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Monica Seles

Monica Seles Tennisspieler
Monica Seles
NationalitĂ€t: Ungarn 1957Ungarn Ungarn
Jugoslawien Bundesrepublik 1992Jugoslawien Jugoslawien
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Geburtstag: 2. Dezember 1973
GrĂ¶ĂŸe: 178 cm
1. Profisaison: 1989
RĂŒcktritt: 15. Februar 2008
Spielhand: Links (beidhÀndig)
Preisgeld: 14.891.762 US-Dollar
Einzel
Karrierebilanz: 595:122
Karrieretitel: 53
Höchste Platzierung: 1 (11. MÀrz 1991)
Wochen als Nr. 1: 178 Wochen
Grand-Slam-Bilanz
Doppel
Karrierebilanz: 89:45
Karrieretitel: 6
Höchste Platzierung: 16 (22. April 1991)
Olympische Spiele

Monica Seles (eigentlich serbokroatisch Monika SeleĆĄ/ĐœĐŸĐœĐžĐșа ХДлДш ungarisch Szeles MĂłnika; * 2. Dezember 1973 in Novi Sad, Jugoslawien, heute Serbien) ist eine ehemalige jugoslawische und US-amerikanische Tennisspielerin ungarischer Abstammung. Seles gewann 53 Turniere im Einzel, darunter neun Grand-Slam-Turniere, und sechs Turniere im Doppel. Die Karriere der ehemaligen Weltranglistenersten wurde 1993 durch ein Attentat ĂŒberschattet. Monica Seles gilt als eine der besten und erfolgreichsten Tennisspielerinnen aller Zeiten.

Inhaltsverzeichnis

Spielweise

Die 1,79 Meter große Seles ist LinkshĂ€nderin und benutzte sowohl ihre Vorhand als auch ihre RĂŒckhand beidhĂ€ndig. Noch ungewöhnlicher ist, dass sie nicht umgriff, wenn sie die Seiten wechselte. Angesichts ihrer beidseitig beidhĂ€ndigen Spielweise war es Seles möglich, extrem spitze Winkel zu spielen, die die gegnerische Seite weit öffnen. Die beidhĂ€ndige Spielweise sorgte auch fĂŒr eine stark verdeckte SchlagausfĂŒhrung, die die Antizipation der SchlĂ€ge erschwerte. Eines ihrer Markenzeichen waren ihre krĂ€ftigen LautĂ€ußerungen bei harten SchlĂ€gen, wĂ€hrend sie den Ball spielt. Dieses Charakteristikum hat wiederholt fĂŒr Kontroversen mit Kontrahentinnen (unter anderem Nathalie Tauziat, Martina NavrĂĄtilovĂĄ, Katerina Maleewa) gesorgt, die sie aufforderten, es wĂ€hrend des Spieles zu unterlassen.

Karriere

Aufstieg

Monica Seles begann mit sechs Jahren Tennis zu spielen. Angeleitet wurde sie dabei von Vater Karoly. Das erste Turnier gewann sie mit neun Jahren. Aus dieser Zeit ist von ihr selbst jene nette Anekdote ĂŒberliefert, dass Seles, die noch nicht in der Lage gewesen war, bei Wettkampf-Spielen den Spielstand selbst zu erfassen, von Zeit zu Zeit ihrem Vater fragend zugerufen habe: „Gewinne ich?“

1985, mit elf Jahren, gewann Seles die prestigetrĂ€chtige Orange Bowl in Miami, eines der weltweit bedeutendsten Nachwuchsturniere. Hierbei erweckte das beidhĂ€ndig spielende MĂ€dchen das Interesse des weltbekannten amerikanischen Tenniscoachs Nick Bollettieri. 1986 zog Familie Seles in die Vereinigten Staaten, wo Monica fĂŒr zwei Jahre unter der bekanntermaßen harten Ägide Bolletieris ihr Spiel weiter verbesserte. Bolletieri war von der absoluten Außergewöhnlichkeit seiner Athletin und ihrer ungewöhnlichen Spielweise von Anfang an ĂŒberzeugt. So ließ er eigens fĂŒr Seles einen von hohen WĂ€nden umgebenen Platz errichten, um so von neugierigen Blicken der potenziellen Konkurrenz ungestört Seles’ Powerspiel zur Perfektion zu entwickeln.

Wie gut diese Taktik aufging, erwies sich bereits zwei Jahre spĂ€ter, als Seles im Alter von 15 Jahren Tennisprofi wurde. Im Mai desselben Jahres errang sie in Houston ihren ersten großen Titel. Im Finale schlug Seles die Weltranglisten-Dritte Chris Evert. Die meisten Gegnerinnen hatten dem beidseitigen Powerspiel von Monica Seles nichts entgegenzusetzen. Ihre beidhĂ€ndige Spielweise ermöglichte zudem ein ungewöhnlich verdecktes Winkelspiel, das es den Gegnerinnen schwer machte, Seles’ SpielzĂŒge zu antizipieren. FĂŒr viele gilt sie als die eigentliche BegrĂŒnderin des modernen Power-Tennis.

Einen Monat spĂ€ter erreichte Seles bei ihrem ersten Grand-Slam-Turnier bereits das Halbfinale der French Open, wo es der Weltranglisten-Ersten Steffi Graf bedurfte, um den Shooting-Star zu stoppen. Es war nach diesem umkĂ€mpften Spiel, als Grafs Vater Peter zu Protokoll gab, dass Seles die Herausforderin seiner Tochter sein werde. Eine große RivalitĂ€t deutete sich an. Seles beendete ihr erstes Profijahr auf dem sechsten Platz in der Weltrangliste.

1990: Durchbruch

Das Jahr 1990 brachte den Durchbruch Monica Seles’. Bereits im Mai hatte Seles bei den German Open in Berlin erstmals Steffi Graf bezwungen. Graf hatte in den Vorjahren das Welttennis dominiert wie kaum eine andere Spielerin zuvor und war seit 66 aufeinander folgenden Spielen unbesiegt. Zwei Wochen spĂ€ter gelang Seles die Wiederholung des Triumphs: Bei den French Open besiegte sie in einem umkĂ€mpften Finale erneut die Weltranglisten-Erste, die im Tie-Break des ersten Satzes vier SatzbĂ€lle nicht verwerten konnte. Seles gewann in zwei SĂ€tzen. Sie ist mit 16 Jahren und 6 Monaten die bis heute jĂŒngste French-Open-Siegerin aller Zeiten.

1991–1993: Weltranglisten-Erste und Dominanz

Das Jahr 1991 war das erste von zwei Jahren, in denen Monica Seles das Welttennis dominierte. Seles startete mit dem Gewinn der Australian Open im Januar, wo sie bei ihrer ersten Teilnahme Jana NovotnĂĄ im Finale schlug. Im MĂ€rz gelang es ihr, Steffi Graf als Weltranglistenerste zu entthronen. Im Juni verteidigte sie ihren French-Open-Titel in Paris gegen Arantxa SĂĄnchez Vicario, die Siegerin von 1989. WĂ€hrend der sich zeitlich anschließenden Wimbledon Championships nahm Seles eine ĂŒberraschende sechswöchige Auszeit. Im September aber erreichte sie auf Anhieb das Finale ihrer ersten US Open, in dem sie Martina NavrĂĄtilovĂĄ schlug.

Auch das Jahr 1992 verlief in Ă€hnlich erfolgreicher Weise: Monica Seles gelang es, ihre drei Grand-Slam-Titel zu verteidigen. Einen Höhepunkt bildete hierbei das Finalspiel in Roland Garros, wo sie erneut der wieder erstarkten Graf gegenĂŒberstand und diese in einem legendĂ€ren Spiel mit 10:8 im dritten Satz niederrang. Seles erreichte auch erstmals das Wimbledon-Finale, unterlag auf Rasen aber deutlich ihrer VorgĂ€ngerin Steffi Graf. Graf siegte mit 6:2 und 6:1.

Zwischen Januar 1991 bis Februar 1993 gewann Monica Seles 22 Turniere und erreichte 33-mal das Finale â€“ bei insgesamt 34 gespielten Turnieren. Sie kam hierbei auf die Bilanz von 159 Siegen bei 12 Niederlagen (92,9 %). Bei Grand-Slam-Turnieren stand Seles’ Quote bei 55 Siegen und einer Niederlage. Innerhalb ihrer ersten vier Jahre auf der Tour (1989–1992) erreichte sie bei 30 Turniersiegen eine Siegesquote von 231:25 Spielen (90,2 %). Nur Chris Evert kann mit 91,4 % und 34 Turniersiegen zwischen 1971 und 1974 auf einen besseren Karrierestart zurĂŒckblicken.

Monica Seles ging als stĂ€rkste Spielerin ins Jahr 1993. Im Januar startete sie erneut mit einem Titelgewinn ĂŒber Graf bei den Australian Open. Sie schlug sie in drei SĂ€tzen und verbuchte in Down Under ihren dritten Titelgewinn in Folge.

Sportliche RivalitÀt bis 1993: Monica Seles und Steffi Graf

Die stĂ€ndige RivalitĂ€t zwischen Steffi Graf und Monica Seles zwischen 1989 und 1993 gehörte zu den großen Kapiteln des Tennissports. Die meist hart umkĂ€mpften Duelle der beiden hinsichtlich ihrer Persönlichkeit und ihres Spielsystems so unterschiedlichen Athletinnen markierten Höhepunkte in beider Karrieren und haben das Damentennis auf ein höheres Niveau gefĂŒhrt.

In ihren Auseinandersetzungen trafen nicht nur sehr unterschiedliche Persönlichkeiten aufeinander: Hier die introvertierte stille Graf, die jeden Medienrummel scheute und sich anfangs jedes LĂ€cheln verkniff. Dort die extrovertierte Seles, die ihre Gegnerinnen zur BegrĂŒĂŸung als 15-JĂ€hrige mit RosenstrĂ€ußen beehrte, um sie dann vom Platz zu fegen. Auch die so unterschiedlichen Spielsysteme nĂ€hrten die große RivalitĂ€t: Hier die schnörkellos spielende, schnelle Graf mit ihrer gewaltigen Vorhand und der den Ball tief eingrabenden unterschnittenen RĂŒckhand. Dort Monica Seles, die stöhnend jeden Ball mit maximaler HĂ€rte spielte und die Gegnerinnen mit raffiniertem Winkelspiel aus dem Platz zwang. Beider absoluter Anspruch, die Beste sein zu wollen, machte die Aufeinandertreffen der beiden Dominatorinnen zu emotional aufgeladenen Sternstunden des Tennissports.

Bis zum Erscheinen der jungen Monica Seles hatte Steffi Graf das Welttennis nach Belieben beherrscht und als nahezu unbesiegbar gegolten. Dies hatte sich 1990 im zweiten Jahr von Monica Seles auf der Tour geĂ€ndert, in der Graf erstmals unterlag und sieglos blieb. Im Jahr 1991, in dem Grafs Form insgesamt kriselte und sie fĂŒr ihre VerhĂ€ltnisse auch ungewöhnlich oft gegen andere Spielerinnen verlor, hatte Seles die FĂŒhrung in der Weltrangliste ĂŒbernommen und drei der vier möglichen Grand-Slam-Turniere gewonnen, wobei sich beide in keinem einzigen der Grand-Slam-Finals gegenĂŒberstanden. Graf hatte Seles in den einzigen beiden Aufeinandertreffen des Jahres bei zwei kleineren Turnieren besiegt, jedoch â€“ mit Ausnahme des Sieges in Wimbledon â€“ kein anderes Major-Endspiel erreicht. Auch 1992 gewann Seles drei der vier Grand-Slam-Turniere. Beide standen sich im Verlaufe des Jahres zweimal gegenĂŒber, nun wieder in den Endspielen von Grand-Slam-Turnieren. Bei den French Open siegte Seles ĂŒber Graf mit 10:8 im dritten Satz. In Wimbledon gewann die Deutsche gegen Seles. Seles revanchiert sich, neuerlich in einem Grand-Slam-Finale, Anfang 1993 bei den Australian Open mit einem Drei-Satz-Sieg.

Im April des Jahres 1993 wies die Gesamtbilanz fĂŒr Graf sechs und fĂŒr Seles vier Siege aus, wobei Seles sechs der letzten acht Grand-Slam-Turniere gewonnen hatte. Angesichts des allmĂ€hlichen Wiedererstarkens von Graf deutete sich Anfang 1993 eine langjĂ€hrige sportliche RivalitĂ€t an, die in ihrer Emotionsgeladenheit, Brisanz und Spannung ein Versprechen fĂŒr die Zukunft zu sein schien: Ein Kampf um die Vormachtstellung im Damen-Tennis, der eine Ă€hnliche QualitĂ€t versprach, wie man sie vorher zwischen Chris Evert und Martina Navratilova erlebt hatte.

Doch diese hoch gespannten Erwartungen fanden im April des Jahres 1993 ein unvorhergesehenes, jĂ€hes Ende, ĂŒber das die frĂŒhere Weltklasse-Spielerin Pam Shriver sagte: „Man hat uns um das Duell einer Generation betrogen.“

1993–1995: Attentat und RĂŒckzug von der Tour

Das Jahr 1993 hatte fĂŒr Monica Seles mit der erfolgreichen Titelverteidigung bei den Australian Open begonnen. Ein Turniersieg in Chicago gegen Martina NavrĂĄtilovĂĄ folgte. Doch es war etwas spĂ€ter die amerikanische Altmeisterin NavrĂĄtilovĂĄ, die Seles 34 Matches umfassende Siegesserie im Finale der Paris Indoor Championships beendete. Eine hartnĂ€ckige Virusinfektion zwang die Weltranglistenerste im Anschluss zum Verzicht auf die Turniere von Indian Wells, Miami, Hilton Head und Barcelona.

Ihre erfolgreiche RĂŒckkehr zur Tour feierte Seles beim Tennisturnier in Hamburg. Am 30. April 1993 wurde Monica Seles wĂ€hrend ihrer Viertelfinalbegegnung gegen die Bulgarin Magdalena Maleewa von dem psychisch gestörten GĂŒnter Parche, einem damals 38-jĂ€hrigen deutschen Fan ihrer stĂ€rksten Kontrahentin Steffi Graf, beim Seitenwechsel in den RĂŒcken gestochen. Seles, die zu dieser Zeit Platz eins in der Weltrangliste hatte, bestritt nach dem Attentat zwei Jahre lang keine professionellen Spiele mehr. Wenige Wochen spĂ€ter ĂŒbernahm Graf erneut die FĂŒhrungsposition der Weltrangliste.

Die Nachrichten ĂŒber eine mögliche RĂŒckkehr von Monica Seles wechselten. Zwar schienen die physischen Verletzungen des Messerattentats schon bald verheilt, doch anders verhielt es sich mit der Psyche: Seles litt unter einer posttraumatischen Belastungsstörung und in der Folge unter depressiven Verstimmungen. Comeback-AnkĂŒndigungen folgten immer wieder Absagen. Am 17. Mai 1994 wurde Seles US-BĂŒrgerin.

1995: Das Comeback

1995 verdichteten sich die Anzeichen fĂŒr das lange in Frage stehende Comeback der Monica Seles. Seles war zu Gast bei den French Open, prĂ€sentierte sich als Zuschauerin der Spiele erstmals wieder der Öffentlichkeit und deutete eine mögliche RĂŒckkehr auf die Tour an.

Den ersten Schritt auf dem Weg zum Comeback als Profispielerin machte die ehemalige Weltranglistenerste am 29. Juli 1995 in Atlantic City mit einem Schaukampf gegen Martina NavrĂĄtilovĂĄ. Um Seles einen fairen Wiedereinstieg ins Profigeschehen zu ermöglichen, hatte die WTA ihre Regularien geĂ€ndert. Mit Zustimmung der aktuellen Weltranglistenersten Steffi Graf wurde die Neu-Amerikanerin fĂŒr die ersten sechs gespielten Turniere als Co-Nummer 1 im Ranking gefĂŒhrt. Sinn dieser Regelung war, Seles zu ermöglichen, ohne den Druck einer zunĂ€chst niederen Weltranglistenplatzierung Ranglistenpunkte sammeln zu können, aus denen sich dann ihre tatsĂ€chliche Weltranglistenposition ergeben sollte.

Im August feierte Seles ein furioses Comeback bei den Canadian Open in Toronto. Seles siegte triumphal, gab im Turnierverlauf keinen Satz und nur 14 Spiele ab und bezwang unter anderem Gabriela Sabatini mit 6:1 und 6:0.

Auch bei den darauf folgenden US Open setzte sich Seles’ Siegeszug zunĂ€chst ungebrochen fort. Sie siegte gegen Anke Huber, schlug Jana NovotnĂĄ und Conchita MartĂ­nez und zog in das mit Spannung erwartete Finale gegen ihre VorgĂ€ngerin und Nachfolgerin an der Weltranglistenspitze, Steffi Graf, ein. Seles unterlag in einem hochklassigen und von starken Emotionen geprĂ€gten engen Match mit 6:7 (6:8), 6:0 und 3:6.

Im Anschluss stoppten Verletzungsprobleme die Fortsetzung von Seles’ bemerkenswerter RĂŒckkehr. Auf Grund von Überanstrengungserscheinungen im linken Knie und Fuß war die Amerikanerin gezwungen, auf die geplanten Starts in Oakland und bei den WTA-Championships zu verzichten.

1996–1998: Neunter Grand-Slam-Sieg, Verletzungspausen und Tod des Vaters

Dauerhaft gelang es Seles nicht, wieder an die ĂŒberragende Form und die alten Erfolge anzuknĂŒpfen. Chronische Verletzungsprobleme und der Tod des Vaters im FrĂŒhjahr 1998 warfen die Amerikanerin immer wieder zurĂŒck.

Nur bis zu den Australian Open 1996 schien die Karriere der Monica Seles nahezu nahtlos dort anzuschließen, wo sie zwei Jahre zuvor so abrupt unterbrochen worden war: Seles gewann das Vorbereitungsturnier in Sydney gegen die Amerikanerin Lindsay Davenport und wenig spĂ€ter in Melbourne auch ihr insgesamt neuntes Grand-Slam-Turnier. Sie blieb somit bei ihrem insgesamt vierten Start in Australien ungeschlagen. Mit den Spielen, die sie im darauf folgenden Jahr bei den Australian Open gewinnen sollte, brach Monica Seles den 73 Jahre alten Rekord der Tennis-Legende Suzanne Lenglen: Sie war seit ihrem ersten Auftreten bei den Australian Open fĂŒr insgesamt 33 Spiele in Folge unbesiegt geblieben. Auf dem Weg zum Titel 1996 besiegte sie Spielerinnen wie Anke Huber, Conchita MartĂ­nez und Jana NovotnĂĄ. Seles kehrte in die Top Ten der Weltrangliste zurĂŒck.

Eine SchulterentzĂŒndung zwang Seles zu einer erneuten Verletzungspause, die bis in den spĂ€ten Mai andauerte. Bei ihrer ersten RĂŒckkehr zu den French Open seit dem Attentat erreichte Monica Seles das Viertelfinale, in dem sie Jana Novotna mit 6:7 und 3:6 unterlag. Im Anschluss gelang ihr mit dem Sieg beim Wimbledon-Vorbereitungsturnier in Eastbourne der erste Turniergewinn auf Rasen. Weniger erfolgreich verlief Seles’ RĂŒckkehr nach Wimbledon, wo sie bereits in der zweiten Runde der unbekannten Slowakin Studenikova unterlag.

Bei den US Open gelang es Seles erneut ins Finale einzuziehen, in dem sie wie im Vorjahr der alten Rivalin Steffi Graf mit 5:7 und 4:6 unterlag. Im weiteren Verlauf des Jahres gewann Seles die Turniere in Montreal und Tokio. Dann aber folgten elf Monate Wartezeit.

1997 blieb Monica Seles bis zum August sieglos. Eine Fingerverletzung zwang sie zur Absage der FrĂŒhjahrsturniere. Dann aber besiegte die Amerikanerin im Finale von Manhattan Beach die Weltranglistenerste Lindsay Davenport und triumphierte eine Woche spĂ€ter in Toronto. Es war dies ihr 40. Sieg bei einem WTA-Turnier. Weitere Finalteilnahmen in Miami und Hilton Head sowie der Halbfinaleinzug bei den French Open bescherten Seles kurzzeitig die RĂŒckkehr auf den zweiten Platz der Weltrangliste. Sowohl in Hilton Head als auch in Paris unterlag die ehemalige Weltranglistenerste jeweils nur Ă€ußerst knapp der neuen Nummer eins des Rankings, Martina Hingis. Doch bereits eine Woche spĂ€ter fĂŒhrte eine Schulterverletzung erneut zur Absage der nĂ€chsten EinsĂ€tze. Bei den US Open unterlag Seles bereits im Viertelfinale Irina Spirlea. Die Presse berichtete erstmals ĂŒber die schwere Krebserkrankung von Vater Karoly.

1998 starb Monica Seles’ Vater Karoly. Im Viertelfinale der Australian Open 1999 feierte Seles mit 7:5 und 6:1 den ersten Sieg ĂŒber Steffi Graf seit ihrem Comeback, scheitert aber im Halbfinale an Martina Hingis. Das letzte Aufeinandertreffen der großen Rivalinnen Seles und Graf, deren Karrieren so schicksalhaft miteinander verflochten waren, fand im Jahr 1999 im Halbfinale der French Open statt. Graf gewann das Spiel mit 6:7, 6:3 und 6:4.

1999–2007: Höhen, Tiefen und stĂ€ndige Verletzungsprobleme

Die nÀchsten Jahre waren von einigen Höhen und vielen Tiefen geprÀgt: Langen Verletzungspausen folgten immer wieder Turniersiege. Der letzte datiert vom Mai 2002, als Monica Seles die Madrid Open gewann. Es war der insgesamt 53. Turniererfolg der Amerikanerin.

Seles’ letzter Auftritt auf der Profitour fand bei den French Open im Jahr 2003 statt. Die dreifache Paris-Siegerin unterlag in der ersten Runde der French Open völlig außer Form der Russin Nadja Petrowa mit 4:6 und 0:6. StĂ€ndige RĂŒcken- und Fußprobleme zwangen Seles zum RĂŒckzug von der Tour. Eine auf Anraten ihrer Ärzte eingelegte neunmonatige Pause brachte Seles zufolge nicht die erhoffte Verbesserung. Dem von Monica Seles in grĂ¶ĂŸeren ZeitabstĂ€nden immer wieder geĂ€ußerten Wunsch, sie werde eventuell ein Comeback anstreben, folgten Monate des Schweigens. Spekulationen um ein stilles Ende ihrer Karriere ohne offizielle RĂŒcktrittserklĂ€rung machten die Runde.

2008: Der endgĂŒltige RĂŒcktritt

Am 3. Dezember 2007 erklĂ€rte Monica Seles gegenĂŒber der Zeitung Los Angeles Times ihre Absicht, möglicherweise im MĂ€rz 2008 beim Turnier in Miami auf die Tour zurĂŒckzukehren und ein Comeback zu versuchen. Seles betonte, dass sie sich nicht mehr im Stande sehe, eine komplette Saison zu spielen. Die mittlerweile 34-JĂ€hrige, deren letztes Spiel auf der Profitour mehr als vier Jahre zurĂŒcklag, erlĂ€uterte, deshalb nur noch die Grand-Slam-Turniere sowie einige weitere Veranstaltungen der zweithöchsten Kategorie in Angriff nehmen zu wollen.

Am 15. Februar 2008 fanden alle Spekulationen um eine mögliche RĂŒckkehr der ehemaligen Weltranglistenersten ein Ende. FĂŒnf Jahre nachdem Seles ihr letztes offizielles Match bestritt, ließ sie in Miami von ihrem Manager offiziell ihren RĂŒcktritt vom Profitennissport erklĂ€ren. Grund hierfĂŒr waren auch die weiterhin anhaltenden Schmerzen, welche ihr immer wieder Probleme bereiteten.

Bedeutende Matches

French Open 1990

(Finale: Seles – Graf 7:6 6:4)

Drei Wochen, nachdem Monica Seles die Weltranglistenerste Steffi Graf ausgerechnet bei deren erklĂ€rtem Lieblingsturnier in Berlin erstmals bezwungen hatte, trafen sich die beiden Spielerinnen im Endspiel der French Open wieder. Seles fĂŒhrte schnell mit 3:0 und 4:1, ehe das Match wegen Regens unterbrochen werden musste. Graf kam hoch motiviert aus der Kabine zurĂŒck und schien entschlossen zu zeigen, wer die beste Spielerin der Welt ist. Nach einer Aufholjagd fĂŒhrte Graf im Tie-Break mit 6:2 und hatte 4 SatzbĂ€lle. Doch Seles gelangen in dieser Phase alle folgenden sechs Punkte und somit der Gewinn des ersten Satzes. Durch diese verpasste Chance gehemmt musste Graf auch den zweiten Satz mit 4:6 abgeben und Seles feierte ihren ersten Sieg bei einem Grand-Slam-Turnier.

Masters 1990

(Finale: Seles – Sabatini 6:4 5:7 3:6 6:4 6:2)

Erstmals seit 1902 ging 1990 ein Damenmatch wieder ĂŒber die Distanz von 5 SĂ€tzen. Seles hatte zuvor in einem harten Dreisatzmatch Arantxa SĂĄnchez Vicario besiegt, wĂ€hrend Gabriela Sabatini Steffi Graf aus dem Rennen werfen konnte. Seles gewann den ersten Satz nach einer dreiviertel Stunde mit 6:4, ehe sich Sabatini zurĂŒckkĂ€mpfte und sich die SĂ€tze 2 und 3 sichern konnte, womit ein normales Finale der Damen beendet gewesen wĂ€re. Damals waren jedoch drei gewonnene SĂ€tze zum Sieg beim Masters nötig. Seles kĂ€mpfte sich zurĂŒck in die Partie und ging letzten Endes nach nahezu vier Stunden Spielzeit als Siegerin vom Platz. FĂŒr Seles war es der erste Triumph beim Masters und bedeutete damals auch erstmals Platz 2 in der Weltrangliste.

French Open 1992

(Finale: Seles – Graf 6:2 3:6 10:8)

1992 stand Monica Seles zum dritten Mal in Folge im Endspiel der French Open. Wie schon 1990 hieß die Gegnerin Steffi Graf. Seles begann extrem druckvoll und ließ Graf beim 6:2 im ersten Satz kaum eine Chance. Doch Graf kĂ€mpfte sich zurĂŒck in die Partie und konnte den zweiten Satz mit 6:3 fĂŒr sich entscheiden. Nun begann ein echter Schlagabtausch der beiden damals mit Abstand besten Spielerinnen der Welt. Seles gelang das erste Break im letzten Satz und sie hatte beim Stand von 5:3 MatchbĂ€lle. Diese konnte die Weltranglisten-Zweite Graf jedoch mit hervorragendem Spiel allesamt abwehren. Graf gelang das 4:5 und danach das Break zum 5:5. Vor einem begeisterten Pariser Publikum kĂ€mpften beide Spielerinnen weiter, ehe Seles bei einer 9:8 FĂŒhrung erneut MatchbĂ€lle hatte, wovon sie den zweiten letztendlich nutzen konnte.

Wimbledon 1992

(Finale: Seles – Graf 2:6 1:6)

Einen Höhepunkt negativer Art in der sportlichen Laufbahn von Monica Seles stellte das Wimbledon-Finale 1992 dar. Seles zeigte sich von Debatten um ihre StöhngerĂ€usche beeindruckt. Ihre Gegnerinnen im Viertelfinale und Halbfinale, Tauziat und Navratilova, hatten sich mehrmals beschwert. Seles versuchte nun im Endspiel möglichst still zu sein, was ihr Spiel negativ beeinflusste. Umgekehrt schien Graf an jenem Tag auch extrem motiviert, die French-Open-Niederlage vier Wochen zuvor wettzumachen. Das Spiel wurde mehrmals wegen Regens unterbrochen, was zu einer Gesamtspielzeit von nahezu fĂŒnf Stunden fĂŒhrte. Die reine Spielzeit betrug jedoch nur 58 Minuten, in welchen Graf jederzeit die Kontrolle auf dem schnellen Untergrund hatte und ohne Probleme mit 6:2 und 6:1 siegte. FĂŒr die damalige Weltranglistenerste aus Jugoslawien war es die erste Grand-Slam-Niederlage seit den US Open 1990.

US Open 1995

(Finale: Graf-Seles 7:6, 0:6, 6:3)

Das Finale der US Open 1995 hat fraglos als einer der emotionalsten, spannendsten und hĂ€rtesten Schlagabtausche in die Geschichte des modernen Tennis Einzug gefunden. Zum ersten Mal seit dem Attentat des Graf-Fans Parche im Jahre 1993 standen sich Graf und Seles erneut auf dem Platz gegenĂŒber. FĂŒr Seles war der Einzug ins Endspiel die Krönung eines bis dahin makellosen Comebacks: Auf Anhieb hatte sie das Turnier in Toronto gewinnen können und auch bei den US Open war Seles nicht zu stoppen. Die Tenniswelt starrte gebannt auf das Duell zwischen den beiden Tennisköniginnen der neunziger Jahre. FĂŒr beide bedeutete dieses neuerliche Zusammentreffen eine besondere emotionale Herausforderung: FĂŒr Seles, deren glanzvolle Karriere durch den fanatischen Graf-Bewunderer Parche abrupt unterbrochen worden war. FĂŒr Graf, die immer in dem Bewusstsein und mit dem Makel hatte leben mĂŒssen, dass es Parches Absicht war, ihre schĂ€rfste Konkurrentin aus dem Weg zu rĂ€umen. Graf befand sich zudem inmitten eines Verfahrens wegen Steuerhinterziehung, das zur Verhaftung ihres Vaters Peter gefĂŒhrt hatte.

Die ersten Ballwechsel des Spiels machten Glauben, dass die Zeit stehen geblieben sei: Beide spielten auf allerhöchstem Niveau. Seles und Graf lieferten sich einen bedingungslos gefĂŒhrten Schlagabtausch. SchlaghĂ€rte und Schnelligkeit des Spiels waren atemberaubend. Beide zeigten keinerlei SchwĂ€che. Fast folgerichtig endete Satz 1 im Tie-Break und auch dieser verlief sehr eng. Seles hatte schließlich Satzball. Ihr Aufschlag durch die Mitte landete im Bereich der Linie und wurde schließlich ausgegeben. Seles ist empört. Graf gewinnt die nĂ€chsten Punkte und so auch den ersten Durchgang.

Im zweiten Satz dominiert nur Monica Seles: Mit unglaublicher HÀrte produziert sie unerreichbare direkte GewinnschlÀge aus allen erdenklichen Ecken des Platzes. Ihre Gegnerin ist in dieser Situation chancenlos. Es ist das erste Mal, dass Graf bei den US Open einen Satz 0:6 verliert.

Im Entscheidungssatz gibt sich keine der beiden eine große BlĂ¶ĂŸe. Aber Graf gelingt ein frĂŒhes Break, das es ihr gelingt zu transportieren. Beim Stand von 5:3 fĂŒr Graf kann Seles den ersten Matchball der Deutschen noch mit einem unerreichbaren Return abwehren. Beim zweiten Matchball landet eine beidhĂ€ndige Vorhand von Seles im Netz: Graf siegt knapp mit 7:6, 0:6, 6:3.

Grand-Slam-Ergebnisse

Turnier 1989 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 Career
Australian Open - - S S S - - S - - HF - VF HF 2r 4
French Open HF S S S - - - VF HF F HF VF - VF 1r 3
Wimbledon 4r VF - F - - - 2r 3r VF 3r VF - VF - 0
US Open 4r 3r S S - - F F VF VF VF VF 4r VF - 2
WTA Tour Championships VF S S S - - - 4r 4r VF - F - VF - 3

Rekorde

Rekord-Weltranglistenerste im Dameneinzel
Rang Tennisspielerin Wochen
1. DeutschlandDeutschland Steffi Graf 377
2. Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Martina NavrĂĄtilovĂĄ 331
3. Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Chris Evert 260
4. SchweizSchweiz Martina Hingis 209
5. Jugoslawien Sozialistische Föderative RepublikJugoslawien/Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Monica Seles 178
6. BelgienBelgien Justine Henin 117
  • JĂŒngste French Open-Siegerin aller Zeiten (16 Jahre 6 Monate)
  • Mit ihren drei aufeinander folgenden French Open-Siegen (1990–1992) stellt Monica Seles den Rekord von Helen Wills Moody (1928–1930) und Hilde Krahwinkel (1935–1937) ein.
  • Mit 33 Spielen, in denen Seles bei einem Grand-Slam-Turnier (Australian Open) vom ersten Auftritt an ungeschlagen bleibt, bricht sie den 73 Jahre alten Rekord von Suzanne Lenglen.

Auszeichnungen

Trivia

  • Der serbische Liedermacher Đorđe BalaĆĄević widmete Monica Seles das Lied Monika. BalaĆĄević und die Familie Seles kennen sich aus der Zeit, als sie in Novi Sad lebten.
  • Im April 2009 erschien Seles' Autobiographie Getting a Grip: On My Body, My Mind, My Self.
  • 2008 nahm Seles an der Show Dancing with the Stars teil, der amerikanischen Version von Let's Dance.
  • Seit 2007 besitzt sie auch die ungarische StaatsbĂŒrgerschaft.
  • 2007 warb Seles als Botschafterin und Sprecherin von IIMSAM (Intergovernmental Institution for the use of Micro-algae Spirulina Against Malnutrition) im Rahmen verschiedener Programme fĂŒr diese Organisation.
  • WĂ€hrend den French Open 1999 wurde Novi Sad, die Heimatstadt von Monica Seles, von schweren Luftangriffen der im Kosovo-Krieg eingesetzten NATO-Einheiten getroffen, was Seles wĂ€hrend des Turniers nicht kommentierte.

Weblinks

 Commons: Monica Seles â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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