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Modalpartikeln (auch Abtönungspartikeln) sind eine zu den Partikeln gehörende Wortart. Sie dienen unter anderem dazu, die Einstellung eines Sprechers hinsichtlich der Satzaussage auszudrücken oder sie zu beurteilen. Sie sind ein Phänomen der gesprochenen Sprache. Das Deutsche gilt als eine an Modalpartikeln äußerst reiche Sprache, was nicht selbstverständlich ist. In vielen Sprachen existieren nur wenige (z. B. Französisch) bis gar keine Partikeln dieser Klasse, sodass sie eine Herausforderung an Übersetzer darstellen. Aufgrund ihrer hohen Frequenz fallen sie auch beim Erlernen des Deutschen für Nicht-Muttersprachler ins Gewicht. Dies ist besonders deshalb problematisch, weil die Bedeutung sowohl der Klasse als auch der einzelnen Modalpartikeln nicht einfach fassbar ist. Andere Sprachen, in welchen Modalpartikeln eine größere Rolle spielen, sind z. B. Griechisch und Japanisch.
Inhaltsverzeichnis |
Die Modalpartikeln gehören in der deutschen Sprache neben z. B. den Fokuspartikeln oder Steigerungspartikeln zur Klasse der Partikeln, also den generell unflektierbaren Wortarten, die nicht den Präpositionen, Adverbien oder Konjunktionen zugerechnet werden können. Da alle Partikeln unflektierbar sind, müssen, wenn man eine Unterklassifikation vornehmen will, Unterschiede im Verhalten der einzelnen Partikeln im Satz berücksichtigt werden. Über die genauen Merkmale, die Modalpartikeln ausmachen, gab und gibt es eine lange sprachwissenschaftliche Diskussion. Als allgemein anerkannt gelten allerdings die folgenden Kriterien zum Erkennen der deutschen Modalpartikeln:
Auffällig an der angeführten Liste ist, dass die meisten Kriterien Negativ-Merkmale darstellen („sie können nicht ...“). Daher ist es schwierig, eine einfache Definition zu geben, was eine Modalpartikel ist. Genauer kann dafür gesagt werden, was sie nicht sind. In diesem Abschnitt wird ausführlicher auf einige wichtige Punkte der Liste eingegangen.
Modalpartikeln bewirken keine Änderung des Wahrheitswertes: Betrachten wir zur Illustration dieses Punktes die Modalpartikel aber. Die folgenden zwei Beispiele zeigen denselben Satz, einmal ohne und einmal mit Modalpartikel. Ist die Tatsache, dass Peter großen Hunger hat, während des Äußerungszeitpunktes des ersten Satzes wahr, so gilt dies auch für den zweiten
Diese Beobachtung ist sprachwissenschaftlich betrachtet nicht unbedeutend, da in diesem Fall das Hinzügen bzw. Weglassen eine Wortes in einem Satz nichts an dessen Kernaussage ändert. Vereinfacht gesagt bezeichnet man die Aussage, die mit einem Satz gemacht wird, als dessen Proposition, diese kann (unter bestimmten Situationsbedingungen) wahr oder falsch sein. Modalpartikeln fügen also der Proposition nichts hinzu, sondern stehen sozusagen über ihr. Sie geben dem Hörer Hinweise darauf, wie er die Satzaussage einordnen soll.
Modalpartikeln können nicht negiert werden: Aus diesem Zusammenhang heraus, dass sie nicht Teil der Proposition sind, lässt sich auch verstehen, warum Modalpartikeln nicht im Wirkungsbereich von Negationen stehen können, denn Negationen haben einen Einfluss auf Wahrheitswerte. Die Nichtnegierbarkeit der Modalpartikeln lässt sich damit begründen, dass es sich bei ihnen nicht um Satzglieder handelt und sie sich auf das Prädikat beziehen.
Modalpartikeln sind nicht vorfeldfähig: Nach dem sogenannten topologischen Stellungsfeldermodell nach Erich Drach werden deutsche Sätze durch das Verb und seine Bestandteile in drei Teile gegliedert: Vorfeld, Mittelfeld und Nachfeld. Dies lässt sich an einem einfachen Beispiel illustrieren:
In diesem Satz besteht der Verbalkomplex aus einer finiten Verbform (haben) und einem Infinitiv (gehabt). Im Vorfeld steht die Konstituente Der Peter, im Mittelfeld großen Hunger und im Nachfeld gestern. Zwar müssen nicht alle Felder in diesem Modell in jedem Fall belegt sein, dennoch sagt uns dieses Kriterium, dass Modalpartikeln nicht im Vorfeld auftauchen können. Aber Achtung! Man könnte annehmen, dass z. B. aber im Vorfeld stehen könnte wie in Aber Peter hat großen Hunger!. Diese Annahme ist zwar richtig, allerdings handelt es sich bei diesem Gebrauch von aber nicht mehr um eine Modalpartikel, d.h., sie hat eine andere Bedeutung.
Zu der Hauptklasse der Modalpartikeln zählen aber, auch, bloß, denn, doch, eben, eigentlich, etwa, halt, ja, mal, nur, schon, vielleicht und wohl. Eines der Kriterien aus der Liste besagt, dass Modalpartikeln Homophone in anderen Wortarten haben. Das bedeutet, dass gleich klingende Wörter in anderen Funktionen im Satz auftreten können. So kann z. B. ja als Antwort auf eine Frage fungieren und gehört in diesem Fall zu den sogenannten Antwortpartikeln. Vielleicht kann z. B. als Satzadverb („Vielleicht ist der Termin morgen.“) verwendet werden und so alleine im Vorfeld stehen. Diese Homophone weisen also z.T. ein gänzlich anderes Verhalten auf, als in der Kriterienliste beschrieben. In diesen Fällen haben sie jedoch auch eine andere Bedeutung.
Daneben existiert noch eine Klasse an Modalpartikeln (manchmal als 'Partikeln mit abtönender Bedeutung' oder 'abtönungsfähige Partikeln' genannt), die oft ebenfalls zu den Modalpartikeln gezählt werden, jedoch vorfeldfähig sind. Dazu gehören z. B. fein, ganz, gerade, gleich, einfach, erst, schließlich, überhaupt und ruhig. Die Bedeutung dieser Partikeln ändert sich nicht, ob sie im Vor- oder im Mittelfeld stehen, daher haben sie auch keine Homophone in anderen Wortarten.
Modalpartikeln unterliegen einer Reihe von schwer beschreibbaren Restriktionen. So können Modalpartikeln nicht beliebig kombiniert werden. So ist zwar
möglich. Nicht jedoch die umgekehrte Variante:
Weiterhin können die jeweiligen Partikeln nur in bestimmten Satzmodi vorkommen. So lässt sich vielleicht zwar in Ausrufen verwenden („Hat der vielleicht ein schönes Auto!“), jedoch nicht in echten Fragen („*Hat der vielleicht ein schönes Auto?“).
Um genau zu verstehen, was Modalpartikeln bedeuten, ist es wichtig, sich klarzumachen, was genau Bedeutung ist. Dabei wurde zwischen zwei Ebenen der Bedeutung unterschieden (siehe z. B. Sprechakttheorie). Auf der einen Seite steht der schon angedeutete sozusagen wörtlich zu nehmende Satzinhalt: die Proposition. Auf der anderen Seite steht die sogenannte Illokution, der Handlungszweck einer Äußerung oder einfacher: was mit der Äußerung eines Satzes ausgedrückt werden sollte. Dieser Unterschied ist deshalb wichtig, weil mit ein und demselben Satz in unterschiedlichen Kontexten Verschiedenes gemeint sein kann. Während der Großteil der Wörter einer Sprache zur Proposition beiträgt, gibt es auch Wörter (wie die Modalpartikeln), die sozusagen auf einer Metaebene nicht zur Proposition gehören, sondern im illokutiven Bereich wirken. Maria Thurmair fasst die Bedeutung der Modalpartikeln für die illokutive Ebene wie folgt zusammen:
Beispiele für deutsche Modalpartikeln sind:
Die Erforschung der Modalpartikeln begann in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts. Vor der Publikationen von Harald Weydts Buch Abtönungspartikeln. Die deutschen Modalwörter und ihre französischen Entsprechungen 1969 wurden Modalpartikeln als „inhaltslose Redefüllsel“[2] oder als „Flickwörter“[3] abgetan. Ludwig Reiners bezeichnete sie gar als „Läuse im Pelz der Sprache“[4] Mit Harald Weydt und einer Dissertation über Modalpartikeln von 1963[5] begann eine umfangreiche linguistische Erforschung der Modalpartikeln.