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1690 öffnete der erste Bierausschank auf dem GelĂ€nde des heutigen MathĂ€ser. 1818 ersteigerte der Brauer Georg Hartl, Besitzer des Bierausschanks Zum Kleinen Löwengarten an der damaligen Landsberger StraĂe (heute BayerstraĂe) das im 15. Jahrhundert gegrĂŒndete FuchsbrĂ€u. In den Jahren zuvor hatte Hartl durch Tausch und Kauf bereits mehrere angrenzende GrundstĂŒcke rund um seinen Löwengarten erworben. Damit nahm sein Grundbesitz bereits fast den kompletten Bestand des spĂ€teren MathĂ€ser ein. Mit Hilfe der FuchsbrĂ€ugerechtsame plante Hartl die GrĂŒndung einer neuen Brauerei auf seinem Grund und die Stilllegung des ursprĂŒnglichen Braubetriebs des FuchsbrĂ€us in der Schwabinger Gasse. Noch im gleichen Jahr erhielt er eine Konzession zur Eröffnung seiner Hartlischen Brauerei auf dem Löwengarten-Areal und begann mit dem Bau der neuen BrauereigebĂ€ude. Die RĂ€ume des alten Löwengartens dienten dabei anfangs als Bierausschank. Hartl betrieb das GeschĂ€ft bis zu seinem Tod 1825, danach ging es bis 1829 an seine Erben ĂŒber. Von 1829 bis 1832 fĂŒhrte Max J. Boshart das HĂ€rtlische Brauhaus, 1832 bis 1844 befand es sich im Eigentum des âBraugrafenâ Theobald Graf von Buttler-Haimhausen und wurde Buttler-BrĂ€u genannt. Buttlers Erben verpachteten das Brauhaus von 1847 bis 1855 an Anton Köck, danach bis 1857 an Ludwig Brey. 1858 erwarb schlieĂlich Georg MathĂ€ser das Anwesen. Er stellte die Brauerei zunĂ€chst ein und setzte nur den Gastwirtschaftsbetrieb fort. 1872 nahm er unter dem Namen MathĂ€ser-BrĂ€u auch den Braubetrieb wieder auf. Nach seinem Tod 1874 fĂŒhrte seine Witwe Anna MathĂ€ser den Betrieb weiter, wobei die Brauerei von 1874 bis 1884 neben der Bezeichnung MathĂ€ser-BrĂ€u auch den ehemaligen Namen in Form der Benennung Zum bayerischen Löwen wieder aufnahm. 1884 erfolgte die Umwandlung in die Aktienbrauerei zum bayerischen Löwen, vorm. A. MathĂ€ser, 1892 wurde ein Neubau der Brauerei erstellt. 1907 kaufte die LöwenbrĂ€u AG den bereits zu einer bekannten MĂŒnchener Institution gewordenen âMathĂ€serâ und baute ihn mit drei Bierhallen, einem Festsaal und einem Biergarten mit rund 4000 SitzplĂ€tzen zum damals gröĂten Bierausschank der Welt aus.
Der MĂŒnchner KĂŒnstler und ĂŒberzeugte Kommunist rief nach dem Krieg zur Revolution auf, dafĂŒr mietete er den MathĂ€ser, leider erschien niemand zur Revolution.
Um die SoldatenrĂ€te der Roten Truppen (Kommunisten), die den MathĂ€ser besetzt hielten, lĂ€nger EinsatzfĂ€hig zu halten, wurde das im MathĂ€ser vorrĂ€tige WeiĂbier mit Zitronenlimonade âgestrecktâ. Daraus lieĂ sich im Volksmund die RussenmaĂ ableiten.
Im Zweiten Weltkrieg wurde der MathĂ€ser bei Luftangriffen der Alliierten total zerstört. Erst im Dezember 1957 konnte auf dem 8100 Quadratmeter groĂen Areal die neu erbaute MathĂ€ser-Bierstadt eröffnet werden. Ernst Eckstein, der leitende Architekt der Löwenbrauerei, hatte entlang der BayerstraĂe in Stahlbetonbauweise einen fĂŒnfgeschossigen, zweigiebeligen Baukörper realisiert, der eine Einkaufspassage, die Bierstadt mit 16 recht unterschiedlich ausgestatteten Lokalen mit SitzplĂ€tzen fĂŒr insgesamt ĂŒber 5000 GĂ€ste, den MathĂ€ser-Filmpalast (als 129. Kino der Landeshauptstadt) mit einem 340 Quadratmeter groĂen Foyer, 1200 PlĂ€tzen im Kinosaal und der mit 21 auf achteinhalb Metern zur Bauzeit gröĂten Leinwand Deutschlands, 4600 Quadratmeter Einzelhandels- und BĂŒroflĂ€che sowie eine Tiefgarage fĂŒr 180 Fahrzeuge umfasste.
Eine PresseerklĂ€rung erlĂ€uterte die Absicht des Bauvorhabens: â[...]BewuĂt aber wurde der MathĂ€ser nicht als modisch vergĂ€nglicher Glasbau gestaltet, sondern im Sinne der Bautradition unseres alpenlĂ€ndischen Raumes. Der Bau soll in seinem ĂuĂeren und Inneren nicht nur einem kleinen Kreis, sondern möglichst Vielen gefallen und zum Verweilen einladen. Er soll auch die Fremden anziehen, die unsere MĂŒnchner Stadt besuchen.â
Der WeiĂbierkeller mit 500 SitzplĂ€tzen stand unter der Leitung des PĂ€chterehepaares Reinbold, das PĂ€chterehepaar Georg und Rosa Reiss fĂŒhrte das Kino und die ĂŒbrigen Lokale: die Schwemme neben dem Haupteingang mit einer GlaskĂŒche, die den Appetit der GĂ€ste anregen sollte, bot 280 SitzplĂ€tze, das Gewölbe hatte 260 SitzplĂ€tze, die Bartl-, Soldaten-, Tölzer-, MathĂ€ser- und Steyrer-Hanns-Stuben verfĂŒgten ĂŒber insgesamt 170 SitzplĂ€tze, die SchĂ€nke hatte 30 PlĂ€tze, die Arkaden 130, die SchieĂstand-Stuben 27, die Bierhalle, MĂŒnchner Stuben und das ZunftstĂŒberl insgesamt 1.055 SitzplĂ€tzen, der Kleine Festsaal bot 335 GĂ€sten Platz, der GroĂe Festsaal 1450 PlĂ€tze und schlieĂlich gab es noch einen Biergarten mit 450 und die Terrassen mit 648 SitzplĂ€tzen.
Der Trakt an der SchlosserstraĂe war 105 Meter lang und verfĂŒgte ĂŒber Keller, Erdgeschoss und zwei Obergeschosse. Der GroĂe Festsaal hatte eine GröĂe von 1100 Quadratmetern und einem umlaufenden Balkon, auĂerdem lagen dort verschiedene kleinere SĂ€le, Nebenzimmer und SchĂ€nken sowie die zentrale GroĂkĂŒche. Besonders stolz war man damals auf die erste und modernste vollautomatische GeschirrspĂŒlmaschine in Deutschland, die in einer Stunde bis zu 20.000 Teller und Tassen reinigen, auf Hochglanz polieren und vorgewĂ€rmt auf 80 °C bereitstellen konnte. Der âneueâ MathĂ€ser verfĂŒgte auch ĂŒber zwei eigene Metzgereien, insgesamt fĂŒnf KĂŒchen und sieben SchĂ€nken und bot 470 Angestellten einen Arbeitsplatz. In der Bierstadt wurden pro Woche durchschnittlich 52.000 Liter Bier, 42.000 Essensportionen, 15.000 WeiĂwĂŒrste, 9.000 BratwĂŒrste und 22.000 Paar SchweinswĂŒrste konsumiert.
Das Eröffnungsprogramm im Festsaal lief vom 21. Dezember 1957 bis 15. Januar 1958. 1958 war der MathĂ€ser durch die Betreiber- und PĂ€chterfamilie Reiss mit dem Restaurant Oberbayern auf der Weltausstellung in BrĂŒssel vertreten. In den folgenden knapp 40 Jahren erlebte die Bierstadt viele rauschende Feste. 1962 veranstaltete die Löwenbrauerei in Bordighera an der italienischen Riviera ein âoberbayerisches Bierfestâ, das zu einem vollen Erfolg wurde, als Dank schickte die Stadt Bordighera im Folgejahr fĂŒnftausend Nelken zur AusschmĂŒckung des âFrĂŒhlingsfestsâ im Festsaal der Bierstadt. 1968 folgte forciert durch die LöwenbrĂ€u AG das Engagement im deutschen Pavilion âRestaurant Bavaroisâ auf dem GelĂ€nde der Weltausstellung in Montreal. 1969 wurde in Montreal die Dependance âPetit Munichâ eröffnet, die Ende der 1980er Jahre wieder verkauft wurde.
Der MathĂ€ser-Filmpalast wurde wegen seiner GröĂe zu einem beliebten Premierenkino. Der Eröffnungsfilm im Jahr 1957 war âDer Bettelstudentâ. Mit dem Einzug des Massenmediums Fernsehen in die Wohnzimmer der Bevölkerung neigte sich in den 1970er Jahren die Ăra der GroĂkinos ihrem Ende zu, 1978 verwandelten die Filmtheaterbetriebe Georg Reiss MĂŒnchens gröĂtes Lichtspielhaus in ein aus vier Theatern bestehendes Kinocenter. Nach dem Umbau eröffnete das MathĂ€ser mit Sam Peckinpahs Convoy, es begann die Hochzeit des Hollywood-Actionkinos. Da der Saal A mit 600 Sitzen immer noch MĂŒnchens gröĂter Kinosaal war, fanden dort weiterhin viele Premieren statt. Der groĂe Festsaal war bis zur SchlieĂung der GaststĂ€tte Schauplatz des Deutschen Filmballs.
1996 stellten das Kino mit der letzten Vorstellung von Mars Attacks! und die Bierstadt den Betrieb ein, 1998 wurden die GebĂ€ude abgerissen. 1999 begann der Bauherr, die zur Zurich Group Invest Europe (Deutschland) GmbH gehörende Deutscher Herold Lebensversicherung AG mit dem Neubau, nach vierjĂ€hriger Bauzeit eröffnete am 21. Mai 2003 mit der Vorstellung von Matrix Reloaded in allen 14 SĂ€len und 4.283 PlĂ€tzen das neue Multiplex-Kino. Das GebĂ€ude wurde vom MĂŒnchner ArchitekturbĂŒro LAI | Lanz Architekten Ingenieure als Shopping-, Entertainment- und Business-Center geplant Die Kinopolis-Gruppe betreibt den MathĂ€ser Filmpalast in dem viele Filmpremieren und Sonderveranstaltungen wie die Eröffnungsveranstaltung des Filmfest MĂŒnchen, das Asia Filmfest und das englischsprachige Munich International Short Film Festival stattfinden. Durch den Bau des neuen Multiplex-Kinos mit 14 SĂ€len erlitten jedoch auch die sich in der NĂ€he des MathĂ€ser befindenden Kinos starke finanzielle EinbuĂen und mussten z. T. sogar schlieĂen, wie bspw. die Karlsplatz-Kinos.
Das GebĂ€ude mit einer BruttogesamtflĂ€che von 33.400 Quadratmetern, das etwa 175 Millionen Euro kostete, zeigt zur BayerstraĂe nun eine zurĂŒckhaltende Fassade mit einer nach innen hĂ€ngenden, sprossenlosen Glaswand. Dominant und im Aussenraum nicht zu ĂŒbersehen ist die computergesteuerte Lichtwand als WerbeflĂ€che. Die fein gegliederte Fassade zur schmalen SchlosserstraĂe wird durch die regelmĂ€Ăige Folge der Fluchttreppen mit haushohen SchutzwĂ€nden aus Drahtgeflecht bestimmt.
Die frei teilbaren FlĂ€chen fĂŒr Handel und Gastronomie sind mit dem Kino direkt verbunden. Sowohl von der U- und S-Bahn im Tiefgeschoss des Stachus als auch ebenerdig von der BayerstraĂe aus gelangt der Besucher zunĂ€chst in das HerzstĂŒck der Anlage, die zentrale Rotunde. Von dort verbinden Rolltreppen die drei Hauptebenen, auf denen die KinosĂ€le angeordnet sind.
Der MathÀser-Filmpalst hat 14 KinosÀle:
| Name | PlĂ€tze | SitzplĂ€tze fĂŒr Behinderte |
Tonsystem | LeinwandmaĂe |
|---|---|---|---|---|
| Kino 1 | 375 | 2 | Dolby Digital, DTS | 6,6 Ă 15,8 m |
| Kino 2 | 335 | 2 | Dolby Digital, DTS | 6,5 Ă 15,6 m |
| Kino 3 | 236 | 2 | Dolby Digital, DTS | 6,2 Ă 11,5 m |
| Kino 4 | 162 | 2 | Dolby Digital, DTS | 5,7 Ă 10,6 m |
| Kino 5 | 141 | 2 | Dolby Digital, DTS | 4,7 Ă 11,2 m |
| Kino 6 | 829 | 10 | Dolby Digital, Dolby Digital Surround EX, DTS, SDDS-8, THX | 8,6 Ă 20,6 m |
| Kino 7 | 220 | 2 | Dolby Digital, DTS | 5,5 Ă 13,0 m |
| Kino 8 | 241 | 2 | Dolby Digital, DTS | 5,5 Ă 13,2 m |
| Kino 9 | 443 | 2 | Dolby Digital, Dolby Digital Surround EX, DTS, SDDS-6 | 6,15 Ă 15,3 m |
| Kino 10 | 374 | 2 | Dolby Digital, DTS | 6,6 Ă 15,8 m |
| Kino 11 | 334 | 2 | Dolby Digital, DTS | 6,5 Ă 15,6 m |
| Kino 12 | 230 | 2 | Dolby Digital, DTS | 5,0 Ă 11,9 m |
| Kino 13 | 162 | 2 | Dolby Digital, DTS | 4,8 Ă 11,5 m |
| Kino 14 | 142 | 2 | Dolby Digital, DTS | 4,7 Ă 11,1 m |
48.139166666711.5636111111Koordinaten: 48° 8âČ 21âł N, 11° 33âČ 49âł O