Ein Objekt aus den Sammlungsbeständen:
Münzpappe, provisorische Münzaufbewahrung, 1916, 10 x 14 cm, Material: Pappe, Münzen, Zwirn. Vorgefunden in der Sammlung der Islamischen Numismatik der Universität Tübingen. Die Bedeutung dieses kleinen Münzkonvoluts liegt weniger im Wert der Münzen begründet, als vielmehr in der kuriosen Aufbewahrungsmethode dieser numismatischen Funde eines deutschen Soldaten, der während des Ersten Weltkrieges in der Türkei stationiert war.
Das Museum der Universität Tübingen MUT ist eine zentrale Einrichtung der Eberhard Karls Universität in Tübingen, die es sich seit Oktober 2006 zur Aufgabe macht, die universitären Sammlungen organisatorisch miteinander zu verbinden, zu unterstützen und in wechselnden Ausstellungen ein Expositionslabor für die Universität bereitzustellen sowie die Sammlungen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Geschichte
Die Universität Tübingen verfügt mit ihren mehr als 530 Jahre alten Forschungs-, Lehr- und Schau-Sammlungen über einen herausragenden wissenschafts- und kulturgeschichtlichen Objektbestand. Diese außergewöhnlichen und fachlich stark ausdifferenzierten Sammlungen zeichnen sich vor allem durch ihr Alter, ihre universelle Vielfalt und bewahrte Vollständigkeit aus. Das Museum der Universität MUT fungiert dabei als Dachorganisation über diese rund 43 Sammlungen der Universität Tübingen.
Schon früh wurde begonnen, die Lehr- und Forschungsobjekte auch der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. So entstanden beispielsweise im Jahr 1897 die Graphische Sammlung am Kunsthistorischen Institut, um 1900 die Paläontologische Forschungs-, Lehr- und Schausammlung - eine der größten und bedeutendsten Europas - und schließlich 1997 das Museum im Schloss Hohentübingen mit seinen teilweise einzigartigen kultur- und altertumswissenschaftlichen Schätzen, wie beispielsweise den ältesten erhaltenen Kunstwerken der Menschheit, den Elfenbeinfiguren vom Vogelherd und Hohle Fels.
Neben den zahlreichen Einzelsammlungen der Universität existiert eine Vielzahl von Objekten, die nicht in den bereits inventarisierten Sammlungsbeständen auftreten und dennoch als Wissenschaftsartefakte, als materialisierte Kultur- und Forschungsgeschichte der Universität eine große Rolle spielen. Die gesamten Bestände zu sichten, zu sichern und in einer gemeinsamen Sammlungsdatenbank zu erfassen, ist eine der dringlichsten Herausforderungen des Museums.
Die im Januar 2011 vom Wissenschaftsrat herausgegebenen "Empfehlungen zu wissenschaftlichen Sammlungen als Forschungsinfrastrukturen" (Drs. 10464-11) nehmen insbesondere die organisatorische Konstruktion des MUT zum Vorbild für andere Universitätskustodien.
Derzeit arbeiten unter der Leitung von Prof. Dr. Ernst Seidl neben den jeweiligen Fachkustoden und Mitarbeitern in einzelnen Sammlungen - etwa im Schloss Hohentübingen - ein Wissenschaftlicher Mitarbeiter, ein Wissenschaftlicher Volontär, ein Fotograf und zwei studentische Hilfskräfte am MUT.
Ausstellungen
Neben einer Reihe von fach- und gastkuratorisch organisierten disziplinspezifischen Sonderausstellungen, die durch das Museum der Universität beratend mitbetreut werden, fanden seit Gründung des MUT auch interdisziplinär und wissenschaftsgeschichtlich orientierte zentrale Ausstellungen statt:
- 2006: 38 Dinge. Schätze aus den natur- und kulturwissenschaftlichen Sammlungen der Universität Tübingen
- 2007: auf/zu. Der Schrank in den Wissenschaften. Mit der Graphischen Sammlung am Kunsthistorischen Institut der Universität Tübingen
- 2008: Das Mammut vom Vogelherd. Tübinger Funde der ältesten erhaltenen Kunstwerke'. Mit dem Institut für Ur- und Frühgeschichte
- 2008: Wortschatz. Vom Sammeln und Finden der Wörter. In Kooperation mit dem Stadtmuseum Tübingen
- 2009: KörperWissen. Erkenntnis zwischen Eros und Ekel'. Interdisziplinäre Ausstellung im Schloss Hohentübingen mit Symposion, Publikation und einer begleitenden Studium-Generale-Vorlesungsreihe
- 2010: Vom Schüler der Burse zum „Lehrer Deutschlands - Philipp Melanchthon in Tübingen. Kooperation mit dem Stadtmuseum Tübingen zum 450. Todestag Philipp Melanchthons.
- 2011: Der Himmel. Wunschbild und Weltverständnis'. Interdisziplinäre Ausstellung im Schloss Hohentübingen mit vorbereitendem wiss. Symposion, Publikation, Schulprogramm, Kino-Filmreihe, Künstlerkooperationen, Astronomischen Sternwarten-Aktionen, Workshops und einer begleitenden Studium-Generale-Vorlesungsreihe
- 2011/2012: Bemalte Steine. Das Ende der Eiszeitkunst auf der Schwäbischen Alb
- 2011/2012: Entdeckungen. Höhepunkte der Landesarchäologie 2007-2010
Sammlungen
in alphabetischer Reihenfolge:
- Abguss-Sammlung im Schloss Hohentübingen
- Ägyptische Sammlung
- Altorientalische Sammlung
- Anatomische Sammlung
- Astrophysikalische Sammlung
- Augenärztliche Sammlung
- Biblisch-Archäologische Sammlung
- Botanischer Garten mit Sammlungen
- Computersammlung am Wilhelm-Schickard-Institut
- Ethnologische Sammlung
- Fotosammlung der Klassischen Archäologie
- Fotosammlung des Kunsthistorischen Instituts
- Gemäldesammlung
- Geodätische Sammlung
- Geographische Kartensammlung
- Graphische Sammlung
- Herbarium Tubingense
- Mathematische Sammlung
- Mineralogische Sammlung
- Moulagensammlung
- Münzsammlung der Islamischen Numismatik
- Münzsammlung der Klassischen Archäologie
- Musikinstrumentensammlung
- Originalsammlung der Klassischen Archäologie
- Osteologische Sammlung
- Paläontologische Sammlung
- Pharmakognostische Sammlung
- Physikalische Sammlung
- Physiologisch-Chemische Präparatesammlung
- Professorengalerie
- Psychologische Sammlung
- Sammlung der Älteren Urgeschichte
- Sammlung der Jüngeren Urgeschichte
- Sammlungen der Universitätsbibliothek
- Sammlungen des Universitätsarchivs
- Sammlung der Universitätsfrauenklinik
- Sammlung für Alltagskultur
- Sammlung Kölle
- Sammlung Schmalzriedt
- Sammlung Wissenschaftsgeschichte
- Schloss Hohentübingen mit kultur- und altertumswissenschaftlichen Sammlungen
- Silberschatz der Universität
- Zahnmedizinische Sammlung
- Zoologische Schausammlung
Literatur
- Anke te Heesen, Anette Michels: Auf/zu. Der Schrank in den Wissenschaften, Berlin: Akademie, 2007, ISBN 978-3-05-004359-3
- Nicolas Conard, Ernst Seidl: Das Mammut vom Vogelherd. Tübinger Funde der ältesten erhaltenen Kunstwerke, Tübingen: MUT, 2008, ISBN: 978-3-9812736-0-1
- Ernst Seidl, Philipp Aumann: KörperWissen. Erkenntnis zwischen Eros und Ekel, Tübingen: MUT, 2009, ISBN 978-3-9812736-1-8
- Philipp Aumann, Ernst Seidl: MUT zum 'KörperWissen'. Aufgaben und Strategien des Museums der Universität Tübingen, in: C. Weber, K. Mauersberger (Hg.): Universitätsmuseen und Sammlungen im Hochschulalltag, Berlin 2010, S. 119-126
- Ernst Seidl u.a.: Der Himmel. Wunschbild und Weltverständnis, Tübingen: MUT, 2011, ISBN 978-3-9812736-2-5
Weblinks