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Nähmaschine

Die Nähmaschine dient zur mechanischen Herstellung einer Naht.

Die Anschaffung einer eigenen Nähmaschine ermöglichte es breiten Bevölkerungskreisen, Kleidung billig selbst herzustellen.

Inhaltsverzeichnis

Funktionsweise

Zusammenspiel von Nadel und Faden

Animation der Nahterzeugung
Zur Herstellung einer Naht innerhalb eines Gewebes werden ein oder mehrere F√§den (N√§hgarn) durch N√§hen miteinander verkn√ľpft, wobei der so genannte Oberfaden zuvor mit einer Nadel durch das Gewebe geschoben wird.

Ein Greifer √ľbernimmt nach dem Durchstich der N√§hnadel durch das N√§hgut einen Teil des zun√§chst an der Nadel anliegenden Oberfadens; dieser muss dem Greifer zuvor zug√§nglich gemacht werden. Das erfolgt meist durch den Schlingenhub, eine Nadelbewegung, die nach dem unteren Totpunkt der Nadel in Richtung Ausstich erfolgt und den Faden von der Nadel l√∂st.

Einfacher Schnelln√§her, Doppelsteppstich mit Kapsell√ľfter und Untertransporteur, N√§hfu√ü mit Teflon belegt
Erzeugung einer einfachen Naht

Die nun folgende Verschlingung bei der Doppelsteppstichmaschine geschieht entweder durch Hindurchf√ľhren eines Spulenfadenwickels zwischen Nadel und gro√ügezogener Fadenschlinge, wobei Spulenfaden abgewickelt wird, oder durch Umf√ľhren der Fadenschlinge um einen Spulenwickel. Das Bild zeigt die Umf√ľhrung einer Fadenschlinge eines einfach vertikal umlaufenden Greifers um einen Spulenfadenwickel zur Bildung des Doppelsteppstiches. Die meisten heute gebauten gleichf√∂rmig umlaufenden Greifersysteme machen zwei Umdrehungen pro Stich, allerdings werden auch Greifersysteme mit drei Umdrehungen pro Stich gebaut. Die horizontal umlaufenden Greifersysteme erlauben das Wechseln der Spule von oben. In preiswerten Haushaltsn√§hmaschinen werden oft auch oszillierende Greifersysteme eingesetzt.

N√§hmaschine ‚ÄěSinger Symphonie 300‚Äú, 2005

Bei Kettenstichmaschinen wird anstelle des Spulenwickels der nächste Nadeleinstich verwendet, um die Verschlingung zu erzielen.

Einfaden-Kettenstich

Das Bild rechts zeigt die Stichbildung eines Einfaden-Kettenstiches, wie sie auch heute noch vielfach bei Knopfann√§hern, Stielumwicklern, Punktheftmaschinen, Reihmaschinen etc. in der n√§henden Industrie eingesetzt wird. Wenn der Greifer fadenf√ľhrend ist, so spricht man vom ‚ÄěDoppelkettenstich‚Äú. Allerdings wird bei dieser Stichart die Nadelfadenschlinge durch den Greiferfaden verkettet; der Greiferfaden selbst wird durch den n√§chsten Einstich der Nadel verkettet, so dass eine Doppelverkettung erzeugt wird. Dazu muss die Nadel pr√§zise in das ‚ÄěFadendreieck‚Äú stechen, was voraussetzt, dass sich die Schlinge des vorhergehenden Nadelfadens und der Greiferfaden in einer bestimmten, stabilen Position befinden, um die Verkettung zu erm√∂glichen. Oft wird mit mehreren Nadeln und einem Greiferfaden gearbeitet (Unterdecknaht), auch Oberfadenleger werden in Kombination eingesetzt.

√úberwendlichmaschinen haben meist zwei Greifer, die beide fadenf√ľhrend sein k√∂nnen. Sie arbeiten um die Vers√§uberungskante herum, die Verkettung durch die Nadel geschieht auf der N√§hgutoberseite, w√§hrend die Verkettung von Doppelkettenstichmaschinen auf der Unterseite unterhalb der Stichplatte erfolgt. Pelzn√§hmaschinen arbeiten ebenso um die zu vern√§henden Stoffkanten herum. Hier kommen sowohl Maschinen mit nur einem Greifer (Einfaden - Kettenstich) als auch andere Greifersysteme zum Einsatz. √úblich ist hier der Transport des N√§hgutes mittels angetriebener horizontaldrehender Teller.

Die maschinell hergestellte Handnaht vernäht einen kurzen Faden, der jeweils in das Nadelöhr eingefädelt wird. Zwei Nadelzangen, die oberhalb und unterhalb des Stoffes arbeiten, schieben und ziehen die Nadel wechselweise durch den Stoff. Das Nadelöhr befindet sich in der Nadelmitte, die beiden Nadelenden sind spitz.

Diese Naht wird auch mittels einer Nähmaschine mit Hakennadel erzeugt; der Haken befindet sich am Ende der Nadel in der Nähe der Nadelspitze. Damit der Haken keine Beschädigungen am Stoff verursacht, ist er während des Durchstichs durch das Nähgut durch einen beweglichen Schieber verdeckt. Der Nähfaden wird oberhalb des Nähgutes in den Nadelhaken eingelegt; dazu wird der Schieber betätigt, um den Haken freizugeben. Nach dem anschließenden Verschließen des Hakens durch den Schieber wird der Nähfaden auf die zu vernähende Länge abgeschnitten. Es erfolgt der Durchstich der Hakennadel durch das Nähgut. Jetzt gibt der Schieber den Faden zur kompletten Übernahme auf den Greifer und der Fadenzange frei. Der nächste Stich ist ein Leerstich. Danach wird der Faden durch die Fadenzange wieder in den Haken der Nadel eingelegt, sodass der folgende Stich wieder ein Stich mit Nähfaden wird (Punktstich).

Die L√§nge der F√§den, die vern√§ht werden k√∂nnen, ergeben sich durch die Gr√∂√üe des Greiferweges, der das Durchziehen des N√§hfadens durch das N√§hgut nach jedem Stich √ľbernimmt (kleiner als 1 m).

Die imitierte Handnaht erzeugt eine Einfaden - Kettenstichnaht und arbeitet mit einer Hakennadel und einer Nadel mit √Ėhr.

Passive oder aktiv angetriebene Nadelanschl√§ge tragen wesentlich zur Stichsicherheit bei, da bei der Aufnahme des Nadelfadens auf den Greifer dieser ganz dicht an der N√§hnadel vorbeigef√ľhrt werden muss, ohne die Nadel zu ber√ľhren. Weitere Stichbildungsorgane wie Spannung, Fadenhebel und Fadenscheibe dienen der Kontrolle und zum Spannen der F√§den. Bei Doppelkettenstichmaschinen werden auch Spreizer eingesetzt, um den Greiferfaden durch die Nadel sicher verketten zu k√∂nnen.

Stichlänge und Stofftransport

Untertransporteur mit Stichplatte und teflonbeschichtetem Nähfuß
Untertransporteur bewegt den Stoff (im Bild nach links)

F√ľr jede N√§hgutart werden geeignete Transporteinrichtungen zum Erzeugen einer Stichl√§nge oder Stichfolge gebaut. Der bei Haushaltn√§hmaschinen meist alleine arbeitende Untertransporteur weist den Nachteil auf, dass nur die untere Stofflage angetrieben wird, w√§hrend der N√§hfu√ü die obere Stofflage bremst. Das f√ľhrt zu unerw√ľnschten Stofflageverschiebungen, die durch geschicktes Ziehen (Dehnen) der unteren Stofflage w√§hrend des N√§hens teilweise ausgeglichen werden k√∂nnen. Pfaff baut daher eine Haushaltn√§hmaschine mit zus√§tzlichem Obertransporteur, der diesen Fehler teilweise kompensiert. Bei Overlockmaschinen und √úberwendlichmaschinen werden oft zwei im Weg differenziert einstellbare Untertransporteure eingesetzt, wobei der vordere Transporteur das Ziehen (Dehnen) der unteren Stofflage √ľbernehmen kann. Diese Maschinen werden auch mit zus√§tzlichem Obertransporteur eingesetzt. Der zus√§tzliche Obertransporteur ist in der Industrie weit verbreitet und wird auch durch angetriebene Walzen, R√§der oder B√§nder im oder am N√§hfu√ü verwirklicht. Wenn zus√§tzlich zum Untertransporteur die N√§hnadel nach dem Durchstechen mit transportiert, so spricht man vom Nadeltransport. Die Transportwirkung der N√§hnadel zum Verringern von Stofflageverschiebungen ist allerdings nur bei unelastischem N√§hgut wirksam.

Im Lederwarenbereich werden teilweise Dreifachtransportmaschinen verwendet. Hier kommt der Untertransporteur wie auch der Obertransporteur zur Wirkung, wobei zus√§tzlich die Nadel w√§hrend des Stichbildungsvorgangs mit transportiert. Ein Haltefu√ü hebt sich w√§hrend des Transportvorgangs und h√§lt das N√§hgut beim Leertransport fest (alternierender Transport). Stehen keine ausreichenden Transportorgane zur Verf√ľgung, k√∂nnen N√§hf√ľ√üe mit Teflon belegt werden; auch Rollf√ľ√üe sind im Einsatz. In der Schuhindustrie sind auch angetriebene Rollf√ľ√üe √ľblich. G√§ngige Praxis war fr√ľher das Pudern von Lederwaren oder Ein√∂len von Plastikmaterial, wenn kein ausreichender Transport vorhanden war. Auch reibungsminderndes Papier wurde teilweise mitgen√§ht. Diese Praxis ist beim N√§hen von Samt im Haushaltbereich auch heute noch √ľblich.

Bauformen

Maschinentypen

Die Grundform der N√§hmaschine ist die rechtsst√§ndige Flachbettn√§hmaschine. F√ľr besondere Arbeitsg√§nge sind entsprechende N√§hmaschinenformen entwickelt worden, die wie folgt zu unterscheiden sind: Flachbett-, Sockel-, S√§ulen-, Freiarm- und Blockn√§hmaschine. Es wurden auch vereinzelt linksst√§ndige N√§hmaschinen gebaut, und die Armmaschine unterteilt sich in Freiarm-, Armabw√§rts- und Armaufw√§rtsn√§hend; die S√§ulenmaschine gibt es in mehreren S√§ulenh√∂hen und -Konstruktionen als auch mit drehbarer Kurbels√§ule in verschiedenen Ausf√ľhrungen.

N√§hautomaten arbeiten meist mit Werkzeugen, die f√ľr spezielle Arbeitsvorg√§nge, wie z. B. das Erzeugen eines Knopfloches, das Ann√§hen von Kn√∂pfen oder eine definierte Verriegelung konstruiert werden. Es werden oft Messer eingesetzt, um mit dem Arbeitsgang N√§hen andere Arbeitsg√§nge zu koppeln. Weit verbreitet ist das gleichzeitige Beschneiden der Nahtkanten beim Vern√§hen. Hier kommen meist ein bewegliches Obermesser und ein feststehendes Gegenmesser zum Einsatz, wobei gro√üe Standzeiten erreicht werden, wenn eines der beiden Messer aus Hartmetall besteht. Knopflochmaschinen schneiden in der Regel die gen√§hten Knopfl√∂cher vor oder nach dem N√§hen automatisch auf. Doch es werden auch Messer bei anderen N√§harbeiten eingesetzt, weil der Einschnitt zur Naht genau bestimmt werden kann. Die meisten Industrien√§hmaschinen haben automatische Fadenabschneider eingebaut. Knopfann√§her k√∂nnen mit automatischer Knopfzufuhr ausgestattet werden. Vollautomaten, die ohne Bedienpersonal auskommen, sind nur selten verwirklicht worden; Textilien, die keine vorherbestimmbare Positionen einnehmen, eignen sich nicht gut zur Automatisierung. Allerdings werden f√ľr viele spezielle Arbeiten entsprechende Halbautomaten eingesetzt.

Aufstellung von Industrienähmaschinen

Die Abl√∂sung der Kraft√ľbertragung durch Transmission durch elektrische Einzelantriebsmotoren an jeder N√§hmaschine erm√∂glichte die flexible Integration von N√§hmaschinen in unterschiedlichste Fertigungsabl√§ufe. Die Serienfertigung zur Beschickung des N√§harbeitsplatzes erfolgt durch vielf√§ltige Warentransporteinrichtungen, auch Schiebesysteme oder H√§ngesysteme. Entsprechende Arbeitsplatzgestaltungen erfolgen oft mit entsprechenden Ablagen oder Tischen und werden f√ľr den entsprechenden N√§hprozess speziell gestaltet.

Die meisten Industrien√§hmaschinen werden mit einem 4-beinigen Eisengestell und einer darauf befestigten Tischplatte zu einer auf dem Fu√üboden stehenden transportablen N√§heinheit montiert. Der elektrische Antriebsmotor befindet sich dabei oft unter der Tischplatte, die Kraft√ľbertragung erfolgt dann √ľber Keilriemen. Manchmal werden Elektroantriebe auch direkt in oder an die N√§hmaschine integriert. Der Fu√üboden, auf dem die N√§heinheit steht, d√§mpft dabei die Vibrationen der beweglichen Teile, auch wenn diese auf Gummipuffern gelagert sind. Je nach Anforderung sind auch andere N√§heinheiten √ľblich. So werden N√§hmaschinen zum Verschlie√üen von T√ľten oder S√§cken in halbautomatische oder vollautomatische Abf√ľlleinrichtungen integriert; auch h√§ngende N√§hsysteme sind hier √ľblich. Zum manuellen Verschlie√üen von S√§cken werden Handn√§hmaschinen verwendet; die Energiezufuhr des integrierten Antriebs erfolgt √ľber flexible Stromkabel, Batterie oder Druckluft.

Antriebstypen

Der Antrieb einer N√§hmaschine erfolgt heute mit einem Elektromotor. Diese Bauart ist aber nicht zwingend notwendig, die gleiche Maschine kann auch per Pedal durch die F√ľ√üe der n√§henden Person angetrieben werden. Platzsparende Tischn√§hmaschinen hatten vor der Elektrifizierung eine Handkurbel mit √úbersetzung. Einer Umdrehung der Kurbel entsprachen drei Stiche.

Der Antrieb von Haushaltn√§hmaschinen erfolgt heute generell durch Elektromotoren, die bei der einfachsten Bauart (Anlassermotor) durch einen einstellbaren, meist als Pedal ausgef√ľhrten, Vorwiderstand in der Gr√∂√üenordnung bis 1000 Ohm die elektrische Leistung und somit die Drehzahl der N√§hmaschine fast stufenlos begrenzen. Weit verbreitet sind auch elektronische Leistungsregler, wobei teilweise auch die Nadelstellung beim letzten Stich in eine definierte Position gebracht werden kann. Bei automatischer Nadeltiefstellung sowie Nadelendstellung entf√§llt der Griff der rechten Hand zum Handrad, um dieses manuell zu drehen; um z. B. die Nadel in das N√§hgut zu stechen, um dieses um die eingestochene Nadel zu bewegen, oder um das N√§hgut nach dem letzten Stich zu entnehmen, wobei nicht nur die Nadel in Hochstellung sein muss, sondern der Fadenhebel den Nadelfaden aus dem Greifer gezogen haben soll. Dieser soll sich dann in H√∂chststellung (oberer Totpunkt) befinden.

Antriebsmotoren von Industrien√§hmaschinen sind in der einfachsten Bauart √§hnlich denen von Haushaltn√§hmaschinen aufgebaut. Um ein schnelles Beschleunigen und Abbremsen der Wellen in der N√§hmaschine zu erm√∂glichen, werden Drehstrommotoren mit Kupplungs- und Bremsscheibe eingesetzt (Kupplungsmotor). Hier l√§uft der Rotor des Elektromotors nach dem Einschalten immer in der N√§he der Solldrehzahl, die durch die Motorkonstruktion vorgegeben ist. Die Abtriebswelle ist mit einer Bremsscheibe und einer Kupplungsscheibe √§hnlich der von Kraftfahrzeugen ausger√ľstet. Die Drehzahl wird durch Kuppeln oder Bremsen von Null bis auf ein Maximum reguliert, ein Keilriemen √ľbertr√§gt die Kraft auf das Handrad der N√§hmaschine. Bei N√§hmaschinenhalbautomaten mit Stichfolgen wurden Kupplung und Bremse auch in den Antrieb der N√§hmaschine eingebaut.

Der Einsatz von automatischen Fadenabschneidern bei der Doppelsteppstichn√§hmaschine erfordert ein genaues Positionieren des Handrades, wobei definierte Drehzahlen einzuhalten sind. Zun√§chst wurden daf√ľr Kupplungsmotoren mit Hilfsantrieben eingesetzt, sp√§ter dann Kupplungsmotoren mit selbstregelnder (elektronisch bet√§tigter) Kupplung und Bremse und nochmals sp√§ter dann auch Energiesparmotoren ohne separate Abtriebswelle und ohne mechanische Kupplung/Bremse, die nur bei N√§hmaschinenbetrieb mittels Strom anlaufen/bremsen. Diese ben√∂tigen ein gro√ües Drehmoment, um zu kurzen Beschleunigungs- und Bremszeiten zu kommen. Zur Regelung der N√§hmaschinendrehzahl und der Bestimmung ihres Drehwinkels wird immer ein Geber in der N√§hmaschine (oft am Handrad) montiert, die der Elektronik die erforderlichen Signale √ľbermittelt, w√§hrend die Solldrehzahl meist mittels Pedal eingestellt wird. Dieses l√§sst sich meist nach zwei Seiten bet√§tigen; vorw√§rts, um zu n√§hen, und r√ľckw√§rts, um die N√§hf√§den automatisch abzuschneiden. Ein zweites Pedal wird oft f√ľr die Funktion N√§hfu√ü heben verwendet, wobei die bedienende Person immer beide H√§nde f√ľr das N√§hgut frei hat. Heute werden je nach Anforderung unterschiedliche Regelungen eingesetzt, wobei auch Stichfolgen und Fotozellenerkennung zum Einsatz kommen.

Der Einsatz von Mikroprozessoren ist in N√§hmaschinen weit verbreitet. Bei Haushaltmaschinen √ľbernehmen sie heute teilweise viele Funktionen; so werden √ľber Stellmotoren der Zickzackantrieb bzw. der √úberstich, die Kulisse f√ľr die Stichl√§nge, das Heben und Senken des N√§hfu√ües sowie Stickrahmen bewegt. √úber Bedieneinheiten k√∂nnen N√§hmuster abgerufen werden, in hochpreisigen Maschinen sind Diskettenlaufwerke zum Abrufen von Stickmustern eingebaut. Auch Schnittstellen zum Anschluss an einen PC wurden verwirklicht.

Bei Industrien√§hmaschinen sind die Elektromotoren meist mikroprozessorgesteuert; Eing√§nge und Ausg√§nge k√∂nnen oft sehr flexibel konfiguriert werden. In N√§hautomaten werden heute oft Schrittmotoren eingesetzt; der Antrieb erfolgt √ľber einen speziellen Rechner mit entsprechend leistungsf√§higen Ausg√§ngen. Die Aufl√∂sung ist in der Regel ein zehntel Millimeter in Richtung jeder Achse. So k√∂nnen bei Riegel- und bei Knopflochmaschinen entsprechend der Gr√∂√üe des N√§hfeldes schnelle Musterwechsel vorgenommen werden oder auch spezielle Stichfolgen erstellt/ver√§ndert werden. Zum Ann√§hen von Etiketten, Zusammenn√§hen von Serien k√∂nnen individuelle Werkzeuge angefertigt und das Nahtprogramm dazu erstellt werden. Stickmaschinen werden auch als Mehrkopfmaschinen betrieben; hier kann das Programm gleichzeitig mit mehreren N√§hmaschinen gen√§ht werden. Auch gro√üfl√§chige N√§hfelder sind in der Steppdecken- und Bettenherstellung √ľblich.

Stichtypen

Zickzack-Naht mit jeweils zwei Zwischenstichen (Nutzstich)

Zum Nähen nutzt die Maschine spezielle Nähmaschinennadeln.

Je nach Maschine gibt es verschiedene Stichtypen, z. B. nur mit einem Faden wie beim Einfachkettenstich. Bei Haushaltsn√§hmaschinen wird zumeist der Doppelsteppstich verwendet. Aber auch Overlock und Doppelkettenstich sind gebr√§uchlich. Nach einem internationalen Katalog werden sechs Stichtypenklassen unterschieden, die in der ¬ĽDIN 61 400¬ę ISO 4915 aufgef√ľhrt sind. Grunds√§tzlich wird zwischen elastischen und unelastischen N√§hten unterschieden. Die N√§hte sollen immer elastischer als das N√§hgut sein, um bei Beanspruchung (Dehnung) nicht zu rei√üen. So kommt bei unelastischen, z. B. gewebten Stoffen meist der Doppelsteppstich zum Einsatz; die Nahtfestigkeit ergibt sich aus der Garnst√§rke, der eingestellten Spannung und der Anzahl der Stiche. Diese Stichart kann nur begrenzt elastisch gestaltet werden; Verfahren wie Zickzackn√§hen oder Zwischenstiche (Nutzstich) erh√∂hen die Menge des eingearbeiteten N√§hfadens und somit die Elastizit√§t. Diese weit verbreitete Stichart ist mit viel St√∂rung behaftet; der Spulfadenraum ist begrenzt, was zu h√§ufigem Spulenwechsel f√ľhrt; der Nadelfaden wird gerade bei kleinen Stichl√§ngen und geringem Fadenverbrauch pro Stich sehr h√§ufig durch das Nadel√∂hr gezogen, was zu starkem Nadelfadenverschlei√ü w√§hrend des N√§hvorgangs f√ľhrt.

Bei Maschenware kommen meist Doppelkettenstichnähmaschinen zum Einsatz. Diese Stichart ist durch die schlingenförmige Stichbildung und dem dadurch größeren Fadeneintrag pro Stich gerade bei kleinen Stichlängen sehr elastisch und ist dieser Nähgutart meist besser angepasst als der Doppelsteppstich. Durch die wesentlich geringere Anzahl der Passagen des Nadelfadens durch das Nadelöhr ergibt sich ein geringer Nadelfadenverschleiß während des Nähvorgangs; auch ist der Durchstich durch lockeres Nähgut weniger problematisch. Es kommen daher nicht nur hochwertige, gezwirnte Nähfäden zum Einsatz, sondern sehr häufig auch preiswerte Multifil-Endlosgarne, auch texturiert (Bauschgarn), die mit 150 Umdrehungen pro Meter gedreht sein sollten.

Geschichte

Technische Vorläufer

Wie alle Maschinen hat auch die N√§hmaschine eine l√§ngere Entwicklungszeit hinter sich. Fr√ľher gebrauchten die Menschen Gr√§ten zum N√§hen. Sp√§ter waren die Nadeln aus spitzen Knochen oder Horn mit einem √Ėhr. Erst im 14. Jahrhundert gelang es, eine Nadel aus Eisen herzustellen. Sie war jahrhundertelang das wichtigste Werkzeug f√ľr die Herstellung von Kleidern.

Bis 1830 n√§hte man mit der Hand. Der Beruf des Schneiders war sehr geachtet und der Name eines guten Schneiders bedeutete den Damen der Gesellschaft einiges. Ein ge√ľbter Schneider konnte 30 Stiche in der Minute machen. Erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts besch√§ftigte man sich damit, die N√§hnadel durch eine Maschine zu bewegen.

Die ersten mechanischen Experimente zur Herstellung einer Naht wurden von dem in England lebenden Deutschen Charles Frederick Wiesenthal 1755 durchgef√ľhrt. Seine Idee war, mit einer zweispitzigen Nadel und √Ėhr in der Mitte, die Handn√§hbewegung von einer Maschine ausf√ľhren zu lassen. Diese Nadelform wurde sp√§ter auch von Joseph Madersperger, John James Greenough und anderen benutzt. Sie findet auch heute noch in der Stickindustrie Verwendung. Archivunterlagen zufolge hat Wiesenthal jedoch nie eine arbeitsf√§hige N√§hmaschine fertiggestellt.

Erste Anfänge

‚ÄěN√§hhand‚Äú des Josef Madersperger um 1825, Technisches Museum Wien
Die Nähmaschine aus der Zeitschrift Die Gartenlaube von 1853
Stichplatte, F√ľ√üchen und Transporteur einer N√§hmaschine
Eine der ersten Pelznähmaschinen Electra, entwickelt von Joseph Priesner in Berlin 1872

Die erste arbeitsf√§hige N√§hmaschine f√ľr Schuhmacher baute der Engl√§nder Thomas Saint 1790, der seinen Entwurf patentieren lie√ü. Die Maschine war ganz aus Holz und hatte eine Gabelnadel, einen Vorstecher und eine Hakennadel. Sie n√§hte damit einen Kettenstich.

Auch in Deutschland gab es Erfinder, die die m√ľhsame Handn√§harbeit durch Maschinenarbeit ersetzen wollten. Unter ihnen war Balthasar Krems aus Mayen im Rheinland (Eifel) wohl der bedeutendste. Um das Jahr 1800 konstruierte der Deutsche ebenfalls eine Kettenstichn√§hmaschine, die erstmalig eine Nadel mit dem √Ėhr an der Spitze und einen gesteuerten Greiferhaken hatte. Ein interessantes Konstruktionsmerkmal war der Stachelradtransport f√ľr das N√§hgut, der durch Anwendung eines Pausengetriebes fortlaufend schrittweise arbeitete. Die Maschine war allerdings nur f√ľr die so genannten Jakobinerm√ľtzen einsetzbar, die Krems industriell herstellte. Sein letztes Modell, das etwa 300 bis 350 Stiche in der Minute n√§hen konnte, ist erhalten geblieben und steht im Genovevamuseum in Mayen.

Erster N√§hmaschinenfabrikant der Welt war der Franzose Barth√©lemy Thimonnier. Er entwickelte 1829/30 sein am 17. Juli 1830 patentiertes N√§hmaschinengrundmodell Couseuse, dem weitere bessere Modelle folgten. In demselben Jahr ging Thimonnier mit seinem Partner Ferrand nach Paris und gr√ľndete die Societ√© Germain Petit und Cie, die einerseits diese neuen N√§hmaschinen in Serie herstellen sollte, andererseits gleichzeitig f√ľr die franz√∂sische Milit√§rverwaltung Uniformen produzierte. Die mit √ľber achtzig N√§hmaschinen arbeitende Gesellschaft war erfolgreich. Nur Thimonnier hatte ein Problem: er wurde mit der Abwesenheit von Heimat und Familie nicht fertig und verlie√ü Paris 1831 fluchtartig. Der Hersteller Germain et Petit arbeitete noch Jahrzehnte weiter ‚Äď die oft erz√§hlte Zerst√∂rung der Fabrik hat nach Archivunterlagen niemals stattgefunden.

Auch das Abenteuer in Manchester endete in gleicher Weise. Hier sollte Thimonnier den neuentwickelten Cousobrodeur f√ľr das Unternehmen Lakeman in Serie bauen, fl√ľchtete jedoch nach wenigen Monaten zur√ľck nach Amplepuis zu seiner Familie. Auf den Weltausstellungen in London und Paris wurde deutlich, dass Thimonnier den Zug der Zeit durch unverst√§ndliches Verhalten und langes Z√∂gern verpasst hatte. Er starb am 5. Juli 1857 verarmt in Amplepuis. Originaln√§hmaschinen von Thimonnier stehen im Museum von Amplepuis und in der Sammlung Doyen in Lyon.

Von 1807 bis 1839 arbeitete der Kufsteiner Joseph Madersperger an der Herstellung und Verbesserung seiner N√§hmaschine. Diese war zuerst mit einer zweispitzigen Nadel mit dem √Ėhr in der Mitte ausgestattet, er entschied sich jedoch im Laufe der Entwicklung f√ľr die √∂hrspitzige Nadel. Seine hervorzuhebende Erfindung aber war eine schiffchen√§hnliche Einrichtung zur Erzeugung des Doppelstiches. Leider gelang es ihm nicht, die √Ėffentlichkeit damals zu √ľberzeugen. Er verstarb 1850 im Armenhaus in Wien. Sein einfaches Grab ist heute noch im Friedhof St. Marx zu besichtigen.

√Ąhnlich erging es dem Amerikaner Walter Hunt im Jahre 1834. Er entwickelte die erste Maschine, die mit zwei F√§den arbeitete und auch mit einem Schiffchen ausgestattet war. Zu seinem Bedauern brachte er allerdings seine Maschine nicht zum Laufen. Das erste US-Patent f√ľr eine auch zur Lederverarbeitung geeignete N√§hmaschine erhielt John James Greenough am 21. Februar 1842. Ihm gelang jedoch kein wirtschaftlicher Erfolg.[1]

Eine besondere Herausforderung war die Entwicklung einer Pelznähmaschine, da die Verarbeitung von Leder und Pelzen durch die Härte und unterschiedliche Materialstärke kompliziert wird. 1870 begann das Berliner Unternehmen von Joseph Priesner mit ersten Versuchen. Zwei Jahre später konnte er die erste Pelznähmaschine der Welt auf den Markt bringen. Sie trug die Typenbezeichnung Ia und fertigte mit zwei Fäden eine feste, geschlossene Naht, die aber noch nicht dehnbar genug war. Priesner präsentierte auf der Weltausstellung 1873 die Electra I a und wurde mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.[2]

Industrielle Herstellung

Nähmaschine von Howe im Nähmaschinenmuseum Sommerfeld
N√§hmaschine vor 1904 (Langschiff N√§hmaschine Unterfaden F√ľhrung mit einem Schiffchen)

Im Jahre 1846 baute wiederum ein Amerikaner namens Elias Howe eine nach dem gleichen Prinzip arbeitende N√§hmaschine. Diese Maschine leistete die N√§harbeit von vier bis sechs Handn√§herinnen. Gerechterweise muss man Elias Howe als den Erfinder der Doppelsteppstich-N√§hmaschine bezeichnen. Man geht auch bis zur heutigen Zeit davon aus, dass Howe die eigentliche Entwicklung der N√§hmaschine zu verdanken ist. Es war in Boston um 1839, als Elias Howe, verarmter Mechaniker, der Schwierigkeiten hatte seine Frau und die drei Kinder zu ern√§hren, seinen Chef zu einer Kundin sagen h√∂rte: ‚ÄěWer da jemals eine Maschine erf√§nde, die n√§hen kann, der machte ein Verm√∂gen!‚Äú Diese Idee lie√ü Howe nicht mehr los. Er beobachtete die Finger seiner Frau und versuchte zuerst, deren Handbewegungen maschinell umzusetzen. Der erste Versuch schlug fehl, aber er lie√ü sich nicht entmutigen. Er t√ľftelte so lange herum, bis er eine N√§hmaschine gebaut hatte, die 250 feste Stiche in der Minute n√§hte. Bei einem Wettbewerb gegen ge√ľbte Handn√§herinnen n√§hten die N√§herinnen 50 Stiche pro Minute, seine Maschine jedoch 300. Aus Mangel an Geld wurde sie mit Patentversprechen von seinem Bruder verkauft. Patentiert wurde sie aber am 1. Dezember 1846 in London auf den Namen von W. Thomas.

Dennoch fand er niemanden, der sie kaufen wollte, und f√ľhrte seine Maschine auch zwei Herstellern vor. Diese jedoch schreckten vor dem Preis von 300 US-Dollar zur√ľck und f√ľrchteten zur gleichen Zeit die Drohungen der Schneidergilde. Da er in Amerika nichts erreichen konnte, reiste er mit seiner Familie nach England, weil er sich dort mehr Chancen ausrechnete.

Zwei Jahre sp√§ter kehrte er √§rmer denn je in die USA zur√ľck; die Schiffspassage verdiente er sich als Schiffskoch. Angekommen, erlebte er eine bitterb√∂se √úberraschung: In den zwei Jahren, die er fort war, hatte ein gewisser Isaac Merritt Singer, ebenfalls ein Mechaniker aus Boston, eine N√§hmaschine erfunden und patentieren lassen, die man nun in den Gesch√§ften f√ľr 100 Dollar kaufen konnte. Howe focht das Singer - Patent an. Der Prozess zog sich allerdings in die L√§nge. Der Richter kam schlie√ülich zu dem Ergebnis, dass die Gewinne der N√§hmaschinen Singers geteilt werden mussten und so erhielt Howe bis zu seinem Tod mit 48 Jahren jede Woche 4000 Dollar an Patentgeb√ľhren. Da Howe auch die √ľbrigen Patentprozesse gewann, machte ihn seine Erfindung schlie√ülich doch noch zu einem reichen Mann.

Erfolgreiche Markteinf√ľhrung durch den Hersteller Singer

Singer 15/15K Nähmaschine (um 1920)
Das Herz einer Nähmaschine: rotierende Unterspule und Greifer

Es ist das Verdienst der von Isaac Merritt Singer 1851 gegr√ľndeten I. M. Singer & Co., dass die ersten N√§hmaschinen nach Howes Idee fabrikm√§√üig hergestellt wurden. Der Unternehmensinhaber machte somit die N√§hmaschine popul√§r und sorgte auch f√ľr dementsprechenden Absatz. Eine weitere Erfindung dieser Firma ist der Verkauf auf Abzahlung: Edward Clark, Partner von Singer, entwarf 1856 den Ratenkaufplan, den Prototyp f√ľr Ratenzahlungsverk√§ufe. Singer war zu dieser Zeit ein gescheiterter Erfinder, der eine Buchstabenschnitzmaschine nicht verkaufen konnte. Er arbeitete deshalb in der N√§hmaschinenwerkstatt von Orson Phelps, der die N√§hmaschine von Blodgett und Lerow herstellte. Diese Maschinen hatten denselben Nachteil wie die N√§hmaschine von Howe: sie n√§hten nur soweit, wie die N√§hschiene reichte - also etwa 30 bis 40 cm. Singer √§nderte die Konstruktion durch eine senkrechte Nadelstange, eine waagerechte Antriebswelle und einen kontinuierlichen Stofftransport. Das Patent f√ľr diese √Ąnderungen machte die Einrichtung einer Werkstatt durch die Partner Phelps, Zieber und Singer m√∂glich. Dass Singer sich zus√§tzlich zum Vermarktungsgenie entwickelte, ist bekannt. Die Zahlungen an Howe jedoch beruhten auf einem fr√ľher f√ľr Howe patentierten Bauteil, das Singer von Blodgett √ľbernommen hatte. Auch alle anderen Hersteller mussten Abgaben an Howe daf√ľr zahlen.

Die Partner Grover und Baker in Amerika erhielten am 11. Februar 1851 das Patent Nr. 7931 f√ľr die Zweifadenkettenstich-N√§hmaschine. Der Kunsttischler Wilson hatte schon Jahre zuvor eine vorw√§rts und r√ľckw√§rts n√§hende Maschine entwickelt, f√ľr die er 1850 sein erstes Patent erhielt. Die Auswertung war jedoch unm√∂glich, weil das verwendete doppelspitzige Schiffchen bereits gesch√ľtzt war. Wilson tat sich deshalb mit Wheeler zusammen und konstruierte einen rotierenden Greifer mit Spule, der 1851 patentiert wurde. Aus diesem wiederum entstand dann 1852 die erste N√§hmaschine mit Umlaufgreifer, gebogener Nadel und H√ľpfertransport. Der amerikanische Techniker Walter House hat die Grunderfindung, den umlaufenden Greifer, dann sp√§ter weiterentwickelt.

James Gibbs, ein Farmer aus Virginia, entwickelte in zwei Jahren eine neuartige Kettenstichn√§hmaschine und lie√ü sie 1856 patentieren. Mit Willcox zusammen verbesserte er die Maschine und lie√ü sie serienm√§√üig herstellen. Weil sie preisg√ľnstig war, fand sie f√ľr damalige Verh√§ltnisse gro√üen Absatz und wurde kaum ver√§ndert bis fast 1930 gebaut. 1887 brachte das Unternehmen Willcox & Gibbs eine neue N√§hmaschine mit dreimal pro Stich umlaufenden Greifer mit Brille auf den Markt. Am 17. April 1873 erhielt Eduard Ward das Patent f√ľr seinen Arm und die Plattform. Im Jahre 1885 verbesserte der Techniker House den Umlaufgreifer von Wilson. Die Gebr√ľder Mack entwickelten im gleichen Jahr den Standard-Greifer, einen umlaufenden Greifer, der durch zwei Stifte bewegt wird, die wechselweise in geeignete Bohrungen im Greiferboden eingreifen. √Ąhnlich wie der Standard-Greifer der Gebr√ľder Mack funktioniert der Umlaufgreifer von White, der aus dem Jahre 1900 stammt. Er l√§uft in einer geneigt liegenden Bahn und wird durch wechselndes Eingreifen von Treiberstiften bewegt.

Weiterentwicklung zur Haushaltsnähmaschine

Kaum beeinflusst wurde die Entwicklung der Haushaltsnähmaschine durch die Konstruktion der ersten deutschen Zickzacknähmaschine im Jahre 1882 durch John Kayser (englische und amerikanische gab es schon länger). Die Kaysersche Nähmaschine war zu umständlich und zu störanfällig. Die Zickzacknähmaschine setzte sich erst nach 1930 durch - entscheidend war die Konstruktion des Mechanikermeisters Handschuh. Die Naht unterscheidet sich von der Naht der Geradstichmaschine dadurch, dass sie elastischer ist und Verwendung bei Spezialarbeiten findet.

1893 wurde in der Schweiz die erste Hohlsaummaschine bei den Gebr√ľdern Gegauf gebaut, Erfinder war Fritz Gegauf. Wenige Jahre sp√§ter entstand dann die neue N√§hmaschinenfabrik Fritz Gegauf AG, die bis heute noch N√§hmaschinen baut. Ab 1932 hie√üen diese Maschinen BERNINA. Ab 1946 bauten die Br√ľder Gegauf in Steckborn (Schweiz) die erste Zickzack-Freiarmn√§hmaschine der Welt. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen N√§hmaschinen f√ľr den Hausgebrauch mit Nutz- und Zierstich-Automatik auf, die mit Kurvenscheiben gesteuert wurden. Durch die Kupplung einiger weniger Kurvenscheiben lie√üen sich hunderte Zierstichmuster auf rein mechanischem Wege erzeugen.

Ab 1986 wurde die erste Bernina-Nähmaschine elektronisch via Schrittmotoren angesteuert. Dadurch mussten die Nutz- oder Decor-Stiche nicht mehr von Hand eingestellt werden. Die Nähmaschine wandelt sich zum Computer, die mit dem Modell Bernina 830 das Highlight der Nähbranche darstellt. Es ist eine Haushaltsnähmaschine mit einem ansteckbaren Stickmodul und integriertem Windows CE. Diese Maschine kann an den Computer und an das Internet angeschlossen werden. 2005 kam das Modell Bernina aurora mit der Weltneuheit, dem Bernina-Stich-Regulator auf den Markt. Diese Maschine reguliert die gleich bleibende Stichlänge beim Quilten.

Das Unternehmen Tavaro S. A. in Genf baute 1940 die erste transportable elektrische Freiarmn√§hmaschine nach den Patenten von Casas, der bereits f√ľnf Jahre zuvor die erste Vorserie hatte herstellen lassen. Nach vielen sehr erfolgreichen Modellen ist Elna-Tavaro inzwischen auch Vergangenheit.

Die Entwicklung der Haushaltsnähmaschine

Die Koffernähmaschine Freia entworfen von Ernst Fischer, VEB MEWA Ernst-Thälmann-Werk Suhl, 1948

Waren Haushaltsn√§hmaschinen in der Anfangszeit den Industrien√§hmaschinen recht √§hnlich, so entwickelten sie sich im Laufe der Zeit doch in v√∂llig andere Richtungen. Zun√§chst nur vorw√§rtsn√§hend (zum R√ľckw√§rtsn√§hen wurde der N√§hfu√ü leicht angehoben und das N√§hgut mit der Hand bewegt) setzte sich auch bei der Haushaltsn√§hmaschine der Stichumsteller zum R√ľckw√§rtsn√§hen als auch die Zickzackkulisse zum ZZ - N√§hen durch. Dann trennten sich die Vorgaben; w√§hrend sich die Industrien√§hmaschinen haupts√§chlich auf die speziellen Belange der Textil - und Lederwarenindustrie einstellte und "Spezialmaschinen" baute, haben sich im Haushaltsn√§hmaschinenbereich die Overlockmaschine mit Kantenbeschneideeinrichtung zum Vers√§ubern und Zusammenn√§hen von Stoffkanten sowie die Blindstich - oder Pikiermaschine zum "unsichtbaren" (nicht durchgestochenem) N√§hen als nennenswerte Haushalt - Tisch - Spezialmaschine entwickelt. Dagegen wurde die "Standardhaushaltsn√§hmaschine" oft mit Funktionen oder Merkmalen der "Industrie - Spezialmaschinen" versehen. Es entstanden Haushaltsn√§hmaschinen mit Vorrichtungen zum einfachen Erzeugen eines Knopfloches bis zur Knopflochhalbautomatik; Ziermuster entwickelten sich zum "Nutzstich", mit denen man z.B elastische Stoffe oder Rocks√§ume einfach bearbeiten konnte. Sticken, Stopfen, "Freiarm", mit 2 Nadeln n√§hen k√∂nnen; eine Vorrichtung zum einfacheren Einf√§deln des Nadelfadens in das Nadel√∂hr; das Aufspulen des Unterfadens durch die N√§hnadel, ohne die Spule herausnehmen zu m√ľssen, um nur einige zus√§tzliche Funktionen zu nennen. Das Graugussgeh√§use wurde durch leichtere Aluminiumgussgeh√§use ersetzt, was das Gewicht reduzierte und die Akzeptanz der platzsparenden "Koffern√§hmaschine" (Tischn√§hmaschine) erleichterte. Wurden die mechanischen Teile der erweiterten Funktionen zun√§chst durch immer gr√∂√üere Montage√∂ffnungen in den Gussk√∂rper eingebaut, ersetzte man bei den Generationen der Elektronikmaschinen (Computer, Tipptasten) meist die "klassische Form" des N√§hmaschinengusses durch eine offene Blockvariante, bei der die Zusatz- und Antriebselemente heute an allen Seiten angebaut werden. Um das Aussehen einer N√§hmaschine nicht zu verlieren, wird hier mit Geh√§useschalen die Maschine verkleidet (Design). Diese Maschinen haben meist keine √Ėlstellen mehr; man geht davon aus, dass die Werksschmierung dauerhaft ist. Gleichzeitig wurde generell an der Verringerung der Herstellungskosten gearbeitet; Metallkegelr√§der und andere Teile wurden oft durch Kunststoff ersetzt oder die Konstruktion auf andere Systeme wie Antriebsgurte oder Zahnriemen umgestellt; zwangsl√§ufige Bewegungen der Nadelstangenschwinge wurden teilweise durch Federr√ľckstellung ersetzt; Metallteile des Greifers wurden teilweise durch klemmfreien Kunststoff ersetzt und kosteng√ľnstige Greifersysteme entwickelt. Dadurch ergaben sich oft Ver√§nderungen in der Langlebigkeit der Maschinen oder Maschinenteile, auch die Stichpr√§zision sowie die Stichsicherheit ist teilweise konstruktiv schlechter geworden, zumal, wenn auf die Stabilit√§t der Stichbildungsorgane und pr√§zise einstellbare Nadelanschl√§ge verzichtet wurde und die vertikale Bewegung des Untertransporteurs konstruktiv zu ung√ľnstigen Zeitpunkten erfolgt.

Geräusch einer elektrischen Haushaltsnähmaschine?/i

Die Strukturkrise der Nähmaschinenindustrie

√úber 200 Unternehmen in Deutschland besch√§ftigten sich mit dem Bau von N√§hmaschinen. Namen wie M√ľller, Naumann, Seidel, Opel, K√∂hler, Adler und Ph√∂nix geh√∂ren zu ihnen. Die deutsche N√§hmaschinenindustrie hatte im letzten Jahrhundert einige Krisen zu √ľberstehen. Zun√§chst waren da die beiden Weltkriege, die dazu f√ľhrten, dass nahezu alle N√§hmaschinenfabriken ihre Produktion auf kriegswichtige Dinge umstellen mussten. Der Verlust des gesamten Au√üenhandels war nach den Kriegen nur schwer wieder gutzumachen. Um 1948 stiegen dann bekannte Unternehmen, die ihre angestammte Produktion nicht fortf√ľhren durften, auf N√§hmaschinen um - Messerschmitt, Z√ľndapp und Elac geh√∂rten dazu. Schon nach wenigen Jahren wurde der Markt nun eng. Hinzu kam, dass die ersten preiswerten Fernostimporte in den Gro√ühandelsunternehmen auftauchten. Der entstehende Preiskrieg f√ľhrte zu Zusammenschl√ľssen der deutschen Unternehmen - Apha (= Anker, Ph√∂nix, Adler) - oder auch zu Arbeitsgemeinschaften mit Japanern - Adler-Toyomenka und √§hnliches - und endete dann in den siebziger Jahren mit der Produktionseinstellung bei fast allen deutschen Unternehmen. Nur Pfaff blieb zun√§chst verschont, wurde aber sp√§ter ebenso wie Singer und Elna erwischt. Pfaff-Haushaltsn√§hmaschinen werden nunmehr von Viking-Husqvarna in Schweden (die auch den Hersteller Meister verschwinden lie√üen) gebaut; als weiterer gro√üer Haushaltsn√§hmaschinenhersteller existiert noch Bernina in der Schweiz. Auch Singer hat sich stark ver√§ndert. Das eigentliche Singer-Unternehmen hat sich vor Jahren der Weltraumtechnologie zugewandt und die N√§hmaschinenfertigung an ein Lizenzunternehmen abgegeben.

Das Nähmaschinenwerk in Wittenberge 1984

Einige andere N√§hmaschinenhersteller konnten ihre Produktion halten, weil sie √ľber Vertriebspartner unter anderen Labels liefen. Z.B. VERITAS (VEB N√§hmaschinenwerk Wittenberge) lieferte bis in die sp√§ten 80er Jahre u.a. f√ľr die Kauf- und Versandh√§user Quelle und Neckermann unter dem Warenzeichen "Ideal" und "Brillant". Der italienische Fahrzeugteilehersteller Borletti lieferte aus seiner N√§hmaschinensparte bis in die 70er Jahre f√ľr Neckermann unter dem Label Brillant. Borletti stellte seine N√§hmaschinenproduktion Anfang der 70er Jahre ein. Der italienische Hersteller Necchi liefert bis heute f√ľr Aldi unter dem Label Medion.

Das VERITAS-N√§hmaschinenwerk in Wittenberge, errichtet im Jahre 1903 von der amerikanischen Singer Company N.Y., erreichte in den 1980er-Jahren Produktionszahlen von j√§hrlich √ľber 400.000 St√ľck. Nach der Vereinigung Deutschlands wurde der Betrieb durch die deutsche Treuhandanstalt liquidiert.

Mit der Schließung des VERITAS-Nähmaschinenwerkes in Wittenberge im Jahre 1991 sowie dem Verkauf der Haushaltsnähmaschinensparte von Pfaff mit Produktionsstandort Karlsruhe-Durlach im Jahre 1999 ging ein einst bedeutender Industriezweig in Deutschland zu Ende - die Produktion von Haushaltsnähmaschinen.

Mit dem am 6. M√§rz 2013 erfolgten Verkauf von "PFAFF INDUSTRIAL" an die chinesische "SGSB Group Co., Ltd." (u.a. auch Inhaber von D√ľrkopp-Adler), gibt es jetzt keine rein deutsche Firma mehr, die Haushalts- oder Industrien√§hmaschinen produziert.

Deutsche Nähmaschinen-Hersteller

In den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts kamen die ersten amerikanischen N√§hmaschinen nach Europa und wurden unverz√ľglich nachgebaut. Carl Beermann 1849 in Berlin, Christian Mansfeld 1853 in Leipzig und F. B√∂cke in Berlin 1854 geh√∂rten zu den ersten deutschen Herstellern, die allerdings relativ schnell ihr Gesch√§ftsfeld auf andere Bereiche verlagerten oder die N√§hmaschinenproduktion aus anderen Gr√ľnden bald aufgaben. Der erste deutsche Hersteller war Clemens M√ľller 1855 in Dresden. Ihm folgten rund 100 weitere Unternehmen. Die amerikanischen Unternehmen hatten deshalb immer gro√üe Probleme auf dem deutschen Markt - mit Ausnahme des Singer-Unternehmens von Georg Neidlinger in Hamburg.

Eines der weiteren Unternehmen war die Maschinenfabrik Bernhard Stoewer in Stettin. Es begann 1862 mit der Herstellung von N√§hmaschinen nach dem System Wheeler & Wilson. 1864 wurde von Bernhard Stoewer auch das System von Grover & Parker √ľbernommen und 1865 wurden elf Arbeiter und vier Lehrlinge besch√§ftigt. 1872 firmierte das Unternehmen als N√§hmaschinenfabrik und Eisengie√üerei von Bernh. Stoewer, Stettin. Die Zahl der Besch√§ftigten stieg auf 250 durch gro√üe Auftr√§ge aus Skandinavien (nach System Singer als ‚ÄěVictoria‚Äú bezeichnet) und Russland stieg die Zahl der Mitarbeiter auf 400. Im Jahr 1907 wurden 75.708 N√§hmaschinen von Stoewer hergestellt, 1920 verlie√ü die 1.500.000. N√§hmaschine das Stoewer-Werk in Stettin. Im Jahr 1929 waren es nur noch 30.000 N√§hmaschinen die fabriziert wurden, 1931 musste die Liquidation beschlossen werden. Die Adolf Koch AG in Saalfeld √ľbernahm die Maschinen, Vorrichtungen sowie Marken- und Vertriebsrechte.

Ebenfalls zu den ersten erfolgreichen Produzenten z√§hlt Georg Michael Pfaff aus Kaiserslautern. Er war Blechinstrumentenbauer und kam, ebenfalls im Jahr 1862, √ľber die Reparatur von N√§hmaschinen zum Bau eigener N√§hmaschinen anfangs nach dem System von Howe, sp√§ter Singer. Seit 1868 gibt es in Dresden das Unternehmen Seidel & Naumann. Leopold Oskar Dietrich, Hermann K√∂hler und Gustav Winselmann gr√ľndeten 1871 in Altenburg (Th√ľringen) eine Werkstatt zum Bau von N√§hmaschinen, die Vesta-N√§hmaschinen-Werke. 1879 konstruierte Max Carl Gritzner aus Karlsruhe den zweimal umlaufenden Greifer ohne Brille. Seine Maschine hatte au√üer diesem Greifer einen Spulenkapsell√ľfter, einen umlaufenden Fadengeber und eine gesteuerte Fadenspannung. Allerdings erging es Gritzner wie vielen Erfindern, seine Idee wurde erst viel sp√§ter popul√§r, als die Amerikaner seine Erfindung √ľbernahmen.

Weiterhin ist die Parallelit√§t der Entwicklung der N√§hmaschine und des Fahrrades auff√§llig, obwohl beide Industrieprodukte zun√§chst nicht viel gemeinsam haben. Beide bedienten jedoch zur gleichen Zeit den gleichen Absatzmarkt und beide ben√∂tigten in gleichen Mengen pr√§zise gefertigte Bauteile wie beispielsweise Lager und Gewindeteile. Aus diesem Grunde vertreiben auch heute noch viele H√§ndler sowohl Fahrr√§der als auch N√§hmaschinen. Die Konzentration der deutschen N√§hmaschinenhersteller zusammen mit der Fahrradindustrie auf einige wenige Standorte wie beispielsweise Bielefeld ist ebenfalls auf diese Ursache zur√ľckzuf√ľhren. Gleiches gilt f√ľr die Schreibmaschine. Nicht selten kamen alle drei Produkte aus einem Haus.

Literatur

  • Reinhard B√§ckmann: N√§hen - Nadel - N√§hmaschine. Urspr√ľnge der N√§htechnologie im Zeitalter der ersten industriellen Revolution. Schneider, Hohengehren 1991, ISBN 3-87116-554-9.
  • Otto Landgraf: Oldtimer sewing machine. Landgraf, Dittelbrunn 1987, ISBN 3-926879-06-8; dt. Ausgabe: Oldtimer-N√§hmaschinen.
  • Peter Wilhelm: Alte N√§hmaschinen. Namen, Daten, Fakten. Mecke, Duderstadt 2002, ISBN 3-932752-87-2.
  • Peter Wilhelm: Alte deutsche N√§hmaschinen. Ein Handbuch f√ľr Sammler und Liebhaber der N√§hmaschine. Mecke, Duderstadt 1987, ISBN 3-923453-23-X.

Einzelnachweise

  1. ‚ÜĎ Franz Maria Feldhaus: Technik, ‚ÄěN√§hmaschine‚Äú Spalte 737 ff. (PDF; 2,1 MB), abgefragt am 20. Februar 2010
  2. ‚ÜĎ Walter Fellmann: Der Leipziger Br√ľhl, Fachbuchverlag, Leipzig 1989, S.109 ff ISBN 3-343-00506-1

Weblinks

 Wiktionary: N√§hmaschine ‚Äď Bedeutungserkl√§rungen, Wortherkunft, Synonyme, √úbersetzungen
 Commons: N√§hmaschinen ‚Äď Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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