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| Navajo (Diné bizaad) | ||
|---|---|---|
|
Gesprochen in |
USA und Mexiko | |
| Sprecher | 150.000 | |
| Linguistische Klassifikation |
||
| Sprachcodes | ||
| ISO 639-1: |
nv | |
| ISO 639-2: |
nav | |
| ISO 639-3: |
nav | |
Navajo, auch Navaho (Eigenbezeichnung: DinĂ© bizaad), ist eine Na-DenĂ©-Sprache der athapaskischen Sprachfamilie, und gehört darin zur Gruppe der Apachensprachen. Es wird im SĂŒdwesten der Vereinigten Staaten, hauptsĂ€chlich in Arizona, New Mexico, Utah, Colorado, Chihuahua und Sonora, von den Navajo-Indianern gesprochen. Das Navajo hat ca. 150.000 Muttersprachler, und die Zahl steigt sogar. Damit ist Navajo die gröĂte indigene amerikanische Sprache nördlich der Grenze zwischen den USA und Mexiko. Doch auch bei den Navajo gibt es immer mehr Kinder, die nur Englisch sprechen: Der Anteil rein englischsprachiger Kinder zwischen 5 und 17 Jahren nahm zwischen 1980 und 2000 von 11,8 auf 48,7 Prozent zu.[1]
Navajo ist fĂŒr den Nicht-Muttersprachler derart komplex, dass die US-StreitkrĂ€fte im Zweiten Weltkrieg im Pazifik mit groĂem Erfolg Navajo-Indianer als Ăbermittler von Botschaften einsetzen konnten. Zum einen entzog sich diese Sprache aufgrund ihrer KomplexitĂ€t allen logisch-mathematisch arbeitenden DechiffrierungsansĂ€tzen, mit denen es beispielsweise Polen und EnglĂ€ndern gelungen war, den deutschen ENIGMA-Code zu brechen. Andererseits war diese Art der Codierung der konventionellen chiffrierten Kommunikation weitaus ĂŒberlegen, da sie wesentlich schneller und einfacher â weil ĂŒber direkten Sprachkontakt â funktionierte. Allerdings fĂŒhrten erst direkte Vergleichstests zwischen konventioneller Chiffrierung und der Navajo-Technik zur Akzeptanz dieser Methode bei den US-StreitkrĂ€ften. Dadurch entfiel die Notwendigkeit zum Vorhalten von immer wieder aktualisierungsbedĂŒrftigen und geheim zu haltenden CodebĂŒchern sowie maschineller Aufwand. Erst 1968 endete die Geheimhaltungspflicht dieser VerschlĂŒsselungsmethode und seit 1982 wird jeweils der 14. August als Nationaler Navajo-Codesprecher-Tag begangen. Die Japaner waren nach eigenen Aussagen auĂerstande, diesen âCodeâ zu brechen - ganz im Gegensatz zu dem vorher benutzten Luftwaffencode der US-Air-Force.
Inhaltsverzeichnis |
Navajo hat vier Vokale: a, e, i und o, die kurz, lang oder auch nasal auftreten können:
zusÀtzlich gibt es vier Töne:
Töne, LĂ€nge und NasalitĂ€t sind frei miteinander kombinierbar, z. B. Ä ÌÄ Ì (lang, nasal, hoch).
Die Konsonanten des Navajo in seiner normalen Orthographie lauten wie folgt (mit IPA-Notation in Klammern):
| Bilabial | Alveolar | Palatal | Velar | Glottal | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| zentral | lateral | einfach | labialisiert | |||||
| Plosive | nicht aspiriert | b [p] | d [t] | g [k] | ||||
| aspiriert | t [tʰ] | k [kʰ] | ||||||
| ejektiv | t' [tâ] | k' [kâ] | ' [Ê] | |||||
| Affrikaten | nicht aspiriert | dz [ÊŠ] | dl [tÉŹ] | j [ʧ] | ||||
| aspiriert | ts [ʊʰ] | tĆ [tÉŹÊ°] | ch [ʧʰ] | |||||
| ejektiv | ts' [ÊŠâ] | tĆ' [tÉŹâ] | ch' [ʧâ] | |||||
| Frikative | stimmlos | s [s] | Ć [ÉŹ] | sh [Ê] | h [x] | hw [xÊ·] | h [h] | |
| stimmhaft | z [z] | l [l] | zh [Ê] | gh [ÉŁ] | ghw [ÉŁÊ·] | |||
| Nasale | m [m] | n [n] | ||||||
| Approximanten | w [w] | y [j] | ||||||
Der Lateral /l/ ist eigentlich ein stimmhafter lateraler Approximant. /Ć/ wird hingegen als stimmloser Frikativ realisiert. Dieser Kontrast ist hĂ€ufig anzutreffen, da ein tatsĂ€chlich stimmloser Approximant [lÌ„] schwerer wahrzunehmen ist. Andere Athapasken-Sprachen, insbesondere Han, haben hingegen den Kontrast von stimmhaften und stimmlosen lateralen Frikativen.
Wie die meisten indigenen amerikanischen Sprachen des Nordwestens ist Navajo arm an labialen Konsonanten.
Typologisch ist Navajo eine agglutinierende Sprache, jedoch mit starken phonotaktischen Prozessen bei der sehr komplexen Morphologie des Verbs. Die Wortstellung ist ĂŒblicherweise SOV (Subjekt â Objekt â Verb). Obwohl bei dieser Satzstellung typologisch eher Suffixe zu erwarten wĂ€ren, modifiziert Navajo hauptsĂ€chlich ĂŒber PrĂ€fixe.
Navajo hat ungewöhnlich viele Verben, aber kaum Substantive. Daneben gibt es u. a. noch Pronomina, Klitika, Demonstrativpronomina, Numerale, Postpositionen, Adverbien und Konjunktionen, die Harry Hoijer unter der Wortart Partikeln zusammenfasst. Es gibt keine den deutschen Adjektiven entsprechende Wortart, die adjektivische Funktion wird stattdessen von Verben ĂŒbernommen.
Viele Konzepte, die in anderen Sprachen durch Substantive reprÀsentiert werden, finden sich im Navajo als Verben. Nominalphrasen sind im Navajo nicht notwendiger Bestandteil der syntaktischen Struktur und tragen keine Kasus-Markierung.
Die enorm komplexen Verben sind das zentrale Element des Navajo. Einige in anderen Sprachen durch Substantive ausgedrĂŒckte Bedeutungen werden im Navajo durch Verben wiedergeben. Beispiele hierfĂŒr sind u. a. Hoozdo âPhoenix, Arizonaâ (wörtl. âder Ort ist heiĂâ) oder ch'Ă©'Ă©tiin âEingangâ (wörtl. âetwas hat einen ebenen Pfad nach drauĂenâ). Viele Komposita sind von nominalisierten Verben abgeleitet, wie zum Beispiel nĂĄ'oolkiĆĂ âUhrâ (wörtl. âeines, das sich langsam im Kreis bewegtâ) und chidĂ naa'na'Ă bee'eldǫǫhtsoh bikĂĄĂĄ' dah naaznilĂgĂĂ âPanzerâ (wörtl. âein Wagen, auf dem sie ĂŒber dem, das sich kriechend umherbewegt, sitzen mit einem groĂen Ding, das eine Explosion verursachtâ).
Das Verb kann in verschiedene Einzelsegmente unterteilt werden. Sie bestehen aus einem abstrakten Stamm, dem verschiedene PrĂ€fixe in einer festgelegten Reihenfolge vorangestellt werden. Der Stamm bildet zusammen mit einem KlassifikationsprĂ€fix das Thema des Verbes. Das Thema wird dann mit einem oder mehreren Derivations-PrĂ€fixen verbunden und bildet so die Basis des Verbes. SchlieĂlich werden Flexions-PrĂ€fixe an die Basis angefĂŒgt (die Young und Morgan âparadigmatische PrĂ€fixeâ nennen) und bilden so ein vollstĂ€ndiges Navajo-Verb.
Die PrĂ€fixe des Navajo werden, abhĂ€ngig von der Art des PrĂ€fixes, in einer festgelegten Reihenfolge mit dem Verb verbunden. Diese Art der Morphologie wird als Positionsklassenschema (âposition class templateâ) bezeichnet. Unten angefĂŒgt ist eine Tabelle des Verbschemas des Navajo, wie sie von Young und Morgan 1987 aufgestellt wurde. Nicht jede mögliche Position muss mit einem PrĂ€fix besetzt werden, so dass die meisten Verben des Navajo in Wirklichkeit weniger komplex sind, als das Schema es vermuten lassen wĂŒrde.
Das Verb besteht aus drei Hauptbestandteilen:
| disjunkte PrÀfixe | konjunkte PrÀfixe | Stamm |
Diese drei Teile können in elf Positionen unterteilt werden, von denen einige wiederum weiter unterteilt werden können:
| disjunkte PrÀfixe | konjunkte PrÀfixe | Stamm | |||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 0 | 1a | 1b | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 |
| postpositionales Objekt | Postposition | adverbial-thematisch | iterativ | Plural | direktes Objekt | Deixis | adverbial-thematisch | Modus-Aspekt | Subjekt | Klassifikator | Stamm |
Zwar stehen die PrĂ€fixe fĂŒr gewöhnlich an einer bestimmten Position, aber einige PrĂ€fixe können die Reihenfolge durch Metathese Ă€ndern. So steht das PrĂ€fix a- (3i Objektpronomen) gewöhnlich vor di-, wie z. B. in
Wenn aber 'a- mit den PrĂ€fixen di- und ni- zusammentrifft, tauscht das 'a- durch Metathese seine Position mit dem di-, woraus die Reihenfolge di- + 'a- + ni- resultiert. So heiĂt es korrekt
anstelle der zu erwartenden Formulierung
adinisbÄ Ä s ('a-di-ni-sh-Ć-bÄ Ä s)
Navajo hat VerbstĂ€mme, die ein Objekt aufgrund seiner Form oder anderer physikalischer Charakteristika und darĂŒber hinaus auch die Bewegung oder den Zustand des Objektes klassifizieren. Diese VerbstĂ€mme werden als klassifizierende VerbstĂ€mme bezeichnet und ĂŒblicherweise mit einem englischen Akronym benannt. Es gibt elf primĂ€re klassifizierende VerbstĂ€mme fĂŒr von Hand bewegte Objekte, die hier im perfektiven Modus aufgelistet sind:
| Klassifikator + Stamm | Bezeichnung | VollstÀndige Bezeichnung (englisch) | ErlÀuterung | Beispiele |
|---|---|---|---|---|
| -'Ä Ì | SRO | Solid Roundish Object | fester, rundlicher Gegenstand | Flasche, Ball, Stiefel, Schachtel, etc. |
| -yÄŻÌ | LPB | Load, Pack, Burden | Ladung, GepĂ€ck, Last | Rucksack, BĂŒndel, Sack, Sattel, etc. |
| -Ć-jool | NCM | Non-Compact Matter | flĂŒchtige Stoffe | Grashaufen, Wolke, Nebel, etc. |
| -lå | SFO | Slender Flexible Object | schmaler, biegsamer Gegenstand | Seil, Handschuhe, Socken, Röstzwiebeln, etc. |
| -tÄ Ì | SSO | Slender Stiff Object | schmaler, unbiegsamer Gegenstand | Pfeil, Armreif, Pfanne, SĂ€ge, etc. |
| -Ć-tsooz | FFO | Flat Flexible Object | flacher, biegsamer Gegenstand | Decke, Mantel, Beutel, etc. |
| -tĆéé' | MM | Mushy Matter | weiche Stoffe | Eiskrem, Schlamm, bewusstlos zusammengebrochene Person, etc. |
| -nil | PLO1 | Plural Objects 1 | Objekte in Mehrzahl 1 | Eier, BĂ€lle, Tiere, MĂŒnzen, etc. |
| -jaa' | PLO2 | Plural Objects 2 | Objekte in Mehrzahl 2 | Murmeln, Samen, Zucker, KĂ€fer, etc. |
| -kÄ Ì | OC | Open Container | offener BehĂ€lter | ein Glas Milch, ein Löffel Essen, eine Handvoll Mehl, etc. |
| -Ć-tÄŻÌ | ANO | Animate Object | lebendiges Objekt | Mikrobe, Person, Leiche, Puppe, etc. |
Aufgrund dieser Klassikationen hat Navajo kein einzelnes Verb, das generell dem deutschen Wort geben entspricht. AbhĂ€ngig von der Einstufung des gegebenen Objektes gibt es im Navajo elf verschiedene Verben, die dem deutschen Verb geben entsprechen. Um etwa den deutschen Satz Gib mir etwas Heu auszudrĂŒcken, muss das Verb nĂĆjool (NCM) benutzt werden. Im Satz Gib mir eine Zigarette wird geben hingegen mit dem Verb nĂtÄŻÄŻh (SSO) wiedergegeben.
ZusĂ€tzlich zu der Definition der physikalischen Eigenschaften eines Objekts, können klassifizierende VerbstĂ€mme auĂerdem zwischen Objekten in verschiedenartigen Bewegungen unterscheiden. HierfĂŒr können die StĂ€mme in drei verschiedene Kategorien eingeteilt werden:
von Hand bewegt beinhaltet z. B. tragen, herablassen und wegnehmen, angetrieben werfen, fallenlassen, schleudern, etc. und freier Flug u. a. herabfallen und fliegen.
Die Kategorie SRO beispielsweise hat folgende StÀmme:
Wie in den meisten athapaskischen Sprachen markiert auch die Grammatik des Navajo verschiedene Grade der Belebtheit. Je nach ihrer Einordnung in diese Belebtheitshierarchie erfordern bestimmte Substantive dabei spezifische Verbformen (vgl. Young und Morgan 1987: 65â66). Den höchsten Grad der Belebtheit nehmen dabei menschliche Wesen ein, den niedrigsten Abstraktionen:
Mensch â Kind/groĂes Tier â Tier mittlerer GröĂe â kleines Tier â NaturkrĂ€fte â Abstraktion
Im Allgemeinen steht das Substantiv mit dem höheren Belebtheitsgrad im Satz vor dem mit niederem Grad. Haben beide Substantive denselben Belebtheitsgrad, ist die Reihenfolge frei.
Dieses PhÀnomen wurde zuerst von Kenneth Hale (1973) aufgezeichnet.
In dem Kriegsfilm Windtalkers geht es um Navajo-Muttersprachler, welche es wegen ihrer ĂbersetzungsfĂ€higkeiten vor den Japanern zu schĂŒtzen galt. Der Begriff Windtalkers leitet sich zwar von der Bezeichnung der Navajo fĂŒr die Funktechnik ab, und bedeutet âdie mit dem Wind sprechenâ; jedoch wurden die im Nachrichtendienst eingesetzten Sprecher nicht derartig bezeichnet, sondern schlicht und einfach als Navajo Code Talkers.