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Neger (span. negro, frz. nĂšgre von ursprĂŒnglich lat. niger fĂŒr schwarz) ist ein im 17. Jahrhundert in die deutsche Sprache eingefĂŒhrter Begriff, der Menschen dunkler Hautfarbe bezeichnet und mit ihnen weitere Merkmale verbindet. Das Wort fand zunĂ€chst begrenzt Verwendung und bĂŒrgerte sich ab dem 18. Jahrhundert mit der Etablierung von Rassentheorien und der inzwischen ĂŒberholten Vorstellung einer ânegriden Rasseâ ein. Sie ist eng mit der Geschichte von Kolonialismus, Sklaverei und Rassentrennung verbunden und erlangte weite Verbreitung, sowohl in der Gelehrten- als auch in der Literatur- und der Alltagssprache.
Nach dem Ende des Kolonialismus in der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts, in der es einem Bedeutungswechsel vom deskriptiven Begriff zum wertenden[1] unterlag, ist seine Verwendung stark zurĂŒckgegangen und beschrĂ€nkt sich heute im Wesentlichen auf die Umgangssprache. Insbesondere in rechtsextremen[2] und rassistischen Kreisen ist die Bezeichnung unverĂ€ndert Bestandteil des Vokabulars.
Ihre denotativen Bedeutungen waren ĂŒber die Jahrhunderte hinweg Wandlungen unterworfen, ebenso unterlagen die konnotativen Bedeutungen starken VerĂ€nderungen. Es wird seit Mitte der 1970er Jahre zunehmend als rassistisch und abwertend konnotiert beschrieben[3][4][5] und von vielen der so Bezeichneten öffentlich abgelehnt.[6][7] Vor dem Hintergrund dieser Bewusstseinsentwicklung gilt Neger zumindest seit einigen Jahrzehnten als Schimpfwort.
Inhaltsverzeichnis |
Nach dem Etymologischen Wörterbuch der deutschen Sprache hat das Wort Neger die Ausgangsbedeutung âSchwarzerâ und ist ein Lehnwort nach dem französischen nĂšgre, das wiederum vom spanischen negro, der Nachfolgeform des Lateinischen niger (âschwarzâ) kommt.[8] Er wurde erstmals im 16. Jahrhundert wĂ€hrend des spanischen und portugiesischen Sklavenhandels auf Menschen ĂŒbertragen, vornehmlich fĂŒr die zur Handelsware erklĂ€rten Bewohner Afrikas, und bezog sich auf deren Hautfarbe.[9] Die damit verbundene Stereotypisierung von Menschen geht laut Veröffentlichungen des Soziologen Wulf D. Hund dementsprechend nicht auf die Wahrnehmung natĂŒrlicher Unterschiede zurĂŒck, âsondern ist vor dem Hintergrund von Kolonialismus und neuzeitlicher Sklaverei entstandenâ.[10] Der analoge Begriff in der deutschen Sprache fand in Texten des 17. Jahrhunderts begrenzt Verwendung[11] und bĂŒrgerte sich im 18. Jahrhundert gleichzeitig mit der Etablierung von Rassentheorien ein.[12] Der teilweise von dem Begriff Neger abgelöste Ausdruck Mohr macht seinem Ursprung nach ebenfalls eine Aussage ĂŒber die Hautfarbe. Er ist ein Lehnwort aus dem lateinischen Wort maurus fĂŒr die Bewohner Mauretaniens, selten auch fĂŒr alle Afrikaner, das wiederum vom griechischen áŒÎŒÎ±Ï ÏÏÏ (amauros, âim Ganzen dunkelâ) stammt.[13][14][9] Ebenfalls ĂŒber die Hautfarbe bestimmt sich der frĂŒher fĂŒr dunkelhĂ€utige Afrikaner gebrĂ€uchliche Begriff Ăthiopier, der ĂŒber lateinische Vermittlung vom griechischen ÎጎΞÎčÎżÏ (Aithiops, âBrandgesichtâ) kommt. Die Bezeichnung als âBrandgesichtâ bezieht sich auf den Mythos von Phaethon.[14]
Das lateinische Adjektiv niger mit der Bedeutung schwarz wurde bei der Ăbertragung in andere Sprachen substantiviert. Auf Menschen bezogen, enthĂ€lt es somit das Denotat âMensch mit schwarzer Hautfarbeâ.[15] Bereits mit der Verwendung im Portugiesischen und Spanischen im 16. Jahrhundert wurde die Bezeichnung ânegroâ mit dem Wort Sklave konnotiert und im Weiteren mit anatomisch-Ă€sthetischen (hĂ€sslich), sozialen (wild, ohne Kultur), sexuellen (abnorm) und psychologischen (kindlich) Vorstellungen verknĂŒpft.[16] Die Ăbernahme des Begriffs in das Französische als ânĂšgreâ im 16. Jahrhundert beinhaltete die Nebenbedeutungen und stand damit im Gegensatz zu dem direkt aus dem Lateinischen abgeleiteten noir fĂŒr schwarz.[11] Mit gleicher Gewichtung wurde das Wort als âNegerâ im 17. Jahrhundert in die deutsche Sprache ĂŒbertragen, die Konnotation war von vorneherein und dauerhaft inbegriffen,[17] wurde jedoch bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts von den meisten EuropĂ€ern nicht als negativ aufgefasst. Erst mit dem Ende des Kolonialismus nach dem Zweiten Weltkrieg, mehr noch mit der amerikanischen BĂŒrgerrechtsbewegung und der Ăberwindung von Rassentheorien wurde die rassistische Konnotation des Begriffs anerkannt.
In der Klassifikation des Tierreichs teilte Carl von LinnĂ© im Jahre 1735 in der 1. Auflage seiner Systema Naturae die Gattung Homo in die vier VarietĂ€ten Homo europaeus albescens (europĂ€ischer erbleichender Mensch), Homo americanus rubescens (amerikanischer errötender Mensch), Homo asiaticus fuscus (asiatischer dunkler Mensch) und Homo africanus niger (afrikanischer schwarzer Mensch) ein.[18] Menschen wurden damit auf Grundlage des Merkmals Hautfarbe zu einer biologischen und anthropologischen Einheit in einem wissenschaftlichen Ordnungsprinzip, auch wenn bei dieser Annahme nur bedingt auf dieses Merkmal zurĂŒckgegriffen werden konnte, denn die Wahrnehmung natĂŒrlicher Unterschiede entsprach nicht den Abstrakta eines âWeiĂâ, âRotâ, âGelbâ oder âSchwarzâ der Hautfarbe.[19] So nahm sowohl die Anthropologie, unter anderem durch Johann Friedrich Blumenbach, wie die Philosophie des 18. und 19. Jahrhunderts eine Weiterung zur Rassentheorie vor. In einem Konglomerat aus biologistischen und Ă€sthetischen Wertungen wurde das rassistische Stereotyp des âNegersâ geschaffen, der beispielsweise nach Immanuel Kant als âstark, fleischig, gelenk, ⊠faul, weichlich und tĂ€ndelndâ[20] oder nach dem Popularphilosophen Christoph Meiners lediglich als âHalbmenschâ anzusehen sei.[21]
Einher ging diese Konstruktion einer Rasse und die Etablierung des Begriffs âNegerâ mit dem groĂen politischen und wirtschaftlichen Faktor des transatlantischen Sklavenhandels. Wulf D. Hund fĂŒhrt dazu aus: âTatsĂ€chlich konstruieren die EuropĂ€er, wĂ€hrend sie einen ganzen Kontinent zum Sklavenreservoir ihrer kolonialen Expansion machen, gleichzeitig die Rasse des Africanus niger. Dabei wird in einem langwierigen und keineswegs gradlinigen Prozess ein im Verlauf des 16. und 17. Jahrhunderts zusehends negativ gekennzeichnetes Mohrenbild mit der im 18. Jahrhundert entwickelten Ordnungskategorie Rasse zum Begriff des Negers verschmolzen.â[22]
In der weiteren Entwicklung hat der Begriff laut der Afrikawissenschaftlerin Susan Arndt âals sprachliche Schöpfung von Sklaverei und Kolonialismus [âŠ] die Ideologeme, Denkmuster und Hierarchien dieser Zeitâ beibehalten.[9] Der Begriff âNegerâ als Lexem wurde hinsichtlich Ă€uĂerlicher Merkmale und der geographischen Verbreitung verschieden umgrenzt und war nicht nur niemals eindeutig, sondern wandelte sich auch ĂŒber die Zeit.
âNeger ist der gemeinsame Name der durch schwarze FĂ€rbung der sammtartig weichen, fettig anzufĂŒhlenden Haut, schwarzes, wolliges Haar, platten SchĂ€del, vorstehende Backenknochen und aufgeworfene Lippen ausgezeichneten Bevölkerung des mittlern und nordwestl. Afrika, welche den wesentlichsten Theil der Ă€thiopischen Menschenrace (s. Mensch) ausmacht.â
â Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon 1839[23]
WĂ€hrend der Brockhaus von 1839 die als âNegerâ Bezeichneten in der mittel- und nordwestafrikanischen Bevölkerung sowie in Ostindien und auf SĂŒdseeinseln sieht, gibt Meyers Konversations-Lexikon von 1888 auch abweichende wissenschaftliche Meinungen wieder, welche Völker unter diesen Begriff zu zĂ€hlen seien:
âNeger: (franz. nĂšgre, v. lat. niger, schwarz, Nigritier), die ausgeprĂ€gte Rasse Afrikas, welche diesen Kontinent, vom SĂŒdrand der Sahara angefangen, bis zu dem Gebiet der Hottentoten und BuschmĂ€nner auf der sĂŒdlichen Halbkugel und vom Atlantischen bis zum Indischen Ozean bewohnt, so daĂ nur der sĂŒdwestliche Teil Afrikas und der Norden von andern Rassen (Khoi-Khoin, Hamiten, Semiten) eingenommen werden. [âŠ] Waitz schlieĂt von den eigentlichen âNegernâ Berber, Kopten, Abessinier, Galla, Nubier, Hottentoten, Kaffern, Congovölker und Malgaschen, Schweinfurth auch die Bongo aus, und Fr. MĂŒller will zu den âNegernâ nur die Völker des westlichen und mittlern Afrika gerechnet wissen, welche zwischen der Sahara und dem Ăquator wohnen. Andre haben neuerdings wiederum versucht, auch die hellfarbigen Nordafrikaner (Hamiten) mit ihnen zu vereinigen, da zahlreiche ĂbergĂ€nge zwischen ihnen und den eigentlichen âNegernâ vorhanden sind. [âŠ]â
â Meyers Konversations-Lexikon 1888[24]
Im Deutschen Kolonial-Lexikon von 1920 benennt der Hamburger Völkerkundler Georg Thilenius die Probleme der Unterteilung der âRasseâ:
âNeger Die dunkelhĂ€utige Rasse, die Afrika bewohnt, ist, abgesehen von der Hautfarbe, durch Langköpfigkeit, Prognathie, krauses Kopfhaar gekennzeichnet. Im einzelnen ergeben sich Unterschiede nach Gebieten, doch ist es nicht möglich gewesen, fest begrenzte Unterabteilungen der N. zu definieren oder den beiden Sprachgruppen, den Sudansprachen (s. d.) und Bantusprachen (s. d.) entsprechende anthropologische aufzustellen.â
â Deutsches Kolonial-Lexikon 1920[25]
âNeger 1) N., Ă€ltere Bezeichnung âMohren, Nigritier, Ăthiopierâ [âŠ] einheitl. Menschenrasse in Afrika sĂŒdl. von der Sahara bis zum Kapland [âŠ] dunkle Hautfarbe, vom tiefsten Braunschwarz sich abstufend bis zum Graubraun, Schokoladebraun und rötlichem Braun, wolliger Haarwuchs. Diese Verschiedenheit beruht zumeist auf Mischung mit den anderen Rassenelementen Afrikas [âŠ].â
â Der GroĂe Brockhaus, 1934[26]
WĂ€hrend der NS-Zeit werden in der 12. Dudenauflage von 1941 der nationalsozialistischen Rassenlehre entsprechend die Lemmata ânegridâ, âNegrideâ und âNegroideâ aufgenommen und mit dem Wort âNegerâ als negrider Zweig der Menschenrassen verknĂŒpft. Bis zur 15. Duden-Neuauflage 1961 bleiben die EintrĂ€ge unverĂ€ndert.[27]
Ab Mitte der 1970er finden sich in deutschen WörterbĂŒchern, zunĂ€chst vereinzelt, Hinweise auf eine abwertende oder diskriminierende Konnotation des Begriffs. WĂ€hrend das dtv-Lexikon weiterhin einen ânegriden Rassenkreisâ beschreibt, wird im Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache von 1975 eine Unterscheidung zwischen Afroamerikanern (vgl. auch Afro-Lateinamerikaner) und Afrikanern vorgenommen: Als Bezeichnung fĂŒr Afrikaner wird hier der Begriff Neger als âveraltendâ und âheute oft abwertendâ beschrieben; als Eintrag fĂŒr Afroamerikaner fehlt eine solche Markierung jedoch.[28]
âNeger [aus span. âSchwarzerâ], im gewöhnlichen Sprachgebrauch die dunkelhĂ€utigen Bewohner Afrikas sĂŒdl. der Sahara bis zum Kapland sowie die Nachkommen der nach Nordafrika, Arabien und bes. nach Westindien, Nord- und SĂŒdamerika verschleppten Sklaven. Die N. bilden die kennzeichnendsten Gruppen des negriden Rassenkreises (â Negride). â afrikanische Sprachen.â
â dtv-Lexikon 1975[29]
âNeger, dunkelhĂ€utiger Mensch mit sehr krausem schwarzen Haar a) Nachkomme der nach Amerika verschleppten Bewohner Afrikas: der Kampf der N. in den USA um ihre Gleichberechtigung b) veraltend /heute oft abwertend/ Bewohner groĂer Teile Afrikas: Togo, ein unabhĂ€ngiger Nationalstaat der N. an der GuineakĂŒste [âŠ] â
â Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache, 1975[30]
âNeger, die der negriden Rasse zugehörigen Bewohner Afrikas, heute wegen der damit oft verbundenen abwertenden Bed. als Afrikaner od. Schwarze bezeichnet.â
â Duden. Lexikon von A bis Z, 1984[31]
In den WörterbĂŒchern des Dudenverlags ab 2004 werden in den Vorwörtern Gebrauchshinweise zu brisanten Wörtern vorangestellt, so wird der Begriff im Synonymwörterbuch als nicht mehr erwĂŒnschte Personenbezeichnungen und im Rechtschreibduden als diskriminierend gekennzeichnet[32] (â Politische Korrektheit).
âNeger â Viele Menschen empfinden die Bezeichnungen Neger, Negerin heute als diskriminierend. Alternative Bezeichnungen sind Schwarzafrikaner, Schwarzafrikanerin oder auch Afroamerikaner, Afroamerikanerin, Afrodeutscher, Afrodeutsche; in bestimmten Kontexten auch Schwarzer, Schwarze. Vermieden werden sollten auch Zusammensetzungen mit Neger wie Negerkuss, stattdessen verwendet man besser Schokokuss.â
â Duden â Die deutsche Rechtschreibung 2006[33]
Der im englischen und amerikanischen Bereich verwendete Begriff Negro hat eine andere Herkunftsgeschichte als der deutsche Begriff. Er wurde fĂŒr Personen schwarzer Herkunft oder Aussehens, unabhĂ€ngig von der Herkunft, bis zum Wechsel der in den USA amtlichen Klassifikationen von Rasse und EthnizitĂ€t in den 1960er Jahren beibehalten. Dabei wurde auch die zuvor gebrĂ€uchliche Einteilung in Negride, Europide und Mongolide aufgegeben. Der Gebrauch auch als Eigenbezeichnung war bis zur Amerikanischen BĂŒrgerrechtsbewegung, zum Beispiel bei Martin Luther King weit verbreitet. Versuche, den Begriff positiv zu besetzen, wurden spĂ€ter zugunsten des heute weiter verbreiteten Black (schwarz) oder Afro aufgegeben. Diese Begriffe unterlagen teilweise einer Euphemismus-TretmĂŒhle und waren selbst auch zuvor negativ oder rassistisch besetzt oder benutzt worden.
Obwohl Negro wie Neger nach den 1960er Jahren zunehmend als Ethnophaulismus angesehen werden, sind in den USA einzelne entsprechend benannte Institutionen wie der United Negro College Fund als wichtiger Stipendiengeber fĂŒr schwarze Studenten nach wie vor in Betrieb. ZusĂ€tzlich wird einzelner segregierter Institutionen wie der Negro league baseball auch bewusst unter diesem Namen gedacht. In den USA ist zudem amtlicherseits eine Klassifikation nach der Selbstidentifikation[34] mit einer race ĂŒblich, was in Deutschland aufgrund des Grundrechts auf Gleichheit (Art. 3 III GG) nicht möglich wĂ€re.[35] Der Begriff Negro wird dem United States Census Bureau zufolge auch bei der VolkszĂ€hlung 2010 neben âBlackâ und âAfrican-Americanâ in Gebrauch bleiben[36], da sich Ă€ltere BĂŒrger immer noch damit identifizieren wĂŒrden.[37]
Im NiederlĂ€ndischen wird das Wort neger und seine Verwendung im Allgemeinen nicht als problematisch angesehen â einen rassistisch-negativen Beiklang haben hier die als Scheltwörter verwendeten, aus dem Afrikaansen entlehnten Begriffe nikker und kaffer. Diese Situation rĂŒhrt vor allem daher, dass die Diskriminierung dunkelhĂ€utiger Afrikaner in der jĂŒngeren Geschichte des niederlĂ€ndischen Sprachgebietes im weiteren Sinne vor allem an der Apartheidspolitik in SĂŒdafrika sinnfĂ€llig geworden ist. Im Sprachgebrauch der Apartheid wurden die Einwohner in blank (âweiĂâ), Aziatisch, zwart (âschwarzâ) und kleurling (âfarbigâ) unterschieden, weshalb diese letzten beiden Begriffe neben nikker und kaffer, jedoch anders als das vom Apartheidsregime nicht gebrauchte neger, im heutigen NiederlĂ€ndischen mit Rassendiskriminierung in Verbindung gebracht werden.
Aus dem Französischen wurde der abgeleitete Begriff NĂ©gritude ins Deutsche aufgenommen. Der Dichter und Politiker AimĂ© CĂ©saire[38] begann damit eine frankophon geprĂ€gte literarisch-philosophische und politische Strömung, die fĂŒr eine kulturelle Selbstbehauptung aller Menschen Afrikas und ihrer afrikanischen Herkunft eintritt. Durch LĂ©opold SĂ©dar Senghor und dessen Freundschaft mit Janheinz Jahn wurde die moderne afrikanische Literatur in Deutschland bekannt und (westdeutsche) Vorstellungen und Vorurteile gegenĂŒber Afrikanern entscheidend modernisiert und abgebaut.
In Spanien und Portugal entspricht der Gebrauch von negro dem des deutschen oder englischen schwarz. In Brasilien ist die offizielle Einteilung nach Hautfarbe mehr mit dem sozialen Status als mit dem tatsĂ€chlichen Aussehen verknĂŒpft. In der portugiesischen Sprache wird inzwischen das Wort negro ausschlieĂlich auf Menschen angewandt, wĂ€hrend der ansonsten fĂŒr die Farbe Schwarz ĂŒbliche Begriff preto fĂŒr Menschen ein Pejorativ darstellt.
Unter dem Eindruck der BĂŒrgerrechtsbewegung in den USA wird der Begriff âNegerâ seit den 1970er Jahren in der Bundesrepublik und seit den 1980er Jahren in der DDR zunehmend als abwertend empfunden.[39] Es wird dabei auf die rassistische Konnotation verwiesen, die der Bezug des Begriffs auf die Hautfarbe nimmt. AuĂerdem stelle der Begriff eine Stereotypisierung durch biologistische Einteilungen dar und diene der Pseudolegitimation des Konstruktes âRasseâ.[40] Der Sprachwissenschaftler Theodor Ickler sieht die herabsetzende Wertung des Begriffs in der geschichtlichen Entwicklung begrĂŒndet, wobei ânoch eine ĂŒbermĂ€chtige auslĂ€ndische Diskussion hinzukommt, die eine Eigenentwicklung fĂŒr das Deutsche praktisch ausschlieĂt.â[32]
In der DDR blieben trotz erheblicher, auch militĂ€rischer AfrikaaktivitĂ€ten Vorurteile lĂ€nger erhalten. Dies wird auch auf den bis auf einzelne protestantische Arbeitsgruppen ausschlieĂlich staatlich geleiteten Afrikadiskurs zurĂŒckgefĂŒhrt.[41][42]
Die innerkirchliche Erneuerung des Afrikadiskurses und des Umgangs mit dem Bild des Negers fand insbesondere auf Initiative Heino Falckes nach dessen Rede âChristus befreit â darum Kirche fĂŒr andereâ 1972 statt.
In deutschen WörterbĂŒchern ist seit Mitte der 1970er Jahre zunehmend der Hinweis zu finden, dass der Begriff sowie seine Komposita vermieden werden sollten.
Der Begriff âSchwarzeâ, der entsprechend dem englischen Black als Eigenbezeichnung verbreitet ist, ist anders konnotiert. Als solche bezieht er sich semantisch nicht auf die Hautfarbe, sondern beinhaltet eine kulturelle und soziale IdentitĂ€t, mit der der Kontext aufgegriffen wird, in dem Menschen durch Rassismus und Sozialisation zu Schwarzen gemacht wurden.[43]
Bis Anfang der 1990er Jahre vermarktete die Dr. Oetker GmbH noch die Eissorte âNegerleinâ, ein mit Schokolade ĂŒberzogenes Vanilleeis. In den 1990er Jahren verschwand dann auch die Warenbezeichnung âNegerkĂŒsseâ fĂŒr SchokokĂŒsse.