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Nitrate sind die Salze und Ester der SalpetersĂ€ure (HNO3). Die Salze haben die allgemeine Zusammensetzung MINO3 (MI: einwertiges Kation). Einige der Salze werden mit dem historischen Trivialnamen Salpeter bezeichnet. Das planare Anion NO3â trĂ€gt eine negative Ladung. Die Ester der SalpetersĂ€ure werden auch SalpetersĂ€ureester genannt und haben die allgemeine Struktur RâOâNO2 (R: organischer Rest). Einige SalpetersĂ€ureester werden fĂ€lschlicherweise als Nitroverbindung bezeichnet, so z. B. Glycerintrinitrat als Nitroglyzerin. Nitroverbindungen (RâNO2) haben jedoch im Gegensatz zu Nitraten eine C-N-Bindung.
In der Mineralogie bilden die Nitrate je nach verwendeter Mineralsystematik zusammen mit den Carbonaten bzw. mit den Carbonaten und Boraten eine eigene Klasse. In der mittlerweile veralteten 8. Auflage der Strunz'schen und der vorwiegend im englischen Sprachraum gebrÀuchlichen Mineralsystematik nach Dana werden Carbonate, Nitrate und Borate in einer Klasse zusammengefasst, in der modernen und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendeten 9. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz dagegen nur die Carbonate und Nitrate.
Inhaltsverzeichnis |
| Name | Formel | Trivialname |
|---|---|---|
| Kaliumnitrat | KNO3 | Kalisalpeter |
| Natriumnitrat | NaNO3 | Natronsalpeter, Chilesalpeter |
| Bariumnitrat | Ba(NO3)2 | Barytsalpeter |
| Calciumnitrat | Ca(NO3)2 | Kalksalpeter, Mauersalpeter |
| Ammoniumnitrat | NH4NO3 | Ammonsalpeter |
| Silbernitrat | AgNO3 | Höllenstein |
| Aluminiumnitrat | Al(NO3)3 | |
| Eisen(III)-nitrat | Fe(NO3)3 | |
| Weitere Beispiele siehe Kategorie:Nitrat | ||
Das Nitration ist planar gebaut. Alle Bindungswinkel OâNâO betragen 120°. Ebenso sind die BindungslĂ€ngen der NâO-Bindungen gleich lang und liegen zwischen den LĂ€ngen fĂŒr Einfach- bzw. Doppelbindungen. Die reale Struktur des Nitrations muss deshalb zwischen drei mesomeren Grenzstrukturen existieren:
Stickstoff verfĂŒgt als Element der zweiten Periode ĂŒber keine Oktettaufweitung durch d-Orbitale, so dass die auf den ersten Blick ungĂŒnstig erscheinenden mesomeren Grenzstrukturen mit positiven und negativen Ladungen vorliegen.
Die Salze sind - mit Ausnahme des Bismutoxidnitrat BiONO3 - gut löslich in Wasser und spielen eine wichtige Rolle als NĂ€hrstoff fĂŒr Pflanzen. Nitratanionen selbst sind weitgehend ungiftig. Grenzen zur ToxizitĂ€t fĂŒr SĂ€ugetiere und Menschen liegen in der gleichen GröĂenordnung wie diejenigen von Chloriden und Sulfaten, nĂ€mlich im zweistelligen Grammbereich. GroĂe Mengen fĂŒhren jedoch â wie bei allen Salzen â zu osmotischen Problemen (siehe: Osmoregulation). Als Lebensmittelzusatzstoffe werden Nitrate im Milligrammbereich verwendet.
Beim trockenen Erhitzen (Schmelzen) zerfallen Nitrate.
So reagiert Natriumnitrat unter Sauerstoffabspaltung zu Natriumnitrit:
Bleinitrat bildet Blei(II)-oxid und Stickstoffdioxid wird freigesetzt:
Alkalinitrate werden als Oxidationsmittel z. B. im Schwarzpulver verwendet.
Nitratsalze sind durch Umsetzung von SalpetersÀure beispielsweise mit Hydroxiden, Carbonaten, Metallen o. À. leicht zugÀnglich:
Nitrate sind auch durch vollstÀndige Oxidation von Stickstoffverbindungen wie Nitriten, Ammoniak oder Hydroxylamin zugÀnglich.
Nitrate sind in der BiosphĂ€re und HydrosphĂ€re allgegenwĂ€rtig. AbbauwĂŒrdige Mengen von Nitraten finden sich hauptsĂ€chlich in Form von Natriumnitrat. Der Hauptfundort dieses Salzes ist Chile, daher auch der Trivialname Chilesalpeter. Weitere natĂŒrliche Vorkommen gibt es in Ăgypten, Kleinasien, Kolumbien und Kalifornien. Nitrate der hĂ€ufigen Alkali- und Erdalkalimetalle kommen in natĂŒrlicher Form als Chile-, Kalk- oder Kalisalpeter vor.
Im Boden und in GewĂ€ssern werden Nitrate durch bakterielle Nitrifikation gebildet. Bei der Zersetzung insbesondere eiweiĂhaltiger Stoffe wird zuerst Ammonium freigesetzt. Die Oxidation durch Bakterien der Gattung Nitrosomonas fĂŒhrt zu Nitrit, welches durch Bakterien der Gattung Nitrobacter zum Nitrat weiteroxidiert wird. Bei einem Mangel an Sauerstoff fĂŒhrt hingegen die bakterielle Denitrifikation von Nitrat zu elementarem Stickstoff. Diese Umsetzungen werden z. B. in KlĂ€ranlagen systematisch zur Beseitigung der Stickstoffverbindungen ausgenutzt.
Nitrat wirkt als effizienter Sauerstoffspender. Deshalb ist Kaliumnitrat Bestandteil des Schwarzpulvers (Sprengsalpeter). Es werden gegebenenfalls auch Nitrate anderer Kationen verwendet, wenn farbige Lichteffekte in der Pyrotechnik gewĂŒnscht werden.
Als Lebensmittelzusatzstoff wird Natriumnitrat (E 251) und Kaliumnitrat (E 252) als Konservierungsmittel z. B. zum Pökeln von Fleisch- und Wurstwaren verwendet, da es die Bildung anaerober Keime hemmt.
Nitrate finden auch Verwendung in der Medizin, unter anderem zur Herstellung des Medikaments Isosorbidmononitrat zur GefĂ€Ăerweiterung.
Nitrate werden von Pflanzen als NĂ€hrstoffe verwertet und in der Landwirtschaft als DĂŒngemittel eingesetzt. Sie können direkt von pflanzlichen Organismen als Stickstoffquelle aufgenommen und verwertet werden.
In der Landwirtschaft werden Nitrate als DĂŒnger, auch in Form von GĂŒlle (allg. WirtschaftsdĂŒnger) eingesetzt. Diese WirtschaftsdĂŒnger enthalten Stickstoff zum Teil als Nitrat (Calciumnitrat in Blaukorn) und zum Teil als Ammonium (Ammoniumnitrat, Ammoniumphosphat), oft aber auch in Form von organischen Stickstoffverbindungen (Proteine, Amine, Harnstoff), bei deren bakterieller Zersetzung im Boden primĂ€r Ammonium frei wird. Durch Nitrifikation entsteht im Boden unter Mitwirkung von Bakterien aus Ammonium ĂŒber die Zwischenstufe Nitrit das Nitrat. Der organisch gebundene Stickstoff kann im Boden mineralisiert werden (Freisetzung von Ammonium und letztlich auch Nitrat) oder in den Bodenhumusvorrat eingehen, aus dem er erst allmĂ€hlich wieder mineralisiert wird (i. d. R. 1 bis 3 % Mineralisierungsrate pro Jahr).
Insbesondere als Folge der GĂŒllewirtschaft, (in untergeordneten Mengen auch durch ĂŒbermĂ€Ăige DĂŒngung z. B. beim Anbau verschiedener GemĂŒsearten oder in privaten HausgĂ€rten sowie durch undichte Abwasserleitungen) haben die Nitratgehalte der GrundwĂ€sser in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen. Gesetzliche Regelungen ĂŒber Art, Menge und Zeitpunkt der DĂŒngung sowie entsprechende Weiterbildungs- und SanierungsmaĂnahmen sollen zu einer allmĂ€hlichen, allerdings stark verzögerten, Sanierung des Grundwassers fĂŒhren.
Die Ursache fĂŒr gesundheitliche Risiken liegt in der Gefahr einer Reduktion des Nitrats zu Nitrit und der Bildung von krebserregenden Nitrosaminen. Eine solche Umwandlung findet zum einen im Darm durch entsprechende Bakterien statt, zum anderen können auch die SpeicheldrĂŒsen ĂŒber den Blutweg angeschwemmtes Nitrat reduzieren.[1] Die Darmflora des SĂ€uglings kann (wie die Darmflora eines Erwachsenen) Nitrit bildende Bakterien enthalten. Das entstehende Nitrit oxidiert das HĂ€moglobin zu MethĂ€moglobin, welches der SĂ€ugling aufgrund seiner noch nicht ausgereiften ReduktionskapazitĂ€t nicht wieder zu HĂ€moglobin rĂŒckreduzieren kann, so dass der SĂ€ugling von innen erstickt. Auch bei WiederkĂ€uern besteht durch Nitratreduktion im Pansen eine akute Gefahr der Nitritbildung. Hier werden sogar Nitratkonzentrationen ĂŒber 20 mg/l im Trinkwasser als schĂ€dlich betrachtet.
Der aktuelle Grenzwert fĂŒr NO3â in Trinkwasser liegt laut der deutschen Trinkwasserverordnung bei 50 mg/l, nach der schweizerischen GewĂ€sserschutzverordnung bei 25 mg/l.[2] WĂ€sser, die diesen Grenzwert ĂŒberschreiten, werden von Wasserversorgern oft mit nitratĂ€rmerem Wasser vermischt, um den Grenzwert einzuhalten. In jĂŒngster Zeit wurden erste Wasseraufbereitungen mit Umkehrosmose oder Nanofiltration gebaut, um durch Teilentsalzung den Nitratwert im Trinkwasser abzusenken.
Nitrat selbst ist in den GröĂenordnungen der Grenzwerte vollkommen ungiftig. Gefahr besteht fĂŒr SĂ€uglinge und fĂŒr Menschen mit entarteter Darmflora durch die mögliche Bildung von Nitrit. In der Hauptsache aber dienen die Grenzwerte fĂŒr Nitrat als Indikatorwerte fĂŒr eine allgemeine Belastung der Trinkwasserquellen mit stickstoffhaltigen organischen Verschmutzungen, die eingedĂ€mmt bleiben sollen (siehe Absatz zur Philosophie der Grenzwerte in der Trinkwasserverordnung).
Salpeter (von lat. sal petrae, âFelsensalzâ) ist der Trivialname einiger hĂ€ufig vorkommender Nitrate. Im Einzelnen unterscheidet man folgende Salpeterarten:
In der Natur können sie auf unterschiedlichen Wegen entstehen. Salpeter bildet sich in trockenen, heiĂen, ariden, vegetationslosen Gebieten bei biochemischer Zersetzung (Oxidation) stickstoffhaltiger organischer Stoffe (Guano und andere Exkremente von Vögeln und anderen Tieren), ebenso von Mikroalgen, Stickstoffbakterien u. a. Weiterhin kann es durch atmosphĂ€rische Stickstoffbindung und die Korrosionswirkung der SalpetersĂ€ure auf GesteinstrĂŒmmern des WĂŒstenbodens gebildet werden. Nitrate entstehen aus Tuffen in ausgedehnten Liparit-Formationen.
In frĂŒherer Zeit wurden die Hersteller des Salpeters als Salpetersieder bezeichnet. Historisch sind Kali- und Chilesalpeter nicht nur als Sauerstoffspender im Sprengsalpeter (Schwarzpulver) von Bedeutung. Salpeter war bis zur Entdeckung der Haber-Bosch-Synthese von Ammoniak die einzige Quelle fĂŒr gröĂere Mengen von Stickstoff-Verbindungen, insbesondere fĂŒr NitratdĂŒnger und SalpetersĂ€ure. Er wurde weltweit verschifft (siehe Salpeterfahrt). Daher ergaben sich bis ins 20. Jahrhundert Konflikte um diesen Rohstoff, z. B. der Salpeterkrieg in SĂŒdamerika 1879 bis 1884. Mehrere BauernaufstĂ€nde im Hotzenwald fĂŒhrten im 18. und 19. Jahrhundert zu den Salpetererunruhen. Das Salpeterversprechen, ein Vertrag zwischen Carl Bosch und der Obersten Heeresleitung von 1914, sollte die synthetische Herstellung von Salpeter im industriellen Rahmen ermöglichen.
| Name | Formel | |
|---|---|---|
| Ethylnitrat | | |
| Glycerintrinitrat | | |
| Zellulosenitrat | | |
| Weitere Beispiele siehe Kategorie:SalpetersÀureester | ||
Organische Nitrate â die SalpetersĂ€ureester â sind hĂ€ufig Verbindungen, die sich explosionsartig zersetzen können. Daher finden einige von ihnen als Explosivstoffe Verwendung (z. B. Nitropenta, Pentaerythrittrinitrat oder Glycerintrinitrat). Zellulosenitrat mit unterschiedlichen Nitrierungsgraden findet Verwendung in der Pyrotechnik, ist ein Bestandteil in Nitrozelluloselacken (Nitrolacke) und in Zelluloid.
Ester der SalpetersÀure werden durch Veresterung eines Alkohols mit SalpetersÀure erhalten. Zur Nitrierung kann ein Gemisch aus konzentrierter SalpetersÀure und konzentrierter SchwefelsÀure, der so genannten NitriersÀure, eingesetzt werden. In der NitriersÀure bildet sich das Nitroniumion NO2+:
Die Umsetzung mit SchwefelsĂ€ure und SalicylsĂ€ure fĂŒhrt zu einem intensiv gelben Reaktionsprodukt, das nach DIN 38405-29 (Deutsche Einheitsverfahren D29), modifiziert nach ISO 7890-3, zu einer empfindlichen Bestimmung des Nitratgehalts in Wasserproben genutzt werden kann.
Qualitative Nachweismethoden sind: