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Die Menschheitsgeschichte umfasst die Entwicklung der gesamten Menschheit. In diesem Artikel geht es um die historische Entwicklung in den einzelnen Weltregionen, die zwar schon frĂŒh stark von Interdependenzen bestimmt waren, aber erst seit Ende des 19. Jahrhunderts zu einem einheitlichen Geschichtsraum zusammenwuchsen. Oft werden Menschheitsgeschichte und Weltgeschichte im selben Sinne gebraucht. Im engeren Sinne bezieht sich Weltgeschichte aber auf die Geschichtsschreibung zur Menschheitsgeschichte.
FĂŒr die Gliederung der Menschheitsgeschichte erweist sich die traditionelle eurozentrierte[1] Periodisierung in Altsteinzeit, Mittelsteinzeit, Jungsteinzeit, Bronzezeit, Eisenzeit, Altertum, Mittelalter und Neuzeit als fragwĂŒrdig. Der hier unternommene Periodisierungsversuch teilt einerseits in ein gröberes Raster ein (Entwicklung des Menschen, Urgeschichte â Steinzeit, Hochkulturen, Aufbruch und KontinuitĂ€t, Globalisierung), andererseits nimmt er die innerhalb der Neuzeit feststellbaren UmbrĂŒche Revolutionszeit (Industrielle und bĂŒrgerliche Revolutionen in Europa) und Weltkriegszeit (1. und 2. Weltkrieg sowie kommunistische und sozialistische Revolutionen) auf. Weshalb diese UmbrĂŒche hervorgehoben zu werden verdienen, wird im weiteren Text angesprochen werden und ist unter Periodisierung thematisiert.
Im Verlauf der Menschheitsgeschichte haben sich die Herausforderungen, denen sich die Menschen gegenĂŒber sahen, wesentlich verĂ€ndert.
ZunĂ€chst mussten sie sich gegen die MĂ€chte der Natur behaupten (Entwicklung von Technik, Arbeitsteilung, Gemeinschaft). DafĂŒr organisierten die Menschen ihr Zusammenleben (Gesellschaft, Staat, Entwicklung eines Gewaltmonopols zur Sicherung des Lebens der einzelnen vor gewalttĂ€tigen Auseinandersetzungen wie Blutrache und Fehde).
Dann verbesserten sie ihr Zusammenleben in Richtung Schutz und Mitwirkung des Einzelnen (Rechtsstaat als Schutz, Demokratie als Sicherung der Mitwirkung).
MilitĂ€rische und wirtschaftliche Ungleichgewichte zwischen Gesellschaften und Staaten fĂŒhrten immer wieder zu Krieg und Ausbeutung (Kolonialzeitalter und Imperialismus). Zur Friedenssicherung dienten regional die Reichsbildung, internationale VertrĂ€ge, Gleichgewichtssysteme wie Heilige Allianz/System Metternich oder das âKonzertâ der GroĂmĂ€chte. Da diese immer nur kurz- und mittelfristig Auseinandersetzungen verhindern konnten, wurden aufgrund der Weltkriegserfahrung weltumspannende Organisationen entwickelt wie Völkerbund und danach die Vereinten Nationen. Diese können Kriege aber nicht verhindern. Vor einem Krieg zwischen den SupermĂ€chten schĂŒtzt nur das System gegenseitiger Abschreckung. Seit dem Zusammenbruch des Ostblocks wird versucht, es durch internationale Kooperation zu ergĂ€nzen (vgl. G 20, Klimagipfel).
Vor etwa acht bis fĂŒnf Millionen Jahren haben sich in Afrika die zum Schimpansen und zum Menschen fĂŒhrenden Entwicklungslinien voneinander getrennt. Dies kann als Beginn der stammesgeschichtlichen Entwicklung des Menschen bezeichnet werden. Die Gattung Homo hat sich nach dem gegenwĂ€rtigen Forschungsstand â ebenfalls in Afrika â vor etwa zwei Millionen Jahren entwickelt. In mehreren, lang andauernden Wanderungen haben sich zunĂ€chst Homo erectus und danach Homo sapiens unabhĂ€ngig voneinander ĂŒber die Kontinente ausgebreitet.
Als Steinzeit bezeichnet man den lÀngsten Zeitabschnitt der Menschheitsgeschichte, bevor die Herstellung und technische Nutzung von Metallen bekannt war. TrÀger der steinzeitlichen Kulturen waren dem heutigen Forschungsstand zufolge zunÀchst Homo habilis und Homo rudolfensis, spÀter insbesondere Homo erectus und die Neandertaler[2] sowie Homo sapiens.
Die Steinzeit ist die Ă€lteste Stufe des von dem dĂ€nischen Altertumsforscher Christian JĂŒrgensen Thomsen und anderen seit 1836 propagierten Dreiperiodensystems, welches die Ur- oder Vorgeschichte in die Steinzeit, die Bronzezeit und die Eisenzeit unterteilt. Die Dreiteilung nach dem verwendeten Werkstoff ist weitgehend auf Europa und Teile Westasiens und Nordafrikas beschrĂ€nkt. In Amerika hat sich die Idee einer Periodisierung der Urgeschichte nach dem jeweils wichtigsten Werkstoff nie durchgesetzt.
Die Altsteinzeit (PalĂ€olithikum) Europas wird wiederum unterteilt in AltpalĂ€olithikum, MittelpalĂ€olithikum und JungpalĂ€olithikum und endet um 10.000 v. Chr. Nach einer kurzen Ăbergangszeit, der Mittelsteinzeit (Mesolithikum), folgt die Jungsteinzeit (Neolithikum). FĂŒr die Urgeschichte des subsaharischen Afrika gibt es eine eigene Terminologie in Early, Middle und Late Stone Age, was chronologisch in etwa der europĂ€ischen Einteilung Alt-, Mittel- und JungpalĂ€olithikum entspricht, inhaltlich aber nur zum Teil.
Eine Mittelsteinzeit gibt es nur im nordalpinen Europa, wĂ€hrend im Mittelmeerraum und im Vorderen Orient von EpipalĂ€olithikum gesprochen wird. Kennzeichnend fĂŒr die Neolithisierung und damit beginnende Jungsteinzeit sind tiefgreifende VerĂ€nderungen in der Wirtschaftsweise, die wegen der Verbreitung von Anatolien aus auch als âneolithisches BĂŒndelâ (engl.: âneolithic packageâ) bezeichnet werden. Hauptmerkmale sind domestizierte Tiere und Pflanzen sowie die durch den Ackerbau bedingte Sesshaftigkeit. Im Vorderen Orient gab es vom 10.â8. Jahrtausend v. Chr. eine Phase des Akeramischen Neolithikums mit Sesshaftigkeit und SteingefĂ€Ăen, aber noch ohne TongefĂ€Ăe. Die Ă€lteste Keramik ist von JĂ€gern und Sammlern der Jomon-Kultur in Japan und in SĂŒdsibirien hergestellt worden und verbreitete sich von dort aus ĂŒber den asiatischen Kontinent. Die VerĂ€nderung der Lebensweise durch Ackerbau und Viehzucht wurde von Vere Gordon Childe als Neolithische Revolution bezeichnet. Die schnelle Neolithisierung (Landwirtschaft, domestizierte Tiere, Hausbau, Keramik, geschliffene Steinbeile) in SĂŒdeuropa um 6000 v. Chr. und in Mitteleuropa um 5500 v. Chr. ist allerdings global gesehen eine Ausnahme. In anderen Teilen der Welt, zum Beispiel im subsaharischen Afrika, liegen zwischen dem Auftreten einzelner Merkmale der Neolithisierung zum Teil mehrere Jahrtausende.
Die jĂŒngere Phase des Neolithikums wird in manchen Regionen wegen der zunehmenden wirtschaftlichen Bedeutung des Kupfers als Kupfersteinzeit bezeichnet. In manchen Weltgegenden folgen Bronze- und Eisenzeit auf die Steinzeit.
Der Beginn der Hochkulturen, der eine Schriftkultur voraussetzt, ist im fruchtbaren Halbmond, der Region von Mesopotamien, Syrien und PalÀstina, zu finden. Andere Hochkulturen wurden von dort beeinflusst. Weitere Hochkulturen entwickelten sich in Indien, China, Mesoamerika und Peru.
Um 2500 v. Chr. lebten im unteren Mesopotamien die Sumerer in Stadtstaaten mit Zehntausenden von Einwohnern. Sie schrieben Keilschrift auf Tontafeln, zunĂ€chst in Bilderschrift, dann in einer daraus entwickelten Silbenschrift. Eine Ă€hnliche Entwicklung nahm die Hieroglyphenschrift der Ăgypter, die ihrerseits aufgrund ihrer Konzentration auf das Niltal eine recht einheitliche Kultur entwickelten, die durch einen umfangreichen Totenkult mit Pyramiden, Mumien, Kleinplastiken und mehr gekennzeichnet war.
Der Raum von Syrien und PalĂ€stina bot keine vergleichbaren Flusslandschaften, kannte aber Ă€hnlich groĂe Siedlungen und wurde schon frĂŒh von Zweistromland und Ăgypten zugleich beeinflusst. Einen charakteristischen Beitrag lieferte dieser Raum spĂ€ter durch die Entwicklung der Buchstabenschrift und die weit ausgreifenden Entdeckungsfahrten der Phönizier sowie fĂŒr die Entwicklung der abrahamitischen Religionen mit der Entstehung des Judentums und die Ausbreitung des Christentums durch die AnhĂ€nger des Jesus von Nazaret.
Zu den Ă€ltesten Kulturen gehört ebenfalls die Induskultur, deren StĂ€dte mehrstöckige HĂ€user und Kanalisation kannten, sowie in SĂŒdamerika die Kultur von Caral, die zwar schriftlos war, aber groĂe architektonische Leistungen hervorbrachte, die erhebliche Kenntnisse in Geometrie voraussetzen.
Die erste europÀische Hochkultur war die minoische, die durch Palastbauten wie den von Knossos um 2000 v. Chr. gekennzeichnet war.
Das afrikanische Reich von Kerma (im Raum von Nubien) das um 2000 v. Chr. entstand, entwickelte sich im Austausch mit Ăgypten.
Nach 1750 v. Chr. drangen Truppen von Kerma auf Ă€gyptisches Gebiet vor, doch gelang es Ăgypten nach der Bildung des Neuen Reiches um 1500 v. Chr. das Reich von Kerma zu unterwerfen.
Weitgehend unabhĂ€ngig von den westasiatischen und nordafrikanischen Hochkulturen entwickelte sich die chinesische, die um 1500 v. Chr. die Bronzeherstellung kannte. Ob die Kenntnisse von Streitwagen und Schrift vielleicht doch auf Ă€uĂere EinflĂŒsse schlieĂen lassen, ist noch unklar. Die Schrift entwickelte sich jedenfalls nicht zur Silbenschrift weiter.
Die Geschichte Sumers begann mit der so genannten Uruk-Zeit, ab etwa 4000 bis 3000 v. Chr. Die Sumerer siedelten am Euphrat. Aus Dörfern entstanden StÀdte. Uruk war damals die bedeutendste unter ihnen mit dem weit ausstrahlenden Inanna-Tempel.
FĂŒr etwa 3100 v. Chr. ist ein deutliches Bevölkerungswachstum festzustellen. Der BewĂ€sserungsbau wurde intensiviert, und die Zentren der StĂ€dte werden zu heiligen Bezirken. Diese Periode endete um 2900 v. Chr.
Am Anfang der FrĂŒhdynastischen Periode standen eine Reihe von Stadtstaaten (Adab, Eridu, Isin, Kisch, Kullab, Lagasch, Larsa, Nippur, Ur und Uruk), die etwa 2800 v. Chr. das Altsumerische Reich unter wechselnden Stadtherrschern bildeten:
Erster bekannter Herrscher von Sumer war Etana, der um 2800 v. Chr. lebte und König von Kisch war. Sein Nachfolger Mes-ki-agga-scher, König von Uruk (dem biblischen Erech), grĂŒndete weit sĂŒdlich von Kisch eine rivalisierende Dynastie und erlangte die Herrschaft ĂŒber die ganze Region zwischen dem Mittelmeer und dem Zagros-Gebirge. Nach dessen Sohn En-mer-kar (um 2750 v. Chr.) folgte sein Feldherr Lugalbanda auf den Thron. Darauf wurde En-me-bar-agesi um 2700 v. Chr., ein König der Etana-Dynastie in Kisch, zum fĂŒhrenden Herrscher von Sumer.
Die Akkader aus dem Norden unter Sargon vereinten Sumer unter einer Dynastie (2371 bis 2191 v. Chr.). Akkadisch wurde Verwaltungssprache. Befördert durch Uneinigkeit zwischen Akkad und dem restlichen Sumer, endete diese Dynastie mit der Eroberung durch die GutÀer.
Das Neusumerische Reich (2112â2004 v. Chr.) wurde von der 3. Dynastie von Ur regiert. Damals war Sumerisch Verwaltungssprache, und es entstanden erste Zikkurate. Es endete unter dem Druck Elams aus dem Osten.
Eine lÀnger andauernde Reichsbildung in Mesopotamien folgte nach 1900 v. Chr. durch die Babylonier.
Die Ă€gyptische Hochkultur begann mit der PrĂ€dynastischen Zeit. In dieser Zeit wuchsen OberĂ€gypten und das heutige UnterĂ€gypten zusammen und entwickelten die Ă€gyptischen Hieroglyphen. In der frĂŒhdynastischen Epoche stieĂ der Thinitenkönig Aha von Ober- nach UnterĂ€gypten vor und leitete die Reichseinigung ein. Er lieĂ eine zentrale Verwaltung in der neuen Hauptstadt Memphis errichten. Am Ende der ersten Dynastie 2780 v. Chr. hatten sich Abydos, Hierakonpolis, Buto und Sais als geistige Zentren Ăgyptens entwickelt.
Im Alten Reich ab 2707 v. Chr. begann der Bau der Pyramiden. Die gröĂten errichteten die Könige Cheops und Chephren bei Giseh. Das Alte Reich zerfiel möglicherweise ausgelöst durch einen asiatischen Einfall im Delta oder durch eine Hungersnot.
Im Mittleren Reich förderte Amenemhet I. den Kult um Amun, stieà bis nach Nubien vor und entwickelte Handelsbeziehungen zu Phönizien. Mit dem Eindringen der Hyksos 1648 v. Chr. zerfiel das Mittlere Reich.
Im neuen Reich (1550 bis 1070 v. Chr.) erreichte Ăgypten seine gröĂte Machtstellung. Es dehnte seinen Einflussbereich auf die Inseln Kreta, Zypern, und die Kykladen aus und erreichte die politische Kontrolle von Napata in Nubien bis zum Euphrat.
Amenophis IV. (Echnaton) (etwa 1397 bis 1380 v. Chr.) wĂ€hlte die von ihm neu erbaute Stadt Achet-Aton als Regierungssitz und fĂŒhrte die Verehrung Atons als einzigen Gott ein.
Unter Tutanchamun wurde der Atonkult wieder durch die Verehrung der traditionellen Götter ersetzt. Sein Grab enthielt die spektakulĂ€rsten Grabfunde Ăgyptens. Ramses II. bekĂ€mpfte erfolgreich die Hethiter. Doch unter der 19. Dynastie zerfiel um 1186 v. Chr. auch das neue Reich.
Assyrer und Perser sowie makedonische Griechen besetzten das Land. In der 25. Dynastie herrschen sogar die verachteten Nubier oder Kuschiter ĂŒber den Nilstaat. Alexander der GroĂe begrĂŒndete dann die griechische Herrschaft. Nach seinem Tode machte Ptolemaios I. Alexandria zur neuen Hauptstadt. Nach der Schlacht bei Actium, 31 v. Chr., wurde Aegyptus eine römische Provinz.
WĂ€hrend fĂŒr die Xia-Dynastie (〿) (um 2000 v. Chr.) nur archĂ€ologische Funde existieren, liegen fĂŒr die Shang-Dynastie (ćæ) (ca. 1570 bis 1066 v. Chr.) bereits Schriftzeugnisse (Handschriften auf Muschelschalen) vor. Bronze wurde verarbeitet, MĂŒnzen geprĂ€gt, WĂ€lle gebaut und es gab Pferde-Streitwagen.
FĂŒr die Zhou-Dynastie (ćšæ) (1045 bis 221 v. Chr.) liegen bereits viele zeitgenössische Dokumente vor. Anfangs gab es etwa 170 kleine Königreiche, die sich allerdings schon als ein Volk betrachteten. Durch Kriege, Heirat und Diplomatie schlossen sich die Königreiche immer weiter zusammen, so dass es zur Zeit der Streitenden Reiche nur noch sieben Königreiche gab. Es wurden schon Waffen aus Eisen benutzt und zur Zhou-Zeit war die BlĂŒtezeit der groĂen Philosophen Chinas (Konfuzius, Lao-Tse).
Das Reich der Qin war eines der sieben Königreiche am Ende der Zhou-Dynastie. Es verfĂŒgte ĂŒber eine effektive Verwaltung und eine Ă€uĂerst restriktive Gesetzgebung. König Zhao Zheng unterwarf die anderen Reiche und fĂŒhrte dadurch 221 v. Chr. die Reichseinigung herbei. Er lieĂ sich zum Kaiser krönen und nannte sich von da ab Qin Shihuangdi (âErster Gottkaiser von Qinâ). Ganz China erhielt das effektive Verwaltungssystem des Reiches Qin. AuĂerdem wurden MaĂe, Gewichte und Schrift standardisiert. Unter Qin Shihuangdi wurde zur Verteidigung gegen die NomadenstĂ€mme durch die Verbindung bereits bestehender Mauern der sieben Reiche die Chinesische Mauer geschaffen. Qin Shihuangdi wurde 210 v. Chr. mit der bekannten Terrakottaarmee als Grabbeigabe beigesetzt. Kurz nach seinem Tod kam es unter seinem Sohn zu BauernaufstĂ€nden, die in einem BĂŒrgerkrieg zur GrĂŒndung der Han-Dynastie fĂŒhrten.
Sie vergröĂerte das Reich und war auch wirtschaftlich so erfolgreich, dass man das chinesische Volk von da an auch als Han-Chinesen bezeichnete. Mit der Unterwerfung der Kleinstaaten entlang der SeidenstraĂe entstand eine indirekte Handelsbeziehung mit dem Römischen Reich. Gleichzeitig erreichte der Buddhismus auf diesem Weg China. Zur Staatsphilosophie erhoben die Han-Kaiser jedoch den Konfuzianismus.
Als 220 der letzte Han-Kaiser abgesetzt wurde, hatten sich drei Reiche gebildet, die durch den sehr populĂ€ren Roman Die Geschichte der Drei Reiche so bekannt geblieben sind wie Adam und Eva in der westlichen Welt. Sima Yan, ein Minister des Wei-Reiches, setzte den letzten Wei-Kaiser Cao Huan ab und begrĂŒndete 265 die Jin-Dynastie. Dieser gelang es, das Reich wieder zu einen, doch konnten die Xiongnu, Nomaden aus dem Norden, den westlichen Teil des Reiches zerstören. Im Osten wurde Nanjing die neue Hauptstadt.
Etwa in den Jahren 2800â1800 v. Chr. entwickelte sich im Nordwesten des indischen Subkontinents (heute Pakistan) die Indus-Kultur. Sie erstreckte sich ĂŒber ca. 1.250.000 kmÂČ und war damit flĂ€chenmĂ€Ăig gröĂer als das antike Ăgypten und Mesopotamien zusammen. Sie kannte bereits StĂ€dteplanung, Schrift und Architektur. Doch erst etwa zehn Prozent ihrer Siedlungen wurden ausgegraben, die Schrift ist noch nicht entschlĂŒsselt.[3]
Die vedische Kultur hatte ihre AnfĂ€nge etwa ab 1500 v. Chr. und wurde von den (vom Norden her) einwandernden Ariern wesentlich geprĂ€gt, als sie sich mit den einheimischen StĂ€mmen vermischten. Diese Wanderungsbewegungen gingen sehr langsam vonstatten. In der spĂ€tvedischen Zeit (etwa 900â600 v. Chr.) begann eine Phase der Urbanisierung und Reichsbildung und die mythologische Legitimation fĂŒr das Kastenwesen. An der Spitze der gesellschaftlichen Hierarchie standen die Brahmanen (Schriftgelehrte, Priester), gefolgt von den Kriegern Kshatriyas und den HĂ€ndlern, Handwerkern und Bauern Vaishyas. Am unteren Ende der Gesellschaft befanden sich die Angehörigen der ursprĂŒnglichen Bevölkerung, die als Diener Shudras lebten. Allerdings haben sich die Kasten in dieser Form in der vedischen Zeit noch nicht voll ausgeprĂ€gt.
Zum Ende der vedischen Zeit (6. und 5. Jh. v. Chr.) traten in Magadha zwei Religionsstifter auf. Mahavira begrĂŒndete den Jainismus, und Siddhartha Gautama lehrte als Buddha 45 Jahre lang den Buddhismus.
Kurz nach dem Eindringen von Alexander dem GroĂen (326 v. Chr.) legte Chandragupta Maurya um 321 v. Chr. die Grundlagen fĂŒr das erste indische GroĂreich, das Maurya-Reich. Unter König Ashoka (268â233 v. Chr.) reichte der Einfluss bis nach SĂŒdindien. Die zentrale Verwaltung mit ihrem Beamtenapparat umfasste jedoch nur das Kerngebiet des Reiches in der Gangesebene. Ashoka, der sich zum Buddhismus bekannte, begrĂŒndete u. a. mit der Eroberung Kalingas das erste GroĂreich auf indischem Boden und zugleich den ersten, auf friedfertiger Toleranz beruhenden sozialen Wohlfahrtsstaat der Antike. Ashoka hinterlieĂ zahlreiche Felsenedikte, weshalb diese geschichtliche Periode relativ gut dokumentiert ist. Das Reich zerfiel um 185 v. Chr. in zahlreiche Einzelstaaten (u. a. Shunga, Shatavahana, Shaka und das wiederaufgestiegene Kalinga).
Um 50 v. Chr. verdrĂ€ngten die iranischen Parther die Shakas, wurden ihrerseits aber von den Kushana (ursp. YĂŒe-tschi) geschlagen, die in Baktrien und Gandhara ein blĂŒhendes Reich errichten. Unter König Kanishka (1./2. Jahrhundert n. Chr.) erreichte es seine gröĂte Macht. Förderung und Entfaltung des Buddhismus (Kunstschulen von Mathura und Gandhara) gehören zu seinen kulturellen Leistungen.
In Nordindien herrschte von 330â550 n. Chr. die Dynastie der Gupta, wĂ€hrend im Dekkan das Vakatakareich eine herausragende Position einnahm. Im 5. Jahrhundert kam es zur Errichtung der buddhistischen UniversitĂ€t von Nalanda, die mit ĂŒber 10.000 Studenten und angeblich 9 Mio. BĂŒchern die gröĂte LehrstĂ€tte der antiken Welt war. Die Guptas förderten Buddhismus und Hinduismus. Im 5./6. Jahrhundert erfolgte der Niedergang des Gupta-Reiches bedingt durch Reichsteilung und HunneneinbrĂŒche. Letztere verwĂŒsteten Nordindien und beendeten die Zeit der blĂŒhenden Stadtkultur. (weiter zu Indien âŠ)
Am Ende der Archaischen Periode entstehen erste dauerhafte Siedlungen und Landwirtschaft im Mayagebiet. Erste den Maya zugerechnete archĂ€ologische Funde aus Cuello (Belize) werden auf etwa 2000 v. Chr. datiert. Von diesem Ursprungsort aus wird eine Aufspaltung und Bewegung nach Norden (Golf von Mexiko) angenommen. Etwa 1100 v. Chr. siedelten JĂ€ger im Bereich von CopĂĄn (Honduras) und Lamanai, das mit einer permanenten Besiedlungszeit von etwa 3000 Jahren zu den am lĂ€ngsten genutzten MayastĂ€dten gehört, wurde gegrĂŒndet. Etwa einhundert Jahre spĂ€ter wurde Cahal Pech besiedelt und blieb es bis ca. 700 n. Chr.
In der Mittleren Vorklassik (etwa 900â400 v. Chr.) kommt es zur durchgehenden Besiedlung im gesamten Mayagebiet und zur Entwicklung von Handel zwischen den StĂ€dten. Etwa im 7. Jahrhundert v. Chr. finden sich die ersten Siedlungsspuren im Gebiet von Tikal in Guatemala. Am Golf von Mexiko lassen sich etwa 500 v. Chr. erstmals Siedlungsbauten und steinerne Tempel nachweisen. Zu den ersten groĂen StĂ€dten der Maya gehören El Mirador mit der höchsten bekannten Maya-Pyramide (72 m) und Nakbe im heutigen Guatemala, von denen Letztere seine Glanzzeit zwischen 800 und 400 v. Chr. hatte.
Die klassische Maya-Zivilisation (ca. 300â900 n. Chr.) umfasste eine Reihe von Stadtstaaten, die jeweils einen eigenen Herrscher und ihm untergebene Verwalter hatte.
In Tikal findet sich die erste datierte Maya-Stele von 292 n. Chr. Im Jahr 562 kommt es zu einem groĂen Krieg zwischen Calakmul und Tikal. ChichĂ©n ItzĂĄ wurde um das Jahr 650 gegrĂŒndet.
Mit der Ausbreitung ĂŒber die ganze YucatĂĄn-Halbinsel erreichte die Hochkultur der Maya ihre BlĂŒtezeit, wĂ€hrend deren auch Uxmal und CobĂĄ gegrĂŒndet wurden. Weitere wichtige StĂ€dte waren Tikal, Calakmul, Bonampak und QuiriguĂĄ. Viele StĂ€dte waren durch DammstraĂen (Sakbe) miteinander verbunden. Die StĂ€dte hatten teilweise mehr als 10.000 Einwohner und waren damit gröĂer als die gröĂten StĂ€dte des damaligen Mitteleuropa.
Zu den Maya-Zentren der Klassik gehören unter anderen Bonampak, Calakmul, Caracol, Xunantunich, Lubaantun, Copån, Dos Pilas, Naranjo, Palenque, Piedras Negras, Tikal, Yaxchilån oder Yaxha.
Bereits im 9. Jahrhundert kam es dann zur Aufgabe einzelner Maya-Zentren im sĂŒdlichen Tiefland und in der Folgezeit zu einem rapiden Bevölkerungsverlust in der gesamten Zentralregion Yukatans. Zahlreiche StĂ€dte wurden verlassen, die BewĂ€sserungssysteme verfielen. Nach der Mitte des 10. Jahrhunderts wurden im gesamten Tiefland keine monumentalen Steinstelen mehr errichtet.[4]
Da seit der spĂ€ten Kreidezeit (ca. 70 Millionen Jahre) keine LandbrĂŒcke zu Asien bestand, muss die Besiedlung des Raumes von Australien und Ozeanien ĂŒber die See erfolgt sein. Bis auf Neuguinea und einige benachbarte melanesische Inseln blieb Ozeanien zunĂ€chst unbesiedelt. Die Besiedlung des australischen Festlandes wird gewöhnlich zwischen 60.000 und 32.000 v. Chr. angesetzt.[5] Jedenfalls erfolgte sie lange vor der Ăberflutung der Torres-StraĂe (ca. 6000 v. Chr.). Die Gesamtzahl der Ureinwohner Australiens (Aborigines) vor Ankunft der EuropĂ€er wird auf 300.000 bis 1 Million geschĂ€tzt. Vermutlich war sie relativ konstant. Schon frĂŒh entstanden die mĂŒndlich ĂŒberlieferten Traumzeit-Legenden, die von der Erschaffung Australiens berichten.[6] Daneben diente in der schriftlosen Kultur vor allem die Malerei als Mittel der Ăberlieferung.
In Ozeanien erfolgte ein Einwanderungsschub um 1500 v. Chr.
Eine Hochkultur mit Staatenbildung entwickelte sich in diesem Raum erst sehr spĂ€t. (weiter zu Australien âŠ)
Die Ă€lteste Hochkultur in Europa ist die minoische, deren BlĂŒtezeit etwa von 1700 bis 1400 v. Chr. dauerte. Es folgte die Mykenische Kultur, die bis etwa 100 v. Chr. von hohem Einfluss war und zum Teil mit der minoischen verschmolz. In Mitteleuropa begann die Eisenzeit etwa um 800 v. Chr., sie wurde von der Hallstatt- und der LatĂšne-Kultur bestimmt. Diese Kulturen werden Illyrern und Kelten zugeschrieben.
Die griechische Kultur kann als die erste spezifisch europĂ€ische verstanden werden, insofern sie sich als erste von asiatischen Kulturen abgrenzte.[7] In der archaischen Zeit (ca. 700â500 v. Chr.) kam es zur Entstehung der griechischen Polis[8] und zu ihrer Verbreitung ĂŒber den Mittelmeerraum durch die groĂe Kolonisation. Die GrĂŒnde fĂŒr die Kolonisation waren Ăberbevölkerung, das BedĂŒrfnis nach Sicherung der Handelswege und innere KĂ€mpfe in Griechenland, die zur Auswanderung der unterlegenen Parteien fĂŒhrten. Im 7. und 6. Jahrhundert v. Chr. erlebte die Regierungsform der Tyrannis eine BlĂŒte, so z. B. in Korinth, wo die Kypseliden um 660 v. Chr. an die Macht kamen. Um 550 v. Chr. grĂŒndete Sparta den Peloponnesischen Bund und zementierte damit seinen Herrschaftsanspruch.
Um 500 v. Chr. fĂŒhrte der Ionische Aufstand zum Konflikt Griechenlands mit dem persischen GroĂkönig Dareios I. ZunĂ€chst siegte Athen bei Marathon 490 v. Chr.
Zehn Jahre spĂ€ter kam es zu einem erneuten Feldzug unter FĂŒhrung von Dareios Sohn Xerxes I.
Nach der Schlacht an den Thermopylen kam es bei Salamis zur Entscheidungsschlacht. Die Griechen vernichteten die zahlenmĂ€Ăig ĂŒberlegene persische Flotte (480 v. Chr.), ein Jahr spĂ€ter auch das persische Landheer in der Schlacht von Plataiai. Athen grĂŒndete 478/477 v. Chr. den Attischen Seebund. Auf den Grundlagen der Reformen Solons und des Kleisthenes von Athen sowie der Seeherrschaft Athens in der ĂgĂ€is entstand Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. die entwickelte Attische Demokratie mit Perikles als leitendem Staatsmann.
Es war auĂerdem eine BlĂŒtezeit von Kunst, Literatur und Philosophie. So entstanden der Parthenon-Tempel und die Athena Parthenos von Phidias, die groĂen Tragödien von Aischylos, Sophokles und Euripides sowie die klassische griechische Philosophie von Sokrates, Platon und Aristoteles.
Der Peloponnesische Krieg zwischen Sparta und Athen um die Vorherrschaft in Griechenland endete nach wechselvollem Verlauf mit der Niederlage Athens 404 v. Chr. Sparta konnte aber seine Hegemonie in Griechenland nicht aufrechterhalten und unterlag 371 v. Chr. in der Schlacht von Leuktra vernichtend; es folgte die kurze Zeit der Hegemonie Thebens 371â362 v. Chr. Philipp II. von Makedonien machte sein Land zur fĂŒhrenden MilitĂ€rmacht in Griechenland. Er wurde 336 v. Chr. ermordet.
Philipps Sohn, Alexander der GroĂe, besiegte die persischen Armeen und stieĂ bis nach Indien vor. Es begann das Zeitalter des Hellenismus. Die griechische Kultur verbreitete sich bis nach Indien (siehe auch Diadochen). Das Ende des Hellenismus ergab sich 146 v. Chr. durch die Eingliederung Griechenlands in das Römische Reich.
Rom, ursprĂŒnglich ein Stadtstaat unter etruskischer Königsherrschaft, begann am Anfang des 4. Jahrhunderts v. Chr. mit einer gezielten Expansion in Mittelitalien (Eroberung von Veji 396 v. Chr.), musste dabei aber auch schwere RĂŒckschlĂ€ge verkraften. Hier gab es zunĂ€chst den Galliersturm von 387 v. Chr. und mehrere Niederlagen gegen italische VolksstĂ€mme. Es folgten die Samnitenkriege (1. 343 bis 341 v. Chr.; 2. 326 bis 304 v. Chr.; 3. 298 bis 290 v. Chr.) und der Latinerkrieg (ca. 340 bis 338 v. Chr.). Rom legte an strategisch wichtigen Orten Kolonien an und schloss BĂŒndnisse mit mehreren italischen StĂ€mmen, die jedoch nicht das römische BĂŒrgerrecht erhielten. Konkurrenten waren die Etrusker nördlich von Rom, die Kelten in der Poebene und die griechischen Kolonien in SĂŒditalien (Magna Graecia).
Nach und nach fiel die gesamte Halbinsel an Rom (auĂer Oberitalien, welches erst spĂ€ter annektiert wurde). Um 275 v. Chr. wurden die griechischen Stadtstaaten in SĂŒditalien erobert, nachdem es gelungen war, den Pyrrhus von Epiros abzuwehren. Mit dieser Expansion kam Rom allerdings in Konflikt mit der bisher Rom freundlich gesinnten Handelsrepublik Karthago (im heutigen Tunesien), was zu den Punischen Kriegen fĂŒhrte.
Im Ersten Punischen Krieg (264 bis 241 v. Chr.) eroberte Rom Sizilien, spÀter auch Sardinien und Korsika. Daraufhin errichtete die karthagische Familie der Barkiden in Hispanien eine Art Kolonialreich.
Im Zweiten Punischen Krieg (218 bis 201 v. Chr.) marschierte der karthagische Feldherr Hannibal nach der römischen KriegserklĂ€rung ĂŒberraschend ĂŒber die Alpen und vernichtete mehrere römische Armeen. Die Cannae (216 v. Chr.) war die schwerste Niederlage der römischen Geschichte, doch trotz seiner Siege konnte Hannibal Rom nicht erobern. Der römische Feldherr Scipio setzte 204 v. Chr. nach Afrika ĂŒber und besiegte Hannibal 202 v. Chr. bei Zama. Karthago verlor alle auĂerafrikanischen Besitzungen und seine Flotte.
Ab 200 v. Chr. mischte sich Rom in die Politik der hellenistischen GroĂreiche ein. Rom kĂ€mpfte 200â197 v. Chr. in Griechenland gegen Philipp V. und im Römisch-Syrischen Krieg (192â188 v. Chr.) gegen das hellenistische Seleukidenreich unter Antiochos III. So wurde es auch zur Vormacht im östlichen Mittelmeerraum. 146 v. Chr. wurden Griechenland und nach dem Dritten Punischen Krieg (150â146 v. Chr.) Karthago römische Provinz. SchlieĂlich war 63 v. Chr. nur noch Ăgypten der PtolemĂ€er unabhĂ€ngig, wurde aber zu einem römischen Protektorat. An der Grenze des Partherreiches fand die römische Expansion aber ihr Ende.
Die Republik geriet seit der Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. in eine innenpolitische Krise, die in die Epoche der BĂŒrgerkriege mĂŒndete und mit dem Untergang der bisherigen Staatsform endete. Die BrĂŒder Tiberius Sempronius Gracchus und Gaius Sempronius Gracchus hatten mit der Grachischen Reform die Benachteiligung der Bauern aufheben wollen, scheiterten aber dabei.
Stattdessen unternahm Marius eine Heeresreform, die den Feldherren mehr Macht gab. Dabei setzte sich Gaius Iulius Caesar, der im Gallischen Krieg ein ihm ergebenes Heer aufgebaut hatte, gegen Gnaeus Pompeius Magnus durch (Pharsalos). Im Februar 45 v. Chr. wurde er zum Diktator auf Lebenszeit erhoben, doch an den Iden des MÀrz um 44 v. Chr. durch eine Verschwörergruppe unter Brutus und Cassius ermordet.
In dem BĂŒrgerkrieg, der nun ausbrach, setzte sich Augustus gegen die Verschwörer und danach gegen seinen Rivalen Marcus Antonius durch.
Anders als CĂ€sar respektierte Augustus nach auĂen hin die Macht des senatorischen Adels und konnte so eine indirekte Art der Herrschaft begrĂŒnden, das Prinzipat. Schon bald aber hatte er so viel Macht, dass er seine Position an den von ihm ausgewĂ€hlten Nachfolger Tiberius vererben konnte. Trotz groĂer SchwĂ€chen seiner Nachfolger (CĂ€sarenwahn, Nero) blieb diese Herrschaftsform erhalten und fĂŒhrte unter den Kaisern Trajan und Hadrian zu einer Glanzzeit des Reiches.
Beginnenden Krisenerscheinungen begegnete Caracalla, indem er das römische BĂŒrgerrecht an alle freien Untertanen verlieh (Constitutio Antoniniana). Doch kam es unter seinen Nachfolgern zur Reichskrise, in der nur noch militĂ€risch legitimierte Soldatenkaiser dem Ansturm der Germanen an Rhein und Donau (besonders der Alamannen und der Goten) und der neupersischen Sassaniden standhielten (Römisch-Persische Kriege). Dabei kam es zeitweise zur Abspaltung einzelner Provinzen (Gallisches Sonderreich), die aber unter Aurelian wieder rĂŒckgĂ€ngig gemacht werden konnten.
Mit Diokletian vollzog sich 284 der Ăbergang in die SpĂ€tantike, die von einer â im Gegensatz zur vorherigen Zeit â stĂ€rkeren Zentralisierung und BĂŒrokratisierung sowie dem spĂ€teren Sieg des Christentums geprĂ€gt war. Diokletian reformierte die Verwaltung und schuf die Tetrarchie, wo es zwei Senior-Kaiser (Augusti) mit jeweils einem Junior-Kaiser (Caesar) gab. Denn ein Kaiser allein konnte das Imperium wegen des Drucks auf die Grenzen nicht regieren, wenn er zu stark in FeldzĂŒgen engagiert war.
Die Idee der Teilung des Herrschaftsraumes war nicht völlig neu, doch wurde sie nun konsequenter umgesetzt. Allerdings wurde der Gedanke der Reichseinheit nicht aufgegeben. Rom blieb der ideelle Mittelpunkt des Reiches, auch wenn die Kaiser ihre Residenzen nun in die NÀhe der Grenzen, so etwa nach Trier, verlegten.
Konstantin der GroĂe verlegte die Hauptstadt dann nach Konstantinopel und bevorzugte das Christentum (konstantinische Wende). 361 kam es unter seinem Neffen Julian zu einer kurzen Wiederbelebung des Heidentums. Doch war sie nicht von Dauer, weil Julian schon 363 bei einem Persienfeldzug ums Leben kam.
Unter Valentinian I. wurde das Reich aus VerwaltungsgrĂŒnden vorlĂ€ufig und nach dem Tod Kaiser Theodosiusâ I. endgĂŒltig geteilt. Doch galten die Gesetze des einen Kaisers normalerweise auch im Machtbereich des jeweils anderen. In seine Zeit fĂ€llt auch die EinfĂŒhrung des Christentums als Staatsreligion.
Der spĂ€tere Prophet Mohammed wurde um 570 in Mekka geboren. Im Alter von vierzig Jahren hatte er Visionen, die er als Wort Gottes (Allahs) verkĂŒndete; diese bildeten spĂ€ter den Koran. Im September 622 zog er mit seinen AnhĂ€ngern von Mekka nach Yathrib (Medina). Die Hedschra stellt den Beginn der islamischen Zeitrechnung dar. In Medina formte sich der Islam gesellschaftlich aus. Er nahm immer stĂ€rker Bezug auf konkrete Regelungen des Lebens und der Organisation der islamischen Gemeinschaft. Noch zu Mohammeds Lebzeiten weitete sich der Einfluss des Islams auf die ganze arabische Halbinsel aus.
Als Mohammed am 8. Juni 632 in Medina starb, hinterlieĂ er keinen mĂ€nnlichen Erben. Seine Nachfolger, die âRechtgeleitete Kalifenâ, Abdallah Abu Bakr, Umar ibn al-Chattab, Uthman ibn Affan, Ali ibn Abi Talib (632â661) weiteten das Reich aus.
Die Umayyaden stieĂen dann sogar bis Spanien vor (Al-Andalus). Die unter den Abbasiden (749â1258) entwickelte Hochkultur in den arabisch beherrschten Gebieten wird als BlĂŒtezeit des Islam bezeichnet.
Ein Zentrum fĂŒr Kunst, Kultur, Wissenschaft und Forschung wurde unter anderem Bagdad, das um 800 mehr als 100.000 Einwohner hatte. Der oft angestellte Vergleich mit Orten in Nordwesteuropa, zum Beispiel der Pfalz Karls des GroĂen in Aachen, die zu dieser Zeit nur wenige hundert Seelen umfasste, ist beeindruckend, aber nicht wirklich zulĂ€ssig, denn die eigentlichen kulturellen Zentren und Kontrahenten Bagdads in der damals bekannten Welt waren Xi'an im Osten und Konstantinopel im Nordwesten. Gegen die Hauptstadt der Tang-Dynastie mit 1â2 Millionen und die des Byzantinischen Reiches mit 500.000 bis einer Million Einwohnern nahm sich Bagdad vergleichsweise bescheiden aus. Ebenfalls zu einem Zentrum des Wissens und der Literatur entwickelte sich die ostpersische Provinz Chorasan. Sie bildete spĂ€ter den Kern der Iranischen Renaissance.
Auch das von den Mauren beherrschte Al-Andalus, insbesondere das Emirat von CĂłrdoba/Kalifat von CĂłrdoba und das spĂ€tere Emirat von Granada, im SĂŒden der Iberischen Halbinsel erreichten im Mittelalter eine BlĂŒte an Kultur und Wissenschaft.
Das Byzantinische Reich widerstand lange dem islamischen Ansturm â teils mit UnterstĂŒtzung europĂ€ischer Ritter in den KreuzzĂŒgen[9]- brach dann aber mit der Eroberung Konstantinopels 1453 zusammen.
Nach der Jin-Dynastie ging die politische Einheit wieder verloren, doch der Buddhismus erlebte eine BlĂŒtezeit. Unter den Sui wurde der Kaiserkanal angefangen und 606 das PrĂŒfungssystem fĂŒr Beamte eingefĂŒhrt. Die darauf folgende Tang-Dynastie bedeutete nach den Han einen zweiten Höhepunkt der chinesischen Geschichte.[10] Unter ihnen wurde Chang'an zur gröĂten Stadt der Welt. AuĂerdem gab es in vielen Bereichen einen kulturellen Höhepunkt: Dichtkunst (Li Bai, Du Fu), Malerei, Musik (Pipa), keramische Produktion erreichten ein hohes Niveau, auf technischem Gebiet entwickelte sich der Buchdruck, und die Herstellung von SchieĂpulver gelang. AuĂerdem sind folgende Entdeckungen und Erfindungen zu nennen: die Entdeckung von Diabetes mellitus um 640, die Erfindung des Hartporzellans 700, der Streichhölzer 577 und nicht zuletzt auch die Zeitung.
Zwischen 606 und 647 regierte Harshavardhana in Nordindien. Er gilt als einer der letzten groĂen Förderer des Buddhismus, seine Zeit markiert den Ăbergang zum indischen Mittelalter. Sein Versuch zur Unterwerfung Zentralindiens scheiterte aber: hier wechselten sich die Chalukya- und Pallava-Könige ab.
Vom 8. bis zum 10. Jahrhundert teilten sich die Rashtrakuta in Zentralindien (um 752â973), die Pala in Bengalen (um 750â1161) und die Pratihara (um 730â1036) im Nordosten Indiens die Macht. Die Pratihara-Könige sind die VorgĂ€nger der Rajputen-FĂŒrsten, und ĂŒbernahmen wie diese auch die Verteidigung gegen die muslimischen Eindringlinge (wie z. B. Mahmud von Ghazni).
Die Macht der Könige basierte auf den Vasallen, die Zentralverwaltungen waren schwach. Nicht nur Vasallenkönige, sondern auch Provinzgouverneure hatten ein eigenes Heer. Da ihr Amt oft weitervererbt wurde, entstanden aus ihnen neue Dynastien.
Im 10. und 11. Jahrhundert nahmen Landschenkungen an Brahmanen zu, da die Könige damit eine SchwĂ€chung der Provinzgouverneure und einen starken RĂŒckhalt fĂŒr sich selbst anstrebten. Der Buddhismus wurde zurĂŒckgedrĂ€ngt. Teile seiner Lehren und Ausdrucksformen wurden in den Hinduismus integriert.
Vom 9. bis zum 13. Jahrhundert beherrschte das Chola-Reich groĂe Teile SĂŒdindiens. Seine wichtigsten Rivalen waren die Chalukya (ca. 550â750 und 973â1190) und Pallava (250/575â897). Im Norden begann zur BlĂŒtezeit der Chola im 11. Jahrhundert die Invasion der Moslems unter Mahmud von Ghazna, welche die Rajputen-Könige besiegten und bis Kannauj vordrangen. (weiter zu Indien âŠ)
Das Zeitalter des Feudalismus dauerte in Japan von 1185 bis etwa 1600.
In der Kamakura-Zeit von 1185 bis 1333 spielte der Konflikt zwischen den Familien Taira und Minamoto eine zentrale Rolle. Er ist als Gempei-Krieg in Japans Literatur eingegangen. Minamoto no Yoritomo errichtete in Kamakura das erste Shogunat. Seine Regierung (Bakufu) war ganz militĂ€risch ausgerichtet. Unter den HĆjĆ unternahmen die Mongolen 1274 und 1279 zwei erfolglose Invasionen. Doch die Abwehr kostete einen hohen Aufwand, ohne dass Land zur Belohnung der Krieger erobert worden wĂ€re. In der folgenden Muromachi-Zeit (1333â1568) kam es unter Ashikaga Yoshimitsu zu einer kurzen Hochphase, doch bald darauf zerfiel das ShĆgunat im Ćnin-Krieg (1467â1477). (weiter zu Japan âŠ)
Das Reich der Mongolen entstand bereits um 1130 unter Kabul Khan geeint, nach einem Zusammenbruch stieg es erst unter der FĂŒhrung Dschingis Khans (1155/1162â1227) zum gröĂten Landreich der Geschichte (29.000.500 kmÂČ und ĂŒber 100 Millionen Untertanen) auf.
Auf dem Höhepunkt gehörten die gröĂten Teile des Kaiserreiches China, Koreas, Khorassans (heute zu Afghanistan und Iran), Georgiens, Armeniens, Russlands, Ungarns, Persiens und die dazwischen liegenden LĂ€nder dazu. Dabei hatte Dschingis Khan ursprĂŒnglich nicht die Absicht, ein Weltreich zu errichten.[11]
In der Zeit von 500 bis 1500 wurde die politische und kulturelle Dominanz des griechisch-römisch geprĂ€gten Mittelmeerraums abgelöst durch eine neue, fast ganz Europa umfassende Welt christlicher Feudalstaaten romanischer, germanischer, slawischer und keltischer Völkerschaften. GrundzĂŒge des europĂ€ischen Mittelalters waren eine nach StĂ€nden geordnete Gesellschaft, eine glĂ€ubig christliche Geisteshaltung in Literatur, Kunst und Wissenschaft und Latein als gemeinsame Kultur- und Bildungssprache. Daneben waren die Idee der Einheit der christlichen Kirche (die aber faktisch nach dem groĂen Schisma mit der Ostkirche nicht mehr bestand) sowie ein recht einheitliches Weltbild kennzeichnend fĂŒr diese Epoche. Die vorherrschende Gesellschafts- und Wirtschaftsform des Mittelalters war der Feudalismus. Vieles vom alten Wissen der antiken Hochkulturen ging in der Folgezeit im Westen verloren, der Handel verkĂŒmmerte teilweise und die Menschen kehrten zu lĂ€ndlichen Gemeinschaften zurĂŒck.
Nach der Krönung Karls des GroĂen durch Papst Leo III. zum römischen Kaiser im Jahre 800 wurde die neue Hauptresidenz des Kaisers Aachen zu einem Zentrum der Kunst und der Wissenschaften und gab damit den AnstoĂ zur karolingischen Renaissance, der Neubelebung der Kultur unter RĂŒckbesinnung auf die Antike. Karl eroberte groĂe Teile von Italien und anderen umliegenden LĂ€ndern und vergröĂerte damit sein Reich. Er bekam dabei Hilfe durch den Papst, der nicht lĂ€nger auf den Schutz des Byzantinischen Reiches vertrauen konnte. Auf diese Art wurde der Papst zunĂ€chst ein Lehnsmann des Kaisers, der Rom vor der Gefahr von Langobarden und Sarazenen schĂŒtzte, spĂ€ter aber wurden die GĂŒter des Papstes zum unabhĂ€ngigen Kirchenstaat in Mittelitalien. Die Aufteilungen des Reiches unter seinen Nachkommen fĂŒhrte nach langwierigen Erbfolgekonflikten 962 zur GrĂŒndung des Heiligen Römischen Reiches durch Otto I., und zur GrĂŒndung des WestfrĂ€nkischen Reiches.
Die normannische Eroberung Englands und SĂŒditaliens waren Meilensteine in der europĂ€ischen Geschichte.
Ein weiteres Anzeichen der Wiedergeburt einer westeuropĂ€ischen Zivilisation nach der karolingischen Renaissance kann im 11. Jahrhundert beobachtet werden, als die ersten UniversitĂ€ten in Italien gegrĂŒndet wurden und der Handel bedeutender wurde, wodurch wirtschaftliches und kulturelles Wachstum der unabhĂ€ngigen Stadtstaaten wie Venedig und Florenz begannen. Gleichzeitig formten sich neben dem Heiligen Römischen Reich, Frankreich und dem Kirchenstaat Königreiche wie England, Spanien (siehe Reconquista), Königreich Ungarn, Königreich Polen und die Kiewer Rus. Im Gegensatz dazu blieben Deutschland und Italien noch in eine Vielzahl kleiner Feudalstaaten und unabhĂ€ngiger StĂ€dte zersplittert, die dem Kaiser nur formell unterstanden.
Eine der gröĂten Katastrophen, die Europa heimgesucht haben, war die Pest. Es gab eine Reihe von Epidemien, aber die schwerste von allen war der âSchwarze Todâ von 1346 bis 1352, die vermutlich ein Drittel der Bevölkerung Europas dahinraffte.
Das Ende des Mittelalters wird normalerweise mit dem Fall von Konstantinopel 1453 und der endgĂŒltigen Eroberung des Byzantinischen Reichs durch die Osmanen verbunden. Die Osmanen machten Konstantinopel zur neuen Hauptstadt des Osmanischen Reichs, das bis 1919 Bestand hatte und in seiner gröĂten Ausdehnung den Nahen Osten, Nordafrika, die Krim, den Kaukasus und den Balkan umfasste.
Ab dem 14. Jahrhundert, verstĂ€rkt aber nach dem Fall Konstantinopels, als viele griechische Wissenschaftler nach Italien kamen, begann man sich wieder fĂŒr die Ăberlieferung aus der Antike zu interessieren. Wissenschaftler wie Gianfrancesco Poggio Bracciolini oder Niccolo Niccoli durchsuchten die Bibliotheken nach Werken klassischer Autoren wie Platon, Cicero und Vitruv.[12] AuĂerdem fanden wĂ€hrend der Reconquista auf der Iberischen Halbinsel die christlichen Eroberer viele Werke griechischer und arabischer Autoren, die antike Vorstellungen ĂŒberliefert hatten.[13] Die Werke von KĂŒnstlern wie Leonardo da Vinci, Michelangelo und Raffael waren weltzugewandter als die religiöse Kunst des Mittelalters und fĂŒhrten perspektivische Malerei und PortrĂ€tkunst auf einen neuen Höhepunkt. Die Naturwissenschaften erlebten einen Aufschwung (Galileo Galilei, Francis Bacon). Johannes Gutenberg erfand den Druck mit beweglichen Lettern und in der Literatur wurden von Dante Alighieri und William Shakespeare unĂŒbertreffliche Werke der Weltliteratur geschaffen.
WĂ€hrend der Postklassik bildete eine Zeit lang die Liga von MayapĂĄn ein Machtzentrum auf der Halbinsel YucatĂĄn, doch verlagerte sich der Machtschwerpunkt allmĂ€hlich in Richtung Zentralmexiko. Dort herrschten vom 11. bis zum 13. Jahrhundert die Tolteken; danach zerfiel ihr Reich unter dem Ansturm einiger StĂ€mme aus dem Norden Mexikos. Ab dem frĂŒhen 14. Jahrhundert bis zur Eroberung durch die Spanier entwickelte sich dann das Reich der Azteken. Kulturelle Mittelpunkte waren in dieser Zeit CobĂĄ, ChichĂ©n ItzĂĄ, Ek Balam, MayapĂĄn, TulĂșm und Uxmal.
Die Azteken kamen wohl zwischen 1320 und 1350 nach im Gebiet von TenochtitlĂĄn, das heutige Mexiko.[14] Nach anfĂ€nglicher AbhĂ€ngigkeit von den Tepaneken gelang es dem aztekischen Dreibund sich im Tal von Mexiko und darĂŒber hinaus durchzusetzen.[15]
Moctezuma I. fĂŒhrte[16] so genannte Blumenkriege zur Beschaffung von Sklaven ein, die als Menschenopfer zur BesĂ€nftigung der Götter dienen sollten.[17] Unter AuĂtzotl dehnte sich das Herrschaftsgebiet der Azteken auf seinen gröĂten Stand aus. Dass es HernĂĄn CortĂ©s 1519 rasch gelang, Mexiko zu erobern, erklĂ€rt sich aus der auĂenpolitischen Isolation der Azteken und der passiven Haltung Moctezumas II. Doch dass CortĂ©s sich trotz eines erfolgreichen Aufstandes der Azteken von 1520 endgĂŒltig durchsetzen konnte, erklĂ€rt sich wohl nur durch eine Pockenepidemie in der Hauptstadt TenochtitlĂĄn.
1535 wurde das Vizekönigreich Neuspanien errichtet und die einheimische Bevölkerung weitgehend christianisiert.[18] Doch die alte Sprache Nahuatl hat sich bis heute bei den Nahua erhalten (vgl. die Wikipedia in NÄhuatl).
Historisch[19] lassen sich fĂŒnf Herrscher der Inka fassen. PachacĂștecs (1438â1471) herrschte in seiner Hauptstadt Cuzco vom Titicacasee bis nach JunĂn, Arequipa und zur KĂŒste. TĂșpac Yupanqui erreichte die gröĂte Ausdehnung des Reiches (bis Quito im heutigen Ecuador und Santiago im heutigen Chile). Nach seinem Tod kam es zum BĂŒrgerkrieg, bei dem sich Huayna CĂĄpac durchsetzte.[20] Er verlegte seinen Hauptsitz nach Tomibamba, (Cuenca (Ecuador)),[21][22][23] wo er insgesamt ĂŒber 200 Söhne und Töchter zeugte, und errichtete Höhenfestungen mit steinernen SchutzwĂ€llen.[24] In seinen letzten Jahren erreichte ihn noch die Meldung von bĂ€rtigen, weiĂen MĂ€nnern an Bord von Schiffen.[22]
Nach seinem Tod kam es zwischen seinen Söhnen Atahualpa (in der nördlichen Region[25] mit der Hauptstadt Cajamarca) und HuĂĄscar (im SĂŒden mit der Hauptstadt Cuzco) zum BĂŒrgerkrieg. HuĂĄscar wurde geschlagen und die Leichen seiner engsten Verwandten an PfĂ€hlen auf den StraĂen zur Schau gestellt.[26]
Aus Berichten von Herodot geht hervor, dass es schon in der Antike Verbindungen zwischen Nord- und Schwarzafrika gab. Diese wurden seit dem 5. Jahrhundert nach Chr. wegen des Reiches von Ghana ausgebaut.[27] Ăber die BornustraĂe zwischen dem Tschadsee und Tripolis wurden Pferde, Stoffe und Waffen in den SĂŒden geliefert. Dort waren Sklaven das Hauptexportprodukt. Von diesem Handel profitierte das Reich von Kanem-Bornu. Ab 1450 stieg im Songhaireich Timbuktu am Niger zum bedeutendsten Handelszentrum in der Sahelzone auf.
Im 15. Jahrhundert waren in Europa mĂ€chtige Nationalstaaten, wie Frankreich, England und Polen-Litauen, entstanden. Die Kirche dagegen hatte durch Korruption, innere Meinungsverschiedenheiten und die sĂ€kularisierenden EinflĂŒsse der Renaissance viel von ihrer Macht verloren.
Die neuen Staaten trieben die Erforschung und Eroberung groĂer Teile der Welt voran, besonders im neu entdeckten Amerika. Im frĂŒhen 16. Jahrhundert waren Spanien und Portugal, die bei der Erforschung fĂŒhrend waren, die ersten Staaten, die Kolonien in SĂŒdamerika (vgl. Konquistadoren) sowie Handelsposten an den KĂŒsten Afrikas und Asiens grĂŒndeten, aber Frankreich, England und die Niederlande taten es ihnen bald nach.
Spanien hatte die Kontrolle ĂŒber groĂe Teile SĂŒdamerikas und die Philippinen, GroĂbritannien hatte ganz Australien, Neuseeland, Indien und groĂe Teile von Afrika und Nordamerika, Frankreich hatte Kanada und Teile von Indien (beide verlor es 1763 an GroĂbritannien), Teile SĂŒdostasiens (Französisch-Indochina) und groĂe Teile Afrikas unter Kontrolle. Die Niederlande bekamen Indonesien und einige Inseln in der Karibik, Portugal gehörten Brasilien und mehrere Gebiete in Afrika und Asien.[28] SpĂ€ter erwarben auch andere MĂ€chte wie Russland, Deutschland, Belgien, Italien, auĂerhalb Europas die USA und Japan einige Kolonien.
Der amerikanische UnabhĂ€ngigkeitskrieg, der 1776 zur UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung der Vereinigten Staaten fĂŒhrte, sowie die UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rungen der sĂŒdamerikanischen Staaten setzten der europĂ€ischen Kolonialisierung Grenzen.
Mit Martin Luthers Verbreitung der Thesen zum Ablass 1517 gewannen reformatorische Tendenzen allgemein europĂ€ischen Einfluss. Dieser Bruch zwischen dem Katholizismus und dem Protestantismus fĂŒhrte ĂŒberall in Europa zu religiös-politischen Auseinandersetzungen, die in Frankreich in den Hugenottenkriegen, in England mit BegrĂŒndung der anglikanischen Kirche durch Heinrich VIII. eine weitgehende konfessionelle Einheit des Staates zum Ergebnis hatten, in Deutschland aber ĂŒber den DreiĂigjĂ€hrigen Krieg die zentrale AutoritĂ€t entscheidend schwĂ€chten und mit der SouverĂ€nitĂ€t der Landesherren endeten.
In den sich herausbildenden Nationalstaaten und den Territorien des Heiligen Römischen Reiches bildete sich der Absolutismus heraus, der in Frankreich unter der Herrschaft Ludwigs XIV. seine deutlichste AusprĂ€gung erfuhr. Eine Anpassung des Absolutismus an Ideen der AufklĂ€rung wurde im aufgeklĂ€rten Absolutismus versucht. (vgl. Friedrich II. von PreuĂen, Joseph II. von Ăsterreich und Katharina II. von Russland)
Im Kampf um das Recht auf religiöse Selbstbestimmung (vgl. Religionsfreiheit) wie etwa im Freiheitskampf der Niederlande gegen den katholischen König Philipp II. von Spanien bildete sich die Vorstellung vom Widerstandsrecht heraus, das man mit Naturrecht zu begrĂŒnden suchte. Die Vorstellung vom Naturrecht war auch die Basis fĂŒr das im Zeitalter der AufklĂ€rung entwickelte Konzept der Menschenrechte[29], das zur Rechtfertigung von Glorious Revolution (1689), UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung der Vereinigten Staaten (1776) und Französischer Revolution (1789) diente.
Allgemein ist seit Mitte des 18. Jahrhunderts eine starke Zunahme von Erfindungen festzustellen[30]; diese waren insbesondere bei der neuartigen Nutzung nicht-menschlicher Energie und im Textilgewerbe auszumachen. Die Zahl der gĂŒltigen Patente wuchs in England von 102 im Jahr 1750 auf 6155 im Jahr 1850.
Die Textilindustrie ist die SchlĂŒsselindustrie der Industriellen Revolution[31] in England. Der britische Historiker Eric Hobsbawm sagte: âWer Industrielle Revolution sagt, meint Baumwolle.â[32] Technische Erfindungen wie die Spinning Jenny und der mechanische Webstuhl erlaubten ihre maschinelle Verarbeitung und schufen die Grundlage fĂŒr das entstehende Fabriksystem, eine auf innerbetrieblicher Arbeitsteilung und Maschinennutzung beruhende neue Produktionsform (Industriekapitalismus). Die Textilindustrie gab AnstoĂ zur Entstehung und Entwicklung weiterer Industriezweige.
Mit nachhaltigen Folgen verbesserte James Watt 1769 die von Thomas Newcomen erfundene Dampfmaschine, deren EffektivitĂ€t die neuen industriellen Unternehmer zu nutzen verstanden. Ihre EinfĂŒhrung und Verbreitung fĂŒhrte zu einer noch stĂ€rkeren Intensivierung der Industrieproduktion. So wurde zum Beispiel die Textilindustrie von den vorher heimischen KleinproduktionsstĂ€tten in groĂe Fabriken umgelagert, wo dampfgetriebene Spinnmaschinen und WebstĂŒhle schnell und produktiv die auf dem europĂ€ischen Kontinent begehrten Stoffe herstellten.
Als Folge mechanisierter Produktion stieg die Nachfrage nach Brennstoffen, wodurch Kohleabbau lukrativ und durch weitere Erfindungen immer produktiver wurde. Weiterhin wichtige technische Grundlage war die Erfindung des Kokshochofens zur EisenverhĂŒttung durch Abraham Darby. Mit RĂ€dern versehen und auf Schienen gestellt, wurde die Dampfmaschine als Eisenbahn (Robert Stephensonsâ âRocketâ) erfunden, die eine enorme ProduktivitĂ€tssteigerung im Transportwesen ermöglichte. Durch fortschreitende Spezialisierung[33] trieb die Industrialisierung im Kontext der kapitalistischen Kommerzialisierung in einem bis heute anhaltenden Prozess immer neue Gewerbe hervor.
Die Industrielle Revolution brachte im Lauf des 19. Jahrhunderts tief greifende wirtschaftliche und soziale VerĂ€nderungen mit sich. Diese fĂŒhrten in Europa nach amerikanischem Vorbild in Frankreich zur ersten bĂŒrgerlichen Revolution, der Französischen Revolution. Die Ideen der Menschenrechte wurden auch im ĂŒbrigen Europa aufgegriffen. In den Revolutionskriegen, insbesondere durch Napoleon und im Zusammenhang mit Widerstand und Befreiungskriegen gegen die napoleonische Herrschaft, wurden dann weitere Errungenschaften der französischen Revolution im kontinentalen Europa verbreitet. Als die Monarchen in der Restaurationszeit diese Entwicklungen zurĂŒckzudrĂ€ngen versuchten, kam es ab 1830 von Frankreich ausgehend zu einer Reihe von Revolutionen (Julirevolution 1830, Februarrevolution 1848, MĂ€rzrevolution 1848/1849).
Auch wenn die RevolutionĂ€re oft besiegt wurden, waren um 1860 die meisten Staaten nicht mehr absolutistisch, sondern hatten eine Verfassung erhalten. Nach dem Scheitern der demokratisch und liberal gesinnten Revolutionen und UnabhĂ€ngigkeitsbewegungen in den italienischen FĂŒrstentĂŒmern wurde der italienische Nationalstaat von oben als Königreich Italien unter sardinischer FĂŒhrung nach mehreren Kriegen vor allem gegen Ăsterreich durchgesetzt (siehe auch Risorgimento). 1861 wurde der sardinische König Viktor Emanuel II. zum italienischen König proklamiert. Sein MinisterprĂ€sident Camillo Benso Graf von Cavour spielte fĂŒr Sardinien und Italien eine Ă€hnliche Rolle wie Bismarck fĂŒr PreuĂen und das Deutsche Reich. Deutschland wurde 1871 nach den drei deutschen Einigungskriegen (1864 Deutsch-DĂ€nischer Krieg, 1866 Deutscher Krieg gegen Ăsterreich und 1870/1871 Deutsch-Französischer Krieg) im Schloss Versailles zum deutschen Kaiserreich unter Kaiser Wilhelm I. ausgerufen. Dessen Politik wurde bis 1890 wesentlich von Reichskanzler Otto von Bismarck bestimmt. In Frankreich kam es nach dem Sturz von Kaiser NapolĂ©on III. in Folge der französischen Niederlage im Krieg gegen PreuĂen und den Norddeutschen Bund zur Ausrufung der 3. französischen Republik.
WÀhrend in den Revolutionen ab 1830 Handwerker und Arbeiter zwar mitgekÀmpft, aber die Ziele nur unwesentlich mitbestimmt hatten, kam es 1871 im besetzten Frankreich zur ersten Erhebung, in der Arbeiter sozialistische, marxistische (von Karl Marx im Kommunistischen Manifest 1848 formulierte Vorstellungen) und anarchistische Ideen kurzfristig verwirklichen konnten, zur Pariser Kommune.
Die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts wurden durch eine zunehmende wirtschaftliche und machtpolitische Konkurrenz der GroĂmĂ€chte Zentraleuropas, insbesondere des Deutschen Reiches, Frankreichs und Englands bestimmt. Diese Konkurrenz fĂŒhrte unter anderem zu einer verstĂ€rkten Militarisierung der jeweiligen Gesellschaften, einem RĂŒstungswettlauf, dem Kampf um Kolonien vor allem in Afrika und Asien (Imperialismus) und zu einer Ăberhöhung des Nationalismus. Diese Entwicklungen fĂŒhrten langfristig, insbesondere nach der Auflösung des Bismarckschen BĂŒndnissystems, das bis 1890 fĂŒr eine gewisse zwischenstaatliche StabilitĂ€t gesorgt hatte, unter Kaiser Wilhelm II. zum Ersten Weltkrieg.
Die Verbreitung von SchieĂpulver und damit Musketieren und Kanonen Ende des fĂŒnfzehnten Jahrhunderts fĂŒhrte zur Entstehung der drei groĂen islamischen Reiche der Osmanen, Safawiden und GroĂmoguln. In dieser Zeit setzten sich in China die Ming durch. Alle diese Reiche litten unter der Kleinen Eiszeit im 17. Jahrhundert und sahen sich mit eindringenden EuropĂ€ern konfrontiert.
Mit dem Regierungsantritt Mehmets II. 1451 wandelte sich das seit dem 14. Jahrhundert in Anatolien und auf dem Balkan expandierende Osmanische Emirat zum Osmanischen Reich. 1453 wurde Konstantinopel erobert und darauf zur Hauptstadt des neuen Imperiums. Dieses drang bis Mitte des 16. Jahrhunderts nach Persien, Ăgypten und bis nach Wien vor (Belagerung von 1529). Die StĂ€rke des Reiches beruhte auf den an Soldaten ausgegebenen PfrĂŒnden (Timar-System) und den nur dem Sultan unterstellten Elitetruppen der Janitscharen. Als die Expansion endete, kam es zu einer Landknappheit, die das Timar-System schwĂ€chte. So stĂŒrzten die teuren Kriege das Reich in eine innere Krise. Ab Mitte des 17. Jahrhunderts fĂŒhrten fĂ€hige GroĂwesire Reformen durch, die den Osmanen eine zweite Phase versuchter Expansion gegen Habsburger, Perser und Russen ermöglichten. Doch im 18. Jahrhundert wurde das Reich endgĂŒltig auĂenpolitisch defensiv (Tulpenzeit).
1501 grĂŒndete Shah Ismail I. im persischen Reich die Safawiden-Dynastie. Sie erlebte um 1600 eine BlĂŒtezeit. Ein stehendes Heer mit Feldartillerie ermöglichte RĂŒckeroberungen von Gebieten der Osmanen. Die Safawiden waren schiitisch, aber trotzdem religiös tolerant. Mit dem durch die EuropĂ€er verursachten RĂŒckgang des interkontinentalen Handelsvolumens ĂŒber Land allerdings sank die Macht der Safawiden. 1722 kam es zu einem Aufstand afghanischer StĂ€mme, die von Nadir Shah (1736â1747) zurĂŒckgedrĂ€ngt wurden. Doch nach dessen Ermordung entstand ein unabhĂ€ngiges Afghanistan. In Persien folgt nach lang andauernden NachfolgekĂ€mpfen 1796 die Dynastie der Kadscharen.
Der Ming-Dynastie gelang es die Mongolen zu vertreiben und eine neue straffe Herrschaft ĂŒber ganz China zu errichten. ZunĂ€chst wurde eine expansive Politik betrieben, die durch Expeditionen nach Zentralasien, Vietnam und See-Expeditionen unter Admiral Zheng He gekennzeichnet war. Doch nachdem 1449 der Ming-Kaiser nach einer Schlacht gegen die Oiraten gefangengenommen worden war, verhielten sich die Ming nur noch defensiv. Die GroĂe Mauer wurde ausgebaut. Nach einem wirtschaftlichen Niedergang zu Beginn des 17. Jahrhunderts gelang es dann den aus den Jurchen hervorgegangenen Mandschu 1644 Beijing zu erobern.
Deren Qing-Dynastie versuchte eine Sinisierung zu vermeiden. Zwar behielt sie das chinesische Verwaltungssystem bei, es wurde jedoch durchgĂ€ngig mit Manchu besetzt. Im 18. Jahrhundert gelang es ihnen, ihre Herrschaft auch in den entlegenen Provinzen und bis nach Tibet durchzusetzen. Der Kontakt mit den EuropĂ€ern erwies sich zunĂ€chst als fruchtbar, da mit den von ihnen ĂŒbernommenen Kulturen von Mais, SĂŒĂkartoffel und ErdnĂŒssen die landwirtschaftlich genutzten FlĂ€chen ausgeweitet werden konnten, so dass die Bevölkerung wieder zunahm. AuĂerdem wurden herausragende kulturelle Leistungen vollbracht.[34] Fortschritte in Landwirtschaft, Handwerk und Industrie ermöglichten zwischen 1700 und 1800 eine Verdoppelung der Bevölkerung von 160 Millionen auf 300 Millionen. China stellte etwa 50% der Weltproduktion, es erreichte 1759 mit 11,5 Millionen km2 die gröĂte Ausdehnung seiner Geschichte und das sinozentrische Weltbild erlebte seine BlĂŒte. Doch eine Folge von Naturkatastrophen und vermehrter Druck der EuropĂ€er fĂŒhrten zum Verlust der fĂŒhrenden Stellung in der Welt. GroĂbritannien konnte mit zwei Opiumkriegen (1839â1842 , 1856â1860 ) den Opiumexport durchsetzen, der sein gewaltiges Handelsdefizit[35] mit China zu beseitigen half. China musste eine âPolitik der offenen TĂŒrâ zulassen und im Vertrag von Nanking 1842 Hongkong an GroĂbritannien abtreten sowie weitere VertragshĂ€fen öffnen. Daraufhin brachen groĂe Teile der chinesischen Wirtschaft zusammen. Durch die Massenarmut begrĂŒndete AufstĂ€nde (Taiping-Aufstand und Nian-Aufstand) konnten teilweise nur mit auslĂ€ndischer militĂ€rischer Hilfe niedergeschlagen werden. Das Kaisertum verlor an Prestige, alle Modernisierungsbestrebungen (u. a. die Hundert-Tage-Reform) scheiterten. So endete 1912 mit der Ausrufung der Republik China durch Sun Yatsen das ĂŒber zweitausendjĂ€hrige chinesische Kaisertum.
Trotz einer Phase innerer Zerstrittenheit (Sengoku) gelang es Japan 1592 im Imjin-Krieg das Korea der Joseon-Dynastie zu erobern. Mit UnterstĂŒtzung durch die chinesischen Ming konnten sich die Koreaner aber schon nach sieben Jahren wieder befreien.
Durch Oda Nobunaga, Toyotomi Hideyoshi und Tokugawa Ieyasu wurde Schritt fĂŒr Schritt die Einheit Japans (1600) wieder hergestellt. Unter den Tokugawa zwischen 1603 und 1868 folgte eine Periode des Friedens, die aber auch durch AbschlieĂung von der AuĂenwelt charakterisiert war. Diese wurde 1854 durch amerikanisches Eingreifen beendet, das mit der raschen Modernisierung Japans in der Meiji-Restauration beantwortet wurde.
Unter den Thaistaaten gewann im 16. Jahrhundert das Königreich Ayutthaya die Vormachtstellung. Daraus ging das Reich von Siam hervor. Es stand in Konkurrenz mit Birma und dem Vietnam zur Zeit der Le-Dynastie, in der die Familien der Nguyen und Trinh) die Herrscher stellten.
Der erste GroĂmogul Babur (reg. 1526 bis 1530), ein aus Zentralasien stammender FĂŒrst der Timuriden-Dynastie,[36] eroberte ausgehend vom Gebiet der heutigen Staaten Usbekistan und Afghanistan das Sultanat von Delhi. Als bedeutendster Mogulherrscher gilt Akbar (reg. 1556 bis 1605), der das Reich militĂ€risch, politisch und wirtschaftlich festigte. Unter Aurangzeb (reg. 1658 bis 1707) erfuhr das Mogulreich seine gröĂte Ausdehnung, wurde aber finanziell und militĂ€risch ĂŒberspannt, so dass es im Laufe des 18. Jahrhunderts zu einer untergeordneten Macht im politischen GefĂŒge Indiens herabsank. 1858 wurde der letzte GroĂmogul von den Briten abgesetzt, sein Territorium ging in Britisch-Indien auf. Der Nachwelt erhalten geblieben sind reiche Zeugnisse einer von persischen und indischen KĂŒnstlern geprĂ€gten Architektur, Malerei und Dichtung.
Die Kolonisierung Nordamerikas begann bereits Mitte des 16. Jahrhundert durch Spanier und Briten, doch erst am Anfang des 17. Jahrhunderts kam es zu dauerhaften englischen Siedlungen an der OstkĂŒste Amerikas. Dabei kam es zum Zusammenprall dreier Kulturen: indianische Ureinwohner, weiĂe Siedler und Sklaven aus Afrika. Unter Dezimierung der Indianer um 90% in den ersten 100 Jahren nach der Besiedlung und Preisgabe moralischer wie christlicher Werte kam es zum âSiegâ der weiĂen Kultur und zur GrĂŒndung von 13 britischen Kolonien an der amerikanischen OstkĂŒste. Diese Kolonien waren untereinander unabhĂ€ngig, jedoch dem Mutterland, England, untergeordnet. Sie erhielten ihren Verfassungsstatus durch einen sog. Charter. Dieser sprach sie entweder einer Siedlungsgesellschaft (corporate charter), einem PrivateigentĂŒmer (proprietary charter) oder der Krone selbst zu (Kronkolonie). Dieser Status Ă€nderte sich in vielen FĂ€llen wĂ€hrend der Kolonialzeit. Diese Kolonien erkĂ€mpften sich im amerikanische UnabhĂ€ngigkeitskrieg ihre Loslösung von der britischen Krone. Die neugegrĂŒndeten Vereinigten Staaten von Amerika entwickelten sich bald zur Vormacht auf dem Kontinent. Zwei Phasen waren dabei fĂŒr die Entwicklung bestimmend: Die Kolonisierung des Lebensraums der Indianer und der amerikanische BĂŒrgerkrieg, durch den Abraham Lincoln ein Auseinanderfallen des Bundesstaates verhindern konnte (vgl. Gettysburg Address) und die Abschaffung der Sklaverei erreichte[37] . Die wirtschaftliche Erholung und die Industrialisierung wurden durch die erfolgreiche BewĂ€ltigung Einwanderungswelle ab 1880 beschleunigt.
In Mittelamerika entstand aus dem Vizekönigreich Neuspanien 1821 das Mexikanische Kaiserreich unter AgustĂn I. 1823 bildeten Guatemala, Honduras, El Salvador, Nicaragua, und Costa Rica die Zentralamerikanische Konföderation, doch sie zerbrach im BĂŒrgerkrieg (1838â1840).
Mit Ausnahme von Kuba, Puerto Rico und der Dominikanischen Republik gerieten die Staaten der Karibik seit dem 16. Jahrhundert aus der spanischen Herrschaft unter den Einfluss der westeuropĂ€ischen KolonialmĂ€chte England, Frankreich und Niederlande. Die letzten spanischen Kolonialgebiete wurden nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg von den USA abhĂ€ngig. Auf allen karibischen Inseln wurde die indianische Bevölkerung weitestgehend ausgerottet und afrikanische Sklaven als Plantagenarbeiter eingesetzt. Im Unterschied zum Festland erlangten die karibischen Staaten (auĂer Haiti, der Dominikanischen Republik und Kuba) relativ spĂ€t, nĂ€mlich erst in der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts ihre UnabhĂ€ngigkeit.
Bereits 1494 wurde SĂŒdamerika im Vertrag von Tordesillas von Papst Alexander VI. zwischen Spanien und Portugal aufgeteilt. Der östliche Teil, groĂe Teile des heutigen Brasilien, wurde Portugal zugesprochen. Panama und der Rest des Kontinents fiel an Spanien. Die spanische Eroberung erfolgte von Mittelamerika und aus der Karibik, auf der Suche nach dem sagenhaften Goldland El Dorado. Die Portugiesen eroberten den Bereich des heutigen Brasilien.
Die ersten Siedlungen der spanischen Einwanderer entstanden bereits um 1520 im heutigen Venezuela, Kolumbien und Argentinien. Angetrieben durch die reichen Goldquellen in Mexiko, erkundete Francisco Pizarro von Panama aus die PazifikkĂŒste SĂŒdamerikas fĂŒr die spanische Krone, auf der Suche nach ReichtĂŒmern. Dabei gelangte er im Jahr 1526 ins heutige Ecuador und Peru. In den beiden Jahren 1532/1533 verstand er es die Wirren des Bruderkrieges zwischen den Inka HuĂĄscar und Atahualpa auszunutzen und unterwarf das riesige Inkareich. Zu Hilfe kamen ihm dabei waffentechnologische Ăberlegenheit (Feuerwaffen) und die von den Einwanderern mitgebrachten Krankheiten, die auf die ursprĂŒngliche Bevölkerung verheerende Folgen hatten.
Die indianische Bevölkerung wurde innerhalb kurzer Zeit weitgehend ausgelöscht (allerdings nicht so stark wie in der Karibik). BartolomĂ© de Las Casas erreichte als âGeneralverteidiger der Indiosâ zwar die âNeuen Gesetzeâ von 1542, doch blieben diese weitgehend unwirksam und wurden zum Teil wieder zurĂŒckgenommen.
Vor allem die Zwangsarbeit zur Ausbeutung der Silberminen (z. B. PotosĂ), kostete im Lauf der Kolonialzeit ĂŒber eine Million das Leben. Doch auch Arbeit im Rahmen der Encomienda fĂŒhrte zu sozialer ZerrĂŒttung mit Vernichtung der indigenen Kultur im Namen der Religion und Zivilisation.[38]
In den sĂŒdamerikanischen UnabhĂ€ngigkeitskriegen wurden die spanischen Vizekönigreiche (Vizekönigreich Neugranada, Vizekönigreich Peru und Vizekönigreich des RĂo de la Plata) beseitigt und die UnabhĂ€ngigkeit beinahe aller Staaten SĂŒdamerikas, nĂ€mlich Argentinien, Bolivien, Chile, Ecuador, Kolumbien, Paraguay, Peru, Uruguay und Venezuela erreicht. 1822 erlangte auch die portugiesische Kolonie Brasilien eine zwar friedliche, aber auch nur scheinbare UnabhĂ€ngigkeit. Nach 1825 blieben nur Britisch Guyana, NiederlĂ€ndisch-Guayana und Französisch-Guayana als europĂ€ische Kolonien bestehen.
Unter der FĂŒhrung Heinrichs des Seefahrers wurde eine Reihe von Entdeckungsreisen unternommen, die andere Seefahrer zu weiteren Expeditionen anregte. 1432 erreichten portugiesische Schiffe das Kap Bojador und 1445 Kap Verde, 1482 erreichte Diogo CĂŁo die MĂŒndung des Kongo, sechs Jahre spĂ€ter gelangte Bartolomeu Diaz zum Kap der Guten Hoffnung, und 1498 erreichte Vasco da Gama auf dem Seeweg den indischen Subkontinent, wobei er die afrikanische OstkĂŒste entdeckte. Mit diesen Entdeckungen war der Grundstein fĂŒr eine erste Kolonisierung Afrikas durch die Portugiesen gelegt.
An der GuineakĂŒste wurde 1482 SĂŁo Jorge da Mina, der erste portugiesische StĂŒtzpunkt, errichtet. Die HaupthandelsgĂŒter waren Sklaven, Gold, Elfenbein und GewĂŒrze. Aufgrund der Entdeckung und Kolonisierung Amerikas wurde der Sklavenhandel, der zunĂ€chst weitgehend von Arabern betrieben worden war, von den EuropĂ€ern erheblich ausgeweitet. Die koloniale Vormachtstellung verlagerte sich von den Portugiesen zunĂ€chst auf die NiederlĂ€nder, spĂ€ter auf die Franzosen und Briten. Doch bis ins spĂ€te 19. Jahrhundert beschrĂ€nkten sich die KolonialmĂ€chte auf die Besetzung von kleinen Handelsposten entlang der KĂŒste, das Hinterland blieb lange Zeit unerforscht und (zumindest politisch) unabhĂ€ngig.
An der ostafrikanischen KĂŒste eroberten die Portugiesen bis 1520 alle muslimischen Sultanate zwischen Sofala und dem Kap Guardafui. Hier versuchten sie schon frĂŒh, in das Landesinnere vorzudringen, da sie hofften, groĂe Mengen Gold zu finden. Doch konnten sie diese Gebiete nicht dauerhaft kontrollieren.
SĂŒdafrika wurde bis ins 17. Jahrhundert keine groĂe Bedeutung zugemessen, und das Kap der Guten Hoffnung diente lediglich als Rastplatz auf dem Weg nach Indien. Als erste grĂŒndeten die NiederlĂ€nder 1652 die erste dauerhafte weiĂe Siedlung in SĂŒdafrika.[39] Unter den ersten Siedlern befanden sich auch Hugenotten, die in den Niederlanden Asyl gefunden hatten. ZunĂ€chst sah man die Kapkolonie nur als westlichsten Vorposten von Ost-Indien, doch nach und nach dehnten die NiederlĂ€nder ihren Einfluss- und Siedlungsbereich nach Norden hin aus. Der Kampf gegen Napoleon veranlasste die Briten, die niederlĂ€ndische Kapkolonie zu besetzen. Nach langen KĂ€mpfen befanden sich schlieĂlich die Siedlungen in SĂŒdafrika 1814 in britischem Besitz.
1830 besetzten die Franzosen Algier und beendeten damit die â freilich nur noch nominelle â Herrschaft des Osmanischen Reiches. Durch FeldzĂŒge in das Atlas-Gebirge kamen die Berber unter französische Herrschaft. Bis 1855 waren auch groĂe Teile der nördlichen Sahara unterworfen. Der AnfĂŒhrer der muslimischen Völker dieser Region, Abd el-Kader, hatte sich bereits 1837 dem französischen Oberbefehlshaber General Bugeaud, unterwerfen und ins Exil in den Libanon gehen mĂŒssen.
Die australische KĂŒste wurde schon im 16. Jahrhundert erreicht[40] Doch erst 1642 wurde Australien im Auftrag der NiederlĂ€ndischen Ostindien-Kompanie erforscht. Dabei entdeckte Abel Tasman das heutige Tasmanien.
Zu einer Kolonisierung Australiens kam es aber erst, nachdem James Cook 1770 die OstkĂŒste Australiens formell als New South Wales fĂŒr die britische Krone in Besitz genommen hatte.[41] Da die USA von GroĂbritannien unabhĂ€ngig geworden waren, nutzte die britische Regierung diese Kolonie zur Deportation von StrĂ€flingen. Insgesamt wurden von 1788 bis 1868 etwa 160.000 StrĂ€flinge nach Australien gebracht.
1835 handelten tasmanische GeschĂ€ftsleute den Aborigines 2.400 kmÂČ in der Gegend des heutigen Melbourne ab und grĂŒndeten Port Phillip. Obwohl dieser Handel als illegal galt, gab die KoloniefĂŒhrung dem Druck der wachsenden Bevölkerung nach und gab das Land offiziell zur Besiedlung frei.
Ozeanien wurde schon ab 1512 kolonisiert. Die Portugiesen errichteten ihren ersten StĂŒtzpunkt auf den Molukken. 1526 wurde Neuguinea entdeckt und noch im 16. Jahrhundert ein GroĂteil der im Pazifik gelegenen Inselgruppen.[42] Im 17. und 18. Jahrhundert waren verstĂ€rkt NiederlĂ€nder, Briten und Franzosen an den Entdeckungen beteiligt. Da nun, vor allem von James Cook, recht sorgfĂ€ltig kartografiert wurde, konnten einmal entdeckte Inseln erfolgreich wieder angesteuert werden.[43] Im 19. Jahrhundert versuchten im Zuge des Imperialismus auch Deutschland und die USA sich festzusetzen, doch sicherte sich zunĂ€chst GroĂbritannien die meisten StĂŒtzpunkte. Nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg etablierten sich daneben die USA als Vormacht. (weiter zu Australien und Ozeanien âŠ)
Der Erste Weltkrieg (1914 bis 1918) wurde in Europa, dem Nahen Osten, Afrika und Ostasien gefĂŒhrt und kostete ĂŒber neun Millionen Menschenleben. Er wurde zunĂ€chst zwischen den MittelmĂ€chten, dem Deutschen Reich und Ăsterreich-Ungarn, auf der einen Seite und den Entente-MĂ€chten, Frankreich, GroĂbritannien und Russland sowie Serbien auf der anderen Seite ausgetragen. Anlass war ein Attentat auf den österreichischen Thronfolger, Ursache waren die machtpolitischen GegensĂ€tze der europĂ€ischen GroĂmĂ€chte, die zu einer enormen AufrĂŒstung gefĂŒhrt hatten. Zum Ende des Krieges befanden sich 25 Staaten und deren Kolonien, in denen insgesamt 1,35 Milliarden Menschen lebten, also etwa drei Viertel der damaligen Erdbevölkerung, im Kriegszustand. Wegen seiner schwerwiegenden Folgen gilt er vielen Historikern als die âUrkatastrophe des 20. Jahrhundertsâ.
Es war der erste Krieg, der mit massivem Materialeinsatz (Panzer, Flugzeuge, Luftschiffe) und mit Massenvernichtungswaffen (Giftgas) gefĂŒhrt wurde. Insbesondere auf den Schlachtfeldern vor Verdun und in Flandern fielen im Stellungskrieg auf beiden Seiten Hunderttausende von Soldaten.
Noch wÀhrend des Krieges kam es in Russland 1917 zur Februar- und zur Oktoberrevolution. Diese wurde von Lenin organisiert, der dazu von der deutschen obersten Heeresleitung nach Russland gebracht worden war. Die von Lenin geplante Weltrevolution kam allerdings nicht zustande, sondern es blieb zunÀchst beim Aufbau des Kommunismus in einem Land durch Stalin.
Die internationale Ordnung, die durch den Friedensvertrag von Versailles und die Errichtung des Völkerbundes angestrebt wurde, erwies sich allerdings als unstabil. Nachkriegsschwierigkeiten wie z. B. die deutsche Inflation, die Angst vor dem Kommunismus und schlieĂlich die Weltwirtschaftskrise fĂŒhrten zu Erfolgen autoritĂ€rer und totalitĂ€rer Gruppierungen in vielen europĂ€ischen LĂ€ndern und in einigen FĂ€llen, dazu, dass sie die Regierung stellten: Die Faschisten unter Benito Mussolini in Italien (1922), die Nationalsozialisten unter Adolf Hitler in Deutschland (1933), die Franquisten in Spanien (nach Ende des BĂŒrgerkriegs 1939) und auch in anderen LĂ€ndern wie in Japan[44] und in Ungarn (1920).
Nachdem diese MĂ€chte ĂŒber den Antikominternpakt zusammengefunden hatten[45], löste Adolf Hitler, ermutigt durch das MĂŒnchner Abkommen und gestĂŒtzt auf einen Nichtangriffspakt mit der Sowjetunion, am 1. September 1939 mit dem Ăberfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg aus.
Der Zweite Weltkrieg (1939â1945) stellt den bislang gröĂten und verlustreichsten Konflikt in der Menschheitsgeschichte dar. Er ist der einzige Krieg, in dem sowohl atomare â von den USA gegen Japan â als auch biologische und chemische Waffen â hauptsĂ€chlich durch Japan gegen China â eingesetzt wurden (ABC-Waffen).
In Asien begann der Zweite Weltkrieg bereits mit dem Ausbruch des Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges am 7. Juli 1937.
In Europa begann er mit dem Angriff des Deutschen Reiches auf Polen, nachdem der Deutsch-sowjetische Nichtangriffspakt fĂŒr beide Staaten den Weg fĂŒr militĂ€rische Expansionen (Polen beziehungsweise Finnland) freigemacht hatte. Die im DreimĂ€chtepakt verbĂŒndeten Staaten Deutschland und Italien begannen zunĂ€chst EroberungsfeldzĂŒge gegen angrenzende Staaten, die sie ihren Interessen unterordnen wollten. Ihre militĂ€rischen Hauptgegner waren dabei Frankreich und GroĂbritannien.
Am 22. Juni 1941 brach die deutsche Seite den Nichtangriffspakt durch den Ăberfall auf die Sowjetunion. Nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 nahmen schlieĂlich die Vereinigten Staaten von Amerika auf Seiten der Alliierten am gesamten Kriegsgeschehen teil, nachdem auch das Deutsche Reich und Italien vier Tage spĂ€ter den Vereinigten Staaten den Krieg erklĂ€rt hatten.
Der Zweite Weltkrieg endete mit der vollstÀndigen Niederlage Italiens (1943), Deutschlands (8. Mai 1945) und Japans (2. September 1945).
Der Zweite Weltkrieg forderte 55 bis 60 Millionen Menschenleben. Er war seitens der AchsenmĂ€chte durch eine starke rassistische Ideologisierung geprĂ€gt, die zu zahlreichen Kriegsverbrechen und gewaltsamen, zumeist systematischen Ăbergriffen auf die Zivilbevölkerung fĂŒhrte. Mit Kriegsverlauf und KriegsfĂŒhrung war auch untrennbar der Holocaust verbunden, dem durch die Nationalsozialisten allein sechs Millionen Juden zum Opfer fielen.
Nach dem Krieg brach die Allianz der SiegermĂ€chte auseinander. Unter der FĂŒhrung der sich etablierenden SupermĂ€chte Sowjetunion und USA mĂŒndeten die weltanschaulichen GegensĂ€tze und Machtinteressen der sich bildenden Staatenblöcke in den Kalten Krieg.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden von den alliierten Kriegsgegnern Hitlerdeutschlands und Japans die Vereinten Nationen gegrĂŒndet, doch bald zerbrach die Gemeinsamkeit der Alliierten, und es bildeten sich zwei Blöcke. Die USA beanspruchten Westeuropa als ihre EinflusssphĂ€re und grĂŒndeten die NATO als Schutz vor einer möglichen sowjetischen Invasion. Die Sowjetunion beanspruchte Osteuropa (Polen, die Tschechoslowakei, Ungarn, RumĂ€nien, Bulgarien, die DDR) und grĂŒndete den Warschauer Pakt. Europa war durch den âEisernen Vorhangâ getrennt. Es begann ein Kalter Krieg zwischen den neu entstandenen SupermĂ€chten, den kapitalistischen USA und der kommunistischen Sowjetunion.
Ehemalige Kolonien oder von den IndustrielĂ€ndern kontrollierte Gebiete erlangten die UnabhĂ€ngigkeit: Dank Gandhi Indien und Pakistan 1947, unter Mao Zedong 1949 China und auĂerdem Indonesien. Im Koreakrieg 1950â1953 kam es erstmals zu einer militĂ€rischen Konfrontation zwischen den Blöcken. AufstĂ€nde gegen die Herrschaft der Sowjetunion wurden niedergeschlagen (Deutschland 1953, Ungarn 1956). Mehr und mehr ehemalige Kolonien wurden selbstĂ€ndig. Damit entstand neben dem Ost-West-Konflikt eine neue Konfliktlinie zwischen den reichen IndustrielĂ€ndern und den jungen, armen Staaten der Dritten Welt, der Nord-SĂŒd-Konflikt.[46] Noch auf die Zeit des Ersten Weltkrieges geht der Nahostkonflikt zurĂŒck, der aufgrund der durch Judenverfolgungen verursachten jĂŒdischen Einwanderungswelle seit 1938 auswegloser wurde und noch in den 2001 sich verschĂ€rfenden Terrorismus hineinspielte.
Nachdem in der Kubakrise 1962 die Gefahr eines Dritten Weltkrieges akut geworden war, bemĂŒhten sich beide SupermĂ€chte um Entspannung.[47] Die EuropĂ€ische Wirtschaftsgemeinschaft (1957) entwickelte sich zur EuropĂ€ischen Union (1993). Der Kommunismus verlor an innerer Legitimation, als klar wurde, dass er nicht einen Ă€hnlichen wirtschaftlichen Wohlstand schaffen konnte wie die westlichen IndustrielĂ€nder und â angesichts der Zerschlagung des Prager FrĂŒhlings 1968, dass er reformunfĂ€hig war.[48] SchlieĂlich regte sich in Polen durch SolidarnoĆÄ wie im von der Sowjetunion 1980 besetzten Afghanistan Widerstand. Der Reformkurs Michail Gorbatschows fĂŒhrte zur Beendigung des Kalten Krieges und nach einer Reihe von gewaltlosen UmstĂŒrzen[49] zum Zusammenbruch des Ostblocks und der Sowjetunion. Dadurch entstand eine Reihe neuer Staaten in Osteuropa und Asien. China begann unter FĂŒhrung Deng Xiaoping schon bald nach Maos Tod (1976) tiefgreifende Wirtschaftsreformen.
Obwohl schon weit frĂŒher vor Umweltverschmutzung gewarnt worden war, wurden die Gefahren unkontrollierten Umweltverbrauchs[50] erst aufgrund der Studie Grenzen des Wachstums von 1972 intensiv öffentlich diskutiert. Nach einer ersten Umweltkonferenz 1972, wurde nach zwei Ălkrisen (1973 und 1979/80) und mehreren wissenschaftliche Studien ĂŒber die Gefahren des Treibhausklimas 1992 in Rio de Janeiro ein Prozess angestoĂen, der zu regelmĂ€Ăigen UN-Klimakonferenzen und internationalen Abmachungen wie dem Kyoto-Protokoll (1997) fĂŒhrte.
ZunĂ€chst erschien es so, als könne die Beendigung des Kalten Krieges aufgrund allgemeiner AbrĂŒstung zu einer Friedensdividende und zu allgemeiner Demokratisierung fĂŒhren.[51] Dabei herrschte angesichts der unumstrittenen Stellung der USA als einziger verbliebener Supermacht auch eine gewisse Einigkeit darĂŒber, dass die wirtschaftliche Entwicklung von Deregulierung und Globalisierung geprĂ€gt sein sollte.[52] Jedoch das Auseinanderbrechen Jugoslawiens und mehr noch die TerroranschlĂ€ge am 11. September 2001 in den USA durch al-Qaida beendigten diese Friedenshoffnung. Die USA riefen einen weltweiten Krieg gegen den Terrorismus aus. Sie griffen 2001 Afghanistan und im MĂ€rz 2003 den Irak an. Es kam zu weiteren TerroranschlĂ€gen in Madrid (2004), in London (2005) und in Mumbai (2008).
Russland kehrte unter Gorbatschows Nachfolger Boris Jelzin zu einer nationalistischeren Politik zurĂŒck, doch bereicherten sich WirtschaftsfĂŒhrer unverhĂ€ltnismĂ€Ăig, wĂ€hrend ein groĂer Teil der Bevölkerung verarmte. Ab 2000 setzte Wladimir Putin mit diktatorischen Methoden die staatliche AutoritĂ€t wieder durch, doch bei dem inneren Konflikt mit Tschetschenien lieĂ er schwere Menschenrechtsverletzungen zu. Beim Kaukasuskrieg 2008 trat Russland deutlich als Hegemonialmacht auf. Auch nachdem Putin aus verfassungsrechtlichen GrĂŒnden als StaatsprĂ€sident von Dmitri Medwedew abgelöst wurde, blieb er als MinisterprĂ€sident weiterhin der starke Mann.
Andererseits kam es auf dem Gebiet der frĂŒheren Sowjetunion ab 2003 zu mehreren gewaltlosen Revolutionen[53], die Fortschritte bei BĂŒrgerbeteiligung und Demokratisierung brachten.
2004 nahm die EuropÀische Union 10 neue Mitglieder auf. Mit dem Vertrag von Lissabon von 2009[54] wurde die Struktur an die neue Situation angepasst, nachdem ein Verfassungsvertrag 2005 an Negativvoten bei Volksabstimmungen in Frankreich und den Niederlanden gescheitert war. 2010 entwickelte sich aus der griechischen Finanzkrise eine Staatsschuldenkrise im Euroraum, gegen die ein EuropÀischer StabilitÀtsmechanismus entwickelt wurde, der mit immer neuen VerÀnderungen zwar eine Katastrophe verhinderte, aber bisher nur die Krise verlÀngerte.
In den USA ging Barack Obama, der erste schwarze PrĂ€sident, 2009 in deutlicher Abkehr von seinem VorgĂ€nger George W. Bush zu einer kooperativen AuĂenpolitik ĂŒber,[55] und trieb die atomare AbrĂŒstung voran. Innenpolitisch erzielte er 2010 mit seiner Gesundheitsreform einen ersten und mit den MaĂnahmen zur Regelung des Finanzmarktes[56] einen zweiten Erfolg.
Neben die G 8 trat als internationales Konsultationsforum die G 20, der neben anderen SchwellenlĂ€ndern insbesondere China und Indien angehörten. Diese gewannen bei Beratungen ĂŒber die Finanzkrise ab 2007 verstĂ€rkte Bedeutung[57] und machten auch sonst immer hĂ€ufiger als GroĂmĂ€chte ihre nationalen Interessen geltend, z. B. auch auf der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen 2009, die deshalb und wohl auch aufgrund unzureichenden Engagements der USA scheiterte.[58] Ende 2010/Anfang 2011 kam es zu Protesten und Revolutionen in der Arabischen Welt.
Am 1. Januar 1901 formierten sich die einst voneinander unabhĂ€ngigen Kolonien zum Commonwealth of Australia. Erste Hauptstadt Australiens wurde Melbourne. Hier eröffnete am 9. Mai 1901 das erste Parlament des Landes. Am 26. September 1907 erhielt der Australische Bund mit dem Dominionstatus die nahezu vollstĂ€ndige UnabhĂ€ngigkeit vom Mutterland GroĂbritannien. 1911 wurde das Australian Capital Territory geschaffen, um die neue Hauptstadt Canberra aufzunehmen. Melbourne blieb aufgrund der langandauernden Bauarbeiten in Canberra aber noch bis 1927 Regierungssitz. Mit dem Statut von Westminster von 1931 wurde den Dominions des Empire formal die UnabhĂ€ngigkeit verliehen. Das australische Parlament stimmte dem aber erst 1942 zu. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde eine progressive Einwanderungspolitik betrieben, die einerseits zur Massenimmigration aus Europa und nach Aufgabe der White Australia policy auch aus Asien und anderen Erdteilen fĂŒhrte. So kam es in kurzer Zeit zu starken demografischen VerĂ€nderungen, aber auch zu wirtschaftlichem Aufschwung. 1986 gab GroĂbritannien mit dem Australia Act die letzten Kompetenzen bezĂŒglich der australischen Verfassung ab. Am 6. November 1999 stimmte die Bevölkerung in einem Referendum mit einer Mehrheit von 55 Prozent jedoch gegen die Schaffung einer Republik und blieb somit formal eine konstitutionelle Monarchie unter Elisabeth II.
Im Herbst 2007 wurde Kevin Rudd Premierminister einer Labour-Regierung. Er setzte auf eine verstĂ€rkte Zusammenarbeit mit den pazifischen Nachbarn und entschuldigte sich erstmals offiziell bei den Aborigines fĂŒr das ihnen durch weiĂe Australier zugefĂŒgte Unrecht.[59]
WĂ€hrend des Zweiten Weltkrieges wurde ein Teil Ozeaniens von Japan besetzt, und es kam zu einer Reihe von Seeschlachten zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und Japan. Nach dem Krieg entlieĂen die USA ihre Kolonien unter Vorbehalt von politischen Interventionsrechten und militĂ€rischen Privilegien (z. B. Erbauung und Erhaltung von MilitĂ€rstĂŒtzpunkten) in Eigenverwaltung. SpĂ€ter werden andere Inselstaaten zu Ă€hnlichen Konditionen vom British Commonwealth und den französischen Ăberseedepartements unabhĂ€ngig. Dabei kam es nur selten zu militĂ€rischen Auseinandersetzungen.
Als in den 50er-Jahren des 20. Jahrhunderts die europĂ€ische Wirtschaft wieder in Schwung kam, wurde in den KoloniallĂ€ndern zum ersten Mal ĂŒber die Entlassung der afrikanischen Kolonien in die UnabhĂ€ngigkeit debattiert. Dabei ging es insbesondere um die Frage der RentabilitĂ€t der Kolonien fĂŒr die MutterlĂ€nder. Der Entschluss zur Dekolonisation kam primĂ€r aus volkswirtschaftlichen GrĂŒnden, denn die MutterlĂ€nder konnten ihre Kolonien nicht mehr finanzieren. Doch sahen sie sich auĂerdem von aufstrebenden Nationalbewegungen in den Kolonien immer mehr bedroht. Daher ging man etwa ab 1950 daran, die Staaten in die UnabhĂ€ngigkeit zu entlassen. Soziale TrĂ€ger der Entkolonialisierung waren meist lokale Eliten, die untere Funktionen in der Kolonialverwaltung besetzten und durch fehlende Aufstiegschancen frustriert waren. 1960 wurden besonders viele Staaten unabhĂ€ngig, daher spricht man von 1960 auch als vom afrikanischen Jahr.
Bei der MachtĂŒbergabe waren die ehemaligen Kolonialherren immer darauf bedacht, Regierungen zu fördern bzw. zu installieren, die ihnen genehm waren, denn bei allem Interesse an Demokratisierung Afrikas fĂŒrchtete man den Verlust des Einflusses. So kam es zum Ende der Apartheid in SĂŒdafrika nicht aufgrund Ă€uĂeren staatlichen Drucks, sondern aufgrund der AktivitĂ€tĂ€t des African National Congress und des Verhandlungsgeschicks Nelson Mandelas vor dem Hintergrund der rapide absinkenden Akzeptanz der Regierung innerhalb SĂŒdafrikas und in der Weltöffentlichkeit. Wirtschaftlich wird das Afrika sĂŒdlich der Sahara immer mehr marginalisiert. Der Kampf gegen Aids kam aufgrund innerafrikanischer Fehler (Thabo Mbeki) und fehlender internationaler UnterstĂŒtzung nicht voran.[60]
Eine Bewegung hin zur Demokratisierung in diesem Raum entstand nicht - wie von der US-Regierung angestrebt - aufgrund der Golfkriege, sondern im Zuge der Proteste in der Arabischen Welt 2010â2011.
Die Republik China erwies sich als sehr instabil. Die MinisterprĂ€sidenten wechselten bis zu fĂŒnfmal im Jahr, je nach dem, welcher General der ehemaligen Pekingarmee gerade die Macht hatte. AuĂerdem erwuchs ihr 1921 mit der GrĂŒndung der Kommunistischen Partei Chinas ein neuer Gegner.
Doch nach dem Tode Sun Yatsens gelang es seinem AnhĂ€nger Chiang Kai-shek 1926 die Warlords zu besiegen. 1927 wandte er sich dann gegen die Kommunisten. Diese zogen sich auf das Land zurĂŒck und so konnte er 1928 das Land offiziell wieder einen. Doch war die Republik Sun Yatsens wĂ€hrend der KĂ€mpfe einer MilitĂ€rdiktatur immer Ă€hnlicher geworden. 1937 griffen die Japaner China an und konnten innerhalb eines Jahres die chinesischen Armeen in die Flucht schlagen. Ihre KrĂ€fte reichten aber nicht zur vollstĂ€ndigen Besetzung des Landes aus, so dass sie trotz 19 Millionen chinesischen Kriegsopfern und mancher japanischer Kriegsverbrechen bis zu ihrer Kapitulation am 14. August 1945 das Land nicht kontrollieren konnten.
Der im Kampf gegen Japan ruhende Konflikt zwischen Kommunisten und Nationalisten flammte danach erneut auf. 1949 besiegten die Mannschaften Mao Zedongs endgĂŒltig die Kuomintang unter Chiang Kai-shek. Die Nationalisten flohen auf das erst kĂŒrzlich von Japan zurĂŒckgewonnene Taiwan, wo die Republik China bis heute fortbesteht.[61]
Auf dem Festland wurde die Volksrepublik China gegrĂŒndet. Im Versuch, schnell die Industrie- und Landwirtschaftsproduktion zu verbessern, wurde von Mao Zedong 1958 ein neues Wirtschaftsprogramm, der sogenannte GroĂe Sprung nach vorn verkĂŒndet. Diese Politik der Bildung von Volkskommunen und tausender Minibetriebe auf dem Lande endete in einer Hungersnot, die 30 Millionen Tote kostete.
1966 inszenierte Mao Zedong unter Einsatz von Roten Garden die Kulturrevolution, die das Land ein Jahrzehnt lang ins Chaos stĂŒrzte. AuĂenpolitisch war die Volksrepublik isoliert, doch 1971 entdeckten die USA im kommunistischen China einen potentiellen VerbĂŒndeten gegen Moskau und widersetzten sich nicht mehr dessen Aufnahme in die UNO.
Nach dem Tod Mao Zedongs (1976) erhielt der von Mao entmachtete Deng Xiaoping 1977 seine Ămter zurĂŒck und steuerte sein Land auf einen Kurs zur âsozialistischen Marktwirtschaftâ (Sonderwirtschaftszonen). Chinas Wirtschaft gehört seitdem zu den am schnellsten wachsenden der Welt.[62] Wegen der dabei entstehenden sozialen Ungerechtigkeiten und deshalb entstehenden Unruhen (vgl. Tian'anmen-Massaker, 1989) trat MinisterprĂ€sident Wen Jiabao auf dem Volkskongress 2004 fĂŒr eine Trendwende zur Verminderung der sozialen Spannungen und zur BerĂŒcksichtigung ökologischer Aspekte ein.
Die Weltfinanzkrise hat China trotz seiner starken Exportorientierung aufgrund eines energischen Konjunkturprogamms bisher recht gut bewĂ€ltigt.[63] AuĂenwirtschaftlich engagiert es sich zur Rohstoffsicherung stĂ€rker als andere Industriestaaten in Afrika.[64]
Das Kaiserreich Indien in Personalunion mit GroĂbritannien umfasste das heutige Indien, Pakistan, und Bangladesch und bestand bis 1947. Von 1866 bis 1937 gehörte auch Birma dazu. Eine UnabhĂ€ngigkeitsbewegung gab es, seit 1885 Hindus und Moslems den Indischen Nationalkongress (INC) gegrĂŒndet hatten. 1906 wurde wegen des Ăbergewichts der Hindus im INC die Muslimliga gegrĂŒndet. Doch sie arbeitete bei den Forderungen nach indischer UnabhĂ€ngigkeit mit dem INC zusammen. Die britische Regierung gestand 1917 einen Ăbergang zur Selbstregierung zu und Indien wirkte auch offiziell bei der GrĂŒndung des Völkerbundes mit.
Unter der FĂŒhrung Mahatma Gandhis (1869â1948) kam es in der Zwischenkriegszeit zum passiven Widerstand gegen die britische Herrschaft. Gandhi bemĂŒhte sich dabei um die politische Einheit zwischen Hindus und Muslimen.
1947 wurde Indien unabhĂ€ngig, doch es wurde nach dem Mountbattenplan in die ĂŒberwiegend von Hindus bewohnte Indische Union, den moslemischen Staat Pakistan im Industal und der GangesmĂŒndung und einen kleinen buddhistischen Staat Sikkim geteilt.[65] Regierungschef der Indischen Union wurde Jawaharlal Nehru, er war zuvor ein wichtiger FĂŒhrer im Freiheitskampf. Ăber die Zuordnung der Provinz Kaschmir kam es rasch zum Konflikt, der zum Ersten Indisch-Pakistanischen Krieg fĂŒhrte. Dieser endete 1949 mit der De-facto-Zweiteilung Kaschmirs unter Vermittlung der Vereinten Nationen. 1949 löste sich die Indische Union auch nominell von der britischen Krone. Erster PrĂ€sident der Republik wurde Rajendra Prasad (1950â1962). Am 26. Januar 1950 trat die erste indische Verfassung in Kraft. Das Königreich Sikkim schloss mit Indien einen Vertrag, wonach Indien die Verantwortung fĂŒr Verteidigung, AuĂenpolitik und andere Angelegenheiten ĂŒbernahm. SchlieĂlich schloss es sich 1965 ganz an Indien an. 1954 gab Frankreich die letzten unter seiner Herrschaft stehenden Gebiete zurĂŒck.
Indien gewÀhrte 1959 dem tibetischen Dalai Lama politisches Asyl. Dieser bildete in Dharmshala (Himachal Pradesh) eine tibetische Exilregierung. 1961 annektierte Indien die portugiesischen Kolonien auf der indischen Halbinsel, insbesondere Goa. Im Indisch-Chinesischen Krieg von 1962 verlor Indien im Norden und Nordosten kleinere Gebiete an die Volksrepublik China.[66]
Nach Nehrus Tod 1964 wurde nach einer zweijĂ€hrigen Zwischenphase 1966 seine Tochter Indira Gandhi zur Premierministerin. Die zweite HĂ€lfte ihrer ersten Regierungszeit war von Unruhen und Separationsbewegungen einzelner Landesteile geprĂ€gt, so dass sie Mitte der siebziger Jahre den Notstand ausrief. Um ihren Kurs vom Volk absegnen zu lassen, rief sie 1977 Wahlen aus und wurde abgewĂ€hlt. Nach drei turbulenten Jahren konnte sie 1980 ein triumphales Comeback feiern. Doch 1982 rebellierten Mitglieder der Religion der Sikhs in Amritsar und forderten einen unabhĂ€ngigen Sikh-Staat im Punjab. Als der Konflikt weiter eskalierte, lieĂ Indira Gandhi im Juni 1984 den Goldenen Tempel in Amritsar stĂŒrmen. Aus Rache dafĂŒr wurde sie am 31. Oktober 1984 von einem ihrer Sikh-Leibgardisten ermordet.
Unter ihrem Sohn Rajiv Gandhi, der ihr problemlos im Amt nachfolgte, wurden in Indien Liberalisierungen in der Wirtschaft eingefĂŒhrt. Doch verlor er Ende November 1989 wegen KorruptionsvorwĂŒrfen die Macht. Trotz des relativ guten Abschneidens der Kongresspartei bei der Wahl 1989 bildete sich eine Koalition gegen eine von der Kongresspartei gefĂŒhrte Regierung. Es folgten erst kurzlebige Koalitionsregierungen unter verschiedenen Premierministern, ehe 1991 P. V. Narasimha Rao die Regierung stabilisieren konnte und bis 1996 konsequent wirtschaftliche Reformen durchsetzte. Bei einer Wahlkampfrede zu Regionalwahlen in SĂŒdindien wurde Rajiv Gandhi 1991 von separatistischen Rebellen aus Sri Lanka (Tamil Tigers) durch einen Sprengstoffanschlag getötet.
Im Jahre 1997 ĂŒbernahm mit K. R. Narayanan erstmals ein Kastenloser als StaatsprĂ€sident das höchste Amt im Staate. Nach einer Phase von Unruhen konnte Atal Behari Vajpayee 1998 wieder eine stabile Regierung bilden, die die Wahlen von 1999 klar gewann. Schon 1998 lieĂ er Atombombentests durchfĂŒhren.[67] Vor allem bewĂ€hrte er sich als Wirtschaftsreformer, dem es gelang, einen Boom einzuleiten.[68] Doch die Lage der Ă€rmeren Inder blieb weitgehend unverĂ€ndert. Die sich auftuende Schere zwischen Arm und Reich verhalf 2004 der oppositionellen Kongresspartei unter Sonia Gandhi, der Ehefrau des 1991 ermordeten Premierministers Rajiv Gandhi, zum Sieg. Aufgrund ihrer italienischen Herkunft stieĂ sie jedoch auf Widerstand und verzichtete auf das Amt als Regierungschefin. Neuer MinisterprĂ€sident wurde am 22. Mai 2004 der 1932 geborene Manmohan Singh â ein Angehöriger der Sikh-Religion.
Schon frĂŒh entstanden UnabhĂ€ngigkeitsbewegungen: 1912 die Sarekat Islam (âIslamische Vereinigungâ), 1926 die Kommunistische Partei (PKI), 1927 die von Sukarno gegrĂŒndete Partai Nasional Indonesia. Die Befreiung von den Kolonialherrschaft der Niederlande brachte allerdings erst die japanische Besatzung 1942â1945, die allerdings ihrerseits von Kriegsverbrechen begleitet war.
Am 17. August 1945 riefen Sukarno und Mohammed Hatta die UnabhĂ€ngigkeit Indonesiens aus (Staatsname: Indonesia). Der Einfluss der Republik Indonesien erstreckte sich zunĂ€chst auf die Inseln Java, Madura und einen Teil Sumatras. Die ĂŒbrigen Inseln wurden meist von den NiederlĂ€ndern kontrolliert. Im Indonesischen UnabhĂ€ngigkeitskrieg (1947/48) eroberten die Niederlande zwar fast das gesamte Gebiet, kĂ€mpften aber weiterhin gegen eine indonesische Guerilla und verloren vor allem die Sympathie der Weltöffentlichkeit. Unter amerikanischem Druck mussten die Niederlande im August 1949 (abermals) Verhandlungen mit der Republik Indonesien aufnehmen. Am 27. Dezember 1949 wurde in Amsterdam die Ăbergabe der SouverĂ€nitĂ€t unterzeichnet, der niederlĂ€ndische Teil von Neuguinea West-Papua blieb jedoch vorlĂ€ufig unter niederlĂ€ndischer Verwaltung. 1962/63 mussten die NiederlĂ€nder schrittweise auch ihren letzten Kolonialbesitz ihres ehemaligen Inselreiches ĂŒbertragen, West-Papua oder West-Irian (New Yorker Abkommen, 1. Mai 1963).
Die UnabhĂ€ngigkeit war Indonesien nur unter der Bedingung zugestanden worden, dass Indonesien eine Föderation aus mehreren Teilstaaten (negara) sein sollte. Doch 1950 wandelte Sukarno die Republik in einen Einheitsstaat um. Bis 1955 wurde auch die Republik Maluku Selatan erobert. Die zunehmende WillkĂŒrherrschaft des Sukarno-Regimes provozierte 1965 einen angeblich kommunistischen Umsturzversuch (G30S/PKI). Dieser scheiterte an einem Gegenputsch rechtsgerichteter Armeeangehöriger, in dessen Verlauf zwischen 100.000 und einer Million Menschen getötet wurden, vor allem tatsĂ€chliche oder vermeintliche AnhĂ€nger der kommunistischen Partei Indonesiens (PKI) und Chinesen (Massaker in Indonesien 1965). 1966 erzwang der MilitĂ€r Suharto von Sukarno die Vollmacht zur Regierungsbildung und machte sich 1968 zum StaatsprĂ€sidenten. 1969 wurde West-Papua (Irian Barat) durch einen manipulierten Volksentscheid indonesische Provinz und erhielt den Namen âIrian Jayaâ.
Als indonesische Truppen 1975 Teile von Portugiesisch-Timor besetzten, rief die âRevolutionĂ€re Front fĂŒr die UnabhĂ€ngigkeit von Osttimorâ (FRETILIN) die UnabhĂ€ngigkeit der bisherigen Kolonie aus. Neun Tage spĂ€ter begann Indonesien mit der Besetzung des restlichen Gebietes und gliederte es 1976 ohne internationale Anerkennung in seinen Staatenverband ein. Aufgrund der Besetzung und des folgenden Guerillakrieges starben 183.000 Menschen, fast ein Viertel der Bevölkerung. Erst nach dem UnabhĂ€ngigkeitsreferendum in Osttimor 1999 und einer erneuten Gewaltwelle, zog sich Indonesien zurĂŒck. Osttimor kam unter UN-Verwaltung und wurde 2002 in die UnabhĂ€ngigkeit entlassen.
Im Zuge der Asienkrise von 1997 verzeichnete die Indonesische Rupiah einen starken Wertverlust, und die indonesische Regierung musste sich fĂŒr Hilfen des IMF zu erheblichen KĂŒrzungen staatlicher Subventionen verpflichten. Die Preise fĂŒr Waren wie Benzin und Reis, und GebĂŒhren fĂŒr öffentliche Service wie Bildung verteuerten sich dramatisch. Verschlimmert wurde die Situation von der weitverbreiteten Korruption im Land. Deshalb kam es zu Unruhen.[69] Daher trat PrĂ€sident Suharto 1998 zurĂŒck, und Bacharuddin Jusuf Habibie, bis dahin Vize-PrĂ€sident, wurde StaatsprĂ€sident. Immer wieder kam es zu Unruhen und TerroranschlĂ€gen. 2001 wurde dann Megawati Sukarnoputri, Tochter des StaatsgrĂŒnders Sukarno und Mitglied der PDI-P, StaatsprĂ€sidentin. 2002 kam es zu einem islamistischen Terroranschlag auf der Touristeninsel Bali, bei dem es 202 Tote und mehr als 300 Verletzte gab.
2003 konnte die Provinz Aceh (Atjeh) auf Sumatra nur durch 40.000 Soldaten an einer UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung gehindert werden. Am 5. Juli 2004 kam es zu den ersten direkten PrĂ€sidentschaftswahlen, bei denen der frĂŒhere General Susilo Bambang Yudhoyono, GrĂŒnder der Demokratischen Partei, in der Stichwahl gegen die bisherige Amtsinhaberin siegte.[70]
Hauptartikel: Geschichte Kanadas im 20. Jh., Geschichte der USA im 20. Jh., Geschichte Mexikos im 20. Jh.
Die Geschichte Nordamerikas wurde im 20. Jahrhundert primÀr von der Politik der USA geprÀgt, welche bereits im Zusammenhang mit obigen Ereignissen erwÀhnt wurde.
Auch im 20. Jahrhundert betrachteten die USA die Karibik und Mittelamerika so sehr als ihr unmittelbares Interessengebiet, dass sie sich dort sehr hĂ€ufig â meist militĂ€risch â einmischten: in Nicaragua (1909â1910, 1912â1925, 1926â1933), in Honduras (1905, 1907, 1911â1913, 1917, 1919, 1924â1929), in Kuba (1901-03, 1906-09, 1912, 1917â1919, 1921â1923, 1933, 1961), in Panama (1901, 1902, 1903, 1908, 1912â1914, 1917â1918, 1921, 1964, 1989â1990), in der Dominikanischen Republik (1903-05, 1907, 1914, 1916â1924, 1965â1966), in Haiti (1914, 1915â1935, 1944, 1994â1995, 2004), Costa Rica (1919), in Guatemala (1920, 1954), in Grenada (1983).
Aufgrund der inneren Geschichte sind wegen der Revolution ab 1953 Kuba, wegen der Entwicklung ab 1979 Nicaragua und ab 1981 auch Honduras von besonderem Interesse.
Nach Erlangung der UnabhĂ€ngigkeit wurden nach und nach Demokratien aufgebaut. Doch nach dem 2. Weltkrieg wurden mehr und mehr demokratische Regierungen durch MilitĂ€rdiktaturen beseitigt. Seit 1990 sind alle LĂ€nder SĂŒdamerikas demokratisch regiert.
| Zeitleiste der politischen Ausrichtung der Regierungen in SĂŒdamerika | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Land | 50er | 60er | 70er | 80er | 90er | 2000 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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ââ Links/Bolivarianisch/Sozialistisch ââ Mitte/Links ââ UnabhĂ€ngig/Liberal/Zentristisch ââ Mitte/Rechts ââ (MilitĂ€r-)Diktatur