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Metamorphosen (Ovid)

„Die Erschaffung des Menschen“ aus einem Druck der Metamorphosen von 1676 mit Illustrationen von François Chauveau Die Metamorphosen (lateinischer Originaltitel Metamorphoseon libri: „BĂŒcher der Verwandlungen“) des römischen Dichters Ovid, geschrieben vermutlich ab dem Jahr 1 oder 3 n. Chr. bis um 8 n. Chr., sind ein in Hexametern verfasstes mythologisches Werk ĂŒber Metamorphosen („Verwandlungen“). Die Metamorphosen bestehen aus 15 BĂŒchern von je etwa 700 bis 900 Versen und beschreiben die Entstehung und Geschichte der Welt in den Begriffen der römischen und griechischen Mythologie. Dabei wurden etwa 250 Sagen verarbeitet. Seit seinem Erscheinen war es stets eines der populĂ€rsten mythologischen Werke ĂŒberhaupt und sicherlich das den mittelalterlichen Schriftstellern und Dichtern am besten bekannte. Somit hatte dieses Werk einen enormen Einfluss auf die Literatur des Mittelalters sowie auf die bildende Kunst vom Mittelalter bis zum Barock.

Ovid wĂ€hlt sich die in Mythen so hĂ€ufig anzutreffenden Verwandlungsgeschichten zum Thema, in denen meist ein Mensch oder ein niederer Gott in eine Pflanze, ein Tier oder ein Sternbild (Katasterismos) verwandelt wird. Das Werk beginnt mit der Entstehung der Welt aus dem Chaos und einer großen Flut, die nur ein Menschenpaar (Deukalion und Pyrrha) ĂŒberlebt, und es endet mit der Verwandlung von Caesars Seele in einen Stern. Ovid bewegt sich von einem Beispiel zum anderen, indem er sich durch die Mythologie arbeitet; hĂ€ufig springt er dabei auf scheinbar beliebige Weise von einer Verwandlungsgeschichte zur nĂ€chsten. In Wahrheit sind die ÜbergĂ€nge zwischen den einzelnen Verwandlungssagen jedoch Ă€ußerst kunstvoll. Dabei mischt er zentrale Szenen der griechischen Mythologie mit eher abgelegenen Mythen.

Inhaltsverzeichnis

Entstehungsgeschichte

Innerhalb der gut 30-jÀhrigen Schaffensperiode Ovids (ca. 15 v. Chr. bis zu seinem Tod im Jahr 17 n. Chr.) nehmen die Metamorphosen einen zentralen Platz ein.

Ovid begann mit der Arbeit im Jahre 1 v. Chr., so Pohlenz 1913 (umstritten). Im Jahre 8 n. Chr., als Ovid in die Verbannung gehen musste, war das Werk fast vollendet. In der ersten HĂ€lfte seines Schaffens arbeitete Ovid ĂŒberwiegend in elegischen Distichen, so z. B. in den amores („Liebesgedichte“), den epistolae heroidum („Heroidenbriefe“) und in der ars amatoria („Liebeskunst“). Eine Ausnahme bildet die grĂ¶ĂŸtenteils nicht erhalten gebliebene Tragödie Medea.

FĂŒr die Metamorphosen wĂ€hlte Ovid den Hexameter und bekannte sich damit eindeutig zum Epos. Dennoch verarbeitet er nicht rein epische Stoffe: Spielerisch (als "Lusor") und mit höchstem literarischen Anspruch, nach der Manier eines poeta doctus, verwebt er in seinen Verwandlungssagen historische, elegische und didaktische Elemente mit dem epischen RahmengerĂŒst, das er so umgestaltet und in weiten Teilen ironisiert. So parodiert er den fĂŒr das Epos typischen Heldenkatalog in der Actaeon-Episode: Statt einer AufzĂ€hlung von Helden mitsamt ihren Attributen findet sich an dieser Stelle eine detaillierte Beschreibung der Hunde des Actaeon, die ihren Herren, der in einen Hirsch verwandelt wurde, jagen und erlegen.

Das Werk umfasst 15 BĂŒcher mit etwa 12.000 Versen und hat damit epische Ausmaße. In der Zeit seiner Verbannung (z. B. epistulae ex Ponto) wandte sich Ovid wieder dem elegischen Distichon zu.

Schon in frĂŒheren Werken zeigte sich Ovids Interesse fĂŒr mythische Themen. FĂŒr die Metamorphosen ist heute eine Vielzahl von Mythensammlungen als Vorlagen fĂŒr fast alle der ca. 250 Verwandlungen nachgewiesen. Hervorzuheben ist die griechische Sammlung des Nikander von Kolophon aus dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert mit dem Titel Heteroiumena, ferner die Metamorphoseis des Parthenios. Beides sind Kataloggedichte. Vermutlich mit Hilfe eines Freundes, Aemilius Macer, konnte Ovid auch mindestens ein Werk benutzen, das eine thematische Auswahl bearbeitete: die Ornithogonia von Boio/Boios, ein griechisches Gedicht, das uns nur zum Teil ĂŒberliefert ist, und das von Verwandlungen von Menschen in Vögel erzĂ€hlt.

Ovid erlebte noch die letzte Periode der römischen BĂŒrgerkriege und den Übergang zur Monarchie und dann – wĂ€hrend seiner eigenen Schaffenszeit – die BlĂŒtezeit und schließlich Krisen unter Kaiser Augustus. Der Übergang zur Alleinherrschaft (bis 17 v. Chr.) war von Elegikern wie Gallus, Properz und Tibull in ihrer Dichtung verschlĂŒsselt kritisiert worden. Ihrem Beispiel folgte Ovid, als die Friedenszeit langsam zur den Geist lĂ€hmenden Alleinherrschaft wurde, und ĂŒbte versteckte Kritik an der Engstirnigkeit des Kaisers. Die Kritikmöglichkeit dĂŒrfte ein wichtiges Moment fĂŒr die Entstehung der Metamorphosen gewesen sein.

Bekannte Geschichten

Die Weltentstehung, die Weltzeitalter, Deukalion und Pyrrha (Sintflut), Pyramus und Thisbe, die lykischen Bauern, Daedalus und Ikarus und Perdix, Philemon und Baucis, Battus, Narziss und Echo, Orpheus und Eurydike, Apoll und Daphne, Phaeton, Niobe, Iphis und Ianthe, König Midas mit dem Musikwettstreit zwischen Pan und Apollo, Pygmalion, Jupiters AffÀren mit schönen Frauen (vor allem Europa, Io, Kallisto, Leda und Leto/Latona), die Dioskuren (Castor und Pollux), Perseus und Andromeda, Iason und Medea, Pythagoras, Caesar und Augustus.

AusgewĂ€hlte Verwandlungen in den 15 BĂŒchern

Buch 1

Wer/Was wird durch wen/was in wen/was verwandelt und warum?
Lycaon Jupiter Wolf Strafe fĂŒr Lycaons Grausamkeit
Daphne Peneus Lorbeer Schutz vor dem liebestollen Apollo, Erhalt der JungfrÀulichkeit
Io Jupiter Kuh um Seitensprung vor Juno zu verbergen

Buch 2

Wer/Was wird durch wen/was in wen/was verwandelt und warum?
Callisto Juno BĂ€rin Strafe fĂŒr Callistos Verbindung mit Jupiter
Battus Mercurius Stein Strafe fĂŒr Battus Meineid
Aglauros Mercurius steinernes Denkmal Strafe fĂŒr Aglauros Neid auf die Beziehung zwischen Herse und Mercurius

Buch 3

Wer/Was wird durch wen/was in wen/was verwandelt und warum?
Actaeon Diana Hirsch Actaeon sieht Diana nackt
Narcissus Aphrodite Narzisse hoffnungslose Liebe zu seinem eigenen Spiegelbild
Echo Hera Stein lange Einsamkeit aufgrund hoffnungsloser Liebe zu Narcissus

Buch 4

Wer/Was wird durch wen/was in wen/was verwandelt und warum?
Cadmus und Harmonia - Schlangen auf eigene Bitte
Atlas Gorgonenhaupt Berg Selbstverteidigung des Perseus

Buch 5

Wer/Was wird durch wen/was in wen/was verwandelt und warum?
Phineus und seine Krieger Perseus (mit der Gorgo) Stein Unterlegenheit des Perseus, um den Kampf noch zu gewinnen
Cyane, der Junge bei der Alten, Ascalaphus sich selbst (Cyane), Ceres (Trank der Alten), Ceres Wasser, Sterneidechse, Uhu Wut (Cyane), Strafe fĂŒr Spott (der Junge), Strafe fĂŒr das Bezeugen, dass Proserpina einen Granatapfel gegessen hat (Ascalaphus)
Alpheus, Arethusa Alpheus, sich selbst; Arethusa, durch Götter Wasser Zielerreichung (Alpheus), Angst (Arethusa)
Die neun Töchter des Pierus die aonischen Götter-Schwestern neun Elstern Herausforderung der Götter, Strafe

Buch 6

Wer/Was wird durch wen/was in wen/was verwandelt und warum?
Arachne Pallas Athene (SÀfte der Hecate) Spinne (Neid der Göttin auf Arachnes Begabung), Strafe
Niobe Latona, Phoebus, Phoebe Marmor (Steinquelle auf einem Berggipfel) Verachtung der Götter, Stolz, Strafe
Tereus, Procne, Philomela - Rotkehlchen (Philomela und Procne), Wiedehopf (Tereus) Kennzeichnung des Mordes (roter Flaum bei den Schwestern), Strafe fĂŒr die Taten

Buch 7

Wer/Was wird durch wen/was in wen/was verwandelt und warum?
Aeson, ein Greis (Vater Iasons) einen Zaubertrank Medeas einen jĂŒngeren Mann Rettung vor dem natĂŒrlichen Tod; Liebesbeweis Medeas an Iason

Buch 8

Wer/Was wird durch wen/was in wen/was verwandelt und warum?
Perdix Pallas Athene ein Rebhuhn Rettung vor dem hinterlistigen Tod durch Daedalus; Strafe / schlechtes Gewissen fĂŒr Daedalus
Perimele Neptun eine Insel Rettung vor dem Tod
Philemon und Baucis Jupiter eine Linde und eine Eiche ErfĂŒllung eines Wunsches als Dank fĂŒr Gastfreundlichkeit

Buch 9

Wer/Was wird durch wen/was in wen/was verwandelt und warum?
Achelous er selbst erst in eine Schlange, dann in einen Stier um sich im Kampf gegen Hercules zu behaupten
Lichas Hercules Stein Bestrafung; er brachte Hercules den giftigen Mantel
Galanthis Lucina Wiesel Weil sie durch eine List Iole zur Geburt verhalf, was Lucina verhindern wollte
Byblis - Quelle sie weint so viel vor Trauer, weil sie ihren Bruder Caunus liebt
Iphis Isis Mann damit Iphis, der als Frau zur Welt kam, seine geliebte Ianthe heiraten kann

Buch 10

Wer/Was wird durch wen/was in wen/was verwandelt und warum?
Hyacinthus Apollo Blume Er schÀmte sich, ihn getötet zu haben.
Pygmalions Statue Venus eine echte Frau Venus hat Mitleid und verwandelt die Statue, da Pygmalion sich in sie verliebt hat.
Myrrha Götter Baum Sie liebte ihren Vater und will sterben, im Leben wĂŒrde sie die Menschen, als Tote die anderen Toten krĂ€nken.
Hippomenes und Atalanta Venus Löwen Weil Hippomenes Venus nicht fĂŒr ihre Hilfe dankte und er und Atalanta einen heiligen Tempel entweihten.

Buch 11

Wer/Was wird durch wen/was in wen/was verwandelt und warum?
Reis, Stein, Scholle, Obst, Fleisch, Traubensaft Midas (indirekt durch Bacchus) Gold Bacchus erfĂŒllt Midas zur Belohnung fĂŒr den wiedergefundenen Silenus einen Wunsch
Midas (unter dem Fluch des Ehrengeschenks) Bacchus Midas (befreit vom Ehrengeschenk) Bacchus erbarmt sich und sagt Midas, wie er die Schuld abwaschen kann
Midas Apollo Esel Apollo zieht Midas zur Strafe die Ohren lang und hĂŒllt sie in graues Fell
Thetis (Göttin der Wasser) sich selbst Vogel, Baum, gesprenkelte Tigerin Um sich vor Peleus zu schĂŒtzen, der sie begatten will
Ceyx und Halcyone Götter Vögel Das durch Ceyx' Tod getrennte Paar kann wieder vereint leben
Äsakos (der Taucher) Thetys Vogel Thetys bewahrt den Taucher somit vor dem Tod, der sich aus SchuldgefĂŒhlen von den Klippen stĂŒrzen will

Buch 13

Wer/Was wird durch wen/was in wen/was verwandelt und warum?
Akis Meernymphe Galateia, Faunus, Nymphe Symaethis Flussgott mit Hörnern Durch die Verwandlung wird Akis vor dem Cyclopen Polyphem gerettet, der wegen Galatea eifersĂŒchtig auf ihn ist.
Glaucus Oceanus, Tethys (Meeresgötter) Meeresgott mit grĂŒnem Haar und Bart, blĂ€ulicher Haut und einem Fischschwanz Glaucus hat nach dem Verzehr besonderen Grases am Strand die Sehnsucht, im Meer zu leben. Andere Meeresgötter wĂŒnschen seine Verwandlung.

Buch 14

Wer/Was wird durch wen/was in wen/was verwandelt und warum?
Scylla Circe Frau mit wĂŒtenden Höllenhunden statt eines Unterleibs Circe ist wegen Glaucus, der zu ihr kam, um einen Liebestrank fĂŒr Scylla zu erbitten, eifersĂŒchtig auf Scylla.
Sibylle Apollo eine Frau, die tausend Jahre lebt, dabei aber entsprechend altert, so dass sie am Ende nur noch als Stimme vorhanden ist Als Apollo Sibylle aus Liebe einen Wunsch gewĂ€hrt, wĂŒnscht sie sich ein sehr langes Leben, vergisst dabei aber die ebenso lange Jugend. Weil sie Apollos Liebe nicht erwidert, gibt dieser die ewige Jugend auch nicht von selbst dazu.
GefĂ€hrten des Ulixes Circe Schweine, dann wieder Menschen Verwandlung ohne besonderen Grund; RĂŒckverwandlung, weil Ulixes, der ihr Geliebter wird, diese fordert
Aeneas Jupiter, Venus, Numicius Gott Indiges Nach Aeneas' heldenhaften Leben bittet Venus, dessen Mutter, Jupiter darum, Aeneas zum Gott zu machen.
Vertumnus von selbst MĂ€nner mit verschiedenen Berufen, eine alte Frau, schließlich zurĂŒck in sich selbst Um in der NĂ€he der schönen Baumnymphe Pomona zu sein und sie fĂŒr sich zu gewinnen. Sie verliebt sich erst dann sofort in ihn, als er wieder er selbst ist.
Romulus und seine Frau Hersilia Jupiter, Juno Götter Quirinus und Hora Romulus' Vergöttlichung war Mars schon lange von Jupiter versprochen worden und erfolgt, nachdem dieser die Völker der Latiner und Sabiner vereint hat. Juno erbarmt sich der um ihn trauernden Hersilia.

Rezeption

Ausgaben

  • Michael von Albrecht (Herausgeber): Metamorphosen (lateinisch und deutsch), Reclam, Ditzingen 2010
  • Michael von Albrecht (Herausgeber): Metamorphosen (lateinisch und deutsch), Reclam, Ditzingen 1994, ISBN 3-15-001360-7 und 1997, ISBN 3-15-051360-X
  • Gerhard Fink (Herausgeber): Metamorphosen. Das Buch der Mythen und Verwandlungen, Artemis & Winkler, ZĂŒrich/MĂŒnchen 1989 und diverse weitere Auflagen in den Reihen: Tusculum Studienausgabe (Auswahl (lateinisch und deutsch), 1999, ISBN 3-7608-1362-3), Bibliothek der alten Welt (2001), Sammlung Tusculum (lateinisch und deutsch) (2004, ISBN 3-7608-1736-X)]

HörbĂŒcher

Literatur

  • G. Karl Galinsky: Ovid’s Metamorphoses. An Introduction to the Basic Aspects University of California Press. Berkeley, Blackwell, Oxford 1975 ISBN 0-520-02848-1
  • Winfried Schindler: Ovid "Metamorphosen". Erkennungsmythen des Abendlandes. Europa und Narziss Sonnenberg, Annweiler 2005 (Reihe: Exemplarische Reihe Literatur und Philosophie, 20) Literaturverz. ISBN 3-933264-39-1

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Metamorphosen â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Lateinischer Text
Übersetzungen ins Deutsche
Übersetzungen ins Englische
Kommentare, SekundÀrliteratur
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