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Moringen

Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Moringen
Moringen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Moringen hervorgehoben
51.69694444449.87083333333175Koordinaten: 51° 42′ N, 9° 52′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Northeim
Höhe: 175 m ü. NN
Fläche: 82,25 km²
Einwohner:

7.135 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 87 Einwohner je km²
Postleitzahl: 37186
Vorwahlen: 05554, 05503 (Großenrode), 05555 (Fredelsloh)
Kfz-Kennzeichen: NOM
Gemeindeschlüssel: 03 1 55 009
Stadtgliederung: 9 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Amtsfreiheit 8
37186 Moringen
Webpräsenz: www.moringen.de
Bürgermeister: Hartmut Schnabel (parteilos)
Lage der Stadt Moringen im Landkreis Northeim
UslarUslarBodenfeldeHardegsenNörten-HardenbergKatlenburg-LindauDasselMoringenBad GandersheimNortheimKalefeldKreiensenEinbeckLandkreis NortheimNiedersachsenHessenLandkreis GöttingenLandkreis HolzmindenLandkreis HildesheimLandkreis GoslarLandkreis Osterode am HarzNordrhein-Westfalengemeindefreies Gebiet SollingKarte
Über dieses Bild

Moringen ist eine Kleinstadt im Landkreis Northeim in Niedersachsen (Deutschland).

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Geografische Lage

Moringen liegt östlich des Höhenzugs Weper, an den sich unmittelbar westlich der Solling anschließt, und wird vom Oberlauf der Moore durchflossen, die einen westlichen Zufluss der Leine darstellt.

Stadtgliederung

Geschichte

Der Ort wurde im ersten Jahrtausend gegründet. Als Gau Morunga gehörte die Gegend südlich des Suilbergaus zum Leinegau.[2][3] Im Hochmittelalter trafen hier die Interessen der Grafen von Dassel und der Herren von Rosdorf aufeinander.[4]

Die ältere bäuerliche Siedlung, das Oberdorf von Moringen, entstand um den „Opferteich“ und die aus dem 11. Jahrhundert stammende Martini-Kirche.

Das Unterdorf wurde unter Ausschluss des bäuerlichen Oberdorfes mit den Rechten einer Stadt ausgestattet und befestigt. Die Siedlung ist im Jahre 983 erstmals urkundlich erwähnt, wobei allerdings nicht urkundlich belegbar ist, wann die Siedlung ihre Stadtrechte verliehen bekam. Fest steht jedoch, dass Moringen um 1350 bereits eine Stadt gewesen ist. Umstritten ist, ob bis zum Jahr 1312 eine Templer-Komturei in Moringen existiert haben soll. Bezeugungen davon finden sich in der Dasselischen und Einbeckischen Chronica von Johannes Letzner aus dem Jahre 1596, der auch berichtet, dass nach Aufhebung des Ordens die Güter an das einstige Augustinerkloster in Einbeck gegangen sein sollen.[5] Plausibler als der Templerorden ist der Deutsche Orden, denn der Moringer Freiherr zu Münchhausen wurde 1815 für die Einziehung seiner Güter, die er als Komtur dieses Ordens verwaltete, mit einer Pension entschädigt[6][7]. Moringen war oftmals von den Herzögen abhängig, die sich nach eigenem ermessen oftmals der Stadt bedienten. Als Herzog Otto der Quade 1387 mit der Stadt Göttinger in Fehde lag, wurden auch Northeimer und Moringer zur Heerfolge verpflichtet, während Hardegsen, Ottos Residenz, sich nicht beteiligen musste. In Namen des Königs Sigismund belehnte Landgraf Ludwig von Hessen 1420 seinen Schwager, Otto Cocles, mit dessem Fürstentum, sowohl Northeim, als auch Moringen werden in dieser Übertragung erwähnt.

Seit der Frühen Neuzeit gehörte die Stadt zum Fürstentum Göttingen.

1734 zerstörte ein Feuer fast die gesamte Stadt. Innerhalb von wenigen Stunden brannten 110 Wohnhäuser und 159 Wirtschaftshäuser ab, worunter sich zudem das Brauhaus befand. Verschont blieb jenes Stadtviertel, welches nördlich der alten Burg und der Pfarrkirche gelegen war. Man baute die Stadt im Stile der Zeit, nun mit breiteren Straßen als zuvor wieder auf, damit sich ein solches Feuer nicht wieder so schnell ausbreiten konnte. Dazu ordnete die Regierung in Hannover an, dass die Straßen 48 Fuß breit, und geradlinig angelegt sein sollten, jedes vierte Haus sollte eine Hauptbrandmauer erhalten. Scheune und Ställe durfte man nur noch in einem bestimmten Abstand zu den Wohngebäuden errichten und als Dachdeckungmaterial seiein nur Ziegel oder Steine zu verwenden. Nach einem Brand in der Oberen, heutigen Neuen Straße, 1747 fanden die neuen Baurichtlinien auch dort ihre Anwendung.[8] Nur Reste der alten Stadtgestaltung sind heute noch im Bereich der Burg erkennbar. Überhaupt wurde Moringen im Verlauf seiner Geschichte häufiger von Bränden heimgesucht, so berichtet ein Gerichtsbuch aus dem 15. Jahrhundert, dass 1461 der Ort in twen stunde al utebrennt, weitere Feuer wüteten in den Jahren 1491 und 1496 als Moringen von einem Tor bis zum anderen in Flammen aufging. Nach dem Feuer von 1506 blieben noch 26 Häuser stehen, kleinere Brände folgten 1671, 1679 und 1680.

Der Ort bestand bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein noch aus praktisch zwei selbständigen, und in ihrem Erscheinungsbild, sowie ihrer Funktion verschiedenen, Teilen. Der ältere Abschnitt bildete dabei das Oberdorf, welches um die Sedalkirche St. Martin erbaut wurde und den Charakter eines Bauerndorfes trug. Erst 1890 gemeindete man das Oberdorf in die Stadt ein. Das Unterdorf errichte man um den Königshof und die spätere Wasserburg als Handwerkersiedlung. Die deutlich Abgrenzung ist durch einen Stadtplan belegt, der kurz nach dem verheerenden Brand von 1734 angefertigt wurde. Ein weiteres Indiz bildet eine Stadtansicht von 1654, die auch die, um 1400 errichtete Stadtmauer, verdeutlicht. Um 1750 zeugt ein Stadtplan von einigen Veränderungen des Stadtbildes, die damit einhergingen, dass man weite Teile der alten Stadtmauer abgerissen und einige Abschnitte der Wälle abgetragen hatte. Lediglich an der Nordseite des Stadt verblieben zwei Ecktürme und einige Segmente der Stadtmauer erhalten. Wirtschaftlich ist bis heute das Oberdorf landwirtschaftlich geprägt. Von hier aus werden weite Teile der ausgehenden Moringer Ackerflur bearbeitet. Im Unterdorf dagegen spielte bis um die Mitte des 19. Jahrhunderts die Leineweberei eine große Rolle, die erstmals zu Beginn des 15. Jahrhunderts auftritt. Der 1878 erfolgte Anschluss Moringens an die Bahnlinie Northeim-Hardegsen-Uslar-Bad Karlshafen änderte wenig am Charakter des Landstädtchens, was daran liegt, dass der Bahnhof etwa 2 km außerhalb der Ortes erbaut wurde.[9] Moderne Wohnviertel entstanden im Norden Moringens, sowie entlang der Nienhagener Straße. Gewerbliche Bedeutung besitzen mitunter die Molkerei, eine Maschinenfabrik und eine Möbelfabrik.

Die Familie derer von Münchhausen besaß in Moringen ein großes Gut. Börries von Münchhausen (+ 1722) wurde 1716 Drost in Moringen. Dessen Sohn Börries (+ 1773), Landdrost, folgte dem Vater im Amte nach und erwarb sich Verdienste durch den Wiederaufbau der Stadt nach den Bränden von 1734 und 1747. Er kaufte 1739 das Stadtgut Moringen, 1759 einen Teil der Ländereien des früheren Laubingerschen Gutes im Oberdorf und 1771 das Herbstsche Gut im Oberdorf. Nach dem großen Brand wurde das Moringer Stadtgut draußen vor dem Büchentor neu aufgebaut. Der eigentliche Gutshof war der heutige Rathausplatz (er heißt so, weil das dortige Münchhausen'sche Herrenhaus zuvor lange Zeit als Rathaus genutzt wurde, bevor die Stadtverwaltung in das alte Amtsgebäude auf dem Gelände der ehemaligen Wasserburg umzog. Erbe wurde der nächste Sohn, Oberhauptmann Börries v. M. (+ 1829), nach ihm dessen Sohn, Landschaftsrat Albrecht Friedrich v. M. (+1880), auf den 1880 sein Sohn, der Kammerherr Börries v. M. (* 1845 + 1931) folgte; dieser erwarb das im thüringischen Altenburger Land gelegene Gut Windischleuba, das zum ständigen Wohnsitz der Familie wurde. Auf das etwa 400 Hektar große Gut Moringen kam ein Pächter; die Familie von Münchhausen besuchte es nur noch gelegentlich. Der Sohn in nächster Generation war Börries von Münchhausen (1879-1945), der als Balladendichter berühmt geworden ist. Dessen Sohn Börries (1904-1934) sollte die Erbfolge in Moringen antreten. Aber er fiel, 29 Jahre alt, 1934 einem Autounfall zum Opfer. Seine Stiefgeschwister erbten die Güter, Dr. Crusius das Gut Parensen, Charlotte von Katte, geb. Crusius, das Gut Moringen. 1590 verkaufte sie es zum Zwecke der Aufsiedlung an die Niedersächsische Landgesellschaft.

Bauwerke

Ehemaliges Waisenhaus

Waisenhaus, Arbeitshaus, Konzentrationslager

In Moringen gab es ein Waisenhaus, das spätere Werkhaus, das 1732 auf Kosten der Calenberg-Grubenhagenschen Landschaft errichtet wurde. 1798 wurde das Waisenhaus geräumt, um es anlässlich der damaligen Seeblockade zu einer Zuckerfabrik umzubauen. Das Projekt zerschlug sich 1803 auf Grund der französischen Besatzung, so dass das Gebäude wieder Waisenhaus wurde. 1818 kaufte es das Königreich Hannover zur Einrichtung einer so genannten Korrektionsanstalt. Ab 1838 wurden dort Polizeigefangene untergebracht. Ab 1866 unter preußischer Herrschaft wurde es Werkhaus, d. h. Arbeitshaus für „Nachhaft/Korrektionshaft“. Ab 1871 diente es als Provinzialwerkhaus. 1901–1907 wurde eine Abteilung für schwererziehbare Fürsorgezöglinge angegliedert. Im 1. Weltkrieg wurden hier feindliche, zum Austausch bestimmte Ausländer zusammengefasst. Eine Bedeutung hatte dieses Werkhaus für die Landwirte der Umgebung, die hier gegen geringes Entgelt Arbeitskommandos zur Arbeitshilfe bekommen konnten.

Die Gebäude des Landeswerkhauses wurden vom 10. April 1933 bis 29. November 1933 als Schutzhaftsammellager für runde 1000 Männer[10] und vom 7. Juni 1933 bis 21. März 1938 als Frauenkonzentrationslager, vom 1. August 1940 bis zum Kriegsende, d. h. bis zum 6. April 1945 unter der euphemistischen Bezeichnung „Polizeiliches Jugendschutzlager“ als Jugendkonzentrationslager benutzt. Im Frauen-KZ Moringen waren insgesamt etwa 1350 Frauen inhaftiert, im Jugend-KZ etwa 1400 Jugendliche im Alter von 13 bis 22 Jahren. Während der ganzen Zeit wurde der „normale Werkhausbetrieb“ fortgeführt.

Bei Kriegsende wurden die Gebäude des Werkhauses einschließlich des Jugendschutzlagers von der Besatzungsregierung beschlagnahmt zur Einrichtung eines Lagers für „Displaced Persons“. Am 27. August 1947 wurde das jetzige Landeswerkhaus von der britischen Militärregierung an das Land Niedersachsen übergeben, in dem jedoch Polen noch bis zum 28. Juni 1960 wohnten. 1956 mit Verlegung der letzten „Korrigenden“ wurde das Landeswerkhaus aufgelöst, um stufenweise in ein Landeskrankenhaus umgewandelt zu werden.

An diese Vergangenheit erinnert die KZ-Gedenkstätte Moringen im ehemaligen Torhaus der Stadt.

Martinikirche

Die heute in Privatbesitz befindliche Kirche enthält romanische Bauelemente und wurde später baulich erweitert und repariert. Die ursprünglich mainzische Kirche stand bis zum Bau der Stadtkirche unter dem Patronat des Klosters Lippoldsberg und war Sedeskirche im Petersstift Nörten.

Stadtkirche

Sie wurde 1847/50 an der Stelle einer eines Vorgängerbaus errichtet, einer 1492 ausgebauten und mit Bestätigung durch Bischof Berthold zur Stadtkirche erhobenen Kapelle.[11]

Ulrichskirche

Die Kirche der katholischen Gemeinde wurde 1959 gebaut und durch Heinrich Maria Janssen geweiht.

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Moringen liegt an der Bundesstraße 241. Etwa 5 km östlich befindet sich die Anschlussstelle Northeim West (Nr. 70) der Bundesautobahn 7.

Bis 1984 war Moringen mit einem eigenen, aber außerhalb der Ortsbebauung gelegenen Bahnhof an die Sollingbahn angebunden, der noch eine Weile Güterbahnhof blieb und danach geschlossen wurde. Die Bahnanlagen sind inzwischen abgerissen. Die nächstgelegene Bahnstation ist im benachbarten Hardegsen, Anschlüsse zum Fernverkehr bestehen in Göttingen (ICE) und Northeim (IC).

Öffentliche Einrichtungen

Bildung

Museen

Persönlichkeiten

Literatur

  • Johann Just von Einem: Antiquitates Moringenses. Zeit- u. Geschicht-Beschreibung des Amts und Städtleins Moringen; 1739
  • Martin Engelhardt: Darstellung der jüdischen Gemeinde Moringens; als Manuskript im Moringer Stadtarchiv, im evangelischen Pfarramt Moringen und in der Jüdischen Gemeinde Hannover verfügbar
  • Martin Guse: „Der Kleine, der hat sehr leiden müssen …“ Zeugen Jehovas im Jugend-KZ Moringen; in: Hans Hesse (Hrsg.): Am mutigsten waren immer wieder die Zeugen Jehovas. Verfolgung und Widerstand der Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus; Bremen 1998
  • Hans Hesse: Das Frauen-KZ Moringen 1933–1938; Göttingen 2000
  • Wolfgang Kramer: Die Flurnamen des Amtes Moringen; Göttingen 1963
  • Theodor Meyer: Der Brand der Stadt Moringen im Jahre 1734 und dessen Bedeutung für die spätere Entwickelung derselben; Moringen 1888
  • Walter Ohlmer: 1000 Jahre Moringen 983–1983; Hildesheim: Verlag August Lax, 1983
  • Friedrich Zeichner: Aus tausend Jahren Moringer Geschichte. Geschichtlicher Abriss zum 800jährigen Bestehen der Stadt Moringen; Moringen 1947
  • Johann Gabriel Domeier: Die Geschichte der Churfürstl. Braunschweig-Lüneburgischen Stadt Moringen und des umliegenden Amts dieses Namens. Aus archivischen Urkunden und anderen zuverlässigen Nachrichten verfasset. Universitäts-Buchhandlung, Göttingen, 1753.

Weblinks

 Commons: Moringen â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen – Bevölkerungsfortschreibung (Hilfe dazu)
  2. ↑ Heinrich Leo: Vorlesungen über die Geschichte des deutschen Volkes und Reiches, Band 5, 1867, S. 655ff
  3. ↑ Carl Friedrich Eichhorn: Deutsche Staats- und Rechtsgeschichte, Band 1, 1834, S. 546
  4. ↑ O. von Heinemann: Das Königreich Hannover und das Herzogthum Braunschweig, 1858, S. 418
  5. ↑ Gerhard Streich, Klöster, Stifte und Kommenden in Niedersachsen vor der Reformation. Verlag August Lax, Hildesheim, 1986. S. 100.
  6. ↑ Moringen = Sage, spätere Zuschreibung
  7. ↑ Verein für Mecklenburgische Geschichte und Alterumskunde, Mecklenburgische Jahrbücher, Bände 13-14, 1848, S. 46
  8. ↑  Johann Gabriel Domeier: Die Geschichte der Churfürstl. Braunschweig-Lüneburgischen Stadt Moringen und des umliegenden Amts dieses Namens. Universitäts-Buchhandlung, Göttingen 1753, S. 55.</span>
  9. ↑  Erhard Kühlhorn, Erhard Kühlhorn (Hrsg.): Historisch-Landeskundliche Exkursionskarte. Blatt Moringen am Solling. Lax, Hildesheim 1976, ISBN 3784836240, S. 99f.</span>
  10. ↑ Hans Hesse, Jens-Christian Wagner: Das frühe KZ Moringen, 2003, S. 112
  11. ↑ Aus der Geschichte der Ev.-luth. Kirchengemeinde Leine-Weper
  12. ↑ Museumswebsite
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