Suche im Lexikon
Lexikon auf Ihrer Homepage Lexikon als Lesezeichen hinzufügen

Domain Name System

Domain Name System (DNS)
Familie: Internetprotokollfamilie
Einsatzgebiet: Namensauflösung
Ports: 53/UDP, 53/TCP
DNS im TCP/IP‑Protokollstapel:
Anwendung DNS
Transport UDP TCP
Internet IP (IPv4, IPv6)
Netzzugang Ethernet Token
Bus
Token
Ring
FDDI 

Standards: RFC 1034 (1987)

RFC 1035 (1987)

Das Domain Name System (DNS) ist einer der wichtigsten Dienste im Netzwerk. Seine Hauptaufgabe ist die Beantwortung von Anfragen zur Namensauflösung.

In Analogie zu einer Telefonauskunft soll das DNS bei Anfrage mit einem Hostnamen (dem fĂŒr Menschen merkbaren Namen eines Rechners im Internet) – zum Beispiel www.example.org – als Antwort die zugehörige IP-Adresse (die „Anschlussnummer“ im Internet) – zum Beispiel eine IPv4-Adresse der Form 192.0.2.42 oder eine IPv6-Adresse wie 2001:db8:85a3:8d3:1319:8a2e:370:7347 – nennen.

Inhaltsverzeichnis

Überblick

Das DNS ist ein weltweit auf tausende von Servern verteilter hierarchischer Verzeichnisdienst, der den Namensraum des Internets verwaltet. Dieser Namensraum ist in so genannte Zonen unterteilt, fĂŒr die jeweils unabhĂ€ngige Administratoren zustĂ€ndig sind. FĂŒr lokale Anforderungen – etwa innerhalb eines Firmennetzes â€“ ist es auch möglich, ein vom Internet unabhĂ€ngiges DNS zu betreiben.

HauptsĂ€chlich wird das DNS zur Umsetzung von Domainnamen in IP-Adressen („forward lookup“) benutzt. Dies ist vergleichbar mit einem Telefonbuch, das die Namen der Teilnehmer in ihre Telefonnummer auflöst. Das DNS bietet somit eine Vereinfachung, weil Menschen sich Namen weitaus besser merken können als Zahlenkolonnen. So kann man sich einen Domainnamen wie example.org in der Regel leichter merken als die dazugehörende IP-Adresse 192.0.32.10. Dieser Punkt gewinnt im Zuge der EinfĂŒhrung von IPv6 noch an Bedeutung, denn dann werden einem Namen jeweils IPv4- und IPv6-Adressen zugeordnet. So löst sich beispielsweise der Name www.kame.net in die IPv4-Adresse 203.178.141.194 und die IPv6-Adresse 2001:200:0:8002:203:47ff:fea5:3085 auf.

Ein weiterer Vorteil ist, dass IP-Adressen – etwa von Web-Servern â€“ relativ risikolos geĂ€ndert werden können. Da Internetteilnehmer nur den (unverĂ€nderten) DNS-Namen ansprechen, bleiben ihnen Änderungen der untergeordneten IP-Ebene weitestgehend verborgen. Da einem Namen auch mehrere IP-Adressen zugeordnet werden können, kann sogar eine einfache Lastverteilung per DNS (Load Balancing) realisiert werden.

Mit dem DNS ist auch eine umgekehrte Auflösung von IP-Adressen in Namen („reverse lookup“) möglich. In Analogie zum Telefonbuch entspricht dies einer Suche nach dem Namen eines Teilnehmers zu einer bekannten Rufnummer, was innerhalb der Telekommunikationsbranche unter dem Namen Inverssuche bekannt ist.

Das DNS wurde 1983 von Paul Mockapetris entworfen und in RFC 882 und 883 beschrieben. Beide wurden inzwischen von RFC 1034 und RFC 1035 abgelöst und durch zahlreiche weitere Standards ergĂ€nzt. UrsprĂŒngliche Aufgabe war es, die lokalen hosts-Dateien abzulösen, die bis dahin fĂŒr die Namensauflösung zustĂ€ndig waren und die der enorm zunehmenden Zahl von NeueintrĂ€gen nicht mehr gewachsen waren. Aufgrund der erwiesenermaßen hohen ZuverlĂ€ssigkeit und FlexibilitĂ€t wurden nach und nach weitere DatenbestĂ€nde in das DNS integriert und so den Internetnutzern zur VerfĂŒgung gestellt (siehe unten: Erweiterung des DNS).

DNS zeichnet sich aus durch:

  • dezentrale Verwaltung,
  • hierarchische Strukturierung des Namensraums in Baumform,
  • Eindeutigkeit der Namen,
  • Erweiterbarkeit.

Komponenten des DNS

Domain-Namensraum

schematische Darstellung der DNS-Hierarchie

Der Domain-Namensraum hat eine baumförmige Struktur. Die BlÀtter und Knoten des Baumes werden als Labels bezeichnet. Ein kompletter Domainname eines Objektes besteht aus der Verkettung aller Labels eines Pfades.

Label sind Zeichenketten (alphanumerisch, als einziges Sonderzeichen ist '-' erlaubt), die mindestens ein Zeichen und maximal 63 Zeichen lang sind, mit einem Buchstaben oder einer Zahl beginnen mĂŒssen und nicht mit '-' enden dĂŒrfen (RFC 1035, Abschnitt „2.3.1. Preferred name syntax“). Einzelne Labels werden durch Punkte voneinander getrennt. Ein Domainname wird mit einem Punkt abgeschlossen (der letzte Punkt wird normalerweise weggelassen, gehört rein formal aber zu einem vollstĂ€ndigen Domainnamen dazu). Somit lautet ein korrekter, vollstĂ€ndiger Domainname (auch Fully Qualified Domain-Name (FQDN) genannt) zum Beispiel www.example.com. und darf inklusive aller Punkte maximal 255 Zeichen lang sein.

Ein Domainname wird immer von rechts nach links delegiert und aufgelöst, das heißt je weiter rechts ein Label steht, umso höher steht es im Baum. Der Punkt am rechten Ende eines Domainnamens trennt das Label fĂŒr die erste Hierarchieebene von der Wurzel (engl. root). Diese erste Ebene wird auch als Top-Level-Domain (TLD) bezeichnet. Die DNS-Objekte einer DomĂ€ne (zum Beispiel die Rechnernamen) werden als Satz von Resource Records meist in einer Zonendatei gehalten, die auf einem oder mehreren autoritativen Nameservern vorhanden ist. Anstelle von Zonendatei wird meist der etwas allgemeinere Ausdruck Zone verwendet.

Nameserver

Ein Nameserver ist ein Server, der Namensauflösung anbietet. Namensauflösung ist das Verfahren, das es ermöglicht, Namen von Rechnern bzw. Diensten in eine vom Computer bearbeitbare Adresse aufzulösen (von bspw. www.wikipedia.org in 145.97.39.155).

Die meisten Nameserver sind Teil des Domain Name System, das auch im Internet benutzt wird.

Nameserver sind zum einen Programme, die Anfragen zum Domain-Namensraum beantworten, im Sprachgebrauch werden allerdings auch die Rechner, auf denen diese Programme laufen, als Nameserver bezeichnet. Man unterscheidet zwischen autoritativen und nicht-autoritativen Nameservern.

Ein autoritativer Nameserver ist verantwortlich fĂŒr eine Zone. Seine Informationen ĂŒber diese Zone werden deshalb als gesichert angesehen. FĂŒr jede Zone existiert mindestens ein autoritativer Server, der Primary Nameserver. Dieser wird im SOA Resource Record einer Zonendatei aufgefĂŒhrt. Aus Redundanz- und LastverteilungsgrĂŒnden werden autoritative Nameserver fast immer als Server-Cluster realisiert, wobei die Zonendaten identisch auf einem oder mehreren Secondary Nameservern liegen. Die Synchronisation zwischen Primary und Secondary Nameservern erfolgt per Zonentransfer.

Ein nicht-autoritativer Nameserver bezieht seine Informationen ĂŒber eine Zone von anderen Nameservern sozusagen aus zweiter oder dritter Hand. Seine Informationen werden als nicht gesichert angesehen. Da sich DNS-Daten normalerweise nur sehr selten Ă€ndern, speichern nicht-autoritative Nameserver die einmal von einem Resolver angefragten Informationen im lokalen RAM ab, damit diese bei einer erneuten Anfrage schneller vorliegen. Diese Technik wird als Caching bezeichnet. Jeder dieser EintrĂ€ge besitzt ein eigenes Verfallsdatum (TTL time to live), nach dessen Ablauf der Eintrag aus dem Cache gelöscht wird. Die TTL wird dabei durch einen autoritativen Nameserver fĂŒr diesen Eintrag festgelegt und wird nach der Änderungswahrscheinlichkeit des Eintrages bestimmt (sich hĂ€ufig Ă€ndernde DNS-Daten erhalten eine niedrige TTL). Das kann unter UmstĂ€nden aber auch bedeuten, dass der Nameserver in dieser Zeit falsche Informationen liefern kann, wenn sich die Daten zwischenzeitlich geĂ€ndert haben.

Ein Spezialfall ist der Caching Only Nameserver. In diesem Fall ist der Nameserver fĂŒr keine Zone verantwortlich und muss alle eintreffenden Anfragen ĂŒber weitere Nameserver (Forwarder) auflösen. DafĂŒr stehen verschiedene Strategien zur VerfĂŒgung:

Zusammenarbeit der einzelnen Nameserver

Damit ein nicht-autoritativer Nameserver Informationen ĂŒber andere Teile des Namensraumes finden kann, bedient er sich folgender Strategien:

Delegierung
Teile des Namensraumes einer Domain werden oft an Subdomains mit dann eigens zustĂ€ndigen Nameservern ausgelagert. Ein Nameserver einer DomĂ€ne kennt die zustĂ€ndigen Nameserver fĂŒr diese Subdomains aus seiner Zonendatei und delegiert Anfragen zu diesem untergeordneten Namensraum an einen dieser Nameserver.
Weiterleitung (forwarding)
Falls der angefragte Namensraum außerhalb der eigenen DomĂ€ne liegt, wird die Anfrage an einen fest konfigurierten Nameserver weitergeleitet.
Auflösung ĂŒber die Root-Server
Falls kein Weiterleitungsserver konfiguriert wurde oder dieser nicht antwortet, werden die Root-Server befragt. Dazu werden in Form einer statischen Datei die Namen und IP-Adressen der Root-Server hinterlegt. Es gibt 13 Root-Server (Server A bis M). Die Root-Server beantworten ausschließlich iterative Anfragen. Sie wĂ€ren sonst mit der Anzahl der Anfragen schlicht ĂŒberlastet.

Anders konzipierte Namensauflösungen durch Server, wie der NetWare Name Service oder der Windows Internet Naming Service, sind meistens auf Local Area Networks beschrÀnkt und werden zunehmend von der Internetprotokollfamilie verdrÀngt.

Resolver

schematische Darstellung der rekursiven und iterativen DNS-Abfrage

Resolver sind einfach aufgebaute Software-Module, die auf dem Rechner eines DNS-Teilnehmers installiert sind und die Informationen von Nameservern abrufen können. Sie bilden die Schnittstelle zwischen Anwendung und Nameserver. Der Resolver ĂŒbernimmt die Anfrage einer Anwendung, ergĂ€nzt sie, falls notwendig, zu einem FQDN und ĂŒbermittelt sie an einen normalerweise fest zugeordneten Nameserver. Ein Resolver arbeitet entweder rekursiv oder iterativ.

Im rekursiven Modus schickt der Resolver eine rekursive Anfrage an den ihm zugeordneten Nameserver. Hat dieser die gewĂŒnschte Information nicht im eigenen Datenbestand, so kontaktiert der Nameserver weitere Server, und zwar solange bis er entweder eine positive Antwort oder bis er von einem autoritativen Server eine negative Antwort erhĂ€lt. Rekursiv arbeitende Resolver ĂŒberlassen also die Arbeit zur vollstĂ€ndigen Auflösung ihrem Nameserver.

Bei einer iterativen Anfrage bekommt der Resolver entweder den gewĂŒnschten Resource Record oder einen Verweis auf weitere Nameserver, die er als nĂ€chstes fragt. Der Resolver hangelt sich so von Nameserver zu Nameserver, bis er von einem eine verbindliche Antwort erhĂ€lt.

Die so gewonnene Antwort ĂŒbergibt der Resolver an das Programm, das die Daten angefordert hat, beispielsweise an den Webbrowser. Übliche Resolver von Clients arbeiten ausschließlich rekursiv, sie werden dann auch als Stub-Resolver bezeichnet. Nameserver besitzen in der Regel eigene Resolver. Diese arbeiten gewöhnlich iterativ.

Bekannte Programme zur ÜberprĂŒfung der Namensauflösung sind nslookup, host und dig. Weitere Informationen zur iterativen/rekursiven Namensauflösung finden sich unter rekursive und iterative Namensauflösung.

Protokoll

DNS-Anfragen werden normalerweise per UDP Port 53 zum Namensserver gesendet. Der DNS-Standard fordert aber auch die UnterstĂŒtzung von TCP fĂŒr Fragen, deren Antwort zu groß fĂŒr UDP-Übertragung sind. [1] Falls kein Extended DNS verwendet wird (EDNS), betrĂ€gt die maximal zulĂ€ssige LĂ€nge des DNS-UDP-Pakets 512 Bytes. Überlange Antworten werden daher abgeschnitten ĂŒbertragen. Durch Setzen des Truncated-Flags wird der anfragende Client ĂŒber diesen Sachverhalt informiert. Er muss dann entscheiden, ob ihm die Antwort reicht oder nicht. Gegebenenfalls wird er die Anfrage per TCP Port 53 wiederholen.

Zonentransfers werden stets ĂŒber Port 53 TCP durchgefĂŒhrt. Die Auslösung von Zonentransfers erfolgt aber gewöhnlich per UDP.

Aufbau der DNS-Datenbank

Das Domain Name System kann als verteilte Datenbank mit baumförmiger Struktur aufgefasst werden. Beim Internet-DNS liegen die Daten auf einer Vielzahl von weltweit verstreuten Servern, die untereinander ĂŒber Verweise – in der DNS-Terminologie Delegierungen genannt – verknĂŒpft sind.

In jedem beteiligten Nameserver existieren eine oder mehrere Dateien – die so genannten Zonendateien – die alle relevanten Daten enthalten. Bei diesen Dateien handelt es sich um Listen von Resource Records. Von großer Bedeutung sind sieben Record-Typen:

  • Mit dem SOA Resource Record werden Parameter der Zone, wie z. B. GĂŒltigkeitsdauer oder Seriennummer, festgelegt.
  • Mit dem NS Resource Record werden die VerknĂŒpfungen (Delegierungen) der Server untereinander realisiert.
  • Mit folgenden Record-Typen werden die eigentlichen Daten definiert:
    • Ein A Resource Record weist einem Namen eine IPv4-Adresse zu.
    • Ein AAAA Resource Record weist einem Namen eine IPv6-Adresse zu.
    • Ein CNAME Resource Record verweist von einem Namen auf einen anderen Namen.
    • Ein MX Resource Record weist einem Namen einen Mailserver zu. Er stellt eine Besonderheit dar, da er sich auf einen speziellen Dienst im Internet, nĂ€mlich die E-Mailzustellung mittels SMTP bezieht. Alle anderen Dienste nutzen CNAME, A und AAAA Resource Records fĂŒr die Namensauflösung.
    • Ein PTR Resource Record weist einer IP-Adresse einen Namen zu (Reverse Lookup) und wird fĂŒr IPv4 und IPv6 gleichermaßen benutzt, nur fĂŒr IPv4 unterhalb der Domain „IN-ADDR.ARPA.“ und fĂŒr IPv6 unterhalb von „IP6.ARPA.“.

Im Laufe der Zeit wurden neue Typen definiert, mit denen Erweiterungen des DNS realisiert wurden. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Eine umfassende Liste findet sich unter Resource Record.

Beispiele:

Folgender NS Resource Record ist in der Zonendatei der Domain „org.“ definiert: Die Zonendatei fĂŒr die Domain „wikipedia.org.“ befindet sich auf dem Server „ns0.wikimedia.org.“. Der Punkt am Ende ist wichtig, da dieser klarstellt, dass kein relativer Name gemeint ist, also hinter „org“ nichts mehr zu ergĂ€nzen ist. „IN“ meint, dass der Eintrag die Klasse „Internet“ besitzt und die Zahl davor bedeutet die Time To Live (TTL) in Sekunden, sie besagt, wie lange diese Information in einem Cache zwischengespeichert werden könnte, bevor sie neu erfragt werden sollte. Bei dynamischen IP-Adressen liegt diese Zahl meistens zwischen 20 und 300 Sekunden.

wikipedia   86400  IN  NS   ns0.wikimedia.org.

Folgender CNAME Resource Record in der Zonendatei der Domain „wikipedia.org.“ definiert: Der Name „de.wikipedia.org.“ verweist auf den Namen „rr.wikimedia.org.“.

de          3600   IN  CNAME   rr.wikimedia.org.

Folgende Resource Records in der Zonendatei der Domain „wikimedia.org.“ definieren: Der Name „rr.wikimedia.org.“ verweist auf den Namen „rr.esams.wikimedia.org.“ und diesem wiederum ist die IPv4-Adresse 91.198.174.2 zugewiesen.

rr          600    IN  CNAME   rr.esams
rr.esams    3600   IN  A       91.198.174.2

Letztlich mĂŒssen also alle Rechner, die sich mit „de.wikipedia.org.“ verbinden möchten, IPv4-Pakete an die IP-Adresse 91.198.174.2 senden.

Auflösung eines DNS-Requests

Die Namensauflösung als Flussdiagramm

Angenommen, ein Rechner X will eine Verbindung zu „de.wikipedia.org.“ (Rechner Y) aufbauen. Dazu braucht er dessen IP-Adresse. In den folgenden Schritten wird beschrieben, wie dies ablaufen könnte. Falls der Rechner X IPv6-fĂ€hig ist, lĂ€uft der Vorgang zunĂ€chst fĂŒr IPv6 (Abfrage von AAAA Resource Record) und sofort danach fĂŒr IPv4 (Abfrage von A Resource Record) ab. Dabei kann eine Anfrage nach einer IPv6-Adresse mittels IPv4-Übertragung an einen IPv4-DNS-Server gerichtet werden. Falls am Ende eine IPv6- und eine IPv4-Adresse fĂŒr Rechner Y ermittelt werden, wird in der Regel laut der Default Policy Table in RFC 3484 die Kommunikation zwischen X und Y ĂŒber IPv6 bevorzugt[2], es sei denn im Betriebssystem oder in den benutzten Anwendungen, wie zum Beispiel dem Webbrowser, wurde dieses Verhalten anders eingestellt.

  1. Der Rechner X sucht in seiner Hosts-Datei, ob die IP-Adresse fĂŒr „de.wikipedia.org“ dort hinterlegt ist. Falls dem nicht so ist, fragt er beim DNS-Server nach. Dieser ist entweder fest eingetragen oder wurde per DHCP bzw. DHCPv6 automatisch zugewiesen und hat die Form nameserver 192.0.2.23 oder nameserver 2001:db8::23:cafe:affe:42.
  2. Hat der DNS-Server von Rechner X eine IP-Adresse fĂŒr den angefragten Namen zwischengespeichert, antwortet er damit und die Anfrage kommt zum Ende (siehe letzter Punkt). Andernfalls fragt er einen der 13 Root-Nameserver nach „de.wikipedia.org.“.
  3. Der Root-Nameserver findet heraus, dass die Auflösung dieses Namens in der „org.“-Zone weitergeht und sendet die Namen und die IP-Adressen der „org.“-Nameserver (NS Resource Records und deren AAAA bzw. A Resource Records) zum DNS-Server von Rechner X.
  4. Nun fragt der DNS-Server von Rechner X einen der Nameserver fĂŒr „org.“-Domains nach „de.wikipedia.org.“.
  5. Der „org.“-Nameserver sendet ihm die Namen der Nameserver (und deren IP-Adressen, sofern sie zur selben Top-Level-Domain gehören) fĂŒr die Zone „wikipedia.org.“.
  6. Anschließend fragt der DNS-Server von Rechner X einen „wikipedia.org.“-Nameserver wie die IP-Adresse des Namens "de.wikipedia.org." ist.
  7. Mit dieser Adresse wird an den DNS-Server von Rechner X geantwortet und der â€Š
  8. 
 sendet sie an den Rechner X, welcher nun zum Beispiel seine HTTP-Anfragen an die IP-Adresse von „de.wikipedia.org.“ senden kann.

Beispiel Namensauflösung

Im folgenden, kommentierten Beispiel wird zum Namen „www.heise.de.“ die IPv4-Adresse mit Hilfe des Resolver-Tools dig bestimmt. „+trace“ bedeutet, dass die einzelnen Antworten auf iterative Anfragen an die Nameserver-Hierarchie angegeben werden, „+additional“ sorgt dafĂŒr, dass zusĂ€tzlich dargestellt wird, dass die Nameserver fĂŒr Delegierungen nicht nur NS Resource Records verwalten, sondern teilweise auch deren IP-Adressen in Form von A oder AAAA Resource Records kennen und mit ausliefern, „-t A“ schließlich verlangt nach dem A Resource Record, also der IPv4-Adresse. Es zeigt sich, dass nacheinander vier Nameserver befragt werden mĂŒssen, um zur Antwort zu gelangen:

$ dig +trace +additional -t A www.heise.de.
; <<>> DiG 9.5.1-P3 <<>> +trace +additional -t A www.heise.de.
;; global options:  printcmd
.                       6086    IN      NS      B.ROOT-SERVERS.NET.
.                       6086    IN      NS      D.ROOT-SERVERS.NET.
.                       6086    IN      NS      J.ROOT-SERVERS.NET.
.                       6086    IN      NS      G.ROOT-SERVERS.NET.
.                       6086    IN      NS      K.ROOT-SERVERS.NET.
.                       6086    IN      NS      C.ROOT-SERVERS.NET.
.                       6086    IN      NS      M.ROOT-SERVERS.NET.
.                       6086    IN      NS      I.ROOT-SERVERS.NET.
.                       6086    IN      NS      H.ROOT-SERVERS.NET.
.                       6086    IN      NS      E.ROOT-SERVERS.NET.
.                       6086    IN      NS      F.ROOT-SERVERS.NET.
.                       6086    IN      NS      A.ROOT-SERVERS.NET.
.                       6086    IN      NS      L.ROOT-SERVERS.NET.
D.ROOT-SERVERS.NET.     6644    IN      A       128.8.10.90
J.ROOT-SERVERS.NET.     10421   IN      A       192.58.128.30
J.ROOT-SERVERS.NET.     1289    IN      AAAA    2001:503:c27::2:30
G.ROOT-SERVERS.NET.     10940   IN      A       192.112.36.4
K.ROOT-SERVERS.NET.     4208    IN      A       193.0.14.129
K.ROOT-SERVERS.NET.     7277    IN      AAAA    2001:7fd::1
C.ROOT-SERVERS.NET.     6126    IN      A       192.33.4.12
M.ROOT-SERVERS.NET.     3274    IN      A       202.12.27.33
M.ROOT-SERVERS.NET.     7183    IN      AAAA    2001:dc3::35
I.ROOT-SERVERS.NET.     9788    IN      A       192.36.148.17
H.ROOT-SERVERS.NET.     10421   IN      A       128.63.2.53
H.ROOT-SERVERS.NET.     13739   IN      AAAA    2001:500:1::803f:235
E.ROOT-SERVERS.NET.     11125   IN      A       192.203.230.10
F.ROOT-SERVERS.NET.     9973    IN      A       192.5.5.241
;; Received 500 bytes from 192.168.2.1#53(192.168.2.1) in 50 ms

192.168.2.1 (siehe letzte Zeile) ist der eingetragene Nameserver des abfragenden Rechners, welcher auf die Root-Nameserver verweist, die die TLD-Zone (Zone, die die Nameserver fĂŒr .org, .de, .com, 
 enthĂ€lt) verwalten und alle weiter via IPv4 befragt werden können, einige zusĂ€tzlich auch mittels IPv6. Die Root-Nameserver verwalten die Wurzel der Namensauflösung, dargestellt durch einen Punkt. Die IP-Adressen der Root-Nameserver Ă€ndern sich sehr selten und mĂŒssen allen Nameservern bekannt sein, sofern sie das Internet betreffende Anfragen beantworten. (Diese IP-Adressen können beispielsweise in einer als "Root Hints" bezeichneten Textdatei mitgeliefert werden.)

de.                     172800  IN      NS      F.NIC.de.
de.                     172800  IN      NS      L.DE.NET.
de.                     172800  IN      NS      S.DE.NET.
de.                     172800  IN      NS      Z.NIC.de.
de.                     172800  IN      NS      A.NIC.de.
de.                     172800  IN      NS      C.DE.NET.
A.NIC.de.               172800  IN      A       194.0.0.53
C.DE.NET.               172800  IN      A       208.48.81.43
F.NIC.de.               172800  IN      A       81.91.164.5
F.NIC.de.               172800  IN      AAAA    2001:608:6:6::10
L.DE.NET.               172800  IN      A       89.213.253.189
S.DE.NET.               172800  IN      A       195.243.137.26
Z.NIC.de.               172800  IN      A       194.246.96.1
Z.NIC.de.               172800  IN      AAAA    2001:628:453:4905::53
;; Received 288 bytes from 192.36.148.17#53(I.ROOT-SERVERS.NET) in 58 ms

Aus den 13 genannten Root-Nameservern wurde zufĂ€llig „I.ROOT-SERVERS.NET.“ ausgewĂ€hlt, um ihm die Frage nach „www.heise.de.“ zu stellen. Er antwortete mit sechs Nameservern zur Auswahl, die fĂŒr die Zone „de.“ verantwortlich sind. Auch hier ist bei zwei Servern die Abfrage mittels IPv6 möglich.

heise.de.               86400   IN      NS      ns.plusline.de.
heise.de.               86400   IN      NS      ns.heise.de.
heise.de.               86400   IN      NS      ns2.pop-hannover.net.
heise.de.               86400   IN      NS      ns.pop-hannover.de.
heise.de.               86400   IN      NS      ns.s.plusline.de.
ns.s.plusline.de.       86400   IN      A       212.19.40.14
ns.heise.de.            86400   IN      A       193.99.145.37
ns.plusline.de.         86400   IN      A       212.19.48.14
ns.pop-hannover.de.     86400   IN      A       193.98.1.200
;; Received 220 bytes from 81.91.164.5#53(F.NIC.de) in 52 ms

Aus den sechs genannten Nameservern wurde zufĂ€llig „F.NIC.de.“ ausgewĂ€hlt, um NĂ€heres ĂŒber „www.heise.de.“ zu erfahren. Er beantwortet die Anfrage mit fĂŒnf möglichen Delegierungen. Unter anderem mit einer Delegierung auf den Server „ns.heise.de.“. Diese Information wĂŒrde ohne den dazugehörigen A Resource Record, auf 193.99.145.37 zeigend, auf demselben Server nichts helfen, denn der Name liegt in der Zone „heise.de.“, die er selbst verwaltet. Man spricht bei dieser Art von Information auch von Glue Records (von engl. glue, kleben). Sollte der Server „ns2.pop-hannover.net.“ fĂŒr den nĂ€chsten Schritt ausgewĂ€hlt werden, so wĂ€re in einer gesonderten Namensauflösung zunĂ€chst dessen IP-Adresse zu bestimmen, da diese hier nicht mitgesendet wurde.

www.heise.de.           86400   IN      A       193.99.144.85
heise.de.               86400   IN      NS      ns.pop-hannover.de.
heise.de.               86400   IN      NS      ns.plusline.de.
heise.de.               86400   IN      NS      ns2.pop-hannover.net.
heise.de.               86400   IN      NS      ns.s.plusline.de.
heise.de.               86400   IN      NS      ns.heise.de.
ns.heise.de.            86400   IN      A       193.99.145.37
ns.pop-hannover.de.     10800   IN      A       193.98.1.200
ns2.pop-hannover.net.   86400   IN      A       62.48.67.66
;; Received 220 bytes from 193.98.1.200#53(ns.pop-hannover.de) in 4457 ms

Aus den fĂŒnf genannten Nameservern wurde zufĂ€llig „ns.pop-hannover.de.“ herangezogen, um die Frage nach „www.heise.de.“ zu beantworten. Die Antwort lautet 193.99.144.85. Damit ist die Anfrage am Ziel angelangt. Es werden auch wieder dieselben Nameserver als verantwortlich fĂŒr „heise.de.“ genannt, ohne also auf andere Nameserver zu verweisen.

Beispiel Reverse Lookup

FĂŒr den Reverse Lookup, also das Auffinden eines Namens zu einer IP-Adresse, wandelt man die IP-Adresse zunĂ€chst formal in einen Namen um, fĂŒr den man dann das DNS nach einem PTR Resource Record befragt. Da die Hierarchie bei IP-Adressen von links nach rechts spezieller wird (siehe Subnetz), beim DNS aber von rechts nach links, dreht man beim ersten Schritt die Reihenfolge der Zahlen um und aus der IPv4-Adresse 193.99.144.85 wird z. B. der Name „85.144.99.193.in-addr.arpa.“ sowie aus der IPv6-Adresse 2a02:2e0:3fe:100::6 der Name „6.0.0.0.0.0.0.0.0.0.0.0.0.0.0.0.0.0.1.0.e.f.3.0.0.e.2.0.2.0.a.2.ip6.arpa.“ erzeugt. (Dieser Name ist lang, da die implizit enthaltenen Nullen nun wieder explizit genannt werden mĂŒssen.)

Der PTR Resource Record fĂŒr die so umgeformte IPv4-Adresse lĂ€sst sich analog zum vorigen Beispiel bestimmen:

$ dig +trace +additional -t PTR 85.144.99.193.in-addr.arpa.
; <<>> DiG 9.5.1-P3 <<>> +trace +additional -t ptr 85.144.99.193.in-addr.arpa.
;; global options:  printcmd
.                       2643    IN      NS      M.ROOT-SERVERS.NET.
.                       2643    IN      NS      A.ROOT-SERVERS.NET.
.                       2643    IN      NS      B.ROOT-SERVERS.NET.
.                       2643    IN      NS      C.ROOT-SERVERS.NET.
.                       2643    IN      NS      D.ROOT-SERVERS.NET.
.                       2643    IN      NS      E.ROOT-SERVERS.NET.
.                       2643    IN      NS      F.ROOT-SERVERS.NET.
.                       2643    IN      NS      G.ROOT-SERVERS.NET.
.                       2643    IN      NS      H.ROOT-SERVERS.NET.
.                       2643    IN      NS      I.ROOT-SERVERS.NET.
.                       2643    IN      NS      J.ROOT-SERVERS.NET.
.                       2643    IN      NS      K.ROOT-SERVERS.NET.
.                       2643    IN      NS      L.ROOT-SERVERS.NET.
A.ROOT-SERVERS.NET.     10978   IN      A       198.41.0.4
A.ROOT-SERVERS.NET.     2470    IN      AAAA    2001:503:ba3e::2:30
C.ROOT-SERVERS.NET.     387     IN      A       192.33.4.12
D.ROOT-SERVERS.NET.     2747    IN      A       128.8.10.90
E.ROOT-SERVERS.NET.     7183    IN      A       192.203.230.10
F.ROOT-SERVERS.NET.     14225   IN      AAAA    2001:500:2f::f
H.ROOT-SERVERS.NET.     7950    IN      A       128.63.2.53
H.ROOT-SERVERS.NET.     13245   IN      AAAA    2001:500:1::803f:235
I.ROOT-SERVERS.NET.     6172    IN      A       192.36.148.17
J.ROOT-SERVERS.NET.     7168    IN      A       192.58.128.30
J.ROOT-SERVERS.NET.     13860   IN      AAAA    2001:503:c27::2:30
K.ROOT-SERVERS.NET.     3541    IN      A       193.0.14.129
K.ROOT-SERVERS.NET.     9369    IN      AAAA    2001:7fd::1
L.ROOT-SERVERS.NET.     3523    IN      A       199.7.83.42
;; Received 512 bytes from 192.168.2.1#53(192.168.2.1) in 50 ms
193.in-addr.arpa.       86400   IN      NS      ns3.nic.fr.
193.in-addr.arpa.       86400   IN      NS      sec1.apnic.net.
193.in-addr.arpa.       86400   IN      NS      sec3.apnic.net.
193.in-addr.arpa.       86400   IN      NS      sunic.sunet.se.
193.in-addr.arpa.       86400   IN      NS      ns-pri.ripe.net.
193.in-addr.arpa.       86400   IN      NS      sns-pb.isc.org.
193.in-addr.arpa.       86400   IN      NS      tinnie.arin.net.
;; Received 239 bytes from 199.7.83.42#53(L.ROOT-SERVERS.NET) in 170 ms
99.193.in-addr.arpa.    172800  IN      NS      auth50.ns.de.uu.net.
99.193.in-addr.arpa.    172800  IN      NS      ns.ripe.net.
99.193.in-addr.arpa.    172800  IN      NS      auth00.ns.de.uu.net.
;; Received 120 bytes from 202.12.28.140#53(sec3.apnic.net) in 339 ms
144.99.193.in-addr.arpa. 86400  IN      NS      ns.heise.de.
144.99.193.in-addr.arpa. 86400  IN      NS      ns.s.plusline.de.
144.99.193.in-addr.arpa. 86400  IN      NS      ns.plusline.de.
;; Received 114 bytes from 194.128.171.99#53(auth50.ns.de.uu.net) in 2456 ms
85.144.99.193.in-addr.arpa. 86400 IN    PTR     www.heise.de.
144.99.193.in-addr.arpa. 86400  IN      NS      ns.heise.de.
144.99.193.in-addr.arpa. 86400  IN      NS      ns.s.plusline.de.
144.99.193.in-addr.arpa. 86400  IN      NS      ns.plusline.de.
ns.heise.de.            86400   IN      A       193.99.145.37
;; Received 148 bytes from 193.99.145.37#53(ns.heise.de) in 4482 ms

Die Antwort lautet also „www.heise.de.“. Es ist jedoch weder notwendig, dass jeder IP-Adresse ein Name zugeordnet ist, noch mĂŒssen Hin- und RĂŒckauflösung einander entsprechen. Die Auflösung beginnt wieder mit dem Verweis auf die Root-Nameserver und die Delegierungen finden offensichtlich an den durch Punkte markierten Grenzen zwischen den Zahlen statt. Man sieht in dem Beispiel jedoch auch, dass nicht an jedem Punkt in einem Namen delegiert werden muss.

Erweiterung des DNS

Da sich das DNS als zuverlĂ€ssig und flexibel erwiesen hat, wurden im Laufe der Jahre mehrere grĂ¶ĂŸere Erweiterungen eingefĂŒhrt. Ein Ende dieses Trends ist nicht absehbar.

Dynamisches DNS

Im klassischen DNS ist es aufwendig, einem Namen eine neue IP-Adresse zuzuordnen. Das zugehörige Zonenfile muss (meist manuell) geĂ€ndert und der Nameserver neu geladen werden. Zeitliche Verzögerungen bis hin zu mehreren Tagen sind ĂŒblich. Mit Dynamischem DNS sind Änderungen durch Senden eines entsprechenden DNS-Requests ohne Zeitverzug möglich.

Das Dynamische DNS gilt als Sicherheitsrisiko, da ohne spezielle Vorkehrungen jedermann DNS-EintrÀge löschen oder verÀndern kann. In Zusammenhang mit DHCP ist Dynamisches DNS nahezu zwingend erforderlich, da einem User hÀufig neue IP-Adressen zugewiesen werden. Der DHCP-Server sendet dazu bei jeder AdressÀnderung eine entsprechende Mitteilung an den Nameserver.

Internationalisierung

Bisher waren die Label – wie beschrieben â€“ auf alphanumerische Zeichen und das Zeichen ‚-‘ eingeschrĂ€nkt. Dies hĂ€ngt vor allem damit zusammen, dass das DNS (wie auch das Internet ursprĂŒnglich) in den USA entwickelt wurde. Damit waren in vielen LĂ€ndern gebrĂ€uchliche Schriftzeichen (im deutschen Sprachraum zum Beispiel die Umlaute Ă€, ö, ĂŒ und ß) oder Zeichen aus komplett anderen Schriftsystemen (zum Beispiel Chinesisch) ursprĂŒnglich nicht DNS-fĂ€hig.

Ein mittlerweile etablierter Ansatz zur VergrĂ¶ĂŸerung des Zeichenvorrats ist die 2003 in RFC 3490 beschriebene Internationalisierung von Domain-Namen IDNA. Um das neue System mit dem bisherigen kompatibel zu halten, werden die erweiterten ZeichensĂ€tze mit zulĂ€ssigen Zeichen kodiert, also auf derzeit gĂŒltige Namen abgebildet. Die erweiterten ZeichensĂ€tze werden dabei zunĂ€chst gemĂ€ĂŸ dem Nameprep-Algorithmus (RFC 3491) normalisiert und anschließend per Punycode (RFC 3492) auf den fĂŒr DNS verwendbaren Zeichensatz abgebildet. IDNA erfordert eine Anpassung der Netzwerkanwendungen (z. B. Web-Browser), die Nameserver-Infrastruktur (Server, Resolver) braucht jedoch nicht verĂ€ndert zu werden. Im deutschsprachigen Raum können seit MĂ€rz 2004 deutsche, liechtensteinische, österreichische und schweizerische Domains (.de, .li, .at und .ch) mit Umlauten registriert und verwendet werden. Auch bei einigen anderen Top-Level-Domains, insbesondere im asiatischen Raum, ist die Verwendung von IDNA möglich.

Extended DNS

1999 beschrieb Paul Vixie im RFC 2671 einige kleinere, abwĂ€rtskompatible Erweiterungen am Domain Name System, die als EDNS Version 0 bezeichnet werden. Durch Einsatz eines Pseudo-Records als Header-Erweiterung kann der Anfragende zusĂ€tzliche Optionen setzen. Insbesondere kann er ĂŒbermitteln, dass er UDP-Antworten grĂ¶ĂŸer als 512 Bytes entgegennehmen kann. DNSSEC-fĂ€hige Server und Resolver mĂŒssen EDNS beherrschen.

Verwaltung von Telefonnummern

Eine weitere aktuelle Erweiterung des DNS stellt ENUM (RFC 2916) dar. Diese Anwendung ermöglicht die Adressierung von Internet-Diensten ĂŒber Telefonnummern, also das „AnwĂ€hlen“ von per Internet erreichbaren GerĂ€ten mit dem aus dem Telefonnetz bekannten Nummerierungsschema. Aus dem breiten Spektrum der Einsatzmöglichkeiten bietet sich insbesondere die Verwendung fĂŒr Voice over IP Services an.

RFID-UnterstĂŒtzung

Mit der Radio Frequency Identification können auf speziellen RFID-Etiketten abgelegte IDs – so genannte elektronische Produktcodes oder EPCs – berĂŒhrungslos gelesen werden. Das DNS kann dazu verwendet werden, zu einer ID den Server zu ermitteln, der Daten ĂŒber das zugehörige Objekt enthĂ€lt. Der Object Naming Service ONS wandelt dazu den EPC in einen DNS-Namen um und erfragt per Standard-DNS einen oder mehrere Naming Authority Pointer NAPTR.

Spam-Abwehr

Zur Filterung von Spam-Mails ĂŒberprĂŒfen viele Mailserver routinemĂ€ĂŸig mit Hilfe des DNS den Reverse-Lookups des sendenden Mailservers (reverse Lookup). Dieser muß nicht nur auch vorwĂ€rts wieder korrekt auflösen und auf die IP-Adresse des sendenden Systems zeigen (Forward-confirmed reverse DNS), sondern muß auch dem im SMTP-Protokoll genannten HELO-Hostnamen des sendenden Systems entsprechen.

Mittels Sender Policy Framework wird versucht, den Versand von gefĂ€lschten Absendern durch Dritte möglichst zu unterbinden. Zu jeder Mail-Domain wird dabei ĂŒber einen speziellen SPF Resource Record explizit aufgelistet, von welchen Servern und IP-Netzen mit E-Mails dieser Domain zu rechnen ist. SPF steht jedoch wegen zahlreicher technischer Schwierigkeiten, beispielsweise bei Weiterleitungen, in der Kritik.

Auch der Anti-Spam-Mechanismus DomainKeys (DKIM) greift auf EintrĂ€ge im DNS zurĂŒck, indem sendende Mailserver in DNS-TXT-Records ihren Public-Key veröffentlichen, mit denen sie ausgehende E-Mails signieren.

Sonstiges

Neben den IP-Adressen können DNS-Namen auch ISDN-Nummern, X.25-Adressen, ATM-Adressen, öffentliche SchlĂŒssel, Text-Zeilen usw. zugeordnet werden. In der Praxis sind derartige AnwendungsfĂ€lle aber die Ausnahme.

DNS im lokalen Netz

DNS ist nicht auf das Internet beschrĂ€nkt. Es ist ohne weiteres möglich und mit der Definition vertrĂ€glich, fĂŒr die Auflösung lokaler Namen eigene Zonen im Nameserver einzurichten und dort die entsprechenden Adressen einzutragen. Der einmalige Aufwand zur Installation lohnt sich auch bei relativ kleinen Netzen, da dann alle Adressen im Netz zentral verwaltet werden können.

Bei grĂ¶ĂŸeren Firmen oder Organisationen ist hĂ€ufig ein aus lokalem und Internet-DNS bestehendes Mischsystem (Split-DNS) anzutreffen. Die internen Nutzer greifen auf das lokale und die externen auf das Internet-DNS zu. In der Praxis können dadurch sehr komplizierte Konstellationen entstehen.

Der DNS-Server BIND kann auch mit DHCP zusammenarbeiten und damit fĂŒr jeden Client im Netz eine Namensauflösung ermöglichen.

Unter Windows gibt es noch einen anderen Dienst zur Namensauflösung – WINS, der eine Ă€hnliche Funktion zur VerfĂŒgung stellt, allerdings ein anderes Protokoll verwendet.

DNS-Serververbund

Es ist möglich, mehrere DNS-Server zu verbinden. Die als Master bezeichneten Server sind fĂŒr eine oder mehrere Domains verantwortlich. Die Slaves aktualisieren nach einer Änderung selbst die Daten, der Master verteilt diese Daten nicht automatisiert. Die Abholung der Daten wird ĂŒber einen Zonentransfer realisiert. Z.B. kann eine Firma mit mehreren Standorten an einem Platz einen Master fĂŒr ihr internes DNS betreiben, der die Server in den Außenstellen versorgt. Der Zonentransfer geht bei BIND ĂŒber TCP (per Default Port 53) und erfordert empfohlenerweise Authentifizierung. Die Slaves aktualisieren sich, wenn sich die Seriennummer fĂŒr eine Zonendatei Ă€ndert oder sie eine entsprechende Nachricht vom Master erhalten. Die Freigabe fĂŒr den Transferport sollte man per Firewall an die IP-Adresse des Masters binden. Bei anderen Softwarepaketen werden die Daten unter UmstĂ€nden auf anderen Wegen abgeglichen, beispielsweise durch LDAP-Replikation, rsync, oder noch andere Mechanismen.

DNS-Sicherheit

Das DNS ist ein zentraler Bestandteil einer vernetzten IT-Infrastruktur. Eine Störung kann erhebliche Kosten nach sich ziehen und eine VerfĂ€lschung von DNS-Daten Ausgangspunkt von Angriffen sein. Mehr als zehn Jahre nach der ursprĂŒnglichen Spezifikation wurde DNS um Security-Funktionen ergĂ€nzt. Folgende Verfahren sind verfĂŒgbar:

  • Bei TSIG (Transaction Signatures) handelt es sich um ein einfaches, auf symmetrischen SchlĂŒsseln beruhendes Verfahren, mit dem der Datenverkehr zwischen DNS-Servern und Updates von Clients gesichert werden kann.
  • Bei DNSSEC (DNS Security) wird von einem asymmetrischen Kryptosystem Gebrauch gemacht, mit dem nahezu alle DNS-Sicherheitsanforderungen erfĂŒllt werden können. Neben der Server-Server-Kommunikation kann auch die Client-Server-Kommunikation gesichert werden.

Angriffsformen

Hauptziel von DNS-Angriffen ist es, durch Manipulation DNS-Teilnehmer auf falsche Webseiten zu lenken, um anschließend Passwörter, PINs, Kreditkartennummern usw. zu erhalten. In seltenen FĂ€llen wird versucht, den Internet-DNS durch Denial-of-Service-Attacken komplett auszuschalten und so das Internet lahmzulegen. Außerdem kann das DNS dazu verwendet werden, gezielte Angriffe auf Einzelpersonen oder Unternehmen zu intensivieren.

DDOS-Angriff auf Nameserver

Bei einer Distributed-Denial-of-Service-Attacke werden Nameserver durch einen hohen Datenstrom von DNS-Anfragen ĂŒberlastet, so dass legitime Anfragen nicht mehr beantwortet werden können. Gegen DDOS-Angriffe auf Nameserver gibt es zur Zeit keine Abwehrmöglichkeit. Als vorbeugende Maßnahme kann lediglich versucht werden, die Nameserver entsprechend zu dimensionieren bzw. ein verteiltes Netz mit möglichst vielen Servern zu installieren. Solch eine Attacke ist jedoch aufwĂ€ndig, denn man muss mindestens eine so leistungsschnelle Leitung besitzen wie der Server selbst, was also schwer realisierbar ist. Botnetze und dergleichen werden bei solchen Attacken hĂ€ufig eingesetzt.

DNS-Amplification-Angriff

Der DNS Amplification Attack ist ein Denial-of-Service-Angriff, bei dem nicht der DNS selbst das eigentliche Angriffsziel ist, sondern ein unbeteiligter Dritter. Ausgenutzt wird, dass DNS-Server in manchen FĂ€llen auf kurze Anfragen sehr lange Antworten zurĂŒcksenden. Diese werden auf die IP-Adresse des Opfers gelenkt. Ein Angreifer kann damit den von ihm ausgehenden Datenstrom substantiell verstĂ€rken und so den Internet-Zugang seines Angriffziels stören.

DNS-Spoofing

Beim DNS-Spoofing wird einem anfragenden Client eine Antwort mit einer falschen Absender-IP-Adresse untergeschoben, so dass dieser auf eine falsche Web-Seite gelenkt wird.

Cache Poisoning

Beim Cache Poisoning werden einem anfragenden Client zusĂ€tzlich zur korrekten Antwort manipulierte Daten ĂŒbermittelt, die dieser in seinen Cache ĂŒbernimmt und spĂ€ter, möglicherweise ungeprĂŒft, verwendet.

Offener DNS-Server

Wer einen autoritativen DNS-Server fĂŒr seine eigenen Domains betreibt, muss natĂŒrlich fĂŒr Anfragen von beliebigen IP-Adressen offen sein. Um zu verhindern, dass Internetteilnehmer diesen Server als allgemeinen Nameserver verwenden (z. B. fĂŒr Angriffe auf Root-Server), erlaubt BIND es, die Antworten auf die eigenen Domains einzuschrĂ€nken. Z. B. bewirkt die Option allow-recursion {127.0.0.1; 172.16.1.4;}; , dass rekursive Anfragen, d. h. Anfragen auf andere Domains, ausschließlich fĂŒr den lokalen Host (localhost) sowie 172.16.1.4 beantwortet werden. Alle anderen IP-Adressen bekommen nur auf Anfragen auf eigene Domains eine Antwort.

Eine zusĂ€tzliche Sicherheitsmaßnahme ist es, fĂŒr Input von außen nur UDP zuzulassen. ICCP DP kann zusĂ€tzlich zugelassen werden. Dies variiert jedoch je nach Proxy-Eigenschaften.

Ein offener DNS-Server kann auch eine Falle sein, wenn er gefĂ€lschte IP-Adressen zurĂŒckgibt, siehe Pharming.

Spamabwehr

Bei Schwarzen Listen (auch 'RBL'; AbkĂŒrzung fĂŒr engl. Realtime Blackhole Lists) z. B. gegen Spammer, wird DNS angewendet, um abzufragen, ob ein Domainname oder eine IP-Adresse gelistet ist: Der Client schickt eine DNS-Anfrage an den Rbl-Server. Dieser antwortet mit '127.0.0.1', wenn die Adresse nicht gelistet ist, sonst mit '127.0.0.x', x>1. Der Wert von 'x' kann noch zusĂ€tzliche Informationen ĂŒber die gelistete Adresse enthalten. Da der Bereich 127.0.0.0/8 fĂŒr Localhost reserviert ist, sind Missdeutungen nicht möglich.

Domain-Registrierung

Um DNS-Namen im Internet bekannt machen zu können, muss der Besitzer die Domain, die diesen Namen enthĂ€lt, registrieren. Durch eine Registrierung wird sichergestellt, dass bestimmte formale Regeln eingehalten werden und dass Domain-Namen weltweit eindeutig sind. Domain-Registrierungen werden von Organisationen (Registrars) vorgenommen, die dazu von der IANA bzw. ICANN autorisiert wurden. Registrierungen sind (von wenigen Ausnahmen abgesehen) gebĂŒhrenpflichtig. FĂŒr Domains unter .de ist die DENIC zustĂ€ndig.

Detaillierte Informationen finden sich unter Domain-Registrierung.

Bonjour bzw. Zeroconf

Apple hat bei der Entwicklung von Mac OS X mehrere Erweiterungen am DNS vorgenommen, welche die umfassende Selbstkonfiguration von Diensten in LANs ermöglichen soll. Zum einen wurde Multicast DNS („mDNS“) eingefĂŒhrt, das die Namensauflösungen in einem LAN ohne einen dedizierten Namensserver erlaubt. ZusĂ€tzlich wurde noch DNS-SD (fĂŒr „DNS Service Discovery“) eingefĂŒhrt, die die Suche („Browsing“) nach Netzwerkdiensten in das DNS beziehungsweise mDNS ermöglicht. mDNS und DNS-SD sind bisher keine offiziellen RFCs des IETF, sind aber trotzdem bereits in verschiedenen (auch freien) Implementationen verfĂŒgbar. Zusammen mit einer Reihe von anderen Techniken fasst Apple DNS-SD und mDNS unter dem Namen „Zeroconf“ zusammen, als Bestandteil von Mac OS X auch als „Rendezvous“ bzw. „Bonjour“.

Nameserversoftware

Auswahl bekannter Software fĂŒr Namensauflösung.

  • BIND (Berkeley Internet Name Domain) ist der Ur-Nameserver und heute noch die meistgebrauchte Nameserversoftware, nicht zuletzt da er die Referenzimplementation der meisten RFCs zu DNS darstellt. BIND ist quelloffene Software.
  • djbdns gilt als sehr sicher und erfreut sich steigender Beliebtheit, wird aber von Daniel J. Bernstein nicht mehr weiterentwickelt, weil er es als fertig ansieht.
  • Dnsmasq ist ein einfacher DNS- und DHCP-Server fĂŒr kleine Netze. Es werden die Namen aus dem lokalen Netz entsprechend /etc/hosts aufgelöst. Unbekannte Namensanfragen werden weitergeleitet und im Cache gespeichert.
  • MaraDNS ist ein Nameserver, bei dem die Entwickler besonderen Wert auf Sicherheit legen.
  • Microsoft Windows DNS ist ein in Windows-Servern enthaltener DNS-Server, der dynamische Updates, Zonentransfer und Notification unterstĂŒtzt. Zonendaten können in den aktuellen Versionen im Active Directory oder in Zonendateien gespeichert und repliziert werden.
  • MyDNS ist eine weitere quelloffene Software, die insbesondere auf MySQL- und PostgreSQL-Datenbanken spezialisiert ist.
  • NSD (Name Server Daemon) ist optimiert fĂŒr Server die ausschließlich autoritative Antworten besonders schnell liefern sollen.
  • PowerDNS war eine kostenpflichtige Implementierung, die inzwischen unter der GPL erhĂ€ltlich ist und vor allem fĂŒr das direkte Betreiben von Zonen aus SQL-Datenbanken und LDAP-Verzeichnissen bekannt ist.
  • UltraDNS ist ein kommerzieller managed DNS Service von NeuStar Ultra Services. Diese Firma bietet auch ein DNSshield an, das DNS in einer Alliance mit verschiedenen ISPs absichert und ist damit spezialisiert auf DNS großer Webseiten. Auch ein Teil der Root-Level-DNS ist hier gesichert. Das Internet Systems Consortium (ISC) sichert den F-Root Server hier ab.
  • Unbound ist ein quelloffener validierender und cachender DNS-Resolver, der speziell im Hinblick auf Resolver-Performance optimiert ist.
  • Xyria:DNSd ist ein performance-optimierter DNS-Server, der etwa doppelt so schnell ist wie BIND. Xyria:DNSd ist derzeit noch recht minimalistisch und unterstĂŒtzt keine Zonetransfers (außer etwa via SSH), dafĂŒr ist er aber extrem sicher und stabil.

Weblinks

  • RFCs
    • RFC 1034 – Domain Names – Concepts and Facilities
    • RFC 1035 – Domain Names – Implementation and Specification
    • RFC 2782 – A DNS RR for specifying the location of services (DNS SRV)

Einzelnachweise

  1. ↑ Ray Bellis: RFC 5966 – DNS Transport over TCP - Implementation Requirements. Internet Engineering Task Force (IETF). Abgerufen am 1. Dezember 2011. â€žThis document therefore updates the core DNS protocol specifications such that support for TCP is henceforth a REQUIRED part of a full DNS protocol implementation. (...) it should be noted that failure to support TCP (or blocking of DNS over TCP at the network layer) may result in resolution failure and/or application-level timeouts.“
  2. ↑ R. Draves: RFC 3484 – Default Address Selection for Internet Protocol version 6 (IPv6). Network Working Group of the IETF. Abgerufen am 21. Dezember 2010. â€žAnother effect of the default policy table is to prefer communication using IPv6 addresses to communication using IPv4 addresses, if matching source addresses are available.“
Impressum AGB Datenschutz KundenserviceMediadatenfreenet AGJobsSitemap
gekennzeichnet mit
JUSPROG e.V. - Jugendschutz
freenet ist Mitglied im JUSPROG e.V.