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Friedrich Norbert Theodor von Hellingrath (* 21. März 1888 in München; † 14. Dezember 1916 bei Douaumont) war ein deutscher Germanist, der den Dichter Friedrich Hölderlin neu entdeckt hat.
Inhaltsverzeichnis |
1906 begann Hellingrath ein Studium der griechischen und deutschen Philologie an der Universität München. Seine Lehrer hier waren vor allem Otto Crusius und Friedrich von der Leyen, der ihn mit Friedrich Hölderlin bekannt machte. Im November 1909 entdeckte Hellingrath in der Bibliothek Stuttgart späte Hymnen und Pindar-Übertragungen Friedrich Hölderlins, die er sofort in Abschriften an Freunde und Bekannte schickte. Sein Freund Karl Wolfskehl, ein Mitglied des George-Kreises, gab sie an den bekannten Dichter Stefan George weiter, der Hellingrath daraufhin sofort aufsuchte und ihm eine erste Veröffentlichung in seinen Blättern für die Kunst ermöglichte (9. Folge, Februar 1910). Der spektakuläre Fund wurde schnell bekannt. 1910 folgte die erste vorläufige Buchausgabe (Hölderlins Pindar-Übertragungen, Verlag der Blätter für die Kunst), 1912 begann Hellingrath, der dabei von seinen Freunden Edgar Salin und Wolfgang Heyer unterstützt wurde,[1] mit der Herausgabe einer Hölderlin-Werkausgabe, deren erster Band 1913 erschien. Auch in seiner Dissertation beschäftigte sich Hellingrath mit den Pindar-Übertragungen.
Hellingraths Entdeckung hatte eine enorme Wirkung auf die literarische und wissenschaftliche Welt im Deutschland seiner Zeit. Hölderlin, bis dahin kaum beachtet, wurde zunehmend als einer der bedeutendsten deutschen Dichter anerkannt. Stefan George stilisierte ihn fortan zu einem seiner wichtigsten geistigen Ahnherren und veranlasste so bedeutende Wissenschaftler seines einflussreichen Kreises, sich ebenfalls mit Hölderlin zu beschäftigen. Max Kommerell etwa ging in seinem Werk Der Dichter als Führer in der deutschen Klassik (1928) ausführlich auf Hölderlin ein.[2]
Die Entdeckungen und deren Edition hatten auch einen großen Einfluss auf die akademische Jugend. Klaus Mann schrieb im Rückblick, zu Anfang des Ersten Weltkriegs habe die damalige Jugend geglaubt, für ein „hölderlinsche[s] Deutschland [...] sterben zu müssen“.[3] Auch Carl Schmitt notierte später: „‚Jugend ohne Goethe’ (Max Kommerell), das war für uns seit 1910 in concreto Jugend mit Hölderlin“.[4] Die Entdeckungen beeinflussten auch viele andere Autoren, die sich mit Hölderlin auseinandersetzten, etwa Walter Benjamin, dessen früher Aufsatz Zwei Gedichte von Friedrich Hölderlin deutlich von Hellingraths Ansätzen geprägt ist[5] sowie Martin Heidegger, der eine der wichtigsten Hölderlin-Deutungen des 20. Jahrhunderts vorgelegt hat.
Hellingrath selbst, der sich zunächst mit Georges Dichtung schwer getan hatte,[6] 1908 aber einen Zugang gefunden hatte, wurde ein anerkanntes Mitglied des George-Kreises. Er bekannte sich zum georgischen „geheimen Deutschland“[7] und verband laut Eigenaussage seine „nächsten Hoffnungen von der Zukunft der Welt mit dem Namen Stefan Georges“.[8] Seine Arbeit für Hölderlin und George konnte er jedoch nicht zu Ende bringen. 1914 zog er, Hölderlin- und George-Ausgaben im Gepäck,[9] in den Krieg. Nach einem Reitunfall kam er 1915 noch einmal in die Heimat, wo er zwei Vorträge über Hölderlin und die Deutschen und Hölderlins Wahnsinn hielt. Zu seinen Hörern gehörten neben seinem besten Freund Wolfskehl Rainer Maria Rilke, Alfred Schuler und Ludwig Klages.[10] 1916 fiel er in der Schlacht um Verdun bei Douaumont. Seine Hölderlin-Werkausgabe – Hellingrath hatte den vierten und den fünften Band ediert – führten Friedrich Seebaß und Ludwig von Pigenot fort.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hellingrath, Norbert von |
| ALTERNATIVNAMEN | Hellingrath, Friedrich Norbert Theodor von |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Germanist |
| GEBURTSDATUM | 21. März 1888 |
| GEBURTSORT | München |
| STERBEDATUM | 14. Dezember 1916 |
| STERBEORT | Douaumont |