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Neger

Dieser Artikel beschreibt die Bezeichnung Neger fĂŒr einen veraltenden Begriff fĂŒr einen dunkelhĂ€utigen Menschen. FĂŒr andere Bedeutungen siehe Neger (BegriffsklĂ€rung).

Neger (span. negro, frz. nĂšgre von ursprĂŒnglich lat. niger fĂŒr schwarz) ist ein im 17. Jahrhundert in die deutsche Sprache eingefĂŒhrter Begriff, der Menschen dunkler Hautfarbe bezeichnet und mit ihnen weitere Merkmale verbindet. Das Wort fand zunĂ€chst begrenzt Verwendung und bĂŒrgerte sich ab dem 18. Jahrhundert mit der Etablierung von Rassentheorien und der inzwischen ĂŒberholten Vorstellung einer „negriden Rasse“ ein. Sie ist eng mit der Geschichte von Kolonialismus, Sklaverei und Rassentrennung verbunden und erlangte weite Verbreitung, sowohl in der Gelehrten- als auch in der Literatur- und der Alltagssprache.

Nach dem Ende des Kolonialismus in der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts, in der es einem Bedeutungswechsel vom deskriptiven Begriff zum wertenden[1] unterlag, ist seine Verwendung stark zurĂŒckgegangen und beschrĂ€nkt sich heute im Wesentlichen auf die Umgangssprache. Insbesondere in rechtsextremen[2] und rassistischen Kreisen ist die Bezeichnung unverĂ€ndert Bestandteil des Vokabulars.

Ihre denotativen Bedeutungen waren ĂŒber die Jahrhunderte hinweg Wandlungen unterworfen, ebenso unterlagen die konnotativen Bedeutungen starken VerĂ€nderungen. Es wird seit Mitte der 1970er Jahre zunehmend als rassistisch und abwertend konnotiert beschrieben[3][4][5] und von vielen der so Bezeichneten öffentlich abgelehnt.[6][7] Vor dem Hintergrund dieser Bewusstseinsentwicklung gilt Neger zumindest seit einigen Jahrzehnten als Schimpfwort.

Inhaltsverzeichnis

Etymologie

Herkunft

Nach dem Etymologischen Wörterbuch der deutschen Sprache hat das Wort Neger die Ausgangsbedeutung „Schwarzer“ und ist ein Lehnwort nach dem französischen nĂšgre, das wiederum vom spanischen negro, der Nachfolgeform des Lateinischen niger („schwarz“) kommt.[8] Er wurde erstmals im 16. Jahrhundert wĂ€hrend des spanischen und portugiesischen Sklavenhandels auf Menschen ĂŒbertragen, vornehmlich fĂŒr die zur Handelsware erklĂ€rten Bewohner Afrikas, und bezog sich auf deren Hautfarbe.[9] Die damit verbundene Stereotypisierung von Menschen geht laut Veröffentlichungen des Soziologen Wulf D. Hund dementsprechend nicht auf die Wahrnehmung natĂŒrlicher Unterschiede zurĂŒck, „sondern ist vor dem Hintergrund von Kolonialismus und neuzeitlicher Sklaverei entstanden“.[10] Der analoge Begriff in der deutschen Sprache fand in Texten des 17. Jahrhunderts begrenzt Verwendung[11] und bĂŒrgerte sich im 18. Jahrhundert gleichzeitig mit der Etablierung von Rassentheorien ein.[12] Der teilweise von dem Begriff Neger abgelöste Ausdruck Mohr macht seinem Ursprung nach ebenfalls eine Aussage ĂŒber die Hautfarbe. Er ist ein Lehnwort aus dem lateinischen Wort maurus fĂŒr die Bewohner Mauretaniens, selten auch fĂŒr alle Afrikaner, das wiederum vom griechischen ጀΌαυρός (amauros, „im Ganzen dunkel“) stammt.[13][14][9] Ebenfalls ĂŒber die Hautfarbe bestimmt sich der frĂŒher fĂŒr dunkelhĂ€utige Afrikaner gebrĂ€uchliche Begriff Äthiopier, der ĂŒber lateinische Vermittlung vom griechischen ΑጎΞÎčÎżÏˆ (Aithiops, „Brandgesicht“) kommt. Die Bezeichnung als „Brandgesicht“ bezieht sich auf den Mythos von Phaethon.[14]

Semantik

Das lateinische Adjektiv niger mit der Bedeutung schwarz wurde bei der Übertragung in andere Sprachen substantiviert. Auf Menschen bezogen, enthĂ€lt es somit das Denotat „Mensch mit schwarzer Hautfarbe“.[15] Bereits mit der Verwendung im Portugiesischen und Spanischen im 16. Jahrhundert wurde die Bezeichnung „negro“ mit dem Wort Sklave konnotiert und im Weiteren mit anatomisch-Ă€sthetischen (hĂ€sslich), sozialen (wild, ohne Kultur), sexuellen (abnorm) und psychologischen (kindlich) Vorstellungen verknĂŒpft.[16] Die Übernahme des Begriffs in das Französische als „nĂšgre“ im 16. Jahrhundert beinhaltete die Nebenbedeutungen und stand damit im Gegensatz zu dem direkt aus dem Lateinischen abgeleiteten noir fĂŒr schwarz.[11] Mit gleicher Gewichtung wurde das Wort als „Neger“ im 17. Jahrhundert in die deutsche Sprache ĂŒbertragen, die Konnotation war von vorneherein und dauerhaft inbegriffen,[17] wurde jedoch bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts von den meisten EuropĂ€ern nicht als negativ aufgefasst. Erst mit dem Ende des Kolonialismus nach dem Zweiten Weltkrieg, mehr noch mit der amerikanischen BĂŒrgerrechtsbewegung und der Überwindung von Rassentheorien wurde die rassistische Konnotation des Begriffs anerkannt.

Bedeutungsgeschichte

In der Klassifikation des Tierreichs teilte Carl von LinnĂ© im Jahre 1735 in der 1. Auflage seiner Systema Naturae die Gattung Homo in die vier VarietĂ€ten Homo europaeus albescens (europĂ€ischer erbleichender Mensch), Homo americanus rubescens (amerikanischer errötender Mensch), Homo asiaticus fuscus (asiatischer dunkler Mensch) und Homo africanus niger (afrikanischer schwarzer Mensch) ein.[18] Menschen wurden damit auf Grundlage des Merkmals Hautfarbe zu einer biologischen und anthropologischen Einheit in einem wissenschaftlichen Ordnungsprinzip, auch wenn bei dieser Annahme nur bedingt auf dieses Merkmal zurĂŒckgegriffen werden konnte, denn die Wahrnehmung natĂŒrlicher Unterschiede entsprach nicht den Abstrakta eines „Weiß“, „Rot“, „Gelb“ oder „Schwarz“ der Hautfarbe.[19] So nahm sowohl die Anthropologie, unter anderem durch Johann Friedrich Blumenbach, wie die Philosophie des 18. und 19. Jahrhunderts eine Weiterung zur Rassentheorie vor. In einem Konglomerat aus biologistischen und Ă€sthetischen Wertungen wurde das rassistische Stereotyp des „Negers“ geschaffen, der beispielsweise nach Immanuel Kant als „stark, fleischig, gelenk, 
 faul, weichlich und tĂ€ndelnd“[20] oder nach dem Popularphilosophen Christoph Meiners lediglich als „Halbmensch“ anzusehen sei.[21]

Einher ging diese Konstruktion einer Rasse und die Etablierung des Begriffs „Neger“ mit dem großen politischen und wirtschaftlichen Faktor des transatlantischen Sklavenhandels. Wulf D. Hund fĂŒhrt dazu aus: „TatsĂ€chlich konstruieren die EuropĂ€er, wĂ€hrend sie einen ganzen Kontinent zum Sklavenreservoir ihrer kolonialen Expansion machen, gleichzeitig die Rasse des Africanus niger. Dabei wird in einem langwierigen und keineswegs gradlinigen Prozess ein im Verlauf des 16. und 17. Jahrhunderts zusehends negativ gekennzeichnetes Mohrenbild mit der im 18. Jahrhundert entwickelten Ordnungskategorie Rasse zum Begriff des Negers verschmolzen.“[22]

Weitere Entwicklung

In der weiteren Entwicklung hat der Begriff laut der Afrikawissenschaftlerin Susan Arndt „als sprachliche Schöpfung von Sklaverei und Kolonialismus [
] die Ideologeme, Denkmuster und Hierarchien dieser Zeit“ beibehalten.[9] Der Begriff „Neger“ als Lexem wurde hinsichtlich Ă€ußerlicher Merkmale und der geographischen Verbreitung verschieden umgrenzt und war nicht nur niemals eindeutig, sondern wandelte sich auch ĂŒber die Zeit.

„Neger ist der gemeinsame Name der durch schwarze FĂ€rbung der sammtartig weichen, fettig anzufĂŒhlenden Haut, schwarzes, wolliges Haar, platten SchĂ€del, vorstehende Backenknochen und aufgeworfene Lippen ausgezeichneten Bevölkerung des mittlern und nordwestl. Afrika, welche den wesentlichsten Theil der Ă€thiopischen Menschenrace (s. Mensch) ausmacht.“

– Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon 1839[23]

WĂ€hrend der Brockhaus von 1839 die als „Neger“ Bezeichneten in der mittel- und nordwestafrikanischen Bevölkerung sowie in Ostindien und auf SĂŒdseeinseln sieht, gibt Meyers Konversations-Lexikon von 1888 auch abweichende wissenschaftliche Meinungen wieder, welche Völker unter diesen Begriff zu zĂ€hlen seien:

„Neger: (franz. nĂšgre, v. lat. niger, schwarz, Nigritier), die ausgeprĂ€gte Rasse Afrikas, welche diesen Kontinent, vom SĂŒdrand der Sahara angefangen, bis zu dem Gebiet der Hottentoten und BuschmĂ€nner auf der sĂŒdlichen Halbkugel und vom Atlantischen bis zum Indischen Ozean bewohnt, so daß nur der sĂŒdwestliche Teil Afrikas und der Norden von andern Rassen (Khoi-Khoin, Hamiten, Semiten) eingenommen werden. [
] Waitz schließt von den eigentlichen ‚Negern‘ Berber, Kopten, Abessinier, Galla, Nubier, Hottentoten, Kaffern, Congovölker und Malgaschen, Schweinfurth auch die Bongo aus, und Fr. MĂŒller will zu den ‚Negern‘ nur die Völker des westlichen und mittlern Afrika gerechnet wissen, welche zwischen der Sahara und dem Äquator wohnen. Andre haben neuerdings wiederum versucht, auch die hellfarbigen Nordafrikaner (Hamiten) mit ihnen zu vereinigen, da zahlreiche ÜbergĂ€nge zwischen ihnen und den eigentlichen ‚Negern‘ vorhanden sind. [
]“

– Meyers Konversations-Lexikon 1888[24]

Im Deutschen Kolonial-Lexikon von 1920 benennt der Hamburger Völkerkundler Georg Thilenius die Probleme der Unterteilung der „Rasse“:

„Neger Die dunkelhĂ€utige Rasse, die Afrika bewohnt, ist, abgesehen von der Hautfarbe, durch Langköpfigkeit, Prognathie, krauses Kopfhaar gekennzeichnet. Im einzelnen ergeben sich Unterschiede nach Gebieten, doch ist es nicht möglich gewesen, fest begrenzte Unterabteilungen der N. zu definieren oder den beiden Sprachgruppen, den Sudansprachen (s. d.) und Bantusprachen (s. d.) entsprechende anthropologische aufzustellen.“

– Deutsches Kolonial-Lexikon 1920[25]

„Neger 1) N., Ă€ltere Bezeichnung ‚Mohren, Nigritier, Äthiopier‘ [
] einheitl. Menschenrasse in Afrika sĂŒdl. von der Sahara bis zum Kapland [
] dunkle Hautfarbe, vom tiefsten Braunschwarz sich abstufend bis zum Graubraun, Schokoladebraun und rötlichem Braun, wolliger Haarwuchs. Diese Verschiedenheit beruht zumeist auf Mischung mit den anderen Rassenelementen Afrikas [
].“

– Der Große Brockhaus, 1934[26]

WĂ€hrend der NS-Zeit werden in der 12. Dudenauflage von 1941 der nationalsozialistischen Rassenlehre entsprechend die Lemmata „negrid“, „Negride“ und „Negroide“ aufgenommen und mit dem Wort „Neger“ als negrider Zweig der Menschenrassen verknĂŒpft. Bis zur 15. Duden-Neuauflage 1961 bleiben die EintrĂ€ge unverĂ€ndert.[27]

Ab Mitte der 1970er finden sich in deutschen WörterbĂŒchern, zunĂ€chst vereinzelt, Hinweise auf eine abwertende oder diskriminierende Konnotation des Begriffs. WĂ€hrend das dtv-Lexikon weiterhin einen „negriden Rassenkreis“ beschreibt, wird im Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache von 1975 eine Unterscheidung zwischen Afroamerikanern (vgl. auch Afro-Lateinamerikaner) und Afrikanern vorgenommen: Als Bezeichnung fĂŒr Afrikaner wird hier der Begriff Neger als „veraltend“ und „heute oft abwertend“ beschrieben; als Eintrag fĂŒr Afroamerikaner fehlt eine solche Markierung jedoch.[28]

„Neger [aus span. „Schwarzer“], im gewöhnlichen Sprachgebrauch die dunkelhĂ€utigen Bewohner Afrikas sĂŒdl. der Sahara bis zum Kapland sowie die Nachkommen der nach Nordafrika, Arabien und bes. nach Westindien, Nord- und SĂŒdamerika verschleppten Sklaven. Die N. bilden die kennzeichnendsten Gruppen des negriden Rassenkreises (→ Negride). → afrikanische Sprachen.“

– dtv-Lexikon 1975[29]

„Neger, dunkelhĂ€utiger Mensch mit sehr krausem schwarzen Haar a) Nachkomme der nach Amerika verschleppten Bewohner Afrikas: der Kampf der N. in den USA um ihre Gleichberechtigung b) veraltend /heute oft abwertend/ Bewohner großer Teile Afrikas: Togo, ein unabhĂ€ngiger Nationalstaat der N. an der GuineakĂŒste [
] “

– Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache, 1975[30]

„Neger, die der negriden Rasse zugehörigen Bewohner Afrikas, heute wegen der damit oft verbundenen abwertenden Bed. als Afrikaner od. Schwarze bezeichnet.“

– Duden. Lexikon von A bis Z, 1984[31]

In den WörterbĂŒchern des Dudenverlags ab 2004 werden in den Vorwörtern Gebrauchshinweise zu brisanten Wörtern vorangestellt, so wird der Begriff im Synonymwörterbuch als nicht mehr erwĂŒnschte Personenbezeichnungen und im Rechtschreibduden als diskriminierend gekennzeichnet[32] (→ Politische Korrektheit).

„Neger – Viele Menschen empfinden die Bezeichnungen Neger, Negerin heute als diskriminierend. Alternative Bezeichnungen sind Schwarzafrikaner, Schwarzafrikanerin oder auch Afroamerikaner, Afroamerikanerin, Afrodeutscher, Afrodeutsche; in bestimmten Kontexten auch Schwarzer, Schwarze. Vermieden werden sollten auch Zusammensetzungen mit Neger wie Negerkuss, stattdessen verwendet man besser Schokokuss.“

– Duden – Die deutsche Rechtschreibung 2006[33]

Verwendung in anderen Sprachen

Der im englischen und amerikanischen Bereich verwendete Begriff Negro hat eine andere Herkunftsgeschichte als der deutsche Begriff. Er wurde fĂŒr Personen schwarzer Herkunft oder Aussehens, unabhĂ€ngig von der Herkunft, bis zum Wechsel der in den USA amtlichen Klassifikationen von Rasse und EthnizitĂ€t in den 1960er Jahren beibehalten. Dabei wurde auch die zuvor gebrĂ€uchliche Einteilung in Negride, Europide und Mongolide aufgegeben. Der Gebrauch auch als Eigenbezeichnung war bis zur Amerikanischen BĂŒrgerrechtsbewegung, zum Beispiel bei Martin Luther King weit verbreitet. Versuche, den Begriff positiv zu besetzen, wurden spĂ€ter zugunsten des heute weiter verbreiteten Black (schwarz) oder Afro aufgegeben. Diese Begriffe unterlagen teilweise einer Euphemismus-TretmĂŒhle und waren selbst auch zuvor negativ oder rassistisch besetzt oder benutzt worden.

Obwohl Negro wie Neger nach den 1960er Jahren zunehmend als Ethnophaulismus angesehen werden, sind in den USA einzelne entsprechend benannte Institutionen wie der United Negro College Fund als wichtiger Stipendiengeber fĂŒr schwarze Studenten nach wie vor in Betrieb. ZusĂ€tzlich wird einzelner segregierter Institutionen wie der Negro league baseball auch bewusst unter diesem Namen gedacht. In den USA ist zudem amtlicherseits eine Klassifikation nach der Selbstidentifikation[34] mit einer race ĂŒblich, was in Deutschland aufgrund des Grundrechts auf Gleichheit (Art. 3 III GG) nicht möglich wĂ€re.[35] Der Begriff Negro wird dem United States Census Bureau zufolge auch bei der VolkszĂ€hlung 2010 neben „Black“ und „African-American“ in Gebrauch bleiben[36], da sich Ă€ltere BĂŒrger immer noch damit identifizieren wĂŒrden.[37]

Im NiederlĂ€ndischen wird das Wort neger und seine Verwendung im Allgemeinen nicht als problematisch angesehen – einen rassistisch-negativen Beiklang haben hier die als Scheltwörter verwendeten, aus dem Afrikaansen entlehnten Begriffe nikker und kaffer. Diese Situation rĂŒhrt vor allem daher, dass die Diskriminierung dunkelhĂ€utiger Afrikaner in der jĂŒngeren Geschichte des niederlĂ€ndischen Sprachgebietes im weiteren Sinne vor allem an der Apartheidspolitik in SĂŒdafrika sinnfĂ€llig geworden ist. Im Sprachgebrauch der Apartheid wurden die Einwohner in blank (‚weiß‘), Aziatisch, zwart (‚schwarz‘) und kleurling (‚farbig‘) unterschieden, weshalb diese letzten beiden Begriffe neben nikker und kaffer, jedoch anders als das vom Apartheidsregime nicht gebrauchte neger, im heutigen NiederlĂ€ndischen mit Rassendiskriminierung in Verbindung gebracht werden.

Aus dem Französischen wurde der abgeleitete Begriff NĂ©gritude ins Deutsche aufgenommen. Der Dichter und Politiker AimĂ© CĂ©saire[38] begann damit eine frankophon geprĂ€gte literarisch-philosophische und politische Strömung, die fĂŒr eine kulturelle Selbstbehauptung aller Menschen Afrikas und ihrer afrikanischen Herkunft eintritt. Durch LĂ©opold SĂ©dar Senghor und dessen Freundschaft mit Janheinz Jahn wurde die moderne afrikanische Literatur in Deutschland bekannt und (westdeutsche) Vorstellungen und Vorurteile gegenĂŒber Afrikanern entscheidend modernisiert und abgebaut.

In Spanien und Portugal entspricht der Gebrauch von negro dem des deutschen oder englischen schwarz. In Brasilien ist die offizielle Einteilung nach Hautfarbe mehr mit dem sozialen Status als mit dem tatsĂ€chlichen Aussehen verknĂŒpft. In der portugiesischen Sprache wird inzwischen das Wort negro ausschließlich auf Menschen angewandt, wĂ€hrend der ansonsten fĂŒr die Farbe Schwarz ĂŒbliche Begriff preto fĂŒr Menschen ein Pejorativ darstellt.

RĂŒckgang der Verwendung

Unter dem Eindruck der BĂŒrgerrechtsbewegung in den USA wird der Begriff „Neger“ seit den 1970er Jahren in der Bundesrepublik und seit den 1980er Jahren in der DDR zunehmend als abwertend empfunden.[39] Es wird dabei auf die rassistische Konnotation verwiesen, die der Bezug des Begriffs auf die Hautfarbe nimmt. Außerdem stelle der Begriff eine Stereotypisierung durch biologistische Einteilungen dar und diene der Pseudolegitimation des Konstruktes „Rasse“.[40] Der Sprachwissenschaftler Theodor Ickler sieht die herabsetzende Wertung des Begriffs in der geschichtlichen Entwicklung begrĂŒndet, wobei „noch eine ĂŒbermĂ€chtige auslĂ€ndische Diskussion hinzukommt, die eine Eigenentwicklung fĂŒr das Deutsche praktisch ausschließt.“[32]

In der DDR blieben trotz erheblicher, auch militĂ€rischer AfrikaaktivitĂ€ten Vorurteile lĂ€nger erhalten. Dies wird auch auf den bis auf einzelne protestantische Arbeitsgruppen ausschließlich staatlich geleiteten Afrikadiskurs zurĂŒckgefĂŒhrt.[41][42]

Die innerkirchliche Erneuerung des Afrikadiskurses und des Umgangs mit dem Bild des Negers fand insbesondere auf Initiative Heino Falckes nach dessen Rede „Christus befreit – darum Kirche fĂŒr andere“ 1972 statt.

In deutschen WörterbĂŒchern ist seit Mitte der 1970er Jahre zunehmend der Hinweis zu finden, dass der Begriff sowie seine Komposita vermieden werden sollten.

Der Begriff „Schwarze“, der entsprechend dem englischen Black als Eigenbezeichnung verbreitet ist, ist anders konnotiert. Als solche bezieht er sich semantisch nicht auf die Hautfarbe, sondern beinhaltet eine kulturelle und soziale IdentitĂ€t, mit der der Kontext aufgegriffen wird, in dem Menschen durch Rassismus und Sozialisation zu Schwarzen gemacht wurden.[43]

Bis Anfang der 1990er Jahre vermarktete die Dr. Oetker GmbH noch die Eissorte „Negerlein“, ein mit Schokolade ĂŒberzogenes Vanilleeis. In den 1990er Jahren verschwand dann auch die Warenbezeichnung „NegerkĂŒsse“ fĂŒr SchokokĂŒsse.

Siehe auch

Literatur

  • Marimba Ani: Yurugu. An african-centered critique of european cultural thought and behavior. Africa World Press, Trenton, N. J. 1994, ISBN 0-86543-249-X.
  • Susan Arndt, Antje Hornscheidt (Hrsg.): Afrika und die deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk. Unrast Verlag, MĂŒnster 2001, ISBN 3-89771-424-8.
  • Susan Arndt (Hrsg.): AfrikaBilder. Studien zu Rassismus in Deutschland. Unrast Verlag, MĂŒnster 2001, ISBN 3-89771-407-8.
  • Urs Bitterli: Die „Wilden“ und die „Zivilisierten“. Die europĂ€isch-ĂŒberseeische Begegnung. Beck, MĂŒnchen 2004, ISBN 3-406-35583-8.
  • Frank Böckelmann: Die Gelben, die Schwarzen und die Weißen. Eichborn Verlag, Frankfurt/M. 1999, ISBN 3-8218-4475-2.
  • Erwin Ebermann (Hrsg.): Afrikaner in Wien. Zwischen Mystifizierung und Verteufelung. LIT-Verlag, MĂŒnster 2003, ISBN 3-8258-5712-3.
  • Reimer Gronemeyer (Hrsg.): Der faule Neger. Vom weißen Kreuzzug gegen den schwarzen MĂŒĂŸiggang. Rowohlt Verlag, Reinbek 1991, ISBN 3-499-13071-8.
  • Grada Kilomba-Ferreira: „Don't You Call Me Neger!“ Das N-Wort, Trauma und Rassismus. In: AntidiskriminierungsbĂŒro u. a. (Hrsg.): The BlackBook. Deutschlands HĂ€utungen. IKO Verlag, Frankfurt/M. 2004, ISBN 3-88939-745-X.
  • Grada Kilomba-Ferreira: Die Kolonisierung des Selbst. Der Platz des Schwarzen. In: Hito Steyerl, EncarnaciĂłn GutiĂ©rrez RodrĂ­guez (Hrsg.): Spricht die Subalterne deutsch? Migration und postkoloniale Kritik. Unrast Verlag, MĂŒnster 2003, ISBN 3-89771-425-6.
  • Grada Kilomba: Plantation Memories. Episodes of Everyday Racism. MĂŒnster, 2008, ISBN 978-3-89771-485-4. (Table of Contents)
  • Marie Lorbeer, Beate Wild (Hrsg.): Menschenfresser, NegerkĂŒsse. Das Bild von Fremden im deutschen Alltag. Elefantenpress, Berlin 1994, ISBN 3-88520-394-4.
  • Peter Martin: Schwarze Teufel, edle Mohren. Hamburger Edition, Hamburg 2001, ISBN 3-930908-64-6.
  • Henning Melber: Der Weißheit letzter Schluss. Rassismus und kolonialer Blick. Brandes & Apsel, Frankfurt/M. 1992, ISBN 3-86099-102-7.
  • Katharina Oguntoye u. a. (Hrsg.): Farbe bekennen. Afro-deutsche Frauen auf den Spuren ihrer Geschichte. Fischer, Frankfurt/M. 1993, ISBN 3-596-11023-8.
  • Hermann Polling (Hrsg.): Exotische Welten. EuropĂ€ische Phantasien. Edition Cantz, Stuttgart 1987, ISBN 3-922608-65-5. (Ausstellungskatalog)

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Neger â€“ BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. ↑ Ulrike Kramer: Von NegerkĂŒssen und Mohrenköpfen. Begriffe wie Neger und Mohr im Spiegel der Political Correctness – Eine Wortschatzanalyse. Diplomarbeit, 2006. PDF, S. 11 ff.
  2. ↑ Klaus Schroeder: Rechtsextremismus und Jugendgewalt in Deutschland: Ein Ost-West-Vergleich, 2004; Frieder DĂŒnkel, Bernd Geng (eds.): Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit – Bestandsaufnahme und Interventionsstrategien. 1999, ISBN 3-930982-49-8.
  3. ↑ Susan Arndt und Antje Hornscheidt (Hrsg.), Afrika und die deutsche Sprache (siehe Literaturangabe; online)
  4. ↑ Sebastian Löbner: Semantik: Eine EinfĂŒhrung, Berlin 2003, S. 50.
  5. ↑ Monika Albrecht, „Europa ist nicht die Welt“: (Post)Kolonialismus in Literatur und Geschichte der westdeutschen Nachkriegszeit, Verlag Aisthesis 2008, S. 66: „Der Begriff Â»Neger« gehört in den Zusammenhang einer fĂŒr die Nachkriegszeit typischen Terminologie, zu der zurĂŒckzugehen heute zu Recht als rassistisch gelten wĂŒrde [
].“
  6. ↑ Sonja Steffek, Schwarze MĂ€nner, weiße Frauen: Ethnologische Untersuchungen zur Wahrnehmung des Fremden in den Beziehungen zwischen afrikanischen MĂ€nnern und österreichischen Frauen. LIT Verlag, Berlin/Hamburg/MĂŒnster 2000, ISBN 3-825-84771-3.
  7. ↑ Else-Lasker-SchĂŒler-Gesellschaft/Exil-Club, „Afrodeutsche“ oder „Neger“?
  8. ↑ Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 23. erweiterte Auflage, Berlin/New York 1999.
  9. ↑ a b c Anke Poenicke: Afrika realistisch darstellen: Diskussionen und Alternativen zur gĂ€ngigen Praxis, Hrsg.: Konrad-Adenauer-Stiftung e.V., Sankt Augustin, Juni 2003, ISBN 3-933714-93-1, S. 16 ff. (PDF)
  10. ↑ Wulf D. Hund: Rassismus. Die soziale Konstruktion natĂŒrlicher Ungleichheit, Verlag WestfĂ€lisches Dampfboot, MĂŒnster 1999, ISBN 3-89691-453-7, S. 12; als PDF einsehbar ĂŒber Homepage Wulf D. Hund.
  11. ↑ a b Der große Duden Band 7: Etymologie, Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache. Bearbeitet von Paul Grebe, GĂŒnther Drosdowski. In FortfĂŒhrung der „Etymologie der neuhochdeutschen Sprache“ von Konrad Duden. Erstauflage, Bibliographisches Institut, Dudenverlag, Mannheim/Wien/ZĂŒrich 1963, S. 464.
  12. ↑ Wulf D. Hund: Rassismus. Die soziale Konstruktion natĂŒrlicher Ungleichheit, S. 34 f.
  13. ↑ AusfĂŒhrliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch von Karl Ernst Georges. 8. Aufl., besorgt v. Heinrich Georges, Hannover 1913.
  14. ↑ a b Gemoll. Griechisch-deutsches Schul- und Handwörterbuch von W. Gemoll und K. Vretska. 10. Aufl. MĂŒnchen, DĂŒsseldorf, Stuttgart 2006.
  15. ↑ Dakha Deme: Konnotation und Denotation am Beispiel des Begriffs „Neger“, in: Interkulturell. Forum fĂŒr interkulturelles Lernen in Schule & SozialpĂ€dagogik / Hrsg.: Forschungsstelle Migration und Integration an der PĂ€dagogischen Hochschule Freiburg, Breisgau 1994, S. 57.
  16. ↑ Dakha Deme: Konnotation und Denotation am Beispiel des Begriffs „Neger“, S. 61 f.
  17. ↑ Dakha Deme: Konnotation und Denotation am Beispiel des Begriffs „Neger“, S. 59.
  18. ↑ Carl von LinnĂ©, Systema naturae sive regna tria naturae systematice proposita per classes, ordines, genera et species, 1. Auflage, Leiden 1735; online einsehbar, hier S. 12, abgerufen am 14. August 2010.
  19. ↑ Wulf D. Hund: Die Farbe des Schwarzen. Über die Konstruktion von Menschenrassen in: derselbe: Rassismus. Die soziale Konstruktion natĂŒrlicher Ungleichheit, S. 19 f.
  20. ↑ Immanuel Kant: Bestimmung des Begriffs einer Menschenrasse, 1785 In: Kant Werke, Band 9, S. 79.
  21. ↑ Christoph Meiners: Über die Natur der afrikanischen Neger und die davon abhangende Befreyung, oder EinschrĂ€nkung der Schwarzen, 1790, einsehbar als tif-Dokument, abgerufen am 9. Juni 2010.
  22. ↑ Wulf D. Hund: Die Farbe des Schwarzen. Über die Konstruktion von Menschenrassen in: derselbe: Rassismus. Die soziale Konstruktion natĂŒrlicher Ungleichheit, S. 33.
  23. ↑ Brockhaus Bilder-Conversations-Lexikon, Band 3. Leipzig 1839, S. 256–257; vollstĂ€ndig online einsehbar unter zeno.org
  24. ↑ Meyers Konversations-Lexikon (1888–1889) in 16 BĂ€nden, 4. Auflage, 1888; vollstĂ€ndig online einsehbar unter peter-hug.ch
  25. ↑ Deutsches Kolonial-Lexikon, 1920, Band II, Seite 627; [1]
  26. ↑ Der Große Brockhaus. Handbuch des Wissens in zwanzig BĂ€nden. Bd. 13. Leipzig 1934, S. 252; zitiert nach Arndt/Hornscheidt: Afrika und die deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk. MĂŒnster, 2004; online einsehbar [2]
  27. ↑ Werner A. Schöneck: Das Wörterbuch – Ein Spiegel der Zeit?! Soziokulturelle Implikationen, politisch-ideologische Positionen und Reflexe der SprachverĂ€nderung in lexikographischen BestĂ€nden, Beschreibungen und Strukturen. Versuche zur Kritik der praktischen Lexikographie. In: ELiSe (Essener Linguistische Skripte – elektronisch. Zeitschrift fĂŒr Sprachwissenschaft und Sprachdidaktik), Dezember 2001, S. 196; auch online einsehbar, abgerufen am 7. Juni 2010.
  28. ↑ Ulrike Kramer: Von NegerkĂŒssen und Mohrenköpfen. Begriffe wie Neger und Mohr im Spiegel der Political Correctness. Eine Wortschatzanalyse, Diplomarbeit, Wien 2006, S. 84.
  29. ↑ dtv-Lexikon. Ein Konversationslexikon in 20 BĂ€nden. Bd. 13, MĂŒnchen 1975, S. 76.
  30. ↑ Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache. Bd. 4. Berlin 1975, S. 2628.
  31. ↑ Duden. Lexikon von A bis Z, Mannheim 1984, S. 474.
  32. ↑ a b Theodor Ickler: Duden – politisch korrekt, Beitrag vom 1. August 2006, Homepage Forschungsgruppe Deutsche Sprache, abgerufen am 7. Juni 2010. Hier findet sich auch eine Kritik dieses Vorgehens der Dudenredaktion.
  33. ↑ Duden – Die deutsche Rechtschreibung, 24. Aufl., Mannheim 2006.
  34. ↑ Amercan fact finder for census. Abgerufen am 17. August 2010.
  35. ↑ Vgl. Sunjid Dugar, Der Gleichheitsgrundsatz in Bezug auf das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz im deutschen und mongolischen Recht (= MĂŒnchner Juristische BeitrĂ€ge; Bd. 73), Herbert Utz Verlag, MĂŒnchen 2009, ISBN 978-3-8316-0921-5, Kap. 1.4.2, 2.1.2, S. 45, 74; zum Diskriminierungsmerkmal „Rasse“ siehe auch Michael Sachs (Hrsg.), Grundgesetz. Kommentar, C.H. Beck, MĂŒnchen 2003, S. 242, Rn 293; dazu insbes. DĂ€ubler/Bertzbach, Komm. AGG, 2007, § 1 Rn 22.
  36. ↑ U.S. Census Bureau interactive form, Question 9.
  37. ↑ Census Bureau defends 'negro' addition, upi.com, 6. Januar 2010.
  38. ↑ AimĂ© CĂ©saire, Discours sur le colonialisme, suivi de Discours sur la NĂ©gritude PrĂ©sence Africaine, Juli 2004, ISBN 2-7087-0531-8.
  39. ↑ Anke Poenicke: Afrika realistisch darstellen, S. 18; siehe auch: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache. Bd. 4. Berlin 1975, S. 2628.
  40. ↑ Susan Arndt und Antje Hornscheidt (Hrsg.), Afrika und die deutsche Sprache, Ein kritisches Nachschlagewerk, Unrast Verlag, MĂŒnster 2001, ISBN 3-89771-424-8 Auszug)
  41. ↑ Hans-Joachim Döring: Entwicklungspolitik und SolidaritĂ€t in der DDR, dargestellt an Beispielen der staatlichen Zusammenarbeit mit Mosambik und Äthiopien und der entwicklungsbezogenen Bildungsarbeit unabhĂ€ngiger Gruppen, Diss., TU Berlin 2007 (PDF)
  42. ↑ Matthias Voss: Wir haben Spuren hinterlassen! Die DDR in Mosambik: Erlebnisse, Erfahrungen und Erkenntnisse aus drei Jahrzehnten. LIT Verlag, Berlin/Hamburg/MĂŒnster 2005, ISBN 3-8258-8321-3.
  43. ↑ Anke Poenicke: Afrika realistisch darstellen, S. 20.
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