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Nationalsozialistisches Kraftfahrkorps

Die „Hausfahne“ des NSKK

Das Nationalsozialistische Kraftfahrkorps (NSKK) war eine paramilitärische Unterorganisation der NSDAP.

Die Organisation bestand seit April 1930 unter dem Namen Nationalsozialistisches Automobilkorps (NSAK) und wurde 1931 in NSKK umbenannt. Im August 1934 ordnete Adolf Hitler die Zusammenlegung von Motor-SA und NSKK an. Hitler unterstellte das NSKK im August des gleichen Jahres seiner unmittelbaren Führung.[1] Die Mitgliedschaft wuchs in den Jahren von 1934 bis 1940 von 10.000 auf weit über eine halbe Million an. Korpsführer war seit Ende 1930 der damalige Kommandeur der Motor-SA, Adolf Hühnlein. Dieser wurde im August 1934 von Hitler zum „Reichsleiter NSKK“ ernannt und war nur noch Hitler persönlich verantwortlich.[2] Nach dessen Tod im Juni 1942 übernahm Erwin Kraus diesen Posten.

Inhaltsverzeichnis

Ideologie

Das NSKK folgte der rassenideologischen Doktrin der NSDAP und nahm nur Personen mit Ariernachweis als Mitglieder auf. Im Rahmen der Umsetzung und Legitimierung des Generalplan Ost war das NSKK in hohem Maße an den Deportationen von jüdischen Menschen in den besetzten Ostgebieten beteiligt. Auf diese Weise hat sich das NSKK in den Dienst der Judenvernichtung in Europa gestellt.[3]

Organisation

Zwei NSKK-Männer vom Sturm 23 der 68. NSKK-Motorstandarte (s. die Angaben auf den rechten Kragenspiegeln)

Die Aufnahme in das NSKK setzte keinen Führerschein und keine Kenntnisse über Automobile oder Motorräder voraus. Viele Mitglieder waren jedoch Kfz-Meister und -Handwerker. Das NSKK besaß ein von der Sturmabteilung abgeleitetes Dienstgradsystem und trug auch SA-ähnliche Uniformen.

Hochrangige Mitglieder des NSKK waren ihr „Ehrenvorsitzender“ Carl Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha und Richard Prinz von Hessen, einer der vier NSKK-Obergruppenführer, der nach dem Krieg Präsident der Deutschen Verkehrswacht wurde. Niedrigere „Ehrenränge“ hatten u. a. der Präsident des Volksgerichtshofes Roland Freisler[4] und der Chef der Privatkanzlei Hitlers Albert Bormann. Unter den Mitgliedern waren der Kommentator der Nürnberger Gesetze Hans Globke und der Diplomat Otto Bräutigam[5] , beide trotz ihres Anteils am Holocaust mit ungebrochener Nachkriegskarriere, sowie Kronprinz Wilhelm, auch der Lehramtskandidat Franz Josef Strauß 1937–39[6] und Bernhard zur Lippe-Biesterfeld bis er 1937 Prinz der Niederlande wurde.

Ein Großteil der international erfolgreich deutschen Automobil- und Motorradrennfahrer der damaligen Zeit gehörten dem NSKK an. Viele von ihnen nicht aus politischer Überzeugung, sondern auf Druck aus der Politik und Drängen ihrer Arbeitgeber. So waren beispielsweise Manfred von Brauchitsch, Rudolf Caracciola, Ernst von Delius, Karl Gall, Rudolf Hasse, Ewald Kluge, Hermann Lang, Hermann Paul Müller, Hans Stuck und Walfried Winkler Mitglieder der Organisation und trugen Abzeichen des NSKK auf ihrer Rennkleidung.

Aufgaben

Lautsprecherwagen des Verkehrserziehungsdienstes des NSKK im deutsch besetzten Posen, Oktober 1939
NSKK-Mann regelt den Verkehr in Posen, Oktober 1939

Dem NSKK oblag ab 1934 die Verkehrserziehung der Kraftfahrer und der Jugend. So arbeitete das NSKK auch eng mit dem ADAC zusammen. Es war das Hauptziel des NSKK, seine Mitglieder im Führen von Kraftfahrzeugen auszubilden, hauptsächlich in der Bedienung und Wartung von Motorrädern und Personenkraftwagen. Das NSKK ersetzte jedoch nicht die Fahrschule und konnte keine Führerscheinprüfungen abnehmen.

Für die Motor-HJ (14–18-jährige Jungen) stellte das NSKK Motorräder, Reparaturwerkstätten, Ausbildungsmaterial und vor allem fachliche Ausbilder zur Verfügung. Letztere waren für den technischen und praktischen Unterricht und die Vorbereitung auf die Führerscheinprüfung zum damaligen Führerschein IV (bis 250 cm³ Hubraum) zuständig. Motorradfahren wurde unter ihrer Anleitung und Aufsicht auf nichtöffentlichen Plätzen und im freien Gelände geübt.

1936 wurde auf dem Osterberg in Bad Gandersheim die NSKK-Motorsportschule eröffnet. Die Schule galt als „Vorzeigeeinrichtung“ und wurde häufig von prominenten NSDAP-Politikern besucht. Eine weitere Motorsportschule befand sich im Schloss Neusorge.

Mitte der 1930er Jahre arbeitete das NSKK auch als Pannenhilfsdienst.

Nach 1939 leisteten nicht voll wehrfähige Männer einen Ersatzwehrdienst in NSKK-Wachmannschaften ab, d. h. statt zur Wehrmacht war die Einziehung in eine NSKK-Einheit (nicht nur für Mitglieder) möglich.

Ab Sommer 1938 wurde dem NSKK, bzw. der zu diesem Zweck gebildeten NSKK-Transport-Gruppe Todt, schrittweise die Verantwortung für das gesamte Fuhrwesen beim Bau des Westwalls übertragen. Im Sommer 1939 wurde die NSKK-Transportbrigade Speer gegründet, um Baumaterial zu den vom Baustab Speer übernommenenen Rüstungsbauwerken (u.a. Flugzeugfabriken in Wiener Neustadt und Brünn) und Bauten der Luftwaffe (Flugplätze und Bunker) im Reichsgebiet zu bringen und ab 1940 auch den Nachschub für alle Fronteinheiten der Luftwaffe zu bewerkstelligen. Nach dem Beginn des Rußlandfeldzuges folgte sie dem vorrückenden deutschen Truppen zur infrastrukturellen Sicherung des Nachschubs.[7]

Auflösung und Verbot

1945 wurde das NSKK aufgelöst und in der Folge der Nürnberger Prozesse verboten.

Einzelnachweise

  1. Eintrag mit Teilwiedergabe der Anordnung im Stichwort "NSKK" in: Meyers Lexikon. Achte Auflage. Achter Band, Leipzig 1940, S. 154.
  2. Artikel „Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei“ in Der Neue Brockhaus. Allbuch in vier Bänden und einem Atlas, Band 3 (1938), Darstellung „Die Reichsleiter der NSDAP“, S. 344.
  3. Vgl. H.D Heilmann: Aus dem Kriegstagebuch des Diplomaten Otto Bräutigam. In: Götz Aly u.a. (Hrsg.): Biedermann und Schreibtischtäter. Materialien zur deutschen Täter-Biographie, Institut für Sozialforschung in Hamburg: Beiträge zur nationalsozialistischen Gesundheits- und Sozialpolitik 4, Berlin 1987, S. 185.
  4. Siehe Nachruf: http://zonenklaus.de/wp/wp-content/uploads/2010/02/1-freisler-%C3%A4%C3%A4.jpg
  5. vgl. H.D Heilmann: Aus dem Kriegstagebuch des Diplomaten Otto Bräutigam. In: Götz Aly u.a. (Hrsg.): Biedermann und Schreibtischtäter. Materialien zur deutschen Täter-Biographie, Institut für Sozialforschung in Hamburg: Beiträge zur nationalsozialistischen Gesundheits- und Sozialpolitik 4, Berlin 1987, S. 185.
  6. Vgl. die Darstellung der Hanns-Seidel-Stiftung: Ist Franz-Josef Strauß Mitglied der NSDAP oder einer ihrer Gliederungen gewesen?
  7. Franz W. Seidler: Das Nationalsozialistische Kraftfahrkorps und die Organisation Todt im Zweiten Weltkrieg. In: Vierteljahrshefte fur Zeitgeschichte, Jahrgang 32, 1984, Heft 4, S. 625-636

Literatur

Weblinks

 Commons: Nationalsozialistisches Kraftfahrkorps – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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