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Geist (griechisch ÏÎœÎ”áżŠÎŒÎ± pneuma,[1] griechisch ÎœÎżáżŠÏ nous[2] und auch griechisch ÏÏ ÏÎź psyche,[3] lat. spiritus,[4] mens[5], animus bzw. anima,[6] hebr. ruach und arab. ruh, engl. mind, spirit, franz. Ă©sprit) ist ein aus historischen GrĂŒnden uneinheitlich verwendeter Begriff der Philosophie, Theologie, Psychologie und Alltagssprache.[7]
Im Zusammenhang mit Bewusstsein kann man grob zwischen zwei Bedeutungskomponenten des Begriffs âGeistâ unterscheiden:
Die Frage nach der âNaturâ des Geistes ist somit ein zentrales Thema der Metaphysik.
In der Tradition des deutschen Idealismus bezieht sich der Begriff hingegen auf ĂŒberindividuelle Strukturen. In diesem Sinne ist etwa die Hegelsche Philosophie zu verstehen, aber auch Wilhelm Diltheys Konzeption der Geisteswissenschaften.
Inhaltsverzeichnis |
Die modernen heterogenen Konzeptionen des Geistes haben ihren Ursprung zum einen in der antiken Philosophie und zum anderen in der Bibel.[8] WĂ€hrend sich in den meisten romanischen Sprachen ein entsprechender Begriff aus dem lateinischen spiritus entwickelte, leitet sich der Begriff des Geistes aus der indogermanischen Wurzel *gheis- fĂŒr erschaudern, ergriffen und aufgeregt sein ab.[9] Das westgermanische Wort *ghoizdo-z bedeutete wohl âĂŒbernatĂŒrliches Wesenâ und wurde mit der Christianisierung der Germanen christlich umgedeutet, so dass der Begriff in althochdeutschen (geist) und altenglischen (gĂĄst) Schriften als Ăbersetzung fĂŒr den biblischen Spiritus Sanctus diente. Dieser Sinngehalt des Wortes hielt sich bis in die Gegenwart, so dass âGeistâ auch als Synonym fĂŒr âGespenstâ verwendet wird.
Eine weitere Bedeutungsebene, die heute jedoch nicht mehr offensichtlich ist, stellt âGeistâ in einen Zusammenhang mit âAtem, Windeshauchâ als Ausdruck der Belebtheit. So findet sich noch in Luthers Ăbersetzung der Bibel die Formulierung âder himmel ist durchs wort des herrn gemacht und all sein heer durch den geist seines mundsâ[10]. Auch das lateinische spiritus weist diese Bedeutung auf; es ist mit spirare âatmenâ verwandt.
Zum einen wird der Begriff des Geistes verwendet, um sich auf die kognitive und emotionale Existenz eines Lebewesens zu beziehen. Umstritten ist in der Theorie das VerhĂ€ltnis von Geist und Gehirn: WĂ€hrend die Theologie und die Philosophie in der Tradition RenĂ© Descartes' davon ausgehen, dass sich der Begriff âGeistâ auf ein immaterielles Ding bezieht, postulieren viele Naturwissenschaftler und Philosophen, der Geist sei nichts anderes als neuronale AktivitĂ€t. In diesem Fall wĂŒrde sich der Terminus letztlich auf das Gehirn beziehen. Andere Philosophen behaupten wiederum, der Geist sei keine immaterielle Substanz, könne aber dennoch nicht auf das Gehirn reduziert werden. Die Natur des Geistes ist das Hauptthema der Philosophie des Geistes.
In verschiedenen Theorien, gelegentlich auch im Alltag, wird der Ausdruck zur Charakterisierung ĂŒberindividueller PhĂ€nomene, Objekte, Eigenschaften oder Prozesse eingesetzt. Johann Gottfried Herders Werk Vom Geist des Christentums prĂ€gte diese Begriffsverwendung entscheidend mit. Ein zentrales Konzept der deutschsprachigen Kultur wurde âGeistâ spĂ€testens mit dem Werk Georg Wilhelm Friedrich Hegels. Nach Hegel manifestiert sich in Gemeinschaften ein objektiver Geist, wĂ€hrend der absolute Geist Kunst, Philosophie und Religion auszeichnet. Auch die Sozialwissenschaften benutzen den Begriff des Geistes, um auf Merkmale von Gemeinschaften hinzuweisen. In dem Sinne ist etwa Max Webers Rede vom âGeistâ des Kapitalismus zu verstehen.[11] Dieser âGeistâ ergibt sich durch die Normen und Werte kapitalistischer Gemeinschaften. Im allgemeinen Sprachgebrauch findet sich beispielsweise die Formulierung: âHier herrscht ein Geist der Eintrachtâ.
Die Antwort auf die Frage, was der deutsche Begriff âGeistâ in der Antike umfasste, ist bei einem so vielschichtigen Wort problematisch.[12]
Die durch âGeistâ ausgedrĂŒckten Aspekte werden in der griechischen Antike vor allem durch pneuma (Geist, Hauch) und nous (Vernunft, Geist) abgedeckt. Hinzu kommen die AusdrĂŒcke psychĂȘ (Seele), thymos (Leben(skraft), Zorn/Mut) und logos (Rede, Vernunft).
Pneuma wie auch nous bezeichnen jeweils teilweise ein menschliches Vermögen aber auch ein kosmologisches Prinzip. Pneuma ist dabei der Wortbedeutung nach ein materiell gedachter Körper bewegter Luft. Nous hingegen wird mitunter auch immateriell gedacht. Zumeist wird er bei menschlichen Angelegenheiten aufnehmend gedacht, bei kosmischen anstoĂend.
Der menschliche und der kosmologische Bereich (d. h. die Frage nach der Weltordnung) werden zumeist getrennt voneinander behandelt, wobei es jedoch Ăberschneidungen gibt. Bei diesen Ăbertragungen spielen u. a. zwei Aspekte eine Rolle:
âPneumaâ ist zuerst im 6. Jh. v. Chr. bei Anaximenes belegt. Hier findet sich eine Analogie, die pneuma als Lebensprinzip ausweist und auch den Kosmos selbst als belebt vorstellt:
âEbenso wie unsere Seele, welche Luft ist, uns mit ihrer Kraft zusammenhĂ€lt, so umfasst auch den ganzen Kosmos Wind [oder Atem, pneuma] und Luft.â[13]
Bedeutsam ist der pneuma-Begriff auch in der medizinischen Sprache, in die er durch Diogenes von Apollonia im 5. Jh. v. Chr. gelangt und durch Erasistratos und bis zu Galenos im 2. Jh. n. Chr. weitere AusprĂ€gungen erfĂ€hrt.[14] Von ihm stammt eine â auch in der spĂ€teren lateinischen Tradition â bedeutende Unterscheidung dreier pneumatischer Prinzipien, die aus dem Zusammenwirken von eingeatmeter Luft und der im Herzen hervorgebrachten LebenswĂ€rme entstehen:
Seit dem Hellenismus und insbesondere in der römischen Stoa vermischen sich die beiden Aspekte menschliches Vermögen und kosmologisches Prinzip im Begriff des pneuma. Pneuma bezeichnet hier die materielle Substanz â die Stoiker waren Materialisten â sowohl der Einzelseele als auch der Weltseele. Pneuma ist somit ein stoffliches und zugleich geistiges Prinzip, das den gesamten â als Lebewesen vorgestellten â Kosmos durchdringt und dessen Organisation bewirkt. Das Pneuma im Menschen ist zum Lebensanfang wie ein unbeschriebenes Blatt, das mit sinnlichen EindrĂŒcken und Vorstellungen gefĂŒllt wird. Es ist zudem der lenkende Seelenteil, der die fĂŒr Stoiker zentrale Forderung âin Ăbereinstimmung (mit der â als vernĂŒnftig gedachten â Natur) lebenâ zu erfĂŒllen ermöglicht.[14][15]
Bei Homer und spĂ€ter bei den meisten Vorsokratikern scheint nous ein Vermögen zu sein, das sich sowohl auf sinnliche wie auch mit dem Verstand erfassbare (intelligible) GegenstĂ€nde richtet. Xenophanes und auch noch Empedokles setzen Denken und Wahrnehmen in eins. FĂŒr Parmenides hingegen hat der nous nur notwendig existierende und daher nur intelligible GegenstĂ€nde.
Hinsichtlich der Funktionsweise ist von Vorsokratikern wie Empedokles, Anaxagoras und Demokrit belegt, dass sie den Geist, das Denken als einen körperlichen Vorgang ansehen. Empedokles, der das Prinzip Gleiches wird nur von Gleichem erkannt vertrat, behauptet, das Blut sei der Sitz der Erkenntnis, weil es der am besten durchmischte Stoff sei.
Platon und Aristoteles fassen â im Gegensatz zu vielen Vorsokratikern â die TĂ€tigkeit des nous, das Denken, als einen nicht-körperlichen Vorgang auf. Dieser komme nur dem Menschen zu. Zudem unterscheidet Platon explizit auch sinnlich Wahrnehmbares von Intelligiblem und vertritt â in der Tradition von Parmenides â sehr deutlich die These, dass Wissen nur gegen die sinnliche Wahrnehmung und den Körper möglich sei.
Aristoteles definiert in seiner Schrift De anima nous als âdas, womit die Seele denkt und Annahmen macht.â[16] Er vergleicht den nous â analog wie bei der Wahrnehmung â mit einer leeren Schreibtafel aus Wachs. Nous ist unaffiziert (d. h. unangeregt), unbestimmt, ein passives Vermögen, dessen Natur darin besteht, im Aufnehmen der Formen das aktual werden zu können, was er denkt. Er ist auch nicht einem bestimmten Organ zugeordnet, sondern körperlos.
Im Hellenismus wird das kognitive Vermögen nous sowohl von der Stoa als auch von Epikur materialistisch aufgefasst. Beide Schulen fĂŒhren Erkenntnis vollstĂ€ndig auf materiell gedachte Wahrnehmung zurĂŒck.[17]
Nachdem einige frĂŒhere Denker einem kosmologischen Prinzip entsprechende Eigenschaften zugeschrieben haben, bekommt der nous bei dem griechischen Mathematiker und Naturphilosophen Anaxagoras eine tragende Rolle in der WelterklĂ€rung. Der nous ist fĂŒr ihn ein Bewegungsprinzip, das er der Materie gegenĂŒberstellt, obgleich er es nicht klarerweise als nicht-materiell beschreibt. Eine Ă€hnliche Funktion weist der von Heraklit angenommene alles verwaltende logos auf, den er als vernĂŒnftig beschreibt.
FĂŒr Platon weist die Welt Eigenschaften eines beseelten und mit Vernunft ausgestatteten Lebewesens auf, und er erklĂ€rt ihre Beschaffenheit mit RĂŒckgriff auf eine göttliche Vernunft. Aristoteles nimmt einen âunbewegten Bewegerâ an, der die von ihm abhĂ€ngige Welt und den Himmel als eine Finalursache, d. h. wie ein Geliebtes oder Erstrebtes bewegt. Dessen ununterbrochene TĂ€tigkeit bestehe darin, den besten Gegenstand, sich selbst, zu denken (noĂȘsis noĂȘseĂŽs). Diesen Gott fasst Aristoteles â im Gegensatz zu dem oben thematisierten menschlichen Vermögen â als rein aktual auf. In der SpĂ€tantike weist Plotin dem nous die kosmologische Rolle zu, als Demiurg die sichtbare Welt nach Vorlage der Ideenwelt zu formen.[17]
Der Philosoph und christliche Kirchenlehrer Augustinus unterscheidet im Ăbergang zwischen SpĂ€tantike und FrĂŒhmittelalter zwischen Geist (mens, animus) und Seele (anima). Er fasst den Geist als eine an der Vernunft teilhabende Substanz auf, die zur Leitung des Leibes bestimmt ist (âsubstantia quaedam rationis particeps regendo corpori accomodataâ[18]). Dem Geist kommen wesensmĂ€Ăig Vernunft (ratio) und Einsicht (intelligentia) zu. Er wird durch die Laster (vitium) geschwĂ€cht und muss, um seiner Leitungsaufgabe gerecht werden zu können, durch den Glauben (fides) gereinigt werden.
Er beschreibt den menschlichen Geist als âAuge der Seele (oculus animae)â. Diesem ist die Erkenntnis ewiger Wahrheiten durch das unverĂ€nderliche Licht (lumen incommutabilis) des göttlichen Geistes möglich, das den menschlichen Geist und das ihm begegnende Seiende erleuchtet. Dieses Licht stellt das Innerste des Menschen selbst dar. Die Wendung (conversio) des Menschen zu diesem Innersten hin ist fĂŒr Augustinus Selbstvollzug des Geistes und bedeutet die RĂŒckkehr zu seinem eigentlichen Ursprung.
Thomas von Aquin, einer der Hauptvertreter der Scholastik, fasst die menschliche Seele als eine geistige Substanz (substantia spiritualis) auf. Im Unterschied zur Tierseele hat sie einen rein geistigen Charakter und ist daher unsterblich. Thomas vertritt eine strikte Leib-Seele-Einheit des Menschen. Die Seele ist Form des Leibes (forma corporis) und teilt ihm ihr Sein mit. Umgekehrt ist aber auch der Geist zur Erkenntnis auf den Leib und seine sinnliche Vermittlung angewiesen. Alle geistigen Erkenntnisse werden mittels des âtĂ€tigen Intellekts (intellectus agens)â von den Sinneswahrnehmungen abstrahiert.
Der Mensch als schwĂ€chster Strahl der Geistigkeit vermag das rein Geistige nicht zu schauen. Die Erkenntnis vermag nur so weit zu reichen wie der geistige Gehalt des SinnenfĂ€lligen, von dem sie ausgeht, es ihr gestattet. Eine unmittelbare Erkenntnis Gottes ist daher fĂŒr Thomas ausgeschlossen.
Die menschliche Seele ist bei Thomas die niederste der geistigen Formen. Sie ist ein Vernunftprinzip, das notwendig eines Körpers bedarf, um tĂ€tig werden zu können. Sie stellt daher gegenĂŒber der Seele der Engel, die in keinerlei Verbindung mit dem Materiellen steht, eine tiefere Stufe der Geistigkeit dar. Die Seele hĂ€ngt zwar in ihrer Existenz nicht von der Materie ab, ragt aber doch tief in das Körperliche hinein, da sie ohne den Körper etwas Unfertiges ist. Sie wird bei Thomas zum Ă€uĂersten und abgeschwĂ€chtesten Strahl des Verstandeslichtes, das in Gott aufleuchtet und im Menschen seine unterste Grenze erreicht wie das Sein bei der Materie. Sie steht daher auf der Grenze der geistigen und körperlichen Geschöpfe (in confinio spiritualium et corporalium creaturarum[19].).
Bei dem Philosophen, Mathematiker und Naturwissenschaftler RenĂ© Descartes, BegrĂŒnder des Rationalismus, ist der Geist ontologisch von der Materie getrennt, die Wirklichkeit gliedert sich in eine materielle und eine nichtmaterielle SphĂ€re. Menschen sind im Wesentlichen durch ihren immateriellen Geist ausgezeichnet und unterscheiden sich dadurch von Tieren, die Descartes als Automaten begreift. Zur StĂŒtzung seines Leib-Seele-Dualismus entwickelte Descartes Argumente, die bis heute in der Philosophie des Geistes diskutiert werden. So erklĂ€rte er, dass man sich klar und deutlich vorstellen kann, dass Geist ohne Materie existiert. Was man sich klar und deutlich vorstellen kann, ist aber zumindest prinzipiell auch möglich. Und wenn es prinzipiell möglich ist, dass Geist ohne Materie existiert, können Geist und Materie nicht identisch sein.[20] Varianten dieses Argumentes findet man in der heutigen Debatte bei Saul Kripke[21] und David Chalmers[22].
Eine anderes Argument Descartes' bezieht sich auf die menschliche SprachfĂ€higkeit: Es sei unvorstellbar, dass ein Automat das komplexe System einer natĂŒrlichen Sprache beherrsche. Diese Argumentation wird heute von den meisten Philosophen und Wissenschaftlern unter Verweis auf die Erkenntnisse der Computer- Psycho- und Neurolinguistik abgelehnt. Es bleibt jedoch festzuhalten, dass die menschliche SprachfĂ€higkeit keineswegs umfassend erforscht ist und dass die Computerlinguistik weit davon entfernt ist, die KomplexitĂ€t natĂŒrlicher Sprachen zu erfassen.
Descartes' Bild vom Menschen ist also wesentlich zweigeteilt: Der Mensch besteht aus einem materiellen Körper und einem immateriellen Geist. Körper und Geist interagieren an einer Stelle im Gehirn (der ZirbeldrĂŒse) miteinander. Verbrennt sich eine Person etwa am FuĂ, so wird der Reiz durch den Körper zum Gehirn und von dort zum Geist geleitet (siehe Abbildung). Im Geist verspĂŒrt die Person Schmerzen, was wiederum eine körperliche Reaktion verursacht. Vertreter eines solchen Dualismus haben unter anderem zu erklĂ€ren, wie diese Interaktion von Geist und Körper genau vorzustellen ist. In der Gegenwartsphilosophie wird dieses Problem unter dem Begriff Mentale Verursachung diskutiert.
David Hume, der im angelsÀchsischen Raum hÀufig als bedeutendster Philosoph der AufklÀrung betrachtet wird, vertrat die idealistisch empiristische Auffassung, der Geist beruhe allein auf Formen unmittelbarer Wahrnehmung. Inetwa in diesem Sinne definierte Johann Wolfgang von Goethe Geist in West-östlicher Divan:
âDenn das Leben ist die Liebe
Und des Lebens Leben Geist.â
Immanuel Kant knĂŒpfte sowohl an Hume wie auch an Gottfried Wilhelm Leibniz an. Im Rahmen des transzendentalen Idealismus ist der menschliche Geist selbst an der Bildung der RealitĂ€t beteiligt. Eine vom Geist und seiner SubjektivitĂ€t freie RealitĂ€t lĂ€sst sich nur als Ding an sich vorstellen. Doch auch mit Bezug auf das Ding an sich sind keine konkreten Aussagen ĂŒber eine vom Geist unabhĂ€ngige RealitĂ€t möglich, da das Ding an sich nicht durch die menschlichen Kategorien zu fassen ist. Mit der idealistischen Wende findet eine Aufwertung des Geistes statt, der zu einem konstitutiven Element der RealitĂ€t wird.
In der Philosophie des 19. Jahrhunderts, besonders im Deutschen Idealismus, setzte sich diese Tendenz fort. Hegel entwickelte einen absoluten Idealismus, der die subjektive ZurĂŒcknahme des Erkenntnisanspruches auf objektive Wahrheit ĂŒberwinden wollte. Darin fasste er die Denkgeschichte dialektisch als einen geschichtlichen Prozess der Entwicklung des Weltgeistes auf. Dieser wird als die RĂŒckwendung des Absoluten aus seinem Anderssein, der Natur, zu sich selbst gedacht. Sie konkretisiert sich in den drei Erscheinungsformen des Geistes: im subjektiven Geist des einzelnen Menschen, im objektiven Geist der menschlichen Gemeinschaftsformen von Recht, Gesellschaft und Staat und dem absoluten Geist, Kunst Religion und Philosophie. In der Philosophie vollendet sich die RĂŒckkehr des Geistes zu sich selbst in Gestalt des absoluten Wissens. Der absolute Geist ist so der Inbegriff fĂŒr die Wirklichkeit und den Grund allen Seins.
Im deutschen Idealismus wurde das Kantsche Programm ohne dessen Idee des Dings an sich fortgefĂŒhrt. Dies rĂŒckte den Geist noch weiter in den Fokus der philosophischen Aufmerksamkeit, da nun eine vom Geist unabhĂ€ngige Wirklichkeit nicht einmal als Grenzbegriff angenommen wurde. Das Leib-Seele-Problem fand im Rahmen derartiger Konzeptionen folgende Lösung: Wenn der Geist immer schon konstitutiv fĂŒr die wissenschaftlich untersuchte Natur ist, so ergibt es keinen Sinn, zu fragen, ob und wo der Geist in dieser Natur zu lokalisieren sei. In der gegenwĂ€rtigen Philosophie des Geistes werden nur noch selten konsequent idealistische Theorien vertreten.
Dagegen formulierte Karl Marx, sich auf Hegel beziehend, seine materialistische Auffassung des Geistes. Demnach bedingt die âProduktionsweise des materiellen Lebensâ bzw. die darin verankerte Arbeit den âsozialen, politischen und geistigen LebensprozeĂâ.[23]
Insbesondere durch Charles Darwins Entwicklung der Evolutionstheorie wurde der Mensch zunehmend auch als ein biologisches System betrachtet. Dies fĂŒhrte dazu, dass nunmehr viele Naturwissenschaftler den Geist als ein Produkt rein biologischer Prozesse betrachteten. In Deutschland erregten insbesondere die so genannten VulgĂ€rmaterialisten um Ludwig BĂŒchner und Carl Vogt mit derartigen Behauptungen Aufsehen und lösten so den Materialismusstreit aus. Auch der Evolutionsbiologe Ernst Haeckel postulierte, der Geist sei ein wissenschaftlich erfassbares PhĂ€nomen. Der Haeckelsche Monismus ist jedoch nicht als Materialismus zu begreifen, da Haeckel in der Tradition Baruch Spinozas von einer neutralen Substanz mit geistigen und materiellen Aspekten ausging. Allerdings gab es auch unter den Naturwissenschaftlern des 19. Jahrhunderts ungleich skeptischere Stimmen. Der Elektrophysiologe Emil Heinrich du Bois-Reymond erklĂ€rte etwa 1872 in einem einflussreichen Vortrag:
âWelche denkbare Verbindung besteht zwischen bestimmten Bewegungen bestimmter Atome in meinem Gehirn einerseits, andererseits den fĂŒr mich ursprĂŒnglichen, nicht weiter definierbaren, nicht wegzuleugnenden Tatsachen 'Ich fĂŒhle Schmerz, fĂŒhle Lust; ich schmecke SĂŒĂes, rieche Rosenduft, höre Orgelton, sehe Roth âŠ'.â[24]
Eine weitere Bedeutungskomponente erhielt der Begriff des Geistes im 19. Jahrhundert durch den Philosophen, Psychologen und PĂ€dagogen Wilhelm Dilthey, MitbegrĂŒnder der Lebensphilosophie, der die Geisteswissenschaften den Naturwissenschaften gegenĂŒberstellte.[25] Nach seiner Auffassung sind die Geisteswissenschaften durch eine besondere Methode, die Hermeneutik, ausgezeichnet. WĂ€hrend sich die Naturwissenschaften mit KausalzusammenhĂ€ngen beschĂ€ftigen, sollen die Geisteswissenschaften zu einem tieferen Verstehen der PhĂ€nomene beitragen. Der Neukantianer Wilhelm Windelband versuchte diese Unterscheidung zu prĂ€zisieren, indem er betonte, dass die Geisteswissenschaften besondere und einmalige Ereignisse erforschen, wĂ€hrend die Naturwissenschaften nach allgemeinen Naturgesetzen suchen.
Im frĂŒhen 20. Jahrhundert war das philosophische Nachdenken ĂŒber den Geist maĂgeblich durch den Wiener Kreis geprĂ€gt. Die Mitglieder des Wiener Kreises versuchten, philosophische Konsequenzen aus der Methodologie des psychologischen (methodologischen) Behaviorismus zu ziehen. Die klassischen Behavioristen hatten erklĂ€rt, dass sich introspektive Angaben ĂŒber den Geist nicht ĂŒberprĂŒfen lassen und daher nicht Teil einer Wissenschaft sein können. Die Psychologie mĂŒsse sich daher auf Verhaltensbeschreibungen beschrĂ€nken. Im Wiener Kreis wurden diese Annahmen mit dem Verifikationismus kombiniert, also der These, dass nur ĂŒberprĂŒfbare Aussagen eine Bedeutung haben. Als Konsequenz erscheinen Aussagen ĂŒber den Geist als sinnlos, sofern sie nicht von Verhalten handeln.
Die behavioristische Tradition fand ihre FortfĂŒhrung in Gilbert Ryles 1949 veröffentlichtem Werk The Concept of Mind (Der Begriff des Geistes), das fĂŒr mehr als ein Jahrzehnt zur orthodoxen Interpretation des Themas âGeistâ in der angelsĂ€chsischen Philosophie wurde. Ryle erklĂ€rte, es sei ein Kategorienfehler, davon auszugehen, dass der Geist etwas Inneres ist. In einer gewissen Spannung zum Behaviorismus stand hingegen das Werk Ludwig Wittgensteins. Zwar bestreitet auch Wittgenstein, dass der Geist als ein innerer Zustand zu verstehen sei, grenzt sich jedoch zugleich vom Behaviorismus ab.
In eine entgegengesetzte Richtung fĂŒhrte die von Edmund Husserl begrĂŒndete PhĂ€nomenologie, die explizit die Untersuchung subjektiver, geistiger PhĂ€nomene zum Ziel hatte. Im Verfahren der epochĂ© sollen alle Annahmen ĂŒber die AuĂenwelt âeingeklammertâ und so eine Erforschung der puren SubjektivitĂ€t möglich gemacht werden.[26] Unter Bezugnahme auf Franz Brentano nahm Husserl an, dass geistige ZustĂ€nde im Wesentlichen durch IntentionalitĂ€t gekennzeichnet sind. Damit ist gemeint, dass sich mentale ZustĂ€nde auf etwas beziehen, so bezieht sich etwa die Sehnsucht nach einer Person auf eine Person. Die Husserlsche PhĂ€nomenologie ĂŒbte einen enormen Einfluss auf die Philosophie des 20. Jahrhunderts aus, unter anderen auf Husserls SchĂŒler Martin Heidegger und Jean-Paul Sartre, der nach Freiburg kam, um bei Husserl zu studieren. In der französischen Philosophie knĂŒpfte insbesondere Maurice Merleau-Ponty an Husserls IntentionalitĂ€tsbegriff an. Dabei wollte Merleau-Ponty mit dem Begriff des Leibes die Entgegensetzung von Körper und Geist aufheben. Der Leib ist ein lebender und aktiv wahrnehmender Körper und lĂ€sst sich somit nicht durch eine Entgegensetzung von Geistigem und Nicht-Geistigem fassen.
In den frĂŒhen 1960er Jahren gab es auch in der angelsĂ€chsischen Philosophie eine radikale Abkehr von den behavioristischen Theorien.[27] Durch die Erfolge der neurowissenschaftlichen Forschung inspiriert, versuchten IdentitĂ€tstheoretiker den Geist auf das Gehirn zu reduzieren. Ein analoges Programm wurde von Funktionalisten vertreten, die sich jedoch auf KĂŒnstliche Intelligenz und Kognitionswissenschaft stĂŒtzen. Diese reduktiven BemĂŒhungen blieben allerdings nicht unwidersprochen, es wurde auf unĂŒberwindbar erscheinende Probleme des Reduktionismus hingewiesen.[28] Mit den so genannten Qualia (Bewusstsein der PhĂ€nomene) und der IntentionalitĂ€t hat der Geist nach Meinung vieler Philosophen Eigenschaften, die sich nicht durch Naturwissenschaften erklĂ€ren lassen.
Durch die Spannung zwischen den Erfolgen der empirischen Forschung und den Problemen des Reduktionismus ist in der Philosophie eine sehr differenzierte Debatte um die Natur des Geistes entstanden. Heute werden verschiedene Formen des Physikalismus, Dualismus und Pluralismus vertreten. Die Eliminativen Materialisten verzichten gÀnzlich auf die Annahme der Existenz eines Geistes.
Auch bei dem Blick auf die wissenschaftliche Erforschung des Geistes ergibt sich kein einheitliches Bild. Die Wissenschaften, die sich mit dem PhÀnomen des Geistes beschÀftigen, verfolgen verschiedene Ziele und verwenden zum Teil sehr unterschiedliche Modelle und Methoden. Die relevanten Wissenschaften reichen von den Sozialwissenschaften, der Sozialpsychologie und der Psychologie bis hin zur Hirnforschung.
In den Sozialwissenschaften kommt gelegentlich eine ĂŒberindividuelle Verwendung des Begriffs âGeistâ hinzu.[29] So nannte der Soziologe Max Weber eines seiner einflussreichsten Werke 1904 Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus und noch 1935 Ferdinand Tönnies sein Alterswerk Geist der Neuzeit. In diesem Zusammenhang bezieht sich der Ausdruck âGeistâ auf grundlegende Normen, Ăberzeugungen und Weltanschauungen, die fĂŒr eine Gemeinschaft konstitutiv sind. Allerdings ist auch diese Bedeutung nicht unabhĂ€ngig vom Geist der Individuen, da die Normen und kollektiven Anschauungen fĂŒr die einzelnen Mitglieder eines Kollektivs sehr bedeutsam sind. Der Geist im sozialwissenschaftlichen Sinne ist nur denkbar, wenn es Entsprechungen im Geist einer Vielzahl von Individuen gibt.
Pierre Bourdieu entwickelte in der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts eine komplexe so genannte âTheorie der Praxisâ mit eigenen Begrifflichkeiten. Er unternahm den Versuch, Geist und Materie wie auch Subjektivismus und Objektivismus auf der Basis empirischer Erforschungen des Alltagslebens und vergleichender Kulturforschung miteinander zu verknĂŒpfen. Der Mensch âinkorporiertâ demnach seine soziale Umwelt durch geistige Lernakte, die sich auch körperlich ausdrĂŒcken. Zu diesem Habitus gehören unter anderem die Denk- und Sichtweisen der Wahrnehmungen, die das Urteilen und Bewerten beeinflussen und den Handlungsspielraum begrenzen.
In der Sozialpsychologie wird der Einfluss sozialer Interaktion auf geistige Prozesse wie Gedanken oder GefĂŒhle untersucht.[30] Dabei kann der Fokus auf einen weiten sozialen Kontext oder auf zwischenmenschliche Prozesse gerichtet sein. ErgĂ€nzt werden sozialpsychologische AnsĂ€tze durch kulturvergleichende oder kulturhistorische Untersuchungen, in denen etwa dargestellt wird, wie GefĂŒhle (z. B. Liebe oder Eifersucht) sich in verschiedenen Kulturen unterscheiden und entwickelt haben. Die Sozialpsychologie berĂŒhrt hier auch die klassische anthropologische Frage nach der UniversalitĂ€t von bestimmten geistigen Prozessen.
Die klassische Wissenschaft des Geistes ist die Psychologie, wobei man innerhalb der Psychologie wiederum zwischen verschiedenen AnsĂ€tzen unterscheiden muss. So untersucht etwa die Kognitionspsychologie geistige Prozesse mit möglichst prĂ€zisen experimentellen Methoden, um so kognitive PhĂ€nomene wie GedĂ€chtnis, Wahrnehmung oder Denken besser zu verstehen. Ein Beispiel hierfĂŒr ist die Forschung zum Priming, bei dem mittels Darbietung eines Reizes (Prime) die Verarbeitungszeit eines Zielreizes (Target oder Probe) beeinflusst wird. Bei Primingexperimenten wird der Versuchsperson eine Aufgabe gestellt, so muss sie etwa prĂ€sentierte Bilder benennen (Beispiel: Bild von einem Brot â Reaktion âBrotâ). PrĂ€sentiert man der Person kurz vor der Aufgabe einen verwandten Ă€hnlichen Reiz bzw. Prime (etwa das Wort âKĂ€seâ), so wird die Versuchsperson die Benennungsaufgabe schneller lösen. Kognitionspsychologen schlieĂen aus diesen Befunden, dass die Begriffe im Geist in einer netzwerkartigen Struktur organisiert sind und die PrĂ€sentation des Primes eine Voraktivierung an der richtigen Stelle des Netzwerks auslöst.
In den letzten Jahrzehnten haben die Kognitionspsychologen sehr viele Daten ĂŒber geistige Prozesse gesammelt, und sie gehen zunehmend dazu ĂŒber, diese Daten in komplexen Modellen zusammenzufassen. In Form von kognitiven Architekturen werden solche Modelle als Computerprogramme realisiert und sollen die Prognose von geistigen Prozessen möglich machen.[31] Derartige kognitionspsychologische Modelle sind jedoch auf grundlegende geistige Prozesse beschrĂ€nkt, also etwa auf die Wahrnehmung von Bewegungen und Formen oder auf das KurzzeitgedĂ€chtnis. Will man mit Hilfe von psychologischen Untersuchungen komplexe geistige PhĂ€nomene, wie etwa Charaktermerkmale oder psychische Erkrankungen verstehen, so muss man auf andere Teildisziplinen (wie etwa die Persönlichkeitspsychologie) zurĂŒckgreifen.
Einflussreich ist in diesem Zusammenhang auch die Psychoanalyse in der Tradition von Sigmund Freud. Freud machte zu Beginn des vorigen Jahrhunderts darauf aufmerksam, dass geistige Prozesse zu weiten Teilen unbewusst ablaufen. So muss sich eine Person etwa keinesfalls im Klaren ĂŒber ihre Angst oder Wut sein. Gleichzeitig betonte Freud, dass die Struktur des Geistes maĂgeblich durch die sozialen Normen und Werte einer Gemeinschaft geprĂ€gt sind. Freud beschrieb die Bildung des Ichs (Wahrnehmen, Denken und GedĂ€chtnis) im Strukturmodell der Psyche als einen Prozess im Spannungsfeld zwischen dem Unterbewussten (Es) und den verinnerlichten Normen und Werten (Ăber-Ich).[32]
Auch wenn die psychoanalytischen Methoden und auch die psychoanalytische Therapie weiterhin umstritten sind, wird in der Psychologie doch allgemein anerkannt, dass zum umfassenden VerstĂ€ndnis geistiger Strukturen eine Analyse unbewusster und sozialer Prozesse notwendig ist. Es wird zudem akzeptiert, dass eine solche Analyse nicht allein mit kognitions- oder biopsychologischen AnsĂ€tzen durchgefĂŒhrt werden kann. Will man etwa psychische Erkrankungen wie Phobien oder Depressionen umfassend verstehen, so muss man den weiten lebensgeschichtlichen und sozialen Kontext einer Person betrachten.
WĂ€hrend die Psychologie am Verhalten indirekt geistige AktivitĂ€ten untersucht, ist das Thema der Neurowissenschaften zunĂ€chst das Gehirn und nicht der Geist. Zugleich macht die neurowissenschaftliche Forschung jedoch deutlich, dass geistige AktivitĂ€ten nicht unabhĂ€ngig vom neuronalen Geschehen sind. So beschreibt etwa die Neurologie den Zusammenhang zwischen LĂ€sionen (SchĂ€digungen) des Gehirns und kognitiven BeeintrĂ€chtigungen. Ein Beispiel hierfĂŒr sind Aphasien (erworbene Sprachstörungen), bei denen spezifische BeeintrĂ€chtigungen oft mit SchĂ€den in spezifischen Gehirnregionen verbunden sind.
GroĂe Aufmerksamkeit hat in den letzten Jahren zudem die Suche nach neuronalen Korrelaten des Bewusstseins erfahren. Mit der Hilfe von bildgebenden Verfahren ist es möglich, die neuronalen AktivitĂ€ten im Gehirn zu messen und zu visualisieren: Derartige Methoden erlauben es zumindest in AnsĂ€tzen zu untersuchen, welche AktivitĂ€ten im Gehirn ablaufen, wenn eine Person sagt oder auf andere Weise signalisiert, dass sie etwas wahrnimmt, fĂŒhlt oder denkt. Dabei kann man feststellen, dass wĂ€hrend der von Versuchspersonen bezeichneten geistigen AktivitĂ€ten nicht alle Bereiche des Gehirns gleichmĂ€Ăig aktiv sind. Vielmehr scheinen mit spezifischen geistigen AktivitĂ€ten oft auch spezifische neuronale AktivitĂ€ten verbunden zu sein. Die Erforschung derartiger Verbindungen steckt jedoch noch in der Anfangsphase und es war bisher nicht möglich, von einer bestimmten neuronalen AktivitĂ€t auf eine bestimmte geistige AktivitĂ€t zu schlieĂen.[33] Es wird zudem oft bezweifelt, dass dies bei komplexen Gedanken oder GefĂŒhlen jemals möglich sein wird.
Wie ist nun diese Verbindung zwischen geistigen und neuronalen AktivitĂ€ten zu verstehen? Warum sind etwa VerĂ€nderungen des Geistes mit VerĂ€nderungen des Gehirns verknĂŒpft? Eine mögliche Antwort lautet, dass die geistigen AktivitĂ€ten mit den AktivitĂ€ten im Gehirn identisch sind. Nach einer solchen Theorie wĂ€ren etwa Kopfschmerzen nichts anderes, als eine bestimmte AktivitĂ€t im Gehirn. Auch wenn eine solche IdentitĂ€tstheorie die systematischen Verbindungen zwischen Geist und Gehirn leicht erklĂ€ren kann, hat sie doch mit Problemen zu kĂ€mpfen. Zweifel an der Gleichsetzung von geistigen AktivitĂ€ten mit GehirnvorgĂ€ngen werden oft mit Hilfe des Qualiaproblems artikuliert. Mentale ZustĂ€nde wie Kopfschmerzen sind durch Erleben ausgezeichnet, es fĂŒhlt sich auf eine bestimmte Weise an, etwas zu erleben. Wenn nun mentale AktivitĂ€ten mit GehirnaktivitĂ€ten identisch sind, so mĂŒssen auch die GehirnaktivitĂ€ten durch diese Qualia ausgezeichnet und durch die Neurowissenschaften erklĂ€rbar sein. Die Frage, warum eine bestimmte GehirnaktivitĂ€t mit einem Erlebnis verknĂŒpft ist, können Neurowissenschaftler derzeit nicht beantworten. Bedeutet dies, dass solche neuronalen AktivitĂ€ten mit Bewusstseinserfahrungen nicht identisch sind? Diese These ist â wie die gesamte philosophische Interpretation der Neurowissenschaften â weiterhin umstritten.
Im Tanach entspricht am ehesten das hebrĂ€ische Wort ârĂ»ahâ dem, was im Deutschen unter âGeistâ verstanden wird. Es bedeutet wie das griechische âpneumaâ und das lateinische âspiritusâ zunĂ€chst âbewegte Luftâ, âWindâ. Bei Mensch und Tier bezeichnet die rĂ»ah weiterhin den Atem, der den Geschöpfen Leben einhaucht. Als Lebensprinzip ist die rĂ»ah Gottes Eigentum; die Geschöpfe leben von ihr und sterben, wenn Gott sie entzieht. Im Menschen ĂŒbt sie die verschiedensten Lebensfunktionen geistiger, willensmĂ€Ăiger, sittlicher und religiöser Art aus und ist hier mit dem Begriff ânĂŠfĂŠschâ (âSeeleâ) fast synonym.
Gott als die Quelle der rĂ»ah ist selbst Geistwesen. So schwebte am ersten Tag der Schöpfung der Geist Gottes ĂŒber den Wassern (Gen 1,2 EU) und im Buch der Weisheit heiĂt es âDer Geist des Herrn erfĂŒllt den Erdkreisâ (Weish 1,7 EU). Gott teilt sich auserwĂ€hlten Menschen mit, indem er den Geist ĂŒber sie kommen lĂ€sst. Sie werden charismatisch begabt zu (kriegerischen) Heldentaten, prophetisch-ekstatischen FĂ€higkeiten und mit dem âGeist der Weisheitâ (Ex 28,3 EU) erfĂŒllt.
Der Tanach kennt auch den bösen Geist, der von Jahwe als dem einzigen Gott ausgehen kann. Dies geschieht dann, wenn die EmpfĂ€nger Unheil verdienen: âAls Abimelech drei Jahre lang ĂŒber Israel geherrscht hatte, sandte Gott einen bösen Geist zwischen Abimelech und die BĂŒrger von Sichem, so dass die BĂŒrger von Sichem von Abimelech abfielenâ (Ri 9,22â23 EU). Diese böse Geistesmacht, die Gott unterstellt ist, wird spĂ€ter in der christlichen Theologie die Gestalt des Satans als eine selbstĂ€ndige Funktion, in sich böse Figur und sogar mit eigener Personifikation als Gegenpart zu Gott bekommen.
Im Neuen Testament wird âGeistâ mit dem griechischen Wort âpneumaâ bezeichnet. Gemeint ist meist der Geist Gottes, der als âHeiliger Geistâ scharf vom Geist des Menschen unterschieden wird. Dieser Geist Gottes wird noch nicht so deutlich wie spĂ€ter in der TrinitĂ€tslehre als personal angesehen, sondern als Medium des göttlichen Handelns. FĂŒr die personale Auslegung sprechen jedoch Stellen wie die in der Apostelgeschichte 5,1â11 EU, in der Hananias und Saphira bestraft werden, weil sie den Heiligen Geist belĂŒgen.
Der Begriff des Pneuma spielt eine zentrale Rolle in der Geschichte Jesu. Bereits seine EmpfĂ€ngnis geschieht unter Einwirkung des Heiligen Geistes (Mt 1,18â20 EU). Vom Pneuma wird er in die WĂŒste getrieben, um dort den Versuchungen zu widerstehen (Mk 1,12 EU). Als GeisttrĂ€ger ĂŒbernimmt er sein öffentliches Amt (Lk 4,14 EU); auf ihm ruht nun das Pneuma des Herrn (Mt 12,18 EU). Mit seiner Hilfe ist Jesus in der Lage, die Herrschaft des Satans zu brechen (Mt 12,28 EU). Dies bedeutet allerdings nicht, dass Jesus dĂ€monische KrĂ€fte unterstellt werden dĂŒrften (Mk 3,29f. EU). Die Auferweckung Jesu von den Toten bedeutet einen Ăbergang in die Seinsweise des Pneuma (Röm 1,4 EU), womit Jesus als Herr (Kyrios) identifiziert wird (1 Kor 3,17 EU).
FĂŒr Paulus ist fast jede LebensĂ€uĂerung der Kirche Wirkung des Pneuma. Schon bei der Konstituierung der christlichen Gemeinde ist das Pneuma am Werk (1 Kor 12,13 EU). Das Pneuma ist eine Gnadengabe (Charisma), die bei den GlĂ€ubigen unterschiedlich verteilt ist (Röm 12,6ff. EU). Paulus stellt eine Rangfolge der Charismen auf und verlangt ihre Indienstnahme in den Aufbau der Gemeinde (1 Kor 3,12ff. EU).
Paulus unterscheidet auch ein falsches Pneuma, dass die Gemeinde âaus der Fassung bringen und in Schrecken jagenâ kann (2 Thess 2,2 EU). Es ist daher âdie FĂ€higkeit, die Geister zu unterscheidenâ (1 Kor 12,10 EU).
All das geistige Sein der GlĂ€ubigen vollzieht sich im Pneuma. Es wird im Glauben als eschatologische Segensgabe empfangen und mit ihr das âLebenâ. Das Pneuma heiligt die Glaubenden; selbst ihr Leib ist ein âTempelâ des Pneuma. Es bedeutet Freiheit von der Herrschaft der SĂŒnde, des Todes (Röm 8,2 EU) und des Gesetzes (Gal 5,18 EU). Der GlĂ€ubige darf aber diese im Pneuma gewĂ€hrte Freiheit nicht zum âAnlass fĂŒr das Fleischâ (Gal 5,13 EU) nehmen, sondern soll sich in seiner sittlichen Existenz von Pneuma leiten lassen (Gal 5,16f. EU). Das Pneuma wird zwar als Fundament des Heils bezeichnet, aber nicht als dessen ErfĂŒllung. Paulus nennt es âErstlingsgabeâ (Röm 8,23 EU) oder âAngeldâ (2 Kor 1,22 EU) des Gesamtheils. Die GlĂ€ubigen erwarten kraft des Pneumas âdie erhoffte Gerechtigkeitâ (Gal 5,5 EU) und v.a die Auferweckung des Leibes (Röm 8,11 EU).
Die Unterscheidung zwischen dem Reich des Geistes (und der Liebe) und dem Reich des Fleisches (und der SĂŒnde) war fĂŒr Paulus zentral. Diese Theologie hat nach EinschĂ€tzung von Kritikern dualistische Vorstellungen begĂŒnstigt.
Das paulinische Gedankengut wurde spĂ€ter durch Thomas von Aquin in der Summa Theologica weitergefĂŒhrt, und bis heute wird der Begriff anima forma corporis verwendet.
Mit dem Begriff des Geistes (citta) wird im Buddhismus etwas bezeichnet, was zur Körperlichkeit hinzutritt. Der Ausdruck wird in der buddhistischen Anthropologie synonym gebraucht zu Begriffen wie Denken (manas) und Bewusstsein (vijñana). âGeistâ wird unter zweierlei Aspekten betrachtet. Zum einen ist er eine Erscheinungsweise der menschlichen Existenz (samsara) und bedarf als solcher der Erlösung (nirvana); andererseits bezeichnet er genau das Instrument mittels dessen die Erlösung erst möglich wird.
Der Geist geht nach buddhistischer Lehre allem Reden und Handeln voraus. Oberste Aufgabe ist es daher, ihn durch die Ăbung der âAchtsamkeitâ (sati) â dem siebten Glied des achtfachen Pfades â unter Kontrolle zu bringen. Weiterhin ist die Ausrichtung des Geistes, seine Konzentration auf einen Punkt (samÄdhi) von Bedeutung.
In der mahayanischen Tradition â vor allem der Yogachara- Schule â des Buddhismus bildet sich ein radikaler Idealismus heraus, der das Wesen der Welt nur als Geist interpretiert, wohingegen die Vielheit der Erscheinungen als Trug und Illusion (mÄyÄ) angesehen wird. Der Begriff des Geistes rĂŒckt hier in die NĂ€he des nirwana, das als Absolutes, nicht genau zu beschreibendes Prinzip alles Seienden hinter dem Schleier der individualisierenden mÄyÄ liegt.
In religiösen mystischen Schriften und einigen philosophischen Traditionen wird der Begriff Geist meist in zwei verschiedenen Bedeutungen gebraucht. Zum einen als der âmenschliche Geistâ, was in etwa der heutigen Verwendung von âBewusstseinâ oder âVerstandâ entspricht und zusĂ€tzlich noch âSeeleâ umfasst. Zum anderen als âgöttlicher Geistâ oder âabsoluter Geistâ, der je nach Tradition auch personalisiert als Gott oder Gottheit angeredet wird.[34] Die praktische Ăberwindung dieser Trennung ist fĂŒr viele Mystiker dabei die wesentliche Aufgabe.[35]. Die Frage nach der Beziehung zwischen Geist und Körper tritt demgegenĂŒber bei Mystikern hĂ€ufig in den Hintergrund.
Die in den mittelalterlichen Klöstern praktizierten âgeistlichen Ăbungenâ werden in âoratioâ (liturgisches Gebet), âlectioâ (Lesung aus den Schriften), âmeditatioâ (gegenstĂ€ndliche Betrachtung, Meditation) und âcontemplatioâ (gegenstandfreie Anschauung, Kontemplation) unterteilt. Der Verstand und das Denken sollen so zur Ruhe kommen, um den âeinen Urgrundâ, also den göttlichen Geist, freizulegen. In diesem Sinn besteht fĂŒr den Mystiker kein Unterschied zwischen menschlichem und göttlichem Geist.[36] Auch der Körper des Menschen ist in diesem VerstĂ€ndnis ein Ausdruck des Göttlichen und diesem nicht entgegengesetzt. In der Mystik der frĂŒhen Neuzeit wird der eigene Körper des Mystikers oft in besonderer, teils extremer Weise thematisiert [37].
Philosophiebibliographie: Philosophie des Geistes â ZusĂ€tzliche Literaturhinweise zum Thema