemeindungen1924 wurden durch einen Erlass des Ministeriums des Innern in Karlsruhe die Orte Gangenweiler, Hepbach, Leimbach, Riedheim und Stadel zur Gemeinde Riedheim zusammengeführt.[5] Im Zuge der Gemeindereform wurden 1972 die ehemals selbständigen Gemeinden Ittendorf und Riedheim zum 1. April beziehungsweise 1. März 1972 in die Stadt Markdorf eingegliedert, was um diese Zeit unter anderem zu einem starken Anstieg der Bevölkerungszahl führte. Einwohnerentwicklung
PolitikGemeindeverwaltungsverbandMarkdorf hat sich mit den Gemeinden Bermatingen, Deggenhausertal und Oberteuringen zu einem Gemeindeverwaltungsverband zusammengeschlossen und ist Sitz dieses Verbandes. GemeinderatKommunalwahl 2009
Wahlbeteiligung: 53,5 % (−1,9 Pp.)
% 40 30 20 10 0 34,1 % 28,3 % 25,8 % 11,9 %
Gewinne und Verluste Nach der Kommunalwahl vom 7. Juni 2009 ergab sich folgende Sitzverteilung:
BürgermeisterBürgermeister ist seit 1991 Bernd Gerber, der damit Eugen Baur im Amt folgte, da dieser nach 16 Amtsjahren in die Privatwirtschaft ging.[6] 1999 und 2007 wurde Gerber wiedergewählt.
Bürgermeister der ehemaligen Gemeinde Riedheim war bis zur Gemeindereform Josef Lohr.[8] WappenBlasonierung: „In Gold ein achtspeichiges rotes Rad ohne Felgen.“ Die Stadt wurde im 13. Jahrhundert von den Herren von Markdorf gegründet. Das Wappen dieses um die Mitte des 14. Jahrhunderts ausgestorbenen Adelsgeschlechts ziert die in Abdrücken seit dem Jahr 1414 belegten Siegel der Stadt, die seinerzeit dem Bischof von Konstanz gehörte. Somit ist das ursprüngliche Herrschaftswappen, das ein von der sonst üblichen heraldischen Form abweichendes Mühlrad zweigt, zum Stadtwappen geworden. Während das älteste Siegel noch ein zwölfspeichiges Rad zeigt, das auch als stilisierte Sonne angesehen werden kann, sind in einem Siegel des 16. Jahrhundert sieben gebogene Schaufeln eines Mühlrads zu erkennen. Nach 1895 hat sich die Radform vom ältesten Siegel der Herren von Markdorf (1236) durchgesetzt. Das Mühlrad findet sich in abgewandelter Form auch im Wappen des Bodenseekreises, welcher es 1976 drei Jahre nach der Kreisreform von dem Markdorfer Wappen übernahm. StädtepartnerschaftSeit 1974 besteht eine Städtepartnerschaft mit der französischen Stadt Ensisheim im Elsass. Kultur und SehenswürdigkeitenMarkdorf liegt an der Oberschwäbischen Barockstraße und am Oberschwäbischen Jakobsweg von Ulm nach Konstanz. Ab Markdorf sind es noch 2.364 Kilometer bis zum Ziel des Jakobswegs im spanischen Santiago de Compostela. Am Bahnhof Markdorf endet die dritte und beginnt die vierte Etappe des Jubiläumswegs Bodenseekreis, ein 111 Kilometer langer Wanderweg, der 1998 zum 25-jährigen Bestehen des Bodenseekreises ausgeschildert wurde. In sechs Etappen führt er durch das Hinterland des Bodensees von Kressbronn über Neukirch, Meckenbeuren, Markdorf, Heiligenberg und Owingen nach Überlingen. Theater und Kino
Museen
Bauwerke
Regelmäßige Veranstaltungen
VereineIn Markdorf gibt es rund 120 Vereine, wie etwa den TV Markdorf, den SC Markdorf, das Jugendforum, den Kunstverein, die Segelflieger oder den Modellbauverein. Wirtschaft und InfrastrukturDer Wirtschaftsstandort Markdorf ist außerhalb der Stadt von der Landwirtschaft, insbesondere Obst- und Weinbau, geprägt. Tourismus und Naherholung sind ebenfalls wichtige Wirtschaftsfaktoren. 4.800 Arbeitsplätze heimischer Firmen spiegeln die Wirtschaftskraft Markdorfs wider. Die Stadt sieht sich heute als innovationsfördernder Standort für Handel, Handwerk, Gewerbe und Industrie und ist außerdem Wohnsitz vieler Pendler, die in den umliegenden wirtschaftlichen Zentren Friedrichshafen und Ravensburg arbeiten. Stadtnahe Gewerbegebiete sind „Schießstattäcker“, „Riedwiesen“ und „Negelsee“. Zu den größten Unternehmen in Markdorf zählen die Weber Automotive GmbH (Automobilzulieferer und Hersteller von Motoren und Komponenten), die J. Wagner GmbH und die TechniData AG (Übernahme durch ihren Partner SAP im dritten Quartal 2010[9]) sowie Werke von Firmen wie Alpla (weltweit bei den Marktführern auf dem Gebiet von Kunststoffverpackungen), Conti Temic oder das 1959 gegründete Familienunternehmen Holstein, das Brennereien für namhafte Produzenten in aller Welt herstellt.[2] Insgesamt gibt es hier 101 Kleinbrenner (Stand: Dezember 2011).[10] VerkehrMarkdorf wird von der Deutschen Bahn AG auf der Bodenseegürtelbahn (Lindau-Radolfzell) angebunden. Vom Bodensee her kommend ist die Stadt über die B 33 von Meersburg aus, weiter nach Ravensburg, erreichbar. Täglich passieren 25.000 Fahrzeuge die Stadt.[2] MedienDie Schwäbische Zeitung und der Südkurier betreiben in Markdorf jeweils eine Lokalredaktion. BildungNeben Überlingen, Friedrichshafen und Tettnang ist Markdorf die einzige Stadt im Bodenseekreis mit vollständigem Schulprogramm inklusive Werkrealschule.[2] Die Stadt verfügt über mehrere und vielseitige Bildungseinrichtungen wie seit 1967 das Bildungszentrum Markdorf (BZM), das sowohl Haupt- mit Werkrealschule, eine Realschule als auch ein Gymnasium beinhaltet, außerdem über Grundschulen. Die Justus-von-Liebig-Schule Überlingen hat eine Außenstelle in Markdorf. Die Musikschule Raumschaft Markdorf bildet neben einheimischen Schülern auch Kinder aus Bermatingen, Deggenhausertal, Kluftern und anderen benachbarten Gemeinden im musischen Bereich aus. PersönlichkeitenEhrenbürger
Söhne und Töchter der Stadt
Literatur
WeblinksEinzelnachweise
Städte und Gemeinden im Bodenseekreis
Bermatingen | Daisendorf | Deggenhausertal | Eriskirch | Frickingen | Friedrichshafen | Hagnau am Bodensee | Heiligenberg | Immenstaad am Bodensee | Kressbronn am Bodensee | Langenargen | Markdorf | Meckenbeuren | Meersburg | Neukirch | Oberteuringen | Owingen | Salem | Sipplingen | Stetten | Tettnang | Überlingen | Uhldingen-Mühlhofen |
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