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Das Lager Neue Bremm war ein Gestapo-Lager (ein „Erweitertes Polizeigefängnis“) an der Goldenen Bremm in Saarbrücken nahe der französischen Grenze. Da das Lager nicht von der SS, sondern von einer Polizeibehörde (Gestapo) betrieben wurde, handelte es sich nicht um ein NS-Konzentrationslager im engeren Sinn. Auch wenn in der Bevölkerung die Bezeichnung KZ für das Lager Neue Bremm noch lange Zeit vorherrschte, so haben doch die bis heute anhaltenden Forschungsarbeiten zur Lagertypologie in der NS-Zeit [1] und die sich daran anschließende Öffentlichkeitsarbeit der Initiative Neue Bremm den Begriff des Gestapo-Lagers in der öffentlichen Diskussion etabliert.
Inhaltsverzeichnis |
1940–43 wurde das Lager Neue Bremm zunächst als Arbeitslager für Fremd- und Zwangsarbeiter, dann für Kriegsgefangene genutzt; teilweise auch zur „Auslagerung“ von Gefangenen aus dem Saarbrücker Gefängnis Lerchesflur. Das Lager aus Baracken (ein Männer- und ein Frauenlager) war relativ klein. Von Februar 1944 bis November 1944 sprachen die Nazis von einem „Erweiterten Polizeigefängnis“. Es dient nun auch als Durchgangslager für die Konzentrationslager im Elsass (Natzweiler-Struthof), in Dachau, Mauthausen, Buchenwald, Ravensbrück u.a. Das Lager bestand bis zum Einmarsch der alliierten Truppen im Winter 1944/45. Die Häftlinge (unter anderem aus Frankreich, der Sowjetunion, Polen und England) wurden gequält, misshandelt und zum Teil getötet. Die meisten Gefangenen wurden anschließend in ein Konzentrationslager weitertransportiert. Die Zahl der Ermordeten wird auf einige Hundert geschätzt, die der Insassen insgesamt auf etwa 20.000 Häftlinge. Das deutsche Lagerpersonal (zum Teil SS-Chargen) wurde 1946 vor dem „Tribunal Général du Gouvernement Militaire de la Zone d’Occupation Française“ in Rastatt wegen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Diebstahl, Misshandlung Gefangener, Mord und Totschlag angeklagt und überwiegend verurteilt. Von den 36 Angeklagten wurden 14 zum Tod durch Erschießen verurteilt, unter ihnen der Lagerleiter, Untersturmführer Fritz Schmoll und Karl Schmieden, der Führer der Wachmannschaft. Alle Todesurteile wurden vollstreckt[2].
1947 wurde ein Obelisk mit einer Gedenktafel aufgestellt; 1984 eine Dokumentation herausgebracht. Ein weiteres Denkmal wurde ab 1998 geplant und errichtet. Bis auf einen Löschteich sind keine Bauwerke erhalten. Die Fundamente der Männerbaracken wurden und werden jährlich in ehrenamtlichen Aktionen freigelegt und gesäubert. Auf dem Gelände des Frauenlagers steht heute ein Hotel. Die Anlage wurde als „Hotel der Erinnerung“ nach Ideen von Nils Ballhausen und Roland Poppensieker neugestaltet und 2004 wieder als Gedenkstätte eröffnet.
Die französische Inschrift des Gedenksteins von 1947 lautet:
„Dans ce camp / sur des ordres venus d’outre-Rhin / furent traînés vers la mort / les défenseurs / de la dignité et la liberté humaines, / victimes de la barbarie nazie. / Monument / érigé par le comité de la Nouvelle Brème, / inauguré le 11 novembre 1947“ (Übersetzung: „In diesem Lager sind auf Befehle von jenseits des Rheins Verteidiger der menschlichen Würde und Freiheit in den Tod geschleppt worden, Opfer der nationalsozialistischen Barbarei. Denkmal, errichtet vom Lagerkomitee der Neuen Bremm, eingeweiht am 11. November 1947“)
„HOSTAL HOSTILE HOTEL HOSTAGE GOSTIN OSTILE HOSTEL HOSTIL HOST“
Die Worte stehen für: HOSTAL = spanisch: Gasthaus, Hotel; HOSTILE = französisch: feindlich, englisch: feindlich gesinnt; HOTEL = deutsch, englisch, französisch; HOSTAGE = englisch: Geisel; GOSTIN = Stamm slawischer Worte, z. B. GOSTINICA, im Russischen gebräuchlich für Hotel; OSTILE = italienisch: feindlich, feindselig; HOSTEL = englisch: Herberge; HOSTIL = spanisch und portugiesisch: feindlich, feindselig; HOST = englisch: Gastgeber, Wirt, tschechisch: Gast.
Über dem Leuchtschriftband ist ein überdimensioniertes Familienfoto angebracht. Der Schnappschuss wurde im Jahr 1943 aufgenommen – er zeigt eine Frau, ein Kind und einen kleinen Hund an einem Sommertag, im Hintergrund sind die Häftlingsbaracken des Lagers Neue Bremm zu erkennen. Alltag und Terror waren während des Dritten Reiches eng miteinander verwoben. Der Zivilisationsbruch beschränkte sich nicht auf die Zentren exzessiver Gewalt und massenhaften Tötens, sondern ereignete sich vor aller Augen.
Mit der Einbeziehung des Hotelbereiches wird auch das Gelände des ehemaligen Frauenlagers wieder stärker ins Bewusstsein gerufen. Fichten, die früher die Sicht versperrten, wurden gerodet, so dass heute der Blick vom Gelände des ehemaligen Frauenlagers in das Männerlager frei ist. An der Hotelfassade wurde das Portrait von Yvonne Bermann, einer ehemaligen Gefangenen im Frauenlager Neue Bremm, angebracht. Eine Informationstafel berichtet über ihr Schicksal. Im Foyer des Hotels selbst wurde eine Tafel angebracht, die Informationen über die Geschichte dieses Ortes in den Jahren 1943 und 1944 bereithält.
49.21111111116.96555555556Koordinaten: 49° 12′ 40″ N, 6° 57′ 56″ O