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| Motorenbenzin | ||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| SiedeverlÀufe qualitativ | ||||||||||
| Andere Namen |
Benzin, Ottokraftstoff, Vergaserkraftstoff, Sprit (umgangssprachlich) | |||||||||
| Kurzbeschreibung | Ottokraftstoff fĂŒr Pkw | |||||||||
| Herkunft |
fossil, etwas biogen | |||||||||
| Charakteristische Bestandteile |
Benzin, Additive, Bio-Ethanol-Beimischung | |||||||||
| Eigenschaften | ||||||||||
| Aggregatzustand | flĂŒssig | |||||||||
| ViskositÀt |
ca. 0,53 mmÂČ/s (20 °C) [1] | |||||||||
| Dichte |
0,720â0,775 kg/L (15 °C) [2] | |||||||||
| Heizwert |
11,1â11,6 kWh/kg (40,1â41,8 MJ/kg) [3] | |||||||||
| Brennwert |
11,9â12,3 kWh/kg (42,7â44,2 MJ/kg) [3] | |||||||||
| Oktanzahl | ||||||||||
| Schmelzbereich | ca. â45 °C | |||||||||
| Siedebereich |
(25 ⊠210) °C [2] | |||||||||
| Flammpunkt |
â21 °C [4] | |||||||||
| ZĂŒndtemperatur | (200 ⊠300) °C | |||||||||
| Explosionsgrenze | (0,6 ⊠7,6) Vol.-% [4] | |||||||||
| Temperaturklasse | T3 | |||||||||
| Explosionsklasse | II A | |||||||||
| Kohlendioxidemissionen bei Verbrennung |
2,36 kg/L | |||||||||
| Sicherheitshinweise | ||||||||||
Gefahrstoffkennzeichnung [4]
| ||||||||||
| R- und S-SĂ€tze | R: 12-45-38-48/20/21/22-65-67-51/53 | |||||||||
| S: (2)-16-23-24-29-36/37-45-53-61-62 | ||||||||||
| UN-Nummer | 1203 | |||||||||
| Gefahrnummer | 33 | |||||||||
| Soweit möglich und gebrÀuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen. | ||||||||||
Motorenbenzin ist ein komplexes Gemisch aus ĂŒber 100[5] verschiedenen, ĂŒberwiegend leichten Kohlenwasserstoffen, deren Siedebereich zwischen dem von Butan und Kerosin/Petroleum liegt. Es wird hauptsĂ€chlich aus veredelten Komponenten aus der Erdölraffination hergestellt und als Kraftstoff eingesetzt.
Motorenbenzin wird (meist zu âBenzinâ abgekĂŒrzt) oft ungenau auch Ottokraftstoff genannt, obwohl es auch andere Ottokraftstoffe gibt. Daneben finden geringe Mengen Motorbenzin auch als Brennstoff Verwendung (Benzin-Campingkocher).
Inhaltsverzeichnis |
Der ursprĂŒngliche Name stammt von dem arabischen Wort von Benzoeharz, luban dschawi â âWeihrauch aus Javaâ. Dieser Ausdruck gelangte durch arabische Handelsbeziehungen mit Katalonien nach Europa. Mit dem Wegfall der ersten Silbe und der Ănderung des ersten a zu e entstand im Italienischen benjuĂŹ, im Mittellateinischen benzoĂ«, woraus sich das deutsche Wort Benzol entwickelte.
1825 entdeckte Faraday die spĂ€ter Benzol genannte Verbindung in geleerten Gasflaschen, er nannte sie damals bicarbure dâhydrogĂšne, bevor sie von Eilhard Mitscherlich in Benzin umbenannt wurde. Er bezeichnete damit allerdings unser heutiges Benzol. Mitscherlich benannte den Stoff nach dem von ihm benutzten Ausgangsstoff, dem Benzoeharz. Die Zuordnung zu unserem heutigen Benzin geschah durch Justus von Liebig.
Die Bezeichnung Benzin steht demnach nicht, wie teilweise irrtĂŒmlich angenommen wird, in Zusammenhang mit dem Motorenbauer Carl Benz.
Es gibt verschiedene Sorten von Benzinen, die sich in ihrer Klopffestigkeit und zur Erreichung derer auch in der Art der Gemisch-Zusammensetzung der Kohlenwasserstoffe unterscheiden.
Die PKW-Hersteller schreiben fĂŒr ihre Motoren eine Mindestoktanzahl vor; bei Sorten mit niedrigerer Oktanzahl können durch Klopfen SchĂ€den auftreten, es sei denn, dass der Motor sich mit Hilfe eines Klopfsensors durch Verstellung des ZĂŒndzeitpunkts in gewissen Grenzen und unter geringfĂŒgigem Leistungsverlust darauf einzustellen vermag. Bei Sorten mit höherer Oktanzahl dagegen sind dementsprechend auch geringfĂŒgige Leistungssteigerungen möglich. Da die Verstellgrenze allerdings herstellerseits meist fĂŒr eine bestimmte in der Bedienungsanleitung angegebene Oktanzahl ausgelegt ist, können viele Motoren die neuen 100-Oktan-Benzine dennoch nicht nutzen.[6]
In Deutschland wurde seit November 2007 der Preis des Normalbenzins an das Superbenzin angeglichen. Vertreter von Automobilclubs Ă€uĂerten die Vermutung, dass die Mineralölunternehmen mittelfristig Normal abschaffen wollten, um mehr Erlöse und weniger Kosten zu haben, was 2007 von Mineralölunternehmen noch als unbegrĂŒndet zurĂŒckgewiesen wurde.[7][8] Mitte September 2008 nahm Shell als erster groĂer Mineralölkonzern das Normalbenzin komplett aus seinem Angebot, da es kaum noch gekauft wĂŒrde.[9]
AuĂer der Unterscheidung nach Klopffestigkeit gibt es noch die Unterscheidung in Sommerbenzin, Winterbenzin und Ăbergangsware (siehe unten, Herstellung).
Die Hauptbestandteile des Benzins sind vorwiegend Alkane, Alkene, Cycloalkane und aromatische Kohlenwasserstoffe mit 4 bis 11 Kohlenstoff-Atomen pro MolekĂŒl und einem Siedebereich zwischen 25 °C und ~210 °C. Daneben werden in das Roh-Benzin noch diverse Ether (wie MTBE, ETBE) und Alkohole (Ethanol, sehr selten noch Methanol) eingeblendet. Die Ether bzw. das Ethanol erhöhen die Klopffestigkeit des fertigen Benzins.
Die Kohlenwasserstoffe werden im ersten Schritt durch fraktionierte Destillation aus Erdöl gewonnen. Nach ggf. mehreren Veredelungsschritten erhÀlt man folgende (zumeist entschwefelte) Komponenten[10] (Auswahl):
Folgende Komponenten stammen nicht aus der obengenannten Raffinerieproduktion, sondern werden bei der Abmischung der einzelnen Komponenten dem Benzin zugegeben:
NatĂŒrlich wird in einer bestimmten Raffinerie nur eine kleine Auswahl dieser Komponenten hergestellt. Ether und Ethanol werden meist zugekauft.
Die Komponenten werden (meist) separat in Tanks gelagert und von dort ĂŒber eine sogenannte Blending-Station zur Fertigware aufgemischt. Je nach Sorte unterscheiden sich die MischungsverhĂ€ltnisse (siehe Blenden). Z. B. werden in hochoktanige Sorten auch verstĂ€rkt hochoktanige Komponenten zugemischt. Einige Spezifikation (DVPE, E70) variieren in AbhĂ€ngigkeit von der Jahreszeit. Es wird zwischen Sommer-, Ăbergangs- und Winterware[2] unterschieden. Um im Sommer der Dampfblasenbildung vorzubeugen, werden weniger leichtsiedende Anteile (Butan, Isopentan) im Blend verwendet. Ein Anteil von mehr leichtsiedenden Bestandteilen im Winterbenzin erleichtert dagegen den Kaltstart.
Neben der wichtigsten QualitÀt Oktanzahl (ROZ und MOZ) haben folgende Spezifikationen[2] (s. u.) wesentlichen Einfluss auf den Blend:
Der Blend muss möglichst ökonomisch gestaltet werden, d. h. ROZ oder MOZ, DVPE und Aromatenanteil sollten möglichst âangefahrenâ werden. NatĂŒrlich sind solche Kriterien von Raffinerie zu Raffinerie verschieden. Auch die Preisstruktur des Produktumfeldes (Jet-Preis, MTBE-Preis, Naphtha-Preis) beeinflusst die Blendingstrategie.
Der Grundkraftstoff unterscheidet sich bei den verschiedenen Mineralölkonzernen nicht, er stammt hĂ€ufig sogar aus derselben Raffinerie. Ihm wird, meist durch eine sogenannte âEndpunktdosierungâ direkt vor der Tankwagenverladung, ein Additivpaket beigemischt, das spezifisch fĂŒr den jeweils belieferten Konzern ist. Zu diesen Additiven gehören Oxidationsinhibitoren, Korrosionsschutzmittel, Detergentien (Schutz vor Ablagerungen im Einspritzsystem) und Vergaservereisungs-Inhibitoren.
In Deutschland wurden 2007 ca. 24,3 Millionen Tonnen Motorenbenzin hergestellt.[11]
Seit 2000 ist verbleites Motorenbenzin in der EU verboten (siehe Entwicklung der Ottokraftstoffe). Lediglich Flugbenzin darf noch verbleit werden. Der Zusatz âbleifreiâ wird in den Sortenbezeichnungen aber noch mitgefĂŒhrt.
Benzin wurde in Deutschland seit den 1920er Jahren bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs wegen Erdölmangels auch durch KohleverflĂŒssigung aus Kohle gewonnen (Synthetisches Benzin). Der hohe Energieaufwand und der hohe CO2-AusstoĂ machen das Verfahren heute meist unwirtschaftlich, wenn billigeres Erdgas oder Erdöl zur VerfĂŒgung steht. Jedoch werden auch heute noch in SĂŒdafrika solche Anlagen betrieben und weitere in der Welt geplant (siehe KohleverflĂŒssigung â Anwendungen in der Gegenwart).
Die wichtigsten Benzinarten sind in der Norm EN 228 (siehe Kasten rechts) festgelegt.[12]
| |
DIN EN 228 |
|---|---|
| Bereich | Kraftstoffe fĂŒr Kraftfahrzeuge |
| Titel | Unverbleite Ottokraftstoffe â Anforderungen und PrĂŒfverfahren |
| Kurzbeschreibung: | Festlegungen zu Mindestanforderungen und PrĂŒfungen an Ottokraftstoff |
| Letzte Ausgabe | 11.2008 |
| ISO | - |
Neben der (Mindest-)Oktanzahl (siehe Infobox) sind noch folgende wichtige Spezifikationen zu erfĂŒllen:
Nach § 13 der 10. BImSchV sind im geschĂ€ftlichen Verkehr die gewĂ€hrleisteten QualitĂ€ten an den ZapfsĂ€ulen sowie an der Tankstelle âdeutlich sichtbar zu machenâ. In Deutschland findet man deshalb an allen Benzin-ZapfsĂ€ulen die in der 10. BImSchV (Anlagen 1a-c und 2a) geforderten runden Aufkleber mit dem Text:
Auf Grund von EU-Vorschriften kommt seit dem 1. Januar 2011 zunehmend Super E10 mit einem Zusatz von bis zu 10 % Bioethanol auf den deutschen Markt. FĂŒr diesen Kraftstoff schreibt die 10. BImSchV zusĂ€tzliche Warnhinweise auf die E10-VertrĂ€glichkeit der Fahrzeuge vor [13] [14]. Siehe hierzu auch: 10. BImSchV: Auszeichnung an ZapfsĂ€ulen.
In Deutschland wurden 2007 ca. 21,3 Millionen Tonnen Motorenbenzin verbraucht[11][15] (davon 5,6 Millionen Tonnen Normalbenzin). Der ProduktionsĂŒberschuss (siehe Herstellung) wird exportiert (vorwiegend Schweiz und USA).
Die Preise fĂŒr Motorenbenzin (Handelsbezeichnung: Regular=ROZ 91, Premium=ROZ 95, Premium Plus=ROZ 98) orientieren sich am Rotterdamer Markt. Benzin wird in US-Dollar je 1.000 kg (US-$/t) gehandelt. Verschiedene Publikationsorgane berichten (zum Teil tĂ€glich) ĂŒber aktuelle Handelspreise und Volumina.[16][17][18] Die im Handel verwendete Referenzdichte (um den Preis einer aktuellen Charge mit einer gegebenen Dichte in Relation zu der Notierung zu setzen) ist 0,745 kg/dmÂł fĂŒr Regular und 0,755 kg/dmÂł fĂŒr alle Premiumsorten. Weiterhin mĂŒssen noch Transportkosten und Marge des Kraftstoffhandels berĂŒcksichtigt werden (siehe auch: [18]).
ZusĂ€tzlich zu den oben genannten PreisbeitrĂ€gen kommen noch Steuern und Abgaben. In Deutschland[19] gehören dazu die Umlage fĂŒr die BeitrĂ€ge zum Erdölbevorratungsverband mit ca. 4,10 âŹ/1000 dmÂł, die Energiesteuer[20] von 654,50 âŹ/1000 dmÂł (Schwefelanteil: 10 ppm) und â auf die Summe aller aufgefĂŒhrten PreisbeitrĂ€ge â 19 % Mehrwertsteuer. Daraus allein ergibt sich unabhĂ€ngig vom Verkaufspreis bereits ein Steueranteil von ca. 0,78 ⏠je Liter Ottokraftstoff, zu dem dann noch der auf den Nettopreis entfallende Mehrwertsteueranteil hinzuzurechnen ist.[21] Bei einem Verkaufspreis von zum Beispiel 1,40 ⏠betrĂ€gt deswegen die gesamte Steuerbelastung 0,88213 âŹ.
Zum Vergleich: Der Steueranteil fĂŒr Dieselkraftstoff mit einem Schwefelanteil von 10 ppm betrĂ€gt 470,40 âŹ/1000 dmÂł, daraus ergibt sich unabhĂ€ngig vom Verkaufspreis bereits ein Steueranteil von ca. 0,56 ⏠je Liter Dieselkraftstoff, zu dem ebenfalls der auf den Nettopreis entfallende Mehrwertsteueranteil hinzukommt.
In der Schweiz kommen die Kosten fĂŒr die Mineralölsteuer, fĂŒr den Klimarappen, die ImportgebĂŒhr fĂŒr Pflichtlager und die Mehrwertsteuer hinzu.[22]
Benzinpreise in Euro/Liter fĂŒr Bleifrei 95 Oktan in deutschsprachigen Gebieten und den umliegenden LĂ€ndern, nach Erhebung des Touring Club Schweiz[23]:</small>
| Land |
Dez. 2004 |
Mai 2005 |
Juli 2007 |
April 2008 |
Jan 2009 |
MĂ€r 2010 |
Feb 2011 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Belgien | 1,10 | 1,24 | 1,41 | 1,50 | 1,11 | 1,35 | 1,56 |
| DĂ€nemark | 1,26 | 1,23 | 1,38 | 1,40 | 1,00 | 1,45 | 1,60 |
| Deutschland | 1,19 | 1,18 | 1,37 | 1,43 | 1,09 | 1,35 | 1,50 |
| Frankreich | 1,05 | 1,15 | 1,31 | 1,38 | 1,07 | 1,35 | 1,53 |
| Italien | 1,10 | 1,23 | 1,35 | 1,39 | 1,10 | 1,34 | 1,46 |
| Luxemburg | 0,92 | 0,99 | 1,18 | 1,19 | 0,91 | 1,13 | 1,25 |
| Niederlande | 1,26 | 1,33 | 1,51 | 1,56 | 1,25 | 1,54 | 1,66 |
| Ăsterreich | 0,94 | 1,00 | 1,13 | 1,22 | 0,91 | 1,11 | 1,29 |
| Polen | 0,80 | 0,92 | 1,15 | 1,23 | 0,82 | 1,12 | 1,26 |
| Schweiz | 0,92 | 0,98 | 1,06 | 1,14 | 0,88 | 1,12 | 1,29 |
| Slowakei | 0,90 | 1,11 | 1,21 | 1,05 | 1,18 | 1,38 | |
| Slowenien | 0,90 | 1,11 | 1,07 | 0,83 | 1,15 | 1,28 | |
| Tschechien | 0,87 | 0,92 | 1,03 | 1,21 | 0,92 | 1,19 | 1,38 |
| Ungarn | 1,00 | 1,01 | 1,13 | 1,13 | 0,86 | 1,22 | 1,32 |
Angegeben werden die Jahresdurchschnittswerte an der ZapfsĂ€ule fĂŒr den am weitesten verbreiteten Benzinkraftstoff. Die Werte wurden von nationaler WĂ€hrung in US-Dollar umgerechnet. Dieser Indikator ist in den World Development Indicators enthalten und basiert auf Daten der Weltbank.[24]
| Land | Preis in USD/â |
|---|---|
| |
1,36 |
| |
1,24 |
| |
1,50 |
| |
1,13 |
| |
1,28 |
| |
1,54 |
| |
1,56 |
| |
1,18 |
| |
1,57 |
| |
1,52 |
| |
1,23 |
| |
1,56 |
| |
1,15 |
| |
1,57 |
| |
1,27 |
| |
1,12 |
| |
1,30 |
| |
1,13 |
| |
1,40 |
| |
1,66 |
| |
1,15 |
| |
1,20 |
| |
1,64 |
| |
1,27 |
| |
1,68 |
| |
1,63 |
| |
1,37 |
| |
1,43 |
| |
1,61 |
| |
1,11 |
| |
0,89 |
| |
1,38 |
| |
1,30 |
| |
1,29 |
| |
1,57 |
| |
1,18 |
| |
1,23 |
| |
1,37 |
| |
1,87 |
| |
0,88 |
| |
1,27 |
| |
1,44 |
| |
1,33 |