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MobilitÀt

MobilitÀt (lat.: mobilitas, Beweglichkeit) bezeichnet im Allgemeinen die Beweglichkeit oder Bewegung, wobei der gemeinte Begriff meist mit Hilfe eines weiteren Merkmals genauer bestimmt wird.

Inhaltsverzeichnis

Verschiedene Merkmale

Der Begriff MobilitÀt wird mithilfe folgender Attribute genauer definiert:

MobilitÀt in der Verkehrsplanung

Da MobilitÀt eine grundlegende Funktion des Wirtschafts- als auch des Privatlebens ist, ist dieser Bereich entsprechend umfangreich in Praxis und Wissenschaft abgebildet.

Die Verkehrsplanung befasst sich mit den physischen OrtsverĂ€nderungen von Personen und GĂŒtern. PersonenmobilitĂ€t lĂ€sst sich weiter aufteilen in

  • ZirkulĂ€re MobilitĂ€t: RegelmĂ€ĂŸige Bewegung, bei der man zum Wohnsitz zurĂŒckkehrt (z. B. Berufspendler).
  • Residenzielle MobilitĂ€t: Wechsel des Wohnsitzes.

Die Verkehrsplanung befasst sich lange Zeit nur mit physischen RaumverĂ€nderungen, öffnet sich nun auch einem weiteren VerstĂ€ndnis von MobilitĂ€t, das dem Menschen ein MobilitĂ€tsbedĂŒrfnis zuordnet. Damit entsteht im ökonomischen Sinn ein Markt mit einem Bedarf, der bedient und auch gemanagt werden kann. Dem wird durch den neuen Begriff MobilitĂ€tsmanagement Rechnung getragen.

MobilitÀt in den Sozialwissenschaften

  • Soziale MobilitĂ€t, Bewegungen zwischen sozialen Positionen.
    • Vertikale soziale MobilitĂ€t, Auf- und Abstieg von Personen(gruppen) zwischen verschiedenen sozialen Positionen oder StĂ€nden.
      • Intragenerationale MobilitĂ€t, gesellschaftlicher Auf- und Abstieg wĂ€hrend eines Lebens.
      • Intergenerationale MobilitĂ€t, gesellschaftlicher Auf- und Abstieg von der Eltern- zur Kindgeneration.
    • Horizontale soziale MobilitĂ€t, VerĂ€nderungen der eigenen Position (Beruf, Einkommen), die nicht zwingend zu einer verĂ€nderten Schichtzugehörigkeit fĂŒhren.
  • Ökonomische MobilitĂ€t bezeichnet den Grad an VerĂ€nderung, den eine Person in einer bestimmten Gesellschaft im Laufe ihres Lebens an ihrem sozioökonomischen Status erfĂ€hrt.

Das sozialwissenschaftliche und sozialhistorische Interesse an MobilitÀtsprozessen setzte im Zeitalter der Industrialisierung und Urbanisierung ein, als sich die Berufsstruktur grundlegend wandelte und die Arbeitsteilung komplexer wurde. Forschungsleitende Fragestellungen waren die nach den ZusammenhÀngen zwischen MobilitÀt und politischem Verhalten, Chancengleichheit bzw. -ungleichheit, Elitenbildung bzw. Oligarchisierung, Landflucht und VerstÀdterung (Urbanisierung). Heute steht der Zusammenhang zwischen Migration und sozialer MobilitÀt im Zentrum der Forschung.

Die MobilitÀtsforschung war einer der ersten Zweige der Soziologie bzw. Sozialgeschichte, in der mit quantifizierenden Verfahren gearbeitet wurde.[1]

Wanderarbeiter und Pendler praktizieren rÀumliche MobilitÀt.

MobilitÀt in der Medizin

Im medizinischen und pflegerischen Bereich kann der Begriff die aktive Bewegung von Personen oder passiv die Beweglichkeit von Körperteilen oder Organen bezeichnen. Die BewegungsfÀhigkeit wird in pflegerischen Konzepten auch eine grundlegende AktivitÀt des tÀglichen Lebens genannt.

FĂ€higkeit zur Eigenbewegung von Personen

Die FÀhigkeit umfasst verschiedene SteuerungsvorgÀnge und BewegungsablÀufe:

  • mentale Steuerung (Willen, Entschluss, Koordination der Muskelbewegung)
  • PositionsverĂ€nderungen im Liegen oder Sitzen aus eigener Kraft
  • Transfer, den Übergang von einer solchen Position in eine andere oder in eine kontinuierliche Bewegung (z. B. vom Bett auf den daneben stehenden Stuhl)
  • Gehen (auch Krabbeln, Rutschen, Kriechen)
  • Stehen oder Halten einer gebeugten Position (Gleichgewicht, Belastung aushalten, auch Sich StĂŒtzen)
  • Fortbewegung (auch mit Hilfsmitteln wie Fahren im Rollstuhl oder mit einem individuell angepassten PKW, Gehen mit UnterarmgehstĂŒtze, Rollator, Gehwagen etc.)

Grad der Eigenbewegungen

Ein Ausdruck fĂŒr die FĂ€higkeit zur Eigenbewegung in der Rehabilitationsmedizin oder der OrthopĂ€dietechnik sind die MobilitĂ€tsgrade. MobilitĂ€tsgrade werden (nicht einheitlich) fĂŒnffach abgestuft von Null bis Vier, sie sind Funktionsbeschreibungen, besonders auch im Umgang mit Hilfsmitteln oder Beinprothesen (Unterschenkel- oder Bein-).

0 - die FĂ€higkeit zur Bewegung vom Platz weg fehlt (z. B. beinamputierte Person)
  1. - die FĂ€higkeit, ein Hilfsmittel fĂŒr den Transfer oder zur Fortbewegung auf ebenen Böden mit geringer Geschwindigkeit zu nutzen. Gehdauer und Gehstrecke ebenso wie die StehfĂ€higkeit sind stark begrenzt (wenige Meter). Auch als Innenbereichsgeher bezeichnet.
  2. - man kann mit dem Hilfsmittel wie der Prothese mit geringer Geschwindigkeit gehen und niedrige Umwelthindernisse, wie Bordsteine, einzelne Stufen oder unebene Böden, ĂŒberwinden. Auch als eingeschrĂ€nkter Außenbereichsgeher bezeichnet.
  3. - man kann sich (evtl. mit Hilfsmittel) in mittlerer bis hoher, auch verĂ€nderlicher, Gehgeschwindigkeit fortbewegen und dabei die meisten, ĂŒblichen Umwelthindernisse ĂŒberwinden (Klettern wĂ€re nicht ĂŒblich). Auch als uneingeschrĂ€nkter Außenbereichsgeher mit durchschnittlichen AktivitĂ€ten bezeichnet.
  4. - der Patient kann sich wie der uneingeschrĂ€nkte Außenbereichsgeher fortbewegen. Gehdauer und Gehstrecke sind jedoch nicht limitiert. Auch als uneingeschrĂ€nkter Außenbereichsgeher mit besonders hohen AnsprĂŒchen oder als hochaktiv bezeichnet.

Mobilisation in der Krankengymnastik oder Pflege

PlanmĂ€ĂŸige Anregung und Hilfestellung zur Bewegung von Personen (Mobilisierung) z.B. durch Physiotherapie, gezielten Muskelaufbau und Training von BewegungsablĂ€ufen. Gegenbegriffe sind immobiler oder bettlĂ€geriger Patient.

Beweglichkeit

Die passive Beweglichkeit von Gelenken (Streck- und Beugbarkeit, z.B. hypermobile LendenwirbelsÀule bei Trisomie 21), die Verschiebbarkeit von Organen, Tumoren, Implantaten u. À. in Bezug auf das umgebende Gewebe. In einer Therapie oder Operation können z. B. fest angewachsene Organe etc. mobilisiert werden.

Einzelnachweise

  1. ↑ H. Kaelble (1978), Historische MobilitĂ€tsforschung. Darmstadt, S. 4 ff.

Siehe auch

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