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Die „Natürliche Abschilderung des academischen Lebens in gegenwärtigen Vierzehn schönen Figuren ans Licht gestellt von D.“ ist eine Serie von 14 Kupferstichen, die dem Nürnberger Kupferstecher Johann Georg Puschner (1680-1749), unter Verwendung des Pseudonyms „Dendrono“, zugeschrieben wird. Diese Serie von Bildmotiven mit Begleittexten aus dem studentischen Leben an der Universität Altdorf ist vermutlich um 1725 entstanden und heute nur in ganz wenigen Exemplaren vollständig erhalten.
Inhaltsverzeichnis |
Die Blätter der Serie geben verschiedene Szenen des studentischen Lebens der damaligen Zeit wieder. Jedes Blatt wird dominiert von einer bildlichen Darstellung, unter der jeweils acht gereimte Verse, unterteilt in jeweils zwei Strophen, die Szene erläutern und gegebenenfalls mit einer pädagogischen Ermahnung versehen.
An einigen Details kann man erkennen, dass sich das Werk konkret auf die Universität Altdorf bezieht, die von 1622 bis 1809 die Universität der Reichsstadt Nürnberg war. Es ist aber so allgemein gehalten, dass die hier getroffenen Aussagen mit Sicherheit für das Studentenleben in ganz Mitteleuropa Gültigkeit haben.
Die ersten sieben Blätter zeigen den vorbildlichen Studenten, der unter Ausnutzung des damals typischen Lehrangebots einer Universität bis zum „Doctorat“ gelangt.
Die folgenden Blätter zeigen die Irrwege, die typischen Laster und Ausschweifungen, denen viele der damaligen „Musensöhne“ unter Ausnutzung der akademischen Freiheit erlagen.
Die letzten beiden Blätter zeigen schließlich schonungslos die Konsequenzen studentischen Fehlverhaltens und Versagens. Der gescheiterte Student muss ohne Examen die Universität verlassen und einen unsicheren Lebensweg einschlagen. Daraus wird der ermahnende Charakter des Werkes deutlich, das sicherlich mit pädagogischem Anspruch entstanden ist.
Die Einteilung der Blätter, zuerst die positiven, vorbildlichen:
Die letzten sieben Blätter zeigen die negativen Seiten des Studentenlebens, die Entartungen und die Erfolglosigkeit:
Besonders Blatt 13 steht dabei in einer langen Tradition als sogenannte „Cornelius-Szene“ (siehe dazu Cornelius Relegatus). Unter diesem Begriff werden Darstellungen verstanden, die seit dem frühen 17. Jahrhundert symbolisch das Versagen eines Bummelstudenten zeigen. Typische Bildelemente sind dabei der Pedell, der eine Vorladung vor den Rektor an die Zimmertür schreibt, der Gläubiger, der den Studenten mit Schuldscheinen belästigt, und eine junge Frau, die den Studenten mit einem unehelichen Kind konfrontiert. Dazu werden im Bild oft auf dem Boden liegende zerbrochene Gegenstände gezeigt[1].
Es ist nicht sicher, dass das Werk tatsächlich von Puschner stammt, aber sehr wahrscheinlich. Das Pseudonym „Dendrono“ leitet sich von altgriechisch δένδρον („dendron“, auf Deutsch „Baum“ oder „Busch“) her, was nach Ansicht der Kunsthistoriker auf Puschner hinweist, dessen Namen auch „Buschner“ oder „Büschner“ geschrieben wird.
Außerdem fertigte Puschner zu der in Frage kommenden Zeit mehrere Bildwerke zu Motiven aus Altdorf, z.B. die „Amoenitates Altdorfinae“, während in dieser Zeit kein anderer Künstler dort tätig war.
Einer der Söhne von Puschner, der die gleichen Vornamen wie sein Vater trägt, hat in seiner Werkstatt mitgearbeitet. Aufgrund des angenommenen Entstehungszeitraums von etwa 1725 kann davon ausgegangen werden, dass der Sohn aus Altersgründen bestenfalls assistierend an der Entstehung des Werkes beteiligt war.
Aufgrund seiner Qualität, seiner Anschaulichkeit und seiner umfassenden Darstellung aller Aspekte des damaligen Studentenlebens wurden die Bilder und Texte der „Natürlichen Abschilderung“ vor allem im 20. Jahrhundert in vielen bedeutenden studentengeschichtlichen und bilderkundlichen Werken zum Studentenleben wiedergegeben und zitiert.
Lange Zeit galt das Exemplar in der Lipperheideschen Kostümbibliothek, die zum Bestand der Kunstbibliothek Berlin gehört, als das einzige vollständig erhaltene Exemplar der „Natürlichen Abschilderung“, das in einem kleinen Broschurbändchen aus dem Jahre 1962 (Neuauflage 1993) in Nürnberg bzw. Altdorf publiziert wurde.
Anlässlich der Aktivitäten zum 200. Jahrestag der Auflösung der Universität Altdorf im Jahre 2009 wurde bekannt, dass sich im Institut für Hochschulkunde an der Universitätsbibliothek Würzburg ein weiteres vollständiges Exemplar befindet, das sich aus Blättern aus den Sammlungen der Deutschen Gesellschaft für Hochschulkunde e.V. und des Verbandes Alter Corpsstudenten e.V. zusammensetzt. Dieses Exemplar wurde durch einen Jahreskalender und einen Fachartikel der Öffentlichkeit zugänglich.