Suche im Lexikon
Lexikon auf Ihrer Homepage Lexikon als Lesezeichen hinzufügen

Kernspinresonanzspektroskopie

Der Magnet eines 300-MHz-NMR-Spektrometers

Die Kernspinresonanzspektroskopie (NMR-Spektroskopie von englisch nuclear magnetic resonance) ist eine spektroskopische Methode zur Untersuchung der elektronischen Umgebung einzelner Atome und der Wechselwirkungen mit den Nachbaratomen. Dies ermöglicht die AufklĂ€rung der Struktur und der Dynamik von MolekĂŒlen sowie Konzentrationsbestimmungen.

Da die Methode auf dem magnetischen Moment der Atomkerne beruht, sind nur Nuklide mit ungerader Massen- oder Ordnungszahl einer NMR-spektroskopischen Untersuchung zugÀnglich, da nur diese einen magnetischen Atomkern haben können. In der Organischen Chemie und Biochemie spielen 1H-, 15N- und 13C-NMR-Spektroskopie eine wichtige Rolle.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Felix Bloch, 1961

Als Ursprung der Kernspinresonanzspektroskopie kann man das Atomstrahlexperiment von Otto Stern im Jahr 1922 ansehen.[1] Er konnte zeigen, dass ein Strahl von Silberatomen durch ein Magnetfeld in zwei Teilstrahlen aufgespalten wird, die den beiden SpinzustĂ€nden zugeschrieben wurden. Das Experiment ist in der Physik als Stern-Gerlach-Versuch bekannt. Stern erhielt fĂŒr diese Arbeiten 1943 den Nobelpreis fĂŒr Physik.

Die ersten Kernspinresonanz- und ESR(Elektronenspinresonanz)-Experimente fĂŒhrte Isidor Isaac Rabi, der 1944 mit dem Nobelpreis fĂŒr Physik ausgezeichnet wurde, mit einer modifizierten Stern-Gerlach-Anordnung durch. Er zeigte, dass einer der Halbstrahlen verschwand, wenn man auf ihn mit Hilfe einer Spule ein elektromagnetisches Wechselfeld geeigneter Frequenz (nĂ€mlich der Larmorfrequenz) einstrahlte.[2] Das erste erfolgreiche Magnetresonanzexperiment in kondensierter Materie fĂŒhrte E. K. Zavoisky in Kasan an der Wolga im Jahr 1944 durch.[3] Es handelte sich allerdings um ein ESR-Experiment. 1946 veröffentlichten Felix Bloch und Edward Mills Purcell unabhĂ€ngig voneinander erstmals erfolgreiche NMR-Experimente in flĂŒssiger und fester Phase. Sie erhielten dafĂŒr den Nobelpreis fĂŒr Physik im Jahr 1952.[4] Die ersten erfolgreichen NMR-Experimente in Europa fĂŒhrte Harry Pfeifer in Leipzig im Jahr 1951 durch.

Nachdem kurz darauf die Aufspaltung der Spektren durch chemische Verschiebung und skalare Kopplung erkannt wurde, begann die Kernspinresonanzspektroskopie sich zu einer wichtigen Methode in der chemischen StrukturaufklĂ€rung zu entwickeln. ZunĂ€chst wurde hauptsĂ€chlich die Continuous-Wave-(CW)-Methode benutzt, bei der durch Variation der Frequenz oder des Feldes die Resonanzen nacheinander angeregt wurden.[5] 1947 reichten Russell Varian und Felix Bloch ein Patent ein fĂŒr das erste Kernspinresonanz-Spektrometer. Das erste kommerzielle Kernspinresonanz-Spektrometer baute 1952 die Firma Varian Associates in Palo Alto. Um 1955 baute die japanische Firma Jeol ebenfalls NMR-Spektrometer. Die US-amerikanische Biophysikerin Mildred Cohn setzte in den frĂŒhen sechziger Jahren die Kernspinresonanz-Spektroskopie zur AufklĂ€rung metabolischer Prozesse auf molekularer Ebene ein.[6] Ihre bahnbrechenden Pionierarbeiten auf diesem Gebiet mĂŒndeten in Methoden und Anwendungen, die noch heute von vielen Forschern genutzt werden.

Kurt WĂŒthrich

Da die CW-Technik durch ein schlechtes Signal-Rausch-VerhĂ€ltnis gekennzeichnet war, entwickelte ab Mitte der 1960er Jahre Richard R. Ernst (Nobelpreis fĂŒr Chemie 1991) bei der Firma Varian ein Puls-Fourier-Transformation-NMR-Spektrometer (FT-NMR), das eine wesentlich schnellere Aufnahme der Spektren ermöglichte, was – bei gleicher Messzeit – im Vergleich zu den CW-Spektrometern eine wesentliche Steigerung der Empfindlichkeit und damit des Signal-Rausch-VerhĂ€ltnisses bedeutete.[7] Bereits in den Jahren 1949 und 1950 wurden von Hahn und Torrey die ersten Pulsverfahren untersucht.[8] Die ersten kommerziellen Kernspinresonanz-Impulsspektrometer wurden Mitte der 1960er Jahre von der deutschen Firma Bruker[9] (gegrĂŒndet von GĂŒnther Laukien, einem der NMR-Pioniere in Deutschland) in Karlsruhe von einer Gruppe um Bertold KnĂŒttel und Manfred Holz gebaut. Es folgte die EinfĂŒhrung von Breitbandentkopplung und von Mehrpulsverfahren. Nach einer Idee von Jean Jeener wurden ab Anfang der 1970er Jahre Mehrpulsexperimente mit einer systematisch variierten Wartezeit zwischen zwei Pulsen entwickelt, die nach Fourier-Transformation ĂŒber zwei Zeitbereiche zu zweidimensionalen Spektren fĂŒhrten.

Kurt WĂŒthrich und andere bauten diese 2D- und Multi-Dimensions-NMR zu einer bedeutenden Analysetechnik der Biochemie aus, insbesondere zur Strukturanalyse von Biopolymeren wie Proteinen. WĂŒthrich bekam fĂŒr diese Arbeiten 2002 den Nobelpreis in Chemie.[10] Im Gegensatz zur Röntgenstrukturanalyse liefert die Kernspinresonanz-Spektroskopie Strukturen von MolekĂŒlen in Lösung. Von besonderer Bedeutung ist die Möglichkeit, detaillierte Informationen ĂŒber die MolekĂŒldynamik mit Hilfe von Relaxationsparametern zu gewinnen.

Physikalischer Hintergrund

Quantenmechanische Grundlagen

Veranschaulichung der PrÀzession eines Atomspins um ein externes Magnetfeld

Teilchen und Atomkerne, die einen Kernspin <math>\vec{I}</math> besitzen, haben als rotierende LadungstrĂ€ger ein magnetisches Moment, das oft mit <math>\vec{\mu}</math> bezeichnet wird. Das magnetische Moment von Atomkernen kann in einem Ă€ußeren Magnetfeld nicht jede beliebige, sondern nur bestimmte, durch die Quantenmechanik beschriebene Orientierungen einnehmen. Die Zahl der möglichen Orientierungen wird durch die Kernspinquantenzahl <math>I</math> bestimmt (siehe: MultiplizitĂ€t). Zu jeder Kernspinquantenzahl <math>I</math> existieren <math>2I+1</math> Orientierungen und jeder Orientierung ist eine magnetische Kernspinquantenzahl <math>m_I</math> zugeordnet.

Beispiele:

  • Wasserstoff-Kern mit Kernspin <math>I=</math>œ : zwei Orientierungen mit <math>m_I=</math> +œ und −œ
  • Deuterium-Kern mit Kernspin <math>I=1</math> : drei Orientierungen mit <math>m_I=</math> +1, 0 und -1

Ohne ein Ă€ußeres Magnetfeld sind die mit <math>m_I</math> gekennzeichneten ZustĂ€nde energetisch gleich (siehe Entartung (Quantenmechanik)). In Anwesenheit eines Ă€ußeren Magnetfeldes entstehen Energiedifferenzen (Zeeman-Effekt). Kernresonanz-PhĂ€nomene beruhen auf der Anregung von Kernspin-ÜbergĂ€ngen zwischen solchen <math>m_I</math>-ZustĂ€nden. Die dazu benötigte Energie <math>\Delta E</math> ist proportional zur StĂ€rke des Ă€ußeren Magnetfeldes <math>B_0</math> und zum gyromagnetischen VerhĂ€ltnis <math>\gamma</math> des betrachteten Atomkerns:

<math>\Delta E = \hbar \gamma B_0 = \hbar \omega_0</math>

Diese Energie wird durch Einstrahlen von resonanten elektromagnetischen Wellen eingebracht. Die Resonanzfrequenz wird in der NMR als Larmor-Frequenz <math>\omega_0</math> bezeichnet und liegt im Radiowellen-Bereich. GĂ€ngige NMR-Spektrometer arbeiten bei Protonen-Resonanzfrequenzen zwischen 300 MHz und 1 GHz.

Wenn alle 1H- oder 13C-Atome die exakt gleiche Larmor-Frequenz hĂ€tten, wĂ€re die NMR-Methode zur StrukturaufklĂ€rung wenig interessant. TatsĂ€chlich hĂ€ngen aber die Resonanzfrequenzen von den individuellen, atomar aktiven Magnetfeldern ab. Diese lokalen Magnetfelder können in ihrer StĂ€rke vom Hauptmagnetfeld abweichen, beispielsweise durch den Einfluss der elektronischen Umgebung eines Atomkerns oder durch magnetische Wechselwirkung zwischen benachbarten Atomkernen. Aufgrund dieser Eigenschaften wird die Kernresonanzspektroskopie zur StrukturaufklĂ€rung von MolekĂŒlen eingesetzt.

Messverfahren der Kernresonanzspektroskopie

Aufbau eines NMR-Spektrometers

Zur Messung bringt man die Probe in ein homogenes magnetisches Feld, das sogenannte Hauptmagnetfeld. Die Probe wird von einer Induktionsspule umgeben, welche ein hochfrequentes elektromagnetisches Wechselfeld senkrecht zum Hauptmagnetfeld erzeugt. Dann variiert man die StÀrke des Hauptmagnetfeldes, bis der Resonanzfall eintritt (Continuous-Wave-Verfahren, veraltet). Alternativ kann auch die magnetische FeldstÀrke konstant gehalten und die Frequenz des eingestrahlten Wechselfeldes variiert werden (engl. continuous field, veraltet). Wenn der Resonanzfall eintritt, die Probe also Energie aus dem Wechselfeld aufnimmt, verÀndert sich die StromstÀrke, welche zum Aufbau des Wechselfeldes benötigt wird. Dies kann man messen.

Moderne Messverfahren strahlen nicht mehr kontinuierliche Wechselfelder in die Probe ein, sondern Radiowellen-Pulse. Ein kurzer Radiowellenpuls regt dabei ein Frequenzband an, dessen Frequenzbreite ĂŒber die Fourier-Beziehung umgekehrt proportional zur Pulsdauer ist. Dadurch werden in der Probe alle ÜbergĂ€nge, die in dieses Frequenzband fallen, gleichzeitig angeregt. Bei korrekter Wahl von Pulsdauer und Pulsleistung kann die Magnetisierung der angeregten Kernspins in die Transversalebene senkrecht zum Hauptmagnetfeld gebracht werden. Nach Beendigung des Pulses oszilliert diese Transversalmagnetisierung fĂŒr kurze Zeit senkrecht zum Hauptmagnetfeld. Dabei oszilliert jeder Kernspin mit seiner individuellen Larmor-Frequenz. Diese Summe dieser Oszillationen wird als elektrischer Strom ĂŒber elektromagnetische Induktion mit der gleichen Induktionsspule detektiert, die auch zum Senden des Anregungspulses gedient hat. Das empfangene Signal wird digitalisiert und aufgezeichnet. Mit Hilfe der schnellen Fourier-Transformation ist es möglich, die individuellen Larmor-Frequenzen aus der Summe der Oszillationen zu extrahieren, um ein NMR-Spektrum zu erhalten. Darum tragen moderne NMR-Verfahren den Namen PFT-NMR fĂŒr Pulsed Fourier Transform NMR Spectroscopy. FĂŒr dieses Verfahren bleibt das Hauptmagnetfeld statisch, ĂŒblicherweise wird es mit Hilfe von supraleitenden Elektromagneten erzeugt, die mit flĂŒssigem Helium und Stickstoff gekĂŒhlt werden.

Ein spezielles Verfahren ist die NMR-CIDNP-Spektroskopie, bei der die Probe zur Erzeugung von Radikalen mit Licht bestrahlt oder beheizt wird.

Relaxation

→ Hauptartikel: Relaxation (NMR)

Bei der PFT-NMR existieren drei Relaxationsprozesse, die einerseits die LeistungsfĂ€higkeit der PFT-NMR einschrĂ€nken, aber andererseits einzigartige Informationen zur MolekĂŒl-Dynamik und Material-InhomogenitĂ€ten liefern können. Die <math>T_1</math>-Relaxation ist der Prozess der RĂŒckkehr der Kernspins vom angeregten Zustand zum thermischen Gleichgewicht unter Abgabe der bei der Anregung aufgenommenen Energie als WĂ€rme. Wird zwischen zwei NMR-Experimenten (scans) nicht die vollstĂ€ndige <math>T_1</math>-Relaxation abgewartet, so steht fĂŒr jedes weitere nur eine gewisse, geringere Magnetisierung und damit SignalintensitĂ€t zur VerfĂŒgung. Falls eine kurze Repetitionzeit gewĂŒnscht ist, muss auch der Anregungswinkel (auf den sog. Ernst-Winkel) verkleinert werden, um trotzdem ein möglichst starkes Signal zu erhalten. Die <math>T_2</math>-Relaxation ist die Dephasierung der Transversalmagnetisierung aufgrund entropischer Effekte, die mit der magnetischen Dipol-Dipol-Wechselwirkung benachbarter Atomkerne zusammenhĂ€ngt. Hier wird keine Energie abgegeben, da die Spins im angeregten Zustand verbleiben, aber die Transversalmagnetisierung lĂ€uft von einem Vektor zunĂ€chst zu einem FĂ€cher und zuletzt zu einer KreisflĂ€che auseinander, so dass kein NMR-Signal mehr in der Detektionsspule induziert wird. Befinden sich zusĂ€tzlich MagnetfeldinhomogenitĂ€ten in der Probe, sei es durch Imperfektionen des Hauptmagnetfeldes oder durch SuszeptibilitĂ€tsunterschiede innerhalb der Probe, wird statt der <math>T_2</math>-Relaxation die beschleunigte <math>T_2^*</math>-Relaxation beobachtet.

Die <math>T_2^*</math>-Relaxation bzw. <math>T_2</math>-Relaxation beschrÀnkt die Lebensdauer des NMR-Signals direkt nach der Anregung. Das NMR-Signal wird darum als gedÀmpfte Schwingung, als FID (free induction decay) gemessen. In der Praxis wird die <math>T_2</math>-Relaxationszeit mit Hilfe der Spin-Echo-Methode gemessen.

Die <math>T_1</math>-Relaxation limitiert, wie schnell man NMR-Experimente hintereinander ausfĂŒhren kann. Die <math>T_1</math>-Relaxation und die <math>T_2</math>-Relaxation hĂ€ngen stark von der Dichte und ViskositĂ€t/RigiditĂ€t der Probe ab.

Empfindlichkeit der NMR-Spektroskopie

Ein inhĂ€rentes Problem der NMR-Spektroskopie ist ihre vergleichsweise geringe Empfindlichkeit (schlechtes Signal-Rausch-VerhĂ€ltnis). Dieses ist darauf zurĂŒckzufĂŒhren, dass die Energiedifferenzen der <math>m_I</math>-ZustĂ€nde klein und die Populationsunterschiede zwischen den ZustĂ€nden im thermischen Gleichgewicht sehr gering sind (Boltzmannverteilung).

Das BesetzungsverhĂ€ltnis <math> \left(p_\alpha/p_\beta\right) </math> der beiden beteiligten EnergiezustĂ€nde kann durch deren Energiedifferenz im VerhĂ€ltnis zur thermischen Energie bei gegebener Temperatur T ausgedrĂŒckt werden:

<math> \frac { p_\alpha } { p_\beta }\ = e^{ \big( \frac{E_\beta - E_\alpha}{kT}\ \big)} </math>

Darin ist k die Boltzmann-Konstante. Die Energiedifferenz entspricht dabei der Energie eines Energiequants (<math> \mathit{h} \cdot \nu </math>), das ein Teilchen vom gĂŒnstigeren in den ungĂŒnstigeren Zustand befördert (Grundgleichung der Spektroskopie). Bei einer Resonanzfrequenz von 600 MHz und einer Temperatur von 0 Â°C bzw. 273 K ergibt sich ein Wert von ungefĂ€hr e0,0001, also sehr nahe bei eins. Daher sind schon im thermischen Gleichgewicht fast gleich viele Kerne im angeregten Zustand wie im Grundzustand. Zum Vergleich: Sichtbares Licht besitzt um einen Faktor von etwa 1 Million höhere Frequenzen. Folglich haben ÜbergĂ€nge, die durch sichtbares Licht angeregt werden, Besetzungsunterschiede von etwa e100, liegen also vollstĂ€ndig im Grundzustand vor, was die Spektroskopie im sichtbaren Bereich wesentlich empfindlicher macht.

Die Empfindlichkeit ist somit im Wesentlichen von drei Faktoren abhÀngig:

  • Temperatur (AbhĂ€ngigkeit 1/T)
  • Unterschied der EnergiezustĂ€nde <math>\Delta E</math> (proportional zu MagnetfeldstĂ€rke <math>B_0</math> und isotopspezifischer Konstante <math>\gamma</math>
  • HĂ€ufigkeit des Isotops

Die Faktoren <math>\gamma</math> und IsotopenhĂ€ufigkeit lassen sich durch die relative Empfindlichkeit <math>E_r</math> ausdrĂŒcken. Dabei wird 1H als Referenz mit der relativen HĂ€ufigkeit 1 verwendet. Somit ergibt sich fĂŒr ein Isotop mit Spin <math>I</math> und dem gyromagnetischen VerhĂ€ltnis <math>\gamma_i</math> bei gleicher Temperatur, gleichem magnetischen Feld und gleicher IsotopenhĂ€ufigkeit die relative Empfindlichkeit <math>E_r</math>:

<math> E_r = \frac { 4 } { 3 }\ I (I + 1) \left (\frac { \gamma_i } { \gamma_H } \right)^3 </math>

Multipliziert man diesen Wert mit der natĂŒrlichen HĂ€ufigkeit des Isotops, erhĂ€lt man die absolute Empfindlichkeit <math>E_{abs}</math>.[11] Seltener wird die relative Empfindlichkeit auch zu 13C als Referenz angegeben.

Um die Empfindlichkeit zu steigern, werden verschiedene Maßnahmen ergriffen:

  • Messung möglichst empfindlicher Nuklide (besonders 1H)
  • Anreicherung magnetischer Nuklide, deren natĂŒrliche HĂ€ufigkeit gering ist (z. B. 13C bzw. 15N). Das wird z. B. bei Proteinen oft gemacht.
  • Signal-Akkumulation durch mehrfache Messung einer Probe und Addition aller Spektren
  • Erhöhung der MagnetfeldstĂ€rke <math>B_0</math> durch Einsatz stĂ€rkerer (supraleitender) Magnete.
  • Senkung der Temperatur der Probe
  • Verringerung des elektronischen Rauschens durch KĂŒhlung der EmpfĂ€nger (Kryoelektronik).
  • Verwendung von Hyperpolarisationsmethoden, um die Besetzungsunterschiede kĂŒnstlich zu vergrĂ¶ĂŸern.
  • Ausnutzen des Kern-Overhauser-Effekts (NOE)
  • Übertragung der Magnetisierung empfindlicher Kerne (1H) auf unempfindlichere (13C) (Kreuzpolarisation CP)

Die Senkung der Temperatur und die Erhöhung der MagnetfeldstĂ€rke Ă€ndern das thermische Besetzungsgleichgewicht der <math>m_I</math>-ZustĂ€nde, so dass mehr Kernspin-ÜbergĂ€nge angeregt werden können. Mit Hilfe der Hyperpolarisation kann ein Besetzungs-Ungleichgewicht erzeugt werden, das stark vom thermischen Gleichgewicht abweicht und in dem der energetisch gĂŒnstigste <math>m_I</math>-Zustand fast vollstĂ€ndig besetzt ist.

Zur Optimierung der Signaldetektion wird rauscharme Elektronik verwendet. Der Einsatz von elektrischen Schwingkreisen begrenzt die Detektion auf ein schmales Frequenzband im Bereich der erwarteten Larmor-Frequenz, d.h. die Detektion von Störsignalen und von Rauschen aus anderen Frequenzbereichen wird unterdrĂŒckt.

Die Signal-Akkumulation dient dazu, das Signal-Rausch-VerhĂ€ltnis zu verbessern. Eine NMR-Messung wird <math>n</math>-mal auf identische Weise durchgefĂŒhrt und die gemessenen Signale der einzelnen Messungen werden addiert. Durch diese Akkumulation nimmt die NMR-SignalstĂ€rke um den Faktor <math>n</math> zu, wĂ€hrend statistisches Rauschen nur um den Faktor <math>\sqrt{n}</math> zunimmt. Da zwischen NMR-Experimenten die vollstĂ€ndige <math>T_1</math>-Relaxation der Spins erfolgen sollte und die <math>T_1</math>-Relaxation organischer Substanzen einige zehn Sekunden dauern kann, kann die Signal-Akkumulation zu einer erheblichen VerlĂ€ngerung der Messdauer fĂŒhren.

FĂŒr typische Messungen sind je nach Experiment und Messzeit ca. 10 nmol bis 1 Â”mol Substanz notwendig (typische Probenmenge: 1 mL einer Lösung mit einer Konzentration von 10 Â”mol/L bis 1 mmol/L).

Auflösungsvermögen

Die erreichbare Auflösung eines Pulsspektrometers ist invers proportional zu LĂ€nge des FID-Signals. Neben der transversalen Relaxation (<math>T_2</math>) der Probe wird sie von der InhomogenitĂ€t des <math>B_0</math>-Feldes in der Probe bestimmt. Das Ausgleichen von Magnetfeld-InhomogenitĂ€ten erfolgt ĂŒber das sog. Shimming. Dazu werden im Spektrometer mit Hilfe elektrischer Ströme schwache Magnetfelder zusĂ€tzlich zum Hauptmagnetfeld <math>B_0</math> erzeugt, mit denen lokale InhomogenitĂ€ten zum Teil ausgeglichen werden können. Die erhöhte HomogenitĂ€t des resultierenden Gesamtmagnetfeldes reduziert die <math>T_2^*</math>-Relaxation, wodurch das NMR-Signal langlebiger wird.

Anwendungsgebiete

NMR-Spektren können am einfachsten fĂŒr MolekĂŒle aufgenommen werden, die sich in Lösung befinden und nicht mit paramagnetischen Substanzen in Wechselwirkung stehen. NMR-Spektroskopie an paramagnetischen Substanzen und an Festkörpern ist ebenfalls möglich, die Interpretation der Spektren und die Aufbereitung der Proben fĂŒr die Messung sind aber in beiden FĂ€llen deutlich komplexer. BezĂŒglich der NMR an Festkörpern vgl. auch Magic-Angle-Spinning.

Die hochauflösende Kernresonanzspektroskopie in Lösung wird heute in großem Maßstab fĂŒr folgende Aufgaben verwendet:

  • Zum zerstörungsfreien Nachweis von Inhaltsstoffen einer Probe
  • Zur Bestimmung von MolekĂŒlstrukturen (von kleinen MolekĂŒlen bis hin zu Proteinen und NukleinsĂ€urefragmenten)
  • Zur Untersuchung von Wechselwirkungen zwischen MolekĂŒlen

Neben spektroskopischen Untersuchungen vermittelt auch die Bestimmung von Kernspin-Relaxationszeiten Informationen ĂŒber die Struktur und Dynamik von Materialien. In FlĂŒssigkeiten z.B., deren Mikrostruktur und -Dynamik mit herkömmlichen Methoden nur schwer erforscht werden kann, können AbstĂ€nde zwischen molekularen Nachbarn und molekulare Umorientierungszeiten, die typischerweise im Pico- bis Nanosekunden- Bereich liegen, mittels Relaxationszeitmessungen bestimmt werden.

Unterschiedliche Kernspin-Relaxationszeiten in verschiedenen biologischen Geweben bilden auch die Basis fĂŒr die in der Medizin als bildgebendes diagnostisches Verfahren genutzte Magnetresonanztomographie (Kernspintomographie). Magnetresonanztomographie-Methoden finden außer in der medizinischen Diagnostik auch zunehmend Anwendungen in den Ingenieur- und Geowissenschaften.

Ein weiteres wichtiges Anwendungsgebiet ist die Untersuchung der translatorischen MolekĂŒldynamik, also von Diffusion und Fließbewegungen von MolekĂŒlen oder MolekĂŒlaggregaten in FlĂŒssigkeiten und Festkörpern mittels Feldgradienten-NMR.[12] Mit der sogenannten diffusion-ordered-spectroscopy (DOSY) kann in Mischungen die translatorische Beweglichkeit der, NMR-spektroskopisch identifizierten, Einzelkomponenten gemessen werden.

Methoden zur StrukturaufklÀrung in der organischen Chemie

Chemische Verschiebung und Integration von Signalen

Die Resonanzfrequenzen werden nicht als Absolutwerte, sondern als chemische Verschiebung gegenĂŒber einer Referenzsubstanz, dem so genannten Standard, angegeben. Die chemische Verschiebung ist definiert als

<math>\delta = \frac{\nu_\mathrm{H(Probe)} - \nu_\mathrm{H (Standard)}}{\nu_\mathrm{H (Standard)}} </math>,

wodurch sie unabhĂ€ngig von der FeldstĂ€rke des gerade verwendeten Magneten wird. Da die Werte der chemischen Verschiebung sehr klein sind, werden sie in ppm angegeben. Als Standard fĂŒr 1H- und 13C-Spektren organischer Lösungen wird die Resonanzfrequenz der jeweiligen Kerne in Tetramethylsilan (TMS) verwendet. WĂ€hrend frĂŒher jeder Probe einige Milligramm TMS zugesetzt wurden, bezieht man sich heutzutage in der Regel auf die bekannte chemische Verschiebung der Restprotonen des deuterierten Lösungsmittels.

Die chemische Verschiebungen von Wasserstoffkernen in organischen MolekĂŒlen wird durch die Art der funktionellen Gruppen beeinflusst. Je nach der Struktur des MolekĂŒls weichen die chemischen Verschiebungen gleicher funktioneller Gruppen leicht voneinander ab, so dass das NMR-Spektrum charakteristisch fĂŒr eine Substanz ist. Außerdem werden sie auch durch benachbarte MolekĂŒle in der Probe beeinflusst, so dass in unterschiedlichen Lösungsmitteln oder in der Reinsubstanz unterschiedliche relative und absolute Resonanzfrequenzen der Protonen einer Probe auftreten. Bei starken Wechselwirkungen zwischen Substanz und Lösungsmittel treten dabei auch Unterschiede von mehreren ppm auf. Mit Hilfe der Shoolery-Regel kann die chemische Verschiebung abgeschĂ€tzt werden.

Die relative Anzahl der einem bestimmten Signal zugrundeliegenden Wasserstoffatome ist bei einfacher 1H-Spektroskopie proportional zum FlÀcheninhalt (dem Integral) des betreffenden Signals.

Durch Auswertung dieses Integrals kann also beispielsweise bestimmt werden, wie viele Wasserstoffatome eines MolekĂŒls sich an Methylgruppen, an Aromaten, an Carboxygruppen, an Doppelbindungen usw. befinden. Diese Kenntnis ist fĂŒr die organische Chemie bei der Bestimmung von Strukturen Ă€ußerst wichtig. Eine Übersicht zur Zuordnung bestimmter funktioneller Gruppen (Atomgruppen, Stoffgruppen) zu Werten der chemischen Verschiebung bietet die folgende Tabelle.


Wasserstoffatome typische chemische Verschiebungen <math>\delta</math> [ppm]
H3C– 0,9
H3CCR=C 1,6
H3C–Ar 2,3
H3C–CO–R 2,2
H3C–OR 3,3
R2C–CH2–CR2 1,4
–C–CH2–Cl 3,6
Ar-H 6,8 bis 7,5 (bis 8.5 bei Heteroaromaten)
R-CHO 9 bis 10
R–COOH 9 bis 13
ROH 0,5 bis 4,5

Skalare Kopplung

Durch die skalare Kopplung werden die SpinzustĂ€nde durch in ihrer Nachbarschaft befindliche weitere Kerne mit von Null verschiedenem Spin unabhĂ€ngig vom anliegenden externen Feld in energetisch unterschiedliche Niveaus aufgespalten, deren Zahl von der Anzahl möglicher unterschiedlicher Orientierungen der einzelnen Spins abhĂ€ngt. Diese Kopplung wird durch die Spins der die Bindung zwischen den Teilchen bildenden Elektronenpaare vermittelt, ihre Wirkung ist gewöhnlich ĂŒber bis zu vier Bindungen feststellbar. Kerne, die chemisch und spin-symmetrisch gleich sind, koppeln nicht miteinander (sie sind magnetisch Ă€quivalent).

Aus dem dadurch beobachteten Kopplungsmuster kann der Spektroskopiker die NachbarschaftsverhĂ€ltnisse der einzelnen Kerne, und damit in vielen FĂ€llen die vollstĂ€ndige Struktur einer Verbindung erschließen.

Mitunter kann es hilfreich sein, fĂŒr die StrukturaufklĂ€rung eine bestimmte oder alle Kopplungen zu unterdrĂŒcken. Dazu wird ein Radiosignal mit der Frequenz eines Kernes oder einer ganzen Gruppe von Kernen (Breitbandentkopplung) eingestrahlt, das ĂŒbrige Spektrum verhĂ€lt sich dann so als wĂ€re der entsprechende Kern nicht vorhanden, da dessen Besetzungsunterschied dann null ist. 13C-Spektren werden standardmĂ€ĂŸig 1H-entkoppelt, da sie durch die Überlappung der Kopplungsmuster der einzelnen Kerne sonst oft uninterpretierbar wĂ€ren. Außerdem wird die geringe Empfindlichkeit der Methode durch die fehlende Aufspaltung verbessert.

In anisotropen Proben (Substanzen mit kristallinen Anteilen) wird der richtungsabhĂ€ngige Teil der skalaren Kopplung, sowie die dipolare Kopplung, nicht mehr zu null ausgemittelt. Solche Proben zeigen große, feldunabhĂ€ngige Aufspaltungen, bzw. Linienverbeiterungen von mehreren kHz fĂŒr 1H-Spektren.

Funktionsprinzip

Die KernsuszeptibilitĂ€ten sind wesentlich geringer als die diamagnetischen und paramagnetischen SuszeptibilitĂ€ten (Faktor:104). Bei Dia- und Paramagnetismus sind die Elektronen des Atoms fĂŒr die SuszeptibilitĂ€t verantwortlich. Bei Kernen kann die SuszeptibilitĂ€t mit der Langevin-Debye-Formel bestimmt werden.

FrĂŒher wurden NMR-Resonanzen mit einer BrĂŒckenschaltung in Schwingkreisen bestimmt. Bloch und Mitarbeiter nutzten zwei identische Schwingkreise, d. h. zwei Spulen und zwei Kondensatoren, um einen Abgleich mit einer BrĂŒckenschaltung vorzunehmen; eine Spule als Sender eine als EmpfĂ€nger. Es ist aber auch möglich, eine BrĂŒckenschaltung mit nur einer Spule herzustellen. Dieses Verfahren wurde von Purcell genutzt.

Vor der Probenvermessung wird die BrĂŒcke mit der zu messenden Frequenz abgeglichen. Mit Gleichungen aus der Physik kann man fĂŒr einen Schwingkreis und eine BrĂŒckenschaltung die Phasenverschiebung zwischen Strom und Spannung, den Scheinwiderstand und die Stromlosigkeitsbedingungen einer BrĂŒcke berechnen.

In die Spule kommt nun ein Substanzröhrchen hinein. Ein Magnetfeld (mit einem Permanentmagneten oder Elektromagneten) wird dann horizontal zur Spulenachse erzeugt. Bei einer ganz bestimmten Frequenz und einer bestimmten MagnetfeldstÀrke und nur bei Anwesenheit einer Substanzprobe (mit entsprechenden Atomkernen) wird der Schwingkreis verstimmt. Im Oszilloskop oder mit einem Schreiber ist diese Verstimmung sichtbar.

Sehr bedeutsam war die Bestimmung der rĂ€umlichen Magnetisierung durch das angelegte Magnetfeld. Bloch fĂŒhrte fĂŒr alle Raumrichtungen Berechnungen durch und konnte die schwingungsabhĂ€ngigen SuszeptibilitĂ€ten fĂŒr die Raumrichtungen ableiten (Bloch-Gleichungen). UngeklĂ€rt blieb jedoch noch die Frage der Relaxationszeit, das heißt, der Zeitdauer bis der angeregte Kernspin auf das Grundniveau zurĂŒckfĂ€llt. Mittels paramagnetischer Salze konnte dann die Relaxationszeit von reinen Wasserstoffprotonen auf etwa drei Sekunden berechnet werden.

Wasserstoffkerne konnten auch bei sehr geringen Frequenzen (wenige kHz) und einem sehr schwachen Magnetfeld durch Schwingkreisverstimmung nachgewiesen werden. Interessant wird die Methode fĂŒr die StrukturaufklĂ€rung von komplexen MolekĂŒlen jedoch erst bei hohen Frequenzen (ab 60 MHz) und stĂ€rkeren Magnetfeldern (1,4 Tesla), da sich dann die chemischen Verschiebungen von unterschiedlichen Wasserstoffatomen komplizierter Verbindungen deutlicher unterscheiden. Will man jedoch nicht nur ein einziges Signal auf dem Oszilloskop sehen, sondern mehrere unterschiedliche Wasserstoffatomkerne (oder andere Kerne) so muss ein ganzes Frequenzband eingestrahlt werden.

FrĂŒher – bis in die 1970er Jahre – nutzten die NMR-Spektrometer das Continuous-Wave-Verfahren (CW), um das Spektrum einer komplexen Verbindung abzutasten.

Heute ist die Puls-Fourier-Transformation (PFT) ĂŒblich. Hierbei wird ein Hochfrequenzimpuls eingestrahlt. Dieser Impuls enthĂ€lt ein ganzes Band an Schwingungen.

Die bereits angesprochene AbhĂ€ngigkeit der Energieniveaus der Kernspins von der MolekĂŒlstruktur rĂŒhrt in erster Linie von der Wechselwirkung der Elektronenstruktur der MolekĂŒle mit dem Ă€ußeren Magnetfeld her: Hierdurch entsteht in der ElektronenhĂŒlle ein Induktionsstrom, welcher wiederum ein Magnetfeld erzeugt, das dem Ă€ußeren entgegen gerichtet ist. Dadurch wird das Magnetfeld am Atomkern geschwĂ€cht, die Frequenz der fĂŒr den Übergang notwendigen Strahlung ist also kleiner als im Falle eines nackten Atomkerns. Die Differenz heißt chemische Verschiebung und wird ĂŒblicherweise im VerhĂ€ltnis zur fĂŒr den nackten Atomkern nötigen Frequenz angegeben. Chemische Verschiebungen liegen ĂŒblicherweise im Bereich von 0–5000 ppm.

Das magnetische Feld wird am Atomkern durch die Ausrichtung weiterer magnetischer Momente in der unmittelbaren Umgebung beeinflusst. Befindet sich beispielsweise ein Kern mit zwei Ausrichtungsmöglichkeiten in der NĂ€he, so kann dieser das Feld verstĂ€rken oder abschwĂ€chen. Dies fĂŒhrt zu einer Aufspaltung des Signals, man spricht von einer Kopplung. Weil die chemische Verschiebung im Wesentlichen von der Elektronendichte am Atomkern abhĂ€ngt, kann man fĂŒr Atomkerne in chemisch Ă€hnlichen Umgebungen auch Ă€hnliche Verschiebungen erwarten. Aus der Kopplung erhĂ€lt man zusĂ€tzlich Informationen ĂŒber Nachbarschaftsbeziehungen zwischen verschiedenen Kernen in einem MolekĂŒl. Beides zusammengenommen liefert wesentliche Hinweise ĂŒber die Struktur des gesamten MolekĂŒls.

Atomkerne mit einer ungeraden Protonen- und/oder Neutronen-Zahl besitzen einen Kernspin I. Dieser kann ganz- und halbzahlige Werte (z. B. 1/2, 1, 3/2, 
, 9/2) annehmen: bei den sogenannten uu-Kernen ist I = n (also nur ganzzahlig: 1,2,3,...) wĂ€hrend bei gu- und ug-Kernen I = (2n+1)/2 ist (also halbzahlig: 1/2, 3/2, 5/2,...), bei Isotopen mit gerader Protonen- und Neutronenzahl (sogenannten gg-Kernen) ist I = 0. Von Null verschiedene Kernspins gehen mit einem magnetischen Dipolmoment einher. Die GrĂ¶ĂŸe dieses Dipolmoments wird durch das gyromagnetische VerhĂ€ltnis des betreffenden Isotops beschrieben. In einem Ă€ußeren, statischen Magnetfeld richten sich magnetische Kernmomente entsprechend den Regeln der Quantenmechanik aus. Ein Atomkern mit I = Âœ hat die Form einer Kugel, Kerne mit I > Âœ haben eine ellipsoidische Form und haben daher zusĂ€tzlich ein elektrisches Quadrupolmoment „eQ“, welches mit elektrischen Feldgradienten wechselwirken kann (siehe auch Kernquadrupolresonanz-Spektroskopie). Diese zusĂ€tzliche starke, elektrische Wechselwirkungsmöglichkeit fĂŒhrt zu breiten NMR-Resonanzlinien, die komplizierter zu interpretieren sind als die schmalen, durch gut auflösbare Kopplungen strukturierten Resonanzlinien der Spin-œ-Kerne.

Die am meisten fĂŒr die chemische StrukturaufklĂ€rung genutzten Isotope sind daher Kerne mit Spin œ. Hierzu gehören unter anderem die Nuklide 1H, 13C, 15N, 19F, 29Si und 31P. Spin-œ-Kerne können nur zwei diskrete ZustĂ€nde annehmen, nĂ€mlich entweder parallel oder antiparallel zum Ă€ußeren Magnetfeld. Zwischenstellungen sind quantenmechanisch verboten. Die zwei Anordnungsmöglichkeiten entsprechen zwei unterschiedlichen EnergiezustĂ€nden.

Die Energiedifferenz zwischen diesen beiden ZustĂ€nden ist proportional zur StĂ€rke des Magnetfelds am Kernort. Der ProportionalitĂ€tsfaktor ist dabei das gyromagnetische VerhĂ€ltnis des betreffenden Isotops. ÜbergĂ€nge zwischen den beiden Orientierungen der Kernmomente können durch die Einstrahlung resonanter magnetischer Wechselfelder ausgelöst werden. Die Resonanzfrequenz ist der Energieaufspaltung zwischen den beiden Kernspins proportional und wird auch als Larmorfrequenz bezeichnet.

Spindiagramm eines Atoms und mehrerer Atome

Veranschaulichen lĂ€sst sich dies durch das nebenstehende Diagramm. Hierbei denkt man sich ein Koordinatensystem mit dem Ă€ußeren Magnetfeld entlang der z-Achse. Ein Atomkern mit einem Spin von œ richtet sich mit einem Spin-Vektor entweder parallel oder antiparallel zum Ă€ußeren Feld aus. Wenn man nun die Vektoren mehrerer Atome in dieses Koordinatensystem aufnimmt, entstehen zwei Kegel, jeweils einer fĂŒr parallel und antiparallel. Infolge des Energie-Unterschieds zwischen der parallelen und der antiparallelen Orientierung der magnetischen Kernmomente gibt es im thermischen Gleichgewicht einen Besetzungsunterschied zwischen den beiden Orientierungen. Dieser folgt in Hochtemperatur-NĂ€herung der Boltzmann-Verteilung und bewirkt eine Überschussmagnetisierung in positiver Richtung entlang der z-Achse.

Das NMR-Signal kommt dadurch zustande, dass man die zu untersuchende Probe im Magnetfeld einem Radiofrequenz-Puls aussetzt. Dabei werden die Spins der einzelnen Atome durch das Magnetfeld des Pulses beeinflusst, so dass der Gesamtvektor, der sich aus den gezeigten Spin-Kegeln ergibt, gekippt wird. Er liegt nun nicht mehr parallel zur z-Achse, sondern ist um einen Winkel ausgelenkt, der proportional zur Dauer und IntensitĂ€t des Radiofrequenzpulses ist. Typisch sind PulslĂ€ngen von etwa 1–10 Â”s. Eine maximale Quermagnetisierung senkrecht zur z-Achse wird bei einem Auslenkungswinkel von 90° erreicht.

Diese Quermagnetisierung verhĂ€lt sich wie ein magnetischer Kreisel und prĂ€zediert in der Ebene senkrecht zum statischen Magnetfeld. Diese PrĂ€zessionsbewegung macht sich als sehr schwaches magnetisches Wechselfeld bemerkbar, das mittels geeigneter VerstĂ€rker gemessen wird. Nach Beenden der resonanten Einstrahlung treten zwei Prozesse, sogenannte Relaxationsprozesse, ein, durch die die Quermagnetisierung wieder abnimmt. Das NMR-Signal wird also nach Beenden des Radiofrequenzpulses als Freier Induktionszerfall (FID; von englisch: free induction decay) gemessen. Die Zeitkonstante <math>T_2^*</math> dieses freien Induktionszerfalls hĂ€ngt von der transversalen Relaxationszeit <math>T_2</math> sowie von der HomogenitĂ€t des Magnetfelds ab. FĂŒr leicht bewegliche FlĂŒssigkeiten in homogenen Magnetfeldern kann sie im Bereich von mehreren Sekunden liegen. Der FID wird durch die Frequenzunterschiede infolge von chemischer Verschiebung und Kopplung moduliert. Durch eine Fourier-Transformation kann die Verteilung der verschiedenen Frequenzen aus dem FID berechnet werden. Dies ist dann das NMR-Spektrum. Das NMR-Spektrum liefert in vielen FĂ€llen einen eindeutigen „Fingerabdruck“ des jeweiligen MolekĂŒls. Zusammen mit Informationen aus weiteren Messungen wie z. B. der Massenspektrometrie kann aus den Spektren die chemische Struktur einer unbekannten Substanz bestimmt werden.

Kommerzielle NMR-Spektrometer fĂŒr die chemische StrukturaufklĂ€rung arbeiten ĂŒblicherweise bei magnetische Flussdichten zwischen 7 und 21 Tesla. FĂŒr 1H entsprechen die Resonanzfrequenzen (Larmorfrequenzen) dann zwischen 300 und 900 MHz. Da 1H der wichtigste NMR-Kern ist, wird die FeldstĂ€rke von Spektrometern gewöhnlich in dessen Larmorfrequenz ausgedrĂŒckt. Bei 1H betrĂ€gt die Aufspaltung der Spektren infolge unterschiedlicher chemischer Verschiebungen ca. 10 ppm. Dies entspricht also einer maximalen Bandbreite von ca. 3 kHz bei einer NMR-Frequenz von 300 MHz. Die Frequenzbandbreite der NMR-Spektren infolge der chemischen Verschiebung wĂ€chst proportional zum Magnetfeld an. Die chemische Verschiebung selbst ist als VerhĂ€ltnis der Differenz der Resonanzfrequenz des Kerns in einer bestimmten chemischen Umgebung und der Resonanzfrequenz in einer Referenzverbindung zur Resonanzfrequenz selbst definiert. Dies erlaubt einen einfachen Vergleich zwischen NMR-Spektren, die bei verschiedenen Feldern gemessen wurden. FĂŒr Wasserstoff und Kohlenstoff wird Tetramethylsilan (TMS)) als Referenzsubstanz genommen. Der Bereich von chemischen Verschiebungen fĂŒr Kohlenstoff und viele andere Kerne ist wesentlich breiter als fĂŒr Wasserstoff und kann mehrere 100 ppm betragen. Bei einigen sehr schweren Kernen wie z. B. 207Pb werden auch chemische Verschiebungen im Bereich von Prozent beobachtet.

Puls-Fourier-Transform NMR

FID

Heutzutage arbeiten alle modernen NMR-Spektrometer mit der Puls-Technik. Bei dieser wird ein einzelner Radiofrequenzimpuls (RF-Puls) oder eine Sequenz von RF-Pulsen auf eine Probe gesandt, die sich in einem starken Magnetfeld befindet. Nach dem Abklingen des Pulses in der Empfangselektronik (Totzeit) wird der Zerfall der Magnetisierung (engl. free induction decay, FID), d. h., ihre RĂŒckkehr in den Gleichgewichtszustand, ĂŒber die dadurch in der Empfangsspule induzierte Spannung als Funktion der Zeit detektiert. Durch Fourier-Transformation wird dieses Zeitsignal im Computer in das Frequenzspektrum (SignalintensitĂ€t als Funktion der Frequenz) transformiert.

Diese Messtechnik hat das frĂŒher verwendete CW-Verfahren (engl. continous wave) (s. o.) fast vollstĂ€ndig verdrĂ€ngt.

Experimentelle GrĂ¶ĂŸen

  • Die chemische Verschiebung einer Resonanz ist vom lokalen Magnetfeld am Kernort abhĂ€ngig, das wiederum von der chemischen Umgebung des betrachteten Kerns abhĂ€ngt.
  • Die IntensitĂ€t einer Resonanz ist zumeist proportional zur Anzahl der sie hervorrufenden Kerne, solange die Besetzungsunterschiede nicht durch starke Kopplung oder SuszebtibilitĂ€tsunterschiede verĂ€ndert werden.
  • Bei den Relaxationszeiten angeregter ZustĂ€nde unterscheidet man zwischen longitudinaler Relaxationszeit (Spin-Gitter-Relaxation) und transversaler Relaxationszeit (Spin-Spin Relaxation). Longitudinale Relaxationszeiten bestimmen die Einstellung der Gleichgewichtsmagnetisierung. Die transversalen Relaxationszeiten bestimmen die Linienbreite der Resonanzlinien. Relaxationseffekte geben Aufschluss ĂŒber vorhandene Wechselwirkungen und molekulare Bewegungen.
  • RĂ€umlich benachbarte Kerne wechselwirken miteinander ĂŒber magnetische Dipol-Dipol-Wechselwirkung (dipolare Kopplung). Diese Wechselwirkung verschwindet in isotropen Lösungen im zeitlichen Mittel.
  • Indirekt können Kerne auch ĂŒber chemische Bindungen miteinander wechselwirken. Diese skalare Kopplung ist fĂŒr die Aufspaltung der Signale in Multipletts verantwortlich und stellt eine wesentliche Grundlage fĂŒr die molekulare Strukturbestimmung mit NMR dar. Der Abstand zweier benachbarter Linien eines Multipletts wird als Kopplungskonstante, die in Hertz gemessen wird, bezeichnet.

Eindimensionale NMR-Spektroskopie

Typisches NMR-Spektrum

Die eindimensionale NMR-Spektroskopie ist die am hÀufigsten angewandte StrukturaufklÀrungsmethode der Chemie. Bei ihr wird die chemische Verschiebung eines Atoms von einer Referenzsubstanz gemessen. 1H und 13C sind die Kerne, die am hÀufigsten in der organischen Chemie gemessen werden, aber auch 15N, 31P, 19F und viele andere NMR-aktive Isotope können spektroskopiert werden.

Quartett-Aufspaltung

Das Aussehen der Spektren hĂ€ngt entscheidend von der Aufnahmeart ab. 1H-Spektren werden in der Regel nicht Breitband-entkoppelt aufgenommen. Damit haben alle Wasserstoffatome die Möglichkeit, ihren Spin mit anderen Kernen zu koppeln, die sogenannte Spin-Spin-Kopplung. Damit entsteht bei der charakteristischen chemischen Verschiebung eines Atoms eine fĂŒr seine Umgebung charakteristische Aufspaltung des Signals, aus der Informationen ĂŒber die MolekĂŒlstruktur abgeleitet werden können.

13C, 15N, 31P, 19F und andere Kerne werden hÀufig 1H-Breitband-entkoppelt aufgenommen, so dass die Aufspaltung der Signale aufgrund der Kopplungen zu 1H-Kernen ausbleibt.

skalare Kopplung

Der Kern eines Atoms kann mit einem benachbarten Atomkern in Wechselwirkung treten. Das kann entweder direkt (durch den Raum) oder indirekt (ĂŒber die Bindungselektronen zwischen den Kernen) geschehen. Bei einer flĂŒssigen Probe mittelt sich die direkte (dipolare) Wechselwirkung durch die schnelle Bewegung der Kerne im Raum aus. Erhalten bleibt die skalare Kopplung, die dadurch vermittelt wird, daß die (stets gepaart (↓↑)) auftretenden Spins der Bindungselektronen unterschiedlich mit den Kernspins auf beiden Seiten der Bindung wechselwirken.

Hat ein Kern den Zustand α (↑), so wird das (↑)-Elektron der Bindung von ihm abgestoßen, hĂ€lt sich also eher am anderen Kern auf. Weitere von dort ausgehende Bindungen werden gleichfalls (in geringerem Ausmaß) Spinpolarisiert. Wird so ein weiterer Kern mit I>0 erreicht, ergibt sich ein Energieunterschied zwischen dessen Zustand α und ÎČ durch wiederum seine Wechselwirkung mit den Elektronen der Bindung. Solche Kopplungen sind gewöhnlich ĂŒber max. drei bis vier Bindungen nachweisbar, in konjugierten π-Systemen z.B. aber auch weiter.

Das NMR-Signal des ersten Kerns wird dadurch zu einem Dublett (fĂŒr I=1/2, sonst 2I+1 Linien) aufgespalten, und das des zweiten Kerns gleichfalls, und zwar um den gleichen Betrag, da der Energieunterschied (sog. Kopplungskonstante) zwischen αα(=ÎČÎČ) und αÎČ(=ÎČα) derselbe sein muß. Durch die gleichstarke Aufspaltung ist dann die Nachbarschaft der beiden Atome im MolekĂŒl nachgewiesen. Koppelt ein Kern noch zu weiteren anderen, so wird jede seiner Linien entsprechend nochmals aufgespalten.

Koppelt ein Kern zu zwei (oder allgemein n) gleichartigen Nachbarkernen (die aus der Sicht des Ursprungskerns die gleiche chemischer Umgebung und Spin-Symmetrie besitzen), so erhĂ€lt man ein Triplett, da die mittleren Linien des "Dubletts vom Dublett" (oder Quartett, Quintett, usw., also (n+1) Linien, bzw. <math>2nI+1</math> Linien fĂŒr Kerne mit I>1/2) zusammenfallen. Die relativen IntensitĂ€ten der Linien ergeben sich (fĂŒr I=1/2 - Kerne) aus der (n+1)-ten Zeile des Pascalschens Dreiecks, also 1:2:1 oder 1:3:3:1. Sind die koppelnden Kerne nicht gleichartig, d.h. sind ihre Kopplungskonstanten unterschiedlich, so fallen die mittleren Linien nicht zusammen, man erhĂ€lt dann z.B. ein Dublett vom Triplett o.Ă€.

Beispielspektren

Als ein einfaches Beispiel dient Propan (H3C–CH2–CH3): Die CH2-Gruppe beim Propan hat zwei benachbarte Methylgruppen (–CH3). Dies entspricht sechs benachbarten, Ă€quivalenten H-Atomen. Das Signal wird also in ein Septett aufgespalten. Die Methyl-Protonen werden von den beiden Methylen-Protonen zum Triplett aufgespalten, die 4J-Kopplung zu den drei anderen Methyl-Protonen ist unsichtbar, da diese magnetisch Ă€quivalent sind, so wie auch keine 2J-Kopplung innerhalb der Methylgruppen beobachtet werden kann.

Sind in einem MolekĂŒl mehrere unterschiedliche z. B. Methyl-Gruppen vorhanden, so ĂŒberlagernd sich deren Multipletts hĂ€ufig, wodurch sie schnell unauswertbar werden. Um solche FĂ€lle besser auflösen zu können, wird hierfĂŒr vielfach auf mehrdimensionale NMR-Techniken wie COSY zurĂŒckgegriffen. Da die Aufspaltung nicht feldabhĂ€ngig ist, der Abstand zwischen den Signalen chemisch unterschiedlicher Protonen aber schon, können Überlagerungen auch durch Anwendung eines höheren Feldes aufgelöst werden.

ErklÀrungen zum Spektrum von Ethanol:

Die OH-Gruppe bildet nur ein Singulett, wenn das Ethanol in wĂ€ssriger Lösung vorliegt. Das alkoholische Wasserstoffatom ist leicht acid, und wird deswegen stĂ€ndig durch Wasserstoffatome aus dem Lösungsmittel ausgetauscht. Das fĂŒhrt dazu, dass keine permanenten Spin-Spin-Kopplungseffekte auftreten. Bei sehr tiefen Temperaturen könnte dieser Austausch genĂŒgend verlangsamt sein, um dort das wegen der CH2-Gruppe erwartete (<math>M=n+1</math>) Triplett entstehen zu lassen.

Beispiele zweidimensionaler NMR-Spektroskopie

COSY (engl. correlation spectroscopy)
Zweidimensionale Methode, bei der gleichartige Kerne (1H) (homonukleare COSY) oder verschiedenartige Kerne (heteronukleare COSY) ĂŒber ihre skalaren Kopplungen miteinander korreliert werden. COSY-Spektren sind symmetrisch bezĂŒglich der Diagonalen. Mit COSY können komplizierte Kopplungsmuster rĂ€umlich entzerrt werden.
DOSY (engl. diffusion ordered spectroscopy)
Verfahren, bei dem mittels Feldgradienten-NMR MolekĂŒle mit unterschiedlichem Diffusionsverhalten NMR-spektroskopisch getrennt erfasst werden können.
TOCSY (engl. total correlated spectroscopy)
Zweidimensionale Methode, bei der gleichartige Kerne (1H) ĂŒber ihre skalaren Kopplungen miteinander korreliert werden. TOCSY-Spektren sind wie COSY-Spektren symmetrisch bezĂŒglich der Diagonalen. ZusĂ€tzlich zu den im COSY detektierten Signalen erscheinen im TOCSY auch Korrelationen zwischen dem Startkern und sĂ€mtlichen indirekt ĂŒber mehrere Kopplungen mit ihm verbundenen Kernen (Spinsystem). Das TOCSY-Experiment ist vor allem bei der StrukturaufklĂ€rung hochmolekularer Substanzen mit rĂ€umlich begrenzten Spinsystemen, wie etwa Polysacchariden oder Peptiden, sehr nĂŒtzlich.
HSQC (engl. heteronuclear single quantum coherence)
Zweidimensionale Methode, bei der chemische Verschiebungen unterschiedlicher miteinander skalar koppelnder Nuklide korreliert werden. Die HSQC-Spektren sind hĂ€ufig recht ĂŒbersichtlich, da gewöhnlich nur Signale von direkt aneinander gebundenen Atomen erscheinen. Typische Beispiele sind 1H,13C- und 1H,15N-Korrelationen.
HMBC (engl. heteronuclear multiple bond correlation)
Zweidimensionale Methode, bei der chemische Verschiebungen unterschiedlicher miteinander skalar koppelnder Nuklide korreliert werden. Im Gegensatz zum HSQC werden im HMBC Korrelationen ĂŒber mehrere Bindungen angezeigt. Typisch sind vor allem 1H,13C-Korrelationen.
NOESY (engl. nuclear overhauser enhancement spectroscopy)
Zweidimensionale Methode, mit der Korrelationen ĂŒber den Kern-Overhauser-Effekt (NOE) anstatt ĂŒber skalare Kopplungen detektiert werden. Mit dieser Methode können rĂ€umlich benachbarte Kerne erkannt werden, auch wenn sie nicht skalar miteinander koppeln. Es gibt sowohl homo- als auch heteronukleare Versionen. Dieses Verfahren wird hĂ€ufig in der StrukturaufklĂ€rung eingesetzt.

All diese Varianten beruhen darauf, eine lange Reihe an Spektren aufzunehmen, und wĂ€hrenddessen einen Pulsparameter kontinuierlich in seiner Dauer zu verĂ€ndern, wodurch sich Phase und IntensitĂ€t der Spektren systematisch Ă€ndern. Durch erneute Fourier-Transformation der einzelnen Punkte der Spektren entlang dieser Zeitachse wird aus den eindimensionalen Spektren ein zweidimensionales erhalten. Durch Variation weiterer Parameter können auch höherdimensionale Spektren erhalten werden. Die benötigte Spektrenzahl und damit Meßzeit steigt dabei exponentiell an.

Niederfeld-NMR

Es gibt relativ preiswerte Niedrigfeld-NMR-GerĂ€te (≈ 10–40 MHz), die, mit einem Permanentmagneten ausgestattet, zwar keine aufgelösten Spektren liefern, dafĂŒr aber in den Betriebskosten unvergleichlich gĂŒnstiger (keine He-KĂŒhlung) sind. Auch können solche Systeme portabel ausgelegt werden. Durch Analyse der 1H-Relaxationszeiten können Mischungsanteile von Mehrstoffsystemen (Suspensionen, teilkristalline Substanzen[13]) und, nach Kalibrierung, auch Absolutmengen von Stoffen quantifiziert werden, was besonders in der Industrie interessant ist. Messungen erfolgen dabei anstatt in einem (teuren) deuterierten Lösungsmittel ĂŒblicherweise in Substanz. Andere Kerne als Wasserstoff werden aufgrund der geringen Empfindlichkeit nur selten untersucht.

Deuterium-Kernspinresonanzspektroskopie

Deuterium (D, 2H) stellt insofern eine Besonderheit dar, weil der Spin <math>I=1</math> betrĂ€gt. Das hat zur Folge, dass die Linienbreite der NMR-Signale gegenĂŒber 1H-Kernen grĂ¶ĂŸer ist. Die Resonanzfrequenzen liegen deutlich unter denen von 1H-Kernen (61,4 gegenĂŒber 400 MHz bei 9,39 Tesla). Die Deuterium-NMR-Spektroskopie ist ungefĂ€hr um den Faktor 100 unempfindlicher als die 1H-NMR-Spektroskopie. Außerdem ist der Deuteriumanteil gegenĂŒber Wasserstoff in organischen Verbindungen sehr gering (ca. 0,0159 %). Mit modernen NMR-Spektrometern stellt die Untersuchung jedoch heute kein Problem dar. Die Aufnahmen bzw. Auswertungen erfolgen mit der Fourier-Transform-Methode. Die Interpretation der Spektren ist nicht schwierig, weil die chemischen Verschiebungen praktisch identisch mit denen von 1H sind.

Mit der 2H-NMR-Spektroskopie lassen sich die Deuteriumverteilung in den einzelnen Positionen in einer organischen Verbindungen und das D/H-VerhĂ€ltnis bestimmen. Die Deuteriumverteilung lĂ€sst sich aus den Spektren direkt ablesen, das D/H-VerhĂ€ltnis kann man nur bestimmen, wenn man einen Standard mit einem bekanntem D/H-VerhĂ€ltnis benutzt. Diese Methode ist fĂŒr die Analytik bedeutungsvoll, weil so eine Aussage ĂŒber die Herkunft einer organischen Verbindung getroffen werden kann. Dies ist einerseits darin begrĂŒndet, dass der Deuteriumanteil auf der Erde unterschiedlich ist und die Ausgangsstoffe, fĂŒr Naturstoffe im Wesentlichen auch Wasser, damit einen geringfĂŒgigen Unterschied im Deuteriumgehalt aufweisen. Andererseits ist bei den Synthesewegen der kinetische Isotopeneffekt von Bedeutung. So weist z.B. Ethanol in Weinen aus unterschiedlichen Regionen eine unterschiedliche Deuteriumverteilung im MolekĂŒl bzw. ein unterschiedliches D/H-VerhĂ€ltnis auf. Das gleiche gilt fĂŒr alle Naturstoffe und somit kann man inzwischen fĂŒr viele dieser Stoffe eine Herkunft bzw. die Syntheseart, auch ob natĂŒrlich oder synthetisch, zuordnen. [14]
Bei aus GĂ€rungsprozessen hergestelltem Ethanol lĂ€sst sich insbesondere auch ĂŒber das D/H-VerhĂ€ltnis (sogenannter R-Wert) die pflanzliche Herkunft feststellen, also ob aus Zuckerrohr, RĂŒben, Getreide, Mais, Kartoffeln, Trauben oder Äpfeln. Daneben lassen sich auch unerlaubte ZuckerzusĂ€tze ermitteln. Neben Ethanol können zudem aus 13C-Spektren weitere Inhaltsstoffe im Wein, wie Glycerin, Methanol, Organische SĂ€uren und Konservierungsmittel qualitativ und quantitativ bestimmt werden [15]

Metallkern-Kernspinresonanzspektroskopie

Neben den Untersuchungen von organischen Verbindungen mit der 1H-, 13C- und 19F-NMR-Spektroskopie ist auch die Metallkern-NMR-Spektroskopie von Bedeutung. Hierbei können Metall-Metall- bzw. Metall-Ligand-Bindungen in Komplexverbindungen und metallorganischen Verbindungen direkt untersucht werden. Auch lassen sich Proteine mit eingelagerten Metallionen untersuchen. Kurzlebige Zwischenstufen, die nach der Reaktion nicht oder nur schwer nachweisbar sind, lassen sich in den Reaktionslösungen nachweisen. Man benötigt keine speziellen Lösungsmittel, sondern kann die Messungen in der Reaktionslösung durchfĂŒhren. Beispiele sind die 6/7Li-, 25Mg-, 27Al-NMR-Spektroskopie und Messungen an Schwermetallkernen, wie z.B. 195Pt, 205Tl und 207Pb.

Die Untersuchung elektrisch leitender metallischer Festkörper erfordert andere experimentelle Voraussetzungen als die von Metallkernen in Lösungen. Die Kernspin-Quantenzahl <math>I</math> mancher Metallkerne ist grĂ¶ĂŸer als 1/2 (Beispiele: 6Li: 1, 7Li: 3/2, 23Na: 3/2, 25Mg: 5/2, 59Co: 7/2). Solche Kerne haben ein elektrisches Quadrupolmoment, sie relaxieren ĂŒber einen besonderen Relaxationsmechanismus und haben daher oft sehr breite Resonanzlinien, was Auswirkungen auf die Empfindlichkeit der NMR-Messungen hat. [16]

Einzelnachweise

  1. ↑ Die spinen, die Teilchen bei desy.de.
  2. ↑ Isidor Isaac Rabi (1898-1988), bei National High Magnetic Field Laboratory
  3. ↑ What is EPR ? bei ETH ZĂŒrch.
  4. ↑ Nobelpreisvortrag von F. Bloch, 1952.
  5. ↑ Continuous-Wave Nuclear Magnetic Resonance (NMR) Spectroscopy bei Department of Chemistry, University of Adelaide.
  6. ↑  Nicole Kresge, Robert D. Simoni, Robert L. Hill: Succeeding in Science Despite the Odds; Studying Metabolism with NMR by Mildred Cohn. In: Journal of Biological Chemistry. 279, Nr. 53, 31. Dezember 2004, S. e12, PMID 15615732 (Online, abgerufen am 18. August 2010).</span>
  7. ↑ Nobelpreisvortrag von Ernst.
  8. ↑ E. R. Andrew, Nuclear Magnetic Resonance, Cambridge at the University Press, 1958, S. 62.
  9. ↑ C. Reinhardt, T. Steinhauser: Formierung einer wissenschaftlich-technischen Gemeinschaft. NMR-Spektroskopie in der Bundesrepublik Deutschland. In: NTM Zeitschrift fĂŒr Geschichte der Wissenschaften, Technik und Medizin. 16, 2008, S. 73–101, doi:10.1007/s00048-007-0280-z.
  10. ↑ Nobelpreisvortrag von WĂŒthrich.
  11. ↑ Grundlagen der NMR
  12. ↑ P. T. Callaghan: Principles of Nuclear Magnetic Resonance Microscopy. Clarendon Press, Oxford 1991.
  13. ↑ Andreas Maus, Christopher Hertlein, Kay SaalwĂ€chter: A Robust Proton NMR Method to Investigate Hard/Soft Ratios, Crystallinity, and Component Mobility in Polymers In: Macromolecular Chemistry and Physics. 207, 2006, S. 1150, doi:10.1002/macp.200600169.
  14. ↑ H.O. Kalinowski: Der Schrecken der Weinpanscher – Quantitative Deuterium-NMR-Spektroskopie, Chemie in unserer Zeit, 22. Jahrg. 1988, Nr. 5, S. 162 – 171
  15. ↑ A. Rapp, A. Markowetz: NMR-Spektroskopie in der Weinanalytik, Chemie in unserer Zeit, 27. Jahrg. 1993, Nr. 3, S. 149, ISSN 0009-2851
  16. ↑ B. Wrackmeyer: NMR-Spektroskopie von Metallkernen in Lösung, Chemie in unserer Zeit, 28. Jahrg. 1994, Nr. 6, S. 309 – 320, ISSN 0009-2851

Literatur

  • Malcom H. Lewitt: Spin Dynamics. Wiley & Sons, Chichester 2001, ISBN 0-471-48922-0.
  • Harald GĂŒnther: NMR-Spektroskopie. 3. Auflage. Thieme, Stuttgart 1992, ISBN 3-13-487503-9.
  • Ullmanns EnzyklopĂ€die der Technischen Chemie. Band 5. 4. Auflage. Weinheim 1980, ISBN 3-527-20005-3, S. 382 ff.
  • A. Streitwieser Jr., C. H. Heathcock: Organische Chemie. Verlag Chemie, Basel 1980, ISBN 3-527-25810-8, S. 205–249.
  • Dudley H. Williams, Ian Fleming: Spektroskopische Methoden zur StrukturaufklĂ€rung, Kernmagnetische Resonanz-Spektren. Thieme, Stuttgart 1975, ISBN 3-13-437203-7, S. 80–161.
  • H. Friebolin: Ein- und Zweidimensionale NMR-Spektroskopie. 4. Auflage, Wiley-VCH, Weinheim 2006 ISBN 3-527-31571-3.
  • Siegmar Braun, Hans-Otto Kalinowski und Stefan Berger: 150 and More Basic NMR Experiments. A Practical Course. Wiley-VCH, Weinheim 1998, ISBN 3-527-29512-7.

Weblinks

Wikibooks Wikibooks: NMR-Spektroskopie â€“ Lern- und Lehrmaterialien
 Commons: Nuclear magnetic resonance spectroscopy â€“ Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Impressum AGB Datenschutz KundenserviceMediadatenfreenet AGJobsSitemap
gekennzeichnet mit
JUSPROG e.V. - Jugendschutz
freenet ist Mitglied im JUSPROG e.V.