Martin Schätzl

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Martin Schätzl (um 1932).

Martin Schätzl (* 13. März 1909 in München; † 2. Juli 1934 im KZ Dachau) war ein deutscher Maler, SA-Mitglied und eines der Opfer des so genannten „Röhm-Putsches“.

Leben[Bearbeiten]

Schätzl war ein Sohn des Kaufmanns Martin Schätzl Senior und seiner Ehefrau Katharina. In seiner Kindheit besuchte Schätzl acht Jahre lang die Volksschule und anschließend zwei Jahre lang eine Privat-Malschule. Zum Wintersemester 1927/28 immatrikulierte er sich an der Akademie der bildenden Künste München, wo er vier Semester verbrachte.

1928 lernte Schätzl in Straubing den ehemaligen Offizier und völkischen Politiker Ernst Röhm kennen, mit dem er sehr bald Freundschaft schloss. Später wurde vielfach über eine homosexuelle Verbindung zwischen Schätzl und dem für seine Homosexualität bekannten Röhm spekuliert: Die Röhm-Biografin Eleanor Hancock konnte jedoch nachweisen, dass die Beziehung Röhm-Schätzl rein platonischer Natur war: Zum einen sei Schätzl heterosexuell veranlagt gewesen, zum anderen habe Röhm Schätzl zwar als gutaussehend empfunden, sich aber nicht sinnlich zu ihm hingezogen gefühlt. Vielmehr sei Röhm ein väterlicher Freund Schätzls gewesen, der ihn liebevoll „Onkel Ernst“ genannt habe.

Als Röhm Ende 1928 eine Stellung als Inspekteur im Generalstab der bolivianischen Armee erhielt, begleitete Schätzl ihn nach Südamerika, wo er bis zu Röhms Rückkehr nach Deutschland im Herbst 1930 als dessen Sekretär fungierte. Röhm erklärte die Entscheidung, Schätzl, dessen Schiffspassage er bezahlte, mitzunehmen, später damit, dass er nicht ganz alleine in die Fremde habe gehen wollen. In Bolivien betätigte Schätzl sich neben seiner Arbeit für Röhm auch intensiv künstlerisch: Unter anderem gestaltete er den Einband von Röhms Memoirenbuch Geschichte eines Hochverräters. Daneben erzielte er größere Erfolge mit Ausstellungen seiner Bilder.

Nachdem Röhm von Adolf Hitler zum Stabschef der SA berufen worden war, kehrten Röhm und Schätzl im Herbst 1930 nach Deutschland zurück, wo Schätzl sich weiterhin als akademischer Maler betätigte. Auf Röhms Drängen trat Schätzl im November 1930 in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (Mitgliedsnummer 348.934) und im Februar 1931 in die SA ein. Später war er zeitweise Mitglied der Schutzstaffel (SS), bevor er im April 1934 in die SA zurückkehrte. In der SS wurde er zum Scharführer (15. November 1933) befördert. Zuletzt gehörte er in der SS dem 3. Sutrm des I. Sturmbannes der 1. SS-Standarte an. Gemäß dem Führerbefehl der Obersten SA-Führung Nr. 23 wurde Schätzl mit Wirkung vom 1. Februar 1934 in den Stab des Obersten SA-Führung (OSAF) versetzt, in dem er fortan in der Adjutantur als persönlicher Mitarbeiter Ernst Röhms tätig war. Mit seiner Versetzung in die OSAF war seine Überführung von der SS in die SA und die Beförderung zum SA-Truppführer verbunden. Kurze Zeit später wurde Schätzl durch den Führerbefehl 23a vom 20. April 1934 mit Wirkung zu diesem Tag zum SA-Obertruppführer befördert.

Am 29. Juni 1934 reiste Schätzl nach Bad Wiessee, um Röhm, der sich dort zur Kur aufhielt, seine Uniform zu bringen. In den Morgenstunden des 30. Juni wurde er zusammen mit Röhm und den übrigen Personen aus Röhms Umgebung, die sich in Wiessee aufhielten, von Hitler und einem Polizeibegleitkommando im Rahmen der als Röhm-Putsch bekannt gewordenen politischen Säuberungswelle der Nationalsozialisten vom Frühsommer 1934 verhaftet und ins Münchener Gefängnis Stadelheim verbracht. In den Morgenstunden des 2. Juli 1934 wurde Schätzl zusammen mit dem Chef von Röhms Stabswache Julius Uhl und mit Röhms Chauffeur Johann Heinrich König ins KZ Dachau überführt und dort von Angehörigen der SS-Wachtruppe des Lagers erschossen. Da diese Erschießungen erfolgten, nachdem zuvor der Befehl zur Einstellung aller Erschießungen aus Berlin gekommen war, wurden diese drei Erschießungen in der offiziellen Todesliste zum Röhm-Putsch auf den 1. Juli 1934 vordatiert.

Durch den Führerbefehl der Obersten SA-Führung Nr. 26 vom 31. Oktober 1934 wurde Schätzl zusammen mit einer Reihe anderer im Zuge der Säuberungsaktion vom Sommer 1934 verhafteten und/oder erschossenen SA-Angehörigen postum unter Enthebung seiner Dienststellung und Aberkennung seines Dienstgrades aus der SA ausgestoßen.

Literatur[Bearbeiten]

Sekundärliteratur:

  • Andreas Dornheim: Röhms Mann fürs Ausland. Politik und Ermordung des SA-Agenten Georg Bell, 1998.
  • Eleanor Hancock: Ernst Röhm. Hitler's SA Chief of Staff, 2008.
  • Hans-Günter Richardi/ Klaus Schumann: Geheimakte Gerlich/Bell: Röhms Pläne für ein Reich ohne Hitler, 1993.
  • Wolfram Selig: „Die Opfer des Röhm-Putsches in München“, in: Winfried Becker / Werner Chrobak (Hg.): Staat, Kultur, Politik. Beiträge zur Geschichte Bayerns und des Katholizismus. Festschrift zum 65. Geburtstag von Dieter Albrecht., Lassleben, Kallmünz 1992, S. 341-356.

Zeitgenössische Zeitungsartikel

  • “Hoy, a las 11, Inaugra Su Exposicón de Pintura el Maestro Alemán Martín Schaetzl, en un Salón del C. Bancerio”, in: El Diario vom 27. September 1930
  • “Comentarios sobre la exposición del pintor alemán Martín Schaetzl”, in: El Diario vom 3. Oktober 1930.