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Neuseeland (englisch New Zealand, MÄori Aotearoa) ist ein geographisch isolierter Inselstaat im sĂŒdlichen Pazifik. Er besteht aus einer Nord- und einer SĂŒdinsel sowie zahlreichen kleineren Inseln. Die nĂ€chstgelegenen Staaten befinden sich im Westen mit Australien (die WestkĂŒsten der beiden Hauptinseln Neuseelands sind zwischen 1530 km und rund 2100 km von der OstkĂŒste Australiens und Tasmaniens entfernt), im Norden mit den Inselstaaten Neukaledonien, Tonga, Fidschi und als Kontinent die Antarktis im SĂŒden. Weder geographisch noch kulturell lĂ€sst sich Neuseeland eindeutig einem bestimmten Kontinent zuordnen: das Land liegt teils auf der australischen, teils auf der pazifischen Platte und ist sowohl mit dem europĂ€isch geprĂ€gten Kulturraum Australiens als auch mit dem polynesischen Teil Ozeaniens verbunden. Neuseeland ist ein Königreich im Commonwealth of Nations mit demokratisch-parlamentarischer Verfassung. FĂŒr einen Industriestaat eher ungewöhnlich sind die Hauptwirtschaftszweige Land- und Forstwirtschaft, Nahrungsmittelindustrie (hauptsĂ€chlich Molkereiprodukte) sowie Tourismus. Neuseeland wird vielfach als âgrĂŒne Inselâ bezeichnet, was zum einen der dĂŒnnen Besiedlung geschuldet ist. Diese und die relative UnberĂŒhrtheit der Natur sowie die Ă€uĂerst vielfĂ€ltige und einzigartige Vegetation bedingt aber auch die relativ isolierte Lage der Inseln.
Inhaltsverzeichnis |
Neuseeland besteht aus zwei Hauptinseln, der Nord- und der SĂŒdinsel, sowie mehr als 700 kleineren Inseln. Die beiden hĂ€ufig als Mainland New Zealand (deutsch etwa: Festland Neuseeland) bezeichneten Hauptinseln werden durch die an der schmalsten Stelle 23 km breite CookstraĂe voneinander getrennt. Ein GroĂteil der kleineren Inseln wie etwa Stewart Island, die mitunter noch zum Mainland New Zealand gezĂ€hlt wird, die Great-Barrier-Insel oder die dicht besiedelte Waiheke Island liegen innerhalb einer Zone von 50 km vor der KĂŒste der Hauptinseln. Lediglich die 1000 km nördlich der Nordinsel gelegenen Kermadecinseln, die 700 km östlich liegenden Chatham-Inseln nahe der Internationalen Datumsgrenze sowie die mehr als 200 km sĂŒdlich der SĂŒdinsel liegenden subantarktischen Inseln in den fĂŒnf unbewohnten Inselgruppen der Auckland-, Campbell-, Antipoden-, Snares- und der Bountyinseln gehören nicht zum Archipel um die beiden Hauptinseln. Die Nordinsel liegt gĂ€nzlich auf der Australischen Platte, wĂ€hrend die SĂŒdinsel sich auf der Australischen und der Pazifischen Platte befindet. AuĂerdem waren die Nord- und die SĂŒdinsel wĂ€hrend der letzten Eiszeit miteinander verbunden.
Neuseeland erhebt weiterhin Anspruch auf das Ross-Nebengebiet in der Antarktis, das ebenfalls eine Reihe weiterer Inseln umfasst; dieser Anspruch wird aber international aufgrund des Antarktisvertrags nicht anerkannt. Weiterhin gehört Tokelau als abhĂ€ngiges Gebiet zum Staat Neuseeland, wĂ€hrend die Cookinseln und Niue selbstverwaltete Territorien in freier Assoziierung mit Neuseeland sind. Diese Gebiete werden im Folgenden nicht weiter berĂŒcksichtigt.
Die gesamte LandflĂ€che Neuseelands betrĂ€gt 268.680 kmÂČ und ist damit etwas kleiner als die Italiens oder der Philippinen, aber etwas gröĂer als die des Vereinigten Königreichs. WĂ€hrend die Hauptinseln des Archipels in Ost-West-Richtung nie breiter als 450 km sind, erstrecken sie sich entlang der Hauptachse in nordöstlicher Richtung ĂŒber 1600 km. Die gesamte KĂŒstenlinie umfasst dabei ungefĂ€hr 15.134 km. Die HoheitsgewĂ€sser Neuseelands sind mit 167.653 kmÂČ relativ zur Landmasse sehr groĂ, die AusschlieĂliche Wirtschaftszone ist mit 3.931.136 kmÂČ sogar eine der weltweit gröĂten.
Neuseeland befindet sich sĂŒdlich des Ăquators in der sĂŒdlichen HemisphĂ€re. Alle neuseelĂ€ndischen Inseln liegen isoliert im sĂŒdwestlichen Pazifischen Ozean. Das Land wird damit im Allgemeinen Ozeanien (insbesondere, wenn der Begriff Ozeanien auch Australien mit einschlieĂt) zugeordnet, beziehungsweise in kleinrĂ€umigerer Betrachtung als eine Insel Polynesiens angesehen. Teilweise wird es aber aufgrund der kulturellen Gemeinsamkeiten auch dem Kontinent Australien zugeordnet. Als Randmeer des Pazifiks liegt die Tasmansee westlich der beiden Hauptinseln und trennt Neuseeland vom bis zu 2100 km entfernten Australien. Die kĂŒrzeste Entfernung betrĂ€gt allerdings 1530 km, zwischen der SĂŒdinsel Neuseelands und Tasmanien gemessen. Nach Australien ist das antarktische Festland, etwa 3000 km im SĂŒden, die nĂ€chste gröĂere Landmasse. Weitere Staaten oder Kolonien in der NĂ€he Neuseelands sind im Norden Neukaledonien, Tonga und Fidschi. Neuseeland ist der Staat, der am weitesten von Mitteleuropa entfernt liegt: Teile des Landes befinden sich auf der Erdkugel exakt gegenĂŒber von Spanien, sind also dessen Antipoden.
Die Ausdehnung Neuseelands von Nord nach SĂŒd wird umgangssprachlich hĂ€ufig mit âfrom Cape Reinga to The Bluffâ (âvon Cape Reinga bis zum Bluffâ) beschrieben, tatsĂ€chlich sind aber die Surville Cliffs am North Cape (34° 23âČ 47âł S, 173° 1âČ 0âł O-34.3963888889173.016666667) der nördlichste Punkt der Nordinsel und Slope Point in den Catlins (46° 40âČ 40âł S, 169° 0âČ 11âł O-46.6777777778169.003055556) der sĂŒdlichste Punkt der SĂŒdinsel. ZĂ€hlt man Stewart Island zum Mainland New Zealand, so ist der sĂŒdlichste Punkt das South West Cape (47° 17âČ 25âł S, 167° 32âČ 16âł O-47.2902777778167.537777778). Nimmt man die auĂerhalb des Archipels gelegenen Inseln hinzu, so ist Nugent Island in der Gruppe der Kermadecinseln der nördlichste und Jacquemart Island in der Gruppe der Campbell-Inseln (52° 37âČ S, 169° 8âČ O-52.6166666667169.125) der sĂŒdlichste Punkt des Landes. Der westlichste Punkt des Landes ist Cape Lovitt in den Auckland-Inseln, der östlichste die Forty-Fours in den Chatham-Inseln. Nimmt man wiederum nur die beiden Hauptinseln, so ist West Cape der westlichste und East Cape der östlichste Punkt des Landes. Der offizielle Mittelpunkt des Landes befindet sich etwa 24 km sĂŒdwestlich von Collingwood im Norden der SĂŒdinsel und hat die Koordinaten 40° 50âČ 37âł S, 172° 28âČ 59âł O-40.8436111111172.483055556.
Neuseeland und die mit ihm assoziierten Territorien liegen in vier verschiedenen Zeitzonen, die Hauptinseln verwenden die NZST, die UTC +12 entspricht.
Nugent Island â nördlichster Punkt
Cape Lovitt auf Auckland Island â westlichster Punkt
Die Forty-Fours â östlichster Punkt
Jacquemart Island â sĂŒdlichster Punkt
Die 113.729 kmÂČ groĂe Nordinsel ist die dichter besiedelte Insel Neuseelands. Auf ihr leben etwa drei Viertel der Einwohner, und sowohl die Hauptstadt Wellington als auch die gröĂte Stadt des Landes Auckland liegen auf der Nordinsel.
Auckland liegt auf einem an der engsten Stelle weniger als zwei Kilometer breiten Isthmus, der den Pazifik von der Tasmansee trennt. Nördlich des Isthmus befindet sich die North Auckland Peninsula, die sich wiederum in zahlreiche weitere Halbinseln bis hoch zur Aupouri Peninsula aufgliedert. Die WestkĂŒste der North Auckland Peninsula verlĂ€uft relativ glatt. Sie ist geprĂ€gt von langen SandstrĂ€nden, unter denen die Ninety Mile Beach der bekannteste sein dĂŒrfte, sowie zwei groĂen NaturhĂ€fen, dem Kaipara Harbour und dem Hokianga Harbour. SĂŒdlich des Hokianga Harbours erstreckt sich der Waipoua Forest, der bedeutende Kauri-BĂ€ume beherbergt. Die OstkĂŒste dagegen ist zerklĂŒfteter und weist zahlreiche vorgelagerte Inseln auf, beherbergt aber auch einige NaturhĂ€fen, die bekanntesten dĂŒrften die Bay of Islands und der Hafen der gröĂten Stadt der Halbinsel, Whangarei, sein. Das Landesinnere wird von land- und forstwirtschaftlich genutztem HĂŒgelland bedeckt.
SĂŒdlich von Auckland findet sich die Region Waikato. Im Westen dieser Region befindet sich ein Mittelgebirge, die so genannte Hakarimata Range, die aber an der MĂŒndung des Flusses Waikato in die Tasmansee in eine sanfte HĂŒgellandschaft ĂŒbergeht. Ăstlich der Hakarimata Range schlieĂen sich die Waikato Plains an, eine ausgeprĂ€gte Tiefebene, die sich zu beiden Seiten des Waikato erstreckt. Hamilton, die viertgröĂte Agglomeration des Landes, ist hier zu finden. Weiter östlich schlieĂen sich dann mit den Kaimai und Mamaku Ranges wieder zwei, ĂŒberwiegend bewaldete MittelgebirgszĂŒge an. Diese trennen die Region von dem Gebiet rund um die Bay of Plenty. Im Norden der Bucht liegt die Coromandel-Halbinsel, die von der bis zu 900 m hohen Bergkette Coromandel Range geprĂ€gt wird, deren nördlicher AuslĂ€ufer die Great-Barrier-Insel ist.
Das Zentrum der Insel wird von der Zentralen Hochebene dominiert, deren Vulkane Ngauruhoe, Tongariro und Ruapehu den von der UNESCO zum ersten kombinierten Weltkulturerbe und Weltnaturerbe erklĂ€rten Tongariro-Nationalpark bilden. Der Ruapehu ist mit 2797 m die höchste Erhebung der Insel. Nördlich von ihm liegt, genau im Zentrum der Nordinsel, der Tauposee, der gröĂte See des Landes. Ăstlich von diesem liegt der Kaingaroa Forest und der Te-Urewera-Nationalpark, zwei ausgedehnte Waldgebiete, die die Region bis zur OstkĂŒste prĂ€gen. Dieses Gebiet ist schwach besiedelt und von zahlreichen rauen Mittelgebirgen durchzogen. Die höchste Erhebung ist der 1754 m hohe, zur Ruakumara Range gehörende Hikurangi in der NĂ€he des East Capes. Im Westen der Zentralen Hochebene geht die Landschaft in ein bewaldetes raues HĂŒgelland ĂŒber, dass vom Whanganui River und zahlreichen SeitenflĂŒssen durchzogen wird. In der Mitte dieses Tieflands liegt der Whanganui-Nationalpark. Weiter westlich schlieĂt sich daran die in die Tasmansee hineinragende Region Taranaki an. Diese wird vom 2518 m hohen gleichnamigen Vulkan geprĂ€gt. Um den freistehenden Vulkan herum befindet sich ein breiter RegenwaldgĂŒrtel, der durch den Egmont-Nationalpark geschĂŒtzt wird. Die Region ist sehr fruchtbar und ein Zentrum der neuseelĂ€ndischen Milchproduktion.
SĂŒdlich der Region um den Whanganui befindet sich die Manawatuebene, ein Auengebiet um die FlĂŒsse Manawatu und Rangitikei. Daran schlieĂt sich im weiteren KĂŒstenverlauf die Kapiti Coast an, in deren SĂŒden wiederum die Region Wellington rund um die Hauptstadt liegt. Nach Nordosten wird die Region durch die Tararua Range begrenzt, nach Osten durch die Rimutaka Range, zwei MittelgebirgszĂŒge, an die sich im Norden noch die Ruahine Range anschlieĂt und die zu einem sich parallel zur OstkĂŒste ziehenden GebirgsrĂŒcken gehören, dem im Norden auch die bereits oben erwĂ€hnte Ruakumara Range angehört. Ăstlich der Gebirge befindet sich die sumpfige Wairarapaebene, die wiederum durch ein weiteres gebirgiges Gebiet im Osten eingegrenzt wird. Nordwestlich dieser Region findet man schlieĂlich die Region Hawkeâs Bay rund um die Hawke Bay. In deren Innern ist neben der bereits erwĂ€hnten Ruahine auch die Kaweka Range zu finden. Die ĂŒbrige Region besteht aus sanftem HĂŒgelland sowie der Auenlandschaft um den Wairoa River im Norden und der fruchtbaren Heretaungaebene im SĂŒden. Im Norden schlieĂt sich dann die bereits beschriebene Region um Gisborne an.
Die mit 151.215 kmÂČ etwas gröĂere SĂŒdinsel wird dominiert von den parallel zur WestkĂŒste verlaufenden NeuseelĂ€ndischen Alpen, auch SĂŒdalpen genannt. Dieses Hochgebirge ist die höchste Bergkette Australasiens und Ozeaniens. Ihre höchste Erhebung ist der 3754 m hohe Mount Cook, gefolgt vom 3498 m hohen Mount Tasman. Insgesamt haben 17 Gipfel eine Höhe von ĂŒber 3000 m. Sowohl die nördlichsten als auch die sĂŒdlichsten Gebiete der Insel bestehen aus Mittelgebirgen, die teilweise auf ĂŒber 1000 m Höhe ansteigen. Die Region West Coast zwischen SĂŒdalpen und der Tasmansee ist Ă€uĂerst schmal und gehört zu den niederschlagsreichsten Gebieten der Erde. Aufgrund dessen schieben sich einige Gletscher der SĂŒdalpen, wie der Fox- und der Franz-Josef-Gletscher, durch sĂ€mtliche Vegetationszonen bis in die RegenwĂ€lder in KĂŒstennĂ€he; der Ă€uĂerste SĂŒdwesten bildet reich gegliederte Fjordlandschaften. Weite Teile des SĂŒdwestens stehen als Nationalparks unter Schutz; gemeinsam bilden diese die Te Wahipounamu World Heritage Area. Ăstlich der SĂŒdalpen befinden sich die Canterbury Plains, eine groĂe Schwemmebene, die sich gut fĂŒr landwirtschaftliche Zwecke, etwa fĂŒr die Viehzucht, eignet.
Bis vor etwa 200 Millionen Jahren gehörte Neuseeland â wie die meisten heutigen Landmassen der SĂŒdhalbkugel â zum Urkontinent Gondwana. Der genaue Zeitpunkt steht nicht fest, aber spĂ€testens vor 85 Millionen Jahren, also in der oberen Kreidezeit, trennte sich das KontinentbruchstĂŒck Zealandia mit dem heutigen Neuseeland von der Landmasse, die jetzt Antarktis bildet, bevor sich auch das heutige Australien von diesem Urkontinent loslöste. Seitdem konnte sich somit in Neuseeland eine von allen anderen LandflĂ€chen unabhĂ€ngige Flora und Fauna entwickeln. Nach dieser ereignisreichen Zeit kehrte in der geologischen Geschichte des Landes Ruhe ein, die fortwĂ€hrende Erosion lieĂ die geformten GebirgszĂŒge allmĂ€hlich verschwinden, es entstanden groĂe, tief gelegene Sumpfgebiete, aus denen im Laufe der Zeit die heutigen Kohlevorkommen hervorgingen. Erst vor weniger als 30 Millionen Jahren endete die ruhige Epoche in der Geologie des Landes und es wurden tief liegende Gebiete aus dem Meer angehoben. Seine KĂŒstenlinie bekam der Pazifikstaat in der MiozĂ€n-Epoche erst in Grobform, bevor die Inseln in den letzten paar Millionen Jahren ihre heutige Form erhielten; viele der Berge und TĂ€ler wurden sogar erst in den letzten 100.000 Jahren gebildet. WĂ€hrend des Eiszeitalters war vor allem die SĂŒdinsel stark vergletschert.
Heute befindet sich Neuseeland an der Grenze zwischen Australischer und Pazifischer Platte. Obwohl sich die beiden Platten nicht frontal aufeinander zu bewegen, ĂŒben sie doch einen groĂen Einfluss auf das Land aus. Es entstehen zwei KrĂ€fte: eine frontal wirkende sowie eine seitlich wirkende. Die frontale Kraft bildet Verwerfungen, die Druck auf verschiedene Gesteinsschichten ausĂŒben und somit den Boden stetig anheben. Die zweite â seitlich wirkende â Kraft, fĂŒhrt zu so genannten Transformstörungen. Letztere fĂŒhrt zu hĂ€ufigen Erdbeben im Land, die zum Teil gravierende Auswirkungen auf die Landschaft haben und auch eine stĂ€ndige Bedrohung fĂŒr die Bevölkerung darstellen, siehe (Erdbeben in Neuseeland).
Neuseeland gehört â wie alle anderen LĂ€nder, die an der Grenze zur Pazifischen Platte liegen â zum Pazifischen Feuerring (englisch Ring of Fire). Diese Tatsache fĂŒhrt zu Erdbeben, Verwerfungen und zu erhöhter vulkanischer AktivitĂ€t. In Neuseeland liegen einige der aktivsten Vulkane der Erde. Diese befinden sich ausschlieĂlich in der nördlichen HĂ€lfte des Landes, ein GroĂteil von ihnen ist in der Taupo-Vulkanzone (TVZ) konzentriert, die sich im Zentrum der Nordinsel befindet.
So sind zum Beispiel alle drei Vulkane der Zentralen Hochebene noch aktiv, die letzte Eruption des Schichtvulkans Ruapehu ereignete sich im Jahre 2007. In der Gegend der Bay of Plenty ist die Erdkruste dĂŒnn wie kaum anderswo auf der Welt, so dass hier geothermische AktivitĂ€ten jeglicher Art anzutreffen sind. Ein bekannter Vulkan in diesem Gebiet ist White Island, dessen letzte groĂe Eruption im Jahr 2000 stattfand. Neben den Vulkanen zeigen sich die KrĂ€fte der Erde in Form der Geothermie, die als Geysire oder heiĂe Quellen (insgesamt 67 in Neuseeland) zu Tage treten. Neben dem geothermalen Gebiet um Taupo existieren noch 29 weitere solcher Bereiche in Neuseeland, hauptsĂ€chlich auf der Nordinsel, zum Beispiel Northland, die Hauraki Plains und die Bay of Plenty, aber auch auf der SĂŒdinsel, ein bekanntes Beispiel sind die Thermalquellen in Hanmer Springs.
Neuseeland liegt in den gemĂ€Ăigten Breiten der SĂŒdhalbkugel, sodass das Klima mild ist. Die nördlichen Teile der Nordinsel werden von einem subtropischen Klima geprĂ€gt, wĂ€hrend im Rest des Landes ein gemĂ€Ăigtes Klima vorherrscht. Im Flachland schwanken die durchschnittlichen Temperaturen im Norden zwischen etwa 15 °C im Winter und 25 °C im Sommer. Auf der SĂŒdinsel liegen die Temperaturen etwa 5â10 °C darunter. Die höchste offiziell bestĂ€tigte Temperatur Neuseelands betrug 42,4 °C und wurde im Februar 1973 sowohl in Rangiora, als auch in Christchurch gemessen. Die niedrigste jemals bestĂ€tigte Temperatur des Landes wurde im Juni 1995 in Ophir (Central Otago) erreicht und betrug â21,6 °C.
Neuseeland liegt in einer Zone starker westlicher Winde, den BrĂŒllenden Vierzigern (englisch Roaring Forties). Diese Winde treffen in ihrer Bahn auf dem 40. Grad sĂŒdlicher Breite nur dreimal auf Land: einmal auf die SĂŒdspitze SĂŒdamerikas, spĂ€ter teilweise auf Tasmanien und das dritte Mal auf Neuseeland. Dadurch bedingt regnen sich die hauptsĂ€chlich ĂŒber der Tasmansee angesammelten Wassermassen an den Bergen der SĂŒdinsel ab. Der durchschnittliche Jahresniederschlag liegt an der WestkĂŒste der SĂŒdinsel bei 7000 mm pro Jahr, auf der Ostseite der Berge ist es erheblich trockener.
Insgesamt ist das Klima â dank der groĂen das Land umgebenden Wassermassen â zu groĂen Teilen maritim geprĂ€gt. Einzig die östlich der Hochgebirge gelegenen Gegenden, wie zum Beispiel das Mackenzie-Becken und Central Otago auf der SĂŒdinsel oder die Rangipo Desert auf der Nordinsel, sind kontinental geprĂ€gt. Hier liegen die Sommertemperaturen nicht selten ĂŒber 30 °C, und in den Wintermonaten fĂ€llt regelmĂ€Ăig Schnee.
| Temperatur Durchschnitt in °C |
Ort | Niederschlag Durchschnitt in mm | ||||||
| Jan. | Apr. | Juli | Okt. | Jan. | Apr. | Juli | Okt. | |
| 20 | 16 | 11 | 15 | Auckland | 79 | 103 | 141 | 89 |
| 17 | 12 | 6 | 12 | Christchurch | 46 | 53 | 68 | 44 |
| 16 | 12 | 6 | 11 | Dunedin | 74 | 74 | 56 | 58 |
| 19 | 14 | 8 | 12 | Wellington | 78 | 107 | 142 | 99 |
Aus mehreren GrĂŒnden weist Neuseeland eine hohe Zahl an unterschiedlichen Vegetationszonen auf. Zum einen sind ĂŒber 1600 km Nord-SĂŒd-Erstreckung im Vergleich zur relativ kleinen LandflĂ€che von 268.680 kmÂČ extrem lang. Deutschland ist zum Vergleich bei einer LandflĂ€che von 357.000 kmÂČ nur etwa 880 km lang. Ein weiterer wichtiger Grund fĂŒr die Vielzahl an Vegetationszonen sind die groĂen Höhenunterschiede in Neuseeland. WĂ€hrend zum Beispiel der âgroĂe Nachbarâ Australien die 28-fache FlĂ€che umfasst, ist dessen gröĂte Erhebung, der Mount Kosciuszko, nur 2228 m hoch. Hingegen erreicht Neuseelands höchster Berg, der Mount Cook, 3754 m. Zuletzt sorgt auch die ungleichmĂ€Ăige Verteilung der NiederschlĂ€ge bedingt durch die Lage der Gebirge fĂŒr eine Vielfalt an Vegetationszonen.
WĂ€hrend fast die gesamte WestkĂŒste der SĂŒdinsel von dichtem endemischem Regenwald bewachsen ist, gehören die SĂŒdlichen Alpen zur alpinen Vegetationszone. Die NĂ€he dieser völlig unterschiedlichen Zonen ist ungewöhnlich. So reichen zum Beispiel an keinem anderen Ort der Erde Gletscher so nahe an den Regenwald heran wie in Neuseeland. Die bekanntesten Gletscher sind der Franz-Josef-, der Fox- und der Tasman-Gletscher. In den Ebenen wird intensive Landwirtschaft betrieben, wĂ€hrend an vielen anderen Orten extensive Weidewirtschaft vorherrscht. Ăstlich der Zentralebene ist die Landschaft aufgrund des geringen Niederschlags steppenartig geprĂ€gt. Die nördlichen Teile der Nordinsel liegen in der subtropischen Vegetationszone und sind an weniger besiedelten Orten groĂteils mit Regenwald bewachsen.
Steppenartige Vegetation: Der Castle Hill, SĂŒdinsel
Subtropische Vegetationszone: Die Waitakere Ranges
Regenwald trifft auf Gletscher: Der Franz-Josef-Gletscher
WeitlÀufige StrÀnde im Kahurangi-Nationalpark
Neuseeland verfĂŒgt ĂŒber eine groĂe Zahl an groĂen und kleineren Seen. Der durch den in der zentralen Hochebene entspringenden Tongariro River gespeiste Tauposee (englisch: Lake Taupo) im Zentrum der Nordinsel ist mit Abstand der gröĂte See des Landes. Mit einer FlĂ€che von 616 kmÂČ ist er gröĂer als der Bodensee. Der See befindet sich in der Caldera eines Supervulkans mit gewaltigen AusmaĂen und ist folglich vulkanischen Ursprungs. Die nĂ€chstgröĂeren Seen liegen allesamt auf der SĂŒdinsel und wurden von Gletschern ausgeschoben. Der gröĂte dieser Gletscherseen ist der Lake Te Anau mit einer FlĂ€che von 344 kmÂČ, gefolgt vom 80 km langen und 291 kmÂČ groĂen Lake Wakatipu nahe Queenstown sowie dem 192 kmÂČ groĂen Lake Wanaka. Ein interessanter Aspekt dieser als Southern Lakes bezeichneten Region ist, dass viele der Gletscherseen tiefer sind als ihre Höhenlage, somit befindet sich der Grund der einzelnen Seen unterhalb des Meeresspiegels.
Neuseeland wird auĂerdem von zahlreichen FlĂŒssen und BĂ€chen durchzogen. Der lĂ€ngste Fluss des Landes ist der auf der Nordinsel gelegene Waikato River mit einer LĂ€nge von 425 km, der aus dem Tauposee entspringt und bei Port Waikato sĂŒdlich von Auckland die Tasmansee mĂŒndet. Der Clutha River im SĂŒden der neuseelĂ€ndischen SĂŒdinsel ist mit 340 km der zweitlĂ€ngste Fluss des Landes. Er entspringt aus dem Lake Wanaka und mĂŒndet etwa 75 km sĂŒdlich von Dunedin in den SĂŒdpazifik. Der drittlĂ€ngste Fluss des Landes, der 290 km lange Whanganui River, befindet sich wiederum auf der Nordinsel und mĂŒndet bei Wanganui in die CookstraĂe.
Die Tier- und Pflanzenwelt Neuseelands gehört zu den auĂergewöhnlichsten der Erde, da die Inselgruppe schon seit sehr langer Zeit von allen anderen Landmassen getrennt ist und sich die Vegetation unabhĂ€ngig entwickeln konnte. Die gröĂten Gemeinsamkeiten in der Entwicklung der Flora und Fauna weist Neuseeland mit Neukaledonien und der Lord-Howe-Insel auf.
Etwa 85 Prozent der neuseelĂ€ndischen Pflanzenarten sind endemisch. Waren vor der Ankunft der MÄori noch etwa 80 Prozent des Landes mit WĂ€ldern bedeckt, so wachsen heute noch auf gut 24 Prozent der LandesflĂ€che einheimische WĂ€lder, von deren FlĂ€che rund 77 Prozent unter Schutz stehen. Auf rund fĂŒnf Prozent der LandesflĂ€che werden von der neuseelĂ€ndischen Forstwirtschaft schnellwachsende, nicht-einheimische Baumarten wie die Monterey-Kiefer (Pinus radiata) und der KĂŒstenmammutbaum (Sequoia sempervirens) angebaut.
Die beiden wichtigsten einheimischen Waldtypen des Landes sind einerseits NadelwĂ€lder, beispielsweise aus SteineibengewĂ€chsen (Podocarpaceae) oder Kauri-BĂ€umen (Araucariaceae) zusammengesetzt, sowie LaubwĂ€lder, die hauptsĂ€chlich aus Scheinbuchen (Nothofagus) bestehen. Die meisten neuseelĂ€ndischen BĂ€ume sind immergrĂŒn. Vor allem die NadelwĂ€lder werden durch Epiphyten wie zum Beispiel dem Nordinsel-Eisenholz (Metrosideros robusta) in ihrer Erscheinung geprĂ€gt, aber auch einige wenige, mit unseren Misteln verwandte Arten leben hemiparasitisch auf SĂŒdbuchen. Unterhalb des dichten Walddaches kommen zahlreiche, meist endemische Farne vor. Am imposantesten sind zweifellos die Baumfarne (Cyatheales), die bis ĂŒber zehn Meter hoch werden. Der bekannteste unter den Farnen ist der Ponga oder Silberfarn, er stellt die neuseelĂ€ndische Nationalpflanze dar. Des Weiteren konnten sich in Neuseeland verschiedene Palmenarten wie zum Beispiel die Nikau-Palme (Rhopalostylis sapida) entwickeln. Besonders auffĂ€llig sind schlieĂlich noch der Pohutukawa (Metrosideros excelsa), das SĂŒdinsel-Eisenholz (Metrosideros umbellata) und der sogenannte Cabbage Tree (Cordyline australis).
UngefÀhr zehn Prozent der LandesflÀche sind mit einheimischer Offenlandvegetation bedeckt. Dazu gehören TussockgraslÀnder sowie Busch- und Heideland.
Wesentliche Teile der einheimischen Vegetation (etwa ein Drittel der LandesflÀche) stehen unter Naturschutz, zu guten Teilen in Nationalparks und so genannten Forest Parks.
Aufgrund der verhĂ€ltnismĂ€Ăigen Isolation hat sich in Neuseeland ein einzigartiges Ăkosystem entwickelt, dessen herausragendstes Merkmal vor der polynesischen Kolonisation das Fehlen jeglicher Art von LandsĂ€ugetieren war, mit der Ausnahme von drei Fledermausarten (die zwei Arten der NeuseelandfledermĂ€use und Chalinolobus tuberculatus).
Viele der Nischen, die normalerweise von SĂ€ugetieren besetzt wĂŒrden, sind von Vögeln belegt worden. So spielen hier flugunfĂ€hige Vögel eine besonders wichtige Rolle. Zu ihnen gehören der Kakapo (Strigops habroptilus), der Kiwi (Apterygidae), der Takahe (Porphyrio mantelli), der Weka (Gallirallus australis) und der ausgestorbene Moa (Dinornithiformes). Die Vögel wurden von Greifvögeln gejagt, von denen der gröĂte, der Haastadler (Harpagornis moorei), eine Spannweite von bis zu drei Metern und ein Gewicht von bis zu 14 Kilogramm hatte. Einige der flugunfĂ€higen Arten kommen heute nur noch auf raubtierfreien Inseln vor der KĂŒste Neuseelands vor. Weniger Probleme haben die krĂ€ftigen Papageienarten Kea (Nestor notabilis) und Kaka (Nestor meridionalis). DarĂŒber hinaus gibt es zahlreiche Vögel, die ĂŒber die riesigen Weiten des Pazifiks fliegen, um Teile des Jahres in Neuseeland zu verbringen, wie der Westlandsturmvogel (Procellaria westlandica). Auch Königsalbatrosse (Diomedea epomophora) und Australtölpel (Morus serrator) nisten hier. Die KĂŒsten teilen sich verschiedene Pinguin-Arten wie der Dickschnabelpinguin (Eudyptes pachyrhynchus), der Gelbaugenpinguin (Megadyptes antipodes) und der Zwergpinguin (Eudyptula minor) mit NeuseelĂ€ndischen SeebĂ€ren (Arctocephalus forsteri), Elefantenrobben (Mirounga) und NeuseelĂ€ndische Seelöwen (Phocarctos hookeri). Vor den KĂŒsten schlieĂlich sind Delfine und Wale anzutreffen, wo es auĂerdem eine seltene Kleindelfinart gibt, die Hector-Delfin (Cephalorhynchus hectori) genannt wird. Des Weiteren ist Neuseeland die Heimat des Tuatara (Sphenodon punctatus), einer uralten Reptilienart, der NeuseelĂ€ndischen Urfrösche (Leiopelmatidae) und des Weta (Anostostomatidae), eines Insekts, das bis zu 10 cm lang werden kann. Neuseeland ist eines der wenigen LĂ€nder der Erde, in denen es keine terrestrischen Schlangen gibt (wohl aber drei Arten von Seeschlangen im umgebenden Meer).[5] Allerdings kommen fast 60 Echsenarten in Neuseeland vor, vor allem Skinke der Gattung Oligosoma, die NeuseelĂ€ndischen Braungeckos (Hoplodactylus) und die GrĂŒngeckos (Naultinus).[6]
Die Ankunft erst der MÄori und spĂ€ter auch der EuropĂ€er hat aufgrund der Eingriffe des Menschen in die Natur und wegen absichtlich und unabsichtlich mitgebrachter Tiere (Neozoen), vor allem von Ratten, aber auch von Hunden, Katzen, Igel, Hermeline und anderer Wieselarten sowie dem australischen Fuchskusu zu zwei spektakulĂ€ren Aussterbewellen gefĂŒhrt. Die neuseelĂ€ndische Regierung versucht mit verschiedenen MaĂnahmen, die durch importierte Tiere in ihrer Existenz bedrohten endemischen Arten, allen voran die vielen unterschiedlichen Vögel, vor dem Aussterben zu bewahren. Zum einen wird durch Kastration, zum Beispiel von Katzen, deren Vermehrung verhindert, und zum anderen ist Neuseeland weltweit fĂŒhrend in der Ausrottung eingefĂŒhrter Tiere und hat damit begonnen, kleinere Inseln vor der KĂŒste wieder in ihren Zustand vor der Kolonisierung zu versetzen und dort wieder einheimische Arten anzusiedeln, um in der nĂ€chsten Stufe das Projekt auch auf die beiden Hauptinseln auszudehnen.
Bei der VolkszĂ€hlung im Jahr 2006 lebten zum Stichtag 7. MĂ€rz 4.143.279 Menschen in Neuseeland, das sind 8,4 Prozent mehr als bei der vorhergehenden VolkszĂ€hlung im Jahre 2001 und doppelt so viele wie 1956. Der aktuelle, geschĂ€tzte Bevölkerungsstand betrĂ€gt 4.268.900 Personen zum 30. Juni 2008. 23 Prozent der Bevölkerung sind nicht in Neuseeland geboren. Der Bevölkerungszuwachs in den letzten fĂŒnf Jahren geht zu etwa zwei Dritteln auf Einwanderungen zurĂŒck. Die Bevölkerungsdichte betrĂ€gt ungefĂ€hr 16 Menschen pro kmÂČ (Deutschland: 231 pro kmÂČ). Damit gehört Neuseeland zu den dĂŒnner besiedelten LĂ€ndern der Erde, wenn es auch um ein Vielfaches dichter besiedelt ist als das Nachbarland Australien (2,6 Einwohner pro kmÂČ). Dabei verteilt sich die Bevölkerung ungleichmĂ€Ăig auf die verschiedenen Landesteile. WĂ€hrend auf der gröĂeren SĂŒdinsel nur gut eine Million Menschen leben und groĂe Landesteile â wie zum Beispiel Fiordland â so gut wie unbewohnt sind, haben etwa 1,3 Millionen Personen alleine in der Metropolregion Auckland, der gröĂten Stadt des Landes, ihren Wohnsitz. Insgesamt leben ĂŒber drei Millionen Menschen auf der kleineren Nordinsel.
Das Durchschnittsalter liegt (Stand 2006) bei 35,9 Jahren. Die Geburtenrate liegt bei 14,14 pro 1000 Einwohner (Stand 2003), wÀhrend im gleichen Zeitraum 7,54 TodesfÀlle pro 1000 Menschen zu verzeichnen waren. Durch Einwanderung wuchs die Bevölkerung um weitere 4,26 Personen pro 1000 Einwohner. Die Kindersterblichkeitsrate lag 2006 bei 5,76 pro 1000 Lebendgeburten, wÀhrend pro Frau durchschnittlich 1,79 Kinder geboren werden (FertilitÀtsrate). Die Lebenserwartung liegt bei der Geburt bei 78,32 Jahren (2003). WÀhrend MÀnner durchschnittlich 75,34 Jahre alt werden, erreichen Frauen im Schnitt ein Alter von 80,44 Jahren.
Neuseeland gehört mit einem Urbanisierungsgrad von 86 Prozent im Jahr 2005 zu den LÀndern mit der prozentual höchsten Stadtbevölkerung der Erde. Dabei lebt alleine in der Stadt Auckland fast ein Drittel (32 Prozent) der Gesamtbevölkerung des Landes.
Den gröĂten Teil der Bevölkerung machen NeuseelĂ€nder europĂ€ischer Abstammung, genannt PÄkehÄ, aus. Diese Volksgruppe stammt gröĂtenteils von den Britischen Inseln, aber auch aus Deutschland, Italien, Polen, den Niederlanden und zahlreichen weiteren europĂ€ischen Staaten und macht etwa 67,6 Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Die zweitgröĂte Bevölkerungsgruppe bilden die polynesisch-stĂ€mmigen indigenen Einwohner Neuseelands, die MÄori, denen sich 14,6 Prozent der Bevölkerung zugehörig fĂŒhlt. Zwischen 1996 und 2006 stieg der Anteil an Asiaten mit insgesamt 9,6 Prozent zur drittgröĂten ethnischen Gruppe auf. Dabei bilden Chinesen mit 2,8 Prozent vor Indern mit 1,7 Prozent die Mehrheit. Die asiatische Bevölkerungsgruppe ĂŒberholte bis 2001 die Gruppe von Menschen von den Pazifischen Inseln, die 2006 etwa 6,9 Prozent der Landesbevölkerung stellten. Die meisten der Pazifischen Insulaner stammen aus Samoa, gefolgt von den Cookinseln sowie Tonga. Insgesamt sind etwa 23 Prozent der Gesamtbevölkerung nicht in Neuseeland geboren.
(Stand: jeweils VolkszĂ€hlung 2006, Anmerkung: Bei diesen Zahlen ist zu beachten, dass es in Neuseeland einer Person möglich ist, sich mehreren ethnischen Gruppen zuzuordnen, zudem wurde 2006 erstmals die Möglichkeit angeboten, sich keiner speziellen Ethnie zuzuordnen, was 11,1 Prozent fĂŒr sich nutzten.)
In Neuseeland leben vergleichsweise viele Konfessionslose â etwa 32 Prozent der Gesamtbevölkerung gaben bei der VolkszĂ€hlung 2006 an, keiner Religion zugehörig zu sein. Die vorherrschende Religion ist das Christentum. Die gröĂte christliche Konfession ist die anglikanische Kirche mit etwa 14 Prozent, darauf folgt die die römisch-katholische Kirche mit etwa 13 Prozent. Die drittgröĂte christliche Konfession schlieĂlich ist die presbyterianische Kirche mit etwa 10 Prozent Anteil an der Bevölkerung. Kleinere christliche Gruppierungen schlieĂen die Methodisten mit etwa drei Prozent sowie Baptisten (alle Angaben von 2006).[7] und Lutheraner ein.
Die meisten MÄori sind heute Christen, zudem ist die neuseelĂ€ndische Ratana-Kirche sehr beliebt. Weitere kleinere Religionsgruppen sind der Buddhismus, dicht gefolgt vom Hinduismus sowie vom Islam. Es gibt auch einige jĂŒdische Gemeinden.
WĂ€hrend die anglikanische sowie die presbyterianische Kirche in den letzten Jahren an Mitgliederschwund leiden, verzeichnen die meisten anderen Kirchen MitgliederzuwĂ€chse, meistens durch Einwanderer. Die Zahl der Muslime erhöhte sich beispielsweise von 2001 bis 2006 um 52 Prozent. Die katholische Kirche ist in den GroĂstĂ€dten der Nordinsel bereits gröĂte Konfession. Durch den ausgeprĂ€gten Anteil an Presbyterianern im SĂŒden der SĂŒdinsel kann man heute noch erkennen, dass dieses Gebiet vornehmlich durch schottische Einwanderer besiedelt wurde. Die katholische Bevölkerungsmehrheit in manchen lĂ€ndlichen Distrikten ist zum Beispiel in Waitakere auf Zuwanderung von Kroaten aus dem Königreich Dalmatien zurĂŒckzufĂŒhren. Die italienische katholische Gemeinde stellt aufgrund sehr starker Zuwanderung die gröĂte Gruppe innerhalb der neuseelĂ€ndischen Katholiken dar.
In Neuseeland genieĂen drei Sprachen den Status einer Amtssprache: Englisch, Te Reo MÄori und die neuseelĂ€ndische GebĂ€rdensprache.
WĂ€hrend sowohl MÄori als auch die neuseelĂ€ndische GebĂ€rdensprache nur von einem relativ geringen Anteil der Bevölkerung verstanden oder gar aktiv verwendet werden, ist das neuseelĂ€ndische Englisch die wichtigste Umgangssprache, die im Jahr 2006 von 98 Prozent der Bevölkerung gesprochen wird. Diese VarietĂ€t der englischen Sprache ist mit dem australischen Englisch verwandt, unterscheidet sich aber von dieser durch die grundsĂ€tzlich andere Betonung einiger Vokale und Wörter, sodass MissverstĂ€ndnisse zwischen Sprechern des neuseelĂ€ndischen und australischen Englisch nicht ausgeschlossen sind. Andere besondere Eigenschaften des neuseelĂ€ndischen Englisch machen der MÄori-Sprache entlehnte Wörter aus, dies ist besonders in der MÄori-Bevölkerung verbreitet.
Die zweite Amtssprache, MÄori (Eigenbezeichnung: Te Reo MÄori), verlor bis in die 1970er Jahre immer mehr an Bedeutung, und die Anzahl der MÄori-Sprecher nahm kontinuierlich ab. Am 1. August 1987 wurde MÄori aber zur Amtssprache erhoben und seit dieser Zeit wird an immer mehr â öffentlichen wie privaten â Schulen MÄori als Wahlfach unterrichtet, so dass auch NeuseelĂ€nder europĂ€ischer Abstammung Zugang zu dieser Sprache erhalten. Seitdem nimmt die Zahl derer, die MÄori sprechen und verstehen, besonders in der Altersgruppe der 3- bis 25-jĂ€hrigen, wieder zu. Insgesamt konnten 2006 nach eigenen Angaben 4,2 Prozent der Bevölkerung MÄori sprechen.
Die neuseelĂ€ndische GebĂ€rdensprache (englisch: New Zealand Sign Language; NZSL) ist seit dem 10. April 2006 ebenfalls offizielle Amtssprache und ist damit die weltweit erste Sprache fĂŒr Gehörlose, die diesen Status besitzt. Obwohl sie bereits seit 1994 an speziellen Schulen unterrichtet wird und 1998 das erste Wörterbuch fĂŒr die Sprache veröffentlicht wurde, betrug 2006 die Zahl der Menschen, die die GebĂ€rdensprache beherrschten, gerade einmal 0,6 Prozent. Die Anzahl gehörloser oder hörbehinderter Menschen in Neuseeland ist ungefĂ€hr doppelt so hoch.
ZusÀtzlich zu den drei Amtssprachen werden noch zahlreiche andere Sprachen in Neuseeland gesprochen, die von den vielen Einwanderern ins Land gebracht wurden, darunter Samoisch, Französisch, Hindi, zahlreiche Chinesische Sprachen (vor allem Kantonesisch und Hochchinesisch) und Deutsch.[8]
Es gibt in Neuseeland keinen verpflichtenden Fremdsprachenunterricht, nur etwa ein FĂŒnftel aller SchĂŒler an weiterfĂŒhrenden Schulen lernt eine Fremdsprache. Die beliebtesten sind Französisch, Japanisch und Deutsch.[9]
Neuseeland wurde gegen Ende des 13. Jahrhunderts, spĂ€testens aber in der ersten HĂ€lfte des 14. Jahrhunderts von Polynesiern entdeckt und in mehreren Einwanderungswellen besiedelt. Neueste Untersuchungen von Knochen der pazifischen Ratte und von eingefĂŒhrten Samen mittels der Radiokarbonmethode grenzen diesen Zeitraum auf die Jahre 1280 bis 1350 ein.[10] Die Nachkommen der ersten Einwanderer begrĂŒndeten die MÄori-Kultur. Aus der Besiedlung der Chatham-Inseln östlich von Neuseeland ging die Moriori-Kultur hervor. Ob diese Besiedlung von Neuseeland aus erfolgte, ist umstritten, aber sprachliche Gemeinsamkeiten sind Anzeichen fĂŒr eine Besiedlung vom Festland aus. Viele der eingewanderten MÄori â vor allem auf der Nordinsel â gaben dem Land den Namen Aotearoa, was im allgemeinen mit âLand der langen weiĂen Wolkeâ ĂŒbersetzt wird.
Die ersten MÄori, die das Land erreichten, fanden keine SĂ€ugetiere vor. Um sich zu ernĂ€hren, jagten sie zunĂ€chst Moa. Dieser flugunfĂ€hige, dem afrikanischen StrauĂ entfernt Ă€hnliche Vogel war so binnen weniger Jahre ausgerottet. Ebenso verschwand der Haastadler, der gröĂte Greifvogel der neuzeitlichen Erde; der letzte seiner Art starb vermutlich um 1700. Die erstmalige Besiedlung durch die MÄori fĂŒhrte so zum Aussterben mancher Tierart. SpĂ€ter ergĂ€nzten die MÄori ihren Speiseplan durch die Kultivierung der Kumara (SĂŒĂkartoffel).
Der erste EuropĂ€er, der Neuseeland erblickte, war der niederlĂ€ndische Seefahrer Abel Tasman. Seine Aufgabe war es, das âGroĂe sĂŒdliche Landâ zu entdecken, weil dort wertvolle Rohstoffe vermutet wurden. Auf seiner Reise entdeckte er schlieĂlich im Jahr 1642 ein âgroĂes, hoch gelegenes Landâ, die heutige Region West Coast auf der SĂŒdinsel. Er war sich nicht sicher und vermutete, dass er ein weiteres StĂŒck KĂŒste von Staten Landt entdeckt hatte. Als er in der Golden Bay in der heutigen Region Tasman das Land aus der NĂ€he erkunden wollte, kam es zu einer ersten blutigen Begegnung mit den âUreinwohnernâ, bei der vier niederlĂ€ndische Seeleute getötet wurden. Der âEntdecker Neuseelandsâ setzte niemals einen FuĂ auf neuseelĂ€ndischen Boden. Als eine Expedition unter Hendrik Brouwer ein Jahr spĂ€ter festgestellt hatte, dass der von Tasman vorgefundene KĂŒstenstreifen nicht zu Staten Landt gehörte, wurde das Land Nova Zeelandia (lateinisch) oder Nieuw Zeeland (niederlĂ€ndisch) genannt (wie die Provinz Zeeland), in Anlehnung an Australien, das Nova Hollandia oder Nieuw Holland genannt wurde.
Erst 1769/70 wurden erneut Expeditionen in die GewĂ€sser um die (auf Englisch) New Zealand genannten Inseln gestartet. Der britische KapitĂ€n James Cook sollte wie Tasman einen vermuteten sĂŒdlichen Kontinent finden.[11] Im Oktober 1769 traf Cooks Schiff Endeavour von Tahiti kommend am sĂŒdwestlichen Punkt der Poverty Bay genannten Bucht auf Neuseeland. Nach ersten feindseligen Begegnungen, dann aber auch gelungenen AnnĂ€herungsversuchen mit MÄori umsegelte Cook zunĂ€chst die Nordinsel sowie nach einem lĂ€ngeren Aufenthalt in den Marlborough Sounds die SĂŒdinsel und konnte so nachweisen, dass es sich bei Neuseeland um Inseln und nicht um einen Teil eines Kontinents handelte. Cook und die ihn begleitenden Wissenschaftler begannen das Land grĂŒndlich zu kartographieren, sie erkundeten ausgiebig Flora und Fauna und sammelten Informationen zu den MÄori.
Nur wenige Wochen nach Cook entdeckte auch Jean François Marie de Surville die Inseln. In den folgenden Jahren wanderten vor allem WalfĂ€nger, RobbenfĂ€nger und spĂ€ter auch Missionare nach Neuseeland ein. Diese pflegten ausgeprĂ€gte Kontakte zu den MÄori. Die beiden Parteien trieben regen Handel miteinander, einige EuropĂ€er lebten sogar mit den MÄori zusammen.
Die bei TauschgeschĂ€ften von den EuropĂ€ern durch die MÄori seit dem Ende des 18. Jahrhunderts erworbenen Schusswaffen begĂŒnstigten gewalttĂ€tige Auseinandersetzungen, die von 1829 bis 1835 in den Musketenkriegen (englisch: Musket Wars) gipfelten, bei denen sich zahlreiche StĂ€mme bekĂ€mpften und â SchĂ€tzungen der Regierung zufolge â etwa 20.000 Menschen zu Tode kamen. Auch durch die EuropĂ€er eingeschleppte Krankheiten, gegen deren Erreger die MÄori nicht resistent waren, dezimierten ihre Anzahl nachhaltig. In den 1820er Jahren kam es zudem zu ersten bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen MÄori und WeiĂen. 1832 schickte die britische Regierung den Gesandten James Busby nach Neuseeland und ernannte ihn zum Residenten. Er sollte den britischen Handel ĂŒberwachen und kontrollieren und zwischen streitenden WeiĂen und MÄori vermitteln, er war dabei jedoch weitgehend auf sich allein gestellt. Nachdem ein neuseelĂ€ndisches Handelsschiff wegen des fehlenden Herkunftssymboles im Hafen von Sydney beschlagnahmt worden war und auch nicht unter britischer Flagge fahren durfte, da Neuseeland noch nicht zu GroĂbritannien gehörte, wĂ€hlten am 20. MĂ€rz 1834 mehrere Dutzend MÄori-AnfĂŒhrer unter seiner Aufsicht eine offizielle Flagge aus, die spĂ€ter zur offiziellen Flagge der United Tribes of New Zealand (deutsch: Vereinigte StĂ€mme Neuseelands) wurde. Da es in Neuseeland noch keine Gesetzgebung gab und die BefĂŒrchtung aufkam, dass Frankreich an der Banks-Halbinsel eine eigene Kolonie grĂŒnden könnte, setzte Busby einen Vertrag auf, der am 28. Oktober 1835 von ĂŒber 30 MÄori-AnfĂŒhrern unterzeichnet wurde und als Declaration of Independence of New Zealand (UnabhĂ€ngigkeitserklĂ€rung) und damit als GrĂŒndung der âVereinigten StĂ€mmeâ in die Geschichte einging.
Die SouverĂ€nitĂ€t des Landes fand jedoch schon wenige Jahre spĂ€ter ein jĂ€hes Ende. Zu diesem Zeitpunkt gab es in Frankreich nĂ€mlich tatsĂ€chlich Bestrebungen, auf der SĂŒdinsel des Landes eine Kolonie zu grĂŒnden, was die britische Krone unter allen UmstĂ€nden verhindern wollte. Da man die âVereinigten StĂ€mmeâ fĂŒr zu schwach befand, ihre Interessen selbst zu verteidigen, wurde das Land im Januar 1840 vom Britischen Weltreich offiziell annektiert. Um das Vorgehen als rechtmĂ€Ăig zu erklĂ€ren, beeilte sich der damalige Generalgouverneur William Hobson, zahlreiche MÄori-HĂ€uptlinge nahe dem Ort Waitangi zu versammeln, damit sie am 6. Februar des gleichen Jahres den Vertrag von Waitangi unterzeichnen konnten. Dieses Dokument gilt als die âGeburtsstundeâ des modernen Neuseeland; der Vertrag verband das Land mit der britischen Krone. Gleichzeitig gaben die MÄori damit ihre SouverĂ€nitĂ€t auf und bekamen dafĂŒr BĂŒrgerrechte zugesichert. Sie durften die LĂ€ndereien behalten, die vor Unterzeichnung des Vertrages in ihrem Besitz waren. Im Jahr 1975 wurde schlieĂlich das Waitangi Tribunal eingesetzt, das bei Unstimmigkeiten und Vertragsverletzungen Regelungen trifft und sich auch fĂŒr Wiedergutmachungen einsetzt.
Auf der SĂŒdinsel Neuseelands scheiterte die Kolonialisierung durch Frankreich nur knapp. 1840 war Jean Langlois zur Banks Peninsula aufgebrochen, um sie fĂŒr Frankreich in Besitz zu nehmen. Als der Plan bekannt wurde, sandten die Briten eine Expedition aus, um die Halbinsel fĂŒr die Krone zu sichern. Langlois erreichte die GewĂ€sser vor dem heutigen Akaroa zwar als erster, konnte aber wegen widriger Winde nicht an Land gehen. Als das Wetter die Landung zulieĂ, musste er dann erkennen, dass ihm die Briten zuvorgekommen waren. Die französischen Siedler durften sich gleichwohl in Akaroa niederlassen, was heute auch in den französischen StraĂennamen sichtbar ist.
Die 1839 gegrĂŒndete New Zealand Company warb um neue Einwanderer. Diese errichteten zahlreiche StĂ€dte und Dörfer und besiedelten groĂe Teile des Landes. Sie lebten oft als Bauern in Frieden mit den MÄori und kultivierten die Landschaft. Als aber mehr und mehr Einwanderer das Land erreichten und immer gröĂere LandflĂ€chen benötigt wurden, kam es zu Zwistigkeiten zwischen Siedlern und MÄori. Mit der Zeit wurden die MissstĂ€nde immer gröĂer, und so kam es schlieĂlich zu offenen bewaffneten Konflikten, die in Northland bereits im Jahr 1840 zu einer kriegerischen Auseinandersetzung anwuchsen. Bis 1860 hatten sich die KĂ€mpfe, die als Neuseelandkriege in die Geschichte eingingen, auf das ganze Land ausgedehnt. Nach diesen Auseinandersetzungen betrug die Zahl der MÄori 1891 nur noch 44.000 im Vergleich zu ĂŒber 120.000 vor dem Jahr 1820.
Nach der Unterzeichnung des Vertrages von Waitangi wurde Neuseeland als Teil von New South Wales verwaltet, bis das Land ab 31. Mai 1841 eine eigene Kolonie bildete. Die EuropĂ€er besiedelten in den folgenden Jahrzehnten beinahe das gesamte Land und grĂŒndeten insgesamt neun Provinzen.
Im Jahre 1861 wurden auf der SĂŒdinsel groĂe Goldvorkommen entdeckt. Um separatistische Bewegungen auf der aufstrebenden SĂŒdinsel zu verhindern, wurde die ursprĂŒnglich in Russell gelegene Hauptstadt von Auckland im hohen Norden nach Wellington in die Mitte des Landes verlegt.
Schon vor der Jahrhundertwende setzte Neuseeland im Umgang mit bisher benachteiligten Personengruppen MaĂstĂ€be, was fĂŒr den Rest der Welt zur damaligen Zeit noch unmöglich schien. Als sich das Land seit 1852 aufgrund des New Zealand Constitution Act 1852 relativ selbstĂ€ndig verwaltete, bekamen ab 1867 auch die mĂ€nnlichen MÄori das Wahlrecht und Sitze im Parlament. Am 18. September 1893 wurde in Neuseeland â als erstem Land der Welt â das Frauenwahlrecht eingefĂŒhrt.
Das Land entschied sich 1901 gegen einen Beitritt zum Commonwealth of Australia und blieb bis 1907 eine Kolonie, als Neuseeland den Status einer Dominion erhielt und folglich fast unabhĂ€ngig von GroĂbritannien wurde. Ăber die gesamte Kolonialzeit bis in die jĂŒngere Gegenwart hinweg erwies sich das Land als besonders treuer BĂŒndnispartner GroĂbritanniens. So entsandte Neuseeland Truppen fĂŒr den Zweiten Burenkrieg, den Ersten und Zweiten Weltkrieg sowie die Sueskrise.
Die Frage, seit wann Neuseeland ein eigenstĂ€ndiger Staat ist, ist nicht leicht zu klĂ€ren, da das Land nach angelsĂ€chsischer Tradition keine geschriebene Verfassung besitzt. Neben 1840 (Vertrag von Waitangi) und 1907 (Entstehung der Dominion) gibt es weitere Zeitpunkte auf Neuseelands Weg zur UnabhĂ€ngigkeit: 1931 wurde von der britischen Regierung das Statut von Westminster erlassen, das den Dominions die Möglichkeit zur UnabhĂ€ngigkeit gab. Am 25. November 1947 akzeptierte das neuseelĂ€ndische Parlament im Statute of Westminster Adoption Act 1947 die angebotene völlige SouverĂ€nitĂ€t, die mit der Mitgliedschaft im Commonwealth of Nations verbunden war. Am 25. Dezember 1947 wurde es schlieĂlich von Neuseeland unterzeichnet. Andererseits gab sich Neuseeland erst 1986 eine vom neuseelĂ€ndischen Parlament abgesegnete Verfassung, bis dahin galt die Verfassung des noch vom britischen Parlament ausgearbeiteten New Zealand Constitution Acts von 1852.
Die am Schwarzen Freitag 1929 eingelĂ€utete Weltwirtschaftskrise traf das wirtschaftlich von GroĂbritannien abhĂ€ngige Land sehr hart und fĂŒhrte zur ersten Regierungsbildung durch die Labour Party (Arbeiterpartei), welche den neuseelĂ€ndischen Wohlfahrtsstaat etablierte und den Wirtschaftsverkehr weitgehend kontrollierte. Diese Politik wurde ĂŒber Jahrzehnte erfolgreich praktiziert, bis verĂ€nderte Bedingungen zu einem erneuten radikalen Kurswechsel fĂŒhrten. Bereits in den ausgehenden 1960er Jahren schwĂ€chelte das hochsubventionierte Staats- und Wirtschaftswesen des Landes und brach mit dem Beitritt GroĂbritanniens in die EG weitgehend zusammen. Die bewĂ€hrte enge wirtschaftliche Bindung zum einstigen Mutterland existierte plötzlich nicht mehr. Das Land litt unter hohen Inflationsraten, ĂŒberbordender BĂŒrokratie und zu hohen Staatsausgaben. Erst eine von der Labour-Regierung unter David Lange 1984 begonnene und unter seinen konservativen Nachfolgern fortgesetzte durchgreifende Liberalisierung brachte auf lĂ€ngere Sicht die Wende, wobei die Arbeitslosenzahlen die langwierigsten Probleme bereiteten. Doch Mitte der 1990er Jahre hatte der Aufschwung das ganze Land bereits an die Spitze der Industrienationen katapultiert. Seit der MachtĂŒbernahme der Labour Party unter Helen Clark 1999 wurde diese Wirtschaftspolitik erneut teilweise revidiert, privatisierte Staatsunternehmen zurĂŒckgekauft und der soziale Ausgleich, vor allem zwischen dem Wirtschaftszentrum Auckland und dem lĂ€ndlichen Raum, trat wieder in den Vordergrund.
1951 verbĂŒndeten sich die drei Staaten Australien, die USA und Neuseeland zum ANZUS-Sicherheitspakt, um im Hinblick auf den gerade vorĂŒbergegangenen Zweiten Weltkrieg zukĂŒnftige Konflikte gemeinsam verhindern zu können. Wegen Differenzen ĂŒber Neuseelands Anti-Atompolitik erfolgte die Suspendierung des Pakts durch die USA im Jahr 1984. Im Zusammenhang mit dem Widerstand gegen das französische Atomwaffen-Programm in Französisch-Polynesien wurde das Greenpeace-Flaggschiff âRainbow Warriorâ 1985 im Hafen von Auckland von französischen Geheimagenten versenkt. Zwei Jahre spĂ€ter erklĂ€rte sich Neuseeland zur atomwaffenfreien Zone.
Die Sprache und Kultur der bis in die 1970er Jahre gesellschaftlich marginalisierten Ureinwohner, der MÄori, werden heute in krassem Gegensatz zur Politik des Nachbarn Australien, besonders gefördert, so gibt es Radio, Fernsehen und Zeitungen in der MÄori-Sprache, die Abgeordneten der fĂŒr die MÄori reservierten Parlamentssitze werden in gesonderten Wahlkreisen gewĂ€hlt, die traditionelle MÄori-Kultur wird auch touristisch vermarktet.
Neuseeland ist eine unabhĂ€ngige parlamentarische Monarchie, die sich am britischen Vorbild orientiert, aber nur eine Kammer hat, es gibt also kein Oberhaus. Es verfĂŒgt als einer von drei Staaten weltweit, neben dem Vereinigten Königreich und Israel, ĂŒber keine kodifizierte Verfassung.[12] Nach dem Constitution Act 1986 ist der Monarch von GroĂbritannien und Nordirland in seinem Amt als König beziehungsweise Königin von Neuseeland das Staatsoberhaupt. Ein Generalgouverneur reprĂ€sentiert wie in jedem Commonwealth Realm das Staatsoberhaupt, er kann jedoch keine Macht auf das Parlament ausĂŒben. Regierungssitz und Sitz des Parlaments ist Wellington.
Siehe auch:
Vor der Bildung von politischen Parteien gab es im neuseelĂ€ndischen Parlament nur einzelne Kandidaten zu wĂ€hlen. In den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts bildeten sich zunehmend stĂ€rker werdende lose Interessengruppen, die sich zu Beginn meist nach geographischer Herkunft der Kandidaten, spĂ€ter dann aber nach politischer Einstellung â Konservatismus oder Liberalismus â zusammenfanden. Generell wird die von John Ballance gegrĂŒndete und spĂ€ter von Richard Seddon geprĂ€gte Liberal Party als erste wirkliche politische Partei Neuseelands angesehen. Sie stellte von 1890 bis 1912 die Regierungsmehrheit. Ab 1903 begannen zahlreiche Parlamentarier damit, sich zu einer konservativen Alternativbewegung zusammenzuschlieĂen, die seit 1909 offiziell als Reform Party bezeichnet wurde und sich deutlich von der liberalen Partei unterscheiden sollte. Mit dem Zusammenschluss von zahlreichen sozialistischen Gruppierungen zur Labour Party im Jahr 1916 begann der Niedergang der liberalen Partei, die in den folgenden Wahlen keinen RĂŒckhalt mehr aus der Arbeiterklasse hatte und schlieĂlich auch noch auf ihre zweite WĂ€hlerbasis, GeschĂ€ftsleute und Arbeitgeber, die ĂŒber den Aufstieg der Social Democratic Party besorgt waren und sich geschlossen der Reform Party mit ihrem âAnti-Sozialismusâ-Programm anschlossen, verzichten mussten. Letztere politische Vereinigung war bis 1928 an der Macht, bis sie von einem BĂŒndnis aus Labour Party und United Party, der Nachfolgepartei der Liberal Party, abgelöst wurde. Als die Arbeiterpartei 1935 ohne Koalitionspartner die Regierung bilden konnte, fusionierten United und Reform Party zur konservativen National Party, die in der zweiten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts der gröĂte und einzige Konkurrent der Labour Party war. In den frĂŒhen 1990er Jahren wurden zahlreiche kleinere Parteien gegrĂŒndet, die bekanntesten sind die Green Party of Aotearoa New Zealand (1990), Alliance (1991) sowie New Zealand First (1993). Diese konnten wegen des Mehrheitswahlrechts trotz groĂer Stimmenanteile nur wenige Parlamentssitze erringen. Erst nach der EinfĂŒhrung des personalisierten VerhĂ€ltniswahlrechts zu den Wahlen im Jahr 1996 waren kleinere Parteien in gröĂerem Umfang in der Lage, die Politik in Neuseeland mitzubestimmen.
Nach den Wahlen von 2005 dominieren zwar weiter die Labour Party unter ihrer Vorsitzenden Helen Clark und die National Party unter ihrem Vorsitzenden John Key die neuseelĂ€ndische Parteienlandschaft und liefern sich bei Wahlen regelmĂ€Ăig ein Kopf-an-Kopf-Rennen, doch neben diesen beiden Parteien sind noch sechs weitere im ReprĂ€sentantenhaus vertreten: die rechtsgerichtete, nationalistische und hĂ€ufig als populistisch beschriebene Partei New Zealand First, die linksgerichtete, grĂŒne Green Party of Aotearoa New Zealand, die 2004 vom ehemaligen Labour-Kabinettsmitglied Tariana Turia gegrĂŒndete MÄori Party, die sich insbesondere fĂŒr die Interessen der MÄori einsetzt, die christdemokratische Mitte-rechts-Partei United Future, die wirtschaftsliberale ACT New Zealand und die demokratisch-sozialistische Jim Andertonâs Progressive (eine Abspaltung der sozialdemokratischen Alliance).
Die Mitte-links-Koalition der seit 1999 amtierenden Premierministerin Helen Clark wurde bei der Wahl am 8. November 2008 von einer Koalition unter FĂŒhrung der National Party abgelöst. Der neue Premierminister John Key nahm am 19. November 2008 seine AmtsgeschĂ€fte auf. Seine Regierung wurde von der MÄori Party, Act New Zealand und der United Future New Zealand unterstĂŒtzt. Die gröĂte Oppositionspartei wurde die Labour Party. Am 26. November 2011 konnte die die regierende National Party unter John Key Ihre FĂŒhrung mit 48,0 % der abgegebenen Stimmen sogar noch ausbauen und verfehlte mit 60 Sitzen nur knapp die absolute Mehrheit im House of Representatives.[13]
| Wahlergebnisse | ||||
|---|---|---|---|---|
| Partei | Stimmenanteil 2011 | Sitze 2011 | Stimmenanteil 2008 | Sitze 2008 |
| National Party | 48,0 % | 60 | 45,45 % | 59 |
| Labour Party | 27,1 % | 34 | 33,77 % | 43 |
| Green Party | 10,6 % | 13 | 6,43 % | 8 |
| New Zealand First | 6,8 % | 8 | 4,21 % | 0 |
| MÄori Party | 1,4 % | 3 | 2,24 % | 4 |
| ACT New Zealand | 1,1 % | 1 | 3,72 % | 5 |
| Mana | 1,0 % | 1 | ||
| United Future New Zealand | 0,6 % | 1 | 0,89 % | 1 |
| StaatsoberhÀupter | |||
|---|---|---|---|
| Regierungszeit | Name | Dynastie | Lebensdaten |
| 1837â1901 | Victoria | Hannover | 1819â1901 |
| 1901â1910 | Eduard VII. | Sachsen-Coburg-Gotha | 1841â1910 |
| 1910â1936 | Georg V. | Windsor * | 1864â1936 |
| 1936 | Eduard VIII. | Windsor * | 1894â1972 |
| 1936â1952 | Georg VI. | Windsor * | 1895â1952 |
| seit 1952 | Elisabeth II. | Windsor * | seit 1926 |
* 1917 benannte der damalige König Georg V. sein Haus von Sachsen-Coburg-Gotha in House of Windsor um, um das britische Königshaus vom im Ersten Weltkrieg feindlichen Deutschen Reich abzugrenzen.
Die neuseelĂ€ndischen StreitkrĂ€fte gliedern sich in drei TeilstreitkrĂ€fte: Die SeestreitkrĂ€fte (Royal New Zealand Navy), die LuftstreitkrĂ€fte (Royal New Zealand Air Force) sowie die LandstreitkrĂ€fte (New Zealand Army), die aus 4500 regulĂ€ren Soldaten und 2500 weiteren BeschĂ€ftigten bestehen. AuĂenpolitisch hat sich Neuseeland durch seine regelmĂ€Ăige Beteiligung an Kriegen auf Seiten GroĂbritanniens profiliert. So beteiligte sich Neuseeland unter anderen am Burenkrieg, dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, dem Koreakrieg, dem Vietnamkrieg, dem Zweiten Golfkrieg und dem Krieg in Afghanistan. Ferner stellte beziehungsweise stellt Neuseeland Truppen fĂŒr verschiedene Friedensmissionen, zum Beispiel in Zypern, Somalia, Bosnien und Herzegowina, im Sinai, in Angola, Kambodscha, an der iranisch-irakischen Grenze sowie in Osttimor bereit.
Das militĂ€rische VerteidigungsbĂŒndnis ANZUS mit den USA und Australien war zwischenzeitlich wegen der strikten Anti-Atom-Politik Neuseelands, in deren Rahmen sich das Land auch gegen die französischen Atomtests im SĂŒdpazifik stark machte, ausgesetzt. Neuseeland gilt den Vereinigten Staaten als einer der treuesten VerbĂŒndeten auĂerhalb der NATO.
Neuseeland ist GrĂŒndungsmitglied der Vereinten Nationen und des Commonwealth. Weiterhin ist es seit der GrĂŒndung am 6. Februar 1947 Mitglied des Sekretariats der Pazifischen Gemeinschaft, der Organisationen der Weltbankgruppe (auĂer der MIGA), seit der GrĂŒndung 1966 der Asiatischen Entwicklungsbank, seit der GrĂŒndung am 17. April 1973 des Pacific Islands Forum, seit dem 29. Mai 1973 der OECD, seit der GrĂŒndung 1980 des Pazifischen Rates fĂŒr wirtschaftliche Zusammenarbeit, seit der GrĂŒndung 1989 der APEC sowie seit dem 1. Januar 1995 der Welthandelsorganisation.
Neuseeland nimmt derzeit rund 45.000 Einwanderer pro Jahr auf. Das Einwanderungssystem des Landes funktioniert nach einer Punktetabelle, diese bezieht sich nicht nur auf die Schulbildung eines Kandidaten, sondern auch auf die vorhergegangenen BeschÀftigungen.
Im Vergleich zum föderal gegliederten Australien ist Neuseeland sehr zentralistisch organisiert. Seit einer groĂen Verwaltungsreform im Jahr 1989 gibt es im Allgemeinen zwei Stufen der Verwaltungsgliederung, die jedoch nur ĂŒber wenige Ressorts entscheiden können. Die erste Stufe bilden die Regionen (englisch Regional Councils); die zweite Stufe stellen die Distrikte dar, die entweder als City Council (also âStadtratâ), District Council (also âRat des Distriktesâ) oder â bei den Chatham-Inseln â als Islands Council (also âInselratâ) bezeichnet werden. Vier der 16 Regionen sowie die Chatham-Inseln sind zusĂ€tzlich fĂŒr die Aufgaben eines Distriktes verantwortlich, diese werden als Unitary Authorities bezeichnet. Offiziell agieren die Distrikte unabhĂ€ngig von den Regionen, so kommt es auch vor, dass sich ein Distrikt in mehreren Regionen befindet. Alle drei Jahre werden die RĂ€te je Region beziehungsweise je Distrikt entweder durch Mehrheitswahl oder durch eine ĂŒbertragbare Einzelstimmgebung bestimmt. Zahlreiche kleinere AuĂengebiete des Landes, wie zum Beispiel die Kermadecinseln und die zu Neuseeland gehörigen Subantarktischen Inseln, unterstehen verwaltungstechnisch direkt dem Minister of Local Government.
Neuseeland ist in 13 Regionen und vier Unitary Authorities unterteilt. WĂ€hrend die Regionen reine regionale Aufgaben wahrnehmen haben die Unitary Authorities zusĂ€tzlich auch die Aufgaben der jeweiligen lokalen Ebene zu ĂŒbernehmen.
Die in den Regionen angesiedelte Verwaltungen sind fĂŒr Umweltschutz und Ressourcen-Management zustĂ€ndig. Sie ĂŒberwachen und steuern die SchĂ€dlingsbekĂ€mpfung, kontrollieren die FlĂŒsse, Seen und die KĂŒste und zeichnen verantwortlich fĂŒr die Hafenordnungen der jeweiligen HĂ€fen. In ihrem Verantwortungsbereich liegt die Koordination und UnterstĂŒtzung des öffentlichen Personennahverkehrs, fĂŒr den sie auch die Lizenzen vergeben. AuĂerdem sind sie fĂŒr den regionalen Zivilschutz zustĂ€ndig.[14]
Die lokale Ebene des Staatsaufbaus stellen 16 Stadt- (englisch: City Councils) und 57 Bezirksverwaltungen (englisch: District Council) sowie die Verwaltung der Chathaminseln (englisch: Islands Council) dar. Sie sind fĂŒr StraĂen- und Wegebau, Kanalisation, Baugenehmigungen und sonstige lokale Angelegenheiten zustĂ€ndig.
In Neuseeland gibt es offiziell 16 StĂ€dte (City Councils). Die gröĂten unter ihnen sind Auckland City mit etwa 405.000, Christchurch mit knapp 350.000 und Manukau mit etwa 330.000, North Shore City mit etwa 205.000, gefolgt von Waitakere und Wellington mit knapp unter 200.000 Einwohnern (Angaben von 2006).[15]
Wenn in Neuseeland im allgemeinen Sprachgebrauch die Rede von StĂ€dten ist, sind meist Agglomerationen gemeint. Offiziell bezeichnet der von der Statistikbehörde Neuseelands festgesetzte Begriff eine stĂ€dtische Agglomeration, die gesondert statistisch erfasst wird, obwohl sie nicht mit den Grenzen der oben erlĂ€uterten Verwaltungseinheiten ĂŒbereinstimmt. Der bei weitem gröĂte Ballungsraum ist die Metropole Auckland mit etwa 1,2 Millionen Einwohnern. Somit lebt etwa ein Drittel der neuseelĂ€ndischen Bevölkerung in der Stadt, die sich aus den vier gröĂten City Councils der Nordinsel (Auckland City, Manukau, North Shore und Waitakere) zusammensetzt und fast so viel LandflĂ€che einnimmt wie ganz London (sieben Millionen Einwohner). Den zweitgröĂten Ballungsraum des Landes bildet schlieĂlich die Hauptstadt Wellington mit etwa 360.000 Einwohnern, die sich aus den City Councils Wellington City, Porirua, Upper Hutt und Lower Hutt zusammensetzt. DrittgröĂte Agglomeration des Landes und mit Abstand gröĂter Ballungsraum der SĂŒdinsel ist die âGartenstadtâ Christchurch mit etwa genauso vielen Bewohnern, der Teile des Selwyn-Distrikts und des Waimakariri-Distrikts zugerechnet werden.
Die Skyline von Auckland bei Nacht
Ein GebÀude des ehemaligen Canterbury College in Christchurch
Das Cable Car in Wellington
Die Victoria Avenue in Wanganui
Im Hinblick auf die dĂŒnne Besiedlung ist Neuseeland verkehrstechnisch sehr gut erschlossen. Aufgrund seiner isolierten Insellage sind die KĂŒstenschifffahrt, der Flugverkehr sowie der StraĂenverkehr die wichtigsten Transportmittel.
Neuseeland gehört zu den LĂ€ndern mit den meisten FlughĂ€fen pro Kopf. Im Jahr 2002 gab es im Land 113 asphaltierte und nicht asphaltierte FlugplĂ€tze. Der Flughafen Auckland ist mit ĂŒber elf Millionen Passagieren pro Jahr bei weitem der gröĂte Flughafen des Landes. Darauf folgen die internationalen FlughĂ€fen von Christchurch und Wellington, die je etwa vier Millionen Passagiere pro Jahr abfertigen. Die 1940 gegrĂŒndete Air New Zealand ist mit Abstand die wichtigste Fluggesellschaft des Landes. Pacific Blue, eine Tochtergesellschaft von Virgin Australia (FrĂŒher Virgin Blue), hat sich auf billige Verbindungen zwischen Neuseeland und Australien spezialisiert.
Die Ăra des neuseelĂ€ndischen StraĂenbaus begann wĂ€hrend der Neuseelandkriege mit der Great South Road sĂŒdlich von Auckland im Jahr 1861. Inzwischen stellt der StraĂenverkehr das wichtigste Transportmedium des Landes dar. Er genieĂt eine eindeutig höhere PrioritĂ€t als der Schienenverkehr. Das RĂŒckgrat des StraĂennetzes bilden die State Highways, durch die das Land zu groĂen Teilen erschlossen wird. Abgesehen von etwa 150 km Autobahnen, die sich nahe der drei groĂen StĂ€dte Auckland, Wellington und Christchurch befinden, bestehen selbst die wichtigen ĂberlandstraĂen aus nicht mehr als zwei Fahrspuren. Die State Highways sind nicht höhenfrei und fĂŒhren durch Ortschaften, wenig befahrene TeilstĂŒcke der Highways sind sogar nur SchotterstraĂen, und insbesondere ĂŒber BrĂŒcken finden sich immer wieder einspurige Streckenabschnitte. Das gesamte StraĂennetz umfasst 92.200 km, von denen etwa 54.000 asphaltiert sind. In Neuseeland gilt Linksverkehr mit Rechtsvorrang. Das bedeutet, als Linksabbieger muss man dem Rechtsabbieger von der gegenĂŒberliegenden Fahrbahn Vorfahrt gewĂ€hren. Innerorts gilt eine Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h, auĂerorts ĂŒblicherweise 100 km/h.
Die Schifffahrt in Neuseeland ist sowohl fĂŒr den Personentransport als auch fĂŒr den GĂŒtertransport wichtig. Die bedeutendste Schifffahrtslinie fĂŒr den Personentransport ist der Interislander, eine FĂ€hrverbindung, die die Nordinsel (Wellington) mit der SĂŒdinsel (Picton) verbindet und pro Jahr etwa eine Million Menschen transportiert. Sie ĂŒberquert auf ihrer drei Stunden langen Fahrt die nur 35 km breite CookstraĂe (diese Zeit wird benötigt, da das Schiff nicht nur die CookstraĂe, sondern auch den Tory Channel und die Marlborough Sounds durchqueren muss, insgesamt etwa 70 km). In Neuseeland existieren 1609 km an Binnenschifffahrtswegen, die aber in der heutigen Zeit keine Bedeutung mehr haben.
In der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhundert begann die Errichtung eines ausgedehnten Eisenbahnnetzes im groĂen Stil. Dabei wurden neben den drei Hauptstrecken (auf der Nordinsel: North Island Main Trunk und East Coast Main Trunk; auf der SĂŒdinsel: South Island Main Trunk) zahllose private sowie öffentliche Nebenbahnen gebaut, die vom New Zealand Railways Department verwaltet wurden. Am Anfang des 20. Jahrhunderts wurden in vielen gröĂeren StĂ€dten des Landes unzĂ€hlige Kilometer an StraĂenbahnen gebaut, von denen nur noch die in Christchurch als Touristenattraktion besteht.
Bis in die 1950er Jahre waren zumeist Dampflokomotiven im Einsatz, auĂerdem bestanden einige elektrifizierte Abschnitte. Sukzessive wurden Nebenbahnen geschlossen, zweigleisige Strecken zu eingleisigen zurĂŒckgebaut, vorhandene Elektrifizierungen wieder entfernt und Passagierverbindungen eingestellt. Von den 3900 Streckenkilometern sind seit der als âThink Bigâ bezeichneten Wirtschaftspolitik in den 1980er Jahren etwa 500 km entlang des North Island Main Trunk elektrifiziert.
Nachdem die staatliche neuseelĂ€ndische Eisenbahn 1993 fĂŒr 400 Millionen NZ$ (202 Millionen EUR) verkauft war, investierte die Betreiberfirma Tranz Rail immer weniger in den Erhalt des Eisenbahnnetzes und verlagerte nach und nach den Transport von GĂŒtern von der Schiene auf die StraĂe. AuĂerdem wurden zwischen 1995 und 2004 zahlreiche Personenverbindungen aus wirtschaftlichen GrĂŒnden eingestellt. Als die Firma vor dem finanziellen Ruin stand, ĂŒbernahm das australische Infrastrukturunternehmen Toll Holdings den Eisenbahnbetrieb, der seitdem unter dem Namen Toll Rail zusammengefasst ist, wĂ€hrend der neuseelĂ€ndische Staat das gesamte Streckennetz im Jahr 2004 fĂŒr den symbolischen Preis von einem Neuseeland-Dollar zurĂŒckkaufte und unter die Verwaltung des staatlichen Unternehmens Ontrack stellte. Weil sich die neuseelĂ€ndische Regierung und Toll Rail nicht auf NutzungsgebĂŒhren fĂŒr die verstaatlichten Schienen einigen konnte und der Staat Jahr fĂŒr Jahr einige Millionen Neuseeland-Dollar fĂŒr den Unterhalt des Netzes zuzahlen musste, entschloss sich die Regierung dazu, zum 1. Juli 2008 den Bahnbetrieb fĂŒr 665 Millionen NZ$ (336 Millionen EUR) von Toll Rail zurĂŒckzukaufen.[16][17]
Trotz dieser VerĂ€nderungen bestehen 2008 nur noch vier Personenfernverkehrsverbindungen, die hauptsĂ€chlich touristische Bedeutung besitzen und unter dem Namen Kiwi Rail Scenic Journeys firmieren: der Overlander fĂ€hrt von Auckland nach Wellington, der TranzCoastal von Picton nach Christchurch und der TranzAlpine ĂŒberquert die NeuseelĂ€ndischen Alpen von Christchurch nach Greymouth. Die als Capital Connection bezeichnete Verbindung von Palmerston North nach Wellington ist vornehmlich fĂŒr Pendler gedacht. Daneben existieren noch einige weitere Betreiber, wie zum Beispiel die Taieri Gorge Railway im Gebiet um Dunedin, die sich auf TouristenausflĂŒge in historischen Waggons oder auf historischen Strecken spezialisiert haben. Die Bedeutung des Schienenverkehrs fĂŒr den GĂŒtertransport nimmt in den letzten Jahren wieder zu.[18] Fast das gesamte Netz wurde in der Kapspur, also einer Breite von 1067 mm erstellt.
In den beiden gröĂten BallungsrĂ€umen, Auckland und Wellington, existieren S-Bahn-Ă€hnliche Nahverkehrsnetze, wobei das System in Wellington besser ausgebaut und als einzige Vorortbahn des Landes elektrifiziert ist. Signifikante Verbesserungen fĂŒr Auckland sind aber geplant. So soll diese bis 2013[19] vollstĂ€ndig elektrifiziert sein, der unter dem Stadtzentrum verlaufende CBD Loop Tunnel in mittelfristige Planungen einbezogen werden und der Flughafen besser an das System angebunden werden.
FĂŒr das Bildungssystem in Neuseeland ist das erst seit dem Jahr 1989 bestehende Ministry of Education zustĂ€ndig. In Zukunft soll die zentrale Verwaltung der Schulen und UniversitĂ€ten gelockert werden, und diese sollen sich zunehmend selbst verwalten. Des Weiteren existiert mit der Tertiary Education Commission (TEC) eine Einrichtung, die ĂŒber alle tertiĂ€ren Bildungseinrichtungen wacht.
Die Kindererziehung bis zum fĂŒnften Lebensjahr ist privat. Trotzdem besuchen 60 Prozent der Kinder bis zu einem Alter von sechs Jahren eine vorschulische Bildungsanstalt, wie zum Beispiel KindergĂ€rten (kindergarten) oder Spielgruppen (playgroups). Dabei betrĂ€gt diese Prozentzahl bei dreijĂ€hrigen Kindern 90 Prozent und bei vierjĂ€hrigen sogar 98 Prozent. Ab Vollendung des fĂŒnften Lebensjahres kann das Kind in eine Grundschule (primary school) wechseln. Schulpflicht besteht von sechs bis 16 Jahren. Die Ausbildung in der Grundschule erfolgt im Regelfall von Jahr eins bis Jahr acht, wobei das siebte und das achte Jahr alternativ auch in einer intermediate school abgeleistet werden können. Ab der neunten Jahrgangsstufe wird man an einer weiterfĂŒhrenden Schule (secondary school) unterrichtet. Mit Vollendung der elften Klasse kann das National Certificate of Educational Achievement Level 1 (NCEA) nach einem Punktesystem erworben werden, was in etwa dem britischen GCSE entspricht. Im darauf folgenden Jahr ist man dazu berechtigt, das Level 2 dieses Abschlusses zu erhalten, und mit Vollendung des 13. Schuljahres, in der Regel mit etwa 18 Jahren, kann man schlieĂlich den höchsten Schulabschluss erlangen, das Level 3 des NCEA, oder die New Zealand Scholarship qualification, wie der Abschluss seit 2004 heiĂt. Dieser entspricht dem deutschen Abitur oder dem britischen A Level. Ein Schuljahr in Neuseeland beginnt normalerweise Ende Januar, dauert bis Mitte Dezember und ist in vier Quartale eingeteilt. Je nach Region schwankt die KlassengröĂe durchschnittlich von 19 bis 24 SchĂŒler (2004).
In den PISA-Studien der OECD zeigt sich die groĂe kulturelle Ăhnlichkeit zwischen Neuseeland und Australien: in beiden LĂ€ndern fallen dieselben Aufgaben den SchĂŒlern leicht oder schwer.[20] Kritiker weisen darauf hin, dass zum guten Abschneiden Neuseelands (regelmĂ€Ăig im obersten Viertel der OECD-Ranglisten) neben einer selektiven Immigrationspolitik auch die Vertrautheit der SchĂŒler mit dem Multiple-Choice-Format, die Herkunft vieler Aufgaben aus dem englischsprachigen Raum und die Ausformulierung sĂ€mtlicher Aufgaben durch ein australisches Testunternehmen beitragen dĂŒrften.
Insgesamt 36 tertiĂ€re Ausbildungseinrichtungen gibt es in Neuseeland; Darunter acht staatliche UniversitĂ€ten (universities), 21 staatliche Fachhochschulen (polytechnics) und technische Hochschulen (institutes of technology), vier PĂ€dagogische Hochschulen (colleges of education) und drei Wananga (Hochschulen, die auf die Kultur der MÄori ausgerichtet ist). Ein akademisches Jahr dauert in Neuseeland von Februar bis November und ist normalerweise in zwei Semester aufgeteilt. Manche Bildungseinrichtungen bieten auch ein Sommer-Trimester (summer trimester) an. Die Ă€lteste UniversitĂ€t Neuseelands ist die 1869 gegrĂŒndete UniversitĂ€t von Otago. ErwĂ€hnenswert ist die UniversitĂ€t Waikato wegen ihrer weltweit einzigartigen FakultĂ€t fĂŒr MÄori-Wissenschaften. Von 1870 bis 1961 war die UniversitĂ€t von Neuseeland die einzige UniversitĂ€t des Landes, die zu einem offiziellen Abschluss fĂŒhrte. Nach ihrer Auflösung entstanden aus den einzelnen Campus (constituent colleges) die heutigen UniversitĂ€ten.
Offizielle WĂ€hrung des Landes ist der NeuseelĂ€ndische Dollar (auch âKiwi-Dollarâ; NZD, NZ$), der in 100 Cent (ct) unterteilt wird. Dieser ersetzte im Jahr 1967 das britische Pfund Sterling. Seitdem verwendet Neuseeland Einheiten im Dezimalsystem. Seit 1999 ist der Kiwi-Dollar nach dem Australischen Dollar die zweite WĂ€hrung der Erde, die Kunststoffgeld verwendet; alle Scheine bestehen aus Polypropylen. Im August 2006 wurden wegen steigender Materialkosten und Verwechslungsgefahr kleinere MĂŒnzen eingefĂŒhrt; die bis dahin gĂŒltige 50-Cent-MĂŒnze zum Beispiel zĂ€hlte mit einem Durchmesser von 3,2 Zentimetern zu den gröĂten MĂŒnzen der Erde.
Bis zur ersten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts war Neuseeland ein Agrarstaat, in dem der GroĂteil der Einwohner im primĂ€ren Sektor tĂ€tig war. Mit Abstand wichtigster Handelspartner war das Vereinigte Königreich, in das etwa die HĂ€lfte der in Neuseeland produzierten meist landwirtschaftlichen GĂŒter exportiert wurde. Mit dem EU-Beitritt GroĂbritanniens im Jahr 1973 Ă€nderte sich die wirtschaftliche Situation des Landes grundlegend. Im gleichen Jahr schlieĂlich traf Neuseeland auch noch die weltweite Ălkrise von 1973. Als Folge dieser Ă€uĂerst negativen EinflĂŒsse stĂŒrzte das Land in eine tiefe Wirtschaftskrise. Es dauerte bis 1984, bis die Regierung gröĂere MaĂnahmen ergriff.
Von diesem Zeitpunkt an entwickelte sich Neuseeland von einer gelenkten Volkswirtschaft mit Schwerpunkt Landwirtschaft zu einer liberalisierten Industrienation mit einem freien Markt, die mit anderen westlichen Nationen konkurrieren kann und zu den am stĂ€rksten deregulierten und privatisierten Volkswirtschaften der Welt zĂ€hlt. Das Land strich zahlreiche Subventionen, zum Beispiel fast vollstĂ€ndig die Agrarsubventionen, des Weiteren wurde der gesamte Warenverkehr liberalisiert und das Mitspracherecht des Staates in Bezug auf Löhne, Zinsen sowie Preise fĂŒr GĂŒter und Dienstleistungen aufgegeben. Durch eine sparsame Finanzpolitik und groĂe BemĂŒhungen, das Haushaltsdefizit zu verringern, konnte die Inflationsrate von 18 Prozent im Jahr 1987 auf 3,9 Prozent im Jahr 2005 reduziert werden. ZusĂ€tzlich wurden in den 1980er und 1990er Jahren fast alle Staatsbetriebe umstrukturiert und privatisiert. Ein Beispiel dafĂŒr sind der gesamte Zugverkehr, der ab 1995 bis 2008 von Tranz Rail betrieben wurde (wegen des schlechten Zustands der Gleise und Bahnhöfe wurde das Schienensystem 2004 aber wieder renationalisiert, seit 2008 ist auch der restliche Bahnbetrieb wieder in staatlicher Hand), oder die neuseelĂ€ndische Telekom. Die Arbeitslosenquote stieg aufgrund verschiedener MaĂnahmen kurzfristig zwar bis auf 15 Prozent, Ende 2004 betrug sie allerdings nur noch 3,6 Prozent, der niedrigste Wert innerhalb der OECD. Die Inflationsrate lag bei 2,4 Prozent, das Wirtschaftswachstum betrug von Juli 2003 bis Juni 2004 4,4 Prozent. Da viele Reformen wegen der geringen Einwohnerzahl des Landes schnell umgesetzt werden konnten, fĂŒhrten diese zu einem ungeahnten Wirtschaftsboom in Neuseeland. Einer der GrĂŒnde, die den Wirtschaftsaufschwung dĂ€mpfen, sind infrastrukturelle Defizite (Schienenverkehr, Energieversorgung). Nachdem 1998 im Norden des Landes das Stromnetz fĂŒr 66 Tage zusammenbrach, wurden schrittweise ehemalige Staatsbetriebe wieder verstaatlicht, so unter anderem die in Konkurs gegangene Fluglinie Air New Zealand.[21] Ebenso beschloss die Regierung 2008 fĂŒr umgerechnet 336 Millionen Euro die Bahn von der australischen Firma Toll Holdings zurĂŒckzukaufen.[22]
Im Februar 2011 zerstörte ein schweres Erdbeben Teile der Stadt Christchurch, und es kam infolge dessen im Laufe dieses Jahres zu einer betrĂ€chtlichen Verlangsamung der wirtschaftlichen AktivitĂ€t Neuseelandes. Einige Wirtschaftswissenschaftler gehen sogar von einer 15 prozentigen Schrumpfung der Wirtschaft des Landes fĂŒr das Jahr 2011 aus, was Ende September 2011 zu einer Abstufung der internationalen KreditwĂŒrdigkeit Neuseelands gefĂŒhrt hat [23]
Neuseeland ist relativ arm an BodenschĂ€tzen. An Metallen werden lediglich Eisensand, Gold und Silber abgebaut. Obwohl das Land auch ĂŒber Bauxit-, Kupfer-, Chromiteisenstein-, Cinnabarit-, Kassiterit-, Ilmenit-, Scheelit- und Uranvorkommen verfĂŒgt, werden diese nicht oder nicht mehr abgebaut, entweder weil die Vorkommen zu gering sind oder weil der Import gĂŒnstiger ist. An fossilen EnergietrĂ€gern verfĂŒgt Neuseeland ĂŒber Braun- und Steinkohlevorkommen, wobei auf der Nordinsel Steinkohle dominiert, die SĂŒdinsel verfĂŒgt ĂŒber beide Formen. Insgesamt verfĂŒgt das Land ĂŒber 8,6 Milliarden Tonnen Braunkohle, von denen sich etwa ein Drittel in existierenden Minen hauptsĂ€chlich auf der SĂŒdinsel befindet. Die Braunkohle stellt mehr als drei Viertel der Gesamtressourcen. Die bedeutendsten Erdöl- und Erdgasfelder befinden sich im Taranaki-Becken in der Tasmansee nahe der Stadt New Plymouth. Etwa die HĂ€lfte des Erdgases flieĂt in den petrochemischen Sektor und wird zum Beispiel zur Erzeugung von synthetischem Benzin verwendet, ein Viertel wird zur Energieerzeugung benutzt, und der Rest geht an Privathaushalte und Firmen. DarĂŒber hinaus werden noch Tonminerale und Kalkstein abgebaut.
Seit Beginn der europĂ€ischen Besiedlung ist die Landwirtschaft in Form der Schafzucht ein wichtiges Standbein der neuseelĂ€ndischen Gesellschaft. ZunĂ€chst dienten Schafe ausschlieĂlich als Wolllieferant, seit den 1880er Jahren, als der Export per KĂŒhlschiff möglich wurde, zusĂ€tzlich als Fleischlieferant. Zwischenzeitlich hatte Neuseeland in der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts einen Goldrausch auf der SĂŒdinsel und eine Wirtschaftskrise wegen einbrechender Wollpreise miterlebt. Dennoch blieb die Landwirtschaft ĂŒber lange Zeit der bedeutendste Wirtschaftszweig. Die Zahl der Schafe ist derzeit rĂŒcklĂ€ufig, im Jahr 2008 gab es etwa 33,9 Millionen, 2009 nur noch 32,4 Millionen.[24][25] Die Rinderzucht hat sich zu einem wichtigen Bereich entwickelt, die Zahl der Tiere steigt. 2008 lebten 5,3 Millionen MilchkĂŒhe in Neuseeland, 90 Prozent der Milchprodukte werden exportiert, damit ist Neuseeland seit langem der weltweit gröĂte Exporteur von Milchprodukten. Die Rindfleischproduktion Neuseelands ist ebenso weltweit fĂŒhrend, etwa vier Millionen Fleischrinder leben aktuell auf den Inseln. Neben der Tierzucht spielen auch Obst- und GemĂŒsebau eine groĂe Rolle in der neuseelĂ€ndischen Landwirtschaft. Innerhalb des 20. Jahrhunderts wurde in Neuseeland der Anbau von vier Kulturpflanzen gestartet, die mit unterschiedlichem Erfolg auf den Weltmarkt gebracht wurden: Macadamiapflanzen, Kulturheidelbeer- und KiwistrĂ€ucher sowie AvocadobĂ€ume. Unter ihnen war zweifellos die Kiwifrucht am erfolgreichsten. Die ursprĂŒnglich aus China stammende Pflanze wird seit den 1980er Jahren auch in anderen Teilen der Erde im groĂen Stil angebaut. So ist heute (2008) Italien der gröĂte Produzent der Kiwifrucht und verdrĂ€ngte Neuseeland nach der Volksrepublik China auf Platz drei. Wichtigster Handelspartner fĂŒr Molkereiprodukte, Obst und FrĂŒchte war trotz der groĂen Entfernungen GroĂbritannien. Ein GroĂteil der abgeholzten Gebiete dient als Weideland.
Von besonderer Bedeutung fĂŒr die neuseelĂ€ndische Wirtschaft ist auch der Tourismus. So gaben im Jahr 2002 nach offiziellen Angaben des neuseelĂ€ndischen Tourismusministeriums auslĂ€ndische Touristen ĂŒber 6,1 Milliarden NZ-Dollar im Land aus. Direkt oder indirekt hĂ€ngt nach SchĂ€tzungen der neuseelĂ€ndischen Regierung jede zehnte Arbeitsstelle im Land vom Tourismus ab.
Die Grundlage des neuseelĂ€ndischen Tourismus bilden die Vielfalt der Landschaften â KĂŒsten, Seen und Fjorde, Hochgebirge und Gletscher, Vulkane und heiĂe Quellen â, die ebenso ĂŒppige wie fremdartige Vegetation im Bush- wie im Tussockgrass-Country, die Nationalparks auf Nord- und SĂŒdinsel, in den Waldgebieten wie im Hochgebirge, die gut ausgebaute Infrastruktur und die aufgeschlossenen Bewohner Neuseelands.
Neuseeland zĂ€hlt mehr als zwei Millionen Touristen pro Jahr und wird oft als sauberer und grĂŒner Abenteuerspielplatz (englisch: clean, green adventure playground) bezeichnet. Bis vor einigen Jahren war der durchschnittliche Neuseeland-Urlauber Rucksacktourist oder Bungeespringer. Obwohl der Abenteuertourismus immer noch eine extrem bedeutende Rolle einnimmt, bemĂŒht sich die neuseelĂ€ndische Reiseindustrie seit einiger Zeit auch verstĂ€rkt um Kurzurlauber mit hohem Budget, die sich als âinteraktive Reisendeâ sehen. Die Tage der europĂ€ischen Abenteuertouristen sind nicht gezĂ€hlt, aber es gibt eine klare Tendenz zu einem âluxuriösen Neuseelandâ. Bislang wurden von Qualmark, Neuseelands offiziellem Bewertungsservice fĂŒr UnterkĂŒnfte, ĂŒber 160 Hotels mit fĂŒnf Sternen ausgezeichnet. Diese Entwicklung findet in den Kreisen von Abenteuerurlaubern und Rucksacktouristen allerdings immer mehr Kritik, da das Land angeblich immer weiter zu einem Pauschal-Urlaubsziel werde. Es ist zwar nicht zu erwarten, dass der Tourismus in Neuseeland in den nĂ€chsten Jahren abnimmt, allerdings werden vermutlich in einigen Jahren wesentlich weniger Abenteuerurlauber das Land besuchen.
Die neuseelĂ€ndische Regierung erteilt fĂŒr viele Staatsangehörige westlicher LĂ€nder ein âWorking Holiday Scheme Visaâ, welches in Deutschland oft Work-&-Travel-Visum genannt wird. Mit diesem Visum sind Reisende (zwischen 18 und 30 Jahre) berechtigt sich bis zu zwölf Monate im Land aufzuhalten und zu arbeiten.[26] Ein solches Visum wird von sehr vielen EuropĂ€ern und Nordamerikanern genutzt um eine mehrmonatige Reise durch das Land zu unternehmen und sich zwischendurch mit Jobs wie beispielsweise Erntehelfer die Reisekasse aufzubessern.
Als normaler Tourist kann man sich als deutscher Staatsangehöriger bis zu drei Monaten im Land ohne Visum aufhalten. Bis zu neun Monate Aufenthalt ist mit einem âVisitor Visaâ möglich. Ein erneute Einreise ist aber erst nach einer Wartezeit in Höhe der letzten Aufenthaltsdauer erlaubt.[27]
Die meisten Touristen kommen an den internationalen FlughĂ€fen in Auckland, Wellington, Christchurch und Queenstown an. Die beliebtesten Reiseziele sind Rotorua, die Waitomo Caves, die Coromandel Peninsula, das Fjordland mit dem Milford Sound, Queenstown, Auckland, die Bay of Islands, Dunedin und die Hawkeâs Bay.
Nach dem EU-Beitritt GroĂbritanniens und der damit gesunkenen Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten musste Neuseeland nach neuen MĂ€rkten Ausschau halten. Mittlerweile sind Australien, die VR China, Japan sowie die ostasiatischen Tigerstaaten die wichtigsten Handelspartner des Landes. Die Wirtschaftskrise in Ostasien 1998/99 hat daher auch Neuseeland einigermaĂen schwer getroffen. Neuseeland weist schon seit langer Zeit eine negative Handelsbilanz auf, die etwa acht Prozent des gesamten Bruttoinlandsprodukts darstellt. Alle Exporte Neuseelands beliefen sich im Jahr 2005 auf 29,2 Milliarden US-Dollar, die gesamten Importe auf 35,8 Milliarden US-Dollar. Die wichtigsten Ausfuhrindustrien des Landes sind die Agrarwirtschaft, Gartenbau, Fischerei und die Forstwirtschaft. Weiterhin besitzt Neuseeland nennenswerte produzierende Tourismus- und Dienstleistungsindustrien. Wichtige Einfuhrprodukte sind Automobile, Traktoren, sonstige technische GerĂ€te sowie medizinische Produkte. Deutschland nimmt als Importpartner mit einem Anteil von 5,2 Prozent den fĂŒnften Rang ein.
Australien ist vor allem auch in wirtschaftlicher Hinsicht der wichtigste Partner Neuseelands. So besteht zwischen beiden LÀndern seit 1983 eine 24 Millionen Menschen umfassende Freihandelszone mit dem Namen Closer Economic Relations, die in den darauf folgenden Jahren immer weiter geöffnet und auf fast alle wirtschaftlichen Bereiche ausgeweitet wurde. In Zukunft soll ein gemeinsamer Binnenmarkt RealitÀt werden und zum Beispiel auch Steuern vereinheitlicht werden.
Seit 2000 existiert auch mit Singapur eine Freihandelsvereinbarung. Diese wurde 2005 um Chile und Brunei erweitert und ist nun unter dem Namen P4 Agreement (P4-Abkommen) bekannt. Neuseeland sucht weiter nach Ă€hnlichen Abkommen im pazifischen Raum. Seit 2005 werden Verhandlungen ĂŒber eine Freihandelszone mit der VR China gefĂŒhrt.
Ăber 75 Prozent des ElektrizitĂ€tsbedarfs deckt Neuseeland durch erneuerbare Energien. WĂ€hrend der bei 67 Prozent (1998) liegende Anteil der Wasserkraft vornehmlich auf der SĂŒdinsel produziert wird, ist die Energieerzeugung durch die Geothermie, die bei etwa 6,5 Prozent (1998) liegt, ausschlieĂlich auf die Nordinsel begrenzt. Den gröĂten fossilen Brennstoff bildet Erdgas, das etwa 22 Prozent (1998) des Stromverbrauchs abdeckt. Weitere wichtige Brennstoffe sind Kohle (hauptsĂ€chlich Braunkohle) und Grubengase. Obwohl das Land ĂŒber eigene Gasfelder verfĂŒgt, ist Neuseeland nicht unabhĂ€ngig von anderen Fördergebieten der Erde, da das meiste Ăl als Kraftstoff fĂŒr Autos importiert werden muss. Eine immer wichtiger werdende Rolle spielt neben der Solarenergie und der Energiegewinnung aus Biomasse auch die Windenergie.
In den 1960er Jahren bestanden zwar PlĂ€ne zum Bau von Kernkraftwerken in Neuseeland, die aber nach der Entdeckung groĂer KohlelagerstĂ€tten und Gasfelder 1972 schlieĂlich verworfen wurden. In den folgenden Jahrzehnten wurde die Wasserkraft immer mehr ausgebaut, und Neuseeland wurde zu einem âVorzeigelandâ mit einem grĂŒnen, sauberen Image. Der gestiegene Verbrauch wurde ĂŒber Jahre hinweg mit dem Ausbau von Gaskraftwerken kompensiert. Da aber Neuseelands ErdgasvorrĂ€te endlich sind, die Wasserkraft relativ ausgenutzt ist und aus UmweltschutzgrĂŒnden nur ungern noch mehr Kohle verwendet wird, werden Ăberlegungen laut, den fĂŒr Neuseeland geltenden, im Gesetz seit 1987 festgeschriebenen Status einer ânuklearfreien Zoneâ zu ĂŒberdenken und nördlich von Auckland, das zum Teil schon unter Energiemangel leidet, ein Atomkraftwerk zu errichten.
Der gesamte Stromverbrauch Neuseelands liegt bei etwa 37 Terawattstunden. Der durchschnittliche Energieverbrauch pro Kopf belĂ€uft sich auf relativ hohe 9088,0 kWh (zum Vergleich Deutschland: 6742,0 kWh; Stand: jeweils 2002), was sich zum Teil auf die â fĂŒr mitteleuropĂ€ische VerhĂ€ltnisse â sehr niedrigen Strompreise (13,5 NZct/kWh; zum Vergleich Deutschland: 24,3 NZct/kWh; Stand: jeweils 1998) zurĂŒckfĂŒhren lĂ€sst.
Der Staatshaushalt umfasste 2009 Ausgaben von umgerechnet 53,7 Milliarden US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 48,0 Milliarden US-Dollar gegenĂŒber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 5,1 Prozent des BIP.[28]
Die Staatsverschuldung betrug 2009 24,6 Milliarden US-Dollar oder 22,2 Prozent des BIP.[28]
Der Anteil der Staatsausgaben (in Prozent des BIP) folgender Bereiche betrug:
Seit der zweiten HĂ€lfte des 19. Jahrhunderts prĂ€gten gröĂtenteils die europĂ€ischen Einwanderer die Kultur Neuseelands. Die meisten Immigranten wanderten aus dem âMutterlandâ GroĂbritannien ein. Dabei gibt es bedeutende regionale Unterschiede: Der SĂŒdteil der SĂŒdinsel zum Beispiel ist vornehmlich schottisch geprĂ€gt. So soll es in Neuseeland mehr DudelsĂ€cke geben als in Schottland. In den letzten Jahrzehnten erlebte schlieĂlich auch die MÄori-Kultur einen Aufschwung. AuĂerdem verzeichnete das Land groĂe Einwanderungsströme von den Pazifischen Inseln und â vor allem in den letzten Jahren â aus SĂŒd-, Ost- und SĂŒdostasien. Diese ethnischen Gruppen leben hauptsĂ€chlich im SĂŒden des GroĂraums Auckland. Folglich treffen in Neuseeland verschiedenste Kulturen aus dem pazifischen Raum auf die westliche Lebensweise GroĂbritanniens, zu dem das Land immer noch eine starke Bindung hat.
In Neuseeland gilt das metrische Einheitensystem.
| Datum | Englische Bezeichnung | Deutsche Bezeichnung | Anmerkungen |
|---|---|---|---|
| 1. Januar | New Yearâs Day | Neujahr | Falls der 1. Januar auf ein Wochenende fĂ€llt, findet der Feiertag am folgenden Montag statt. |
| 2. Januar | Day after New Yearâs Day | Tag nach Neujahr | Falls der 2. Januar ein Samstag oder Sonntag ist, findet der Feiertag am folgenden Montag oder Dienstag statt. |
| 6. Februar | Waitangi Day | Waitangi Day | Der Nationalfeiertag des Landes (seit 1960) erinnert an die Unterzeichnung des Vertrags von Waitangi 1840 |
| Freitag vor dem Ostersonntag | Good Friday | Karfreitag | |
| Sonntag nach dem ersten Vollmond nach dem Ăquinoktium | Easter Sunday | Ostersonntag | |
| Tag nach Ostersonntag | Easter Monday | Ostermontag | |
| 25. April | ANZAC Day | ANZAC Day | Feiertag zur Ehrung der gemeinsamen StreitkrÀfte Australiens und Neuseelands im Ersten Weltkrieg |
| Erster Montag im Juni | Queenâs Birthday | Geburtstag der Queen | |
| Vierter Montag im Oktober | Labour Day | Tag der Arbeit | Gedenktag zur EinfĂŒhrung des 8-Stunden-Tages im Jahr 1840, deswegen teilweise auch Eight-Hour Demonstration Day |
| 25. Dezember | Christmas Day | Weihnachten | Entspricht dem 1. Weihnachtsfeiertag, Falls der 25. Dezember auf ein Wochenende fÀllt, findet der Feiertag am folgenden Montag statt. |
| 26. Dezember | Boxing Day | Boxing Day | Entspricht dem 2. Weihnachtsfeiertag, Falls der 26. Dezember ein Samstag oder Sonntag ist, findet der Feiertag am folgenden Montag oder Dienstag statt. |
Neben diesen landesweiten Feiertagen wurden 1981 die Provincial Anniversary Days eingefĂŒhrt, deren Datum jede (historische) Region Neuseelands selbst festlegen kann. Mit diesen Feiertagen wird an die GrĂŒndung der Provinz oder die Ankunft der ersten Siedler in dem bestimmten Gebiet erinnert.
Am 18. April 1840 wurde mit der New Zealand Gazette die erste neuseelÀndische Zeitung veröffentlicht. Heute beherrscht der zur australischen Gruppe APN News & Media gehörige New Zealand Herald aus Auckland mit einer tÀglichen Auflage von etwa 200.000 Exemplaren den neuseelÀndischen Zeitungsmarkt. Dieser wird gefolgt von der erst im Jahr 2002 aus einer Fusion entstandenen Dominion Post mit Sitz in Wellington (tÀgliche Auflage: 100.000 Exemplare) sowie von The Press aus Christchurch mit etwa 90.000 Exemplaren tÀglich. Letztere gehören beide zur auch in Australien tÀtigen Fairfax Group.
Seit 1925 wurde an der Entwicklung eines landesweit empfangbaren Radiosenders gearbeitet. Dieses Vorhaben war bis etwa 1936 abgeschlossen. Seit 1962 war nicht mehr direkt die Regierung, sondern die New Zealand Broadcasting Corporation (NZBC) fĂŒr die Verwaltung der öffentlichen Sendestationen des Landes zustĂ€ndig. Seitdem wurden die ZustĂ€ndigkeiten oft neu gegliedert, doch ein unkommerzielles Sendeschema blieb integraler Bestandteil von Radio New Zealand, das seit 1995 ein eigenstĂ€ndiges Unternehmen ist, jedoch weiterhin eine Crown Entity darstellt. Neben Radio New Zealand, das zahlreiche landesweite Radiosender betreibt, existieren zahllose private Sendestationen.
Im Fernsehbereich war Neuseeland ein SpĂ€tzĂŒnder. Nachdem die BBC in GroĂbritannien schon im Jahr 1936 ihren Betrieb aufnahm, folgten die USA nur drei Jahre spĂ€ter mit der NBC. Das erste offizielle Fernsehprogramm in Neuseeland wurde ab dem 1. Juni 1960 ausgestrahlt und nur in Auckland empfangen. In den folgenden Jahren wurde der Empfang auf den gröĂten Teil des Landes ausgeweitet. Weitere Meilensteine im neuseelĂ€ndischen Rundfunkbereich folgten 1971, als das Land erstmals Zugang zu Satelliten hatte und somit in der Lage war, Live-Sendungen aus allen Teilen der Erde zu empfangen, und 1974, als das Farbfernsehen wegen der in Christchurch stattfindenden British Commonwealth Games eingefĂŒhrt wurde. Neben den beiden nationalen Sendestationen TV One und TV2 wurden seit der Deregulierung 1989 einige private Sender eingefĂŒhrt: Die zum CanWest-Konzern gehörigen TV3 und C4 und zuletzt Prime TV. Des Weiteren gibt es zwei Bezahlfernseh-Anbieter. Seit 2004 gibt es einen nationalen Sender, der ĂŒberwiegend in MÄori sendet. Das auf der digitalen DVB-Technik basierende, frei empfangbare FreeView soll Platz fĂŒr 18 Sender bieten und das analoge Fernsehen bis spĂ€testens 2016 ablösen. Die 1960 eingefĂŒhrten RundfunkgebĂŒhren wurden 1999 abgeschafft.
Von der StummfilmĂ€ra an gab es im Wesentlichen nur Dokumentarfilme, als bedeutende Filmschaffende dieser Zeit sind mindestens John OâShea (Pacific Films) und Rudall Hayward zu erwĂ€hnen. 1978 trat der New Zealand Film Commission Act in Kraft.
Sam Neill filmte 1995 fĂŒr das British Film Institute ĂŒber seine Heimat und deren Filmkunst als das âKino der Unruheâ: âAlle NeuseelĂ€nder gehen gerne ins Kinoâ (bezogen auf die 1950er Jahre). Ihm zufolge war 1977 Schlafende Hunde von Roger Donaldson beziehungsweise Ian Mune so etwas wie eine InitialzĂŒndung fĂŒr den neuseelĂ€ndischen Film.
In den letzten Jahren ist Neuseeland, nicht zuletzt durch den weltweiten Erfolg der mit 17 Oscars prĂ€mierten Trilogie Der Herr der Ringe (Lord of the Rings; Regie: Peter Jackson) zu einem bekannten Filmland geworden. NeuseelĂ€ndische Regisseure sind jedoch bereits seit vielen Jahren auch international tĂ€tig: So wurde in Cannes bereits 1984 das Erstlingswerk Vigil von Vincent Ward gezeigt. Im Jahr 1986 lief der Science-Fiction-Film Quiet Earth â Das letzte Experiment (Regie: Geoff Murphy) in deutschen Kinos.
In den 1990er Jahren erzielten erstmals auch Filme, die neuseelĂ€ndische Themen zum Gegenstand haben, internationale Erfolge. Herausragend war dabei das mit drei Oscars und der Goldenen Palme preisgekrönte Drama Das Piano der Regisseurin Jane Campion. Etwa zur gleichen Zeit erschienen auch Peter Jacksons Film Heavenly Creatures sowie Lee Tamahoris Romanverfilmung Die letzte Kriegerin (Once Were Warriors), die auch dort sehr beliebt ist. Zu den bekanntesten Filmen der letzten Jahre gehört der ebenfalls auf einem Roman basierende Film Whale Rider (Regie: Niki Caro). Zwei weitere Filme, die neuseelĂ€ndische Themen zum Gegenstand haben, sind Mit Herz und Hand (The Worldâs Fastest Indian) von Roger Donaldson und River Queen von Vincent Ward.
Die international sehr erfolgreiche Fantasy-Serie Xena (1995â2001) wurde in Neuseeland gedreht. Die Hauptdarstellerin Lucy Lawless ist gebĂŒrtige NeuseelĂ€nderin.
Zu den neuesten Filmen neuseelĂ€ndischer Regisseure zĂ€hlen King Kong (Regie: Peter Jackson) und Die Chroniken von Narnia: Der König von Narnia (Regie: Andrew Adamson). FĂŒr die Spezialeffekte in zahlreichen internationalen Produktionen sorgt der in Wellington ansĂ€ssige Weta Workshop. Neuseeland dient auch in verschiedenen Filmen als Kulisse, so beispielsweise in Vertical Limit und Last Samurai.
Die MÄori besitzen eine ausgeprĂ€gte ErzĂ€hlkultur mit zahlreichen Sagen und Geschichten, die rein mĂŒndlich weitergegeben wurden. Seit der Verschriftlichung der Sprache wurden viele von ihnen niedergeschrieben; sie sind teilweise auch in deutscher Ăbersetzung erschienen. Wichtige Motive der Mythen sind unter anderen die Entstehung der Welt sowie Neuseelands. Letztere ist untrennbar verbunden mit der Geschichte des Halbgottes Maui, der Neuseeland aus dem Meer angelte. Andere Geschichten erzĂ€hlen von der Reise Kupes, der Neuseeland fĂŒr die Menschen aus Hawaiki entdeckte, und der Besiedlung des Landes, aber auch vom Leben der MÄori im modernen Neuseeland. Einer der bedeutendsten MÄori-Autoren der Gegenwart ist Witi Ihimaera. Weitere bekannte Autoren, die MÄori-Themen verarbeiten, sind Keri Hulme, Patricia Grace und Alan Duff.
Auch wenn Veröffentlichungen in der Sprache MÄori zunehmen, ist ein GroĂteil der neuseelĂ€ndischen Literatur auf Englisch geschrieben. Die frĂŒhesten SchriftstĂŒcke ĂŒber Neuseeland sind die Berichte der europĂ€ischen Entdecker, insbesondere die TagebĂŒcher von James Cook, die er bei seinen drei Reisen in den Pazifik fĂŒhrte, sowie der Reisebericht von Georg Forster, der Cook auf dessen zweiter Pazifik-Reise begleitete. Als neuseelĂ€ndische Autoren werden hĂ€ufig auch Einwanderer, die im Ausland geboren wurden, und StaatsbĂŒrger, die ausgewandert sind, miteingerechnet. Zu Letzteren zĂ€hlt unter anderen Katherine Mansfield. Eine der bekanntesten englischsprachigen Autorinnen Neuseelands ist Janet Frame.
In Neuseeland spielt Sport eine sehr groĂe Rolle. In den wichtigsten Sportarten des Commonwealth â Rugby, Cricket, Softball und Netball â gehört Neuseeland zur Weltspitze.
Nationalsportart des Landes ist Rugby Union. Die neuseelĂ€ndische Nationalmannschaft heiĂt aufgrund ihrer durchgehend schwarzen Spielkleidung All Blacks. Trotz der nicht ĂŒbermĂ€Ăig groĂen Einwohnerzahl des Landes haben die All Blacks jahrelang die Weltrangliste angefĂŒhrt und stehen aktuell auf Platz 1. Sie sind die berĂŒhmteste und erfolgreichste Mannschaft in der Geschichte des internationalen Rugby. Sie hat bei jeder Mannschaft gegen die sie gespielt hat eine positive Gewinnbilanz, also mehr Spiele gewonnen als verloren. Zudem konnte die Mannschaft 1987 die erste Rugby-Union-Weltmeisterschaft vor heimischer Kulisse gewinnen. JĂŒngste Erfolge waren 2008 der Gewinn der Tri Nations sowie die Verteidigung des Bledisloe Cups im selben Jahr, der Sieg in allen drei Spielen gegen die British and Irish Lions (All-Star-Auswahl der LĂ€nder der britischen Inseln) auf deren Tour im Jahr 2005 nach Neuseeland und jeweils ein Grand Slam in den Jahren 2005 und 2008, also die Siege auf der traditionellen Europatour im Herbst gegen alle vier Nationalmannschaften der britischen Inseln (England, Irland, Schottland, Wales). Bei der Rugby-Union-Weltmeisterschaft 2007 schied das Team aber bereits völlig ĂŒberraschend im Viertelfinale gegen Frankreich aus. Dies war die schlechteste Platzierung eines neuseelĂ€ndischen Teams bei einer Weltmeisterschaft. Neben ihrem sportlichen Erfolg sind die All Blacks auch fĂŒr den Haka bekannt, einen auf die MÄori zurĂŒckgehenden Kriegstanz, der vor jeder Partie zelebriert wird. Vereinsrugby spielt in Neuseeland eine unbedeutende Rolle und ist reiner Amateursport. Alle Profiteams sind Provinzmannschaften. Im internationalen Provinzrugby spielen die neuseelĂ€ndischen Franchise-Teams Blues, Chiefs, Crusaders, Highlanders und Hurricanes in der Super Rugby-Meisterschaft gemeinsam mit Teams aus Australien und SĂŒdafrika. Die professionelle neuseelandweite Rugby-Union-Provinzmeisterschaft ist der Air New Zealand Cup.
Bei der Rugby-Union-Weltmeisterschaft 2011 im eigenen Land gewannen sie im Finale den Webb Ellis Cup gegen Frankreich (8:7) zum zweiten Mal nach 1987.
DarĂŒber hinaus gehört Neuseeland zu den fĂŒhrenden Nationen beim Segeln. 1995 und 2000 gewann das Team New Zealand unter den Skippern Russell Coutts und Dean Barker den Americaâs Cup und 2007 den Louis Vuitton Cup.
AuĂerdem gewinnt Neuseeland regelmĂ€Ăig eine â fĂŒr seine geringe Einwohnerzahl â relativ hohe Anzahl an Medaillen bei den Olympischen Sommerspielen sowie bei den Commonwealth Games. In den 1950er bis 1980er Jahren hat Neuseeland immer wieder einige herausragende Leichtathleten hervorgebracht, vor allem Mittel- und LangstreckenlĂ€ufer sowie Speerwerfer. Derzeit gehört die KugelstoĂerin Valerie Adams (zeitweise unter dem Namen Valerie Vili) zur Weltspitze.
Neuseeland hat zusammen mit Australien eine lebendige Motorsportszene und stellte in den 1960er und 1970er Jahren des vorigen Jahrhunderts mit Denis Hulme und Chris Amon zwei erfolgreiche Formel-1-Fahrer, Hulme wurde 1967 sogar Formel-1-Weltmeister. Bekannter jedoch ist wahrscheinlich der NeuseelĂ€nder Bruce McLaren, der im Jahr 1966 das bis heute in der Formel 1 bestehende McLaren-Team grĂŒndete.
Neben dem heute noch benutzten Manfeild Autocourse existierten mehrere Rennstrecken, auf denen Fahrermeisterschaften mit Tasman-Formel 2,5-Liter Monoposti (Tasman-Serie) durchgefĂŒhrt wurden:
Von diesen ist zumindest der Teretonga Park im aktuellen (2011) Rennkalender vertreten. Neue Strecken gibt es bei Timaru (1,6 km bzw. 2,4 km, gegen den Uhrzeigersinn), Hampton Downs (2.63 km, im Uhrzeigersinn), Manfeild Park, Feilding (3,03 bzw. 4,51 km, im und gegen den Uhrzeigersinn) und Taupo (1,3 km, 2,3 km und 3,32 km, gegen den Uhrzeigersinn).[31]
Einer wachsenden Beliebtheit als Mannschaftssportart erfreut sich der FuĂball in Neuseeland. Die Frauen schafften zur Weltmeisterschaft 2007 schon zum zweiten Mal die Teilnahme an der Endrunde in China. Die MĂ€nner schafften es nach 1982 erneut zur FuĂball-Weltmeisterschaftsendrunde 2010 in SĂŒdafrika. Mit Wellington Phoenix stellt das Land bei den MĂ€nnern sogar einen Verein der australischen A-League. Ansonsten wird diese Sportart zwar oft im Amateur-Bereich gespielt, doch nicht professionell. Des Weiteren gehören zahlreiche Wassersportarten, zum Beispiel Surfen oder Rudern, Golf, Tennis sowie eine Vielzahl an Wintersportarten, zum Beispiel Curling, Ski fahren oder Snowboarden, zu den in Neuseeland beliebten FreizeitaktivitĂ€ten.
Die Entwicklung Neuseelands haben immer wieder deutschsprachige beziehungsweise deutschstĂ€mmige Personen entscheidend mitgestaltet. Bereits im Zuge der ersten Besiedlung Neuseelands erreichten zahlreiche Deutsche, Ăsterreicher und Schweizer das andere Ende der Welt. Die Auswanderer wurden von der New Zealand Company vor allem in Norddeutschland geworben. WĂ€hrend des 19. Jahrhunderts bildeten deutschstĂ€mmige Menschen nach Briten die zweitgröĂte ethnische Gruppe, die in den Pazifikstaat immigrierte. Sie lieĂen sich zunĂ€chst in der Region um Russell im Norden Neuseelands, auf der Banks Peninsula (âGerman Bayâ) im SĂŒdosten des Landes, spĂ€ter auch in der NĂ€he von Nelson im Zentrum des Staates nieder. Viele Ortsnamen zeugen noch heute aus der Zeit der frĂŒhen deutschen Einwanderung nach Neuseeland. Der Begriff âNeudorfâ zum Beispiel fĂŒr ein weltweit anerkanntes Weingut nordwestlich von Nelson. Personen deutschsprachigen Ursprungs sind unter anderen:
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-40.8436111111172.483055556Koordinaten: 41° S, 172° O
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