Suche im Lexikon
Lexikon auf Ihrer Homepage Lexikon als Lesezeichen hinzufügen

Nationalsozialistische EuropaplÀne

Die nationalsozialistischen EuropaplĂ€ne hatten die Neuordnung des Kontinents nach territorialen und völkischen Kriterien zum Ziel. Dabei wurde die Eingliederung vieler Staaten in das Deutsche Reich, die Aus- und Umsiedlung von Bevölkerungsteilen sowie die UnterdrĂŒckung und Ausbeutung und in letzter Instanz die Ermordung einer großen Anzahl von Menschen geplant, auch unter Beteiligung der deutschen Wirtschaft.

Inhaltsverzeichnis

FrĂŒhe EuropaplĂ€ne der Nationalsozialisten

Bereits vier Tage nach der MachtĂŒbernahme der NSDAP ließ Adolf Hitler die Spitze der Reichswehr wissen, er werde mit der Eroberung und Germanisierung von „Lebensraum im Osten“ nicht zögern und eine großdeutsche Volkstumspolitik betreiben, um alle Deutschen in einem Reich zu vereinigen.[1] In Mein Kampf hatte er noch einen Bund mit Italien und Großbritannien vorausgesehen, Frankreich sollte seiner Großmachtstellung beraubt werden. Danach wĂŒrde er sich der VergrĂ¶ĂŸerung des Lebensraums im Osten zuwenden. In der Mitte Europas sollte ein Reich aller Deutschen – weit ĂŒber die Grenzen von 1914 hinaus – entstehen. 1934 sprach Hitler von einem stĂ€hlernen Kern, bestehend aus Österreich, der Tschechoslowakei und Westpolen. Außerdem stellte er verschiedene BĂŒndnisse aus formell alliierten – aber nicht gleichberechtigten – Blöcken auf. Diese nannte er den Ostbund (Baltikum, Balkanstaaten, Ukraine, Wolgaland und Georgien), den Westbund (Holland, Flandern und Nordfrankreich) und den Nordbund (DĂ€nemark, Schweden sowie Norwegen).

Hitler benutzte den Begriff Europa zuerst nur widerwillig, seine Haltung Ă€nderte sich erst, nachdem er Europa fĂŒr sich selbst und den Nationalsozialismus „blutsmĂ€ĂŸig“ definiert hatte.[2] So definierte Franz Six[3] zum Beispiel Europa als

„[
] der aus der Gestaltungskraft der arischen Rasse geschaffene Lebensraum der europĂ€ischen Rassen und Völker.“

Alfred Rosenberg betonte aber, dass der Nationalsozialismus ein Programm fĂŒr Deutschland, nicht fĂŒr Europa sei:[4]

„Unsere Bewegung ist [
] darauf bedacht, sich nicht etwa in einen internationalen ‚nationalsozialistischen Bund‘ zu verwandeln, der dann etwas wie ein Kirchenkonzil zu entscheiden hĂ€tte, was wahrer und was nicht wahrer Nationalsozialismus sei. Das Urteil ĂŒber eine solche Frage steht nur uns zu.“

Rosenberg sah die kĂŒnftige Struktur Europas 1934 als Resultat eines Viererpaktes, bestehend aus den nationalistischen Bewegungen Italiens, Frankreichs, Englands und Deutschlands. Auch die Staaten der Ostsee (Finnland, Estland, Lettland, Litauen) und der Donauraum sollten inkludiert werden, um ein „organisches Zentraleuropa“ zu formen.[5]

PlĂ€ne 1939–1941

Das „Großdeutsche Reich“
Ende 1942

Die grĂ¶ĂŸten Ambitionen zeigten hierbei die PlĂ€ne fĂŒr ein neues Europa wĂ€hrend der Siegeswelle von 1940/41. Zu diesem Zeitpunkt wurde ĂŒber die Eingliederung DĂ€nemarks, Norwegens, der Niederlande und Belgiens in ein „Großgermanisches Reich“ debattiert – Hitler wollte aufrĂ€umen mit dem „KleinstaatengerĂŒmpel“.[6] FĂŒr Werner Daitz war die Bevölkerung dieser Regionen genauso germanisch wie die Deutsche und daher „wĂŒrdig“, ins Reich aufgenommen zu werden.[7]

Eine Studie der Seekriegsleitung vom 3. Juni 1940 ĂŒber Raumerweiterung nach dem Krieg plĂ€dierte bereits fĂŒr die Einbehaltung Belgiens und eines Teils von Nord- und Ostfrankreich; kleinere Staaten wie die Niederlande, DĂ€nemark und Norwegen sollten zwar formell unabhĂ€ngig, aber in starker AbhĂ€ngigkeit vom Reich gehalten werden.

Himmler dachte vorĂŒbergehend daran, einen burgundischen Staat zu schaffen[6] und entwickelte spĂ€ter auch fĂŒr Westeuropa VölkermordplĂ€ne. Ende Februar 1943 nahm der Ministerialdirigent im Ostministerium Otto BrĂ€utigam im FĂŒhrerhauptquartier Einsicht in ein GesprĂ€chsprotokoll, das General Wagner persönlich ĂŒber eine Unterredung mit Heinrich Himmler angefertigt hatte. Himmler Ă€ußerte in dieser Unterredung, dass er vorhabe nach dem Ende des Krieges 80% der französischen Bevölkerung durch Kommandos des SD ermorden zu lassen und Ă€hnlich in England verfahren zu wollen.[8] Hitler hatte zuvor die Unterklassen Englands als rassisch minderwertig bezeichnet.[9]

Nach der Niederlage der Sowjetunion sollten auch Schweden und die Schweiz geschluckt werden. FĂŒr Frankreich sah Hitler eine territoriale ZerstĂŒckelung vor, er wollte eine „vergrĂ¶ĂŸerte Schweiz“; die Grenze zu Deutschland sollte die des Heiligen Römischen Reichs sein (d.h. die französische Schweiz zu Frankreich gehörig, die „arisch“-deutschsprachige Schweiz zum Kern-Reich). Um jeden Widerstand im Keim zu ersticken, sollte Frankreich permanent besetzt bleiben.[10] Der Nachbar Schweiz hatte im Konzept Hitlers bis zur Niederwerfung Russlands eine Sonderrolle: Bis zum Juni 1940 als neutraler, relativ gut gerĂŒsteter Flankenschutz gegen einen Angriff Frankreichs an der SĂŒdwest-Flanke, danach vor allem als unversehrter RĂŒstungslieferant und als Devisen-Drehscheibe zugunsten des Reiches[11][12].

Die sĂŒdosteuropĂ€ischen Völker sollten halbautonom am Rande des Reichs leben, kontrolliert von der „Reichsfestung Belgrad“. Die in Norwegen und den Niederlanden eingesetzten Reichskomissare waren nur als Übergangsform gedacht; ihre Aufgabe war es, diese neue Ordnung einzufĂŒhren und die Bevölkerung dafĂŒr zu gewinnen.

Der wohl von seinen HerrschaftsansprĂŒchen umfassendste Plan ist jener der Gesellschaft fĂŒr europĂ€ische Wirtschaftsplanung und Großraumwirtschaft. In ihrer Denkschrift wurde festgestellt, dass der europĂ€ische Großraum

„[
] sĂ€mtliche Völker des Festlandes von Gibraltar bis zum Ural und vom Nordkap bis zur Insel Zypern mit ihren natĂŒrlichen kolonisatorischen Ausstrahlungen in den sibirischen Raum und ĂŒber das Mittelmeer nach Afrika hinein [
]“

umfassen mĂŒsse. Man sollte grundsĂ€tzlich nur von Europa sprechen[10][13]

„[
] denn die deutsche FĂŒhrung ergibt sich ganz von selbst [
]“

Die deutsche Siegeswelle ĂŒbte einen gewaltigen psychologischen Einfluss auf die Bevölkerung der besetzten Gebiete aus; einige Kollaborateure – vor allem in Frankreich aber auch in den anderen besetzten Gebieten – benutzten den Begriff Europa, um eine Zusammenarbeit zu rechtfertigen.[14] Die Beeinflussung durch die Europa-Propaganda verlor aber jede Bedeutung, als spĂ€testens nach einem Jahr die wirklichen Ziele der neuen Herren klar wurden.

Lebensraum im Osten

Russlandfeldzug 1941–1942

Im Osten Europas wurde der SS freie Hand gelassen. Himmlers Siedlungskonzept fĂŒr den Ostraum grĂŒndete sich auf die „Blut-und-Boden-Ideologie“ und auf „germanisches Bauerntum“. Die Industrie und sowjetischen StĂ€dte sollten zerstört werden; stattdessen wĂŒrden großbĂ€uerliche Siedler aus dem Reich deutsche MusterlandgĂŒter errichten und bewirtschaften.[10] Dazu wurde der so genannte Generalplan Ost entwickelt, welcher die Gliederung der Polen in verschiedenste Wertungsgruppen von I („EindeutschungsfĂ€hig“) bis IV („nicht lebenswert“) zur Folge hatte.[13] Auch das alt-österreichische Galizien, das Baltikum, die Krim (das zukĂŒnftige „Gotenland“, wo man SĂŒdtiroler ansiedeln wollte) und die Wolga-Kolonie sollten deutsches Reichsgebiet werden.[1] Das Ziel im Osten war die Etablierung eines deutschen Herrenvolks und versklavter „Untermenschen“. Man wollte auch „rassisch wertvolles Menschenmaterial“ aus diesen Gebieten „abschöpfen“, d. h. ins Reich eingliedern und dafĂŒr „Schmarotzer“ und „Herumlungerer“ aus dem Altreich in den Osten deportieren.[15] Ralph Giordano beschreibt das Ziel der Nationalsozialisten, durch massenhafte Sterilisationen, Vernichtung durch Arbeit, Massenmord und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung ein „slawenfreies Osteuropa“ zu schaffen.[13]

Zentralclearing und Wirtschaft

Das „Zentralclearing“ war ein Mechanismus zur zentralen Steuerung der internationalen Transaktionen der verbĂŒndeten oder unterworfenen Staaten. Es basierte auf der Reichsmark und bedeutete im praktischen Wirtschaftsleben, dass alle internationalen Transfers der beteiligten Staaten ĂŒber Berlin abgewickelt wurden. WĂ€hrend viele PlĂ€ne zur Neuordnung Europas nie außerhalb akademischer Zeit- und Denkschriften verbreitet wurden, funktionierte das europĂ€ische Zentralclearing bis zum Ende des Nationalsozialismus. Da das Clearingsystem einen enormen Vorteil fĂŒr das Deutsche Reich brachte, nennt Röhr es „verhohlenen Raub“.[10] Die Warenschuld Deutschlands betrug gegen Kriegsende 35 Milliarden RM.[16]

An der Neuordnung Europas waren, wie bereits angedeutet, verschiedene Konzerne maßgeblich beteiligt. Die I.G. Farben zum Beispiel entwickelte ehrgeizige PlĂ€ne zur Reorganisation der europĂ€ischen Chemieindustrie unter ihrer Hegemonie. Die Deutsche Bank und die Dresdner Bank kauften Banken in den besetzten Gebieten auf.[17] Oft wurde die Übernahme von Firmen ĂŒber TreuhĂ€nder oder Vermögensverwalter abgewickelt wie z. B. bei Krupp[10] oder durch skrupellose Arisierung und der Aneignung von „Feindvermögen“. Eine geplante Zollunion wurde interessanterweise torpediert, da dies zu einer Angleichung des Lebensstandards gefĂŒhrt hĂ€tte, was ausdrĂŒcklich nicht gewĂŒnscht wurde. Reichswirtschaftsminister Walther Funk gab die Ziele der Neuordnung recht unumwunden zu:[18]

„Die kommende Friedenswirtschaft muss dem Großdeutschen Reich ein Maximum an wirtschaftlicher Sicherheit garantieren und dem deutschen Volke ein Maximum an GĂŒterverbrauch zur Erhöhung der Volkswohlfahrt.“

Großraum Europa

In der FrĂŒhzeit des Nationalsozialismus war man bestrebt, Deutschland autark zu machen. Dies Ă€nderte sich aber im Laufe der Zeit; Herbert Backe schrieb 1942:[3]

„Nicht die Autarkie jedes einzelnen europĂ€ischen Staates ist die Aufgabe, die die Zukunft stellt, sondern die Autarkie des Großraumes Kontinentaleuropa.“

Ziel war also nicht Weltmarkt, sondern Großmarkt Kontinentaleuropa.[3] Backe gilt als Urheber des sogenannten Hungerplans 1941 und scheute nicht vor dem skrupellosen Einsatz des Hungers zur Verringerung der „Übervölkerung“ zur Sicherung der deutschen ErnĂ€hrung zurĂŒck. Hermann Göring fasste diese Politik zynisch zusammen:[15]

„Wenn gehungert wird, dann hungert nicht der Deutsche, sondern andere.“

Zusammengefasst wird die Ideologie der Großraumkonzeption von Kroener:[19]

„Hinter dem auch offiziell propagierten Begriff der ‚europĂ€ischen Großraumwirtschaft‘ verbargen sich langjĂ€hrige Bestrebungen und Planungen fĂŒr die Durchsetzung einer wirtschaftlichen Hegemonie Deutschlands auf dem Kontinent, den völligen Umbau der Nationalwirtschaften im Sinne einer Arbeitsteilung nach deutschem Interesse und den Zugang zu kolonialen ‚ErgĂ€nzungsrĂ€umen‘ in Osteuropa sowie in Übersee.“

Völkische Theoretiker wie Werner Daitz stellten eine Verbindung zwischen dem wirtschaftlich-politischen Großraumkonzept und der rassenbiologischen Lebensraum-Theorie auf. Nach diesen Gesichtspunkten entwickelte Werner Best ein vierstufiges Verwaltungsmodell:[13]

  1. BĂŒndnisverwaltung: Formelle SelbstĂ€ndigkeit, das Volk muss aber den Richtlinien des „FĂŒhrungsvolkes“ (gemeint ist Deutschland) folgen.
  2. Aufsichtsverwaltung: Eigene Regierungsorgane, aber Statthalter des „FĂŒhrungsvolkes“.
  3. Regierungsverwaltung: Gesamte zentrale Verwaltung wird von Vertretern des „FĂŒhrungsvolkes“ ausgeĂŒbt.
  4. Kolonialverwaltung: Keinerlei Mitwirkung des unterworfenen Volkes an der Verwaltung.

Interessant ist, dass die Großraumkonzeption Russland als dem europĂ€ischen Raum zugehörig sah, d. h. der Kampf zwischen der UdSSR und Großdeutschland war kein Kampf um die Abgrenzung zwischen zwei GroßrĂ€umen, sondern um die Vorherrschaft zwischen zwei MĂ€chten desselben Raumes.[6] Dies Ă€nderte sich mit den Niederlagen des Jahres 1942; ab nun sprach man von einer „Festung Europa“, die man gegen die „russischen Horden aus Asien“ verteidigen mĂŒsse.

Zu dieser Zeit definierte Rosenberg Europa eher metaphysisch: sein Wesen liegt in den „großen Völkergestalten und Persönlichkeiten“, es ist kein „leerer Begriff, ... wie er von den Spekulanten aus aller Welt im sog. Völkerbund in Genf verwandt wurde“. FĂŒr ihn ist Europa die „blutvollste Tatsache,“ eine „ZusammenfĂŒgung aller jener auf den Schlachtfeldern und im geistigen Ringen, die gegen die zerstörenden MĂ€chte von Yankee-Gangstern und GPU ankĂ€mpfen.“[20]

Nach Stalingrad

Da sich die Kriegsaussichten nach 1942 empfindlich verschlechterten, suchte man nach neuen Propaganda-Schlagworten und erfand schließlich das Konzept der „Festung Europa“, das die bisherigen GroßraumplĂ€ne ablöste. Man sah sich nun nicht mehr als Herr Europas, sondern als BeschĂŒtzer des Abendlandes vor dem Bolschewismus. Eine Denkschrift des AuswĂ€rtigen Amtes forderte:[19]

„Warum stellen wir nicht auch Zukunftsprogramme auf, die beruhigen, verfĂŒhren oder doch wenigstens neutralisieren? [
] Als ob sich nicht nach errungenem Sieg leicht eine Formel finden ließe, die unserem FĂŒhrungsanspruch genĂŒgt und die uns dann erst recht die Möglichkeit gĂ€be, ohne sichtbare Anwendung von Gewalt unseren bestimmenden Einfluss zu sichern.“

Ein im April 1943 eingesetzter Europa-Ausschuss im AuswĂ€rtigen Amt entwickelte PlĂ€ne fĂŒr eine europĂ€ische Konföderation aus 13 Staaten unter FĂŒhrung der AchsenmĂ€chte. Diese Denkschrift war von Homeyer entworfen worden, dem Reichskommissar von „Taurien“ (der deutsch besetzten Krim samt Hinterland) und trug den Titel Die Kriegsentscheidung – Der Gedanke Europa. Das Ziel dieser Denkschrift war allerdings nicht die völlige Gleichberechtigung der verschiedenen Völker und LĂ€nder Europas, sondern immer noch eine vorherrschende Stellung des Deutschen Reiches. Dieser „Staatenbund“ schloss allerdings die Sowjetunion explizit aus und sollte vor allem der Abwehr des Bolschewismus dienen.[13] Idealerweise hĂ€tte man diesen Bund anlĂ€sslich der Feiern zur Erneuerung des Antikomintern-Paktes prĂ€sentieren können – dazu kam es aber aus zwei GrĂŒnden nicht: Erstens beinhaltete der Plan „verspĂ€tete, unaufrichtige und unattraktive AnsĂ€tze“,[1] und zweitens blieb die Einstellung Hitlers ein Hindernis; dieser hatte schon 1942 solche Planungen verboten.[21]

Vorstellungen fĂŒr ein nationalsozialistisches Europa in der Nachkriegsbelletristik

  • SS-GB (1978) von Len Deighton spielt im nationalsozialistischen Großbritannien des Jahres 1941 (mit abgedruckter KapitulationserklĂ€rung). Die Hauptperson ist der Kriminalbeamte Douglas Archer, der den Mord an einem Physiker aufklĂ€ren soll. Wie sich herausstellt, war dieser Physiker an dem Bau der Atombombe beteiligt und Archer wird immer mehr in Intrigen zwischen SS, Wehrmacht, der britischen Widerstandsbewegung und der Abwehr hineingezogen. Giordano erwĂ€hnt dieses Buch lobend und erlĂ€utert, dass es im Sonderstab England des Wirtschafts- und RĂŒstungsamtes im OKW bereits detaillierte PlĂ€ne zur Verwaltung Großbritanniens gab. SS- und SD-Einheiten waren bereits bereitgestellt, und auch die I.G. Farben hatte schon einen „Wunschzettel“ zur Übernahme von Unternehmen produziert.[13]
Europa 1964 in der Welt von Vaterland
  • Vaterland (1992) von Robert Harris spielt 1964. Der kalte Krieg zwischen den USA und dem Großdeutschen Reich ist dabei zu Ende zu gehen, als Inspektor Xaver MĂ€rz die Leiche eines hochrangigen NS-FunktionĂ€rs findet. Vaterland ist wie SS-GB ein Kriminalroman, und ebenso wie Archer verstrickt sich MĂ€rz in Intrigen, als er versucht, den Mord aufzuklĂ€ren und schließlich ĂŒber den von den Nationalsozialisten (fast) perfekt vertuschten Holocaust stolpert.
  • Das Orakel vom Berge (1962) von Philip K. Dick ist ein leicht philosophisches Werk, das in einer Welt spielt, in der Amerika zwischen dem nationalsozialistischen Deutschland und Japan aufgeteilt ist. Anders als in den ersten beiden Werken handelt es sich nicht (nur) um einen Krimi. Die HandlungsfĂ€den sind lose verknĂŒpft, und das Ende ist ebenso ĂŒberraschend wie originell (oder, wie Kritiker meinen, unbefriedigend). Die Handlung dreht sich (grob erlĂ€utert) um den Plan der Nationalsozialisten, die Japaner anzugreifen und um den Versuch der Abwehr, dies den Japanern mitzuteilen. Außerdem geht es um die Suche nach dem Autor eines verbotenen Buches, welches den Sieg der Alliierten beschreibt (sozusagen ein Science-Fiction-Buch im Science Fiction-Buch). In den HandlungsfĂ€den spielt weniger Action als die moralischen Entscheidungen der Figuren eine Rolle.

Siehe auch

Literatur

Sachliteratur

  • Karl Richard Ganzer: Das Reich als EuropĂ€ische Ordnungsmacht. In: Hagen Schulze und Ina Ulrike Paul (Hrsg.): EuropĂ€ische Geschichte. Quellen und Materialien. Bayrischer Schulbuch Verlag, MĂŒnchen 1994, S. 383–385.
  • Eugen von Mickwitz: Großdeutschland und die Weltwirtschaft unter besonderer BerĂŒcksichtigung der grundlegenden politischen Neugestaltung Mitteleuropas. Auf Grund von Material des HWWA. Hamburgisches Welt-Wirtschafts-Archiv, Verlag der Veröffentlichung "Außenhandel unter Zwang", Hamburg 1939
  • Heinrich Hunke (Ministerialdirigent Niedersachsen) Hg., Walther Funk, Beitrag: EuropĂ€ische Wirtschaftsgemeinschaft Haude & Spenersche Verlagsbuchhandlung Max Paschke, Berlin 1942 & 1943 (sic). Sehr ausfĂŒhrliche Darstellung seiner NS-Europaideen in seinem Namensartikel. H. ist zu beachten, weil er auch nach 1945 eine wichtige Rolle im Staat spielte[22]
  • Carl Schmitt: Völkerrechtliche Grossraumordnung mit Interventionsverbot fĂŒr raumfremde MĂ€chte Deutscher Rechtsverlag, Berlin & Wien 1939, 4. Aufl. 1941
    • wieder, mit zus. Untertitel: ...Ein Beitrag zum Reichsbegriff im Völkerrecht. (um ein Kapitel ĂŒber den "Raumbegriff in der Rechtswissenschaft" erw.). Neuaufl. Duncker und Humblot, Berlin 1991 ISBN 3428071107
  • Friedrich BĂŒlow: Grossraumwirtschaft, Weltwirtschaft und Raumordnung. in: Raumforschung und Raumordnung. Volks- und raumpolitische Reihe. Hg. Paul Ritterbusch, Heft 1. Koehler, Leipzig 1943 [23]
  • Roger Diener: Das Reich und Europa. in: "Reich, Volksordnung, Lebensraum" Bd. 2, 1942
  • Birgit Kletzin: Europa aus Rasse und Raum. Die nationalsozialistische Idee der Neuen Ordnung. Reihe: Region, Nation, Europa Bd. 2. Lit, MĂŒnster 2000, 2. Aufl. 2002 ebd. ISBN 3825849937 [24]
  • Reinhard Opitz: Europastrategien des deutschen Kapitals 1900-1945. Pahl-Rugenstein (Nachf.), Bonn am Rhein 1977, 1990 ISBN 3760902251; 2. Aufl. ebd. 1994 ISBN 3891441983
  • Paul Kluke: Nationalsozialistische Europa-Ideologie. VfZ 3, 1955 S. 240 - 275
  • Michael Salewski: Europa. Idee und Wirklichkeit in der nationalsozialistischen Weltanschauung und Praxis. in Otmar Franz Hg.: Europas Mitte. Musterschmidt, Göttingen 1987, 1991 [25]
    • ders.: Ideas of the National Socialist Government and Party. in: Documents on the History of the European Integration. Bd. 1, Berlin 1985
  • Peter KrĂŒger: Hitlers Europapolitik. in Wolfgang Benz u.a. Hgg.: Der Nationalsozialismus. Studien zur Ideologie und Herrschaft Frankfurt 1993
    • ders.: Wirtschaftliche MitteleuropaplĂ€ne in Deutschland zwischen den Weltkriegen. in: Mitteleuropa-Konzeptionen in der ersten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts. Wien 1995
  • Joseph Goebbels: An Europa. in: Zs. Junges Europa. 1943
  • Lothar Gruchmann: Nationalsozialistische Großraumordnung. Die Konstruktion einer „deutschen Monroe-Doktrin“. Stuttgart 1962
  • Richard Overy u.a. Hgg.: Die „Neuordnung“ Europas. NS-Wirtschaftspolitik in den besetzten Gebieten. Metropol, Berlin 1997
  • Hans-Werner Neulen: Europa und das Dritte Reich. Einigungsbestrebungen im deutschen Machtbereich 1939-1945. MĂŒnchen 1987
  • John Laughland: The tainted source. The undemocratic origins of the European idea. London 1997
  • Walter Lipgens (Hg.): Europa-FöderationsplĂ€ne der Widerstandsbewegungen 1940-1945. Eine Dokumentation. MĂŒnchen 1968
  • Wilfried Loth: Der Weg nach Europa. Geschichte der europĂ€ischen Integration 1939 - 1957. Göttingen 1996
  • Frank Niess: Die europĂ€ische Idee aus dem Geist des Widerstands. Frankfurt 2001
  • Götz Aly, Hg.: Modelle fĂŒr ein deutsches Europa. Ökonomie und Herrschaft im Großwirtschaftsraum. Berlin 1992
  • Bernhard Payr: Die Neuordnung Europas im Spiegel des französischen Schriftentums. in Nationalsozialistische Monatshefte. Zentrale politische, kulturelle Zeitschrift der NSDAP. Heft 138, September 1941. 12. Jg. Hg. Alfred Rosenberg Eher, MĂŒnchen
  • Mark Mazower: Hitlers Imperium. Europa unter der Herrschaft des Nationalsozialismus. Übers. Martin Richter. C.H. Beck, MĂŒnchen 2009. ISBN 3-406-59271-6

Belletristik

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ↑ a b c Jörg K. Hoensch: Nationalsozialistische EuropaplĂ€ne im zweiten Weltkrieg. In: Plaschka, Richard Georg et al. (Hrsg.): Mitteleuropa-Konzeptionen in der ersten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts. Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1995, S. 307–325.
  2. ↑ Walter Lipgens (Hrsg.): Europa-FöderationsplĂ€ne der Widerstandsbewegungen 1940-1945. R. Oldenbourg, MĂŒnchen 1968, S. 9.
  3. ↑ a b c Herbert Backe: Um die Nahrungsfreiheit Europas. Weltwirtschaft oder Großraum. Wilhelm Goldmann, Leipzig 1942.
  4. ↑ Alfred Rosenberg: Neugeburt Europas als werdende Geschichte. Max Niemeyer, Halle/Saale 1939.
  5. ↑ Alfred Rosenberg: Krisis und Neubau Europas. Berlin 1934.
  6. ↑ a b c Lothar Gruchmann: Nationalsozialistische Großraumordnung. Die Konstruktion einer „deutschen Monroe-Doktrin“. In: Schriftenreihe der Viertelsjahreshefte fĂŒr Zeitgeschichte 4. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1962.
  7. ↑ Werner Daitz: Wikingertum – ein Grundelement nordischer Rassenseele. In: Der Weg zur Volkswirtschaft, Großraumwirtschaft und Großraumpolitik. Zentralforschungsinstitut fĂŒr Nationale Wirtschaftsordnung und Großraumwirtschaft, Dresden 1943, S. 89–91.
  8. ↑ Otto BrĂ€utigam: „So hat es sich zugetragen...“ (Holzner Verlag 1968, Seite 590)
  9. ↑ Adolf Hitler: TischgesprĂ€ch vom 5. November 1941 (Werner Jochmann (Hrsg.): „Monologe im FĂŒhrerhauptquartier 1941-1944“, Orbis-Verlag, 2000, Seiten 129-130)
  10. ↑ a b c d e Werner Röhr: Forschungsprobleme zur deutschen Okkupationspolitik im Spiegel der Reihe „Europa unterm Hakenkreuz“. In: Werner Röhr (Hrsg.): Europa unterm Hakenkreuz. Die Okkupationspolitik des deutschen Faschismus. Band 8, HĂŒthig, Heidelberg 1996.
  11. ↑ E. Bonjour: Geschichte der schweizerischen NeutralitĂ€t, 1970ff.
  12. ↑ J. Fink: Die Schweiz aus Sicht des Dritten Reiches, 1985
  13. ↑ a b c d e f Ralph Giordano: Wenn Hitler den Krieg gewonnen hĂ€tte. Die PlĂ€ne der Nazis nach dem Endsieg. Rasch und Röhring, Hamburg 1989.
  14. ↑ Jacques Benoist-MĂ©chin: Frankreich im neuen Europa. In: Deutsches Institut fĂŒr Außenpolitische Forschung (Hrsg.): Europa. Handbuch der politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung des neuen Europa. Helingsche Verlagsanstalt, Leipzig 1943, S. 51–55.
  15. ↑ a b Götz Aly und Susanne Heim: Vordenker der Vernichtung. Auschwitz und die deutschen PlĂ€ne fĂŒr eine neue europĂ€ische Ordnung. Fischer, Frankfurt am Main 1993.
  16. ↑ Karl Heinz Roth: Die wirtschaftspolitischen Nachkriegsplanungen des deutschen Faschismus. Forschungsbilanz und offene Fragen. (1996) In: Werner Röhr und Brigitte Berlekamp (Hrsg.): Neuordnung Europas. VortrĂ€ge vor der Berliner Gesellschaft fĂŒr Faschismus und Weltkriegsforschung 1992-1996. Edition Organon, Berlin 1996, S. 179–198
  17. ↑ Richard J. Overy: The Economy of the German „New Order“. In: Overy et al. (Hrsg.): Die „Neuordnung“ Europas. NS-Wirtschaftspolitik in den besetzten Gebieten. Metropol, Berlin 1997, S. 11–24
  18. ↑ Walther Funk: Wirtschaftliche Neuordnung Europas! Sonderdruck aus dem SĂŒdost Echo, Wien 1940.
  19. ↑ a b Kroener et al.: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Band 5/2. Organisation und Mobilisierung des Deutschen Machtbereichs. Kriegsverwaltung, Wirtschaft und personelle Ressourcen 1942-1944/45. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1999.
  20. ↑ Rosenberg Der Weltkampf und die Weltrevolution unserer Zeit. Eher, MĂŒnchen 1943, S. 14. Typisch ist hier seine Behauptung, der NS wĂŒrde einen dritten Weg zwischen Kapitalismus (fĂŒr Rosenberg: „Spekulanten“, Juden, Wall Street, Yankee) und Bolschewismus („GPU“) eröffnen.
  21. ↑ Adolf Hitler: Decree. In: Walter Lipgens (Hrsg.): Documents on the history of European integration. Vol. 1, Continental plans for European Union 1939-1945. De Gruyter, Berlin 1985, S. 108–109.
  22. ↑ Engl. Kurzfassung enthĂ€lt in Englisch: Verfasser- und Inhaltsverzeichnis; ausf. Einleitung des Hunke und Text des Funk
  23. ↑ weitere Lit.: [1]
  24. ↑ Grundlagenwerk zur Ideologie der PlĂ€ne. Online lesbar unter google Buchsuche; eine detaillierte, an Quellen orientierte Darstellung aller relevanten Schriften. Betrachtet werden ausschließlich ideologische Produkte, nicht die tatsĂ€chlichen Handlungen (Morde, Vertreibungen usw.). Bei der Nutzung des umfangreichen Lit.verzeichnisses ist zu beachten, dass sie "SelbstĂ€ndige..." (dh. BĂŒcher) und "NichtselbstĂ€ndige Publikationen" (AufsĂ€tze in Zs. und Sammelwerken) der Nationalsozialisten getrennt verzeichnet hat, ebenso die Lit. nach 1945
  25. ↑ BeitrĂ€ger: Otmar Franz, Michael StĂŒrmer, Lothar Gall, Eberhard Kolb, Carl-Ludwig Holtfrerich, Hagen Schulze, Michael Salewski, Klaus-JĂŒrgen MĂŒller, Andreas Hillgruber, Detlef Junker, Klaus Schwabe, Klaus Hildebrand
Impressum AGB Datenschutz KundenserviceMediadatenfreenet AGJobsSitemap
gekennzeichnet mit
JUSPROG e.V. - Jugendschutz
freenet ist Mitglied im JUSPROG e.V.